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Saust«# 23. vk,rmd« VHt

58. Jatzrgang.

1

Zeitung

4. Blatt.

vrnck und Verlag »er Suita« Aetiendruckerel in Suita.

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Zil Stil ReilWMhle».

4- Das Zentra n.

Als die weitaus größte politische Partei zieht das Zentrum in den gegenwärtigen Wahlkampf ein, zugleich aber auch als die am grimmigsten befehdete.

Trotz einer vierzigjährigen für das Vaterland "ersprießlichen Wirksamkeit des Zentrums, die toie* derholt die Anerkennung nicht nur der führenden Personen anderer Parteien, sondern auch leitender Staatsmänner fand, hat sich dos allgemeine Vor­urteil und der Haß, von dem die gegnerischen Kreise schon bei der Begründung des Zentrums erfüllt waren, ungeschwächt bis auf den heutigen Lag erhalten.

Wohin wir schauen, überall begegnen wir Miß­trauen und Abneigung gegen uns. Von der So- iialdemokratie trennt uns eine unsüllbare lüft. Der Freisinn, der zu Zeiten eines Eugen Richters Verständnis für die Politik des Zentrums bewies und wiederholt bei den Wahlen mit dem Zentrum zusammenging, hat eine Taktik eingeschlagen, die ihn von uns fort m der Sozial- demokratie geführt hat. Im nationallibera­len Lager, in dem die Erinnerung an die Kultur­kampfzeit nie erloschen ist, ist der Haß gegen alles, was katholisch heißt, wieder hell aufgeflackert nnb hat sich dem Freisinn mitgeteilt. In den Kreisen der Konservativen hat dank der Schürung des konfessionellen Zwistes durch den Evangelischen Bund, das Mißtrauen gegen das Zentrum so um ich gegriffen, daß den Führern der Konservativen elbst ein Zusammengehen mit dem Zentrum in wlitischen Einzelfragen als eine Kompromittierung hrer Partei zum Vorwurf gemocht wird. Und end- ich, in Regierungskreisen besteht gegen Has Zentrum eine solche Abneigung, daß die Ans­chaltung des Zentrums durch den Fürsten Bülow als eine befreiende Tat empfunden wurde.

Die in der Wahlkampagne für uns gegebene Situation ist also die, daß die Linke konzentrisch ihren Angriff in erster Linie auf das Zentrum rich­tet und daß man auf der Rechten nur dort den Kampf gegen uns meidet, wo das eigene Partei- intereffe dies erfordert. Wir sind demnach in dem bevorstehenden Wahlkampf in der Hauptsache auf uns selbst gestellt. Wir haben nie um die Gunst der Parteien gebuhlt, wir haben nie an der Sonne der Regierung unseren Parteitopf zu wärmen ge­trachtet. Die harte Schule, die wir kurz nach der Begründung des Zentrums durchzumachen hatten, hat uns gelehrt, daß auch in der Politik Selbst verMannist und diese Tradition hat sich in uns lebendig erhalten. Wenn trotzdem das Zentrum bei den gegenwärtiaen Wablen auf eine ruhmreiche Vergangenheit zurückblickt, die es trotz aller Anfech- mngen vonseiten der Parteien unb der Regierung Jur st ä r k st e n politischen Partei gemacht hat, so iegt für jeden, der die Svrache der Geschichte ver­steht, darin ein bündiger Beweis, dafi das Zentrum, aus dem Volke für das Volk geboren, ein für das Volk unentbehrliches Parteigebilde geblie- lcn ist.

An der Wiege des Zentrums hat nicht der Egois­mus einzelner führender Personen oder das Interesse eines bestimmten Volkskreises Pate gestanden, son­dern die Einsicht, daß dem Vaterlands eine Partei not tue, die, alle Kreise und Stände des Volkes umfassend, ein notwendiges Gegenstück zu der Sonder-Interesscn-Vertretung bilde, wie sie m den Parteien der Re^t-m und Linken zum Aus­druck kam. Die Bersassunq schreibt vor, daß der einzelne Abgeordnete das Wohl des gesamten Volkes zu vertreten habe, nicht dasjenige einer bestimmten Volksklasie. Diesen Geist der Verfassung als Maßstab ihrer Eristenrberechtiqung au unsere Parteigruppen angelegt, ist das Zent'nm die einzige w'fl Volks-Partei. Zusammenacsetzt aus allen Schichten der Bevölkerung, vertritt sie die Interes­sen aller Volkskreise, die ideellen nicht minder als die materiellen.

