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58. Jahrgang.
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wochen-Run-schau.
[:] Fulda, 15. Dezember 1911.
Jetzt kann der Kampf beginnen! Die kaiserlichm Verordnungen zur Auflösung des Reichstages und zur Festsetzung des Wahlterm in» sind erschienen. Damit treten alle im Reichsvereins-- gesetz für den Wahlkampf vorgesehenen Erleichterungen in Kraft, sodaß jetzt die Wahlagitation ungehindert etnschen kann. Der Aufmarsch der Parteien ist denn auch schon vollendet. Alle Parteien habm ihre Wahlaufrufe veröffentlicht und die Kandida- tmaufstellung ist in fast allen Wahlkreisen durchge- Mrt. Die Zentrumspartei betont in ihrem Wahlaufruf besonders den Kampf gegen den-jkultuv- kampflüsternen Liberalismus, der In den letzten Jahren bei der Beratung der „BorromäuS-Enzvfltka und bei der Besprechung des Modernisteneides sein« ganze Kirchen- und Katholikenfeindlichkcit gezeigt hat. Der Parole: „Nieder mit diesem Liberalismus! Zusammenschluß aller positiv-gläubigen Slementc!' werden die Zentrumswähle: gern folgen und so der alten, aber ewig jungen Zentrumspartei auch in diesem Wahlkampfe einen herrlichen Sieg bereiten!
Dec englische Spion Schulz und seine deut- schm Helfer sind von dem Reichsgericht in Leipzig zu schworen Strafen verurteilt worden. Dieser Prozeß hat uns wieder einmal gezeigt, mit welch mg- maschigem Spionagenetz uns unsere lieben Vettern jenseits des Kanals umgeben haben. Tie Fäden dieses Netzes gingen bis mitten in unsere Schiffsbau- Wersten und in die Zeichensäle der Konstmkteurel Der trinkfeste Herr Schulz bat Angestellte dieser Werften durch Zechgelage zu ködern gewußt, sodaß sie gegen Tagelohn die Jntoreffen ihres Vaterlandes an elne feindliche Macht verrieten. Bemerkenswert ist hierbei, daß es Ausländer waren, die bei dm Wefften eine solche Vertrauensstellung einnahmen, daß sie in der Lage waren, an Schulz deutsche Ma- ttnegeheimnisse zu verraten. Vielleicht ziehen die zuständigen Stellen daraus die Lehre, daß die Naturalisierung nicht genügt, dm Ausländer abzulegen und in ihm das deutsche Natianalgefühl wachzucufen, das erforderlich ist, um in solch verantwortlichen Stellen bei verhältnismäßig niedrigem Gehalt ben Verlockungen der englischen Scheckbücher zu widerstehen.
Von England sind in den lehtm Wochen allerlei allgemein gehaltene Friedensversichemngen zu uns berüberaedrungen, die kaum Aussicht haben, durchzu- oringen. Der gute Wille mag in einzelnen Kreisen vorhanden sein, das Mißtrauen in den übrigen Kreisen aber ist überwältigend. Das zeigt auch hie Spionagefurcht, die all-u deutlich in der Verhaftung so vieler politisch harmloser Persönlichkeitm zum Ausdruck kommt. Jeder Deutsche in England muß unbedinat ein Spion sein, auch wenn er nur ein Hochstapler ist. - König Georg ist in Delhi eingetroffen und hat sich die Kaiserkrone Indiens aufs Haupt gesetzt. Die prunkvolle Feier ist ohne Zwischenfall verlaufen, trotz der Brände die vorher einige der schönsten Zelte auf dem Köulgsplahe zerstörten. Vorher hat König Georg in Indien den Grundstein zu einem Denkmal des Königs Eduard gelegt, auf dessen Sockel in orientalischer Schwülstigkeit die Verdienste, die sich „Onkel Eduard" angeblich um Indien erworben hat, gepriesen werden.
