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Zuldaer W Zeitung

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A. parMer in Jutta. Vochenh^KlKt! „JOuftrierte ZomUagrMng"

Fulda, Samstag Den 23. Dezember INI.

Erstes Blatt

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Verantw. Ledatteurr «an Schütte,

-lUttZeieHag«. viertel» fthrUche»verv»eprrir »hne Brinaerlofrn and vrstkllgeto m Hulda fo- MeamwSrtLl.SvMk.

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MonaKbeilage: „JÄdatt Gefchlchtrblätter"

ItfiesttnMtPttttyQt Pf«., bet ©Miet» gelangen wird ernte*. Kabatt fCtufl^L

Betettentri^es» Verla, der FuttaaS tttsMnteti ix Jsd* Aerssprether Lr.0.

38. Jahrgang.

SgfiäT Wegen des hl. WeihnachtsfesteS wird die nächste Nummer der ,Fuldaer Zeitung' erst am Mittwoch ausgegeben.

V Weihnachten rms Wahltag.

Dieses Jahr fällt das C>nstfest in die Zeit der Wahlvorbereitungen. Die Stille der heiligen Tage wird gestört durch den Lärm und die Aufregung, die mit der üblichen Agilativn verbunden sind. Hier da? Friedensfest, dort der Meinungsstreit und Jnterestcnkampf.

Und doch gibt es einen inneren Zusammenhang zwischen der Weihnachtsfeier und der Wahlhandlung.

Was ist der politische Kampf im letzten Grunde und im innersten Kerne? Das Ringen der Weltanschauungen. Jede Partei will das öffentliche Leben und die Welt überhaupt nach ihrem Ideal gestalten, und das Ideal gestaltet sich für den, der Gottes Offenbarung und Gottes Gebot als die Grundlage der Weltordnung betrachtet, ganz arwerS, als für den, der den selbstherrlichen Menschenwitz und Menschenwillen allein maßgebend wachen will.

Eine llmnaffe von „Fragen" werden hitzig er­örtert. Die entscheidende Frage ist aber schließ­lich: Was dünket euch von Christus? Die Stel­lung zu dem Kindlein in der Krivpe und seinem Heilswerke bestimmt die Gruppierung der Menschen in zwei große Lager. Hier die gläubigen und pflichtbewußten Christen, dort die „Aufgeklärten" und Freigeister. Jene folgen dem himmlischen Stern von Bethlehem, diese den schillernden Irrlichtern aus der Erde Gründen.

„Siehe, dieser ist gesetzt zum Falle und zur Auf­erstehung vieler in Israel, und als ein Zeichen, dem man widersprechen wird; und ein Schwert wird deine Seele durchdringen, damit die Gedanlen vieler Herzen offenbar werden." So prophezeite Simeon, Und heute stehen schärfer als je die Belehrung und der Widerspruch, die Auferstehung und der Abfall einander gegenüber. Die innetften Gedanken rmd Willensmeinungen dec Herzen werden offenbar, wenn sie sagen sollen, was sie von Christus halten.