Keine andere Partei kann sich hiermit zu dem Zentrum in Vergleich stellen. Die Sozialdemo­kratie vertritt einzig den Arbeiterstandpunkt, der Freisinn ist vorwiegend Repräsentant von Han­del und Kapital, die N a t i o n a l l i b e r a l e n repräsentieren in erster Linie die Industrie, die

Konservativen die Landwfttfchaft. Die poli­tische Aktion jeder einzelnen dieser Parreien gilt in erster Linie der Wahrung der Interessen, für deren spezielle Vertretung eben jede dieser Parteien ge­schaffen wurde. Lehnlich finden bei diesen Parteien die geistig-kulturellen Interessen eine mehr oder minder einseitige Vertretung. Die Sozialdemo­kratie bekämpft jede rwsitive Religion. Ter Freisinn und auch weite Kreise bei Ratio- nalliberalen huldigen der liberalen Richtung aus religiösem Gebiete, die zum Skeptizismus und zur Negierung führt. Auf konservativer Seite macht sich erfreulicherweise ein Festhalten am positiven Christentum geltend, aber leibet kann man sich auch dort von Vorurteilen gegen den Katholi­zismus nicht frei machen.

Der Vertretung all dieser Sonderinteresien steht das Zentrum gegenüber al» eine Partei, welche die wirtschaftspolitischen Aktionen o-- trugen P.r’tien vom Jnteressenstandpunkt des Gesamtvolkes aus er- gänzt, ausgleicht oder bekämpft und auf religiösem Gebiete für alle gleiche» Recht fordert..

So bedeutet das Zentrum einen politischen Brennpunkt, in welchem jede einseitige Jnleresien- Vertretung an der Zusammensetzung de» Zentrums ihre Brechung findet. Hierin bat bisher die K r a f t und der Erfolg bei Zentrums beruht, hierauf gründet sich seine Emheft. Es hat seine Kraft gesogen au» den Wurzeln des Volkes in ihrer Verästelung in die verschiedenen Bolkskreise und deren Einzelschichten und sein Ersolg mußte daher auch dem gesamten Volke zugute kommen. Wenn das Zentrum nicht existierte, so müßte eS erfunden werden. Dieses Wort einer Persönlichkeit, die nickst unserem, sondern dem gegnerischen Lager angehörte, bat seine historische Berechtigung. Einen derartigen Faktor aus dem politischen Leben aus­zuschalten, würde den Beginn eines wilden In - trressenkamvfeS zum Schaden weiter Volks- krcise und damtt de» Gesamtwohles bedeuten. Fürst Bülow hat diesen Versuch gemacht, er ist daran zugrunde gegangen und die von ihm entfachte Par- t»ileidenschaft gibt der jetzigen Wahlkampagne ihr Gepräge. Es war ein gefährliches Spiel von ihm, bei den Wahlen 1907 Zentrum und So­zialdemokratie in einen Topf zusammen zu werfen, Konservative und Liberalismus mit einer Aufgabe zu betrauen, die beide bei ihrem inneren Gegensa^e gemeinsam garnicht lösen konnten und damit die koefahr einer wetteren Zerrissenheit der bürgerlichen P arteien und die Annäherung eines Teiles dersel­ben an die Sozialdemokratie heraufzubeschwören. Tas Ergebnis liegt in der Wahlkonstellation jetzt vrr uns.

