Meines Feuilleton.
— Wie soll man die Hühner jetzt füttern? Wer sich Hühner hält, tut die? in den meisten Fällen wohl hauptsächlich der Eier wegen. Im Winter ruht aber das Legegeschäft fast ganz, dennoch muffen die Tiere C""':ert werden. So hat man in dieser Zeit nur
aben, aber keine Einnahmen, und wer die Hühnerzucht nicht versteht, setzt jetzt mehr Geld zu, als ihm die Hühner bisher eingcbrecht haben. Der Fehler liegt ausschließlich darin, daß man zu viel fett« bSdcndes Futter reicht. Das ist nicht nur teurer, sondern bewirkt auch, daß die Hühner weniger Eier legen und zu spät damit anfangen. Richtig ist daher, jetzt und auch später immer nur knochenbildendes Futter zu geben: Weizenkteie, Buchenweizenklere, Hafermehl. Diese Futtersorten wirken sehr günstig ans den Knochenbau. Kommt im Februar die Legezeit, dann mischt man unter dieses Futter noch Grit, gsnahlene Knochen und ganze Körner, auch etwas Kalk, der niemals fehlen darf. Von Maismehl ist dringend abzuraten: dieses nehme man nur bei Mast- gefflügel. Küchenabfälle können jederzeit gegeben v»erden, auch geweichtes Brot. Die Rentabilität der Hühnerzucht — 10 Hühner können jährlich 40 Mark Reinertrag bringen, wenn auch ein guter Auslauf vorhanden ist — beruht einzig und allein auf ge- fanber Stallung und rationeller Fütterung! lg.
— Wie alt ist dir Postkarte? In einer m« tereffanten Postkarten-Ztudie erwähnt der Oberpost« inspettor Ledat, daß die Anfänge diese- bilÜgen Korrespondenzmittels dir zum Jahre 1777 zurück- reichen, zu welcher Zeit Karten versandt wurden mit Mitteilungen, „die jedermairn lesen konnte'. Es scheint sich dabei schon um eine Art Ansichtspostkarte gehandelt zu haben, die et« Graveur namens Demaison erfunden hatte. In Preußen tauchte der Gedanke, Postkarten einzuführen, erst 1865 ans, und der ihn anrezte, war kein Geringerer als der damalige Geheime Poftrat Stephan. Sei» ^Postblatt" mit eingedruckter 1 Sgr.-Marke fand
* Tuldaer
Zeitung«
WeihnachtS- und Reujahrverkehr vorgesehen. Die Benutzung dieser Züge ist sehr empfehlenswert, wird doch dadurch der Aufenthalt auf den llmsteige- stationen ficherer erreicht, als mit den fahrplanmäßigen Zügen. Am 21., 22., 23. und 24. d. M. verkehrt aus der Strecke Frankfurt—Bebra—Berlin ein v-Vorzug ob Frankfurt a. M. 6 Uhr 56 Min. morgens, an Fulda 8 llhr 3M. — Am 21., 22., 23., 27. 28. Dezember, 2. und 3. Januar ab Frankfurt a. M. 9 Uhr 58 Mio. vorm., an Fulda 12 Uhr 16 Min. mittags. Am 23. Dezember ab Frankfurt a. M. Personenzug 10 Uhr 36 Mio., an Fulda 2 Uhr 25 Mm. Am 23. und 30. Dezember ab Frankfurt a. M. Personenzug l Uhr 27 Min. nach«., an Fulda 5 llhr 36 Min. Am 23. Dezember Personenzug ab Offenbach 3 Uhr 25 Min., an Fulda 6 Uhr 26 Mm. abends. Am 23. und 30. Dezember Pcrsonenzug ab Frankfurt a. M. 1.27 Uhr nachm. an Fulda 5.36 Uhr. — Am 21., 22., 23 und 30. Dez. ab Frankfurt a. M.-Süd 8.17 Uhr Fulda an 6 36 Uhr abends. — In der Richtung Bebra-Fulda- Frankfurt a. M. verkehren folgende Vorzüge: Am 22., 23. u. 24. Dez. ad Bebra O.-Zug 3.51, an Fulda 4 44 Uhr früh, am 23. Dez. 2. u. 3. Jan. Personruzug Bebra ab 7.04 llhr an Fulda 8.42 llhr vorm.; am 23. u. 27. Dez. und 2. Jan. Personenzug ab Fulda 2.53 Uyr, am 21., 22., 23., 27. und 28. Dezember 2. und 3. Januar Ei zug Bebra ab 4.09, Fulda an 5.08 nachm., am 23., 27. Dez. und 2. Jan. Personenzug ab Bebra 5 Uhr, an Fulva 6.36 Uhrnachm.; am 21., 22,23,27. Dez., 1. und 2. Jan. V-Zug ab Bebra 8.50 Uhr, an Fulda 9.44 abends. — In der Richtung nach Gießen gehl am 27. Dez. und 2. Jan. ein Personenzug-Borzug hier um 2.01 ab. Don Gießen geht am 23. und 30. Dez. 5.38 nachm. ab, der 8.52 abends Fulda erreicht.
