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Erstes Blatt

Fulda, Donnerstag den 21. Dezember 1911.

M 292.

38. Jahrgang

Caillau:

erwd*ttien*«iA Nxmch»« bei 5».«- Mitb$eiettaat Viertel- Ehrlicher Ve;n»'preis »hne Srinaeriohn and VesteSgelom.'sNldas»- »le auswärts 1.50 SIL

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iKiw'SSa. wochenbeirage: ,,3nuffrktfe §0NNtüg§ZeÜNNg"

.Wenn jeder Erblasser nur bare» Geld hin­terließe, so wär« e» die einfachste Sache von der Welt, für den Staat m immer wachsenden Prozen­ten die Erbschaft« zu schmälern. Aber waS bt aller Regel vererbt wird, sind Wirtschaft«» betrieb«. Wenn z. 8. ein« Fabrik auf drei Söhne vererbt wird, so können ste sie al« Mtteigm- tümer weitepführm, efl können auch einer oder zwei Söhne heran?bezahlt werden, wenn außer dem Betriebe noch genug Bare» hinterlassen wurde. Ist kein Bargeld da, dann muß da» Unternehmen verschuldet werden, zu einem Drittel, wenn ein Sohn, zu zwei Dritteln, wenn zwei Söhne au?» scheid«. Oder e» muß der ganze Betrieb an ein« Fremd« verkauft werden. Darum tylfft jeder Erbfall, wenn nicht der Erblasser ctudj Bares hin­terläßt, an sich dir Arbeiterschaft de» be­triebe» mit teilweiser Geschäftsstörung, der Bei» kauf nicht minder. Der verschuldete Betrieb der- elmbet leicht. So geschieht er sicherlich mtt dm meisten Bauernwirtschaften!'

So urteilt die von der sozialdemokratisch« Presse empfohlme Broschüre de« österreichisch« «Genoss«' Dr. Karl Renner «Da» arbeitende Bost und die Steuer'. (Sette 43.) Also selbst nach unbeteilig­ter sozialistischer Ansicht tat da» Zen­trum recht, diese Steuer abzulehnen. Er vergaß aber dämm nicht, dm Besitz zu dm neuen Last« heranzuziehm, dmn e» bewilligte 135 Million neu Mark Besitzsteuern, währmd die Freun­de der Erbschaftssteuer auf der bürgerlichen Linken nur 100 Million« bewillig« und um so mehr Kon- sumsteuem beschließen wollt«.

Di« Sozialpolitik de» Zentrums. ;

»Die Sozialpolitik des Zentrum» ist über jede» Lob erhaben. Wmn ich dm Abgeordneten Tr!mt>orn im Reichstag über Sozialpolitik red« höre, dann sage ich mir: »Hut ab vor einer solchen mergischen SozialpoliÄ.'

I^i9lattonal*$ojtalet Abg. v. Grrlach am Mürz »Man mag speziell zum Zmtrum stehm, wie man will, da« eine wird man anerkennen müssen, daß es in der Sozialpolitik jederzeit an der Spitze marschiert ist.'

(Pros. Harms auf >er Gatters->ng d?r I Gesellschaft für Sozial» Reform. am G. Dez. 1906,

I Erziehung entwickelte Eigmart verlier«; ste bleidm Franzosen, und wmn ein allzu offenherziger Land», mann ihnm in« Gesicht sagt, daß ste im Unrecht feien, sich bekehr« und von der französtsch-mglischen zur franzöfisch-deutschen Entente schreit« müßtm, so schreien und strampeln fit wie Kinder, die man au» dem warm« Bad« plötzlich unter die kalte Dusche dringt.

Al» der Ministerpräsident Laillaux neulich in einer staatsmännisch wohl abgewogen« Rede di« Aussicht auf eine Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland eröffnete, nahm man da» ruhig hin, da er den nationalen Stolz sorgfältig schonte. Herr Jaurbs aber rügte gerade die landesüblichen nationalen Gefühle; er hätte auch bann Wider­spruch und Entrüstung hervorgerufen, wenn daS Abkommen noch zehnmal günstiger für Frankreich ausgefallen wäre. Da» Entgegenkommen, da» wir bei diesen Verhandlungen den Franzos« erwies« haben, ist doch immerhin nicht so groß und ein­drucksvoll, daß der feit 40 Jahr« gewährte Haß mit einem Mal in zärtliche Liede Umschlägen sollte. Die deutsch« Polttik hat ja bei dem Geschäft auch fein Liebesabenteuer beabsichtigt, sondern einen I nüchtern« Interessenausgleich mit der Er­wartung, daß die Reibungsflächen und die Miß- verständniffe sich vermindern, die Wahrscheinlichkeit eine» friedlichen NebeneinandertebenS sich heben würde.

