JA 289.
Montag 18. Oejomb« Ml
58. Jahrgang.
«Tuldaer
Zeitung
2. Blatt.
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* Die Reichsverstcherungsorduuug als Wahlparole.
Eine mehr als klägliche Rolle spielt heut« ble sozialdemokratische Presse. Im Mai diese« Jahre» sündigte fie mit lauten Tönm an, ste werde die ^ieichSverflcherungSordnung zur Wahlparole mache», lind den christlichen Wählern zeigen, wie sehr der .schwarzblaue Block" bei dieser Gelegenheit Me Jn- lereffen .betraten" habe.
Und heute? Schweigen auf der ganzen Linie!
Um so mehr gebietet eS die Situation^, u n s e v- feit® an einigen Punkten wieder auf die Rolle binzuweisen, die die Sozialdemokratie in der Frage der Neuregelung der Arbeiterversichemng durch die ReichsverstchenmgZordnung gespielt hat. Anlaß gibt dazu vor allem ein Prozeßbericht, dm die gesamte sozialdemokratische Preffe unter der Überschrift: »Die Reichsverflchorungsordnung vor Gericht" dringt soivie die unwahrhastige Art umd Weise, wie hier die Tatsachen auf den Kopf gestellt werden.
Es handelt sich hier um den Bericht über dnett P^zch, den die christlichen Arbeiterführer BehrenS, Wecker und Giesberts gegen den Redakteur der sozialdemokratischen Essener „Arbeiterzeitung" wegen Beleidigung angestrengt hatten, weil er ihnen wegen i Haltung bei der Reichsverstcherungsordnung Im Reichstage vorgeworfen hatte:
1. baß sie sich in der Frage der Herabsetzung der A/ -»grenze zum Bezüge der Altersrente von J , auf 65 ^>ahre das „Unannehmbar" der Regierung bestellt hatten;
2. sie seien der Ab s i cht des A r b e i te r v er rat» bei der zweiten Beratung der Reichsversicherungs» prdnung im Reichstage von Anfang bis zu Ende treu E"' ‘Ben; so hätten sie z. B. als Verbündete de» macherischen Großkapitals dafür gesorgt, daß die tersekretäre überall als Vertreter der Versicherten '(bei den Versicherungsämtern, Oberversicherungsäm. fern und Reichsverfichernngsamt) abgewiesen werden könnten, damit nur ja nicht die Arbeiter zu leicht zu ihrem Recht kämen;
3. sie hätten für die Herabsetzung der in der Regierungsvorlage vorgesehenen Wochenhilfe von ackn Wochen für landwirtschaftliche Arbeiterinnen, auf vier Wochen gestimmt, was als eine Schurkerei bezeichnet wurde.
Termin für die Klagen stand am 28. November Vor dem Schöffengericht zu Esten (Ruhr) an. Ber- feeter des Angeklagten war der sozialdemokratische ReichstagSabg. Dr. Frank (Mannheim), btt den sozialdemokratischen Abg. Molkenbuhr als Zeu- Jen mitgebracht hatte, um aus dem allgemeinen Bay allen der Klüger bei der Beratung der Verstchs- ttmgsordnung zu beweisen, daß der Beklagte die Wahrheit gesagt habe. Ms erstes führt Molken- buhr an:
DaS Zenirum habe beantragt, daß die durch da» Krankenkaffenstatut festzuschenden Lohnklassen zur Be- meffung des Krankengeldes voin Oberversicherungsamt .die Zustimmung erhalten wüsten. Diese Bestimmung enthalte das alte Krankengesetz nicht; Mißstände zur Rechtfertigung dieses Zentrumsantrages seien von kei- 'per Seite vorgebracht worden. Der Abg. Becker und wie übrigen Beklagten hätten dem Anträge zugestimmt.
