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mutwdi 13. d-1-mtn 1911
58. )aqrga«g.
Leitung
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2. Blatt.
»n» mr» Verlag der 5»idarr atfitflbtHderd in 5*46«.
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geeigneten und katholischen Bewerber gewählt ,u sehen, in rechtfertigen. Meine Fraktion steht sich daher genötigt, den Antrag zu stellen, die Besetzung de» neuen BetgeorvnetenpoftenS ausjuschretben. Sollte vielem Anträge nicht ftattgegeben werden, so würde meine Fraktion zu ihrem Bedauern nicht in der Lage sein, an der Abstimmung sich zu beteiligen. Ausdrücklich soll hiermit jedoch dieser Schritt dahrn gedeutet »werden, daß darrn keinerlei Stellung gegen die Person deS in Frage kommenden Bewerbers oder dessen Besähtgung zam Ausdruck kommen toll."
Der Antrag der Zenirumsfraklion wurde aber von der liberalen Mehrheit, Die an Unduldsamkeit ihresgleichen sucht, abgelehnt und der vorgeschlagene Regterungsassessor Dr. Treullein als besoldeter Beigeordneter gewählt.
die untersuchen soll, wie in der Organisation der Vermattung Ersparnisse erzielt werden können.
Deutfehes Reich.
♦ Regierung und Geistlichkeit. Der Kreis Kreuzt» nach mit dem kleinen Steile Meisenheim zählt etiva zusammen 130 katholische und 170 protestantische Lehrpersonen, die seit zirka 30 Jahren stets zwei protestantischen KreiSschultnspefe- toten unterstehen. Als im Mai d. I. der Kreis- schulinspcktor deS Bezirke? Kreuznach starb, wandte sich die gesamte Pfarrgeistlichkett der beiden Kreise Kreuznach und Meisenheim in einer offiziellen Ein" gäbe an die Regierung zu Koblenz mit der Bitte, man möge jetzt die Kreisschulinspektionen nicht mehr nach Bezilken, sondern nach Konfessionen trennen. Der Eingabe war eine ausführliche Begründung 6eigegeben und gleichzeitig auf andere Kreise hingewiesen, wo eine derartige Trennung sogar unter erschwerenden Umständen durchgeführt sei. Die Geistlich«! bekamen überhaupt keine 9tnth wort sondern zum 1. Oktober wurde die Kreuz- nacher'Schulinspevion einfach wieder mit einem protestantischen Kre>Ächulinspektor besetzt. Da beklagten sich die Geistlichen am 13. November in verschiedenen Zeitungen, und nun fand die Regierung am 15. November die Sprache wieder und gab folgende Antwort:
Koblenz, den 15. November. Die Eingabe vom 23. Mai er. ist geprüft worden. Wir haben sie durch die zum 1. Oktober er. eifolgte und im Amisblatl vom 14, September veröffentlichte Neubesetzung der Kreis- ichuliuspellion Kreuznach als erledigt angesehen. Wir stellen ergeben« anheim, den Herren Unrerzeichnern hiervon Kenntnis zu gebe«. Löffel.
Gegen die Art, tote hier eine Königliche Regierung die offizielle Eingabe von sämtlichen katholischen Geistlichen zweier Dekanate abzutun bezw. als er- £coin± beliebt, muß doch im Interesse eines
friedlichen ZujamMenarfeklWrö vNisch^tden ^Einspruch erhoben werden. Auf eine offizielle Eingang ge^Ü^k auch wohl eine offizielle Antwort und zwar unter Anführung der Gründe, weshalb die Königliche Regierung der Eingabe nicht stattgeben könne. Die einfache Nichtbeachtung eines Wunsches kann nicht als „Erledigung" einer offiziellen Eingabe angesehen werden. Die Regierung nimmt es immer sehr übel, wann jemand seine Klagen und Wünsche - Trtrt?'- » Sie Presse gibt; aber, wenn man. wie es hier der Fast wär, S^nnjmnfcigen Weg eiw- schlägt, dann bekommt man einfach i e T ü C =»- w o r t. Dabei handelt es sich im vorliegenden Falle keinestvegs um eine Bagatelle, sondern um die Erfüllung eines berechtigten Wunsches sämtlicher katholischen Lehrerpersonen, katholischen Geistlichen und katholischen Eltern zwv'er Sreife, die gewiß aus Paritätsgründen verlanaen können, daß, nachdem 30 Jahre zivei protestantische KreiSschulinlpektoren in dem fast zur Hälfte katholischen Kreise Kreu-nach an gestellt warm, nun endlich auch dem katholischen Teil der Bevölkerung fein Recht und wenigstens einmal auch ein katholischer Kreisschnlinspektvr über die katholischen Schulen angestellt werde.