Ob sich hieraus eine freundschaftliche Annäherung entwickeln kann, muß man von einem langsamen völterpsychologischen Prozeß in Geduld abwarten. Die Stimmung eines Volkes pflegt nicht im Nu umzuschlagen, auch wenn man sie kunstvollen Ver­suchen der Belehrung und Anregung aussetzt. Das haben ja alle die erfahr« muff«, die von englisch- deutschen Verbrüderungsbestredungen Wunderdinge erwartet«. Nach sehr reichlichem Austausch von schönen Worten, trefflicher Persönlichkeiten und erbaulichen Zeremonien standen wir im letzt« Sommer am Rande eines furchtbaren Kriege», und augenblicklich ist die Stimmung schlechter, als je zuvor.

Nachlauf« hilft nicht. In früheren Jahr« hat man deuticherseftS auch in Frankreich das Liebe­werden versucht, und zwar ebenfalls ohne Erfolg. Jetzt darf man wohl annehmen, daß aus alles, was wie Liebedienerei aussteht, entgiltig verzichtet ist. Tue Recht und umschmeichle niemanden! Wenn ein« Besserung aus dem Denken und Fühlen der verstimmt« oder aufgeregten Nationen eintreten soll, so muß sie ans der Logik der Tatsachen all- mählich erwachs«. Fahren wir also fort, in sicherer Ruve und würdevoller Friedlichkeit Tatsachen zu 'chaffen, die den Frieden stützen und di« Kultur fördern. Dann brauchen wir nicht gierig über jede» Zeichen der Artigkeit herzustürzen uns nicht enttäuscht Über jedes Aufschäumen der nationalen Leidenschaft« die Hände zu ringen. „ES geht auch jo', wie der Sommer gezeigt hat.

Qj| Das Marokkoabkomrnea und die fremzöfijche Kamme?.

In der französischen Kammer hat gestern die Abstimmung über den Marokkctiertrag stattge­funden. Sie hat das erwartete Ergebnis gehabt: eine erdrückende Mehrheit von 896 Stimmen hat den Vertrag angenom-

spoitttze petttzeü« «tetz der« Heern 1« psß, HeriaM«»lepetttzeitt Pf»., bei Oie»« tzslsntz« wir» entspr. Kebatt gewährt.

letattewibred«* verlas der Fuldaer

monatiMas« „Muer GeschlchtrblStttt" »XSÄff*

Alt« Museum. — Der Bundesrat wird am Dom nerStag nochmal» zu einer Sitzung jufammentreten, um di« Ausführungsdeftimmung« zum 4. Buch bet Reich Sversicherungsordnung zu beraten, das bekanntlich trat 1. Januar m Kraft tritt. — Da» Linien'chtss „Helgoland' ist nach Beendi­gung der Probefahrt« in Helgoland eingetroffen und in d« Verband de» Rordseegeschwaberc eingetreten.

** Der neue Leiter M ReichSkolonialawiS. Nack einer halbamtlich« Meldung ist die Ernennung bei Gouverneurs Dr. Sols, der seit dem Rücktritt dc- Staatesekretärs v. Lindquist die Geschäfte bt* Reichskolonialamt» in Vertretung führt, zum Staate, sekretär des Reichskokonialamts in Aussicht ge­nommen.