Darauf gab ihm Herr Becker folgendes zur Antwort:
Wohl nur Herr Molkenbuhr erblicke in diesem Zentrumsantrag eine Verschlechterung. Nach dem gegenwärtig noch geltenden KrankenversicherungS- gesch mußte der Regierungspräsident (obere vcrwaltmigsbehördc) die Krankenkaffenstatuten bestä- t i g e n, also auch die Lohnklaffencinteilung zur Be- Messung des Krankengeldes für die einzelnen Versicher- tengruppen, die ja durch daS Statut dorgenommen wird. Die Bestätigung des Statuts könne aber nur terfagt werden, wenn es dem Gesetze widerspräche. Er selbst habe in seiner früheren Tätigkeit als Ar- beckersekretar eine ganze Anzahl von Krankenkassen- ktatuten, die vom Regierungspräsidenten bestätigt seien, mir Erfolg angefochten, weil die Lohnklaffeneinteilung ziir Bemessung des Krankengeldes zum Schaden der Versicherten erfolgt sei: die Lohnstufen seien in diesen Fallen widergesetzlich, zu niedrig gewesen; dadurch b-itten die Versicherten zu wenig Krankengeld be- kommen. Nach dem von Molkenbuhr erwähnten Zen- trumsantrage, der in die Versicherungsordnung auf. genommen sei, müsse in Zukunft das Oberver. sicherungsamt, welches Beisitzer aus den Kreisen wer Arbeitgeber und der Versicherten in gleicher Zahl habe, dieser Lohnklaffencinieilung die Zu st im. mung geben; dieses Zustimmungsrecht sei aber kein wivkürliches; daS Oberversicherungsamt könne vielmehr die Zustimmung nur dann versagen, wenn die Lohn« klaffeneinteilung dem Gesetz widersprächen.
als» höhere (oder auch za Niedrige) Lohnsätze zur Be- Sung de» Krankengelde» angesetzt seien, al» die turnten Arbeitergruppea (Dreher, Schlosser, Hilf», iter, jugendliche Arbeiter ufto.) verdienten. Eine Aenderung der entsprechenden gesetzliche» Bestimmung sei als» in Wirklichkeir auf Zentrumsantrag nur in» soweit erfolgt, als an Stelle de» SiegierungSpräsiden- fen da» Parität.ich (au* Arbeitgeber, und Arbeitneh. merbeisitzern und beamtete» Vorsitzenden) zusammengesetzte Oberverficherung*amt trete; da» sei doch wahrhaftig keine Verschlechterung, sen- dern eise Verbesserung de» Gesetze».
Aus diese Ausführungen Becker» schwiegen Herr Molkenbuhr und Rechtsanwalt Dr. Frank. Wall sollte» fie auch darauf sagen, ohne sich zu blamieren? — WaS berichtet mm aber die fozialderno- kratische Preffe hierüber? Ell heißt dort wörtlich:
Becker mußte auch zugeben, daß et da» frühere Recht der Krankenkasse», al» Grundlage für die Fest- setzuna de» Krankengelde» die Hälfte de» Arbeitslohnes festzusetzen durch etnen Antrag beseitigt und in da» Belieben der OberverficherungSamter gestellt habe.
Ist eine solche, die Ausführungen des Herrn Beck« in da» Gegenteil veckehrende Berichterstattung über den Prozeß nicht unerhört? Auch nach der ReichÄerficherungSordnuna muß mindestens die Hälfte de» durchschnittlichen, Arbeitslohnes als Krankengeld gewährt werden; eine Aenderung besteht nur darin, daß nach dem bisherigen Gesetz dieser Arbeitslohn bis höchsten» 5 Mark, nach der DttsicherungSordnung aber bis 6 Mark zur Anrechnung gebracht werden darf. Ist das nicht eine wesentliche Verbesserung gegenüber dem bisherigen Gesetz,
Heber die Frage der Herabsetzung der Alters grenze ein besonderer Artckel!
Deutsches Reich.