Welche Derwirrnttg muß es im Volke anrichten, daß die nationalliberalen und freisin­nigen Hurrapatrioten von 19 0 7, dank der Bülowschen Politik nunmehr Arm in Arm mit der Sozialdemokratie in den Wahlkampf ziehen, mit derselben Sozialdemo­kratie, die sie im Jahre 1907 bekämpft, und daß von ihnen das Zentrum al» die schlimmere Gefahr hingestellt wird. Eine solche Zerrissenheit der bür­gerlichen Parteien, die Markierung einer solch schar- feit Linie zwischen rechts und links, wie sic in der gegenwärtigen Wahlbewegung vor uns liegt, war seit dem Entstehen des Reiches noch nicht da. Sie würde, wenn der Großblock zustande kommt, i n Parlanient hinsichtlich der Politik die Eröffnung einer liberal-fozialbemokratischen Ge­waltherrschaft bedeuten.

Die Schaffung einer Großblockmehrheit kann in ihrer Wirkung auf den Zusammenschluß der in ihr vertretenen Parteien nicht beschränkt bleiben, sie verschärft als nnanshaltsame Konsequenz künstlich den natürlichen Gegensatz zwischen sich pnd den Par- teieu der Rechten, erschwert damit die V er­st L n d i g n n g zwischen rechts und links und legt damit dem Volke ihren Willen auf. Darüber darf sich kein Wöhler im Unklaren sein. Der sh- stentatische Kampf, der gegen das Zentrum von der Linken proklamiert ist, die gewissenlose Verhetzung gegen das Zentrum, die Verdächtigung seiner Politik — sie alle leiten sich her aus der Einsicht des Geg- tier5, daß, wenn das liberal-sozialdemokratische Re- gune eingeführt werden soll, das bisherige Boll­werk gegen eine einseitige Interes­se u w i r t s ch a f t, das Zentrum, bei den Wah­len zu Boden geworfen werden muß.

Bei der neuen Paarung, die wir in der gegen­wärtigen Wahlbewegung vor uni haben, bei der rm Vergleich zur Büwwscheu Paarung die Umsturz- Partei anstelle der Konservativen an die Sette bei Liberalismus getreten ist, handelt es sich nicht mehr um einen Ausgleich der politischen Bestrebungen von rechts und links, sondern um die A u S l ie f e r u n g der Entscheidung über alle wirtschaft­lichen und kulturellen Fragen au den Großblock. Es steht also mehr auf dem Spiele, wie lediglich der Kampf gegen das Zentrum. Es fteht für alle Wähler, die sich den Parteien der Rech- ien zurechnen, die Entscheidung auf dem Spiele, ob im Reiche, al8 dem Repräsentanten, der deut­schen christlichen Staaten, eine materialiftifd)« atheistische Weltanschauung über die wirtschaftlichen und kulturellen Gü­ter des denlschen Volkes schalten und ro a 11 e n f o 11. Diese Frage ist von so ausnehmend wichtiger Bedeutung, daß Konservative und Zentrum, Protestanten und Katholiken, hn ge­genwärtigen Wahlkampf alles Trennende zurück- seyen und sich der gemeinsamen Momente be­wußt sein müssen. Für die beiden Parteien der Rechten, wie für die beiden christlichen Konfessionen, handelt es sich um nicht mehr und nicht minder al» einen Existenzkampf. Der Bedeutung dieses Kamp- fes entsprechend, sollten daher die zahlreichen Wähler, die zu uns gehören, die aber teils au8 Lauheit, teils au8 unrichtiger Beurteilung de» Zentrum», oder gar au» salschen Rücksichten ihre Zugehörigkeit zu uns sonst nicht zu betätigen belieben, diesmal mit ihrer Jnteresienlosigkeit und ihren Bedenken aus- räumen und sorgen Helsen, daß die R e,ich sPo­litik nicht an unseren gemeinsamen Feind auSgeliefert wird.

Deutsches Deich.