4- D-r Zusammentritt deS neuen Reichstags Beschlüsse über b« Tag des Zusammentrrttes sin! noch nicht gefaßt. Nach der Verfassung muß bei Reichstag spätestens 90 Tage nach seiner Auf- . lösung versammett werden. Der späteste Zeitpunkt würde also für das Zusammentrelen des neuen Reichstages der 7. März fein. Was den frühesten Zeitpunkt des Zusammentrittes anlangt, so wird es darauf anko nmen, wann die Stichwahlen statt- finden werden. Wenn es richtig ist, :aß sie im allgemeinen am 25. Januar vorgenommen werden sollen, so würde der Reichstag frühestens am 7. Februar gutammentreten können, da bi- amtlich« Ermittelung des Stichwahlergebnisses nicht vor dem 29. Januar statlfinden könnte unb ba den gewählten Abgeordneten eine Frist von acht Tagen zur Er­klärung gelassen werden muß. Daß der Reichstag möglichst früh zusammentret« wird, ist so gut wie sicher, da eine baldige Erledigung des Elate notwendig ist. Man wird annehmen können, daß er etwa zum 7. Februar einberufen werden wird

* Eine wesentliche Erhöhung des Fonds zur Ent schädigung für Biehvsrlnsie bei Seuchen wirb bei preußische Etat für 1912 beantragen. Bekanntlich hat daS Viehseuchen« Gesetz vom Jahre 1909, das am 1. April n. I. in Kraft tritt, beit Kreis bet Fälle, in den« für Viehverlufte Entschäo'gungen zu gewähr« sind, erheblich erweitert.

** Soziale Fürsorge für die fiskalisch« Wald­arbeiter. Die preußische Forstverwaltung hat, wie die D«tsche Tageszlg hört, die Durchführung von sozial« Maßnahmen angeordnet, die eine Hebung >er Stellung der Waldarbeiter bezwecken, die in forft« iskalischm Betrieb« beschäftigt sind. Angesichts )er vielfachen Klag« über ungenügende Lohnsätze oll al» Grundsatz für dm Arbeitslohn bet Arbeiter gelt«, daß die Sätze nicht nied­riger zu bemess« sind oft die für die Stadt­arbeiter im allgemein« und die Arbeitet der gewöhnlichen Industrie. Ferner soll an vater­ländischen Festtag« die Löhnung weiter gezahlt wer den, und auch die Gewährung von Urlaub, bet den verschiedenen Verhältnissen mtsprechend zu be messen ist, soll allgemein durchgeführt werden. Wald­arbeiter, die längere Zeit hindurch im Dienste de? ForstfiSkus stehen, können ferner Beihilfen aus den UnterstützungSfonds erhalten. Auch hinsichtlich der Forderung dex Lieferung eigenen Arbeitszeugee oll den Arbeite« entgegmgekommcn werden. Di«

/ * Gießen, 20. Dez. 1911. Eine nationalliberale Lertranensmänner-Vrrsainmlung beschloß, gemein- ßit mit der Voltspartei für die fteisinnige Kandt- tut Erkelenz mit aller Kraft emjurretem

6 * Ein Giheimetlatz des JustizmimstrrS ist, der ,Rat.-Ztg/zufolge, an die Richter ergangen, in dem sie aufgeforbert werd«, am Wahltage aus­nahmslos ihr Wahlrecht auszuüben. Auch solle d« , Subalternbeamten nahegelegt werb«, baß sie am 42. Januar zur Urne gehen. Von einer bestimmt« politischen Partei ist in dem Erlaß keine Rebe.

/ ** Die Hanptsteuerfünde, die da» Zmtenm bei »er Finanzreform 1909 beigang« hab« soll, A "ach Ansicht der Linkspartei« mit Einschluß der Sozialdemokrat« die Ablehnung der Erb­schaftssteuer und der Rachlaßstmer. Nu» mutz man nicht vergessen, daß es bereit» eine Reich», erb schäft» st euer gibt, bte bis zu 25 Proz. der Srbsumme gehen kann. 1909 sollte sie nur au»ge. dehnt sperdm auf daS Erbe zwischen Skiern und Kindern. Wa» ist von einer solch« Steuer zu

3« den ReiWiMMep.-

NuS dem Wahlkreis tzersseld-HSnfeld-Rotenbnrg.