Die spanisch-französischen Marokko- Verhandlungen sind auf die ersten Schwierigkeiten gestoßen. Spanien hat die bisherigen französischen Vorschläge abgelebnt, wohl darum, weil es sich durch die Teilnahme des englischen Botschafters an den Verhandlungen in seiner Position gestärkt
Der italienisch-türkische Krieg hat nicht viel Fortschritte zu verzeichnen. Eine einzige bemeckenswerte Schlacht fand bei Bengbasi statt, die aber keinerlei Veränderungen der Kriegslage brachte. Dre günstige Position vor Tripolis, die die Italiener sich durch die Eroberung der Oase Ain Zara geschaffen haben, hat noch zu keinem größeren Erfolge der Italiener geführt. Wichtiger erscheint die Frage der Oesfnung der Dardanellen für russische Kriegsschiffe, die der ruffische Botschafter in Konstantinopel, wie jetzt feststeht, aus ebener Initiative bei der Pforte angeregt hat.. Ob die Türkei dem russischen Verlanaen nachgeben wird, ist aus den täglich sich widersprechenden Nachrichten nächt zu «sehen. Das amtliche Rußland leugnet entschie
den ab, feinen Botschafter beauftragt zu haben, die Oesfnung der Meermgen zu verlange».
In den Vereinigten Staaten trifft man schon Vorbereitungen zur nächsten Präsiden tschaftsta Wahl. Beachtenswert ist, daß da» republikanische Komitee nicht an der Kandidatur Taft» festhaltm will. Anscheinend betreibt Roosevelt auf sehr schlaue Weise seine Wiederaufstellung, trotzdem er öffenttich erklärt, zu verzichten.
In China herrscht im Süden noch vollständige Anarchie; die nördliche Mongolei hat sich unabhängig erklärt. Angeblich plant man in China eine Republik nach dem Muster der Vereinigten Staaten.
• Es geht aufs Ganze.
In der große» Zentrumswählerversammlung, die am Montag anläßlich de» Delegiertentags der rheinischen Zentrumspartei in Köln stattfand, hiett Justizrat Dr. Karl Bachem eine hochbedeulsame staatsmännische Rede, Bte die Kernfragen, um die es sich handett, scharf umriß und die Bedeutung dieses WahlgangeS in ihrer ganzen Tragweite aufzeigte. Die Leitgedanken der Rede seien hier kurz skizziert:
Es geht aufs Ganze — so hat v. Heydebrand, der konservative Führer erklärt, — dies Wort hat auch der nationalliberale Führer Baflermann für seine Partei in Anspruch genommen:
„Für «n» vom Zentrum aber gilt dieses Wort noch viel mehr:
Es geht aufs Ganze, vor allem gegen unS; es soll eine Entscheidungsschlacht geschlagen werden zwischen Konservativen und Zentrum einerseits, der Sozialdemokratie und dem gesamten Liberalismus anderseits, eine Entscheidungsschlacht zwischen den Verteidigern des christlichen Staates, der Monarchie, der gesellschaftlichen Ordnung und des sozialen Fortschritts auf gesetzlichem Wege einerseits, anderseits der Sozialdemokratie als der Partei des sozialen Umsturzes, der revolutionären Untergrabung von Monarchie und Staatsordnung, der systematischen Bekämpfung von Christentum und Kirche und aller, welche dieser sozialen Revolution dirett oder indirekt Borschub leisten.
In dieser Entscheidungsschlacht wird das Zentrum hier im Westen fast vo llftändiq allein stehen, ebenso allein wie im Osten die Konservativen. Aber mir scheint, daß der Ansturm gegen uns noch viel fanatischer und erbitterter ist, wie der Ansturm gegen die Konservativen."
