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M 291.

Mittwoch 20. Dezember Ml

58. Jahrgang.

«fuldaer W Zeitung

6. Blatt.

vrock und Verlag der Mdaer AettendruSerei i« 8*16«-

und enthält die klassischen Romane: „Die Rose vom Haff", „Die Lehnsjungfer" und „Gräfin Ruth".

Herders Gedanken über Religion, Welt und Leben. Aus seinen Werken ausgewählt von Karl Fo er st er. Stuttgart, Druck und Verlag von Greiner und Pfeiffer. 112 S. Preis 2 Mark.

Wer zum Weihnachtsfest ein bedeutsames Buch ver­schenken will, dem sei der unter obigem Titel soeben erschienene schmucke Leinenband ganz besonders emp­fohlen. Wird doch darin zum billigsten Preise ein Stück des besten Bildungsgutes unserer Station ge­boten. Eine geistvolle Borrede nebst der eingehenden Biographie: „Em Blick in Gottsried Herders Leben" leiten ein zu den planvoll und mit weiser Beschrän­kung ausgezogenen Lichtgedanken des großen Dichter­philosophen. Wie die Auswahl, so ist auch die An­ordnung eine glückliche, indem sie den Stoff organisch nach folgenden Gesichispnntteil gliedert: I. der Schöpfer, die Schöpfung; II. Christus und seine Lehre; III. der Mensch und sein Wesen; IV. das menschliche Leden. — Möge das dankenswerte Unternehmen, die Gedanken­welt eines unser größten Klassiker den modernen Menschen wieder nahe zu bringen, die wohlverdiente Aufnahme finden! I- G.

Ernst und Scherz ffirS Kinderherz. Heft 19 für Kinder von 7—10 Jahren. Mit mehreren Illustrationen. 16 Seiten. 20 Pf. Heft 20 für Kinder von 10 bis 14 Jahren. Mit zahlreichen Illustrationen. 32 Seiten. 30 Pf. Einsiedeln, Verlagsanstalt Benziger u. Co., A.-G.

Das sind wieder zwei allerrtebste Kinderschriftchen. Ihr Titel sagt, waS fie enthalten. Ernstes und Hei­teres, Geschichtchen, Gedichte und Sprüche wechseln in bunter Reihenfolge ab. Und überall sind zwischen die herzigen Texte schöne Bilder eingestreut, die das Auge unserer kleinen Lieblinge entzücken. Wie die früher erschienenen Heftchen der Serie werden auch die beiden neuen di« Freude der an Weihnachten oder bei einem andern geeigneten Anlaffe damit beschenkten Kinder sein. — Geistliche, Eltern, Lehrer und Jugendfreunde seien nachdrücklich auf diese billigen, praktischen Ju- gendschriftchen hingewiesen.

Der Kinder Hundebilderbuch von Klara Pfingsten- Heuer, Bilder von Julie Werkenthin. 1,80 Mk. Bruno Volge Verlag, Leipzig-Gohlis.

Sie sind alle beisammen, der Teckel, der Schoßhund, der Pudel, der Pinscher, der Mops und die Großen, wie der Bernhardiner, der Schäferhund und Windhund. Sogar der Polizeihund ist nicht vergeffen. Die Bilder sind recht lebenswahr und die begeleitenden Texte cha­rakterisieren die verschiedenen Mitglieder her Hunde­familie recht glücklich.

§ Vox dem Schöffengericht stand gestern u. a. der

Ith dem Rachbaraebiete.

(m) Nirderkalbach, 18. Dez. 1911. Ungefähr vor Jahresfrist kam man zu dem Entschluß, auch hier eine

hätte schließlich sich doch dem Reichstage gebeugt.

Darauf erwiderte ihm Herr Becker:

Nachdem er (Becker) in der kritischen Reichstags- fitzmig zu dem „Unannehmbar" der Regierung: die Altersrente schon mit 65 Jahren anstatt 70 Jahren zu

in die Kosten verurteilt. Nack? Verkündigung des Urteils machte der Gertchtsvorsihende Diehls dem größten Teil der Zeugen Vorwürfe über ihre Aus­sagen, die trotz der Eidesleistung viel zu wünschen übrig gelassen hatten. — Der Arbeiter I. H. von hier, der z. Z. eine Strafe im hiesigen Amtsgerichts­gefängnis verbüßt, wird wegen gr ob en Un­fugs und ruhestörenden Lärms am Horaserweg am 8. November nachmittags in eine Geldstrafe von 10 Mark eventl. 2 Tage Gefängnis verurteilt. — Eine Privatklage endete durch Vergleich, eine weitere mit Freisprechung des Angeschuldtgten, eine dritte mi ßte ausgesetzt werdm, weil in dieser Sache bereits ein Verfahren von der Kgl. Staatsanwaltschaft herbei- geführt fein soll