Religion und Politik soll man trennen, fordern die Gegner. Das ist unmöglich, denn die Politik ist die Betätigung religiöser und sittlicher liebet» Fügungen und Interessen. Und cs lag nickt im Plane Gottes, daß seine Offenbarung und sein Heils­werk auf das stille Kämmerlein beschränkt, dem öffentlichen Leben entzogen bleiben soll. Zu den Jüngern, die sein Werk sortsetzen sollten, sprach er: Ihr seid daß Salz der Erde, — ihr seid das Lickt der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berge liegt, kann n cht verborgen sein. Auch zündet man kein Licht ftn und stellt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter, damit es allen kuckte, die im Hause sind." Wenn ein christlicher Staatsbürger einen christlich gesinnten Abgeordneten wählt, so w ll er an seinem bescheidenen Teile mithelsen, daß das wahre Licht aus den Leuchter gestellt werde, um allen zu leuchten, die in dem Staalshaufe sind, — daß das rechte Salz an die Gerichte der irdischen Küche komme. Und wenn dcr christliche Staat-.bürger am Wahl­tage sich als Glied seiner Kirche fühlt, so be­frachtet er sie gemäß dem Evangelium als die Stadt auf dem Berqe, die nicht verborgen blei Den soll, i Der Charakter und die Handlungen eines rechten ÄKaunes sind aus einem Guß. Der Andächtige vom Weidnackisreste und der Abstimmende am Wahltage ist cm-r und beileibe. Auf den Gottes­dienst an der Stippe folgt der Gottesdienst an der Urne; denn die BeräUgung der Bürgerrechte im christlichen Sinne ist auch em Dienst vor d.m Herrn und für den yetrn des Himmels und der Erde, f Was ist natürlicher, etniacher, selbstverständ­licher als die Mahnung, daß christlich gesinnte Wähler christlich gesinnte Abgeordnete erküren sollen! Die Gegner aber 1 dielten uns, wenn wir Viesen Leittatz ausstellen, und dabei sorgen sie selbst mit allen Kräften und Künsten dafür, daß sie Ge- Annungsgenossen burd)jenen, die bei christlichen Weltanschauung fremd ober gar feindselig gegen« überstehen.

Sei getreul Keine Macht und keine List darf den braven Menschen dazu bringen, daß er fid) Jelber untreu werde. Wer wirklich ein Christ st, der ist nickt bloß im Kämmerlein und in der Kirche ein Christ, sondern auch im Wahlzimmer ein Christ. Was er an der Krippe verehrt hat, wird er vor der Wahlurne mch verleugnen.

„Meine Augen haben dein Heil geiehen, das du bereitet hast vor dem Angesichte aller Völker, als ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zur Verherrlichung deines Volkes Israel."

„So leuchte nun Licht vor den Menschen, auf daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater preisen, der im Himmel ist."

Z» Seil ReWWmW.

+ Der Termin der Stichwahlen. Durch die Preffe ging vor kurzem bie Nachricht, daß die Reichstagsstichwahlen auf den 25. Januar anbe» räumt seien. In dieser Verallgemeinerung konnte die Meldung nicht zulreffend sein, da die Festsetzung des Termins nicht den Regi rungen, sondern den Wahlkommiffaren obliegt. Aus den Anordnungen mehrerer tUudesstaatlicher Ministerien scheint nun hervorzugehen, daß von Reichswegen der Wunsch geäußert ist, die Srichwahlen möchten spätestens am 25. Januar n. I. erfolgen. Daraufhin haben in einzelnen Bundesslaatru die Ministerien den Wahl- komimssaren gewisse Tage für die Festsetzung beS Stichwahltermins empfohlen. Da« bayerische Ministerium hat geraten, die Stichwahlen entweder aus den 20. oder auf den 22., oder, wo das un­möglich fein sollte, aus den 25. Jan. anzuberaumen. Las hessische Ministerium hat den 22. Januar als Termin für die Stichwahlen als geeignet be» reichnet.

Wahlkreis Fulda-<8ersseld-Schlnchtern.