*♦ Krefeld, 10. Dez. 1911. I» der letzten Stadt- uerordnetenversammluug erfolgte die Wahl eines besoldeten Beigeordneten. Oberbürgermeister Dr. Johansen schlug im Einverständnis mit der liberalen Mehrheit der hierfür emgrsehten Kommission den Regierun isaffessor Dr. Treufiein vor, welcher zwei Jahre bei der Stadt beschäftigt ist. Namens der Zentrumsfraktion gab Iw st-zrat Krüsemanu folgende Erklärung ab:
„Fm vorliegenden Fille wäre meine Fraklion bereit geicefen, ohne die sonst übliche Aueschre-bung mit der anderen '-i-artei auf die Wahi des vorgesckilageuen Kandidaten sich zu vereinigen. Sie knüvtte aber daran die Voraussetzung, dab in der Komimffion von feiten der liberalen Partei eine Erklärung abaeaebeu würde, wodurch bei demnächssiger Vakanz die Wahl eine? .Katholiken bei gleicher SefäMaung in gesicherte Aussicht gestellt werde. Die Mitglieder der liberalen Pa lei in der Kommission iahen sich nicht imstande, eine wiche Erklärung zu erleilen; dieselben waren, auch nut zum Teil, nur bereit, allgemein und ve iönüch zu bekunden, dah sie bei ihr r bisherigen Hall mm »er« bleiben würden, welche die Wahl eines Stalboliten in Zukunft ebenfomenig ausschlreße, wie die eines Evangelischen. Diese Stellungnahme konnte der Benfrum?- fraktion im Interesse der von ihr mit Recht begehrten Handhabung der Parität bei der Besetzung der oberen Verwaltungsstellen nicht genügen, tun einen Verzicht auf Ausschreibung der Beigeordnelenstelle und damit den Ausschluß der Möglichkeit, einen besonders
totales.
Fvlda, den 13. Dezember 1911.
h Handwerkskarmnerwahletl. Nach Ablauf der sechsjährigen AmtSdauer scheiden am 31. März 1912 auS der Handwerkskammer zu Staffel und ihres Gesellenausschusses aus: 1) in dem 4. Wahlbezirl für die Handwerker- und Gewerbevereine, der die Streise Fulda, Schlüchiem, Gelnhausen, Hanau Stadt und Land umfaßt, das Mitglied der Kammer, Schneidermeister K. Müller zu Hanau und dessen Ersatzmann, Zimmermeister I. Fritz zu Fulda; 2) in dem 6. Wahlbezirk für die Gesellenausschüsse, umfassend die Streife Rotenburg, Hersfeld, Fulda und Gersfeld, das zurzeit fehlende Mitglied (das frühere Mügttefe, der Metzgergeselle R. Draude in Fulda ist durch Verziehen aus dem Kammerbezirk auTgeschieden) und der Ersatzmann Metzgergeselle K. Rudolf zu Fulda. — Wahlberechtigt für die Wahl der Kanunermtiglre- der sind in den Bezirken der Handwscker- und Gewerbevereine diejenigen Gewerbevereine und sonstigen Vereinigungen, welche die Forderung der gewerblich m Interessen des Handwerks verfolgen und muS bestens zur Hälfte ihrer Mitglieder aus Handwerkern bestchen und im Kammerbezirk ihren Sitz haben (§ 103a Abs. 32 Gew.-Ord.); und für die Bildung des Gesellenausschusses der Kammer die Gesellenrus- schüsse der in dem Wahlbezirk bestehenden Handwerker-Innungen. Wählbar zur Kammer sind diejenigen Mitglieder der wahlberechtigten Körperschaften, tie 1) zum Amte eines Schöffen wählbar sind, 2) das 30. Lebensjahr zurückgelegt haben, 3) im Bezirk der Handwerkskammer seit mindestens drei Jahren ein Handwerk selbständig betreiben, und 4) Die Befugnis 'M fateiüU SS? Lehrten besitzen. - Zu dem Gesellenausschuß ist jeoev uei t-.ui Handwerker-Innung des Bezirks beschäsr^ch feste, der zum Amt eines Schöffen fähig ist, wählbar.