§ Für Automobilbefitzer. Der Kurhessisch« Auto- modllttub, der an den Kaiserlichen Automobilklub angegliedert ist, hat seit kurzem an der Paulus- Promenade und beim Kriegerdenkmal in der Leipzigerstraße Warnungstafeln an bringen lassen. Die Tafeln sind von blauem Email und zeigen in der Mitte ein 8-förmiges Zeichen. Durch dieses Zeichen sollen die Fahrer auf die bevorstehende scharfe Kurve am Paulustor aufmerksam gemacht werden.
Aus den katholischen Vereinen.
(*) Petersberg. 19. Dez. 1911. Am verflossenen Sonntag hielt unser kath. Männer - und Jünglings verein seine monatliche Versammlung ab, die gut besucht war. Nachdem die Tages-Ordnung erledigt war, sprach der Präses Herr Pfarrer Rüb- s a in über die Pflichten der katholischen Männer bei der bevorstehenden Reichstagswahl. Alle begrüßten e? mit Freuden, daß unser altbewährter, langjähriger Reichstagsabgeordneter Herr R. Müller sein Mandat weitcrführen will. Zum Danke für seine unermüdliche, aufopfernde Tätigkeit in der Zenturinsfraktion zum Nutzen aller, für sein Eintreten für die Rechte der Kirche und zum Wohle unseres Vaterlandes, sollen, wollen und müssen wir wirken und mitarbeiten, daß keine Stimme am 12. Jnauar 1912 für ihn verloren geht. Um unsre Gegner zu befiegen, wollen wir alle Mann für Mann am Petersberge nur für unseren, au Erfahrung und Kenntnis reichen Kandidaten Herrn R. Müller eintrctcn; dies ist unsere Pflicht und Schuldigkeit.
Lütter, 18. Dez. 1911. Gestern abend fand im Saale des Gastwirts Rehberg dahier eine sehr gut besuchte Versammlung des Volksvereins statt. Herr Pfarrer Günther regrüßte die anwesenden Männer und Jünglinge der Pfarrei und Umgegend und bewillkommnete vor allem die letzteren. Sodann übertrug er das Wort dem Ortslehrer, Herrn Lehrer Schramm zu dem Vorträge über: „Leichen- vcrbrcnnung und Leichenbestattung". Hierauf referierte Herr Pfarrer Günther über „die direkten und indirkten Steuern". Die Ausführungen genannter Herren wurden mit Beifall ausgenommen. Da die LvlkSVcrcinsabcnde den Zweck haben sollen, die Leute über wichtige TageSfragen zu belehren und aufzu- klären, sie gewappnet zu machen in religiösen und poli- klären, sie gewappnet zu machen in religiösen und polt- lehrende Abende besonders zur Winterzeit häufiger abgehalten werden. Die nächste Versammlung ist für den Monat Jauar in Ried vor^:sehen.
