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■eteltenibretfMel verlaß der julfcaer Hb fleiörutfeiet in Fulde Fernjprecher Ur. 9.
j* 286. Erstes Blatt.
Fulda, Oonnerstaq den 14. Dezember 1611.
38. Jahrgang.
t Bestellte Arbeit?
p,ti der bekannlen Finanzreformrede des Reichs» schonietrelärs Wermuth in einer der letzten Sitzungen des Reichstages schreibt die R a t i o n a l l i b e r a l e Korrespondenz für d-e Rheinprovinz,
der Bund der Landwirte und das Zentrum hätten schon im Frühjahr Herrn We-muih vorgeichrieden, daß er in dem Augenblick, in dem der alte Reicheiag sein Leben aushauche und der WaKiampi nut vollster Kraft einfehe, die giooe Ebrenreilung des schwarz blanrn Blocks unternehmen muffe, und in einem Ausblick auf den Etat für 1912 eine Rechiserligung der Sleucrmehrheit von 19 9 geben müsse. Dieicm Ziel zuliebe hätten sämtliche Reif, rlchefs im Reiche sich eine beispiellose Einschränkung auserlegen müssen, die nicht etwa einer wnkvchcn spariamen Wirtschaft zugute gekommen fet Der Elai 1912 werde nicht das wahre Bild der Reichsbedürsnisse geben, sondern lediglich das Zerrbild eines Eparelais, der auch die nolwendigslen Auigaben aus eine ipälcre Zukunft abschiebe, emsig und allein zu dem Zweck, den stand der Reichsfinanzen als möglichst glanzend erscheinen zu lassen.
Die ehrenwerte „Rationalliberale Korrespondenz" hat sich das alles blank ausdenJingern gesogen. Die Darlegungen des Schatzsekretärs über die günstige Finanzlage waren den Volksverhetzern aus der Linken arg in die Quere gekommen. Nachdem die liberalen Wortführer im Parlament mit krampfhaften Scheingründen sich vergebens bemüht hatten, die amtlich kundgegebenen Zahlen und Tatsachen zu entkräften, herrschte eine Weile in der oppositionellen Presse das Stillschweigen der Verlegenheit. Aber jetzt geht es wieder los.
Die neueste Erfindung in dem Verleumdungsfeldzug gegen die Finanzreform ist natürlich schlau ausgedacht. So behält die liberale Opposition immer Recht. Paßt der Voranschlag nicht in ihren Kram, so wird er einfach frisiert und falsch erklärt. Tie Einzelheiten des Voranschlags für 1912 sind natürlich bet fraglichen „Korrespondenz" ebenso wenig bekannt, wie der übrigen profanen Welt. Aber gerade deshalb kann sie keck behaupten, daß zu viel Svgrsamkeic entwickelt sei. Will die Regierung das widerlegen, so muß sie nicht bloß den Etat selbst vollständig bekannt geben, sondern auch noch die wichtigeren Bemessungen öffentlich begründen. Sollte sie .zu einer solchen Abwehrmaßregel schreiten, so wird man sagen: Seht ihr, wir hatten Recht, als wir schon vor Monaten behaupteten, die Regierung sei durch die Schwärzt *n gezwungen worden, ihren Voranschlag schon vor den Wahlen zu veröffentlichen, um den Vätern der Steuerreform Material zu liefern. Daraus kann man kchon schließen, daß der Voranschlag künstlich srisiert werden mußte, um der ''arteivol'^''^"-n 2""K" *’ willen!
Wie die Regierung es auch macht, cs ist immer falsch. Sparsam soll sie wirtschaften, das ist von allen Parteien dringlichst gefordert worden, sowohl vor wie nach dem Erlasse der Steuergesetze. Würde der Schatzsekretär nicht aus Beschränkung der Ressortforderungen dringen, so würde er mit Recht als schlechter Hüter der Finanzen gebrandniarkt werden. Tut er es aber pflichtgemäß, so wirst man ihm hinterlistige Täuschung vor.
In Wirklichkeit liegt nicht der Schatten eines Beweise^ dafür vor, das; der Schatzsekretär diesmal seine Sparsamkeitsbestrebüngen über das gewöhnliche Maß tzmausgetrieben habe. Tie .-Reff '-rtchefs würden er 1 em-- ..l cuoiellose" Beschränkung ihrer Anforderungen nicht haben gefallen lassen: sie verlangen natürlich eine sachliche Begründung der Abstriche und kaffen sich nicht absveisen mit der Bemerkung, der Etat müsse diesmal im politischen Interesse „frisiert" werden.