Warum dieser Ansturm gegen bcS Zentrum? Man sieht im Zentrum nicht die politische Partei, welche fest auf dem Boden der Reichs- und der Landes-Versassung steht, und keinen anderen Ehrgeiz hat, als in gleichberechtigtem Wettbewerb -hrlich mitzuarbeiten am Wohle des Reiches; sondern man sieht in ihr nm die .Katholiken- Partei', man sieht nur, daß die große Mehrzahl ihrer Anhänger und ihrer Abgeordneten Kathollken sind, und daß sie, entsprechend unseren Verfassung?- mäßigen Zuständen, aus Grund der G lei ch berechtig un g der Konfessionen allerdings auch die Rechtsstellung der katholischen Kirche mit aller Aufmerksamkeit und allem Ernst wahrt:
»Man bekämpft also nicht unsere politischen Taten, sondern man bekämpft unser Dasein; man betämpft uns, indem man uns grundsätzlich die Berechtigung des D iseins absvricht und indem man den konfessionellen Haß als politischen Machtfaklor gegen uns in Dienst stellt.
Wir haben diese Karnpfesart schon bei der vorigen Wahl in hoher Blüte gesehen. Wir sehen sie noch mehr ausgeb,ldet bei dieser Wahl. Sie gibt dem jetzigen Kampfe vor allem die Signatur, und darum wiederhole ich: Es geht aufs Ganze, vor allem gegen uns.
Wir sind eS, um die sich der Kampf in erster Linie dreht. Wir kämpfen wiederum um unser Daseinsrecht. Die Konservativen bekämpft man, well sie sich an diesem Vernichtungskampf gegen daS Zentrum nicht beteiligen wollen. UnS bekämpft man um unserer selbst willen. (Sehr richtig!)
Der gegenwärtige Kampf ist also wiederum mchtS wie ein Abschnitt tu dem großen Kampfe um die politisch, Gleichberechtigung de» katholischen Vo lkSteilS, um eine unangefeindete Zugehörigkeit zur katholischen Kirch, und um dir Freiheit und Selbständigkeit dieser Kirche. (Bravo!)*
Redner kennzeichnet die liberalerseit» beliebten allen bekannten Karnpfesmittel, insbesondere den unehrlichen Kunstgriff, die katholische Kirche und alle ihre Einrichtungen m den Staub zu ziehen, um dem Zentrum am Zeuge zu flicken. Unausgesetzt wird ja setzt wieder in fast allen geg. nerijchen Blättern jeder Anlaß benutzt oder bei den Haaren berbeigejogen, um gegen die kathotische Kirche, den Papst oder die B,schüfe zu Hetzen, ohne alle Schonung der religiösen Gefühle der Katholiken, und in der klaren Absicht, den politischen Kamp zu benutzen, um den Katholiken ihre religiöse Ueber- zeugung zu erschüttern. Vielleicht auch um sie em- zuschüchtern und ihnen den frohen Mut und die Zuversicht in der Wahlarbeit zu nehmen:
„So benutzt m m zuerst die Religion zur politischen Verhetzung und zugleich die Politik, um den Katholiken den religiösen Glauben zu verekeln. Gleichzeittg macht man eS dem Zentrum zum böchsten Borwurfe, daß eS „Religion und Politik vermische".
DaS find krumme Weg» der Politik, welche unsere Gegner da wandeln, und diese Krurnme-Wege» Wandele, ist unS in innerster Seele zuwider. Offen und ehrlich soll auch der politische Kampf sein, und darum werden wir nicht aufhören, solche Wege ins rechte Licht zu setzen.
, Der nationatliberale Wahlaufruf erklärt, daß die nationalliberale Partei „eine ihrer ersten Aufgaben in Der Bekämpfung der Machtaniprüch, des Zentrums erblich“, daß „der Ultramonlanismus — daS sind roh — unverträglich ist mit der Autorität des Staates und der frecheiltichen Entwicklung unseres Volkslebens“, kurz, baß die Bekämpiung des „internationalen Ultra« montanismus“ eine nationale Pflicht fei.
