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NiÜWSch 20. Otjember IW

58. Jahrgang.

" fuldaer M Zeitung

5. Statt.

»ruck nw* Verlag Ht $wi*eer Xttltabniaerei iw $Ml*e.

Aus Kirche u«ö Schule.

<6 Fulda, 19. Dez. 1911. Am nächsten Sams­tag, den 23., wird unser Hochw. Herr Bischof im Dome dem Di KonAwys Rikger die dl. Priester­weihe erteilen. Sem erstes hl. Meßopfer feiert der Primiziant am Feste des hl. L-lephanus, Diens. tag, den 28. Dez., vormittags 8 Uhr, in der Pfarr­kirche zum hl. Geist.

Aus dem Uachbargebieie.

# Ebersberg, 18. Dez. 1911. Gestern nach­mittag 2 Uhr sand in dem ncuerbriuten, mit frischem Tmmenarün und geuossenswaftticken Sinnsprüchen geschmümen Saale der Bogtschen Wirtschaft zu Ober­rod eine gut besuchte Generalversammlung des Ebersberger Darlehnskassen- Vereins statt. Herr Kornhausverwalter Sch l a-- ba ch aus Fulda war als Redner erschienen. In seiner frischen Art sprach er über die Pflichten und Rechte der Verwaltungsorgane eines Darlehnskas- seuvereins, wenn derselbe gut arbeiten soll. Redner ging besonders gegen die Angriffe und Berleunidun- gen vor, die oft gegen tüchtige Verwaltungsorgane gerichtet werden. In einem zweiten Referat sprach der Redner über Fütterung von Rindvieh und Schiveine unter Berückfichtigung der diesjährigen Futterknappheit. Lebhafter Beifall lohnte dem Red­ner für ferne Ausführungen. Im weiteren Verlauf der Tagesordnung wurde der Vereinsbezirk durch Ab­änderung des Statuts' erweitert. Sodanrr wurde von den Mitgliedern der Bedarf von Düngemittel, Futtermittel und Sämereien für 1912 aufgegeben und gegen 6 llbr die Versammlung geschloffen.

* Aus dem Sinngrnrrdc, 18. Dez. 1911. In jüngster Zeit nehnien die Gerüchte von einer Ver­legung der Lokalbahn Brückenau- Jossa über bayerisches Gebiet unter Umgehung der zurzeit befahrenen preußischen Teilstrecke be- stimultere Formen an. Wie verlautet, sollen die Frhrn. v. Thüugen-Roßbach sich bereit erklärt haben, die in ihrem Gebiet liegenden Grundstücke kostenlos abzutreten. Als Endstation käme dann Mittelsinn in Betracht, ioo sich u. a. auch ein Maschinenhans nebst hydraulicher Pumpe befindet.

” Niederstem, 18. Dez 1911. Wegen des Auf­tretens der Maul- und Klauenseuche ist für den hiesigen Ort einschl. der Drausmühle, dec Mx- mühle und d-r Dodtenmühle Sperrvorschrift er­last-,'.

* Cschwegc, 18. Dez. 1911. Wie der hiesige Landrat bekannt macht, will der Kreis Eschwege vom 1. April n. I. eine Gewerbelehrerin anstellen, die im Sonrmerhalbjahr den jugendlichen Arbeiterinnen, die in Eschweger Fabriken beschäftigt sind, hauswirtschaftlichen Unterricht erteilen soll. Im Winterhalbjahr dagegen soll sie zwei Wanderhau^altungskurfe auf dem Lande ab- halteu. Die Stelle ist mit einem Anfangsgchalt von 1200 Mk. zur Bewerbung ausgeschrieben.

* Wiesbaden, 18. Dez. 1911. Wre aus sicherer Quelle verlautet, ist der Bau der elektrischen Einschienenbahn (System Scher») von Frank­furt a. M. nach dem Taunus als gescheitert anznehcn.

vermischtes

Bein« Ucberfchreiten der Gleise wurde auf dem Mt.rvahnhof in Soest in Westfalen ein 20jährig:r Bahuarbeiter von einem Schnellzuge erfaßt und gelotet.