Durchschlagend für alle denkfäbiacn Leute ist schließlich folgende Erwägung: Ter Etat für 1909 ergab bereits einen netten lleberschnß. Ter Etat für 1910 schloß s""ar mit einem ..eberschuß von 117 Millionen ab. Ter laufende etet von 1911 wird m hi b e ft c n s einen ebenso großen Ueberschnß brinaen. Tas >htb c” dc"ut «nr nicht
zu rütteln und zu zweifeln ist. Wie in aller Welt sollte der Voranschlag für 1912 plötzlich unter ei nut solchen Rückschlag geraten, daß der Schotzsekretär nur durch „beispiellose" Einschränkung der Bedürfnisse das Gleichgewicht Herstellen könnte? Rach allem, ivas bisher bekannt geworden ist, hat der Schatzsekretär nicht bloß das notwendige Gleichgewicht erreicht, sondern im Voranschlag für 1912 die Einnahmen ebenso vorsichtig und die Ausgaben ebenso reichlich bemessen, wie in den früheren Haushaltsplänen, sodaß wiederum ein beträchtlicher U e b e r s ch u ß zu erwarten ist. Bestimmt rechnet der Schahsekretör schon damit, daß die auf 50 Millionen bemessene Anleihe überhaupt nicht begeben zu werden braucht. Wenn das als „Zerrbild eines Sparetats" gescholten wird, so kann das deutsche Volk sich nur recht viele von diesen angenchmen Bildchen wüickchen!
Es ist wi.hrhast heillose Frivolität, wte die liberale treffe die eigenen Reichssinanzen vor der ganzen Wüt schlecht zu machen sucht. Erst fing die „Freisinnige Zeitung" an mit der ganz und gar haltlosen Verdächtigung der 50 Millionen-Anleihe. Unb nachdem diese Berleumduna widerlegt worden ist, greift die Nati-^ffiberale Korrespondenz für hi« Rheinprovinz zu der erdichtet-n Behauptung, der Voranschlag sei .srisiert". Da bi? znm 12. Ja- nuar noch fast vier Wochen sind, so können noch eine ganze Rcibe von weiteren Ln^n ansoetischt werden. Die Berleuntdung ist wie eine Hydra: schlägt
i»en Kcw- ^, so wachsen zwei dafiir nach. Km Großblock der Verlogenheit!
Deutsches Reich.
l Berlin, 18. Dez. 1911. Ter Kaiser empfing am Dienstag abend den Besuch des K ö n i g ft von Dänem ark. Der kurze Besuch hat ledigttch teckvaten freundlichen Charakter getragen. — Tie Lundesratsau sschüsse, die zurzeit den neuen AeichSetat beraten, werden diese Arbeit im Laufe her Woche termutlich beenden, sodaß die Etats m
den nächsten Wochen noch dem Plenum des Bundesrats zugehen können. — Die Arbeiten der Strafrechtskommission, die seit dem 1. Avril im Reichsjustizamt tagt, sind soweit gediehen, daß _te Kommission jetzt mit dem allgemeinen Teil zullanöe kommt. In die Beratung des speziellen Teils werde die Kommiss, on erst nach Weihnachten eintreten. — Der Präpdent des Kaiserlichen Eisenbahnzentrabamts Geh. Oberregierungsrat Hoff sst an Stelle des jüngst verstorbenen Ministerialdirektors Teßmar zum Mmisterialdirektor im Ministerium der öffentlichen Arbesten ernannt worden. — Landrichter Tr. v. Simson ist, wie amtlich bekannt gegeben wird, zum Geheimen Regierungsrat und Vortragenden Rat im Reichsjustizamt ernannt worden.
