M 288.
Sewstag 16. vej-mder W1
58. Jahrgang.
fuldaer
Zeitung
5. Blatt.
vrack **b Verlag »er Snlbaer 2ktie*brn<terei t* 8*16«.
totales.
Fulda, den 16. Dezember 1911.
ißi Das staatliche Eichamt für den KreiS Fulda und eine Anzahl benachbarter Kreise, das nach der neuen gesetzlichen Bestimmung zum 1. Sptu tns Leben treten wird, erhält, rote nunmehr feststeht, seinen Sitz in der Stadt Fulda. Die städltschen Körperschaften hoben bekannttich die staatltcherseits gestellten Forderungen auf kostenlose Ueberlassung von Räumen re. genehmigt. Diese Räume, die im Sstlichen Sckloßflügel geschaffen werden, sollen bis »im 1. März eingerichtet sein. Das hiesige Geschäftsleben wird durch das Amt eine Förderung erfahren, indem neue Beamte hierher versetzt werden.- Dadurch, daß das Eichamt nicht nach einer entfernten Stadt verlegt wurde, werden den hiesigen Gewerbetreibenden auch größere Kosten erspart. — Dem Magistrat der Stadt H e r s s e l d, der sich um die Errichtung eines staatlichen Eichamts in der Stadt Hersseld bemüht hatte, ist dreier Tage durch Zuschrift des Oberpräsidenten mitgeteilt worden, daß dem Anträge ans Errichtung eines Eichamts in Hersfeld nicht entsprochen werden könne.
* Brandsteuer der Hess. Brandversicherungsanstalt Nach dem Beschlüsse des Landesausschuffes für den Reg.-Bez. Kaffel ist bte Brandstetter für das Jahr 1912 auf den Betrag von 14 Pfg. für je 100 Mr' Unilagekapital festgesetzt worden, (wie im Vorjahr)' Danach beträgt bte Brandstetter für je 1000 Mf Versicherungssumme in der 1. Bau-Klasse 0.70 Mk., 2. Kl. 0.98 Mk., 3 Kl. 1.26 Mk, 4. Kl. 1.84 Mk. und 5. Kl. 1.96 Mk.
(h) lieber „moderne öffentliche Beleuchtung" wurde in diesen Tagen hier eine Notiz veröffentlicht, die die Vorzüge der mit Gas gespeisten „Degea-Nieder- drucklampe" besonders auch für Reklamezwecke her« vorhob. Nach einer Meinungsäußerung von interessierter Seite, die uns zugegangen ist, läßt sich bei dem für Fulda in Aussicht genommenen Strompreis nicht sagen, daß das Gaslicht billiger sei als das elektrische Licht. Für Schaufensterbeleuchtung sei ohne Zweifel die modernste, vorteilhafteste und billigste Beleuchtung bte eleltrifche Beleuchtung. Gas ist feuergefährlich. Es ist gerabezu ein Kunststück, in einem dekorierten Schaufenster eine Gasflamme zu entzünden. Bei Gaslicht leiden die Waren recht bald Schaden (verrußen usw.), was bei elektrischem Licht nicht zu befürchten ist. Ja, die moderne Reklame sei auf die Elektrizität ohne weiteres angewieien. So kann z. B. bte elektrische Lampe direkt in und an den Dekorationsgegenständen angebracht werden, auch kann man die Farbe des elektrischen Lichtes jeweils den Ausstellungsgegenständen (Stoffen rc.) anpaffen. Weiter kann man die Ausmerkfamkett des Publikums durch Unterbrechung des Lichtes noch befonsers erregen, wie auch die wechselnden verschiedenen Lichtsarden Reklamezwecke erfüllen. Was Billigkeit und Licht- sarbe für die Straßenbeleuchtung anbetreffe, so halte eine Bogenlampe tn jeder Hinsicht einen Vergleich Mit einer Degea-Niederdrucklampe aus.