“ Gegen die Auswüchse der Kinotheater hat sich ,h Siegen in Westfalen die Ortsgruppe der Jugend- pflege mit Erfolg beim Magistrat beschwert und die iÄefolgung Von Bestimmungen erreicht, die anderen Stadien mit ähnlichen Klagen über die Kinovorftel- lmigen als Vorbild dienen könnten. Der Ausschuß für Jugendpflege lvurde Vorn Magistrat in eine neu- gebildete Kommission getvählt, die die Films vor jeder Aufführung prüfen mutz. Bei dem Ani rage auf Aufführung von Bildern ufro., der min­destens 24 Stunden vorher gestellt sein mutz, mutz die Bezeichnung, unter der das Bild angekündigt werden ioö, angegeben werden, u. cs müssen die etwa notwen- ügen Stcklamebilder mit vorgelegt werden. In den schulen soll öfter bekannt gegeben werden, daß schul­

pflichtige Kinder nur in Begleitung Erwachsener da» Si not Heater besuchen dürfen.

♦ Nett« Voruntersuchung wegen der Müllheimer Eisenbahnkatastro^h«. In dem Strafverfahren ge­gen den Lokomotivführer Platten, dem die Schuld an dem folgenschweren Eisenbahnunglück bei Müll­heim am 17. Juli d. I. zur Last gelegt wird, und der sich am Montag vor der Strafiammer in Freiburg verantworten sollte, wurde ht die Hauptver­handlung vorläufig nicht eingetreten, da die Borutersuchung noch einmal eröffnet wurde und von der Staatsanwaltschaft umfangreiche Gutachten vo,l Eisenbahlttechnikern eingeholt werden.

♦ Räuberleben eines ehemaligen Postbeamten. Im Herbst diese» JahreS wurde die Bevölkerung des Harzes, besonder« die Einwohner von Elend, Schiecke und Wemlgerode durch fortwährend auf die raffinierteste Weise ausgeführte Diebstähle in die größte Unruhe versetzt. Schließlich gelang es, den ehemaligen Postgehilfen Robett Meyer als dm Ein­brecher zu verhaften. Meyer mtstmnmt einer ange- sehenm hannöverschm Familie und genoß eine sorg­fältige Schulbildung. Er trat in den Postdienst und erbte als Postgehilfe ungefähr 20 000 Mark, die er in kurzer Zeit durchbrachte. Hierauf begann er ein wahres Räuberleben. Er nistete sich in einer Höhle der Wälder des Harzes ein und voll­führte von dock aus die gewagtsten Einbrüche. Das Landgericht Halberstadt verutteilte ihn jetzt zu drei Jahren Gefängnis und fünf Jahrm Ehrverlust.

* De« Schutzmann als Spion. Die Strafkammer in Aurich in Hannover verurteilte den früheren Schutzmann Jaenicke, der von dem geflüchteten Schutzmann und Spion Glanß verfühtte. sich an des­sen Verbrechen beteiligt hatte, wegen vierfachen schweren Einbruchsdiebstahls zu 3% Jahren Zucht­haus und fünf Jahren Ehrverlust" sowie Stellung unter Polizeiaufsicht.

* Einem Heiratsschwindler fiel in Berlin eine ältere Dame zum Opfer, die ihre Sehnsucht, noch unter die Haube zu kommen, mit 4000 Mk. bezahlen mußte. Auf ihre Zeitungsanzeige meldete sich der 28jährige Koch Augilst Vogler, der mit der heirats­lustigen Dame eine Liebschaft anknüpfte, ihr auch bald die Ehe versprach und ihr dann die obige Summe abknöpfte. Vogler wurde verhaftet..

* Des Kindes Schutzengel. Aus der Mansardeu- wohuung eines fünfstöckigen Hauses in der Steitt- straße in Straßburg i. E. fiel in einem unbe­wachten Augenblick ein zweijähriges Kind auf das schräge Dach und blieb in der Dachrinne liegen. Auf der Straße hörte ein Schutzmann anbaiternb Kindergeschrei und sah oben zwei zappelnde Kinder- arme. Er stürzte sofort in das Haus und machte die Bewohner äuf das Ereignis aufmerksam. Unter großen Schwierigkeiten konnte das Kind aus seiner gefährlichen Lage befreit und den Eltern übergeben werden, die das Kind noch gar nicht vermißt hatten.

* In einem Anfall von Geistesgestörtheit ver­übte in Dresden der praktische Arzt Dr. Jo­hann Leopold, der in einer Klinik beschäftigt war, Selbstmord.