(?) Eiterfeld, 19. Dez. 1911. Am Sonntag, Montag unb Dienstag fanden in b« Orten Großen­taft, Eiterfeld, Oderuihaus« unb Wölf Versamm­lungen statt, um bte Zuhörer für bte Zentrumssache »n begeistern. U. a. sprach Herr Benefiziat Krieg über bie Pflichten des christlichen Mannes und daS Aniichristentum. In allen Versammlungen wurde empfohlen, die Wählerlisten nachzusehen unb am 12. Januar einstimmig ben Zenlrumskanbibat«, -den Raiffeisenmann Herrn Lanblagsabgeorbnetm Drinnenderg zu wählen.

= Aus bem Wahlkreis Marburg-Kirchhain- Frankenberg.

Jetzt setzt die Agitation, die sich bisher noch In "gewöhnlichen Formen bewegte, schärfer ein. Zu den bisherigen Kandidaten: Brebt (sreikonseroativ- nationalliberal), v. Gerlach (liberal-sozialdemo- kratisch), Rupp (beutschozial) kommt jetzt noch, wie schvu mehrfach biet erwähnt wurde, ber ehemals hoch- gefeieite Dr. Böckel als Kuckucksei für bas Nest 5er Deuischsozialen Partei. Böckels Name hat noch Jmrner Anziehungskraft. Doch es ist nickt mehr ber einstige Böckel, bet in ben achtz ger Jahren durch Feine feurigen unb boch populären Reden bie Massen fanatisierte. Man merkts ihm auf den ersten Blick an, er gehört zu ben erloschenen Sternen. Mo er auftritt, wirb er freundlich empfangen, Jaber man fühlt boch deutlich, Böckel hat Nicht mehr die moralische Kraft, nur halbwegs urteilsfähige Leute bestimmenb zu beeinflussen. Seine Kandidatur wird auch von allen, chie bie politische Bewegung, besonders die Fäben hinter den Kulissen, genauer versolgen, nur als bas bewertet, was sie ist: Ein Kuckucksei für bie offi­zielle beutschsoziale Kandidatur. Die Urheber dieser Bewegung sinb unschwer zu erraten. Es ist bte Jnleüigen-, fr-e «Herren von bet Bildung". Diese stehen au, cem rückstänbigen Stanbpunkt: .Ein .Schneidermeister soll bei seiner Nabel und dem Bügeleisen bleiben!' Ein Hanbwerksmann unb ^einfacher Landwirt, der darf wohl andächtig bem 'zuhören, was ein flubierter Herr einstudiert hat. Aber selbst auftreten unb in schlichter, einfacher Farm, so wie ihm ber Schnabel gewachsen ist, die itt-n-ische und Bebürsnisse bes Volkes zur Geltung zu bringen, daS beleidigt bas ästhetisch« Gefühl dieser Herren. Das Volk darf im Reichstag nach Ansicht dieser Herren nur durch studierte Leute ver­treten werb«. Unser Äa;fer denkt anber». Noch nor kurzem hat er einen Handwerksmeister sogar ins Herrenhaus beruf.nl Auch bie Zmtrnmspartei ist nicht so rückstänbig; da sitzt längst ber Arbeiter neben bem Abelig« unb ber Hanbwerksmann neben dem Gelehrten, und alle achten unb schätz« sich, alle arbeit, n treu zusammen zum Besten des Vater- lanbes. Es ist ja erklärlich, baß manchen Kreisen die Kandidatur Rupp sehr unbequem ist. Da sich Herr v. Gerlach immer mehr als Schleppträger der Soztalbemokratie unb bes radikal« Libera­lismus entpuppt, fürchtet man ihn nicht u ehr so sehr. Unsere Wähler sind ja ber Mehrzahl nach christlich unb königstreu. Daß bie Israeliten Geg­ner von Rupp sinb, bas kann m m ihnen billiger Weise nicht verargen. Daß sie e8 aber fertig bringen, in einer ccht bürgerlichen Kleinstadt wie Kirchhain, bem Deuischsozialen ben Saal zu ver­schließen, das wirft boch ein eigentümliches Licht ans sie bärtigen Verhältnisse. Es wird glaubwürdig berichtet, daß bet Bahnhofswirt Bruno Zipfel, ein sonst burchauS toleranter Mann, auf Betreiben ber Israeliten unb deren Parteigänger bem Kandidaten Rupp ben Saal verweigert hat. — Es scheint, al» solle auch in ben Reihen der Zentrumswähler Ver­wirrung angcrichtel werben. Wmn bie belreffenben Herren mal kräftig auf bie Finger getlopft sein wollen, bann mögen sie ihr Glück versuchen. In unserem Lager herrscht bis dahin Einigkeit. Daß einzelne noch immer für Gerlach schwärm«, hat nichts zu bebeulen. Es sinb bas meist unreife Burschen unb solche Elemente, die immer dabei sind, wenn gegen bie bestehende Ordnung vom Lebet ge­zogen wirb. Daß aber Mitglieber bes katholisch« Gesellenvereins zu Amöneburg offen für Gerlach agitieren, bas gehört zu jenen Erscheinung«, von denen man nur sagen kann: traurig, aber wahr. Auch im Amöneburger kath. Gesellenverein könnte man boch wissen, was wir an Gerlach haben. Liegt doch sein Blatt, die ,Hessische Lanbeszeitung', schon lange genug im Vereinslokal auf, währ«b man bis vor kurzem die ,Fulbaet Zeitung' dort vergebetiS suchle. AuS der,Hess. Lande-ztg/ aber konnte man schon längst ersehen, wie bie stets etwa- sielfarbig schimmernbe polttische .Ueberzeugung- deS Herrn v. Gerlach immer mehr einen rötlichen Grundton dnrchscheinen läßt.

