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Montag U. Dezember 19U
58 Zayrgang.
„ Tuidaer W Zeitung
2. Blatt.
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Katholiken in anderen Diözesen in dieser für das kirchliche Leben so überaus wichtigen Ver' anstaltung; auch konnte ich beobachten, wie nicht vorübergehende Begeisterung, sondern geduldige und zielbewußte Kleinarbeit auf der Grundlage einer allgemein in allen Seel- sorgsbezirken durchgeführten Organisation dem Bonifatiusverein in anbetracht der steigenden oder bester erkannten Bedürfniste sichere, immer fließende Hilfsquellen allein zu erschließen vermag. Was ich dort in Paderborn gehört und erfahren, ließ in mir dm Wunsch und den Entschluß reifen: in der Diözese Fulda kann und muß für bett Bonifatiusverein
Airtenwort
bes Kochw. Kerrn Mschofs Joseph Damian über -en Bonifatiusverein.
In Christo geliebte Diözesanen!
Gedenket Eurer Vorsteher, die Euch das Wort Gottes verkündet haben, schauet auf den Ausgang ihres Wandels und ahmet ihrem Glauben nach!" Diesen eindringlichen Mahn- und Weckruf des hl. Paulus an die Kirchen- geineinde zu Jerusalem') läßt der Mund der Kirche zweimal im Jahre, während der Oktav des hl. Bonifatius^ und am Feste des hl. Sturmius') an das Ohr und Herz der Gläubigen der Diözese Fulda ertönen, um sie immer wieder zu neuem Eifer im christlichen Leben aufzmnuntem. Was ist denn auch für Kinder edler Abstammung mehr geeignet, hohe Gedanken im Geiste zu nähren, lobenswerte Gewohnheiten festzuhalten und auch 'm Zeiten schwerer Prüfung dm Mut nicht sinken zu lasten, als der erhebende öftere Aufblick zu den ruhmvollen Taten der Ahnen ihres Geschlechtes?
„Gedenket Eurer Vorsteher!" — Dieser Ruf verhallt bei Euch, geliebte Diözesanen, keineswegs ungehört, wie die Stimme eines Rusendm in der Wüste. Im Gegenteil: Wer je einmal Zeuge gewesen ist der liebenden Verehrung, die Fulda seinem Glaubensvater, dem hl. Bonifatius, während seiner Festwoche öffentlich und feierltch erzeigt, wird nie das erhebende Schauspiel der zu seiner Grabeskirche pilgernden Prozessionen, der mächtigen Gesänge, der am Grabe des Heiligen in frommem Gebete Kniemden vergessen. Wenn Bonifatius einst den von ihm so bevorzugtm stillen Ort an der Fulda tnmittm der vier von ihm bekehrten Völkerstämme zur Ruhestätte seines lebensmüden Körpers und seiner Asche sich erwählte, so ist hinwieder seine Gruft eine Lieblingsstätte seiner treuen Glaubenskinder geworden. Fahret fort in dieser religiösen Verehrung, von der auch der hl. Vater, als ich ihm vor zwei Jahren davon erzählte, zu seinem Tröste steudig Kenntnis genommen hat. Nehmet auch nicht ab, geliebte Diözesanen und besonders Ihr, Katholiken Fuldas und der Umgegend, in der Andacht zum hl. Sturmius, dem Apostel der Sachsen, der durch seine Klosterstiftung den Grund zu der späteren und jetzigen Bedeutung der Stadt gelegt hat. Möge es bald durch die Tätigkeit und die Erfolge des neu gegründeten St. Sturmius-Kirchbauvereins möglich sein, daß in seiner Stadt eine seinen Namen tragende Kirche als neue Gnadenstätte erstehe! Möge besonders auch sein Todestag, der 17. Dezember, noch festlicher und durch eifrigere Teilnahme an dem feierlichen Gottesdienste in der Domkirche begangen werden! Erinnert Euch, Katholiken von Fulda, der Euch geltenden mahnenden Worte, mit denen die zweite Kirchenversammlung im Lateran im Jahre 1139 das Dekret der Heiligsprechung des hl. Sturmius begleitete: „Indem Wir, zum allgemeinen Konzil beim Lateran durch die Gnade Gottes versammelte Väter, den ehrwürdigen Bekenner Sturmius in das Verzeichnis der Heiligen und Auserwühlten Gottes aufnehmen, gebieten wir Euch zugleich, den Tag feines seligen Heimganges mit Freuden feierlich zu begehen, aus daß Euere Stadt bei Gott und den Menschen Lob verdiene und Euere Andacht den Lohn des ewigen Lebens empfange". Ja, Bonifatius und Sturmius, anmutig und liebenswürdig in ihrem Leben, nach ihrem Tode an gemeinsamer Ruhestätte vereint, sollen fortleben im dankbaren Gedächtnis ihrer Nachkomnten!