* Preußischer Wassergesetz. Der demnächst dem Landtag zugehende Entwurf eine» WafsergesetzeS regelt da» gesamte Wasserrecht einheitlich und erschöpfend in ganz Preußen und hält bte Bestimmungen aufrecht, die sich in einzelnen LandeSteilen besonder? bewährten. Es regelt in erster Linie das Eigentum und die verschiedenen Arten der Wasserläufe, ihre Unterhaltung, Ausbau uns Benutzung, einen gerechten Au-gleich der entgegenstehenden wirtschaftlichen Jntereffen anstrebend, enthält Vorfchriften zur Verhütung vonHochwafferMfahren,Bestimmungen über Wassergenossenschaften, Reinhaltung der Gewässer, wildablaufende Wasser, Durch« leitung des Wasser» und anderer flüssiger Stoffe durch fremde Grundstücke und über Wafferpolizei- behörde«. Es regelt endlich zurzeit nicht oder ungenügend rechtlich geordnete Gegenstände, besonders das Talfperrenwesen, die Freilegung der Ueber- schwemmungSgebiete der Wasserläufe und die Ver- fügung über unterirdische Wasser. Um Klarheit über die an den Wasserläufen bestehenden, sich als Benutzungsrechte im Sinne be» Entwurfs dar- stellenden Rechte zu schaffen, solle« Wasser- dücher angelegt werd n, in denen diese Rechte eingetragen fnv, so daß fie bis zum Beweise des Gegenteils als richtig gelten. Die Mitwirkung der Interessenten bei der Unterhaltung und Benutzung der Wasserläufe durch Vorschriften über Schauämter, Stromausschüsse und Waflerbeiräte ist vorgesehen.
V Zielübuusk« auf Lustschiffe und Aeroplaue in B veguug. Alle Versuche, die Geschoßwirkung auf die im schnellen Fluge befindlichen Luftschiffe und Aeroplane zu erproben, ebenso die genaue Cmnitte- lung der Eutsernung und der anzuwendenden Visiere scheiterten an der Unzulänglichkeit der Ziel- darstellung. Nunmehr ist eS aber gelungen, für unser deut'ches Seer einen Apparat anzufertigen, durch welchen die Schnelligkeit und die unregel- mäßigen Bewegungen der Luftfahrzeuge naturgetreu dargestellt werden. Die Vorproben zeitigten ein günstiges Ergebnis, so daß man nach einigen demnächst stattfindenden weiteren Proben in der Lage zu sein hofft, die gestellte Aufgabe einwandSfret zu lösen und der Truppe geeignete Mittel zur Be- kämpfung der fiuftfabrxeuge übergeben zu können.
4- Erster Liuienschiffsaustausch 1912. Bei der Hochseeflotte soll fich der erste LinienschiffsauStaufch bereits zu Beginn der neuen Rechnungsjahres vollziehen. Das feit dem November 1904 unter der Flagge befindliche Linienfchiff „Elsaß", das neuer- dings von der Ostsee- zur Nordseestation übergetre
ten ist, wird außer Dienst gestellt; als Ersatzschiff bat bin: achte Dreadnought bau „Oldenburg" nach der Beendigung der Probefahrten beim ersten Geschwader den Frontdienst aufzunehmen. Ein weiterer Austausch »vird im Herbst ISIS stattfinden.
Ausland.
*♦ Da» Lueger-Denkmal. DaS „Dr. Karl ßueger- Denkmallomitee" hat feine Beratungen übeo die Wettbewerbb-stimmungen zur Erlangung von Entwürfen für da» Dr. Karl Lueger-Denkmal in Wien beendet. Die Ausschreibung wird im wesentlichen folgende Bestimmungen enthalten: Das Denkmal fall auf dem Dr. Karl Luoger-Pkatz als Abschluß der Zufahrtsstraße in der Hauptachse deS Rathauses hinter der Flucht des gegenwärtigen Trottoir der Ring- straße mtt der Hauptanstcht gegen den Franzensring zur Aufstellung kommen. Die Figur des Denkmals ist ouS Bronze herzustellen. Die Gesamtkosten ausschließlich der Herstellung der Fundamente und der Ausgestaltung der Umgebung dürfen den Betrag von 260 000 Kronen nicht überschreiten. Zur Teilnahme an dem Wettbewerb find alle deutsch-österreichischen Künstler bnechttgt.