! ! Für Markensammler! Er ist noch verhältnismäßig wenig bekannt, daß der Bonifatius Sammel» rertin aucl Briefmarkm aller Länder gerne annimmt und solche zu Gunsten des Vereins verwertet. Die Verwertung erfolgt von einer Zentralstelle aus. Dieselbe ist gerne bereit, Auswahlsendungen in sehr gefällig zusammengestellten Heften zuverlässigen Per- jxiten zur Verfügung zu stellen. Ein hiesiger Herr hat sich bereits solche beschafft und übernimmt weitere Vermittelung. Die Exp edttton gibt auf Anfrage den Namen bekannt. Wir möchten Sammler mfi diese vorteilhafte Gelegenheit, die lediglich der Förderung eines guten Zweckes dient, aufmerksam machen. Ettern können auf dies: Weise ihren Marken sammelnden Kindern eine hübsche Bereicherung itlrtv Sammlungen verschaffen und dadurch nicht nur diesen eine Weihnachtsfreude bereiten, sondern auch eipTtr. guten Zw«k fördern.
rt Schösfengerichtsvkrhandlunge». Gestern erhielt der 37 Jahre alte Kestner F. W., gebürtig aus dem Zaalkreis bei Halle, der wegen Bettelns schon 10 Mal vorbestraft ist, auch schon 1 Jahr im Arbeitshaus zngebracht hat, wegen Bettelns eine Haftstrafe von 3 Wochen und soll nach verbüßter Strafe der Landespolizeibehörde überwiesen werden. — Der Arbeiter und Schuhmacher 9t. war der Reserve- ieuerwehrübnng am 18. Juli ohne Entschuldigung fernaeblieben. Gegen die Polizeistrafe von 3 Mk. beantragte er gerichtliche Entscheidung. Er wurde gestern in eine Geldstrafe von 6 Mk. nebst Kosten verurteilt. In dieser Sache stand schon der dritte Termin an. — Ter wiederholt wegen Betrug vorbestrafte LSjähriae Reisende P. ß von Reuhaus, der einen hiesigen Oberkellner um 18 Mk. betrog, erhält zu der z. ßt. verbüß nden Gefängnisstrafe in Mühlhausen i. Thür, von 3 Monaten und 2 Wochen eine Zusatzstrafe von 2 Wochen. — Dem Jagdaufseher und Handelsmann O. B. von hier wird zur Last gelegt, am 16. Sept, den Hund des Bürgermeisters Sch. in R. totgeschossen zu haben. In dieser Hundegeschichte waren 5 Zeugen zu hören. Ter Amtsanwalt beantragte wegen der vorsätzlichen und rechtswidrigen Tötung des Hundes 1 Woche Gesängnis. Der Verteidiger plattierte auf Freisprechung eventl. auf milde Geldstrafe. To?
Ausland.