Jndesten, geliebte Diözesanen, wollen und dürfen wir uns nicht damit begnügen, „die ruhmvollen Männer, die Ahnen unseres Geschlechtes, durch die der Herr einst Großes getan,"') bloß durch die äußere religiöse Feier zu ehren oder auch ihre mächtige Fürsprache vertrauensvoll anzurufen: Die Andacht zu unseren großen Diözefanheiligen fordert noch etwas mehr von uns, nämlich die Nachahmung ihres Wandels, ihrer Tugenden. „Nur von jenen", sagt der hl. Augustinus,') „werden die Festtage der Heiligen wahrhaft würdig begangen, die ihrem Beispiele nacheifern; denn was an ihnen zu preisen uns Freude macht, das müffen wir auch den Mut haben nachzuahmen."
Welches wird nun jene Tugend sein, deren Nachahmung unsere Glaubensväter von nns erwarten dürfen? Welche andere, als jene, auf die der Völkerapostel in der eiu- gangs angeführten Stelle hinweift: „Blicket hin auf den Ausgang ihres Wandels und ahmet ihrem Glauben nach!" Ja, geliebte Diözesanen, jenen Glaubm ahmet nach, durch den Bonifatius und Sturmius besonders hervorleuchten, fetten Glauben, durch den der eine sich den Ehrentitel des Apostels der Deutschen, der andere des Apostels der Sachsen erworben hat; jenen wahrhaft apostolischen seeleneifrigen Glauben sollen wir nachahmen, durch den sie unsere Väter in Christo geworden sind, indem sie unsere Vorfahren, Heffen, Thüringen, Franken und Sachsen, Christo und seiner Kirche zugeführt haben. Ahmen wir sie in der Weise nach, daß wir besonders durch die Verbreitung und sorgsame Pflege des Bonifatius-Vereins ihr Werk fortsetzen und dazu helfen, daß der katholische Glaube unfern Brüdern und Schwestern in jenen Gegenden erhalten werde, in denen ihr Wort einst die Finsternis des Heidentums zerstreute.
Schon einmal — es war vor 21/« Jahren — zwang mich die außerordentlich bedrängte Lage unseres Diözesan-Bonifatius-Vereins Euere besondere Hllse in Anspruch zu nehmen und Euch die allgemeine Ausgestaltung des Vereins zu empfehlen. Mein damaliger Hilferuf hat Verständnis gesunden. An vielen Orten ist ein neuer Eifer für die Sache des hl. Bonifatius erwacht; in nicht wenigen Gemeinden ist der Bonifatiusverein durch das tätige Eingreifen der Herren Seelsorger, die lobenswerte BereitwMgkeit von Sammlern und Sammlerinnen, durch den nicht ermüdenden Opfersinn frommer Spender musterhaft organisiert worden, sodaß das Ergebnis der Sammlungen aus jenen Pfarreien und Kuratien sich um ein Bedeutendes vervielfältigt hat. Ihr Eifer, dem ich auch an dieser Stelle das verdiente Lob spende, und ihr Beispiel lasten mich hoffen, daß der Verein noch mehr an Boden gewinnen wird.