** Ei» spanisches Natioual-Sühne-GotteshauS. Hervorragende spanische Kacholiken haben die Anregung zu einem nationalen Sühnetempel gegeben, der in Madrid erstehen soll. Eine nationale Subskription wurde eröffnet und ist von größtem Erfolge begleitet. In dem begleitenden Aufrufe heißt es, das Gotteshaus soll eine Abbitte für die Gotteslästerungen sein, die von gewisser Seite in ben Monaten de» Jahre» 1911 begangen wurden. Gemeint find die unerhörten Schmähungen der Eucharistie durch die freidenkerische Preffe vor und nach dem Eucharistischen Kongreß. Die königliche Familie hat an erst« Stelle zusammen 2000 Pesetas gezeichnet.
* Daff die christlicksoziale Partei in Oesterreich die stärkste aller Parteien Oesterreichs ist, obschon ste nicht mehr die meisten Abgeordneten im Parlamente besitzt, ergibt sich auS der jüngst veröffentlichten amtlichen Statistik der Reichsratswahlergebniffe des Jahres 1911. Von den 73 christlichsoziaken Abgeordneten verdanken nämlich 70 ihr Mandat einzig der eigenen Kraft der Chrifüichsozialm, nur drei wurden mit Hülfe der Freisinnigen gegen Sozialdemokraten gewählt. Von den 111 Deutsch-Freisinnigen dagegen sind nur 63 allein von Freisinnigen, und 32 nur mit Hülfe der EhristlichsoziÄen, 18 mit Hülse der Sozialdemokraten gewählt worden. Von den 44 Sozialdemokraten verdanken nur 28 ihre Wahl der eigenen Kraft ihrer Partei, 14 Sozialdemokraten wurde von den Liberalen zum Mandat verhalfen.
*♦ Der Kampf gegen die kaih. Kirche in Rußland- Der Prozeß gegen sechs katholische Bischöfe Rußlands und zwei Generalvikare wegen! Veröffentlichung päpstlicher Weisungen ohne Ge-, nehmigung bet Regierung wird noch vor Weih-; nachten stattfinden. Man glaubt, daß auf Ver-! bannung nach Archangelsk erkannt wird. — Bezeichnend für den kirchenpolitischen Kurs in Rußland ist die Ernennung be» bisherigen Direftors be» Gouvernements für nichtorthobox« Religionsbekenntnisse, Harustn, zum stellvertretenden Minister be» Innern. Harustn empfängt bamit bie Belohnung für alle bie Schikanen, bie er ben Katholiken Rußlands in ben letzten Jahren zufügte. Sein Einfluß wirb in bet neuen Stellung noch viel stätket sein.
volkswirtschaftliches und Sozialer.
* Verluste durch Maul- und Klauenseuche. In dem Vierteljahr von April bis Juni bs. Js. sinb allein im Bezirk Breslau gefallen: 1865 Rindet, 906 KSlbet, 329 Schafe, 1766 Schweine und 24 Ziegen. Es handelt sich hierbei um direkte Verluste, die Verluste infolge von Nachkrankheiten sind nicht mitgezähtt. Die Verluste waren bet Weidevieh nicht windet schwer als bei Stallhaltung. Hoffentlich gelingt es, die Seuche durch strengste Beachtung der angeordneten Maßnahmen über Winter zurück- zudrängen, anderenfalls würde eine bedeutende Ausdehnung im nächsten Sommer zu erwarten sein.
totales.