♦♦ Bon der Tagung der Zuckerkommisfion in Brüssel. Die Zuckerproduktion und die Ausfuhr von Zucker ist bekanntlich nicht in das Belieben der ein- zelnen Staaten gestellt, sondern wird durch eine internationale Kommission geregelt, über deren Einhaltung eine ständige Kommission wacht, deren Sitz in Brüssel ist. Diese Kommission, die aus Vertretern verschiedener beteiligten Staaten zusammengesetzt ist, ist seit Freitag wieder in Brüssel zusammengetreten, um die Anträge Rußlands zu prüfen. Rußland hatte die Ermächtigung gehabt, seine Zuckerproduktion unter der Bedingung aufrecht zu erhalten ,daß für die Zeit von 1907—1913 feine Gesamtzuckerausfuhr nach den an der Konvention beteiligten Staaten 1 Million Tonnen nicht übersteigt. Nach dieser Bestimmung dürfte Rußland für 1911/12 nut noch 200 000 T. ausführen. Bereits 1908 wurde jedoch angeregt, bei besonders hohen Zuckerpreisen ev. Rußland eine bä-hete Ausfuhrziffer einzuräumen. Nun hat aoer eineii @mteau§faff
von nahezu 2 Mill. T. ergeben.j fmuieap
Rußland eine Erhöhung seiner Ausfuhr von 200000 auf 600 000 T. Die ständige Kommission hat schon einmal diese Forderung beraten, kam aber zu keinem Beschluß, weswegen die neuerliche Beratung notwendig wurde. Rußland ist bereit, seine Forderung auf 500 000 T. zu ermäßigen und wäre auch mit einer Erneuerung der Konvention einverstanden, wenn ihm eine jährliche Ausfuhr von 20 Pro;, seiner Produk- A- -vSifM würde. Zugleich verlangt es, daß es, toenn"'einmal seine ÄL-ßch? wcht erreicht wird, im nächsten Fabre den Ausfall mit missiiyrttt Ast
** Das Alkoholverbot auf Island, das erste G e- s e tz durchgreifender Art, das in Europa 'in der Anti- Mobolbeweaung zur Geltung kommt, wird, nachdem er jetzt die Bestätigung des dänischen Königs erhalten hat, am 1. Januar 1912 in Kraft treten. Die Schwierigkeiten der straffen Durchführung des Vev- boisgesetzes dürften auf Island, bei der abgesonderten Lage der Insel, nicht allzu groß sein. Eine Kontrollbehörde ist errichtet toorben, die streng darüber zu wachen hat, daß keine berauschenden Getränke — als solche gelten nach dem Gesetz Branntwein, Wein und über 2% Proz. Alkohol enthaltendes tgier — ans Land gebracht tverden. Alkohol wird nur dann eingeführt werden bürfen. wenn es zu industriellen, chemischen oder medizinischen Zwecken geschieht- alle Bestellungen auf Alkohol zu diesen erlaubten Zwecken sind aber durch den staatlichem Inspektion? beamten aufwgeben. Alkoholische Getränke dürfen bei einer Geldstrafe von 56 bis 1125 Mark auf der Insel nur dann von Ort zu Ort geführt werden, tvenn das Gesäß ober Behältnis mit dem Amtssiegel des JnsvekttonIbeamten versehen ist, und die Eigentümer der Getränke dürfen solche weder verkaufen noch verschenken. Die Kaufleute und Wirte jedoch, die nach einem früheren Gesetz eine Konzession zum Verkauf oder Ausschank von alkoholischen Getränken haben, dürfen ihre Vorräte bis zum 1. Januar 1915 absetzen. Hierbei handelt es sich aber natürlich nur um die Vorräte, die Ende diese? Jahres vorhanden sind. Es verlautet, daß in den letzten Monaten recht erhebliche Vorräte alkoholischer Getränke auf Island eingeführt worden seien. Ist dies der Fall, so wird eine durchgreifende Wirkung des Gesetzes in der Uebergangszeit kaum festznstellen fein
♦* Japan will sparen. In Uebereinftimmunc mit der Finanzpolitik des Kabinetts ist durch Taffer- licbe Verfügung eine Kommission eingesetzt worden.
R. Teuerung und Revolutioushetze.
Die Sozialdemokratie ist eine resolut io» näre Partei. Mit diesem knappen und klaren Satz haben die Führer oft genug die wahren Absichten und Ziele der Umstm-zpartei -mIesprochen Wenn die Sozialdemokratie bisher in vor Taten zurückgefchreckt 'st- das Hervorbrechen revolutionären Geistes und Wrllens bei den verschiß densten Gelegenheiten haben die Führer nie verhindern können und wollen. ..