= Schutz der Arbeitswilligen. Die sächsische Regierung hat bekanntlich in der Zweiten Kammer ihre Bereitwilligkeit ausgesprochen, im Bundes- rat für einen dauernden Schutz der Arbeitswilligen und Geschäftsleute gegen Boykott und Terrorismus einzutreten. Zu dieser Frage hat der Reichskanzler, Blättermeldungen zufolge, seine Meinung dahin zum Ausdruck gebracht, daß er besondere gesetzgeberische Maßnahmen zum Schutze der Arbeitswilligen nicht für erforder- l t ch hielte, daß vielmehr die bevorstehende Neugestaltung unseres materiellen Strafrechts einen Anlaß zur Durchführung derjenigen Maßnahmen bieten würde, die heute für einen ausreichenden Schutz der Arbeitswilligen fehlen. Der Vorentwurf für ein neue« Strafgesetzbuch steht allerdings au einem anderen Standpunkt. Er will im Zusammenhang mit der Straffestsetzung für Nötigung keine Strafbestimmungen gegen Boykott oder zum Schutz der Arbeitswilligen schaffen. Die str.ssrechtllche Begriffsbestimmung und Abgrenzung der gemeinfchäd- lichen Bohkottfälle fei äußerst schwierig. Der Entwurf stellt sich daher auf den Standpunkt, daß die strafrechtlich« Regelung des Boykotts, gegen dessen wirtschaftliche Schädigungen die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches über die Haftung aus un- erlaubtm Handlungen einen ausreichenden Rechtsschutz gewährten, nicht in das allgemeine bürgerliche Strafrecht geboren, sondern in einem Sondergesetz vo^unehmen sei. Dasselbe gelte auch für Strafvorschriften zum Schuhe des gewerblichen Ar- beitsveihältnisses. Der dem Reichstag im Jahre 1899 vocgelegte Entwurf eines Gesetzes zum Schutze des geu»erblichen Arbeitsverhältnisses sei zwar abgelehnt, eine Veranlassung, deswegen bei der Reform des allgemeinen Strafrechts darauf zurückzukvmmen. sei nicht gegeben. Vielmehr müsse die Regelung dieser Frage, wenn sie sich als notwendig erweise, der Son- dergcsehgebung Vorbehalten bleiben.
+ Zur Neuregelung des SubmiffionswesenS. Vom reichsdeutschen Mittelstanidsverbande sind in letzter Zeit neue Bestimmungen zur Regelung beS Submis- fionswesens angeregt, die in her Hauptsache die Ermittelung des angemessenen Preis es betreffen. Zu diesem Zweck sollen Vertreter des Handwerks inebr als bisher bei der Vergebung öffentlicher Lieferungen hecangezogen werden. Emer Berliner Nachrichtenstelle wird dazu geschrieben, daß man an maßgebenden Stellen diesen Wünschen des Hand- weck-standes entgegenkommen wolle, sie aber in ein- zelnen Punkten für zu weitgehend halte. Man werde bei öffentlichen Lieferungen Handwerker, die zur Führung des Meistertitel» berechtigt seien, bevov- zugen. Auch wolle die Regierung Sachverständige aus den Hcmdwerkerkretsen bei der Prüfung von Angeboten mehr als bisher heranziehen, doch dürsten diese nur eine beratende Stimme haben, da die Behörde es sich Vorbehalten müsse, zu entscheiden, welcher Preis awgemesim sei. — Wir meinen, daß die Regierung gegenüber den Wünschen des gewerblichen Mittelstandes denn doch ein ettoa» größeres Entgegenkommen bezeigen müßte, als es nach den Mitteilungen der Nachrichtenstelle beabfichttgt zu sein scheint.
)( Lohnaufbesserung für Eisenbahn-Arbeiter. Das Zentral-Organ der deutschen Eisenbahn-Handwerker und -Arbeiter berichtet übet eine Unterredung, bte der Vorstand des Elberfelder Verbandes jüngst mit dem Eiseudahn - Minister v. Breitenbach halte. Danach erklärte der Minister den Arbeitervertretern, er müsse die Gewährung einer TeuerungS-Zu- läge grunbsätzlich ablehnen. In den nächstjährigen Haushalt sollen aber wieder größere Summen für Lohnaufbesserungen für Eisenbahn - Arbeiter eingestellt werden. Auch werde zurzeit in 14 DirektionS-Bezirken eine Lohnaufbesserung an die besonders bedürftigen Tienstgruppen durchgeführt. Dem Obmann der Eisenbahn-Rottenarbeiter sicherte der Minister bestimmt bte Beseitigung einer Reihe von Nebelständen zu, die sich innerhalb der Bahnmeistereien herauSgebilvct haben.
Ausland.