(i) Fulda, 22. Dez. 1911. Die „Volksstimme" konstatiert, daß der in rtrftgen Mengen im Kreise verbreitete fozialdemotrarffche Landbote „gut ausge­nommen" wirb. Wir führen diese Erscheinung zu- rück auf unfern wiederholen Hinweis, daß sich bas sozialdemokratische Papier zur Winterzert gut als Brennmaterial eignet. SJet sollte den Ueberbrinaeat kostenlosen Brennmaterials besondere Schwierig­keiten in ben Weg legen? Schlechte Behanblung bet Kalenberverteiler, wie sie bie „Volksstimme" in „einigen besonder» schwarzen Ecken" beobachtet haben will, ift sicherlich nicht vereinbar mit dem Stand­punkt, den bie „Fuldaer Zeitung" inbezuq auf die sozialem. Papierverschwenoerei vertritt. Wer übri- Sens der „Volksstimme" glaubt, daß es in Poppen­ausen gelegentlich der dortigen Kalenderverteitung wie in Moabit hergegangen sei, muß bie sozialdemo­kratische „Wahrheitsliebe" nicht kennen. Am Frei­tag ist auch ben Stadtbewohnern der diesmal in ein giftig grünes Gewand gekleidete „Landbote" ins Haus gebracht worben. In allen vernünftigen Men- scheu, die ben für sauer verdiente 2trbeitergrof en hergestellten „Lanbbote" in so verschwenderischer Werse, in vielen Häusern bis zu 10 Exemplaren, ausgcteilt fanden, muß der Gedanke ausgestiegen sein^ daß die großen sozialdemokratffchen „FrnaNs- aenies", die bekanntlich bie Finanzreform „wett besser" gemacht hätten als es der Reichstag fertig brachte, jedenfalls verstehen, bie Erträge der sozial­demokratischen „Parteffteuern", bie Gelder, die sie von Parteiwegen von den „Genoffen" einziehen, mft Schwung zum Fenster hinauszuwerfen. Wir erwarten zuversichtlich, daß sich am 12. Januar be- i sonders deutlich zeigen wirb, wie unnütz diese sozial­demokratische Papierverschwendung war. Nach je­nem Tage können wir uns auch mit der „Volks­stimme" auf der soliden Grundlage der Wablergeb- uisse über die Frage unterhälten, ob wirklich, wie das sozialdemokratffche Blatt meint, „die Bevölkerung überall erbittert ift über bie Zentrnmspolftik". Gut stehl der „Bolksfttmrne" die Entrüstung an über eine Bemerkung oer „Fuldaer Zeitung", der Fami- .lienmörder von Oberursel sei in den Kreisen aus­wärtiger „Ballonmützen" verdorben worden. Tie „Volksstimme" bezieht diesen Ausdruck auf An' än- ger der Sozialdemokratie und wirst uns vor, die An­gelegenheit zu Wahlzwecken gegen die Sostcildemo- kratie ausgeschlachtet zu haben. Eine ebenso lädier» TiAe wie unwahre Behauptung. Umg-ckehrt wird ein Schuh daraus. Die „entlüftete" Volksstimme war es, die getreu chrem „Prinzip": Trennung der Per- ; sou von der Sache, vor einigen Wochen gerichtlich bestraft wurde, weil sie Schauergeschichten über die schlechte Behandlung von Soldaten durch einen Ka­tholiken zusammenschwindelte, nur um über Chri­stentum und Zentrum hämische Bemerkungen ma­chen -u können; die Bou->uimme war es, die ihren Bericht über die Oberbimbacher Bluttat, eine Tat der Leidenschaft, mit den „tendenzlosen" Worten überschrieb: „Bon der Kirche zum Suff."

s Aus dem Wahlkreis Eisenach-Dermbach.

Allerorts im Wahlkreise fanden in den letzten Wochen mehr ober weniger stark besuchte Ver­sammlungen bet hier vertretenen Parteien statt. Besonders die Sozialdemokraten entfalteten großen Agitationseifer, um den ihnen bei der Nachwahl zugefaüenen Wahlkreis diesmal zu halten. Sie ver­breiten ene besondere ReichStagswäd ler- Heilung, bie den in sozialdemokratischen Tage«, blättern enthaltenen Hetzstoff in konzentrierter Form darbietet und deshalb nur von Leuten mit sehr leistungsfähigen Mägen vertragen werden tarnt. Verschiedentlich kam es in den sozialdemokratischen Versammlungen zu Zusammen­stößen mit der Liberalen, besonders schlimm ging eS in Ostheim v. d. Rbön her, wo der kandidierende Genoffe Leber und seine Anhänger- schäft schließlich baS Fetd räumen mußte. Seit dem 15. Dezember sind in Geisa, W-nigentast, Buttlar, Motzlar, Kranluken, Barsch, Ketten, Spahl, Wiesenfeld, GeiSmar, Schleid, Br-men, Bermbach und Otzbach Wahlverfammlungen abgehalten worden, in welchen Redakteur Henrici aus Gotha für die antisemittsche Kandidatur Kaiser-Tiefenort gesprochen hat. Mit wenigen Ausnahmen (infolge ungelegener Tageszeit) waren alle Versammlungen sehr gut besucht und die Ausführungen der Vor­tragenden haben großen Beifall gefunden. Für bie Nationalliberale» kandidiert bekanntlich der Hand­lungsgehilfe Maquart-Leipzig, der unter der ländlichen Wählerschaft wenig Anhänger finden dürfte.