(?) Großentaft, 18. Dez. 1911. Gestern abend fand hier in der Gastwirtschaft von A. Kehl eine gut besuchte Volks Vereins-Versammlung statt. Ausgehend vom Feste des hl. Sturmius wies Herr Bencfiziat Krieg in seinem Vortrag darauf hin, daß wir dem hl. Sturmius nicht nur den Glauben, son
dern auch die Shiltur in unserer Gegend verdanken. Sodann legte er in klarer, überzeugender Weise dar, wie der katholische Mann der Jetztzeit in politischer, sozialer und religiöser Beziehung sich betätigen mutz, um sich diese hohen und hehren Güter zu bewahren. Herr Pfarrer Hüber, der auch die Versammlung leitete, wies in längerer, eindringlicher Rede die Borwürfe und Verleumdungen der Gegner des Zentrums zurück, gab dann ein Bild von der Politiken Lage in unserem Wahlkreise Hünfeld-Hersfeld-Rotenburg und forderte zu muftergiltiger Beteiligung bei der nächsten Reichstagswahl auf.
— Soben-Stolzeuberg, 19. Dez. 1911. Im hiesigen VolkSderein hielt am vorigen Freitag der Franziskaner-Pater Sophronius aus der wcstsati- schen Ordensprovinz einen äutzerst intereffanten Vortrag über die Franziskaner-Mission der verschiedenen Länder des Erdballes. An der Hand von Lichtbildern führte er vom hohen Norden zum tiefen Süden, von den Eskimos zu den Indianern und Negern, hinüber nach Asien zu den Türken, nach Indien und Japan, auch nach Tripolitanien und in daS Ge- biet der Menschenfresser in Australien. Selbst begeistert für das Missionswesen der Franziskaner, verstand er es auch Begeisterung für dasselbe bei den Zuhörern zu wecken. Es waren drei herrliche Stunden des'Zuhörens in dem bis auf den letzten Platz besetzten Saale. Ein donnerndes dreimaliges Hoch auf den Redner und eine erhebliche Hutkollekte legten Zeugnis ab von der Dankbarkeit für den belehrenden, erbaulichen und anregenden Vortrag.
"?" Neuses, 18. Dez. 1911. Nach der schönen Gründungsfeier des Freigerichter Jugendbun- des kürzlich in Somborn, trat gestern der hiesige Verein zum erstenmale an die Oeffentlichkeit. Die Vereine von Somborn, Altenmittlau, Horbach, Bernbach, Oberrodenbach hatten sich zum Teil mit Fahne eingefunden, sodatz der Saal zum Brechen voll besetzt war. Nach einem feurigen Marsch der Musikkapelle Hassia von hier und der Begrüßung durch Herrn Kuratus Hilden folgte der schwungvolle Prolog, der anknüpft an die Freigerichter Geschichte, und die Ueberreichung der Fahne durch eine weißgekleidete Jungfrau. Die markige Festrede des Verbandsvorsitzenden Herrn Kaplan Krane- Somborn, die Ansprachen der Herren Pfarrer D a n g e 1 - Somborn, Kuratus R u c z -Oberrodenbach, Kaplan Müller-Altenmittlau, die Darbietungen der Ortsgruppe Neuses, des Gesangvereins „Germania" unter Leitung des Herrn Lehrers Hans und der Musikkapelle bereinigten sich zu einem schönen Ganzen. Die nächste Feier des Freigerichter Jugcnd- bundes ist im Februar in Altenmittlau.
Amt Geisa und Umgebung.
* Geisa, 17. Dez. 1911. Verschiedene Ortschaften des Amtsbezirks werden in absehbares Zeit elektrische Lichtanlagen erhalten. In Spahl ist man bereits dabei, die Hausanschlüsse fertig zu stellen. Dem Vernehmen nach sind auch bei Barsch unterhalb bti Dorfes an der Ulster Grundstücke aufgekauft, auf denen ein Elektrizitätswerk errichtet werben soll.