* Sie find dageioesen — Redaktionsmaikäfer und Redaktionsschmetterling, was wir hiermit pflichtgemäß konstatieren, um weitere Besuche als überflüssig abzulehnen.
* Micks mit den Weihnachtsgratifikationen im rechtlichen Sinne bestellt ist, dürfte auch eine Frage fein, die der Erörterung wert erscheint. Weihnachtsgratifikationen täuschen ■ bisweilen sind sie gar keine Gratifikationen, fo.i u Teil des Gehalts, und noch häufiger bleiben sic aus. Ein Anspruch auf eine Gratifikation besteht nur, wenn sie vertraglich versprochen worden ist. Durch regelmäßige Gewährung von Gratifikationen verpflichtet sich der Prinzipal noch nicht. Manchmal entscheiden Gerichte aber auch anders. Ein Chef, der ohne Verpflichtung Gratifikationen gibt, schenkt; die freiwillig gegebene Gratifikation ist eine Schenkung im Sinne des Gesetzes. Eine Gratifikation sieht der Chef niemals wieder; er kann sie nicht zurückfordern, auch wenn der Angestellte kündigt, nachdem er sie weg hat.
Ans dem Nachbaraebiet
* Aus der Rhön, 15. Dez. 1911. Einwohner von Rüppershausen bei Mellrichstadt hab i im sogen. Bchrunger Holz den feit Mai vermißten Öko
nom Schmck aus Westerfeld an einer Tanne erhängt aufgefunden. — Die 1300 Hektar Feld und 312 Hektar Wald umfassende Gemeindejagd in Hausen (Rhön- wurde um jährlich 200 Mark an den Kgl. Forstmeister Gigglberger von Fladungen verpachtet.
X Gersfeld, 15. Dez 1911. Bei Der gestrigen Stabtverorbrieten-Ergänzunqswahl wurden gewählt in der ersten Abteilung Kaufmann Karl Schußler, in der zweiten Ableitung Kataster-Kontrolleur Patzell, in bet brüten Abteilung Fleischbeschauer und Landwirt Johann Barthelmes und Schuhmacher und Landwirl Ferdinand Sireck. In der brüten Abteilung haben nicht ganz 5O°/o bet Wahlberechtigten gewählt. — Die Gesamt-Summe der im KreüeGersfeld veranstalieten Sammlung zum Zwecke bet Unterbringung schwächlicher Kinder in Solbädern beträgt 1325Mk. 94 Pfg. Im Jahre 1911 haben sich 17 Kinder ei et Sol-Badekur unterzogen (12 in Bad Orb und 5 Kinder in Bad Sodens. Die Kosten betragen insgesamt 778 Mark 90 Pfg. Der Restbetrag von 547 Mark 4 Pfg. ist einstweilen bei der Kreissprr- kaffe Gersfeld verzinslich angelegt und wirb im nächsten Jahre zu bem gleichen Zwecke Verwendung finden.
o Klemsasseu, 15. Dezember 1911. Herr Pfarrer Kramm hier ist anstelle des Christian Höhl zu Hinlereselsbrunn als Waisentat für Die Gemeinde Danzwiesen bestellt worden. ,
* Bad Nauheim, 15. Dez. 1911. Das letzte der alten hiesigen Siedehäuser wird nach den Feiertagen abgerissen. Es ist das Siedehaus V- Auf dem Grunde der Siedehäuser VI und VII steht das neue Riesenhotel. Voriges Jahr wurde in drei Siedehäusern noch Salz gesotten.
2Iu$ Gberheffen u den Hess. Aerntern.