Das ist die unverfälschte Tendenz der national- liberalen Kulturkampftpolitik, welche der „Kalholiken- partei“ und der katholischen Kirche nicht nur Die Gleichberechtigung, sondern sogar die Daseinsberechtigung absprichl. Das Zentrum als politische Partei muß vernichtet werden, damit die katholische Kirche schutzlos baftebe, und Damit der Liberalismus, der sich immer weiter nach links entwickelt bis zum Bündnis mit der Sozialdemokratie, allein herrschend werde in Staat, Gemeinde und Schule.“
Dr. Bachem weist bann auf das Verwerfliche dieser Vertiefung des religiösen Riffes bin angesichts der schwierigen internationalen Lage Deutschlands. Kann Deutschland in einer solchen Lage, in einem solchen Augenblicke eine Vergiftung deS poli- tischen Kampfes durch religiöse und konfessionelle Verhetzung brauchen? Wäre es da nicht richtiger, jede bürgerliche Partei, welche bereit ist, ehrlich zum Wohle des Vaterlandes mit- zuarbeiten, zuzulaffen und ihre Hilfe anzunehmen? Ist es nicht ein Frevel an der nationale, Verteidigung?- und Etoßkraft des deut- schen Volkes, zu einem solche , konfessionellen Kampf zu Hetzen, der nationale Kräfte nutzlos verbraucht, welche an anderer Stelle und für anbeie Zwecke bester zu oerroenben wären?
Die konfessionellen Kämpfe gehören, wie wir, bem Beispiele Windlhorsts folgenb, stets betont Haden, in die Wlstcuschaft und auf die Kanzel in die Kirchen und in ernste, gelehrte Bücher. Dort werden wir unS ihnen niemals entziehen. Aber sie gehören nicht hinein in die Tagespresse, in das Parlament und in politische Volksver- amm lung en:
Wir verwahren unS nach rot« vor auf daS aller- entschiedenste dagegen, daß das Zentrum eine antinationale, unpatriotische Partei sei, weil es zum übergroßen Teil aus Katholiken besteht, und weil es auch die Rechtsstellung der katholischen Kirche verteidigt. Die kathotische Weltkirche ist im öffentlichen Leben Deutschlands ebenso berechtigt, wie die evangelische Landestirche; st« ist sogar die älteste Berechtigte, und hier am Rhein ist sie seit mehr als anderthalb Jahrtausend heimatberechligt. Sie ist uns eine Mutter geworden, die ihre Kinder treu erzogen und behütet hat, und sie ist uns ans Herz gewachsen (Lebhafte Zustimmung.)
Wir Katholiken im Zentrum wie alle Katholiken nehmen gewiß keinem Protestanten Übel, wenn er seine
eigen» religiös« Äuffaffung für bte allein richtige hält. Ader wir verlangen für mil da» Recht, dasselbe zu tun, unb demgemäß unsere Kirche zu halten, wie sie selbe, lehrt, für die Inhaberin deS »ollen und ganzen Reichtum» der Offenbartrngslrhren, welche bei göttliche Heiland Jesus Ebriflus verkündigt hat.
So wie sie ist, mit allen ihren Glaubenslehren, ist sie in den preußischen Staat ausgenommen worden- So ist ihr in der Verfassung die Gleichberechtigung verbürgt, und so Hal sie ein unveräußerliches Recht, im preußischen Staate und in allen anderen deutschen Bundesstaaten zu bestehen.
Niemand hat da» Recht, «» irgend einer Partei zn verdenken, wenn sie diese verfaffungsmäßig« Rechts“ stellung schützt. Wh jedenfalls werden uns diese» Recht ntemal» nehmen lassen. (Bravo!)
Noch ist ja lange nicht erreicht, daß die verfassungsmäßige Gleichberechtigung des katholischen VolkSteilS voll und ganz zur Wahrheit geworden sei. Wer weiß, wie lange es noch dauern roh-? Aber rott werden in diesem Kampfe ausharren und stets unseren Mann stehen.