§ Postsonderzüge. Für die Krätke-Ji'inger naht jetzt di: fchlimmste Zeit des Jahres. Bis zu den Weihnachtsfeievtagen sind sie durch die Besorgung der Paketpost schwer belastet, dann kommt zu Neujahr der riesige Briefandrang. Gleich wie in früheren Jahren sah sich die Kaiserk. Post auch dieses Jahr genötigt, um die sehr große Masse von Weihnachts­paketen so rasch wie möglich an die Bestimmungs­orte gelangen zu lassen, Paketsonderzüge ein­zulegen. Solche Züge, die auch für unsere Station in Betracht kommen, verkehren auf der Strecke Frank­furt—Bebra—Berlin und umgekehrt täglich in der Nacht vom 19. auf den 20. bis zum 24./25. De­zember.

lich eingeführt.

. * Bebra, 18. Dez. 1911. In vergangener Nacht wurde hier eine Bluttat verübt. Bei der Gast- wittschast Weber wurde der Knecht des Fuhrunter­nehmers Schaub von ruchloser Hand durch 3 Rücken­stiche schwer verletzt. Nach Anlegung eines Vev- bandes durch dm Arzt brachten Mannschaften der Sanitätskolonne dm Gestochenm in da? Landkranken' Haus nach Sersfeld. Wer als Täter in Bewacht kommt, wird die eingeleitete Untersuchung ergeben.

gtesel usw., mußten in dieser Sache gehött werden. Der Wirt wurde in eine Geldstrafe von 6 Mk. und

sagen?!

Und was macht aus diesem Tatbestand der Be-| richt in der sozialdemokratischen Presse? Hier • heißt es:

Genosse Dr. Frank erklärte dazu, daß allerdings! die Regierung zu ihrem bekannten Unannehmbar (in i der Altersrentenfrage. D. Red.) von den christlichen Arbeitervertretern geradezu provoziert worden sei,i weit diese eine Deckung gegenüber ihren Wählern j brauchten. Die Beschlüsse erster Lesung zu dieser Sache seien vom Zentrum ohne Rot preis- gegeben worden.

Darauf ist zu anworten:

1. Welcher Grund sollte denn die christlichen Ab­geordneten veranlassen, sich das „Unannehmbar" der Regierung zu bestellen?

2. Kann Herr Molkenbuhr der Meinung sein, das „Unannehmbar" der Regierung sei bestellt, wenn er es selbst als ernst zu nehmen betrachtet?

3. Bereits in der Kommission erklärte die Regie­rung ihr Unannehmbar bezüglich t er Herabsetzung der Altersgrenze, so das; in keinem Stadium der Verhand­lung ein anderer Beschluß zustande gekommen ist als der, cS bei den 70 Jahren zu belassen. Der Schluß­satz in dem zuletzt angeführten Zitat des sozialdemo­kratischen Prozeßberichtes stellt also auch in diesem Punkte die Tatsachen auf den Kopf.

Air haben gestern bereits in unserm Artikel: „Die Rcichsvcrsicheruugsordnuug als Wahlparole" an dem Beispiele der Festsetzung des Krankengeldes nachgewiesen, wie die sozialdemokratische Presse durch eine unwahre Berichterstattung über den Essener Be- leidiqungsprozeß sich aus der für ihre Partei unan­genehmen Situation zu retten sucht. Wie hoffte die Sozialdemokratie doch mit dieser Wahlparole Ge­schäfte zu machen! Diese, Erwartung, ist aber, wie ihr Schweigen jetzt beweist, zu Wasser geworden. Die Agitationsfelle sind weggeschwommen. Die Hetze zieht nicht mehr.