Eine Zeitlang galt der Massenstreik als das beste Mittel zur Revolution; er ist seit dem letzten Parteitage in den Hintergrund getreten und soll erst revolutionär eingreifen, wenn ein gewaltiger Krieg, der „heute die Revolution in sich birgt* („Vorwärts* Nr. 66), seine verheerende Wirkung getan hat. Dagegen haben die Teuerungsde» batten im Reichstag der Sozialdemokratie wieder einmal dm Anlaß gegeben, die kommenden Reichs'- tagswahlm zu „Hungerwahlm* zu ftmepeln _ unb sie als Vorläufer der Hungerrevolten zu begrüßen. In diesem Sinne schreibt die „Bremer Bürger-Zeitung* in Nr. 250: „Darum werden die ReichS- iagsivahleir nur das Vorgefecht bilden, das die Erbitterung des Volkes gegen das Svstem der AuS- hungemng der Welt demonstrieren wird. _ Die Hauptschlacht wird nach den Wahlen ansgekompst, und das Brust an Brust, Klasse gegen Klaffe*. Dendlicher wird die „Frankfurter Volksstimme* in ihrer Nr. 249: „N och immer stand an der Schwell« einer großen Revolution eine große Hungersnot*. Die „Leipziger i Volkszeitung", Nr. 250, sieht wenigstens schon in Rußland die Flammen der Revolutton emporlodern, den Anstoß soll die allgemeine Mißernte geben. Schon einige Tage vorher hatte feh ^Leipziger Volkszeitung*, Ns 945, fr’- Hinblick auf die deutschen Kerbättniffe aus einem Artikel des Jahres 1906 wiederholt: „Die Drachensaat ist aufgegangen! — Es gibt teilte Hungersnot mehr wegen totaler Mißernten. Hier aber handelt es sich um eine mit voff ler Absichtlichkeit und teuflischem Raffinement herbeigeführte Hungersnot*. Damals sollte der neue ™ Schaft treten, dessen „Trachensaat* jetzt Zou.cckfl Q,;t,riger Volkszei-
aufgegangeu ist. Die vosi _
hmg* am 28. Febr. 1906 vorausgesagte „^.euerüil^r- periode" soll in diesem landwirtschaftlichen Nofiahr „mit zermalmender Wucht über uns bereingebrochen* sein „Namenloses Elend grauenhafte Kindersterblichkeit, ArbeiMosi-'k »'. rfefen’f'afte Aussperrungen sind über die Arbeitsklasse Deutschlands dahingegan- gen und habüi ihre tiefen Leidensfurchen zunickge- laffen*. Die Schuld tragen feie ..kapitalistischen Schluckspeckte" und fei-e „Ausdeutercliguen*.
So wird bas Volk vor den Reichstagsumhlen mit revolutionsblufigen Phrasen und dem Gespenst der Hungersnot aufgepeitscht. „Arbeiten und Hungerni Das ist das Los des arbeitenden Volkes!* heißt es schwarzumrahmt in der Doftmunder „Arbeiter- Zeitung" Nr. 250. In gemeiner Hetze schreibt die „Brandenburger Zeitung* in Nr. 254:
Es sprach das Bott.
Es sprach das Volk: „Ibr ichlait auf weichem Eider, Nus aber friert, ihr Reichen, habt Erbarmen Drauf sprachen sie: „Ihr habt ja statt der Kleider Die Eisenseffeln an feen nackten Armen." Es sprach das Volk: „Ihr tafelt unter Blumen, Uns aber hungert, o, hört auf zu prassens" Draus sprachen sie: „So sammelt euch feie Krumen, Die unsere fetten Hunde liegen lassen."
Es sprach das Volk: „Ybr trinkt aus golfenen Schalen, Uns aber feüiüet, wollt uns nicht vergessen!" .Draus sprachen sie: „So lindert euch die Qualen Und trinkt feie tränen, feie wir euch e,pressen."