Dazu gehört auch, daß roh niemals gestatten, eine politische Pariei wie das Zentrum deshalb als un« patriotisch zu verschreien, wett si« bte verfassungsmäßige Freiheit der katholischen Kirche, den verfaffungsmäßig christlichen Charakter des Staates, die versaffungs- mäßiq« Parität bet anerkannten Religionsgesellschaft und den verfaffungsmäßig konfe.stonellen Charakter der BolkSfchule verteidigt, und weil ihre katholischen Mitglieder das nicht nur tun unter Betusung auf die bestehende und beschworene Bersaffung, fonbein auch aus innerster religiöser Ueberzeugung unb aus religiösem HerzensdedürsniS.
Damit geschieht ja unseren protestantischen Mitbürgern nicht int mindesten ein Unrecht, und wo immer Zentrumsleute Einfluß gewonnen haben, hat ja die Erfahrung gezeigt, daß dieser Einfluß niemals zu Unrecht gegen die Protestanten eingesetzt worden ist. Man braucht doch gewiß nicht weil zu gehen, um in dieser Hinsicht einen lehrreichen Vergleich anzuftellen zu der Gebarung einer liberalen und einer Zentrumspartsl, welcher vor jedem ehrlichen Beurteiler zu unseren Gunsten auställt. Wir sind in allen politischen Dingen eine ehrlich paritätische und eine ehrlich sriedliebende Partei, welche dem Kaiser gibt, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist, welche auch den Protestanten gibt was den Protestanten ist, und für die Katholiken nichts verlangt, als was sie auch den Proteitanten zubilligt.
Dieser Tatsache mögen sich unsere protestantischen Mitbürger erinnern, wenn in dieser Wahlzeit das Ansinnen ckn sie herantritt, gegen die „Katholikenpartei“ sogar die Sozialdemokraten zu unterstützen!
Auf die besonderen Umstände übergebend, die ben biesmaligen Wahlkampf begleiten, kritisiert Dr. Bachem bas Verhalten des Reichskanzlers, der tatenlos ohne jedes Programm bem Wahlkampf« gegenüberstehe.
Wenn aber so der Herr Reichskanzler seiner Pflicht, daS Reich zu fchützen gegen den sozialen Umsturz und nie Anarchie der sozialdemokratischen Revolution, sich bisher nicht bewußt geworden Ist, so sind wir unS dieser Ptlicht umsomehr bewußt. Dann treten wir in die Bresche und werden alles daran setzen, waS roh haben an Geistes- und Körperkraft, um dem sozialen Umsturz und der Revolutwn Einhalt zu tun, Kaisertum und Reich zu schützen und untere Gesellschaftsordnung in Staat und Kirche zu stützen. Wir schützen Thron und Altar nach wie vor! (Langauh. und rauschender Beifall.)
Demgegenüber ist eS erfreulich, daß wenigstens die Finanzverwaltung des Retches noch turz vor dem Schlüsse des Reichstage? die Gelegenheit wahr« genommen hat, ihren Standpunkt vor dem Lande kräftig zu betonen und die Erfolge der Reichsfinanzreform festzuftellen.
Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen er« örtert Dr. Bachem unser Zoll- und Wirtschastssystem und erläutert den Charakter des Groß blocks, der als „Kulturblock' gedacht sei, und von da bis zu einem neuen KulturkampfSblock sei der Weg nicht weit.
Der Schluß der bedeutsamen Rebe klang aus in die Mahnung, einig und geschloffen zu steh n:
„Mag fein, daß wir in diesem Kampfe gegen die Großblockpolitik im wesentlichen allein ft eben werden. Ich hoffe aber immer noch, daß die ältere und besonnenere Seite der Nationalltberalen lieber wieder einlenken wird in eine Politik eh.ltchen Zusammenarbeit ens mit den übrigen bürgerlichen Parteien/Doch dem mag sein wie ihm wolle. Wenn roh wirklich allein stehen, so werden roh uns um fo mehr unserer Pflicht bewußt bleiben, unentwegt dem staatlichen, sozialen
X Was schenken wir?