* Dermbach, 17. Dez. 1911. Von dem Vorstand des Königlichen Eisenbahn-Betriebsamies Salzungen tst dem Bahnuntechaltungsarbeiter Gottfried Stern in Dermbach für 30jährige ununterbrochene Beschäftigung im Dienste der Eisenbahnverwaltung eine Zuwendung von 60 Mark und dem BahnhofSarbeiter Adolf Schmidt in Dorndorf für 25jährige ununterbrochene Brfchästigung eine solche von 50 Mark bKvilligt.
* Stadtlengsfeld, 17. Dez. 1911. Infolge Wegzugs eines Gemeiuderatsmitglieds, des Herrn Peter Bloser, Prokurist der Porzellanfabrik, macht, sich eine Neuwahl für den Gemeinde rat nötig. Der Gemeindevsrstand fetzt hierzu Termin an auf Donnerstag, den 28. Dezember.
* Aus Thüringen, 19. Dez. 1911. Der Gemeinderat iu Eisenach beschloß, im Jahre 1912 ins- gefamt 34 neue Kanalleitungen erbauen zu lassen. Dem Bauamt wurden 232 641 Mark hierfür zur Versügung gestellt. Ferner wurde der Beitritt zum Tdür nger Aibeiisnachweisvetband beschlossen. — Die Thüringische Laudesversichcruiigs-Anstalt in Weimar wird auf dem ihr gehörigen Rittergut München ein Arbeiterwohudous für vier Familien errichten; für die Heilstätte Röw.h'.lv soll ein Grundstück erworben werden. — Die mehrfach erwähnte Vergiftung durch Schlagsahne, der in Erfurt ein Apolhekenbesitzer zum Opfer ssil, hat jetzt ein zweites Opfer gefordert; die Fran des Pastors Billig vvd der dortigen Thomaskirche, die and) an der Gesellschaft teifgenommen hatte, ist gestorben.
5. Blatt
»nd ml Verlag »er finita« Htfienbnuterel i» finlda.
- 3# 290.
Hfltttag (9. vq-mder 19U 38. Jahrgang.
Lokaler.
Fulda, den 19. Dezember 1911.
** Zum ordentlichen Mitgliebe der „Byzantinischen Gelrhrten-Gesellschast" in Athen (Griechenland) wurde auf dm Antrag von drei athenischen UniversttätSprofefform Herr Oberlehrer Dr. Lübeck In Fulda ernannt.
§ Abermals Maul- und Klauenseuche in Fnlda. Gestern nachmittag wurde in dem Stalle des Handelsmannes Leopold Katzensteil, am Schweinemarkt di« gefährliche Seuche festgestellt. Zwei Stück Vieh wurden nach dem Schlachthof transportiert und getötet, ferner sind die erforderlichen Vorsilts- maßregeln wie Streuen, Desiuseklieren rc durch den Kreistierarzt angeordnet worden. — Bei dieser Gelegenheit sei darauf aufmerksam gemacht, daß jeder vorkommende Fall von Maul- und Klauenseuche sofort umgehend dem Kreistierarzt anzuzeigen ist, andernfalls der betreffende Besitzer mit Gefängnis bestraft werden kann. Das erkrankte Tier soll nach AuSsagm deS K. aus Harmerz stammen.
(h.) Pferdezucht- Nach den soeben aufgestellten Dcckergebnissen des hefleu - nassauischen La nd- gestütsDillenburg über die zehnjährige Periode 1901—1911 kann man die fortgesetzten Bemühungen bet hessischen Pferdezüchter wegen Verlegung des LandgeftütS von Dillenburg nach dem hiestgm Bezirk schon verstehen. Dem Landgestüt Dillenburg End außer den Regierungsbezirken Kaffel und Wies« aben noch zugeteilt das Fürstentum Waldeck und die sachsen-meiningische Grafschaft Kamburg. Es wurden nun in den Jahren 1901—1911 an lebenden Füllen geboren: im Regierungsbezirk KassXl insgesamt 24562 Stück (daoon 1910/1911 2619 Stück); im Regierungsbezirk Wiesd ad en insgesamt 4063 Stück (1010/1911: 584); im Fürstentum Waldeck insgesamt 7306 Stück (hiervon 809 in 1910/1911) und 394 Stück in der Grafschaft Kamburg sS.-M.s (wovon 50 Stück in letzten Rechnungsjahre) Danach entfallen (ganz abgesehen von den 394 Fullen, welche von meiningischen Pserdm stammen) von den insgesamt 36326 lebend- geboren«, Füllen in den letzten 10 Jahren 31868 Stück auf den Regierungsbezirk Kassel und das Fürstentum Waldeck, und auf dm Bezirk Wiesbaden nur 4064 Stück. Man sieht: der Schwerpunkt der Pferdezucht ist sicherlich in Hessen (insbesondere in Niederhessen) zu suchen.