X DaS Wassergesetz. Der Entwurf eines preu­ßischen Wassergesetzes, das in 365 Paragraphen da» Wasserrecht für das ganze Staatsgebiet einheitlich und erschöpfend regeln will, liegt nunmehr vor. In der Begründung wird darauf hingewiesen, daß das in Preußen geltende Wasserrecht den Anforderungen der fortschreitenden Volkswirtschaft nicht genüge. Es seien vor allem neue Vorschriften notwendig auf dem Gebiet der Bodenkultur zur Beseitigung stauender Nässe und zur Benutzung des Wassers für die Be- feuchrung des Bodens, ferner zum Schutz gegen Hoch­wassergefahr und vor allem über die Ausnutzung de» Wasser» für gewerbliche Zwecke. Als Ergebnis der seitherigen Rechtsentwicklung bezeichnet die Begrün­dung die große Zersplitterung des geltenden Wasser- rechis. Die Trinkwasserversorgung der großen Ge­meinden, die industrielle Ausnutzung der Wasserkraft, der steigende Verkehr auf den Wassersftaßen, die Tal­sperren, alle diese Formen der Wasserbenutzung ver­langen, wie die Begründung eingehend darlegt, neue einheitliche gesetzliche Regelung, lieber Beariff und Arten der Wasserläufe bestimmt § 1 des Entwurfs „Wasserläufe sind Gewässer, die in natürlichen oder künstlichen Berten beständig oder zeittweilig ober­irdisch abfließen, einschließlich ihrer oberirdischen Quellen und der Seen, aus denen sie abfließen, so­wie ihrer etwa unterirdisch verlaufenden Strecken (natürliche, künstliche Wasserläufe). Ein natürlicher Wasserlauf gilt als solcher auch nach einer künstlichen Veränderung.* Ueber die Gewnssep, die nicht zu den Wasseräufen gehören, sagt § 175:

Der Eigenlümer eines Grundstücks kann Über das auf ober unter der Oberfläche befindliche Wasfer ver­fügen, soweit fich nicht -ins diesem Gesetz, insbesondere aus den Vorschriften über die Wasserlaufe und ihre Benutzung, ein anderes ergibt ober Rechte Dritter ent« gegenstehen.

Der Entwurf enthält Bestimmungen über Wasser- laufe, ihre Benutzung usw., über Wassergrnossen- schaften, Verhütung von Hochwassergefahr. Zwanas- rechte, Wasserpolizeibehörden, Sftomausschüffe, Waf- serbeiräre, Strafbestimmungen.

** Der Abg. Schrader wehrt sich. Der Abg. Schrader, ein Führer der Freisinnigen, hatte be­kanntlich im Reichstag in den Sitzungen vom 13. und 14. Dezember 1910 bei der Besprechung des ModcrnisteneideS u. a. folgende Forderungen aufge­stellt:

Zie Tochler SeZ Krrbsmle«.

28] Rowan von Adele Böttcher.

„Mr stad allein", saat Orloff, nachdem der Kell­ner sich entfernt hat. „Ich bin bereit, Ihr Anliegen anzuhören."

Orlando setzt sich nicht. Neben Orloffs Stuhl bleibt ec stehen und sucht nach einem paffenden An­fang für seine Werbung.

»Ich liebe Ihre Enkelin, mein Fürst, und bitte Sie um ihre Hand!" platzte er endlich heraus, ge­radeswegs auf sein Ziel Io8fteuemb.

Die Wirkung dieser wenigen Worte ist eine ganz unerwartete: sie scheinen den Alten völlig aus her Fassung zu bringen. Unruhig bewegt er sich in sei­nem Sessel hin und her und bedeckt die blinden Augen "mit den Händen, die merflich zittern.

Endlich scheint er seiner stummen Erregung Herr geworden zu sein. Langsam wendet er sich Orlando »u und streckt ihm die langen, dürren Finger hin, die der junge Mami rasch ergreift.

„Die Nachricht kam zu unerwartet. Bedenken Sie, Signore: meine teure Enkelin ist das Einzige, toa6 mir geblieben ist auf dieser Welt! Die einzige Stühe meines Alters! Immerhin >— es gäbe keinen Menschen, dem ich das Glück des geliebten Kindes lieber anvertrauen würde, als Ihnen, dem Sohn te8 Parlamentsmitgliedes Marchese Silvio Campa- nelli."

Orlando macht eine hastige Bewegung des Er­staunens, während der Alte lebhaft fortfahrt: „Jeder Mensch kann einen Irrtum begehen auf unserer un­vollkommenen Welt. Aber es gehört die.Charakter­größe Ihres Herrn Vaters dazu, um diesen Irrtum »tcht nur einzugestehen, sondern auch zu einer so­fortigen Genugtuung bereit zu sein. — — Wann pars ich den Herrn Marchese begrüßen?"