△ Marburg, 15. Dez. 1911. Unsere Stadt soll in nächster Zeit zwei Denkmäler erhalten. Ein Denkmal für den berühmten Marburger Chirurgen Wilhelm Roser, der hier am 16. Dezember 1888 das Zeitliche segnete und ein Kreis-Kriegerdenkmal. Die Aufstellung des ersteren, die bereits in diesen, Sommer ftattfinbm sollte, hat sich verschoben, loeil man angeblich Schwierigkeiten wegen dem hierzu in Aussicht genommenen Platze auf der oberen Ketzerbach bekam. Obwohl beinahe 7000 Mk. Baugelder vorhanden sind, ruht die Sache vorläufig. Der Entwurf zu dem K r e i s k r i e g e rd e n k m a l ist jedoch, wie schon gemeldet wurde, dem bekannten Berliner Ptlffessor August Gaul übertragen worden. Der letztere wellte gestern hier, um sich über die Platzfrage für dieses Denkmal zu informieren. Nach seiner Meinung eignet sich der Marktplatz vor dem Rachause hierfür am besten, allerdings müßte der Marktbrunnen dann verschwinden.
* Kirchhain, 16. Dez. 1911. Die Kreis-Assistenten- Prüfung bestand in Kassel der Bürohilfsarbeiter Schmidt aus Kirchhain.
* Ziegenhain, 15. Dez. 1911. Die landespolizeiliche Anordnung des Regierungspräsidenten vom 8. November betreffend die Bekämpfung der im Kreis Ziegenhain aufigtfretenen Maul- und Klauenseuche ist mit Wiickung vom 18. d. M. ab auf gehoben worden. — Versetzt wurde der Gerichtsaktuar Wilhelm Mackenroth in Homberg a. E. an das kgl. Amtsgericht in Ziegenhain.
* Schweinsberg, 14. Dez. 1911. In unserer Stadt ist in letzter Zeit eine rege Bau13ti gleit zu verzeichnen. Nachdem bereits seit Jahren einige Landwirte, um mehr Raum für ihre Betriebe zur Verfügung zu haben, sich außerhalb der Stadt ober doch vor derselben, in östlicher und nordwestlicher Richtung völlig neue und geräumige Anwesen, zum teil auch vorerst nur Wirtschaftsgebäude, Scheunen und bergt erbaut haben, gehen zur Zeit weitere Neubauten in der Stadt ihrer Vollendung entgegen.
* Großenenglis, 14. Dez. 1911. Der Rittergutsbesitzer Neutze hier beabsichtigt, sein großes Gut in meutere kleine Güter zu zerteilen und zu verkaufen. Die in angrenzenden Gemarkungen liegenden Teile sollen vereinzelt werden. Es haben bereits Verkaufstermine stattgefunden, einstweilen noch ohne günstiges Resultat.
* Zimmersrode, 15. Dez. 1911. Im benachbarten Dilltch ist der Neubau einer Schule be
schlossen worden. Ein schön gelegener Bauplatz Ist bereits tn Aussicht genommen. — Da der Hausierhandel mit Vieh für den gesamten Umfang des Kreises Fritzlar auf zwei Monate verboten ist, stockt der Viehhandel fast gänzlich, der gerade in der letzten Zeit recht lebhaft war, well viele unserer Landwirte durch die bestehende Futternot gezwungen waren, ihren Viehbestand zu vermindern. Fettvieh ist ein sehr gesuchter Artikel und mag hierin auch der Grund zu suchen sein, weshalb die Fleischpreise im Detailhandel nicht heruntergehen.
Amt Geisa und Umgebung.