* Ein Ingenieur als Falschmünzer. Seit Mo­naten sind in der Provinz Sachsen falsche Ein­mark- und Zweimarkstücke im Umlauf, ohne daß eS der Polizei gelungen wäre, den Falschmünzern auf die Spur zu kommen. Jetzt endlich ist es geglückt, das Haupt der Bande in dem Ingenieur D. Voigt aus Heckingen in Schönebeck zu verhaften. Er wei­gert sich hartnäckig, irgendwelche Angaben über seine Mittäter und den Ort der Falschmünzerweckstäte zu machen.

" Tie »ichterkannte Muttersprache. Ein komischer Zwischenfall ereignete sich bei dem Empfange einer Abordnung der Londoner Feuerwehr, die nach Uccle bei Brüfsel gekommen war, um die Em- richlunge» bet dortigen Feuerwehr zu besichtiae». Der Bürgermeister dieser Vorstadt begrüßie die Gäste in englischer Sprache, worauf einer der Engländer sich erhob und in fließendem Französisch' dankte. Einige Minuten später äußerte sich der englische Redner einem Kameraden gegenüber, daß die Rede des Bürgermeisters ja sehr schön gewesen sei, aber er habe sich gewundert, daß sie in vlämischer Sprache gehalten wurde. Er hatte die englische Aussprache des Bürgermeisters für vlämisch gebalten.

* Neue Winzerunruhen in der Champagne. In Eperuay kam es nach einer Demonstrat'ionsver- sammluug vor den Häusern der großen Weinhändler

zu ernsten Ausschrestungen. Ein starker Haufe ver­ursachte wilde Lärmszenen und zertrümmerte die Fensterscheiben der SÄchnhäuser. Der Unterpräfekt von Epernay sandte Gendarmerieverstärkungen nach Damery, wo zehn Champagnerhandler neuerdings durch Anschlagzettel mit Tod und Brand­stiftung bedroht wurden. Unter den Champag­nerhändlern befinden sich mehrere, deren Kelleret«» geplündert worden waren.

* Auwmobilfahrt eines belgischen Diplomaten. Der erste Sekretär der belgischen Botschaft in Rom, Baron San Willenfagne, überfuhr im Kraftwagen in G e n u a zwei junge Leute, Bruder und Schwester. Beide mußten nach dem Krantonhaus gebracht wer­den. Das Mädchen ist tödlich verletzt worden, während der junge Mann ht einem Monat wieder hergestellt sein dürste. Der Baron wurde v e ri­tz a ft et.

* Die chinesischen Seeräuber. Aus Macao wird gemeldet, daß die beiden dort Rationierten Kanonen­boote und die 1500 Mann starke Garnison gegen- über den Seeräubern ganz ohnmächtig sind. Die portugiesische Regierung wird bedeutend schärfere Maßnahmen ergreifen müssen, um beit Seeräubern das Handwerk zu legen. Diese üben in der Stadt und der Umgegend eine Schreckensherrschaft aus.

* Neberschwemmungen. Im Aberbaretal in Sübeuglaud hat ein Plötzlich eingetretenes Hoch- wafier großen Schaden angerichtet. Fast alle Brücken wurden weggeschwemmt und zahlreiche Geschäfts­häuser und Werkstätten unter Wasser gesetzt. In Aberbare stürzten zwei junge Leute mit einer zu­sammenbrechenden Brücke in die Fluten und er­tranken. Mehrere Bahnlinien, sind unterbrochen. Bei Glyu Rnath ereignete sich ein großer Erdrutsch. In Aberdare konnten die Eiseubahupassagiere die von den Fluten umbrauste Station nicht verlassen.

Literarischer.

Biblische 3d h" tu fiert, gemeinverständlich erörtert. Heft 8: Dr. S. Eurrngcr: Der Streit um das D e u t e r o u o nt t u m. Preis 50 Pf. " Aschcn- dorfsschc Vertagbuchhandlung, Münster i. W.

Das 5. Buch Moses enthält die Abschiedsreden des berühmten Gesetzgebers an fein Volk, in denen er die wichtigsten Gesetze noch einmal einschärft und den Ge- horsamcn Segen, den Widerspenstigen Fluch verheißt. Daher der Name Deuteronomium d. h. 2. Gesetz oder Wiederholung des Gesetzes. Auch zahlreiche positiv ge- richtete Ercgeien, darunter- gar manche katb. Gelehrte von Ruf, haben die mosaische Authenzität des Dt. ganz oder teilweise aufgegeben. Gewichtige innere Gründe scheinen diese zu empfehlen. Dagegen ist die Wucht theo­logischer Gründe auf feiten der traditionellen Auf­fassung.