* Der erste große Rekruten-Urlaub. Der militärische Weihnachts-Urlaub wird sich in diesem Jahre aus-Veranlassung des Kaisers im allgemeinen ausgiebig gestatten. Als Urlaudsfrist ist bk Zeit vom 22. Dezember bis 3. Januar bestimmt worden. Um möglichst vielen Keulen Urlaub zu gewähren, tritt die im Jahre 1903 vom Kaiser eingesü^le geteilte UrlaubSjotm, die sich sehr gut bewährt hat, wieder in Kraft. Die erste Hälfte der Urlauber kehrt a 28. oder 29. Dezember wieder jn bie Garnison zurück, während der Rest der Urlauber an diesen Tagen d,e Reise antvtt. Nach Möglichkeit sollen bie Rekruten während der Weih- Nachts-Feiertage m Urlaub gehen.
!! Die bevorstehende Weihnachtszeit bringt zahlreiche Bücherangebote, Kataloge von Verlagsbuchhandlungen usw. ins Land. Unter allen mögliche», an sich oft recht unschuldig klingenden Titeln werden solche Bücherverzeichnisse durch Beilage zu Zeitschriften, die man an regelmäßig bezieht, unter das Volk zu bringen gesucht. Diese Bücherverzeichnisse enthalten meist mich Jlluftrationsproben und dienen nicht selten den Kindern als Bilderbücher zur Unterhaltung. Man kann aber auch die Beobachtung machen, daß sich „öftere Kinder'" recht eingehend mit der Lektüre solcher Kataloge befassen. Mr gewissenhafte Ellern, die es ernst mit der religiös-sittlichen Erziehung ihrer Kinder nehmen, entsteht hier die heiligste Pflichtz, diese Bücherverzeichnisse — Kataloge — bevor sie solche tu die Hände ihrer Kinder gelangen lassen, einer genauen Durchsicht zu unterzichen. Man wird dabei finden, daß sich meist hübsch unter sonst einwandfreien Anpreisungen auch Anzeigen und Abbildungen befinden, die jeder Sittlichkeit Hohn sprechen und für die Jugend gefährlicher sind als Giftpillen. Man verlasse sich nicht auf die Buchhandlungen die ebnem diese Sachen ziischicken, sondem prüfe selbst.
§ Vorzüge auf den Strecken Frguksnrt—Bebra, sowie umgekehrt und in b r Richtung Fulba — Gießen und zurück stnb zum bevorstehenben starken
inbeflen nicht den Beifall btr Regierung. Vier Jahre später wurde m Oesterreich die „Korrespondenzkarte" eingesührt, bie mit einer Zroeikreuzer- marte freigemacht und nur zur Aufnahme von 20 Worten einschließlich Adresse und Unterschrift bc- stnnmt war. Preußen folgte halb mit ber „Post. Tarte", an bereu Erfindung Step!)«,, wesentlich beteiligt war.