Fulda, den 18. Dezember 1911,
(i)Der gestrige V,8sbild«»g4ab«»- stand, tote Oberbürgermeister Dr. Äntoni in feine» Begrüßungsworten bemerkte, äußerlich unter einem nicht besonder» günstigen Ster». Einmal halte der vorangegangene anstrengende GeschästStag viele Freunde der Volk». bildungSsache diesmal am Kommen gehindert, dann war der in Aussicht genommene VortragSkünstler au», geblieben, sodaß die Srtilleriekapelle im letzten Augenblick einspringen mußte. Betrachtet man aber de» inneren Gehalt de» Abends, so mtrb man ihn billiger- weise zu den gelungensten Veranstaltungen zählen dürfen, mit denen bisher der Volksbildungsverein seinem Ziele nahe zu kommen versucht hat. Gymnasial-Zei- chenlehrer L i n zführte uns mit feinem Vortrag über »Kunst und Wohnungspflege" auf ein Ge- biet, da» in da» praktische Leben eines jeden hineinragt und daher inniger Anteilnahme sicher ist. Der Redner verstand e» auch, gerade die Tatsachen und Erwägungen au» feinem reichen Material hervorzu. heben, die zur praktischen Verwertung geeignet sind. Er faßte grundsätzlich die Mietwohnung ins Auge und stellte dafür (unter Berücksichtigung der verschiedenen Vermögensverhältnisse der Bewohner) die Haupt- forderungen in gesundheitlicher Hinsicht auf und gab interessante Winke für die Behandlung der Räume bei der Einrichtung. Eingehend besprach er die Gestaltung der Möbel, die solid, schön, aber von jedem unorganischen, d. h. ihrem Zwecke widersprechenden Verzierung frei sein sollen. Beherzigenswerte Ratschläge gab der Redner für die Wahl bet Zimmerwand. Bekleidung. Unruhige Tapetenmuster müssen ebenso tote glänzender Anstrich vermieden werden, dagegen tritt bei einem unauffälligen Tapetenmuster oder bei einem weißen Kalkanstrich der Charakter der Wand als Begrenzung des Raumes in ästhetisch be- friedigender Weise zu tage. In Bezug auf die Fensterdekoration sprach der Redner dem staubsammelnden gerafften Vorhang das Verdammungsurteil und warb für den glattfallenden Tuchvorhang. Das Leinentuch, geschmückt mit Borten, soll auch an Stelle der Häckel- deckchen auf Tisch und Sofa treten. . Das Geschirr, Blumenvasen, Körbe x. seien aus echtem Stoffe, zweck- entsprechend in der Form. Eine besonders liebevolle Behandlung ließ der Redner dem modernen Bilder» schmuck zuteil werden, hinweisend auf die guten Bilder, die heute im Gegensatz zu früheren Zeiten von zahlreichen Kunstverlagen wohlfeil auf den Markt gerächt werden. Im zweiten Teile des Vorträge» gaben schöne Lichtbilder über alle erwähnten Besse- rungsvorschläge Anschaunngsmaterial, während einge» streute Darstellungen sog. .Hausgreuel" aus einer noch nicht ganz überwundenen Periode mit dem Feinbekannt machten, der Kunst und Geschmack im Woh» nungStoesen bedroht. Sicherlich haben die sehr beifällig aufgenommenen Ausführungen manchem die Anregung gegeben, sein Heim schöner und damit sein Dasein lebenswerter.zu gestalten. Da die Musikvo» träge der Artilleviekapelle der Rede einen stimmungs» vollen Rahmen gaben, hinterließ die Veranstaltung den denkbar besten Gesamteindruck.
A Kreuzbündnis, Verein abstinenter Katholiken! Auch In unserer Stadt hat das „Kreuzbündnis, Verein abstinenttt Kacholiken" festen Fuß gefaßt. Mit dem gestrigen Tage, dem Tage des hl. Sturmius, dessen Namen unsere Ortsgruppe führt, trat es in die Oeffentlichkeit. Des Nachmittags um %4 Uhr fand in der Severikirche die feierliche Aufnahme der Mitglieder statt. 110 abstinente Männer und Frauen verpflichteten sich durch ein feierliches Versprechen zur völligen Enchaltsamkeit von allen geistigen Getränken. Die feierliche Aufnahme vollzog der Hochw. Hen Protonotar Dr. Arenhold, dem bet hochw. Herr Pater Bernhardin, der geistliche Beirat de? Vereins, sowie zwei andere hochwürdige Patres aus dem Kloster Frauenberg assistierten. Im Anschlüsse an die kirchliche Feier fand im Mutterhause eine weltliche Feier statt, die recht heiter und gemütlich verlief, ohne daß Bacchus und GambrinuS das Szepter führten.
