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JW 282.

Sowitag 9. vezemder 19U

51. Jaqigeiig.

* TuldaerW Zeitung

4. Blatt

Sri« mI »erleg Hr Stil«« Ictialteftre1 te Sein.

[] Reichsenenbahn emeindchaft?

Die Klagen, bk sich au« ber Zerspll t te. rung unserer deutsche Eisenbahnen ergeben stmw- men nicht allein von Gewerbetreibenden und stell au ben, die bei Ueb-rgLngen ihrer Güter «f andere bundesstaatliche Eisenbahnen gelegentliche Unaro- nehmlichkeiten zu erleiden haben. Auch in den buiu desstaallichen Parlamenten wird oon Zeit zu Zeit einmal Beschwerde gefühlt über Ueberynffe oder Umgehungen, die sich die eine Sisenbahnverwaltung bet dem Grenzverkehr mit einer anderen erlaubt habe. Bekannt sind je die Klagen au3 Sachsen gegen die preuHschchessische Eifenbahngemeinschaft wegen an­geblich systematischer Vorbeileitung des Güterver­kehrs an Sachsen.

Die Berechtigung bei Klagen soll an dieser Stelle ununtersucht bleiben. Auch steht zweifelsfrei fest, daß unendlich viel Gründe für die Aufrecht­erhaltung bet selbständigen Verwaltung der bundes­staatlichen Eisenbahnen sprechen. Schon allein der Charakter des Deutschen Reicher als Zusammen schkuß an sich selbständiger Bundesstaate« spricht dafür. Immerhin aber dürste zu erwägen sein, in welcher Weise den mancherlei Mißstanden, die sich im Laufs der Zett herausgebildet haben, entgegenzu­wirken ist. In dieser Beziehung erscheint die An­regung eines Fachmannes auf diesem Gebiete, des Geheimrats Dr. Kirchhoff, der für einen enge­ren Zusammenschluß der deutschen St aatsbahnen eintritt, immerhin der Erörte­rung wert. Dr. Kirchhoff hat in hervorragender Stellung beim preußischen Ministerium der öffent­lichen Arbeiten an der Durchführung der Eisenbahn­verstaatlichung mitgewirkt. Er hat die preußisch- hessisch-badische Eifenbahngemeinschaft bearbeitet und die Verhandlungen über die für ganz Deutschland geplant gewesene Betriebsmittelgemeinschaft geleitet. Seine quellenmäßige Darstellung dieser überaus wichtigen, interessanten und für alle Zukunft lehr­reichen Epoche unseres Eisenbahnwesens dürfte auch für alle, die gegenüber einer vollständigen Gemein­schaft staatsrechtliche und sonstige Bedenken haben, mancherlei Interessantes bringen.

Dr. Kirchhoff macht den Vorschlag, zunächst ein­mal durch eine aus Vertretern aller deutschen StaatSba^iverwaltungen zu berufende Kommission die finanziellen Vorteile der vollen deut­schen Eisenbahngemeinschaft ziffernmäßig festzustellen. Zugegeben, daß eine solche Gemeinschaft tvesentliche finanzielle Vorteile mit sich bringen könnte, so liegen doch einer solchen Gemeinschaft wichtige st aa t s - rechtliche Bedenken entgegen. Durch eine solche Gemeinschaft würde die Selbständigkeit der Bundesstaaten unangenehm berührt werden. Bor allen Dingen würde dadurch die Empfindung viÄer Süddeutscher mit denen gerechnet werden muß, vwletzt werden.

Eine Eisenbahngemeinschaft sämüicher deutscher Äaatsbahnen wird wohl angesichts des Widerstan- ves der Süddeutschen nicht zu erzielen sein, soviel Verlockendes das Projekt auch in finanzieller, wirt­schaftlicher und verkehrstechnischer Hinsicht haben mag. Es stehen da eben Werte auf dem Spiele, die in nationaler Hinsicht wichtiger sind, als diese geldlichen Vorteile, von deren Festsetzung und Aus­malung durch die Kommission Herr Kirchhoff sich offenbar bei allen Steucrscheinen zu große Wirkun­gen verspricht. Wohl aber wäre zu erwägen, ob nicht durch eine Annäherung der verschiedenen Eisenüahnverwaltungen die ewigen Klagen und Be­schwerden behoben werde, könnten. Eine solche An­näherung könnte auch die vielen Unzuträglichkeiten, die aus dem Uebergewicht der großen preußisch-hes­sischen Elfenbahn-»emeinsckast entspringen, beseitigen. Für eine solche wärm sicherlich auch die süddeutschen Bundesstaaten zu haben für eine deutsche Eifen- bahngemeinschast aber nicht.