Einen Augenblick ist Orlando wie gelähmt. Erst tadj geraumer Zeit erwidert er zögernd: „Ver­zeihen Sie, mein Fürst. Wer mein Vater hat mit Riefer Angelegenheft absolut nichts zu tun."

Der Ausdruck schmerzlichsten Erstaunens in Or- losfs Zügen, als er wie ohnmächtig in seinen Sessel zurücksinkt, wäre eine Studie für einen Physiogno- mikrr.

„Aber —" ächzt er, indem er sich mühsam wieder ausrichtet und die Ellbogen auf die Lehnen des Ses­sels stützt — „sicher nehmen Sie eS doch als selbst­verständlich an, daß Ihre Werbung von Ihrem Herrn Vater — gebilligt wird?"

„Nicht so ganz, mein Fürst. Ich fürchte im Gegenteil —"

„Dann verkennen Sie mich vollständig, junger Mann", imtetbricht ihn der Alte hobeitsvoll. „Glau­ben Sie im Ernst, daß ich meine Einwilligung zu einer Verbindung geben werbe, die Jbr Vater viel­leicht als eine Beleidigung anfleht? Achten Sie mich so gering, daß Sie annehmen können, ich würbe bie Hapd meiner teuren Enkelin einem Manne anv er­träum, besten Vater mich eines gemeinen Verbre­chens zieh, ohne hierfür um Entschuldigung zu bit­ten oder mir eine Genugtuung irgendwelcher Art zu geben?"

Zornig springt er auf und bedeutet Orlando, der sich vertetdigen will, zu schweigen.

„Ich mag fein Wort mehr über die Sache hörm! Es sei denn, daß der Marchese Silvio Campanelli selbst für seinen Sohn um bie Hand meiner Enkrlin bei mir wirbt!"

Zu jeder ander« Zeit würde Orlando laut auf« gelacht haben bei dem Gedanken, daß sein stolzer Voten von irgend jemandem eine Gunst erbttftn könnte. Hmte jedoch bleibt fein Gesicht tiefernst.

„Ich möchte hoffen, daß er feine Einwilligung geben wird — mtt her Zeit —' sucht er einzulenken.

Einige Augenblicke scheint Orloff zu überlegen. Dann sagt er ruhig bestiumttr

„Gut. Wir «eisen erst heute abend mit dem Nachtzug ab. 8» Reibt Ihnen also Zett genug, um bei Ihrem Vater, der sich «»hl noch in Frascati be. findet, entweder persönlich »bet telegraphisch anzu­fragen, ob er seine Einwilligung zu der Verbindung gibt oder nicht," . - .

Mit überemandergeschlagenen Annen, den Kopf hoch erhoben, steht der Greis da — das Bild eines fcsten, unbeuasamen Entschlusses.

„Ich werde es versuchen, mein Fürst."

Wie widerstrebend legt der Alte seine Rechte in Orlan.ws bittend ausgestreckte Hand.

„Ich zweifle nicht daran, daß Ihre Wflchtm durchaus ehrenwert sind. Aber Sie müssen mir Ihr Wort geben, daß, falls die Nachricht ungünstig aus­fallen sollte —" heftig zieht er seine Hand zurück — „daß Sie in diesem Fall uns weder folgen, noch Irgend eine ^Begegnung mit meiner Enkelin herbei­führen toerben!"

Orlando zögert. Er vermag es nicht sogleich, ein Verfvrechm zu gebot, das für ihn in Zukunft jedes Glück ausschließt.

„Sie zögern?" ruft der Greis mit vor Erregung zitternder Stimme. „Um der Ehre des Weibes wil- lon, da» Sie lieben, um bet Ruhe eine» Greises willen, der Ihnen nichts Böses getan — geben Sie mir Nr Ehrenwort!"

Und Orlando gibt mit Handschlag sein Ehrm- wort.

Er weiß, eS ist verlorene Liebesmüh; trotzdem fragt er bei seinem Vater telegraphisch an, ob er seine Einwilligung zu der Verbindung seines Sohnes mit der Prinzessin Sonja Orloff gebe.