st. Futzballsport. Das gestrige Futzballwettsphel gab wieder Zeugnis von der Spieltüchtigkeit unserer „B o r u s s i a". Der alte Rivale, der Kasseler Fußballverein, mußte sich zum zweitenmale geschlagen be- kennen. Das Spiel endete mit 32 für die Borns- fett — Das Länderwett spiel Deutschland gegen Undare endigte mit einem Siege der Un- garen mit 4:1. — Im Rordkreis Süddeutschland mutzten sich die Hanauer 84er von Hanauer 93er mit 3 :1 geschlagen bekennen.
Aus dem Nachbargebiele.
♦ Brückenau, 16. Dez. 1911. Die in der Gemarkung Zeitlofs angestellten Bohrungen nach
X Was schenke« wir?
Thronfolgerlcbeu in Brnndenbuig-Preutzen. Leben», geschichtliche Schilderungen für die Heranwachsende Jugend und das deutsche Volk, von Bruno Garlepp. Fünf Bände: Bd. 1. Der Grotze Kurfürst, Friedrich I. und Friedrich Wilhelm I. als Thronfolger. 2. Friedrich der Grotze und Friedrich Wilhelm II. als Thronfolger. 3. grieb- riet) Wilhelm III., Friedrich Wilhelm IV. und Kaiser Wilhelm der Grotze (2. Teil), Kaiser Friedrich III. und Kaiser Wilhelm II. als Thronfolger. 5. Unser Kronprinz Friedrich Wilhelm. Breslau, Verlag von Franz Goerlich. Jeder Band 1 -K, in Bibliotheksband 1,25 X, in eleg. Ganz- lcineichand 1,50 X.
Ein prächtiger, eigenartiger und neuer Gedanke! ^.iuc gelungene Ausführung! Der mit der Gabe volks- fümlicher Darstellung ausgestaitcte Verfasser führt in lebendig bewegten Schilderungen uns die Zeitereignisse und die Entwickelung des Königreichs Preußen unter »em Gesichtswinkel vor, wie sie auf den jeweiligen Thronfolger cingewirkt und seinen Werdegang beein- nutzt haben. Im Vordergrund der Darstellung steht, Damit eng verbunden, die quellenmäßige Schilderung dieses Werdegangs selbst. Gerade die sorgfältige Er» Setzung in der Jugend befähigte die Hohonzollern- Sprossen aber zu ihren späteren Großtaten als Regen- Sen. In ihren Thronfolgerjahren legten die meisten bereits die Keime ihrer späteren Handlungen und Er- ffolge. Diese bis an ihre Uranfänge interessant und volkstümlich zu schildern, sowie manche neue Tatsachen frnb Schlaglichter aufzuschcu, ist dem Verfasser gut gelungen. Das ganze Werk ist recht geeignet, in daS Verständnis deS. Wirkens der Hohenzollern einzufüh» ftn, wie auch durch die ruhige Licht und Schatten Dkeichmätzig alnvägende Darstellung der Persönl'ichkei- Kn wahren Patriotismus und die Liebe zum Herr- fcherhause zu toeckcn und zu erhalten. Namentlich jdas 5., mir zahlreichen guten Abbildungen gcsckmückte Bändchen möchten wir hervorheben. Es bietet uns ein Äußerst ansprechendes Bild unseres Kronprinzen. Die Danze vornehm ausgeftattet. dabei billige Sammlung, Dürfte bald sich in die Reihe der Werke stellen, die |um eisernen Bestände jeder Volks- und Jugend-, Mäuler-, Mannschafisbibliothek ufto. gehören.
3m Joche bet Fremdenlegion. Erlebnisse eine» jungen Oberfchlefier» in Afrika und Ostasien, von Paul Burgund. 113 Setten. (Wohtoods Volk», und Jugendbibliothek. Band 37.) BreSlau, Verlag von Franz Goerlich. Brosch. 50 4, in Bibl.-Bd. 75 A, in rotem Ganzleinenband 1 X.