„Unverschämter schwindel?"

In der .Welt am Montag* lesen wir:

Hallet den lieb: tu >chreu der Lieb, auf £>e;i Unschuldigen deutend. Wahl lügen" überichreibl ein tentrumsdlllii, die .Fuldaer Zeilung', einen Artikel m । rer Nr. 248 un mal dabei in hejttzer Polemik gege.i Unks:

War es doch g>r we ein tretfinniger Ab - geordneter, bei re» naurpen Mut hatte, von

der Tribüne des Reichstages herab zu fordern, daß kein Katholik mehr öffentliche Staats« Ämter bette,den dürfte.

Wir sü rte» im aflgememen nicht den Beruf in uns, freisinnige Abgeordnete zu verteidigen. Ader gegen einen fe nnverfchLmten Schwindel der Zen. lrumSpreffe muß denn doch Prolefi eingelegt werden. Gerade eine Partei, die sich oueniatio als Partei für .Wahrheit, Freiheit und Recht" bezeichnet, sollte offen kundige Berleum düngen vermelden. Oder bat die Redaktion der .Fuldaer Zeitung- aus ihrem Ehriftentum das 8. Gebot ausgemerzt?

Das find starke Worte; gut, daß man damit keine Beulen in den Kopf werfen kann. Sie tun un- also nicht weh. Wenn die Entrüstung der „Welt am Montag* echt ist. tote wird sie sich bann ersi ent­rüsten, wenn tote ihr Nachweisen, daß es sich hier keineswegs um einen .unverschämten Schwel', um „offenkundige Verleumdungen" handelt, sondern um eine allerdings -«glaubliche, aber doch um eine Tatsache, die unbestreitbar ist. Die Geschichte ist schon öfter in der P esse erzählt worden, c^er da die .Welt am Montag" anscheinend an sehr kurzdärmt- gem Gedächtnis lebet, sei sie hier wiederholt.

Am 13. und 14. Dezember 1910 stellte ber frei­sinnige Abgeordnete Schrader im Reichstage bei der Besprechung des Modernisteneides u. a. folgende Forderungen aus: 1. Kein katholischer Geistlicher soll mehr ben Religionsunterricht in den Schulen erteilen dürfen! 2. Kein katholischer Geistlicher soll mehr zur Schulaufsicht zugetaffen weiten! 3. Katholische Priester sollen nicht mehr im Staatsdienst angestellt werden! 4. Kein katholischer Geistlicher soll mehr in den Reichstag gewählt werden können I 5. Die Ka­tholiken insgesamt sollen künftig nicht mehr a l s Staatsdienst: angestellt werden! lieber die ersten vier Punkte berichtet ausreichend der amt­liche stenographische Bericht. Die fünfte Forderung findet sich im stenographischen Bericht nicht; die Stenograph» weroen sie eben überhört haben; aber festgestellt worden ist diese Forderung vom Abg. Schrader doch. Beweis:

1. Abg. Gröber hat bereits am 14. Dezember 1910 in Erwiderung auf die Rede des Abg. Schra­der erftirt: „^err Schrader verlangte, daß künftig die Katholiken nicht mehr zu öffentli­chen Aemtern zuaelassen w eröon sol­len. (St. B. Seite 3700.) M. H., der Abgeord­nete, her alle diese Aeußerungen bei der Beratung des Toleranzantrages noch vor wenigen Tagen getan hat, hat uns gestern gesagt, daß nun wegen der Ge­fährlichkeit des Katholizismus in Zukunft die K a- th oltken nicht mehr zu öffentlichen Aemtern zugelassen werden dürfen." Also zweimal hat ber Mr, Gröber sofort in bet nächsten Sitzung die Auslassung Schraders festgestelkt, und dieser konnte sie in ftiner Erwiderung nicht 6 e- streiten.