In dem Essener Beleidigungsartikel war behaup­tet worden, das „11 naunehmbar" der Regie­rung in der Frage der Herabsetzung der Alters­grenze von 70 auf 65 Jahre sei von den christ­lichen Arbeiterführern „bestellte" Arbeit gewesen. In dieser Angelegenheit gab der sozialdemokratische Kron­zeuge, der Abg. M o l k e n b u h r, auf die Frage des Richters, ob er etwas davon wisse, daß die christ­lichen Abgeordneten sich das Unannehmbar der Re­gierung bestellt hätten, die zwar „fchlaue", aber wenig ehrliche Antwort, daß man ihn zu derartigen Verhandlungen ja wohl nicht hinzuziehen würde. Auf die weitere Frage des Richters, ob er (Molken­buhr), denn irgendwelche An Haltspunk te

totales.

Fulda, den 20. Dezember 1911.

** Flaggenschmuck hatten gestern die öffentlichen Gebäude aus Anlag der Geburt des vierten Sohnes unseres Kionprinzmvaares anaeleat.

& An das Eisenbahn-Betriebsamt Fulda wurde ab 1. Januar der Eisenbahn-Betriebs-Jngenieur Brandstätter von Limburg versetzt.

§ Versetzt ist der Schirrmeister Laudewbach von hier zum 1. Januar 1912 nach Frankfurt a. M.

, Wasserleitung zu bauen. Da die hiesigen Ver-

* Das weggedchwommene $yCU. ! hältnisse sehr günstig waren, war man imstande, das Werk in kurzer Zeit zur Vollendung zu bringen, so­daß wir am Samstag abend unter sehr starker Be­teiligung der hiesigen Einwohner in Gegenwart der von der Oberbauleitung, der bekannten Firma Jos. Köhl, Fulda, beauftragten Unternehmer, Herrn Oth- mar Vogt, Hünfeld und Herrn Schnell Großenlüder, das Fest der Einweihung begehen konnten» Die hiesigen Bürger hatten es sich nicht nehmm lassen, die Feier durch eine Spende zu verschönern. Ueber die Vorteile einer guten Wasserleitung verbreitete sich Herr Kilian Müller unter lebhaftem Beifall. Die genannten Firmen haben das Werk zur größten Zu­friedenheit der Gemeinde ausgeführt.

Flieden, 18. Dez 1911. Gestern wurde un­ser jetziger hochw. Herr Pfarrer Winter von dem hochw. Herrn Dechanten Bermoser Neuhof der hie- sigen Pfarrgemeinde vorgestellt und in sein Amt feier'

z. Was schenken wir?

Von B. Kühlens Knnstverlag-M.Gladbach erwähnen wir die Sammlung illustrierter Andachtsbüchlein, die tue Belebung der Andacht und Frömmigkeit geeignet sind. Eine besondere Empfehlung verdienen u. a. als Neuheiten: „Die Kirche betet." Die Gebete der Kirche bei Spendung ihrer wichtigsten Heilsmittel von Georg Buscher. Kaplan an St. Stephan in Krefeld. (Preis 50 Pf.) und „Segnungen und Weihe der O r d e n s s ch w e st e r n". (Preis 40 Pf.) Das illustrierte Bächlein will nicht allein den Ordensschwe- lern als geistliche Lesung dienen, sondern auch jenen, Vie der Segnung und Weihe von Ordensschwestern bei­wohnen, das Verständnis für die heilige Handlung und der Gebete erschließen. — Mit den überaus zahlrei­chen, religiösen Glückwunschkarten zu Weih­nachten, Neujahr unb Namenstagen stellt sich der Ver­lag in den Dienst wahrer Volkskunst, die angesichts der uöerhandnehmcnden, die christlichen Feste verun­zierenden Karten nicht warm genug empfohlen werden können. Dieses gilt auch für die klassischen Bilder der religiösen Kunst, unter denen sich Reproduktionen her­vorragender Gernälde befinden, sowie für die Andachts­bildchen in künstlerischem Farben- und feingetöntem Lichtdruck. — Zum Schluffe weisen wir auf den A d- r e i ß k a l e n d e r für die katholische Familie (50 Pf.) und den christlichen Wochenkalender (45 Pf.) sowie auf den reichen Weihnachtskatalog 1911 hin, der unter Bei­fügung von Originalmustern von Glückwunschkarten und Bildern an Jntereffenten portofrei versandt wird.