Der Verfasser erzählt auS den Erinnerungen eines Frcw.denlegionär», der infolge schlechter Lektüre und im Drange nach Abenteuern seine oberschlesische Hei- mat verläßt und dem Agenten der Fremdenlegion in die Hände fällt, seine furchtbaren Erlebnisse im Glut- Herde von Algier und im Sumpfgebiet von Tonkin. Die schmachvolle Behandlung der unglücklichen Opfer und deren enffetzliche» Leiden find vom Verfasser mit jener Schlichtheit geschildert, die da» Siegel der Wahr- heit und Wirklichkeit an der Stirn trägt. Die Zeichnung des Wüstenbilde» und des tropffchen Urwald«»
. t’op hohem Reiz anschaulicher Klarheit, Kullurge- schichtliche und naturkundliche Schilderungen beleben die Darstellung der Ereignisse. Da» Buch ist ein lau- ter Mahnruf an di« deutsche Jugend, den Lockungen französischer Werber zu widerstehen und im Sinne ter Warnung des Preußischen Kriegsminister» vom 24. Februar 1911 das Volk über die Einrichtung und Schmach der Fremdenlegion aufzuklären.
Katholische deutsche Dichter deS 19. Jahrhunderts.
Eine Blütenlese. Von A. S ü t t e m a n n. Zweite vermehrte Auflage. 608 Seiten. Preis eleg. geb. 6 X. Verlag von Breer und Thiemann in Hamm in Westfalen.
HüttemannS Buch, das bei feinem ersten Erscheinen schon freudige Aufnahme gefunden hat, liegt heute in zweiter, bedeuteud vermehrter Auflage vor. Ein berufener Kritiker nannte s. Zt. die Sammlung „das beste derartige Buch, da» die katholffche Literatur besitzt". Hier haben wir e» mit einem bedeutungsvollen Werk zu tun, an dem die erstaunlichen Belesenheit und daS feine Verständnis des Herausgebers rühmend hervorzuheben ist. Dazu ist es ein Buch, das uns Katholiken fehlt. Auch al» einfache Gedichtsammlung, als poetische» Hausbuch übertrifft es die meisten an- ' bereit Sammlungen durch die Sorgfalt der Auswahl, die Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit seines Gehaltes. Nirgends zeigt sich ein pessimistischer Zug; überall ist e» Sommerluft, der echte warme Hauch katholischen Lebens, der uns hier begegnet. Eine vorzügliche Ausstattung, dabei ein mäßiger Preis mögen
ein UebrigeS tun, um die Verbreitung deS Buches zu fördern.
Sum kommenden 100. Geburtstage des verewigten rumSführerS Ludwig Windthorst (am 17. Januar 1912) gibt die Verlagsbuchhandlung I. P. Bachem, Köln, das biographische Werk von Dr. Ed. Hüsgen: Ludwig Windthorst, sein Leben, sein Wirken al» Volksausgabe heraus.
Der dankbar verehrenden Erinnerung an den unerreichten Verfechter unserer politischen hohen Ideale kann wohl kaum besser Ausdruck verliehen werden, als es geschieht, wenn man den Herzen recht vieler den allezeit vorbildlichen Kämpfer für Wahrheit, Freiheit und Recht durch die beste existierende Schilderung seines Lebensganges von neuem nahebringt. Es handelt sich im Hüsgenschen Buche nicht um eine ermüdende Aneinanderreihung von Begebnissen auS Windthorsts Leben, sondern um eine frisch geschriebene hochinteressante Entrollung seines Zeit- und Kulturbildes, in dessen Vordergrund eben Windthorst selber steht. Durch zirka 150 vorzügliche Illustrationen erfährt der Text eine fesselnde Veranschaulichung und abtoechselungS- reiche Belebung. — DaS Buch kostet bei einem Umfange von 376 Seiten nur 5 X. Es ist tadellos gebunden und der Preis muß int Hinblick auf Inhalt und Ausstattung als ungemein billig bezeichnet wer- den. Wir kommen auf das Buch noch zurück.