*** Geisa, 14. Dez. 1911. Vor einigen Wochen brachten wir die Meldung, der hiesige Gendarmerie- wachtnulster Um ein habe behauptet, daß ein katholischer Geistlicher einer katholischen Frau Geld ange- boten hätte, damit sie eine evangelische Frau zum L’ebettnft zur katholischen Religion veranlasse. Diese Behauptung wurde von uns als „Verleumdung" und di‘ „Ungezogenheit" bezeichnet. Das Großh. Sächs. Cendarmeriekommanto hat den Fall eingehend untersucht. Es hat sich ergeben, daß der Wachtmeister in einem Gespräch, baS den Uebertritt eines evangelischen Mädchens zur katholischen Konfession betraf, allerdings die Behauptung ausgestellt und verteidigt bot, bei einem derartigen Uebertritt werde von katholischer Seite Geld bezahlt. Dagegen hat der Wacht- n eiste: nichts über einen katholischen Geistlichen gesagt. Die Verleumdung eines bestimmten katholischen Geistlichen liegt also nicht vor. Auch wird man bei dieser Sachlage annehmen können, daß die Behauptung des Gendarmeriewachtmeisters weniger aus Bosheit getan worden ist, als aus der Unwissenheit heraus, in der viele Protestanten in Bezug auf die katholischen Anschauungen und Verhältnisse von Jugend aus sich befinden. UebtigenS hat uns das Grvßb. Genüarmerie-Kommando niitgeteilt, „daß es nicht dem Wunsche des Kommandos entspricht, wenn seine Beamten an öffentlichen Orten konfos-- stonelle Fragen anschneiden".
* Vacha, 15. Dez. 1911. Gestern sand hier eine öffentliche Sitzung des Bezirksausschusses d t § 4. Verwaltungsbezirks unter dem Vorsitze des Großherzogl. WeztrksdirektorS, Herrn Baron v. Groß, aus Dermbach statt. Die Tagesordnung umfaßte 42 Gegenstände. Wir heben daraus solgende Beschlüsse hervor: Dem OrtSverein für Heimatpflege in Dermbach wird für das Jahr 1911 ein Beitrag von 10 M. aus der gemeinnützigen Stiftung verwilligt. — Der Gemeinde Zella wird die Erlaubnis zur Ausnahme eines Darlehns in Hohe von 1450 Mark zur Deckung der durch dm Bau der Hochdruckwasserleitung noch vorhandenen Kosten erteilt. — Als Beginn der Schonzeit für Hasen wird der 18. Januar 1912 vorgeschlagen. — Die vom Bezirksausswnß seinerzeit für die Ergreifung des Wilderers Klotzbach ausgesetzte Belohnung soll an die acht beim Fang des Klotzbach beteiligten Personen gleichmäßig verteilt werden. — Es soll ein Bittgesuch an das Großh. Staatsministe- riuitt gerichtet werden, in dem um Vergrößerung des Sitzungszimmers des Bezirksausschusses im Bezirks- direktionSgebäudes nachgesucht wird. — Der Gemeinde Ostheim wird die Erlaubnis zur Aufnahme eines Nachdarlehens in Hohe von 22 000 Mark zur Deckung der Wafferleitungsbaukosten erteilt. — Der Anspruch des Christian Hartmann in Frankenheim an die gemeinsame Gemeindekrankenversicherung in Geisa wegen Auszahlung von Krankenunterstützung wird als unbegründet zurückgewiesen.
* Aus Thüringen, 15. Dez. 1911. ImThürin- g t r Walde sollen umfassende Vorkehrungen getroffen werden für eine genaue Bezeichnung der Wege, die sich zum Skilauf eignen. Die Wege sollen durch runde, rotgestrichene Blechtafeln kenntlich gemacht werden. da sich die bisher verwendeten Tuchfühnchen nicht bewährt haben. An dm Kreuzwegen sollen die markierten Wege auf einer Winterwanderkarte zusammengestellt werden, um den Wintersportverkehr im Thüringer Wälde immer mehr zu heben. — Ein Fabrikant in Erfurt, der ohne Grund ein Armenpslegeramt ab getont hatte und deshalb durch Stadtverordnetenbeschluß auf drei Jahre mit dem Verlust der Bürgerrechte und Erhöhung der Gemeindesteuer um ein Achtel bestraft worden war, hatte gegen diesen Be
schluß Klage beim Bezirksausschuß «hoben, wurde ab« abgewiesen — InWetmar starb im 79. Lebensjahr die Gräfin Emily Bothmer, langjährig» Oberhofmeistettn am dortigen Hof. — Gegen bie kürzlich erfolgte Wahl des GorichtsaffefforZ Willig mann in Charlottenburg zum Ersten Bürgermeister von Ilmenau ist Protest beim Bezirksausschuß eingelegt werben. Willigmann war besonders voi dm Anhängern d« sozialdemokraffschen Partei gewählt worden.
vermischter.