Freunden einer guten, gehaltvollen Lektüre wird die illustrierte Lieferungsausgabe der berühmten Ro­mane Emile Erhards (Baronin von Warburg) hoch­willkommen fein. Besonders interessant und historisch wertvoll sind diese Romane durch die zahlreichen Re­miniszenzen aus der großen Zeit Kaiser Wilhelms I. Als langjährige Hofdame der Prinzessin Friedrich Karl von Preußen hat Emile Erhardt manchen tiefen Blick hinter die Kulissen jener Welt getan, die dem fern­stehenden Beobachter nur als eine Welt des Glanzes und der Freude scheint. Scharf und treffend weiß Emile Erhard zu beobachten und in fesselnder, anschau, kicher Form ihre Erinnerungen zu schildern. Alle Er- hardschen Romane zeichnen sich durch eine reiche, über» MlS spannend geführte Handlung auS. Ernst und Hu- mor wechseln in wohltuender Weise und machen die Lektüre zu einem wahren und bleibenden Genuß. Di« Uustrierte Lieferungsausgabe in 32 Lieferungen 1 40 Pf., die im Verlage von W. Vobach u. Co., Leip- 16. zu erscheinen begonnen hat, ist mit mehr als 300 Mchkünstlerischen Illustrationen von Franz Doubek, jhtem der ersten Illustratoren Deutschlands, geschmückt

für eine derartige Annahme — daß das Unannehm­bar bestellt sei — habe, antwortete Molkenbuhr mit einem glatten „N e i n!". Herr Molkenbuhr meinte dann aber, wenn vor allem die christlichen Arbeiterabgeordneten „fest" geblieben wären, sich also nicht dem „Unannehmbar" der Regierung ge­beugt hätten, dann hätte die Regierung schließlich nachaegeben. Auch schott bei andern Gelegenheiten Halle die Regierung ein „Unannehmbar" gesagt und

gewähren, gesprochen, sei Herr Molkenbuhr auf die > _____ „

Rednertribüne gestiegen, und hätte gesagt, die Rede! — Als Werhnachtsgabe für L e h r e r w li tt) en Beckers sei zwar nicht ernst zu nehmen, wohl aber und Waisen konnte der kath. Lehrerverein für die seien es die Reden, also das Unannehmbar der Diözese Fulda in seiner letzten Sitzung 670 Mk. zur beiden Staatssekretäre Dr. Delbrü-ck und Wer- Verteilung bringen. Es wurden 23 Witwen bezw. muth. Damit habe Molkenbuhr ja selbst eingestan- gga:ren fiebaÄt

den. daß die Regierung einen festen Entschluß^ ' g. h<.m @rMffettneri*t stand aeftern u a bet in der Altersrentenfrage gefaßt habe, also n i d) t' «« «wWPj*rtw/ ae

daran z u denken sei, daß sie ihre Mei- Gastwirt m Niederroderhohe. Er hatte ge­nau g ändern werde. Und um nicht das ganze richtliche Enffcheidnng wegen eines polizeilichen Gesetz mit den vielen Vorteilen für die Arbeiter schei- Strafbefehls über 5 Mark eingelegt, der gegen ihn tern zu lassen, hätte das Zentrum gegen die Herabsetzung jpeg en Ueberschreitung der Feierabendstunde verhängt der Altersrentengrenze gestimmt. Herr M o l k e n b u h r worden war. Acht Zeugen, teil? aus Zell, Jster- schwieg auch jetzt! Was sollte er auch darauf , usw.. mußten in dieser Sacke gehött werden.

L- Die Hausflur- und Treppenbeleuchtung bei der gegenwärtig früh eintretendenDunkelheit wird vielfach sehr vernachlässigt. Die Vermieter und Witter schei­nen gar nicht zu ahnen, was für eine Verantwortung sie bet Mchtbeleuchtung der genannten Räume auf sich laben. Bei deshalb entstehenden Unfällen können ungeahnte Ersatzpflichten entstehen. Besonders Brief­träger und Zeitungsboten haben unter den Mißständen zu leiden. So stürzte vorgestern wieder eine Zeitungsfrau die dunkle Treppe in einem Hause der Wilhelmstraße kopfüber herab, glücklicherweise ohne sich einen Schaden zuzufügen.