2. Am 3. April 1911 erklärte ber Abg. Erz­berger tm Reichstage:

„Run lagt bet Abg. Lchrader, ich hätte ihm außer­halb des Haines vorperootfen, daß er etwas im fteno« graphsschen Bericht pesirtchen hätte. Herr Kolleae Schrader, das habe ich nicht gefaat, ich habe ausdrück­lich cr!lärt — Sie können meine Rede ruhta nachlesen —, ich hätte mitangehött, daß Eie als fünfte Forde­rung im Dezemd-r ls»10 aufgefleflt hätten „Da im Laufe der Jahre die Katholiken von Wicken Geistlichen erzogen werden, welche den Wodemifteneid abgelegt haben, un sie immer mehr unter den Einfluß diese» Geistlichen kommen, so müssen w r uns die Frage »er­legen, ob wir im Lause der Fahre die Katho­liken noch als Staatsdiener anstelle« können." Die>e Beme, hing habe ich gehört, ich stanv -ang vorne am Rednertifch, auch der Herr Kollege Gröber. (9t»fe aus der Milte: Ich au !) — Hie» melden sich noch emige Kollegen, die es auch gehört haben. — Ich habe tn der Bideracher Berfammlnna gesagt: ich mache darauf aufmerksam, daß diese Stelle sich nicht im stenographischen Bericht findet." kSt. B S. 6161 >

3. Der Abg. v. Savignh erklärte im Anschluß daran an demselben 3. April 1911:

„Meine Heuten, im y<ueiet)e oer Wahrhest muß ich feftfteflen, daß nicht bloß der Abg Erzberger, son­dern ich selbst und wein Kollege Göring gehört Haden — ich selbst habe ein Meter von den Stenographen hier am Tische gestanden —» daß Herr Abg. Schrader die Aeußerungen, von denen heute gesagt worden ist. — ich habe es mcht teidst nachgeleten tann es also mcht wissen — daß sie tm Stenogramm nicht stehen, fu getan hat, wie sie der Herr Abg. Er,de ger zitiert bat. Ich bade sie leldit gehöit; ick kann nur bestätige».

daß dieses Zitat de», waS gesprochen worden ist, ent- sprachen hat. Was tm Stenogramm steht, weiß ich urcht; aber gehört habe ich es ' <St B. 6. 6166.)

4. Nicht weniger al« sieben Abgeordnete haben daraufhin dem Abg. Erzberger erklärt, daß sie auch diesen Satz des Abg. Schrader gehört haben.

Es läßt sich nichts kn Abrede stellen, .verleumdet* ist hier nichts; e» hatwelt sich um erweisbare Tat- fachen .Tatsachen die untern Gegnern aller ding« setzt oar den Wahlen recht unbequem find. Unsre Partei­freunde werden sich durch dreiste Anwürfe wie .un­verschämter Schwingt" itsto. nicht abhalten lassen, im Wahlkampfe <m dies« berüchtigte Forderung t>e8 Abg. Schrader hin und wieder M erinnern.

Aus dem Nachbarqebieie.

* Rotenburg a. d. Fulda, 7. Dez. 1911. Die hier fett dem Frühjahr am alten Rotenburger Turm vorgenommenen Ausgrabungen haben jetzt zu einem Resultat geführt. Man hat einzelne Gräber freigelegt und die Grundrisse der Burg in dem Schutthaufen entdeckt. Auch der Teil eines Berg» ftieds ist zu Tage gefördert worden. Außerdem fand man ein bauchiges Tongesäß, sowie andere handgeformte Sackten. In beteiligten Kreisen besteht die Hoffnung, daß man noch weitere Ueberreste der Burg wird freilegen können.

* Dransfeld, 7. Dez. 1911. Der hiesige große Bau rnhoi, Fräuten Ilie tm benachbarten Bühren gehörend, ist em Raub der Flammen geworden Sämtliche Stallungen und eine Scheune mit großen Wmlervorrätcn sind niedergebrannt. Das Vieh wurde gerettet.