* Die Kandidat« der Aentrums-rtei in Nassau. Homburg-Höchst: Lanbgerichwbtrektot ßan> tagsabgeorbneter Peter Jtschert-Berlin. Wie». baden-Rheingau: Da» Zentrum hat beschlos. sen, keinen eigenen Kandidaten aufzustellen und gleich im ersten Gange für d« von der Gruppe der Mit- telstandspartet und der Beamten ausgestellten Land- tagsabg. Generalmajor z. D. v. Äloeben einzittrv» ten. Montabaur-Et, Goarshausen: Landtagsabg. Justizrat Dr. Dahlem-Rteberlahnstein. Diez-Llmbuna: Da» Zentrum hat auf bk Ausstellung eine» eigenen ßanfeibaten verzichtet unb tritt gleich für ben vom Bund ber Landwirte aufge­stellten konservative» Bürgermeister Neu-Selter» ei». Df11 enbu rg»Oberw«strrw alb: DaS Zen» trum stellt keinen eigene» Kandidaten auf. Es unter, stützt sofort den bisherigen christlich-sozialen Abgv- orbneten Dr. Burckharbt-GodeSderg a. Rh. F rZn k» furt 6. St: Mittel schult eh ver Jean Schwarz- Frankfurt.

A Marburg, 21. Dez. 1211. Die nationalliberole Partei erläßt einen Wahlaufruf zu Gunsten bei frei konservative» Kandidaten Prof. Dr. Bredt.

* Wetzlar, 22. Dez. 1911. Di« Konservative» haben an Stelle di» zurückgetretenen Kandidaten v. Eichel be» Landwirt Echmdler-Schöneberg als Kandidat«» für be» Wahltrers Wetzlar»Attenkirchen aufgefteflt

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• Den Arbeiter« zum Nachdenken! Der sozial­demokratische Paul Kampffmeyrr erklärt:

1. „Stellt man sich vor, daß von 1885—1900 1 Milliarde 729 Millionen unb 46 Tausend Mark von den deutschen Kranken­kaffen für bie Krankenfürsorge verausgabt wurb n, so erhält man einen klaren Begriff von ben Leftungen, welche zur Wiederherstellung der Gesundhett bet Arbeiter aufgewendet wurden "

2. „Ohne die deutschen Riantentaffen wären Hunderttausend? deutscher Arbeiter aus Mangel an Krankenunterstützung früh­zeitig zugrunde gegangen."

8. „Man vergegenwärtige sich, wi« ungeheuer die deutsche Arbeiter-Bevölkerung be. lastet worben wäre, wenn si« feit Bestehen der llnfalloelfichernng für 927813 Verunglückt« die Unfallrente ausbringen müßte. Wohl oder Übel hätten tausende von Proletarierfamilirn die ver- unglückten früheren Ernährer selbst durchschlagen müsse». In diesem Falle wäre» st« mit Mil­lionen belastet worden."

Frag«: Wer stimmte für bie Gesetze?

Antwort: DaS Zevtruml

Frage: Wer stimmte gegen diese Gesetze?

Antwort: Die „einzig wahre Arbeiter­partei", genannt Sozialdemokratie!