Die historische Entwicklung des deutschen Münz- weseus toird ht dem soeben erschienenen 6. Heft des „Deutschen Hausschatzes" von Bernhard Müller ein­gehend besprochen. Dem sehr instruktiven Artikel sind dreißig Illustrationen beigegeben. Der langjährige Mitarbeiter Otto C. Artbauer, der sich momentan in Tripolis aufhält, hat einen Artikel beigesteuert „Ita­liens Aussichten in Tripolis". In diesem aus eigener Anschauung berichtenden Artikel kommt der Verfasser zu dem Schluffe, daß die Aussichten für Italien in Tri­polis die denkbar ungünstigsten sind. A. Kett in Si. Petersburg schildert uns einen Besuch in der Peters- bürget „Eremitage", dem bekannten Museum des rus­sischen Zaren. Franz Dubitzkh plaudert über das Thema „Wann komponierten unsere Meister". Wir lernen hier sonderbare Eigenheiten kennen. Kapitän Otto Alkmann weiß uns in seinem Artikel „Treibeis in den nordischen Meeren" noch viel Neues zu berich­ten. Eine Würdigung „Karl Maria Von Weber", zum 125. Geburtstage des Meisters, hat M. Hermann bei- gesteucrt. Die übrigen Artikel „Kulturgeschichtliches Vorn Lebkuchen", und „Neisebeschreibungen" Bieten eben­falls viel Interessantes. Zu den beiden Romanen „Marcclle Darrell" und „Die Gräfin vom Pontifex Square" kommt diesmal als dritte Erzählung „Der Fischer", ein originelles Detektivstückchen.

Großes Handbuch des gesamten Mvlm- und Klage- wcsens. Alle nötigen Maßnahmen und Einzel­fälle zur Selbstvertretuug Vor den Amtsgerichten und außergerichtlich leichtverständlich dargestellt mit allen Formularen, Musterbeispielen und Tabellen sowie Nachweis und Abdruck aller in Frage kom­menden gesetzlichen Bestimmungen Von Dr. jur. @. K a rlemeyer. 300 Seiten großen Formats. Dritte, veränderte und verbesserte Auflage. 16.

bis 25. Tausend. Preis 3 Mk„ gebunden 4 Mk. (Porto 80 Pf.) Wiesbaden, Verlags-?!»statt 6*9 Hingt.

Der iseschäftsmann findet ht dem ku.we wohl alles, ivas er wissen muß, um in der Praxis ohne Rechts­anwalt selbst böswilligen Schu^nem, den „Schiebun­gen" uno sonstigen Versuchen, sich der Zahlung zu ent­ziehe u, erfolgreich zu begegnen. Das ist ein Buch, das viel Geld einbringt. Jährlich gehen der Geschäftswelt 285 Millionen Mark in Konkursen verloren und noch weit mehr durch verjährte und andere Forderungen. Man ist zu nachlässig mit dem Einziehet, der Außen­stände und gibt zu leichtfertig Kredit. Mancher Ge- fchastSmatm ist dadurch schon um seine Existenz gekom­men. Mau baue deshalb vor und benutze das vorlie­gende Handbuch, um sich damit vertraut zu machen, wie mmt schlechten Zahlern ober „faulen Schulder,i" beikommk.

Haube! »,ttd Industrie.

* Berlin, 19 Dez. 1911. Die heutige Börse setzte wieder sehr schwach ein, nach Ablauf der ersten GeschäfiSstundeu machte sich jedoch eine Be­festigung bemerkbar. Montanwerte vorwiegend matt. Bantenmarkt nahezu leblos bei gut behaupteten Preisen. Elelirizitätswerte gut behauptet. Schiff- jahrtsaktirn etwas höher.

Kurier Setreide-Wochenderlcht der Preisberichtsstelle des deutschen Landwirtschaft- rats vom 12. bis 18. Dezember 1911.