* Weil ihrer Heirat unüb«windliche Hindernisst entgegenstanden haben sich in einem Walde bei K ol» ein Offizier und eine Verkäuferin erschossen.
* Zusammenbruch einer französischen Ossizier-Pen fionskaffe. Bei der Pariser Staatsanwaltschaft sini zahlreiche Klagen gegen dm Verwaltungsrat eine zugunstm pensionierter Militärs «richteten Vorschuß lasse eingelaufen. Ihre Aktionäre find großtmteil» pensionierte Generale und andere höhere Offiziere Die Gesellschaft soll stck in vollkommener finanzielle Zerrüttung befindm. Die Passiva betrügen etwa an- derthalb Millionen Frank. Man erwartet wettere peinliche Enthüllungen über die Sache.
♦ Gestohlene Kanonenrohre. Im Wiener Arsenal find drei Kanonmrohre von 1% Meter Länge auf f isher unerklärliche Weise gestohlen worden. Von den Tätern fehlt jede Spur.
* Ohne Zopf Der chinesische GesanDie in Wien hat infolge Des Ediktes der chinesischen Regierung bezüglich des Zopfadschneidens bereits seinen Zopf abgeTchnitten und europäische Kleidung anerlegi.
♦ Schneeverwehungen. Die südlichen Teilstrecken der Südwestbahnm Rußlands sind derart von Schnee verweht, daß die Züge nur mit großen Verspätungen verkehrm.
* Die Lemberger Spionageaffäre nimmt einen immer größeren Umfang an. In Brody in Galizien wurde wieder eine Frau verhaftet, die ebenfalls der Bande angehörte. Bisher sind im ganzen 16 Personen in dieser Angelegenheit verhaftet worden; bei ihnen konnte viel Material, besonders Karten von strategisch wichtigen Eisenbahnlinien, konfisziert werden, worauf es die Bande anscheinend hauptsächlich abgesehen hatte.
* Durch dm Brand einer Möbelfabrik in Radom in Rußland sind gegen 1000 Arbeiter bro l o s geworden. Der Schaden beläuft fick auf 450 000 Mack.
* Rekord der Weihnachtssendungen von Rewhock Die diesjährigen Weihnachtssendungen von Newhock erreichen, wie der Draht meldet, geradezu eine Ro kordsumme. In den letzten Monaten sind allein für 4,200 000 Dollar (etwa 17 Millionen Mack) Geld bezw Geschenke durch die eingew’berte Bevölkerung von Newyork nach Europa gefanot worden.
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Ächler des Verbannlen.
Roman von Adele Böttcher.
er in Dutzend Stimmen fragt eS durcheinander.
„Jemand hat den Sjcherheitsschrank unseres Gast- fteundes erbrqchen, um seine Diamanten zu entwenden!" erwidert Orlosfs tiefe Stimme laut und mit großer Bestimmtheit. „Schließt die Türen, damit der Dieb das Haus nicht verlassen kann!"
Entsetzen malt sich in den soeben noch so helleren Gesichtern. Ein Teil der Herren eilt bem Oberst nach.
„Gewiß ein Irrtum," sucht Signorina Morgano die allgemeine Verwirrung zu beruhigen. „Bitte, lassen Sie sich nicht stören!" 9
Doch niemand denkt mehr ans Essen. Erregtes Geflüster, lebhaftes Gestikulieren, Ausrufe des Bedauerns und der Empörung überall.
Inzwischen ist der Oberst an ein paar Dienern, Me tm Nebenzimmer mit den Vorbereitungen zum Servieren de? nächsten Ganges beschäftigt sind, vorbei aesturzt, die Treppe hinaus.
Kein Mensch sichtbar — weder auf der Treppe, noch in der oberen Halle
"ding-ling-ling-ling---" mahnen die elcktri-
sck cn Glocken.