Der rühmlichst bekamiie Verlag von Joseph Habbel in Regensburg, der sich um die Verbreitung gediegener Literatur im christlichen Volk große Verdienste erworben hat, bietet für jeden Geschmack, für jeden Stand, für jedes Alter Geeignetes. Die hervorragende Ausstattung, die er sich zum Prinzip gemacht, hat die uneingeschränkte Anerkennung aller Bucherliebhaber gefunden.
Gerade in diesem Jahre ist Habbel mit bedeutenden Neuerscheinungen hcrvorgetreten, die sich als Weih- nachtSgabe für gebildete, literarisch interessierte Kreise vorzüglich eignen. Wir nennen da in erster Linie die „Literaturgeschichte der deutschen Stämme und Landschaften“ von Dr. Joseph Nadler (1. Band: Die Altstämme. 800—1600. Mit 85 Abbildungen auf 65 Beilagen und 5 Literaturkar- ten. Preis broschiert 8.— gebunden in Leinen
• 10.— dl.) Sie geht von wesentlich neuen Voraussetzungen aus, indem die Darstellung sich auf die bem deutschen Volke nun einmal notwendig gegebene Stammesentwicklung gründet. Ueberall bis auf die Be- stedlungsgeschichte zurückgehend arbeitet sich Nadler von dieser wichtigsten und festesten Grundlage in mühe- bollem Aufstieg empor zum Höchsten und Feinsten, ?ur Erfassung des Geistigsten und Subtilsten im dich- ter-schen Kunstwerk. Das Echte und Ursprüngliche, das Angestammte und Eigenwüchsige in unserer Lite- ratur tritt dadurch stark und mächtig hervor. — Dann erwähnen wir Friedrich Schlegels „Geschichte der alten und neuen Literatur (Weltlitera, tur) , neue Jubiläumsausgabe von Prof. Dr. Marie Spet^r. (Brosch. 3.20 dl, geb. in Seinen 4.— <M) Gelehrter und Künstler zugleich, faßt Schlegel In einem monumentalen Gesamtbild die Kultur aller Zetten und Völker zusammen und zeigt die gewaltige Wirkung einer nationalen Geistesbildung auf di« Schicksale der Staaten. — Dann reihen wir „Fried, pich Wilhelm Weber und die Romantik“ Untersuchungen zur Geschichte des romantischen Ein. fluffe» im 19. Jahrhundert. Von Dr. Marie Speyer. (Brosch. 9.— M, geb. in Halbfranz 10.— ,#.) Au*, geruftet mit einer Fülle literaturgeschichtlicher Kennt. Kiffe, aber auch mit feinem Verständnis, zeigt die öerL Ivie romantische Ideen, romantisches Gefühl unb ro- wantlsche Kunstbestrebungen bei einem bäten Nach. Dügler nachwirkten und sein ganze» Schaffen durch
drangen. — Als ganz hervorragende Gabe für gebildete, gereifte Angehörige eignet sich der prächtige, äußerst preiswerte Band „Deutscher Minne, sang“, herausgegeben und eingeteitet von Richard Zoozmann. (Mit 25 Abbildungen alter Miniaturen, gebunden in Seinen 3 dH, in Halbpergament 4 dH.) Von ungefähr 100 Dichtem ist hier mit feinem Urteil das Schönste und Beste zu einem vollendeten Bilde des deutschen Minnesanges zusammengetragen: die Ausstattung ist entzückend. — Einem Freund unserer Literatur, vor allem der romantischen, wird man mit den bisher erschienenen 4 Bänden der großen kri. tischen Eichendorff-Ausgabe helle Freude bereiten. ES find das EichendorffS historifche, politt- Lt^u,!b.