Diese sinnlosen Ueber.treibungen und gereimten Unwahrheiten bilden allerdings eine Saat, aus der die Revolution ersprießen kann- sie beweisen ab« auch, daß die Sozialdemokrafie mit allen Mitteln die Revolution vorbereitet und dazu hetzt und auf der ande n Seite dem Staate die Verantwortung zusckiebt. Eine Derantwortung von g ei williger Tragweite besteht in Wahrheit für die Staatsgewalt feie nämlich, daß man den preistrei- bendru, sozialdemokratischen Teuerungsschreiern, R e- voluttonsmachern und Wahlspekulan- t e n endtick) mit rücksichtsloser Energie eutgegentre- jen mutz.
X Was schenken wir?
Rudolf Euifen hat vor kurzem eine Schrift „Können wir noch Thristen sein?" herausgegeben. Wer den Jenaer Religionsphlisopben kennt, Iveitz, daß fein In- ; nerstes an dieser lange verhaltenen Frage beteiligt ist) tueifs auch,daß die wohlabgewogene Antwort „nein" und „ja" lauten wird. Keine der beiden christlichen Konfessionen, so sagt er, vermag dem wellgeschichtlichen Stande des Geisteslebens Genüge, zu tun; die katholische ist unheilbar erstarrt, die protestantische, unrettbar zersplittert. Mit dem iiberfoinmenen Christentum gibt cs für den modernen Menschen keine Gemeinschaft unb kein Paktieren. Unmöglich ist eS ihm. an das Zentraldogma der Menschwerdung Gottes, an daS Mittleramt und den Sübnetod Christi, an all die Un- terscheibungslehren der äußerlich festen, innerlich er- schütterten hergebrachten Religion zu glauben. Ist daS wahr? Ist das überTcunuene Christentum wirklich außerstande, das, tvaS an den Erfahrungen und For. berunaen der weltoeschichtliaun Lage echten Bestandes ist, in sich aufzunehmen und es zu verwerten? Steht in der Tat die vom Christentum festgehaltene Vorstellung mit den gesicherten religions- und natur- wiffenschaftlichen Erkenntnissen unserer Zeit in Widersprach? Cft genug treteu diese Fragen auch vor feen gebildeten Katholiken hin. Sie können für ihn nicht in der Schlvebe bleiben, ohne daß feie Religion für ihn Kraft und Würde verlöre. Er will und muß anderen und vor allem sich über sein Höchstes Rechen- schäft geben können. Da kommt seinem Kämpfen um wissenschaftliche Begründung der Glaubensüberzeugung ein Werk zu Hilfe, das, von Fachmännern versaßt, in ansprechender Darstellung baS Fundament der la- iholischen Glaubensüberzeugung entwickelt, das in einer Reihe von Traktaten nachweist, daß in Wahrheit nirgend eine unüberbrückbare Kluft gähnt zwischen der christlichen Weltauffaffung und der Weltwirklichkeit und zwischen deren beiderseitigen Forderungen. In dem soeben erschienenen ersten Bande dieses lange ersehnten, „Religion, Christentum, Kirche* benannten Werkes (Verlag Kösel, Kenipten, geh. 6 Jt, geb. 7 t<) bietet der eine der beiden Herausgeber, Maukbach, als Einleittmg und formale Orientierung eine religiöse Erkenntnistheorie unter dem Titel „Dre Religion und das moderne Seelenleben". Der andere Herausgeber, Esser, weist in der Abhandlung „Gou und Wett" aus feer Schöpfung das Dasein eines höch
sten geistig-persönlichen Wesens nach. Ob der Begriff der übernatürlichen Offenbarung mit dem wahren Gottesbegriff vereinbar ist, und wie diese Idee einer übernatürlichen Ordnung sich zur Natur des Menschen ; verhält und als Wirklichkeit dem Menschen erkennbar tvirfe, untersucht einer der Mitarbeiter, Pohle, in dem Beitrag „Natur und llebernatur", während zwei andere Mitarbeiter sich über die „Uroffenbarung als Anfang der Offenbarungen Gottes" (P. Schmidt S. V. D.) und über „Die Religion des Alten Testamentes in ihrer Einzigartigkeit unter den Religionen des alten Orients" (Peters) sich verbreiten. Im Mittelpunkt der Untersuchungen des zweiten Bandes, der nach tranigen Monaten folgen soll, wird der Vollender der Offenbarung, Jesus Christus und die Kirche stehen. Es iss so, Ivie Eucken sagt, „ein schroffer Zwiespalt zerreißt heute die christliche Welt und gefährdet alle Kraft mtf> Wahrheit ihres Leben". Umsomehr ist es uns Bedürfnis und Pflicht, die Einwände der modernen Wissenschaft gegen den ererbten Glauben wissenschaftlich überwinden zu lernen. In dem vorliegenden apologetischen Handbuch, das sich vor allem an die gebildeten Laien wendet, erhalten wir eine sieghafte Waffe für diesen unerläßlichen Kampf.