— Zn welchem Alter bars man stehlen. Mil dieser eigentümlichen Frage hatte sich, wie berichtet wird, dieser Tage ein bayerisches Gericht zu befassen. Ans ber Anklagebank saß ein aller Sünder wegen Diebstahls im Rüchafte. Die Beweiskette war geschlossen, der Angeklagte gestand auch schließlich die Straftat ein. »Ja," meinte der Vorsitzende zum Schluff« voll moralischer Entrüstung „schämen Sie sich denn nicht, in Ihrem Alter zu stehlen?.'" — Der Alte sah verstört drein; offenbar dachte er, der hohe Gerichtshof erwarte eine Antwort auf diese rhetorisch« Frage, und schließlich brachte er unter Stocken heraus: „Ja, schaugns, Herr Bressa- öent, roiar i 's ersetzte Mol vor G'richt g'standen bin, rooar t fuchzehn Jahr eit, und do Hot scho der Richter g'sogt: Ja, schaamst Ti denn not, in dem Alter zu stehl'n? — lln roiar i so im besten After, so a dreiß'g, vierz'g Jahrln rooar, bo bin i aa vorm Richter g'ftanben und ber Hot mi aa g'fragt, roiar i bozu komm, in dem Alter z' stehl'n. Un etz bin i 75 Jahr alt und Sö, Herr Bressadcut, frag n mi 'S selbige: Ja, erlaub'nS, in welchem Alter beif ma nacha stehl'n?" — Der hohe Gerichtshof hat dem Angellagten leider keinen Bescheid gegeben.
— Et» neues Metall. Wie dem .Börse u-Kourier' zufolge ans Nelson (Britisch-Kolumbia) gemeldet wird,, hat Mr. Andrew Gordon French, der metallurgische Chemiker, welcher zu Beginn dieses Jahres in Kooteney-Erzen Pletina entdeckte, nun ein bisher gänzlich unbekanntes Metall entdeckt, dem er den Namen Canadiern beigelegt hat. Das neue Metall, das zu der Platinagrupp« gehört, ist an« gedlich in großen Quantitäten vorhanden und soll von außerordentlich kommerziellem Wert sein.
Muster werden jetzt an alle wissenschaftlichen Vereine ber Welt verfanbt.
— Die Weihnacht der Einsamc». So weihevoll auch die heilige Nacht ist und sein soll, überall herrscht dennoch Lust und Frende. Mau v rgißt einmal gänzlich seine Mtagsgeschäste und lebt nur allein dem gegenseitigen Gluck. Besonders im Fa« milienkreise nimmt ber Jubel fein Ende, wenn Kinder iw Hanse find; es ist ganz anders als sonst an festlichen Tagen. Man bleibt hübsch beisammen, empfängt auch wohl Besuch, und nur wenige werden in diesen Stunden derer gedenken, die — in stiller Einsamkeit das Fest bet Liebe feiern müssen. Hier Witwen unb Witwer, bie noch vor Jahresfrist glücklich mit dem Ehegatten das Christfest feierten, dort Kinder, denen das Schicksal Vater ober Mutter geraubt, dort Eltern, die ihr Kindlern verloren haben. Wieviel Leid bringt doch ein Jahrcslaus! Und wie viele andere wieder find ein- sam in der heiligen Nacht, weil sie bie Pflicht ruft, auf ihrem Posten zu stehen: Die Tausenbe von Beamten bei Post unb Eisenbahn, die Wachtmann- schäften ber Polizei unb des Militär?; biefen allen ist es nicht vergönnt, Weihnachten so zu feiern, wie sie es wohl gern möchten. Auch bie drei Millionen Menschen, die sich jederzeit auf dem Weltmeere befinden, auch sie werden znm Teil sich in ihrem Innersten einsam fühlen, unb mit besonderer Wehmut, wenigstens so weit sie Deutsche stnb, des Jubels in der Heimat gedenken. Unb wie viele find sonst noch einsam! Am einsamsten aber find wohl alle, rund 200 000, deren Heimat die Landstraße ist, und noch mehr ave bie, welche bet Richter kraft des Gesetzes ber Freiheit beraubte. Wer möchte sie nicht bemitleiden, jene 400000, bie jährlich, fern von allen Ihrigen, Weihnachten empfinden müssen hinter Kerker mauern!
— Feste Taxe. Bankier: „ES scheint mir, Baron baß sie meine Tochter lieben. Unter uns gesagt: ,«t) gebe ihr 800000 Mark mit." — Baron: „Pardon! — Aber ich liebe nur von 400000 Mark aufwärts,"
Professor Hoffmann über fein Mittel gegen Maul- und Klanenfenche.