*♦ Taft österreichische Abgeordnetenha«r beschloß gestern mit 238 gegen 100 Stimmen in die Einzel- beratung über baft Budget-Provisorium einzutreten. Dagegen obstruierte» die Italiener. Der italienische Abgeordnete und Ministerial-Beamte Bugalio hielt eine 4ft»stündige italienische Obstruktion»- Rede, um durch Verzögerung der Verabschiedung des Budget-Lrovssoriums die von den Deutsch-Radikalen im BudgetauSschuß abgelehnte Vorlage über die italienische Rechts-Fakultät wieder flott zu machen. Die Rede hatte den gewünschten Erfolg. Ter Budgetausschuß wurde für heute früh emberujen und eft soll eine Lösung gefunden fein, die es ben Deutsch- Radikalen ermögliche, den Widerstand gegen die Errichtung einer italienischen Rechts-Fakultät anfzu- geben. Die Italien«, stellten daraushm die Obstrnk- tion ein.
** Sie Ablehnung W SeeprisengesetzeS ist durch baft enfllifdx Oberhaus am Dienstag mit 145 gegen SS Stimmen «folgt. — Die Ablehnung der Vorlage durch baft Oberbaus macht das Haupt» «gebnrS ba letzten Haager Friedenskonferenz in. nickte, daft ht der auf Deutschlands Anregung er
folgten Errichtung eines internationalen Oberprisrn- gerichles bestand.
•* Ficdmrverhaudlnngen in China. Aus Han- kau wird gemeldet: Tangtschaoyi hatte hier eine Unterredung mit dem R.bellensührer Liuenhung. Er wird am Donnerstag nach Schanhai zu einer Friedensberatung obtetfen. Der Friede aus Grund einer monarchischen Verfassung erscheint gesichert.
Kindliche Geschichten.
Ein! potugiesischer Revoluttonär, der sehr ringe» weiht tut, veröffentlicht der der Pariser sozialistischen „HumcmitS" eine abenteuerliche Erzählung über eine Art internationaler Monarchenverschwörung zum Zwecke der Wiedereinsetzung des Exkönigs Manuel in Portugal. Es gibt Einzelheiten über den Anteil des Königs Alfonso XIII. und des bayerischen Prinzen Ludwig Ferdinand an diesen Zettelungen, deren Fäden auch nach Berlin reichen sollen. König Alfons sei fest entschlossen gewesen, die gesamte spanische Flotte die Anker lichten und Lissabon bombardieren zu lassen. Dem Ministerprästdenten Canalejas sei es nach vieler Mühe gelungen, den König davon zu überzeugen, daß eine Schiffsentsmdung nach Portugal die nachteiligsten Folgen füv Spanien haben könne. Deutsche Truppen hätten vor einigen Tagen das portugiesische Fort Mucusso, das Fort Lebebe und die Festung Dinco beseht, die alle unweit der deutschen füdwest afrikanischen Grenze auf portugiesischem Angola-Gebiet liegen. ES handle sich um eine Besitzergreifung, die eine endgülttge werden würde, wenn mit offener oder geheimer Hilfe Deutschlands bej portugiesische Königsthron wieder aufgerichtet werde. — Es ist nichts so töricht, es wird aufgegriffen, wenn es gegen Deutschland verwendet werden soll. Wie nicht erst versichert zu werden braucht, ist die ganze Geschichte vollständig erfunden.
x Krieg Men Stollen unb der Mel.
Die Italiener sind von Tripolis aus vorgegangen und haben die Türken bei Gharian, 70 Kilometer südlich von Tripolis angegriffen.
* Paris, 13. Dez. 1911. Nach einer Meldung aus London fabelt der den Feldzug auf türkischer Seite mitrnachende Kriegsberichterstatter der ,Zentral-News' aus Dedibat, daß bte 3 t al teuer bet Gharian von ben Türken zurückgeschlagen winden und dabei schwere Berlufte erlitten. (Dehibat ist bte nächste französische Grenzstation, über bte bte Türken ihre Telegramme befördern)
Auch von einem ®rfulg der Türkei bei Beug« hasi wird wieder gemeldet:
* Konstantinopel, 12. Dez. 1911. Der Kriegs» minifter veröffentlicht folgendes Telegramm: Am 2. Dezember lieferten öle türkischen Truppen vor Beng- hafi den Italienern, welche zwei Bataillone, eine Eskadron, eine Gebir sbatterie und zwei Mnrallleusen stark waren, ein Gefecht. Die Türken hatten einen vollen Erfolg. Unter den getöteten Italienern befand sich auch ein höherer Generalstäbler. Am 3. Dezember unternahmen die Türken eine neue Attacke. Die Italiener ließen wieder zahlreiche Tote am Schlacht- fetb und wurden gezwungen, ihre Stellungen gegen die Stadt zurück zuziehen.