„Den glorreichen Gottesstaat, wie er sich im Ablauf der Weltzeit darstellt", bildet, mit Augustinus zu reden, die katholische Kirche. Ihre Stiftungsurkunde ist von Christus ausgestellt. In dieser Ueber- zeugung werden wir bestärkt, wenn wir zu den literarischen Quellen deS Christentums selbst, wie sie nächst den Evangelien in den Schriften der Kirchen- Väter rauschen, Vordringen. Doch nicht vielen ist es vergönnt, unmittelbar aus ihnen zu schöpfen. Dankbar wird sich aber mancher der andern fee? Dolmetschen bedienen, wie er sich in der soeben eröffneten neuen Ausgabe der Köselschen Bibliothe k der Kir- chenväter in Uebersetzungen iherausgegeben von Bardenhewer, Schermann und Wehmann) anbietet. Ein apologetisches Sammelwerk von seltenem Reize. Längst verrauschte Zeiten werden lebendig, als wären sie Gegenivart; reden sie doch in unserer Herzenssprache von unferm tiefinnersten Besitz. Die Mitarbeiter der Bibliothek beschäftigen sich, wie die beiden vorliegenden Bände: 1) DeS hl. Kirchenvaters Aurelius Augustinus Gottesstaat, Buch 1—8, von Professor Dr. Schröfeer; 2) DeS hl. Dionysius Areopagita angebliche Schriften über die beiden Hierarchien, von Pros. P. Stiglmahr S. J.; DeS hl. Gregorius ThaumaturguS
ausgewählte Schriften, von Prof. Dr. P. Bouricr O. S. B.; Des hl. Methodius von Olympus Gaftmahl oder Die Jungfräulichkeit, von Dr. Fendt beweisen, die patristische Literatur in treuer und doch lesbarer llebersetzllng zu vermitteln. Die auf 60 Bände berechnete Bibliothek soll nach 6 Jahren abgeschlossen vorliegen. Einzelpreis des ersten Bandes geh. 3,50 <«, Seilt. 4,30 M, Halvperg. 4,80 t<; des zweiten Bandes 3 <*, 3M <«, 4,30 A.
Die christliche Philosophie steht sich einer scheinbar erdrückenden Uebermacht gegenüber. Dennoch zagt sie nicht. Ein hofftiungsfrenfeiger Zug geht durch das Buch Max Ettlingers „Philosophische F r ag e » d e r Gegenwart" (Kösel, Kempten, geh. 5 <Ä, geb. 6 <Ä). Es bietet bei der Orientierung über Einzel- fragen auf dem Gebiete der uwderneu Psychologie und Nal»:rphilosophie, toie in den philosophischen Charakterbildern stets auch Ausblicke auf den Zusammenhang der behandelten Gegenstände mit den großen Welt- anschauungsfmgeii, zu feeren Klärung und Lösung es sein Teil beiträgt.