Leonhard Hoffmann, Pcofeffor an ber Tierärztlichen Hochschule in Stuttgart, ber kürzlich in Güstrow (Mecklenburg) durch einen Vortrag über eine neue, von ihm gefundene sehr wirksame Behandlung der Maul- unb Klauenseuche einen aufsehenerregenden Vortrag hielt, veröffentlicht in der Frankfurter Zeitung einen langen bedeutsamen Artikel über seine bisherigen Erfahrungen und Erfolge bei der Anwendung des von ihm entdeckten Mittels. Er schreibt:
Mein Verfahren ruht erstens auf ber Entdeckung der Wirkung des E u g u f o r m s, zweitens auf der systematischen Art von dessen Anwendung und drittens auf der Behandlung des kranken Tieres auch an seinen Nebenerscheinungen. Das Ganze läßt sich nicht trennen, sondern bildet eine neue Methode oder System das nur vom Tierarzt sachgemäß durchführbar ist, Ausgegangen bin ich von dem Gesichtspunkt, a) die erkrankten einzelnen Teile des befallenen Tieres exanthematifch an Maul, Klauen und Euter, die Begleiterscheinungen, Fieber und Appetitlosigkeit, sowie die Nachkrankheiten (Klauenablösung, Lähmung ttfro.) auf gewöhnlich chirurgisch-medizinisch kunstgerechte Art zu heilen; b) aus dem Gift, das sich konzentriert in den Blasen befindet, und aus der dadurch vergifteten Milch, dem Blut und dem Speichel ein gemilderte» tierisches Präparat zu gewinnen, mit dem durch Impfung ein milder Verlauf erzeugt und ferner die raschere Heilung herbeigeführt werden soll. Eine Schutzimpfung kam in zweiter Linie in Betracht.
Von dem A n steck u ng s st off (der noch nicht festgestellt ist) ist bekannt, daß er in den Blasen, der ganzen Oberfläche unter dem Epithel sitzt, in ungeheurer Giftigkeit vorkommt, daß aber sonstige Teile des Körpers (Schleim, Blut, Milch, Muskulatur usw.) erst vergiftet werden durch Beimischung dieses BlaseninhaltS, daß Bluterkrankung nur dadurch eintritt, daß von dem oberflächlich liegenden Blaseninhalt in die Blutflüssigkeiten absorbiert wird, daß ferner der Ansteckungsstoff nach Platzen der Blase auf der testierenden Geschwüroberfläche zwar noch eine Zeitlang vorhanden ist, aber nur noch unbedeutend wirkt und rasch abstirbt, und datz auch der Ansteckungs- ftoff, vom Tierkörper entfernt, in ganz kurzer Zeit zugrunde geht.
Tie Entdeckung des Euguforms (aus Guyakol und Formalin bestehend) ist ein glücklicher Zufall: Die erkrankten Tiere in dem ersten Stalle hatten hauptsächlich Maul- und Euterexantheme. Letzteres ließ ich anfangs vollkommen unbeachtet, bis an mich die Bitte herantrat, doch auch hier einzugreifen. Eine vorrätige zehnprozentige Eugusormfalbe habe ich in chirurgisch korrekter Weise hauchartig über die erkrankten Teile dieses außerordentlich zarthäutigen und empfindsamen Organs gegeben, und der auftretende Erfolg war sozusogen ein momentaner. Die Salbe, die sich öl- förmig fettig aufträgt, ist schmerzlindernd, dringt schon nach wenigen Minuten vollständig in die Haut ein und macht sie weich und sanft. Die aufliegenden Borken und Geschwüre trocknen. Die nächste Folge ist, daß die Kühe beim Melken ruhig stehen und die Milch frei« willig und unter Mithilfe durch hydrostatischen Drmk des Euters in größern Mengen hergeben. Während vorher in diesem «talle beim Melken die Tiere zwangsweise gehalten werden mußten, ausschlugen, die Hand« des Melkers von den Geschwüren blutig wurden, knollige Milch mit den ekelhaften Schrunden und Blutmengen gewonnen wurde, kam jetzt reichliche Menge gesunder Milch.