* Göttingen, 7. Dez. 1911. Unter dem Ver- dacht, den Diaro an der Handeistrau Minna Brand, verübt zu haben, ist der hiesige Obst» und Gewüie» Händler Schwarz in seiner Wohnung verhaftet worden. Schwarz t olle seine Betai ntschaft mit der Ermordeten, die aus dem Göttinger Markt Handel ttteb und von Schwarz Sacken bezogen halle, ab» geleugnet und sich dadurch stark belastet.

statt. Hauptredner war VolksoereinssekretSr Gott­hardt ans Frankfurt a. M. Nachdem der Vor» fitzende, Herr Dechant Krach in einem kurzen Rück­blick d«S Gründer« und Förderers des Vereins, unseres großen Führers Wmddorü gedacht hatte, iprach Herr Gotthard übet die Schutzzollpolitik und widerlegte glänzend die Behauptungen der liberal« sozialistischen Steuer Hetzer Zum Schluß forderte der Redner die Versammlungsteilnehmer auf zum Eintritt in ben Bolksoereut. Der Lortrag wurde mit großem verfall ausgenommen.

vermischter.

♦ .Selbe Gewerkschaften.* Mit der Einführung und Förderung der gelben Gewerkschaften im Loth­ringer Erzrevier scheinen, so schreibt man der.Köln. Bolksztg/, die Berpverwallungen ernst zu machen. Besonders in den letzten M.nalen setzt durch Beamte und Arbeiter eine Agitation e n, die selbst vor der Arbeitsstelle nickt Hall macht. — Vielfach roitb behauptet, die Werkvereine seien politisch neutral. DaS wird wieder einmal durch die Tatsache wider­legt, daß die Gründung der Werkvereine im Elsaß auS parteipolitischen Gründen erfolgte. Bei der letzten Landlaaswahl gaben die Werkvereine die offizielle Parole aus, für ben Kandidaten der Großindustrie ewzutreten.

* Millionemmterschlagnngen auf einem Ente bei Zaren. Am Donnerstag begann in Petersburg ein großer Prozeß gegen drei Verwalter des dem Zaren gehörigen Gutes Murgab in Tn^'estan, zu dem über 150 Zeugen geladen sind. Der Verwalter, Exzellenz Tolstoi, nebst seinen beiden Gehilfen Halle die Ländereien des Gutes an die Eingeborenen ver­pachtet, die Pachtgelder dafür c . feit Jahren ein­gesteckt. Der ganze Prozeß ist für die russische Be­amtentreue recht typisch. Graf Pahlen deckle bei seiner Revision Turkestans d e Mißbräuche aus und stellte fest, daß bte Unterschlagungen mehrere Mil­lionen betrugen. Der Hof führte jedoch eine eigene Revision durcks Stallmeister Lickarew auS, der die ganze Sache etwas wilder ansah und die Unter­schlagungen niedriger einfcdätzte.

302 (289). An P-erden wurden

DEUTSCHER

Kuranstalt Bofheim

Prospekte durch

Rmder 883 (884), Schafe 173 (413*, Schweine 774 (802). Die einpeklammiten Zahlen ergaben sich bei der letzten Viehzählung. Wie man steht, sind die Zahlen im groben und ganzen diefelb n geblieben. Rur die Sckafe haben eine stark Abnahme erfahren. Daran find hanplsächti ote scharfen Konlrollbestimwungen wegen Verhütnng des sogen. „Grindes^ schuld. — Forst-Affefior Staubesand ans Frankiurt a. M ist mit dem 1. Februar 1912 der hiesig n Oberförsterei zur dienftticken Verwendung überwiesen.

(?) «mönebnrg, 7. Dez. 1911. Gestern abend fand hier im Dtnkhaut'fcken Saale eine sehr gut besuchte Versammlung des VolkSvereinS

bildet ©colli Emulsion bei Entkräftung, Abmagerung, Appetitlosigkeit und den damit zu ammenhängenden Beschwerden eine schätzenswerte Zugabe zur täglichen Nahrung. Die Wirkung zeigt sich denn auch bald in einer Steigerung deS Gewichtes verbunden mit einer nachhaltigen Hebung bei Allge­meinbefindens und der

Erhöh«»- der Leistungsfähigkeit.

[:] Neustadt, 8. Dez. 1911 Als ErgedmS bet Viehzählung vom 1. Dezember ds. Js. werden lolgende Zahlen bekannt: Gehöfte überha. pt find Vorhände 378 (389), viehbesitzende Haushaltungen gerähtt 95 (96),

•v» frenxBsischen Weinen ftervtrregendM Erzeugnils der Cognacbrennerei: Lanoauep a Macholl hbilbronn.

R»«M mR der Kammer-Schutzmarke öberafl erhältlich.

A»r Gberhesien u den heff. Aemiern.