^O6rat,:6if(6e Schriften, feine Tagebücher (mit 8 Portrats und 4 Faksimiles), die Briefe von Eichendorff (mit 4 Porträts und 3 Ansichten) und die Briefe an Eichendorff. (Jeder Band geb. in Seinen 4.50 M, tn Halbfranz 5.25 dH, Siebhaberband in Ganz- Pergament 10 dH.) Prächtige Gaben vor allem für die gereffte, studierende Jugend beiderlei Geschlechts sind die beiden Bände „Romantische Novellen" herausgegeben von Dr. Joseph Radler (jeder Band rn Seinen geb. 4 dH), eine mit feinem Verständnis getroffene Auswahl, die zur Beleuchtung und Vertiefung deS Stteraturunterrichtes treffliche Dienste leisten und einen vorzüglichen Einblick in die Welt der Romantik getoäfjrert wird; dann die einzigartige Sammlung der besten Schwänke vom 13.—17. Jahrhundert, die Dr. Otto Denk unter dem Titel „Alter deutscher Humor“ (mit 143 Abbildungen nach alten Holzschnitte, geb. in Seinen 4 <M\ herausgegeben hat. Diese Sammlung ist ein ausgezichneter Führer für' jeden, der die Entwicklung deS Humors auf dem Boden deS nationalen Schrifttums kennen lernen will.
Allen erwachsenen Sefern in Stadt unb Sand, auch schon der gereiften Jugend kann man auf den Weihnachtstisch legen: Broermann, Sebenswirren eine Sammlung von sozialaefärbten Skizzen, in denen ein vielversprechender Schriftsteller herbes Seid, schwere Schuld unb bittere» Dulden in feinen, seelischen Stimmungsbildern zeichnet (mit Buchschmuck, geb. in Seinen 8 <<)j Brentano, AuS dem Balten» lande. Erzählungen unb Skizzen nach lettischen Motiven voll Poesie unb leiser Schwermut, voll Fröm- migkeit und heißer Siebe zu einem armen, hart mit bet Scholle ringenden Volke (mit Bildern, geb. in
Leinen 3 -L); Ekensteen, Kinber bet Scholle, künstlerisch hochbedeutsame Zeichnungen von Seuten, bereit einfacher, gerader Sinn und herzliche Ratür. lichkeit anzieht und wundersam berührt (geb. in Seinen 1 <X); Gangl, Di e W underflur und andere Erzählungen, köstliche Stücke eines unserer besten modernen Erzähler, der die Einfalt und Herzensgute, die Rechtschaffenheit und Großherzigkeit, die Barm- berzigkeit und Mildtätigkeit, aber auch den falschen Stolz feiner wäldlerischen Sandsleute mit sicherer Hand zu malen versteht (in Seinen 2 dH); Hammer- stein, Freiherr von. Die blaue Blume, ein rei- zendes, tiefsinniges, Brentano würdiges Märchen, voll Wärme und Innigkeit, das die Zauberkraft wahrer und hoher Poesie fein unb treffend versinnbildet, nach berufenem Urteil eine der schönsten Prosadichtungen der letzten Jahre Überhaupt (in Seinen 2 dH); Her- bert, Der wilde Dorneck und andere SebenS. studien, 14 meisterhafte Skizzen, m denen die bekannte Verfafferin so einzig von großem Seelenleid, von Menschenhaß und Menschengüte zu erzählen weiß (mit Buchschmuck in Seinen 3 dH.); Künsberg, Freiin von, Alpenblümeln, ein köstliches Buch mit prächtigen Schilderungen der biederen Aelpler, ihre? gesunden HumorS und ihrer naiven Denkart, ihres großen Sehnens nach Glück und Frieden (mit Buchschmuck, geb. in Seinen 3 <M); Rexad, Abendröte, die vorzüglich geschilderten Erlebnisse eines alten friesischen Sehrers, dem die Aussicht auf das Glück seiner beiden Schützlinge den Sebensabend erhellt (in Seinen 3 dH). — Ein ganz vorzügliches Geschenk für alle, die nach des TageS Hast unb Saft einer belebenden Erfrischung bedürfen, sind die zehn Bände „S u st i g e Bücher" (jeder Band in Seinen 1 M), eine Sammlung von gediegenen, in jeder Beziehung einwandfreien und von Künstlerhand illustrierten Humoresken.