Für den Fortgang der Erntearbeiten in Argeuti- nien war die Witterung auch in der abgelaufencn Woche meist recht ungünstig, und die Ablager haben ihre Forderungen infolgedessen weiter erhöht. Im Anschluß daran stellte sich auch kanadischer Weizen teurer, ebenso meldeten die amerikanischen Märkte festere Tendenz, zumal drüben über den Stand der Wintersaaten ge­klagt wird. Demgemäß behielt auch im Deutschen Ge­treidehandel eine festere (Stimmung das Ilebergewicht, aber die Unternehmungslust hielt sich angesichts der nahen Festtage in ziemlich engen Grenzen. Weizen tonnte seinen Preisstand tot allgemeinen gut behaup- ten, teilweise ließen sich bei mäßigem Angebot sogar höhere Preise durchsetzen, auch macht sich fortgesetzt Nachfrage nach gutem Klcbar-Weizen bemerkbar. Für Lieferung sind keine sonderlichen Veränderungen fest­zustellen. Im Roggengeschäft drückte anfangs stärkeres Angebot seitens Schlesiens auf die Stimmung, auch der Umstand, daß Von Argentinien Roggen-Offerten zu Verhältnismäßig niedrigen Preifeu Vorlagen, trug an­fangs zur Abschwächung bei. Daß es sich bei dem argentinifdjen Angebot um größere Mengen handelt, ist indes kaunt anzunehmen, da der Roggenanbau in Südamerika nur eine ganz untergeordnete Rolle spielt; Von 18% Millionen Hektar, die sich 1909 unter Kultur befanden, waren nur etwa 11 000 Hektar mit Roggen bestellt. Während die Berliner Mühlen mit Käufen zu­rückhielten, zeigte sich in Westdeutschland reger Begehr, zumal dort fortgesetzt Absatz nach Holland besteht. Auch an der Küste hält die Nachfrage für Exportzwecke an. Bemerkenswerte Preisveründerungen sind seit der letzten Woche nicht eingetreten. Für Hafer werden Vorn In­land« weiter hohe Preife gefordert, die aber hier fchwer zu erzielen sind. Rußland ist für diesen Artikel sehr fest, auch Argentinien hat seine Forderungen erhöht und Vereinzelt frühere Kontrakte zurückgekauft. Für rus­sische Gerste bleibt die Situation weiter fest; es gilt dies namentlich für greifbare und fällige Ware. DaS Angebot für spätere Abladung ist gleichfalls knapp doch halten Käufer mit Anschaffungen Vorläufig zu- rück. Der Verkehr in Mais hielt sich bei wenig der äudericn Preisen in engen Grenzen.

Es stellten sich die Preise für inländisches Getreide am letzten Markttage in Mark pro 1000 Kilogr. je nach Qualität, wobei daS Mehr !-j-) bezw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern () beigefügt ist wie folgt:

Weizen Roggen Hafer

Danzig 204V, — V. ) 178‘/,( -st 2 ) 184 (4-1) Berlin 205 ( -st 1 ) 182V,( — 1 ) 19-) ( )

Frankfur! 215 ( ) 192V,' +*,'» ) 195 ( )

München 229 ( -st 2 ) 209 ( -st 1 ) 200 (-st 3)

Weltmarktprefse: Weizen: Berlin Dezbr. 204.50 (-0.75). Mai 214.75 ( -0.25), Budapest April 199.05 i— 1.85), Liverpol März 165.40 ,-st 1.65), Paris Dezbr. 207.10 (-st 2.40), Chicago Dezbr. 145.25 (- 0.20). Roggen: Berlin De». 184.75 (— 0.75), Mai 194.50 <- 0.25). Hafer: Berlin Dez. 186.50 (-st 1.00) Mai 190.00 ( 4-0.50;. Futtergerste cif. Hamburg Nov. 147.00 + 0.50), Dez. 144.75 (-st 0.25), Mais Mixed Jan, bis März 130.10 (— 0.25), Donau Nov. dir Dez. 000.00 H- 0.00), La Plata April-Mal 124.00 (-st 1.50) Mk. per 1000 Kilogr.

M Tochter isss Verbomiteil.

25] Rowan von Adele Böll u) t r.

.Hier bin ich, mein Fürst. Ich kann Ihnen nicht tagen, wie sehr ich es bedauere —"

„Ein Soldat und Ehummaim sollte niemals et« fix© j« bedauern haben", fällt Orloff hoheitsvoll ein. „Ist es .Ihr Wille, Herr Oberst, daß —"

„Ich allein bin verantwortlich für diese Wen­dung der Dingei" ruft der Marchese, ehe der Oberst antro orten kann.