(h) Elektrotechnischer LehrkursuS. Der Physikalische Verein zu Frankfurt a. M. veranstaltet in seiner „Elektrotechnischen Lehranstalt", beginnend am 3. Januar 1912, einen 9-monatlichen Lehrkursus für reifere In­stallateure re. Für die Aufnahme ist außer der Lehr­zeit in einer mechanischen Werkstätte oder einem Elektro- Jnstallationsbetrieb, eine weitere praktische Tätigkeit und der Nachweis einer bescheidenen mathematischen Vorbildung Bedingung. Das Schulgeld beträgt 160 Mk. Nähere Auskunft erteilt der Physikalische Verein zu Frankfurt a. M.

Ami Geisa und Umgebung.

* Dermbach, 19. Dezbr. 1911. Die „Tageszig." meldet: Eine Jagd nach den Gänsen und Hühnern, die von den Besitzern entgegen dem aus Anlaß der Maul- und Klauenseuche ergangenen Verbot des Bürgermeisters frei auf der Straße umherliefen, wurde hier durch vier Gemeindebeamle unter Führung des Gemeindepolizisten abgehalten. Jeder Beamte hatte einen großen Sack bei sich und unter Beteiligung der Ortsjugend wurde ein frisch- fröhliches Jagen veranstaltet. Jedes Tier, welches den Mannern in die Hände sie, wanderte zunächst in den Sack, um später in Gemeindepension ge­geben zu werden. Es sind zivei Gänse und mehrere Hühner einqefnnaen worden.

-r-Spahl, 19. Dez. 1911. Zu einer Volksversamm- ' (ung hatten sich die k a t h o l r s ch e n M än n e t un- i ferer Gemeinde am Sonntag, den 17. d. M., nach­mittags 3 Uhr, in der Göb'fchen Gastwirtschaft da­hier, recht zahlreich ttngefunden, Herr Pfarrer Kraus wie? einleitend auf dm Ernst der gegen­wärtigen Zeit hin und ermahnte die Versammlung zur Einigkeit und zu opferfreudiger und zuverlässiger Mitarbeit. Hierauf schilderte Herr VollSvereinsse- fretär Frank mit beredten Worten die gegenroär» ftge politische Zeitlage und widerlegte die Angriffe, welche jetzt mit besonderer Heftigkeit gegen die rechts , stehenden Parteien gerichtet werdm. Die gespannte Aufmerksamkeit der Zuhörer bis zum Schlüsse des Vortrages zeigte, daß ihnen der Redner aus dem Herzen gesprochen hatte. Der Bitte des Redners, durch Beschaffung und Studium entsprechender Schriften, die gegenwärtigen wichtigen Zeiffragen verstehen zu lernen, entsprachen die Versammlungs­teilnehmer durch den Ankauf von ca. 120 kleinerer unb größerer Volksvereinsfchriftm. Die imposante Versammlung schloß Herr Pfarrer Kraus mit einem Hoch auf die höchsten Gewalten in Kirche, Reich und Staat.

* Merkers, 17. Dez. 1911. Gestern nachmittag gegen 1 Uhr entgleiste zwischen hier und der Station Dorndorf die Lokomotive des Personengu- ges 1035 a. Ein Hilf-wagen wurde sofort vom Bahnhof Gerstungen beordert, um die Lokomotive wieder ins Gleis zu bringen. Durch sofortiges Ein­stellen eines Ersatzznges, welcher von Vacha abgelas- I fen wurde, blieb der Verkehr aufrecht erhalten, fodaß ! irgend welche Verkehrsstörungen nicht vottamen. Der I entstandene Schaden ist unbedeutend. Verletzt wurde niemanb.

* Aus Thüringen, 19. Dez. 1911. In Eise­nach starb die Gründerin und eiste Vorsitzende des Allgemeinen deutschen Kind rgärlnerinnen-Vereins, Eleonore Herwarth, im 77. Lebensjahre. — In Koburg starb der letzte dort lebende Veteran von 1849, der Amtsbote Grawitschky. — Der zweite Bürgermeister der Stadt Jena, Dr. Karl Müller, ist als besoldeter Beigeordneter (ziveiter Bürger- meister) der Stadt Burg für die gesetzliche Amis- dauer von 12 Jahren bestätigt worden.