AuS der Feder beS unter bent Namen I. Remo auch zahlreichen Zeitungslefern wohl bekannten Autor» liegen vom Verlage Breer und Thiemann in Hamm (Wests.) zwei neue Romane aus dem Gesellschaftsleben vor: Schloß Gurngh (geb. 4.50 X) und Der Erb« von Ciseuburg (eleg. geb. 3 X). Packender Inhalt, flotter Stil, tiefer ethischer Gehalt zeichnen beide Werke aus. Der Verfasser versteht es meisterhaft, tiefe Probleme in so fesselnder Form durchzuführen, daß der Leser bis zum Ende in Spannung gehalten wird. Beide Romane find speziell für bie katholische Familie wärmsten» zu empfehlen und können jeder- mann in die Hand gegeben werden — ein Vorzug, den nicht allzuviel moderne Romane haben.
Bibliothek für junge Mädchen int Alter von 12—16 Jahren von K. Ommerborn, Rektor. K a t i« von Anna Hilden. Würzburg, F. £. Buchrscher Verlag. 1,50 X.
An guten Büchern für junge Mädchen ist unsere zeitgenössische Literatur nicht eben reich. Deswegen
möchten wir wiederholt auf obige „Bibliothek" hin- weisen. In den Bändchen, bte bis jetzt erschienen sind, offenbart fich «in sehr beachtenswertes Streben, nur Gutes und Wertvolles zu bieten und die gebotenen Erzählungen sind geeignet, nicht nur müßige Stunden hinwe^tändeln zu helfen, sondern auch tiefere Anregun- gen für Geist und Gemüt zu geben, veredelnd auf die jungen Leserinnen zu wirken.
Arethusa. Die Sklavin von Bhganz. Von Franci» Marion Crawford. AuS dem Englischen übersetzt und für die weibliche Jugend bearbeitet von A. Helms. Mit 16 Separatbildern. Leipzig, Fe» diriand Hirt und Sohn. In Prachtband 4,50 X.
Francis Marion Crawsordds Romane werden auch in Deutschland hochgeschätzt. Eine besondere Stellung unter den zahlreichen Schriften des beliebten Verfassers nimmt „Arethusa" ein. Interessant für die Ertoachsenen muß das Buch durch seinen hochdramatischen Aufbau, die niemals schleppende Handlung und das farbenreiche Milieu auS der Glanzzeit von Venedig und dem Niedergange des Byzantinischen Kaiserreichs die Jugend besonders fesseln. Das Original- Werk bietet aber manche Stoffe, die über die Fassungs- kraft der jungen Leserinnen hinauSgehen, auch manches, daS für dieselben noch nicht geeignet sein würde. Deshalb ist es zu begrüßen, daß der bekannte Verlag von Ferdinand Hirt und Sohn daS Buch in einer zwar freien aber durchaus gelungenen deutschen Bearbeitung auch unserer Jugend zugänglich gemacht hat. Namentlich für jüngere Mädchen eignet sich „Arethusa" vortrefflich, zumal dem Geschmack der jungen Leserin- neu auch durch einen geschmackvollen Einband unzahlreiche prächtige Bilder Rechnung getragen ist.
Welt-Jahrbuch für 1912. Verlag der „Germania", Berlin C 2, Stralauerstraße 25. Preis in Star» tonumschlag 1 X in modernem Geschenkeinband 1.50 X. 160 Seiten mit 212 Bildern und zwei Kunstbeilagen sowie einem farbigen Wandkalender.
DaS Welt-Jahrbuch, das bereit» zum neuntenmalr erscheint, steht inhaltlich wie in seiner ganzen Aufmachung weit über dem Durchschnitt der landläufigen VolkSkalender, es kann direkt als ein vornehmes Geschenkwerk bezeichnet werden, daS vor allem auf dem Weihnachtstisch von All und Jung gern gesehen wird. Da» Welt-Jahrbuch ist eine Weltrevue und eine Zeit, chronik von bleibendem Wert. Es ist ein überau» wertvollen Inhalt bergendes Nachschlagewerk und eine