Zn fern RkichMgsmhlkn.
-ist Unser Wahlkampf
richtet sich diesmal fast ausschließlich gegen Sozialdemokratie und Liberale. Mit den Parteien der Rechten, den Konservativen, Frei konservativen, Deutschsozialen werden wir 'einen Streit zu führen haben, denn auch da, wo sie uns als Gegner gegenüb« stehen, bewegt sich der Wettbewerb um die Stimmen der Wähler in leidenschaftslosen Bahnen und anständigen Formen.
Ganz and«- bei den Nationalliberalen und den Sozialdemokraten, die schon heute eine so verlogene Hetze gegen daS Zentrum betreiben, wie kaum jemals zuvor. So lesen wir in dem offiziellen Flugblatt der nationalliberalen Partei u. a. folgende Unwahrheiten:
,Da» Zentrum hat in erster Linie die Inte- reffen bete römisch-katholischen Kirch« im Auge, alles ander« kommt erst in zweiter und dritter Linie, auch das Vaterland.
Das Zentrum macht nicht das Wohl d«s Deutschen Reiches unb Volk«» zur Richtschnur feine» Handelns/ GS ist daS die trotz aller Gegenbeweise stet» wiederholte alle Verdächtigung, daß das Zentrum keine vaterlaudSfreundliche Partei sei.
AlSdann fährt baft Flugblatt vier Seiten lang mit Verdächtigungen gegen bal Zentrum fort; am Schluffe heißt es:
»Jeder Verbündete de» Zentrum» wird am Ende der Betrogene sein." Das ist daS offizielle Wahlflugblatt der Nationalliberalen, unb boch hoffen biese, in bet Stichwahl bie Stimmen d« Zen- trumSwühi« zu «halten!
Die Sozialdemokratie bleibt natürlich hinter solchen Kraftleistungrn nicht zurück, fie »«breitet eine Schrift, in bet eft heißt:
, . . . Das Zentrum mit feinen Herzögen, Grafen unb geistlichen Würdenträgern ist noch an jedem Bolkftverrat und jeder
Volksbedrückung beteiligt gewesen und buhlt troydem roteber bei den Wahlen um bi- Stimme bet Erwerbstätigen."
Bei dieser Gemeinsamkeit der Anschauungeo und des ZenirumShaffes ist es kein Sßunber, daß Liberale und Soziatdemokraien in Bayern, Baden, Eisaß-Loihringen bereits r. festes Wahlbündnis geschlossen, haben, uri das Zentrum und bie konservativen Parteien «a vernichten.
Es ist aber auch kein Wunder, daß die Parteien, die das gemeinsame Angriffsobjekt der Liberalen und Sozialdemokraten bilden sollen, die Parteien d« Rechten und des Zentrums, sich ihrer Haut wehreit und gegenseitig nach Möglichkeit unl«stützen.
Deshalb hat der geschästssührende Dusfcku?. der Zentrumspartei für den Reg.-Bez. Kasse' beschloffen,
den Zentrumskomitees der einzelnen Wahlkreise zu empfehlen. überall da. wo keine Zentrumskandidalei. aufacstellt find, schon in der Haupt wähl die Stimmen für die Kandidaten der rechtsstehenden Parteien, alio für die konservativen, deutschsozialen und freikonservativen Kandidaten abzn- steben.
Durch ein solches Eintreten schon bei bei Hauptwahl soll nach Möglichkeit vermieden werden, daß bie Rechte in der Hauptwahl unterliegt, und unsere Wähler vor bie unangenehme Tatsache gestellt werden, in b« Stichwahl nur zwischen zwei uns gleich feindlich gesinnten Parteien, den Sozialdemokraten und Liberalen, entscheiden zn müssen.