* Zentrum und Konservative. Zu diesem Thema wird bet freikonservativen .Post' von parlamentari­scher Seite geschrieben:

In der liberalen Preffe wird au» bet Tatsache, baß da» Zentrum in einer ganzen Reihe von Wahl­kreisen von vornherein für den tonferoatteen Kandidaten ein treten will, obwohl dieser über b:e geringe Stimmenzahl verfügt, auf die Existenz eines festen schwarz-blauen Blockes geschlossen. Ein solcher Schluß kann aber aus diesem Verhallen deS Zentrums nicht ohne «neuere» gezogen werden, denn es handelt sich dabei zunächst um ein allerdings sehr w ohl üver­legtes und geschicktes wahltattif ches Manöver. Die Liberalen erstreben eine Zusammen­setzung deS Reichstages, bei der ohne sie keine positive Mehrheit sich bilden könnte, wäbrenb nach wie vor die Zusammensetzung einer solchen ohne das Zentrum möglich bliebe. Sie würden dann daS Zünglein an der Wag« bilden und die ausschlaggebende Stellung wieder erlangen, welche»si« tn dem Büloivblock inne hallen, solange das Zentrum ausgefchallet war. Dieses würde dagegen feine jetzige Machtstellung einbüßen. Das Zentrum bat nalurgemäß bad allerdringendste Jnlerefle, bie)« Absichten bei den Wahlen zu durch­kreuzen. Das wirksamste Mittel zur Erreichung diese- Ziele» ist, abgesehen von der Befestigung der eigenen Position, die wirksame Unterstützung bet rechts­stehenden Gegner der Liberalen. ES bedient sich dazu deS bereits bet ben Wahle» zum Abgeord- neienhaute wiederholt mit Erfolg angewandten Mittels, in überwiegend protestantischen Wahlkreisen feine An- bänger gleich im ersten Wahlgange dem konfervativen oder christlich-sozialen Kandidaten zuzuwenden, um diese im ersten Wahlgange durch ober wenigstens mit den Liberalen in Stichwahl zu bringen. Dieses Manvöer zeugt von. ungeheurer DiSzrplin der Zen­trumswähler, kann aber auch in einer ganzen Reihe von Fällen zu. erfolgreiche» Abwehr deS liberalen Ansturmes gegen rechtsstehende Kandi­daten führen, unb «8 ift daher erklärlich, daß die» von der liberalen Preffe nichl gerabe mit besonderer Freude begrüßt wird. Schließlich mag noch hervorgehobe» werden, daß da? Zentrum diefe feine Wadlhilfe mehr­fach dazu verwertet, um Kandidaten, welche tm Zweifel darüber find, ob fte fid) nicht bester bet Rechtspartei anfchlöffen, für die Konservativen fest zu mache».

Hilft? Rein! Auträg«, Anträge I

„Wir Sozialdemokraten haben stet» ben Stand­punkt vertreten; es handelt sich zunächst nicht darum, ob w t dieses oder jenes erreichen; für un» ist die Hauptsache, baß wir Forderungen stelle«, bie lerne andere Partei stellen kann."

Obetgenoffe Bebel auf dem Parteitag i« Erfurt, Protokoll 6. 174.

Deutsches Reich.

♦* Betli«, 22. Dez. 1911. Der Kaiser machte am Frettag mehrere Weihnacht» - Emtäuft und be» suchte bann bie GebäcittrnS-AuSttellung in ber Aka­demie der Künste. — Di« Ernennung Dr. Golfs z im SiaatSiekretär deS Kolonial - Amtes wird im ,Reichsanzeig«r^ bekannt gegeben. — Der Kron- prinz, dessen Befinden sich gebestert hat, ist vom 22. Dezember bi» zum 5. Januar beurlaubt wor­den ; er trat bi« Abreise nach Berlin «och am Frei­tag an.

** Ei« »euer Zolltarif. Im RrickSantt deS Inner» find, Blättermeloungen zufolge, Vorarbeiten zur Aufstellung eine» neuen Zolltarif» im Gange, der dem nächsten Reichstage, wen« auch vielleicht nrcht schon in ber ersten Seffwn, zugeben, und der als Grundlage für bie Erneuerung der Handels­verträge dienen soll.