Mittlerweite habe ich nun an der anfangs Juli in Paderborn stattgehabten Generalversammlung des Bonisatiusvereins teilgenommen und dort neben den Berichten über die wachsenden Bedürfniste des Vereins in dem ganzen Bereich seiner Wirksamkeit, auch genauere Kenntnis erhalten von dem überaus regen und vorbildlichen Eifer der
i) Hebr. 13,7.— •) Propr. Fuld. 3. die inf. oct e. Bonif. L 2. ad Mat — *) Ibid. 17. Dec. 9 8. ad Mat. <) Ekkli. 44, 1. 2. — •) Serm. 47. de Sanct
noch mehr geschehen.
Endlich, geliebte Diözesanen, habe ich im Herbst dieses Jahres die wetten Diaspora- Gebiete der Diözese Fulda, im Osten bis an die Grenze des Apostolischen Vikariates Sachsen, int Norden bis an die Diözese Osnabrück besucht, keine Pfarrei, kaum eine Kuratie ober sonstige Seelsorgestation, keinen Betsaal, so klein und abgelegen sie sein mögen, bsbe ich übergangen; auch die Schulkinder, klein und groß, sind mir vorgeführt worden; die Herren Seelsorger haben mir über die Erfolge ihrer teilweise geradezu aufreibenden Tätigkeit, ihre Erwartungen und Befürchtungen an Ort und Stelle bis ins einzelne Bericht erstattet. Manches ist durch die unverdrossene, durch keinen Mißerfolg entmutigte Arbeit seeleneifriger Priester und opferfreudiger Laienapostel erreicht; eine Reihe von Gemeinden besitzen einen festen Kern von treuen, unerschrockenen, praktisch und namentlich auch caritativ tätigen Katholiken: sie machen ganz den Eindruck einer lebenskräftigen, gefestigten katholischen Gemeinde. Aber daneben entrollten sich bei jenen Besuchen vor meinem Ange nicht selten auch recht traurige Bilder von großem Diaspora-Elend. Zunächst unermeßlich weite Seelsorgbezirke mit großer, fortwährend zunehmender katholischer Bevölkerung bei völlig unzureichender Zahl von seelsorgerlichen Kräften. So zählt z. B. die über 6 Amtsgerichtsbezirke ausgebreitete Pfarrei Weimar 3870 Katholiken, von denen ca. 1600 auf die Stadt Weimar selbst entfalten. In dem zur Pfarrei Weimar gehörigen Amtsgerichtsbezirk Blankenhain allein wohnten am 1. Dezember 1910 in 160 Ortschaften 294 Katholiken. Aehnlich, zum teil noch schwieriger, steht es in den übrigen 5 Amtsbezirken. So erwies die letzte amtliche Zählung im Amtsbezirke Mstedt 514 Katholiken, davon 164 in dem Städtchen selbst. Aehnlich wie in Weimar liegen die Verhältnisse in der Universitätsstadt Jena. Außerdem halten sich im Großherzogtum Sachsen-Weimar durchschnittlich 4- bis 5000 zugezogen^ katholische Arbeiter, meistens Polen, auf. Auch böhmische, österreichische, bayerische, rheinländische oder westfälische Katholikey lassen sich dort bleibend oder vorübergehend nieder. Und doch konnte bis zum Sommer dieses Jahres in den beiden so großen und schwierigen Diaspora-Pfarreien Weimar und Jena nur je ein Geistlicher angestellt werden. Da möget Ihr, geliebte Diözesanen, aus den eben geschilderten Verhältnissen erschließen, wie viele Katholiken infolge großer Entfernung von der Kirche und dem Priester lange Zeit keine oder nur ungenügende religiöse Anregung empfangen konnten —, wie viele von Hans aus schwache Katholiken der religiösen Gleichgültigkeit, ja dem Unglauben anheimfielen —, wie viele Kinder aus gemischten Ehen, auch solche, die nach dem Versprechen der Eltern und nach dem Gesetz der katholischen Religion zugeführt werden mußten, ihr entzogen wurden —, wie viele Familien, ja ganze Generationen im Saufe der letzten Jahrzehnte der Kirche auf immer verloren gegangen sind. Da wird wohl jeder die dringendste Not mit Händen greifen können und gestehen: hier muß geholfen hier muß eingegriffen werden mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln.