Aus Oberhessen u. den tzeff. Aemtern

* Marburg, 19. Dez. 1911. Schon jetzt nach den wenigen Wochen seit ihrer Jndelriebnahme steht fest, daß unsere Straßenbahn sich sehr gut rentiert, da, während mit einer täglichen Einnahme von mindestens 112 Mark gerechnet wmc e, eine solche von durchschnittlich 230 Mark zu verzeichnen ist. _ Prost Gaul kommt für die Schaffung des geplanten Kriegerdenkmals nicht mehr in Frage, da er sich weigert, an einem W Uber-etb verschie­dener Künstler teilznnehmerr. — Erlös aus dem Verkauf des Gemeindeobstes. Die einzelnen Gemeinden unseres Kreises einschließlich der Stadt erzielten durch Verkauf ihres Obstes die Summe von 17 495 Mk. (1910: 17 961 Mk.)

« Frankenberg, 18. Dez. 1911. Bei der heute in der 2. und 3. Wählerklaffe abgehaltenen Stich­wahl der Ergänzungswahl zur Stadtverordneten- Versammlung wurde in der 3. Abteilung Dberpoft« asststent Karl Albrecht gewählt. In der 2. Ab­teilung wurde Salzsaktor Julius Schwaner gewählt.

stj Reustadt, 19. Dez. 1911. Nach Beschluß der letzten Stadtverordneten-Sitzung wurden die Wahlen der 1. und 3. Klaffe für giftig ertlärt. Da gegen die Wahl in der 2. Klaffe Protest ein­gelegt worden war, wurde ttne fünfgliedrige Kom­mission, bestehend aus 2 Magistratsmitgliedern und 3 Stadtverordneten, gewählt, welche die eingelegte Beschwerde prüfen und die angeblichen Wahlbeein­flußungen untersuchen soll. — Leider mußte auch eine Erhöhung des Wassergeldes, und zwar der Grundtaxe um 2 Mk., bestimmt werden, nach­dem erst vor 2 Jahren dieselbe um diesen Betrag ermäßigt worden war. Hoffentlich entsteht durch diese kleine Anziehung der „Schraube" kein zu großer Unwille, da sich unsere Wafferleitung im letzten Sommer vorzüglich bewährt hat. — Die Vertei- lungderJagdpachtift jetzt soweit fertiggestellt, daß der VerteilungSplan zur Einsichtnahme durch die Jntereffenten offen liegt. Der Einheit-betrag pro Hektar ist auf 38 Pfg. festgesetzt. Unter -/- Hektar ist außer Berechnung geblieben. Die Stadt- kaffe erleidet dadurch einen bedeutenden Ausfall.

* Homberg, 18. Dez. 1911. Die Kaufleute Ge- brüder Heilbronn von hier haben eine größere Fläche ca. 100 Acker, von Grundstücken am Fuße des

schon lai

Kreis-Kriegerdenkmals zur Erledigung gebracht. Zur Ausführung kommt der Entwurf des Prof. Bernewitz-Kafsel. Hiernach soll bas Denkmal eine achtkantige, 8 Meter hohe Säule bilden, welche sich nach oben hin verjüngt und von einem Adler in kühner siegesbewußter Haltung gekrönt wirb. Die Säule foll in der Mitte eine Krone und ein Band mit Inschrift, der 60 Zentimeter hohe Fuß 2 Krie­gerhelme, Fackeln unb dergleichen tragen. Das ganze wird noch eine Umwehrung, vielleicht eiern» oänfe im Stile des Denkmals, erhalten. Als Stand- ort ist die Mitte der Allee vorgesehen. Die Kosten zur Erbauung des Denkmals werden sich auf 6000 Mark belaufen. Diese Summe ist vom Kreis- Krieger-Verband, dem Kameradschaftlichen Verein Fritzlar, dem Kreise unb der Stadt Fritzlar, den ein­zelnen Rriegeröereinen des Kreises sowie durch fttt- willige Spenden und Sammlungen auszubringen. Wetter wurde beschlossen, das Verbandssest 1912 zu­sammen mit der Einweihung des Denkmals in Fritzlar zu begehen. Ein genauer Termin kann kann jetzt noch nicht festgesetzt werden. Jedenfalls aber follen die Vorarbeiten zum Bau des Denkmals sofort nach Weihnachten beginnen.

vermischtes.