Schon nach wenigen Sttmdm läuft die Antwort ein — kurz und bündig:

„Nein."

Obgleich Orlando keine andere Antwort erwartet halte, ist er doch völlig nichergefchmettert — nun, da er die Gewißheit hat, daß alles aus ist zwischen ihm und der Geliebten.

Al» die Dämmerung sich herabsenkt auf die „ewige Stadt", wächst feine Erregung. Er verwünscht seine Nachgiebigkeit dem alten Mann gegenüber, dem er sein Ehrenwort verpfändet, Sonja nicht wieder zu sehen.

Al, aber die Nacht hcrelnb richt — die unbarm­herzige Nacht — mtt lauernden Augen hereinglotzend durch die Fensterscheiben, einem Untier gleich, jede Sekunde bereit, hervorzustürzen und auch den letzten

L Rein katholischer Geistlicher soll mehr den 5Ullgtotifuntentd)i in den Schulen erteilen dürfen!

2. Rein latboideter Geistlicher foll mehr zur Schul­aufsicht mgetaffen roerhen!

3. Kattzolttche Priester sollen nicht mehr im Staats­dienst angeüeflt werden!

4. Kein kaibokscher Geistlicher soll mehr in den Reichslag gewählt werden können!

5. Die Katholiken insgesamt sollen künftig nicht mehr all Etaaisdiener anaefteQi werden!

Shin behaupten „fortschrittliche" Blätter, die e» der „Frankfurter Zeitung" nachsagen, eS sei n i ch t richtig, daß Schrader auch da» verlangt habe, was Punkt 5 besagt, nämlich, baß katholische Mitbürger nicht in den Staatsdienst ausgenommen werden. Im Stenogramm des Reichs- tagsberichts stehe nichts davon. Taz stimmt. Be­kanntlich haben aber etwa vier Zcntrumsabgeordnete erflärt, fit seien jederzeit in der Lage, zu versichern, Schrader habe jene Aeußerung doch getan. Da Schrader jedoch ausdrücklich sich $u jener Aeußerung nicht bekennen will, so mit) man darauf verzichten müssen, sie fernerhin zu verwenden. Im übrigen bleibt noch genug übrig aus jener Rede, bie alles eber, al» Toleranz unb Kenntnis der Dinge verriet, über bie fle sich verbreitete. Zur Kennzeichnung der „liberalen Toleranz" des Wg. Schrader und seiner Partei genügt aber auch schon baS, was er nicht abstreitet.

Ausland.

♦# Da? kirchenpoltlflche Programm der veremlgim Katholiken Frankreich», der Action Liberale, ist jetzt von Admiral De Cuverville, dem ersten Senats- kandidaten der Gruppe katholisch gesinnter Repu­blikaner und Ralliierter, veröffentlicht worden. E» umfaßt folgende Punkte:

1. Wiederherstellung von Beziehungen zwischen dem Vatikan und Frankreich; ohne btefe gibt es keinen religiösen Frieden, batür aber ben Verlust des Protek­torats mtt seinem Einfluß tm nahen und fernen Osten. 2. Gesetzliche Bestimmungen für dte Kirche in Frank­reich, die ihr SuItuSfieibett, Befitz bet religiösen Ge­bäude unb Fortdauer der Stiftungen für die Toten sichern. 3. Die Abschaffung der Gesetze, welche bl« religiösen Kongregationen an flößen, jene Zierde unseres Landes und die tätigsten Agenten für den französischen Einfluß. 4. Die Freiheit der Familienväter in der Aus­wahl der ermächtigten Schulen, denen sie ihre Kinder anvertrauen wollen. Gerechte Verteilung der staat­lichen Bethülfe an staatliche und katholische Schulen.

Möchte da? katholische Frankreich immer und überall Männer finden, die entschlossen sind, in ben Stürmen gegen dte Kirche diese, großzügige Pro­gramm mutvoll zu verteidigen!