Tie hohe Gestalt Boris Orloff richtet sick) noch gerader empor.

„Der Herr Oberst Morgm-o hat Gluck, baß er jemanden gefunden hat, dem er ein solch niedriges Amt Überträgen: konnte", sagt er mit beißendem SarkasmuS. „Ist es hier in Italien Sitte, daß ge- achete Männer wie Diebe behandelt werden und ihre Ehrlichkeit durch schmachvolle Erniedrigung beweisen müssen? In Moskau hat nüch die Polizei visitiert; aber damals bildete die Besorgnis für das Leben des Zaren einen Milderungsgrund. Trotzdem ver­damm im Sie jene Hanblungsiveifei Heute finden Sie es ganz natürlich, Ihre Freunde einer solchen Schmach zu unterziehen, ba doch nur ein gfitjernber Stein Verloren gegangen ist!"

„Sie sind nicht verpflichtet . . ." beghmt der Mar­chese spöttisch.

„Halt, Signore!" ruft Orloff mit lauter Stimme, während er mit der linken Hand in. leidenschaft­lichem Zorn an seine Brust drückt. „Sie sollen kei­lten Vorwand haben, mich verleumden zu dürfen, so- Ixrtb ich fort bin. Ich kenne Ihre Gesinnung schon lange, mein Herr Marchese. Sie haben zu Ihrem bohlte gesagt: „Hüte dick) vor dem alten Russen und feiner Enkelto! Wir wissen nichts näheres über ihre .Verhältnisse!» Leugnen Sie es, wenn Sie können!

lliib Sie, der Sie mit Freuden auf beit Charakter dieses unschuldigen Kindes hier einen Makel werfen würden, iveun es nur irgendwie angtnge — Sie er- Ireifett mit Wollust die Gelegenheit, un» öffentlich

zu beschimpfen. Sie triumphieren bereits; aber Sie werden Ihren Triumph nicht lange genießen; Sie fallen nicht heute oder morgen höhnen können: „Der alte Mann ist billig davongekommen; hätten wir ihn nur bis auf die Haut entfteibet —wir würben den Diamanten schon gefunden haben!' — Nein, das sollen Sie nicht sagen können, mein Herr Marchese! Sie sollen mich bis auf die Haut entkleiden! Die einzige Gunst, um die ich bitte, ist die, mich in Rück­sicht auf mein hohes Alter nicht länger warten zu lassen — ein Gegenstand des Mitleids für alle An­wesenden. — Wenn irgend jemand mir noch einen Dienst erweisen will" — et wendet den Kopf nach allen Seiten, als suche er ein befreundetes Gesicht — „so bitte ich ihn, mir rasch einen Wagen zu be­sorgen, damit ich mit meinem armen Kinde hier, so­bald das schmachvolle Geschäft erledigt ist, diesem Hause den Rücken kehren kann!"

„Das will ich tun, Herr Fürst! ruft Orlando, der in steigender Erregung dem Gang der Dinge folgte.

„Danke! — Und nun, mein Herr Marchese — ich siche zu Ihrer Verfügung."

EttvaS stutzig gemacht durch Orloffs sicheres Auf­treten, aber noch immer nicht überzeugt von seiner Unschuld, geleitet der Marchese den alten Mann ins Nebenzimmer, wo zwei Polizisten weiterer Befehle harren.

„Dieser Herr wünscht visitiert zu werben! Wal­ten Sie Ihres Amtes!"

Tiefes Schweigen empfängt ben Marchese, als er gleich darauf in di« Bibliothek zurückkehrt und Oberst Morgano rasch auf sich zukommen sieht.

Der brave Oberst hat sich in seinem ganzen Leben noch nicht so unbehaglich gefühlt, wie In diesem Augenblick.

«Du hast mit heute ein großes Unrecht zugefügt, Silvio", raunt er ihm mit vor Erregung zitternder Stimme zu. „Du hast au8 meiner Charakterschwäche Vorteil gezogen und die Untersuchung über die Grenzen des Anstandes und der Ehre ausgedehnt!"

„Dn wirst sogleich da« Nesultat hör«, und dann vielleicht andorr urteilen, lieber Freund."

»Ganz gleich? Ich schäme mich zum erstenmal in meinem Leben vor mir selber, und du bist die Ver­anlassung. Welches Ende die Sache auch nehmen mag — mit unserer Freundschaft ist es vorbei."