♦ Bo» dem flüchtigen Schuhmann Glauß, der vor acht Tagen aus dem Ger'.chrsgefängnis m Wil« Helmshafen entsprang, ist bisher noch keine zu­verlässige Spur gefunden. Man neigt deshalb zu der Annahme, daß es ihm gelungen ist, m das Ausland zu entwischen. Es beftäugt sich, daß die Aufsicht einem ganz jungen Aufseher, der erst wenige Tage vorher den Dienst angetreten hatte, üvetitagen war. Da Glauß den wilden Mann spielte und fürchterlich brüllte, hatte man zur Dämpfung des Schalles wollene Decken über die Zellentür gehängt. Jnfolgedeffen klemmte^stch bte Tür ein wenig beim Schließen. Diesen Umstand machte sich Glauß zunutze und steckte zwischen Tür und Schwelle eine Zahnbürste, die den ordnungs- mäßigen Verschluß der Tür in der Weise verhinderte, daß wohl die Zunge des Schlaffes vorsprang, den Einschnitt aber nicht vollständig erreichte. Die Tur war Qlfo nicht vollkommen geschloffen und gab dem starken Druck, den Glauß auf sie ausüble, nach und öffnete sich. Allerdings bleibt es noch immer rätsel- haft, wie es ihm gelingen konnte, d e eiserne Tür Kg Geiänguiskorridors und daS Oberlicht der Haustssre zu passieren, ohne daß irgend jemand hiervon etwas bemerkte. Nicht minder auffällig er­scheint die Herkunft der vier Meter langen Latte, die Glauß zum Uebetfteigen der zwei Gefängnis, mauern, der inneren und der äußeren,. benutzte. Daß man auf einen Ausbruch gefaßt sein mußte, geht daraus hervor, daß Glauß schon bald nach seiner Einueferung einen Fluchtverfuchmachte, der ihm eine ziemliche Schramme auf der Nase eintrug. — Im Laufe der letzten Tage waren in der Glauß- scheu Ange ezenheit ein Geheimrat vom Polizm Präsidium in Berlin, der Oberstaatsa« walt aus ■ Celle und der Erste Staatsanwalt aus Aurich an» wesend. ,

* Aus einem Zuwttengeschäste m Breslau stahlen in der Montaqsnacht Einbrecher Wertsachen im Betrage von 70,000 Mark.

♦ Bon einem verschollenen ftanzöfijchen Dampfer. Nach einer „Havas"-Depesche aus Las Palmas hat der deutsche Dampfer „Helene Menzel" dort fünf von ihm gerettete Matrosen des französischen Dampfers „Dille de Carthage" gelandet, der Anfang Dezember von Philippeville nach Dünkirchen abge­gangen war und wahrscheinlich im Golf von Bis- caja Schiffbruch erlitten hat. Die „Ville d« Carthage" hatte eine Besatzung von 25 Mann.

* Während eines Sturmes sind acht Leute durck Kentern eines Bootes des Dampfers „Hake of iw Mountains" bei Montreal ertrunken.

MofenbergS gelegen, welche bisweilen zur Schashut dienten, pro Acker mit 300 und 500 Mk. angekaust. Es ist dies ein Preis, welcher von dem Wett der Grundstücke bedeutend abweicht. Es dürfte nicht unwahrscheinlich sein, daß durch den Bau der Eisenbahn Wabern-Hersfeld, welche in eineinhalb Kilometer Entfernung an dem Grundstück Vorbei­gehen würde, sich die A n l e g u n g e i n e s S t e in- brUch 3 auf demselben rentiert, da bekanntlich schon vor Jahren besonders gutes Material von Basalt- steiuen am Mosenberge gewonnen wurde. Da auch, wie festgestellt ist, bedeutende Tonlager dort sind, so ist es nicht ausgeschlossen, daß an dieser Stelle ein industrielles Unternehmen entsteht.

* Gifte, berg, 19. De,. 1911. In einem kiesigen Gartenland fand man dieser Tage einen Zweig der schönsten reisen Himbeeren.

* Fritzlar, 19. Dez. 1911. In der hier abge­haltenen Delegiertenversammlung des Kreis- Kriegerverbandes Fritzlar wurde die ' inae schwebende Frage der Errichtung eines -Kriegerdenkmals zur Erledigung

ReichstagsnWer, anfgepatzt!

Die Wählerliste liegt auf. Wer nicht eingetragen ist, darf nicht wählen.Deshalb verfämneman nicht

die Liste einzusehen -Wz und wenn der Name fehlt, Ein­spruch zu erheben. Die Liste liegt auf bis zum 21. Dezember im Rathaus (Stadtschloß) Zimmer Nr. 7. Jeder deutsche Staats­bürger, der 25 Jahre alt ist, besitzt das Wahlrecht.