Gerätschaften in den Kulturbetricben werd« von dex Verwaltung gestellt, während das Holz füt die sonstigen Gerätschaften, die von den Arbeitern selbst gefertigt werden, geliefert werden soll. Ferner soll« in abgelegenen Forstteilm Schutzhütten, Zelte und bergt, zur Unterbringung bet Arbeiter errichte! werd«.

---- Teruburg über daS üongogcdiet. Auf Ver­anlassung der Solonialgeiehfdjaft hielt gestern abenb in Berlin ber frühere Staatssekretär bes ReichS- kolonialamts, Detnbutg, einen Vortrag über bie neuerworbenen beulschen Kolonien unb bie Auf­gaben, bie bem deutschen Volk nach ihrem Erwerb erwachsen find. Et behauptete, daß Deutschland in ben Kolonien billiget wirtschafte als bie Nachbar­länder. Zu einer Beurteilung des Wertes unseres neuerworbenen Kongogebietes fehlen nach Anficht deS Redners noch unzählige Angaben. Das Land kann, sagle et, nur durch Leute mit Kapital ent­wickelt werden, und diese müssen nach unb nach gewonnen w rbm. Dazu muß eine allgemeine freunbliche Stimmung bet Nation mithelsm. Die Frage ber französischen Konzefstonsgesellschasten ist schwierig und erfordert erheblichen Takt. Die Re­gierung ist an bem Reinerträgnis mit 15 Prozent beteiligt. Anbererseits wirb es an den französischen Gesellschaften liegen, von sich aus einen Anschluß an ben neuen Landesherrn zu suchen, sich in ihren Einrichtungen, ihrer wirtschaftlichen Art, ihrer Ein- gedorenendehanblung beutschen Prinzipien anzu- paflen und bamit in bet neu« Heimat bas Bürger­recht zu erwerben. Der Rebnet schloß, bie Ration habe die Pflicht, darauf zu sehen, baß die not» roenbtgen, selbst groß« Mittel zur Erschließung bet Kolonialverwaltung nicht vorenthalten werben.

* Weimar, 20. Dez. 1911. Die Großherzog. Sächs. Staatsregierung wirb bem im Januar zu­sammentretenden Lanbiag eine Vorlage über eine wesentliche Erhöhung bet Gehälter bet BolkSschullehrer unterbreiten.