Prächtige Geschenke für gebildete Kreise, vor allem für die reifere studierende Jugend, sind: Aribauer, ein tüchtiger Reiseroman auS der Feder des verdienten Afrikaforschers, der mit psychologischer Feinheit Land und Seute auf jenem schönen, heißumstrittenen Fleck der Erde zeichnet (in Seinen 3 dH); Broermann, Aus siebenjähriger Kriegsnot, zwei kulturgeschichtliche Erzählungen in einfacher und treu- bergiger Sprache mit lebenswahren Schilderungen der kernigen Typen unb vorzüglichen Illustrationen (in Leinen 2 dH); Freyberg, Freiherr von, Au» Kreuzfahrertagen, mit seltener Gestaltungskraft und
Wärme gezeichnete, auf ausgedehnten Quellenstudien beruhende Bilder aus der Zeit der Kreuzzüge, in welche die Geschicke eines schwäbischen Ritters verwoben sind (3 Bande, in Leinen 10 dH, nur für die gereifte studierende Jugend). Als komplettes, wertvolles Weihnachtsgeschenk eignet sich die achtbändige Auswahl aus den Werken Tolstojs, besorgt von H. Brentano (jeder Band in Leinen 1.50 dH); die Auswahl gewährt einen vortrefflichen Einblick in Tol- stojs tief poetisches, von strengster Wahrheits- und Ge- rcchtigkeitsliebe durchdrungenes Wesen, in die schier unergründlichen Tiefen seiner mitleidigen Seele zum Nächsten und vor allem zum russischen Volke, und bringt nur das, was vom christlichen Standpunkt aus einwandfrei ist.
Auch für unsere Frauen und erwachsenen Mädchen findet sich unter den Neuerscheinungen Gediegenes und Schönes. Wie nennen: Champol, Der Hoch- st a p I e r, ein künstlerisch angelegter Roman des geistreichen, für die christlichen Ideale begeisterten Schriftstellers, der die Enttäuschungen und das endliche Glück eines Frauenherzens schildert (in Seinen 3 £Ä); Champol, Ueber8 Grab hinaus, die packende und lebendig geschriebene Geschichte eines jungen Mädchens, das auf der Suche nach der schmerzlich vermitz- ien Mutter in die Hände gewissenloser Menschen gerät, aber glücklich gerettet wird (in Seinen 4 dH); Ecken- steen, Bimini, ein kunstvoll durchgesuhrter Roman, der die ganze Tragik der Konvenienzehen zeichnet (mit Buchschmuck, in Seinen 2 <X); Fraunberg, A m Scheideweg, Heimgefunden, zwei anmutige und inhaltlich wertvolle Erzählungen, die zeigen, wie nur ein auf Arbeitsamkeit unb inneren Frieden gestütztes Sehen zum wahren Glück führen kann (in Leine» 1.50 dH). — Ein köstliches Geschenk für die Jugend ist die neue illustrierte Ausgabe von Colowa, Buch der Kinder (in Seinen 2 dl); 6 prächtige Erzählungen voll tiefer SebenLweisheit sind es, dir der berühmte Verfasser da in die reizvolle Form de» Märchens gekleidet der Jugend vorführt, mit einer leisen Mahnung zum Guten und Warnung vor dem Bösen.
Unter den früheren Erscheinungen be? Habbelschen Verlages findet sich so viel Schönes und Gutes, was für den Weihnachtstisch geeignet ist, daß wir hier nur auf einiges aufmerksam machen können. Für bte erste Jugend eignen sich vorzüglich die verschiedenen Prachtbände von R. Paula (au 8 dH unb