Was ist aber dazu nicht alles nötig? Hier wird an einem vom Pfarrort weit entfernten, aber für mehrere Ortschaften im Mittelpuntt gelegenen Städtchen ein Betsaal beschafft und von Zeit zu Zeit Gottesdienst gehalten werden müssen. Man wird, vielleicht in einem Wirtshaussaal, einen Altar aufrichten und zum erstenmal wieder seit Jahrhunderten das hl. Meßopfer darbringen. Die ringsum zerstreuten Katholiken, von denen manche bisher sich scheuten, öffentlich sich als solche zu bekennen, erinnern sich wieder, daß sie doch katholisch sind, sie sammeln sich um den schlichten Mar, wie einst die ersten Christen um den gesalbten Stein in den Katakomben, und die Weissagung Christi wird sich auch hier an seinem unblutigen Opfer erfüllen: „Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alles an mich ziehen"?) So werden allmählich manche Katholiken sich ihrer fast vergessenen, lange nicht mehr geübten religiösen Pflichten wieder bewußt, fie lernen wieder beichten und kommunizieren, sie finden wieder den Frieden und das Glück ihrer katholischen Vergangenheit. — Dort verlangt die stets wachsende Zahl der Katholiken und der Schulkinder anstelle des seitherigen Betsaales die Erbauung eines geräumigen einfachen Gotteshauses, oder — rote z. B. in Eisenach — den Neubau einer für 3 bis 4 Lehrkräfte berechneten Schule. — An dem einen Ort muß fchleunigst ein Bauplatz angekaust werden, damit nicht später unerschwingliche Presse gezahlt werden müssen, ober die Erwerbung eines passenden Baugeländes überhaupt unmöglich wird. — An dem anderen Orte muß bald ein zweiter oder dritter Geistlicher angestellt werden, da, wenn irgendwo, dann in der Diaspora die Katholiken einzeln aufgesucht und gewonnen werden müssen. — Auch wird es oft nötig, daß der Seelsorger bezw. der Lehrer weite, zuweilen Tageressen lange Strecken durcheilen muß, bald um entfernt wohnenden Katholiken die Sterbesakramente zu spenden, Taufen und Beerdigungen vorzunehmen, oder Kindern, die vielleicht schon 12 bis 14 Jahre alt find und erst 2- bis 3mal in ihrem Leben einen kacholischen Gottesdienst gesehen haben, den ersten Religionsunterricht zu erteilen und sie auf die erste Beicht und Kommunion vorzubereiten, wenn es — etwa wegen des Widerspruchs der Eltern — nicht möglich sein sollte, sie einer Kommunikantenanstalt zuzuführen.
Sind das, geliebte Diözesanen, nicht Überaus dringende Bedürfnisse, die aus den traurigen, niederdrückenden Verhältnissen sich ergeben? Und dabei bitte ich noch zu bedenken, daß die an Seelenzahl nahezu kleinste Diözese Fulda verhältnißmäßig fast die größte Diaspora hat, indem das Diözesan-Gebiet von ca. 200000 Katholiken neben 1200 000, also 6 mal soviel Andersgläubigen bewohnt wird. Die Kreise Fulda, Hünfeld, teilweise Gersfeld nut dem Dekanat Geisa, ferner die Dekanate Amöneburg und Fritzlar, Orb und Salmünster mit dem Freigericht find so ziemlich die einzigen zusammenhängenden vorwiegend katholischen Gebiete: alles übrige ist Diaspora!
Wer kann, wer wird nun hier, wo so viele Geldmittel, sei es zum Gehalte und für Reisen der Geistlichen und Lehrer, sei es zum Bau und zur Unterhaltung von Kirchen, Missionshäusern, Betsälen und Schulen erforderlich find, helfen? Staatliche Beihülfen können, da es sich um ganz neue Einrichtungen handelt, meistens nicht in An- spruch genommen werden. Auch die Kirchengemeinden sind fast immer, da ihre Glieder
') Jok 12. 32.