. . Oberst durcheilt fein Schlafzimmer, ergreift infttnKiö feinen Revolver und betritt den Sieben« «NM.
Kurze Zeit steht er wie gelähmt.
„ ~ie TLren zum Stcherheitsschrank stehen west offen. Der silberne Kasten, der die Diamanten enthielt, liegt am Boden — leer.
In größter Aufregung dreht er den Knopf, damit N« nervenerscküttemde Klingeln aufhört, und fprtngt Dls et in der Halle Stimmen vernimmt, zur Tür.
Ach, e? sind nur feine Gäste, die, ängstliches Er- toarten tn den Zügen, ihm zu Hilfe kommen wollen.
„Meine Diamanten? Meine Diamantenl" stöhnt per Arme, in einen Sessel sinkend. <
„Fassung, lieber Freund! Fassung!" sucht bet Marchese S'lvio Campanelli zu beruhigen. „Der Dieb kann nicht entwischen Bevor er die Haupttreppe hätte erreichen können, eilten Sie bereits hinauf."
„Aber — die Gesindetreppe —"
„Leutnant Borgoni bewacht sie."
„Sie meinen also, der Dieb ist noch im Hause,"
„Zweifellos."
„Und Pluto? ... Wo ist der Hund? Er ist nicht auf feinem Posten—"
„Wahrscheinlich beiseite gebracht.'
„Mein Psicko! Mein armes treues Tier!"
Inzwischen haben sich mehrere der Herren in den Raum begeben, tn bem ber Sicherheitsschrank steht.
Plötzlich ein Ausruf des Erstaunens. Jemand hat auf einen kleinen Diamanten getreten.
Man beginnt zu suchen und hat bald ein Häufchen beisammen. Sicherlich hat ber Dieb, erschreckt und verwirrt durch das unvermutet ertönenbe Signal, ben Kasten samt ben Diamanten fallen lassen.
Der Marchese Campanelli ist ber einzige, ber nicht beim Suchen hilft. Seine jkengen Züge tragen einen ganz eigenen Ausdruck.
„Wieviele Stellte enthielt der Kasten?" fragte er den Oberst kurz.
„Hundettfünfzig kleinere und einen ganz großen, schwatzen."
„Wurde her große gefunden?"
„Bis jetzt noch nicht."
Der Marchese telephonierte in aller Eile an die Polizeistatton und begibt sich bann hinunter nach ber Gesindetreppe.
In diesem Augenblick schreftet die Kammerfrau Rina die Stufen hinab, um tn» Freie zu treten.
„Ich muß Sie bitten, wieder hinpufzugehen!" befiehlt ber Marchese. „Niemand darf das Hau» verlassen!
Die Kammerfrau gehorcht mti einer steifen Betbeugung. Ihre dünnen Appen find noch fester zusatw- mengepreßt als sonst.
„Die Frau oder ihr Mann — einet von beibet wird sicher versuchen, die Haupttreppe hinunterzu- schlüpfen," pnmt ber Marchese dem Leutnant »u. bet
sich an bet obersten Stufe postiert hat. „Ich halte jetzt» biese Treppe besetzt. Eilen Sie zur Gesindetreppe!
Durch die Küche! Der Weg ist ber nächste."
Der Leutnant stürzt davon.
Er kommt gerade zur rechten Zeit, denn soeben will Nina an ihm vorbei, die Hintertreppe hinabschlüpfen.
Als er sie höflich, aber bestimmt zurückhält, trifft ihn ein Blick tödlichen Hasses, während oben über dem Treppengeländer Bernardo, der seiner Frau err -'t nachspäht, rasch seinen Kopf zurückzieht.
Als Leutnant Borgoni seine Beobackstungen mitteilt, zuckt wieder jenes spöttische Lächeln um die Lippen des Marchese Silvio.
In diesem Augenblick erscheint unten an ber Ge- sindetreppe ein Mann mit einer Dienstmütze.