** Der Kampf gegen ben Katholizismus wird in Spanien infolge der Freundschaft der „demokrati­schen" Regierung Eanalejas mtt den Freimaurern, Freidenkern und Revolutionären nun auch auf dem gleichen Gebiete gerührt, wie da, in Italien bet Fall ist. Ter Stodtrat in Madrid schafft bi« katholischen Schulen ab, indem er ihnen von heute auf morgen feine Mittel mehr gewährt und wendet diese Mittel den „freien Schulen" zu, bi« nichts anderes al» Laienschulen, zum Teil im Ferrrr- Stile, sind. Der letzte Beschluß be» Stadtrate» geht dahin, diesen Schalen jährlich 120,000 Mark juju» letten, den Zuschuß an die Schulen mit katholischer Erziehung der Kindrr aber auf ganze — 96 Mark zu beschränken.

Aus dem Nachbargebiete.

♦ Vom Vogelsberg, 22. Dez. 1911. In einem Dorfe bei U11 i * ft < t n haft« ein Bauer Mängel bei einem Slück Rindvieh, das mehrmals gerindert hatte und doch nicht trächtig geblieben ist. Dessen Schwiegermutter kam nun auf folgende Idee: „Aich wais äbbes," sagte sie zu ihm, „hoil (hole) dir ein Fläschche Franzoseöl und schütt's ihm amt (ein), baaS wirft." Gesagt, getan; aber weich' eine Enttäuschung! Kaum hatte man das Oel der Kuh eingeschüttet, furze Zeit darauf ist sie verendet. Der Landwirt hoffte nun bei der Kaffe, dte in dem Dorfe besteht, den Schaden ersetzt zu erhalten; dies wurde jedoch vom Vorstande abgelebnt mit dem Bemerken, daß er durch fein eigenes Verschulden den Tod des Stück Viehes herbemesührt habe.

—r—i—n—i............... — mi- . -»»i

Hoffnungsschimmer zu verschlingen; als die Uhr der Kirche San Giovanni in tiefen Tönen die elfte Stunde über Rom dahinsummt, die Zeit, zu der der Zug ihm bie Geliebte für immer entführen foll--

da duldet es Orlando nicht mehr in seiner einsamen Junggesellenwohnung. Ihm tft, al» sehe er Sonja» große Atigen inmitten des Menschengewühls auf dem Bahnhof sehnsüchtig nach ihm auSblickou — als höre er den schrillen Psiss der Lokomotive und gleich darauf das Schnauben de» foNdraussndcn Zuge».

Er eilt hinaus. Wie ein Irrsinniger rennt er umher auf ben Straßen — planlos, ziellos.

Plötzlich kommt Ihm ein Gedanke. Wie, wenn Orloff durch irgend einen unvorhergesehenen Um­stand seine Abreise verschoben Hüfte? —

Neue Hoffnung beseelt ihn. Richt denkt et mehr an da? Versprechen, das er dem alten Mann gegeben. Nur Gewißheit! Gewißheit um jeden Preis!!

Er fährt zum Grand Hotel.

„Der Herr Fürst hat mit der Prinzessin gegen halb elf Uhr das Hotel verlassen, um mit dem Schnellzug nach Mailand zu fahren"^ melde- der Portier.

Also doch! —

Eine müde 'Resignation bemächtigt sich OrlandoS. Ihm ist, als habe er mit Sonja das Schönste, Edelste verloren, das seinem Leben Reiz und Kraft verleihen sollte.

Mit schleppenden Schritten schleicht er die Via Ludovifl zurück nach seiner Wohnung.

Als er die Haustür aufschließt, öffnet der Por­tier fein Giickfensterchen.

„Signore, eine Dame erwartet Sie in 'der Por- tiersloge."

Völlig glelchoiltig, ohne den Sinn der seltsamen Meldung erfaßt zu haben, betritt Orlando das kleine Zimmer des PorfterS, der sich sofort diskret zurück­zieht.

Eine verschleierte Dame erhebt fich von dem fiel» nen, harten Sofa und geht ihm langsam entgegen.

Al» fle denSchleier zurückschlägt, ist e» Orlando, all versänke der Boden unter seinen Füßen.

Sonja steht vor ihm. (Flirts, folgt)