*
♦ Zu Wahttonmmsaren für bte Relchstagswahler. find in den 8 Reichstagswahlkreisen bes RegiemngS- b^irks Kassel folgende Herren ernannt worden:
1. WaUkrejs: H o f g el S m ar-G rafsch af> Schaumburg'-Wolfhagen: Wahlkommiffar: Kgl. Landrat Frhc. Riedesel zu Eisenbach In Hofgeismar; Stellvertreter: Kgl. Lanbrat Geh. Reg.- Rat v. Bttttlar zu Wolfhagen.
2. Wahlkreis: Kaf f el-Melsun g «n: Wahl- kommiffar: Kgk. Landrat Rabe v, Pappenheim in Kassel; Stellvertreter: Oberbürgermeister Müller in Kassel.
3. Wahlkreis: F i tz lar»H omb e r z-Z ie- genhaln. WahUommissar: Kgl. Landrat Kammer- Herr v. Schwertzell in Ziegenhain; Stellvertreter: Kgl. Landrat Geh. Reg.-Rat Noeldecheu in Fritzlar.
4. Wahlkreis:, Eschwege-Schmalkaldew Witzenhausen. Wahlkommiffar: Kgl. Landrat Kammerherr v. Keudell in Eßchwege; Stellvertreter: Kgl. Landrat Geh. Reg.-Rat v. Bischoffshausen in Witzenhausen.
5. Wahlkreis: Frankenberg^Kirchhain- Marburg: Wahlkommissar: Kgl. Landrat von Loeuxustein zu Löwenstein in Marburg; Stellvertreter: Kgl. Landrat Geh Reg.-Rat Riesch in Frankenberg.
8. Wahlkreis: Hersfelb-Hünfeld-Roten bürg: Wahlkommiffar: Kgl. Landrat v. Gm- nelius in Hersseld; Stellvertreter: Kgl. Landral Tuarcke in Rotenburg.
7.WablkreiS>: Fulba-Gerrferd-SchlüH- tern: WahlkommUar: Kgl. Lanbrat Sprlngorum in Fulda; Stellvertreter: Kgl. Landrat Frhr. b. Dörnberg in Gersfeld.
8. WahlkeiS: Hanau-Gelnhausen: Wahlkommissar: Kgl. Lanbrat Frhr. Lauer v. Münchhofe« zu Hanau; Stellvertreter: Oberbürgermeister Dr. Gebeschuß in Hanau.
Wahlkre iS Fulda-Gersseld-Schlüchler«.
f“) Fulda, 14. Dez. 1911. Die Leitung der Zentrumspartei, die gestern abend eine Sitzung ab« hielt, besprach eingehend die Wahlagitation. Es ist vorläufig in Aussicht genommen, Wähter-Berfamm« hingen abzuhalten in Fulda, Reuhof, Flieden, Salmünster, Hilders, Gersfeld, Großenlüder, Poppen- baufett, Hofenfelb, Oberblmbach, Petersberg, Künzell, Hora», Pilgerzell, Salzschlirf, Wüsten- fachsen, Divperz, Milseburg, Haimbach, Johannesberg, Marbach, dtiederbieber, Mtttelkalbach, Hainzell, Weyhers, Kerzell, Schmalnau, Steinhaus, Eichenzell und Hattenhof. Heber einen Beschluß de» Geschäsrsführenden Ausschufles der Zentrumspartei für Kurhrffen ist in dem obenstehen- den Artikel berichtet.
* Offerte^ a. M., 12. Dez. 1911. Eine Ver- sammlung, bte von Konservativen nach Dieburg einberufen worden war, sollte zur Aufstellung des KreiSamtmanns Etamml« als Sammelkandidaten unt« nationalliberaler Flagge führen. Die Natio- nalltberalen erklärten sich damit jedoch nicht einver- ftanben, sondern verlangten die (Knbetcufung einer neuen Versammlung, zu der auch Vertreter der Fortschrittlichen BolkSpartei eingeladen werden sollen.
* Dtiebrüd, 13. Dez. 1911. Für Meppen« Lingen-Bentheim ist Amtsgertchtftrat Engeien« Osnabrück vom Zentrum ausgestellt worden.
• Breslau, 13. Dez. 1911. Die «Echtes. Bolksztg.' bringt heute die Beschlüsse der schlesischen Zentrums- Partei; danach unterstützt baft Zentrum di« rechtftstrbenben Km bieate« bereit» rat «ft««