Welche Anziehungskraft die biblischen Stoffe auch auf die Künstlergeneration unserer Zeit ausüben, zeigt überraschend deutlich das Kirckheunsche Sammelwerk „Die Bibel in der Kunst". Vieles freilich, was feie Moderne auf diesem Gebiete schafft, läßt innere Anteilnahme an dem Gegenstand der Darstellung und, gläubige Durchdringung des Stoffes vermissen. Religiöse Wärme und Innigkeit bei glänzender Technik atmen Sie Bibel-Bilfeer Gebhard Fugels, die in je 12 Darstellungen Haupiinomente und Hochstimmungen aus feer Heilsgeschichte des alten und neuen Testamentes in glücklicher Realistik wiedergebe». In Vierfarbendruck vervielfältigt und in einer kleinen uni> einer großen Ausgabe erschienen lKösel, Kempten, IL A. 6 Lfg. zu 4 alle 24 Kunstblätter in Mappe 24 <K, Einzelblatt 2,50 Jt; gr. A. 6 Lfg. zu 7 <M= die ganze Serie 42 Einzelblatt 3,50 M), bieten sie sich für häuslichen Kunstgenuß, wie für den katecheti- schen Unterricht und als Wandbilder an. Die Verwendung der Bilder in der Schule wollen die beigegebenen „Erläriterungeu" fördern, die den ungenannten Verfasser als feinen Kunst- und Seeleiikenuer verraten. — In einer eigenen gehalt- und geistvollen Schrift, „Bibel-Bilder" trägt AlfonS Heilmann „Gedanken zu religionspädagogischen Wertung biblr- scher Kunst* (Kösel, Kempten, geh. 2,o0 M, geb. 3,50 <X) vor und orientiert über Wert unb Unwert
der bedeutendsten biblischen Bildersammlungen und illustrierten Buchwerte von heute. Eine Reihe ein« unb mehrfarbiger Probebilder ermöglichen dem Leser eigene Anschauung.
Leben und Schaffen von fünf bedeutenden Persönlichkeiten näherer und ferner Vergangenheit bilden den Inhalt von ebenso vielen neuen Veröffentlichungen fees Köselschen Verlages. Ins zwölfte Jahrhundert führt Johannes May den Leser seines Buches Die hl. Hilfeegard von Bingen (geh. 5,20 geb. 6, 20 <«). Der bekannte Elisabethforscher Huys- kcns gibt mit seiner Veröffentlichung „Der sog. L i- bellus de dictis quatuor ancillarum s. Elisabeth confectus” (geh. 6,60 ,<) jenen, die sich wissenschaftlich mit dem Leben der hl. Elisabeth befassen wollen, eine kritische Ausgabe der für die Geschichte der Landgräfin von Thüringen grundlegenden Die- nerinnenaussagen an die Hand. Eine längere Einführung unterrichtet gründlich über den Stand und feie schwebenden Fragen der Elisabethforschuiig. Und nun mit einem Sprung über die Jahrhunderte zu drei Politikern großen Stils, deren Namen, mehr oder tveniger tief eingegraben, aus Klios Granittafeln nicht getilgt wert»en können. Mehr als eine vage Vorstellung von der Bedeutung beS Mannes, der die Bewunderung eines Napoleon erregt, seine Zeitgenossen im Innersten gepackt hat, darf man einem Dnrch- ' schnittsgebildeten nicht vermuten. Und doch ist es von feltenem Reize, die scheinbar regellose Kurve seines Lebens zu verfolgen. An GörreS Wiege stand als Ziehmutter die Allfilärnng. Die Jakobinermütze auf wirren Haaren tummelt der Jüngling hinter feem Nevolutionskarren einher, um nach schneller Ernüchterung sich mannhaft auf sein Deutschtum zu besinnen. Wie ein aufrüttelndes und reinigendes Gewitter mit lohenden, zündenden Blitzen und rollenden, schüttern- feen Donnern fährt sein Feuergeist über die Lande, ruht aus am häuslichen Herd und im Freundeskreise, träumt von der blauen Blume und holt Atem in lauschigen Hainen und an rauschenden Bronnen alter Völ'kspocfie, bietet dem Korsen die breite Brust und der Bnreaukratie die trotzige Stirn, lebt und liebt und flucht und haßt unb irrt unb zürnt und mahnt und steht schließlich als mhstisches Sternenkreuz am Geisteshimmel. Ten lange vorenthaltenen Dank der Nation will ihm nun die von Wilhelm Schellberg feinfinmg besorgte und mit Einleitung und gründlichen Anmerkungen versehene Auswahl ans den Werken