Eine Tabelle zeigt, wie die Milchmenge eines Viehbestandes, die durch den Ausbruch der Seuche von 133 Liter täglich in vier Tagen auf 84 Liter gesunken war, mit dem Eingreifen der Behandlung wieder zunahm unb schon in vier Tagen 130 Liter erreichte. Das in Wasser eingerührte Euguforni wird mittels einer großen Spritze zwischen die Klauen der erkrankten Tiere gebracht, wodurch tu kurzer Zeit die Krankheitserfcheinungen behoben werden. Dieselbe Flüssigkeit wird ben erkrankten Tieren in bas Maul gespritzt und der günstige Erfolg bleibt auch hier nicht aus. In nicht ganz zweimcfl 24 Stunden wurden in einem Fall alle Tiere so vollkommen geheilt, daß die Sperre bald aufgehoben wurde. In ebnem zweiten Stall mit 116 Stück zu Kuchelmiß setzte Prof. Hoffmann feinq Beobachtungen fort. Am 16. November, nachmittags 6 Uhr, fing er seine Behandlung an und am Morgen des 18. November teilte ihm der Besitzer mit, daß kein Sympton der Seuche mehr vochanden sei. Jn einem dritten Falle bn Kuhdorf erzielte er schon nach zweitägiger Anwendung feiner Methode eine so günstige Wirkung, daß die Krankheit erlosch. Denselben erfreulichen Erfolg brachte das Mittel auch bei Kälbern unb Schweinen.
Auf Veranlassung bes kgl. württembergischeu Mi- nisteriunks bes Innern setzte Prof. Hoffmann seine Versuche in der schwer verseuchten Gemeinde Riß- tissm fort. Dort richtete et sich, um systematisch vorgehen zu können, eine regelrechte Sanitätskolonne mit Personal, Laboratorium, Medikamenten und Instrumenten ein. Der Erfolg war glänzend. Trotz der schwierigen Verhältnisse wurden tn weniger als zweimal 24 Stunden sämtliche, zum Teil schwere Erkrankungen geheilt. Die gemachten Erfahrungen wurden dann noch Anfang Dezember durch weitere Versuche auf dem Schloßgut Erbach bestätigt.
Prof. Hoffmann denkt sich die Üebertrggung seines Systems in die Praxis derart, daß Behörden, Tierärzte und Landwirte zusammenwirken in Sant- tätskolonnen, die von ben einzelnen Bezirken gebildet werden sollen. Dann werde nicht bloß bald ganz Württemberg, sondern auch das Deutsche Reich feit« chenfrei fein. _____________________________
vermischtes.
* Einen erstaunlichen Appetit Betottfcn 40 Teilnehmer an einet Bauernhochzeit, die dieser Tag- in einem Dorfe bei Roissevtlle in Lothringen ab gehalten wurde. Man verlangt tn jener Gegend ben einer echten Bauernhochzeit vor allen Dingen, daß die Taffl nicht nur gut, sondern auch reichlich besetzt ist. Die Hochzeitsgäste vertilgten mitemandet 60 Pfund Ochsenfleisch, 770 Pfund Kalbfleisch, f Svanferkel, 16 Gänse, 14 Poularden, 22 Hühner, li Enten, 8 Kalbsköpfe, 12 Hasen, 40 Pfund Hecht, % Zentner «äse, 80 Dutzend Eier und 60 Pfund Butter Der Durst wurde gelöscht durch 600 Liter emheimi scheu Rotwein, 150 Liter Bordeaux und 120 Lite, Weißwein. Es fei nur noch bemerkt, daß >on irgendwelchen Magenbeschwerben nichts bekannt gewor- den ist.
* Wieder ein Schülerselbsimord. Nach einer Mel düng ber „Pfälzischen Presse" hat sich ber 13jährigt Realschüler Motz au» Raunheim wegen feinet schlechten Zeugnisses erhängt, ©ein Vater ist des. wegen, wahnsinnig gewordem