'8 Tarmstabt, 20. Dez. 1911. Die vom Gr.ß. Herzog bei Eröffnung bes hessischen Lanbtages heute verlesene Thronrede stellt zur Besserung bet Finanzlage bie Wiedereinbringung der im vorigen ßanbtag gescheiterten Tilgungsvorlage in Aussicht unb verheißt aufs neue eine Ausbesserung ber Be­amt«, Volksschullehter und ihrer Hinterbliebenen. Im Budget werb« Mittel dereitgestellt füt eine weitere Ausgestaltung bes LehrerbllbungSwesens unb btt Pflege bet schulentlassenen Jugend. Mit ber Ueberführung von Grundstücken aus dem Staats­eigentum in bäuerlichen Besitz soll fottgesahren werden. — ES sand sodann Hoftafel statt, an welcher die Regierung sowie die Mitglieder beider Kammern teilnahmen. Am Vormittag war« beide Häuser zur Bildung ihrer Ausschüsse zusammm- getrete». In der zweiten Kammer kam eS bei der Wall der Schriftführer zu keiner Siniguttg, N M»

men, eine Keine Minderheit hat sich der Abstim- mung enthalt« und nur 36 Abgeordnete haben ausdrücklich gegen ihn gestimmt.

Der letzte Tag der Debatte sst nicht sehr glanz- boB.betlaufen. Jaurtzs, ber seine Rede vom Diens­tag (bergt Rr. 291) fortsetzte, fand, so wird aus Pari» berichtet, erst gegm d« Schluß die alte Kraft wieder, ohne irgend welchen Sturm ber Aufregung zu erwecken. Bald darauf trat man in die Spezial debatte ehr, die unmittelbar zu Erklärungen einzel­ner Abgeordnetmg«ppen führt. Es meldeten sich ast ausschließlich Deputierte zu Wort, die ihre Stimmenthaltung erklärten. In ihrer Begründung iradjten sie immer wieder vor, wie ungenügend Laillaux Erklärungen gewesen seien und einige änden hierbei einen so starken Betfall bei ihren Kol- legen, daß man einen Moment über die Abstim­mung zweifelhaft sein konnte. Endlich wurde zur Abstimmung geschritten unb die Sitzung unterbro­chen. Bei der Verkündigung deS Äbstimmungser- gebnisseS war« kaum drei Dutzend Abgeordnete im Saale anwesend, die daS Votum ohne jede Aeuße- ruitg Hinnahmen. Nur dem Ministerpräsident sah man an, daß er einigermaßen guter Laune war. Caillaur sst der Gefahr abermals entschlüpft.

So lief die Debatte nüchtern und matt auS, die am Tage vorher noch ein« heftigen Sturm erregt hatte. In der gangen französischen Presse tobt noch der leidenschaftliche Kampf über den ersten Teil der Rede de» Sozialistenführet» Jaurtzs vom Dienstag. Allgemein sst der Zo« gegen ihn, daß er die Re­gierung seines eigen« Latches beschuldigte, den Al- gecirasvertrag gebrochen nud damit gewissermaßen das Zeichen zu der übrall wütenden RückstchtSlosig. | leit gegenüber eingegangenen Verträgen gegeben zu l haben. In Marokko, in Tripolis, in Persien usw. werde jetzt nach dem Grundsätze gehandelt: Ich nehme, WaS mir nicht gehört! Noch größer ist die allgemeine Empörung in den Blättern aller Par- tcien mtt Ausnahme deS Organs feiner eigenen Gruppe, der „Humanittz', darüber, daß er es wagte, M sagen, Dmtschland, welches man beim Marokko- Handel habe übergehen wollen, habe sich mit Recht beschwert gefühlt, habe aber seine Mäßigung be­wahrt, tote eS seiner 40jährigen friedlichen Haltung entspreche. Diese Anerkennung für den „Erbfeind" und die Kritik der französischen Eroberungspolitik wird jetzt in Frankreich fast einmütig als Verrat des Vaterlandes gescholt«.

Richt Fo leicht verständlich ist unS, wie einige deutsche Blätter über den französisch« Ent­rüstungssturm in Staunen ober gar in Schrecken [ geraten können. Bei ben Alldeutschen heißt es chon: Seht ihr, ba offenbart sich die wahre Untier» ähnlichkeit der Franzosen, da habt ihr die Frucht »es Marokkoabkommens, von dem ihr auch eine Ber-1 öhnung und Annäherung der beid« Nation« der-1 precken zu dürf« glaubtet!

Dahinter steckten lauter Uebertreibungen. i Vernünftige Leute haben von dem Abkomm« zwar manche» gute, aber ketneSweg» eint sofortig« Um­armung bte beid« Nation« erwartet Vernünftige Leute wissen, daß bte Franzos« nicht im Hand- umbrefai tzrt.angrstMmte unb durch langjährige»

Deutsches Reich.