Der Marchese antwortet nur durch eine steife Verbeugung. Er ist sich genau bewußt, daß nicht nur bet Wunsch, dem Oberst seinen Schatz zurückzu­geben, ihn zu solch eigentümlichen Maßnahmen be­wog, sondern uvhr noch das Verlangen, durch die­sen Coup den Sohn für immer aus den Schlingen einer „Abenteuerin" zu befreien.

Während dieses ganzen, für alle Teile so über­aus peinlichen Auftritts sitzt Sonja still auf einer Terraffenbank — die schmalen Hände im Schoß ge­faltet und unzugänglich jedem teilnehmenden Wort. Fast aller Blicke ruhen mitleidig auf ihrem bleichen, edelschönen Gesicht, dessen Lippen wie in verhalte­nem Weinen leise leben.

Jetzt öffnet sich die Türe zum Nebenzimmer. Der eine der beiden Polizisten erscheint auf bet Schwelle.

„Nun?" fragt der Marchese Silvio voller Er­wartung.

„Nichts gefunden!" erwidert der Mann, tie Hand an die Mütze legend.

Langsam, wie gebrochen, kommt jetzt auch Orloff aus dem Zimmer heraus.

„Wo ist meine Enkelin?"

„Wie mechanisch erhebt sich Sonja von der Ter­rassenbank und geht auf ihn zu.

„Hier bin ich, Großvater!"

Beim Klang ihrer «Stimme reckt Orloff seine mächtige Gestalt zu ihrer vollen Hohe empor.

„Bin Ich frei? Kann ich gehen, wohin eS mir be­liebt?" fragt er mit erhobener Stimme, in der etwa» >vie tiefe Empörung nachzittert.

„Ja, Si: find frei', erwidert der Marchese kurz.

„Komm, mein Kind!"

Er stützt stch auf Sonjas Arm und schreitet mit ihr der breiten Freitreppe zu, die hinab ta den Park führt.

Schwelgend, mit tiefer Verbeugung, machen die Herrep Ihnen Platz.

Auf der Terrasse bleibt der Greis plötzlich stehen, wendet den Kopf zurück und tust In leidenschaftlichem Zorn:

„Es wundert mich, daß e3 bei euch nicht auch Sitte ist, junge Mädchen durch Polizisten vifitiecen zu lassen!"

Dann geht er ,stolz erhobenen Hauptes, langsam mit seiner Enkelin die Marmorstufen hinab. —

Eine jähe Blutwelle ist In Sonjas Antlitz ge­schossen bei den letzten Worten Ihres Großvaters. Fest drückt si- die Hand auf das laut klopfende Hetz.

Ihre zitternden Finger umschließen den großen schwatzen Diamanten.

13.

Als der Wagen mit Boris Orloff und seiner Enkelin die Villa Fortuna hinter sich hat und die staubige Landstraße zum Bahnhof hlnabsährl, ergreift bet Alte Sonjas noch immer krampfhaft geballte Hanb und löst behutsam die kalten, kleinen Finger von dem glitzernden Stein.

Zärtlich liebkost er ihn zwischen den Handflächen, streichelt ihn von allen Seiten und küßt ihn voll fa­natischer Begeisterung.

„Ich wußte, daß du zu mir kommen würdest —' flüstert er in Ekstaffo. „Soviel Liebe und Mühe kann nicht uubelohnt bleiben!”

Dann versenkt er seinen Schatz in kie Rocktasche, lehnt sich behaglich in die Kiffen zurück und durch­kostet im Geiste nochmals die wonnigen Stufregungen her letzten Stunden. —

Wie schlau hatte er alles angefangen! — Wie köstlich war es, als Bernardo, nur widerstrebend und der äußersten Not gehorchend, ihm den Diaman- ten mit dem rotseidenen Taschentuch zugleich einhän­digte, als er zur körperlichen Untersuchung gerufen wurde! — Ob der kluge Marchese Silvio wohl et­was von dieser Manipulation gemerkt hat? Oder von dem letzten Btimover, als er, Orloff, ben Stein- seiner Enkelin ht die Finger spielte, in demselben Augenblick, da er ihre Hand ergriff, wie in tiefer Erbitterung, über die bevorstehende Visitation seiner ■ Person? (Forts, folgt.)