*♦ Ansiedlung staatlicher Forstardttter. Rach der letzten amtlichen Erhebung für stoastiche Forst, arbeüct sind, einer Nachrichtenstelle zufolge, 922 Wohnhäuser errichtet worden, bie an 1922 Familien vermietet worben finb. An Ländereien sind an Waldarbeiter tunb 16000 Hektar verpachtet unb zwar sind daran im ganzen tunb 16000 Arbeiter beteiligt Die durchschnittliche Größe eine» Pacht­grundstückes beträgt also ungefähr 1 Hektar.

♦ Zur SchulpariiSI tu Westprnchnt. Tft Im- Parität, über dre sich die Katholiken immer wieder zu beklagen haben, tritt so recht bei der Besetzung der hauptamtlichen S chulanf sicht Sstelirn zu­tage. Dem ,Westpr. Volksbf zufolge gibt «S in ber Provinz Wrstpreußen 46 staatliche Kreis- schulinipektoren im Hauptamt«, 16 im Regierung«» beztrk Danzig unb 30 nn RegierungSderirk Marien- werder. Bon diesen 46 KreiSschulinsvektor«« sind 86 evangelisch »nd 10 katholisch. Diese Zahlen reden eine deutlich« Sprache, wenn man bedenkt, daß in Westpreußen d,e Katholiken übet die Hälft« bet Bevölkerung au«, machen. Die Zahl bet katholische» VolkSschüler, übet welche bie KreiSschulinspeKoten iu erster Linie di« Aufsicht führen, tft bei weitem größer als bi«

Zahl btt evangelischen VolkSschüler. Sollte et wirklich nicht möglich fein, hier Abhilfe zu schaffen t. Die Katholiken werden gut hm, immer wieder in; öffentlichen Versammlungen auf diese ungerechte Be­handlung des kathoirfcken VoitSteils hmzuweisen.

— Bergbauveputatiou imb Gesetzentwurf Mer Kohlenabbau. Di« neu eingerichtete Bergbaudepup tation beriet vor kurzem über ben Gesetzentwurf bett, die Verleihung von Kohlenabbauberechtigung an Private. Der Entwurf soll u. e. die Frage regeln, unter welcher Voraussetzung un» ix welchem Bersah, ren ein Privater das Recht bet Aufsuchung unb Gewinnung von Steinkohle erwerben kann. Unbe­rührt bleiben bie Privarbergregalbezirke sowie einige Provinzen durch bk vorgesehene gesetzliche Regelung.

* Weimar, 22. Dezember 1911. Das Staats­ministerium hat eine Ersatzwahl für den Abg. Stemmler-Kattennordheim, bet, wie gemeldet, fei« Mandat niederlegte, ungeordnet. Stemmtet wat gewählt von den Höchstbeftenerten im IV. Bet- waltungsbezirk, die aus anderen Quellen als dem Grundbesitz ein Einkommen von wenigstens 300C Mark versteuern. Da die Hauptwahl weiter als 1 Iaht zurückliegt, finb für die Ersatzwahl nein Liste« amnfertigen.

Straßburg, 22. Dez. 1911. Die Erste elsaß. loihringische Kammer hat am Freitag zum Prasst benten ben Unternaatssekretär, a. D. Universitäts- kurator Back gewählt, zum 1. Vizepräsidenten Dr. Hoeffei unb zum 2. Vizepräsidenten Dr. Gregoire.

6* München, 12. Dez. 1911. Hiesige Zeitungen behaupten, bas formal noch «icht abgeschlossene bayerische Großblockabkommrn überweise von den 23 Landtagsivahlkreisen, bie man bem Zentrum ubzunehmen hofft, ben Liberalen 12, ben Sozial­demokraten 6 und bem altbayerischen Bauernbund 5 Wahlkreise. — Die Pläne des Großblocks gehen weit. An den Zentrumswähler» ist es, sie zu zer- stören und am Wahltag durch eine Wahlbeteiligung, bei der der letzte Mann marschiert, bie vereinigten Gegner aus« Haupt zu schlagen.

Ausland.