O Der Reichshaushaltsetat 1912.

Di« ,Rordü. Allgem. Zig/ fährt mit ihrer Ver­öffentlichung aus dem Etat fort. Zunächst weist ftt bte vom ,Berl. Tagebl/ an ben bisherigen Ver­öffentlichungen geübte Kritik, daß bie jetzt be» tanntgegebenen Einnahmeschätzungen mit ben An­gaben, welche die Regierung vor kurzem über bie mutmaßlichen Erträge der neuen Steuern für 1911 gemacht habe, nicht übereinstimmt, als unrichtig zurück. Die Kritik leide au dem entscheidenden Irr- I tum, daß sie bei bem Etat für 1912 für sämtliche Artikel die Erträgnisse ber Einfuhrzölle, für Bier außerdem bte Ausgleichungsbeträge der süddeutschen Staaten und beim Branntwein bie Esstgsäure- VerbrauchSavgabe nicht berücksichtige.

Aus ber Darstellung der wichtigsten Einzelheiten | auS ben Einzeletats heben wir folgenbe Angaben bes halbamtlichen BlatteS hervor:

Beim Etat bes Innern weiten bas Patentamt unb das Kanalamt Mehreinnahmen von 450 dezw. 300000 Mark auf. Der vom Reich auf Grund der RetchSversicherungSordnung zu lechenbe Auf­wand erhöht sich um 2 722000 Mark. Der in dieser Summe enthaltene RetchSzujchnß für die mit dem 1. Januar 1912 in Kraft tretende Hinterdliebenenver- stchenmg beträgt 1950000 Mark. Sie wird gedeckt durch eine gleich hohe Einnahme auS dem Hinier- blieben«-BersicherungSfouds. Für Unterstützungen von Familien der zu Friedensübungen einberufenen Re­servemannschaften hat das Reich 590000 Mark aufzubringen.

Der HeereSetai bringt eine Anzahl neuerOsfi- zietfteü«. AuS Anlaß der HeereSverslärkungen sollen il a. neu «reichtet werben 5 Bespannungsabteilung« ber Fußartillerie.

Beim Marineetat werben zunächst bie zur Durchführung des FlottengesetzeS erforderlich« Be­setzungen von Offizier- und Beamtenstellen gefordert. Die Ausgaben für di« Jndienfihaltung sind hauptsSch- lick weg« vermehrter Indienststellung vo, Schiffen kleineren DypS mtt 50,5 Millionen ober 3,5 Mill. Mk. mehr angefeit. Die Ausgaben für Waffenwesen steigen um 2,3 Mill. Gefordert werben; 1. Raten zum Ersatz bei Linienschiffes Brandenburg, de» großen Kreuzers Kaiserüt Augusta, der kleinen Kreuzer Irene und Prinz Wilhelm, zum Bau einer Torpedobootsflottille und \ eines Hebeschiffe- für Unterseeboote; 2. Raten für die Linienschiffe Ersatz Kursürst Friedrich Wilhelm, Ersatz Weiß«durg und 6, für den großen Kreuzer K, für die klein« Kreuzer Ersatz Seeadler unb Ersatz Beyer, für bte Linienschiff« Kaiserin, Ersatz Aegir, Ersatz Odin unb brr großen Kreuzer I, Schlußraten für bie Linienschiffe OlbrnbuM, Kaiser Friedrich ber Große, für ben großen Kreuzer Göden, für die kleinen Kreuzer Stralsund unb Strasburg, für «ine Torpedobootsflottillr. Für Unter- srrboot« werb« wteber 15 Millionen Mark gesor- bett Ferner enthält bet Marinertat bte üblichen Forderungen für Werften ufw.

?m Postetat sind neue Stell« vorgesehen für Here, 1614 mittlere unb 2313 Unterbeamte. Die Gridtdung von Krankenkassen für Unterbeamte soll ge­fördert werben durch Gewährung von ReichLzuschtffm.

• Berlin, 20. Dez. 1911. Der Kaiser besuchte am Mtttwoch da- Atelier de» Prof. Unger unb das