„Ich komme von Corto u. Co. ans Rom mit bem Pincenez des Herrn Fürsten Orloff. Ich mochte ben Kammerdiener des Herrn Fürsten sprechen."
Der Marchese wirst einen durchdringenden Blick
:nb der allgemeinen Erregung so ruhig blieb, bestärkt ihren Verdacht. Sie kennt ihn.
„Großvater —" flüstert sie angfliVr auf russisch sich tief zu seinem Ohr herabbeugend „allmäch tiger Gott, wer ist es gewesen?"
„Schweig, albernes Ding!" zischt er. „D«nk ai bie Ungeschicklichkeit deines Vaters, die uns nach Si bitten brachte! Stt klüger als er und unterlaß un nütze Fragen!"
Damit faßt et sie beim Arm und bedeutet ihr, ih> nach seinem Zimmer zu führen.
Gesenkten Hauptes gehorcht Sonja, obgleich ihr ist, als müsse sie zusammenbrechen unter der Wucht de» aufs neue auf sie hereinbrechenden Unglücks.
Auf der Trevpe begegnet ihnen Leutnant Bor» tionl, ber noch i mer dort Wache hält.
„Schauderhafte Sache, das!" ruft er erregt.
„In ber Tat — höchst unangenehme Sache!" er« wideiste Orloff ruhig. „Ist der Dieb schon entfärbt?"
auf ben Mann.
„Watten Sie draußen! Vorläufig ist das Hans für jedermann gesperrt"
Mit einer hastig hervorgestoßenen Entschuldigung zieht der Mann sich-schleunigst zmück. Die Sache hier erscheint ihm nicht geheuer.
In der Haustür prallt er auf bie beibert Polizisten, die vorhin telephonisch herbeigerufen würben.
Nach wenigen Minuten schon ist der „Mann mit bem Pineenez" wieder auf bem Bahnhof, um so schnell wie möglich Reißaus zu nehmen. (Er weiß, der Coup, der ihm und seinen Komplizen ein Vermögen ttnbrdr- gen sollte, ist mißglückt.
Inzwischen werden oben in der Villa Fortuna die gefunbenen Diamanten gezählt; sie sinb vollzählig bis auf einen: ben großen, schwarzen, ber verschwunden blecht — trotz alles Suchens.
Al» vorhin bet ber aufregenden Nachricht, daß Diebe tm Hause seien die ganze Festgesellschaft auS- einanderstob, blieben Boris Orloff und seine Enkelin allein im Speisezimmer zurück.
Sonja- Herz klopft zum Zersprittg«. Sie ahnt die Wahrheit. Dee Umstand, daß ihr Großvater wäh-
„Noch nicht, mein Fürst. Aber wir haben bereits Anhaltspunkte", raunt er ihm wichtig zu. „Dienstboten, wie gewöhnlich — ein Ehepaar. Die Frau wollte schon burchbrennen. Ein Weib von etwa dreißig Jahren, mst einem totbettuärtifr verschlagenem Gesicht." . /' '
„Infame Schufte! ruft Orloff empört, wiickt mit ber Hand einen korbial herablassenden Gruß und läßt fich von seiner Enkelin weiter führen nach seinem Zimmer.
Sonja öffnet die Tür und läßt den Cstoßvatee etntreten. Es ist ihr im Augenblick unmöglich, in seiner Nähe zu bleiben — nach dem, was vorgefallen. Mit Mühe beherrscht sie sich fotodt, daß sie imstande ist, sich einer Gruppe von Damen anzuschließen, di« ihr lebhafte? Bebauern und ihren Abscheu über ben „unerhörten Vorfall" auStauschen.
Nachdem bte Türe sich wieder hinter Boris Drfoff geschlossen, tritt au« dem Hintergrund M Zimmer) Bernardo auf ihn zu, um ihn nach seinem Sessel zu geletten.
Doch der Alte weist entrüstet feine Hülfe zurück.
G-M-tzr-rrs ieistj >