*• Spanien wird schwierig. Die Verhandlungen über Marokko scheinen In Madrid noch größeren Schwierigkeiten zu begegnen, al8 in Berlin, denn in Pari» versichert man in offizielle» Kreisen, daß die spanische Antwort auf die erste» französischen Vor­schläge eine starke Verschiedenheit der Ansichten und Wünsche kundgebe. Frankreich hatte vorgeschlagen, baß in ber spanischen Zone Marokkos eine Art Mitarbeiterschaft zwischen Franzosen unb Spaniern einzurichten sei. Danach würde« die spanischen Be­hörden verpflichtet sein, in jener Zone alle Gesetze und Reglement» anssühren zu laffen, di« der Sultan mit Bewilligung beS französischen Protektorats ober vielmehr auf seinen Befehl erlassen würde. Das spanische Gegenprojett, baS in Paris als durch­aus unannehmbar bezeichnet wird, würde den spanischen Behörde» in jener Zone eine solche Un­abhängigkeit verleihen, baß biese Zone zu einem wirklichen Protektorate und beinahe zu einet ver­steckten Annexion würde. I« einer offiziösen Rote bemerkt hierzu ber TempS:

„Frankreich kam» offenbar bte Rolle nicht amiehmen, auf bw man fein« Handlungsfreiheit, die eS so teuer bezahlt hat» etnichrünken will" Wie es in einem Hause nicht zwei Hauptuneler «eben tonn, so kann eS in Marott» nichl zwei gleichberechtigte Protettorate neben einander geben. Die Stellung Spanien» kann nur die eine» Untermieter« fetn, ber zwar in feiner Wohnung Herr ift» aber gegenüber bem Hauvlmteter Verpflichtungen übernehmen muß, bannt dreier selbst im Stande fei, fernen eigenen Verpflichtungen nach- zukommm.*

Dftfer sinnreiche Vergleich «lit der HauSmirte wird freiüch in Madrid kaum großen Eindruck mache«, d nn es kommt wohl überall vor» daß zwei Mieter mit vollkommen gleichen Rechten im felben Haufe wohnen. Selbst in Pari« ist da« sogar bie Regel. Und wahrichetnlich will «s der englisch« Hausherr so Vaden, damit der „Hanptmieler" an der afrikanische» Küste des Mutelmeere« «icht gar zu felbftänbig schattet.

* Meuterei Portugiesischer Soldaten. Liffaboner Blätter berichte», i» Braga habe eine monar­chistische Erhebung stattgesunden. Anderen Mel» dungen zufolge soll «8 sich nicht um einen Putsch der Monarchisten, sondern um «ne Meuterei unter btn Soldaten be« 19. Infanterie-Regiment« handeln. Zwischen ben Meuterer» unb der Fahne treu gebliebene» Soldaten wurden Schüsse ge­wechselt. Em Oberst soll verietzt worden sei« Wie es heißt, wurden mehrere Verhaftungen vor- genommen.

** Dir Annahme des ruflifchen Ultimatum«. Da« ruffiskhe llttimatum ist von Persien, waS nach ben letzten Meldungen vorauszusehen war, ange­nommen worden.

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Türkische Berichte melden vom Kriegsschauplatz bei Ai» Zara: Am 16. Dezember gingen zwei­tausend Italiener ha Morgengrauen gegen unser« Stellung vor. Em heftiger, den ganzen Tag dauern­der Kampf begann, weicker vollständig zu unsere« Gunsten entschiede» wurde. D« Italiener waren zum Rückzug geiroungen; zwei italienische Offiziere und 200 Mann tlen. — Am 17. ver- suchte em italienische« Aufklärungödetachement mit Gebirgsartillerie den türkischen Unten Flügel an­zugreifen, .wurde aber zurückgeworfe«. — Am 19. fand eine neuerliche Altake statt; die Italiener ließe» 400 Tote anf dem Schlachtfeld und wich«« in vollständiger Unordnung zurück. — Dft ,6abay meldet am 22. De,.: Der Kriegsminister empfing vergangene Nacht ein« Drpesch« Enver Beys «der einen neuen türkischen Sieg bei Derna. Di« Italiener hätten auf dem Kampfplatz neben vieler Munition und drei Kamme« 260 tote und 660