A Marburg, 8. Dez. 1911. Unter Fackelschein! unternahm» gestern abend die .Arminen" ihren diesjährigen „Ersten Weihnachts-Früh» dämmerschoppen-Umzug'. Vor einer Musikkapelle ritt ein grimmig dreinschauender „Schutz- matm“, während hinter der Musik einträchttg ein „Christkind' und „Knecht Ruprecht' schritten. An einem galgmähnlichen Holzveftell, daS eia junger Studio trug, baumelte der „Kameruner Entenschna­bel', ferner trugen je 2 Studenten an langen ©lan­gen den Marburger Stadtsäckel ohne und mtt Poli» zeistrafcn, nämlich einen ganz leeren und einen ge­füllten Sack. Auch deS verzögerten Baues des physi­kalischen Instituts gedachte man dadurch, daß auf einem Schicbkarrrn der „Grundstein" hierzu mitge­führt wurde. Dann kam die Rathausuhr mit dem historischen Spielwerk, das steinerweichende Töne von sich gab. Den Schluß bildete eine auf einem Lastwagen thronende fröhlich zechende Fcißchenpartie- gruppe. Der originelle Umzug, tn dem eine AnzaN großer Schilder getragen wurden, wurde von drm zahlreichen Straßenpubltkum fteudig begrüßt.

Kleines .Feuilleton.

— Gesundheitsstörung durch fehlerhafte Haltung. Die Haltung des Menschen, besonders des hercm- wachMden Kindes, ro.rb immer noch nicht genügend berücksichtigt. Wennc-leich Schule und Hau» neuer- Kings mehr denn je ».«auf wirken, daß die Kinder eine gesundheitsmäßiae, d. h. aufrechte Haltung bei ihren Arbeiten tmb beim Spielen, beim Spazieren­gehen und Lausen eiunebmen. so müßte die Aufsicht über die Haftung doch n^ch strenger durchgefiihrt wer­den, als es bisher der Fall ist. Wie aus ärztlichen Streifen geschrieben wird, treten nicht selten H e rz- störungen du..ch seh.erhafte Haltung ein. Auf dem letzten Kongresse für innere Medizin fand ein Vortrag des Dozenten Dr. Herz sehr viel Beachtung, der daraus bin wies, wo beim die Ursachen der jetzt so häufig beobachteten He.züörungen zu finden seien. Dr. Herz ging davon aus, daß bei Menschen, die ein kranker Herz habn, der Raummangel für das Herz eine bebeutenbi Rolle spiele. Es ist nicht eine ange­borene oder durch Arbeit und schweren Bents aner­worbene Schwäche des Herzens an ber so viele Mm- fchcn leiben, die Herz'rcwkneiten kommen in den weit- mtS meisten Fällen daher, »daß das Herz nicht genügend 9tmrm hat. um feine Funktionen zu erfüllen. Und dieser Raummangel entsteht durch die fehlerhafte Kör­perhaltung. Bei der gebückten Haltung dte viele Menschen beim Schreiben, Lesen, bei der Ausübung flKe6 Berufes und beim Geh-n einnehmen, entsteht eine Verkleinerung her Brusthöhle. DaS Herz rofcb durch eine Pressung gegen dte Rippen in seinen Funk­tionen behindert. Daher rühren alle die Herzbeschwer­den, die so viele Menschen beklagen. Der Beweis für die Tatsache, baß die gebückte Haltung die Ge­sundheit unb daS Herz beeinträchtigen, ist zu finden, wenn man die Zahl ber Herzerkrankungen mit gewis­sen Berufen vergleicht Tie Genossenschaft der Kran­kenkassen in Wien hot festgest kkt, daß von dm Schuh­machern mehr el« die Hülste durch Hcrzerkran- fungen arbeitsunfähig werden. Die Schuster sind eS, die bei ihren Arbeite« fast immer hi gebücktqr Haltung

sich befinden. Schriftsteller, Journalisten, Buveanar- beitec, die mtt der Hand schreibm, und Zahnärzte, die bei der Ausübung ihres Berufes sich auch fast immer in gebückter Haltung befinden, leiden gleich­falls unter dieser Verengerung des Brustkorbes, die so viele Herzbeschwerden im Gefolge hat. Man kann daher bei Kindern gar nicht achtsam genug auf eins xesundheitSmäßige Haltung achtm. Der Grund zu den Herzkrancheiten, unter bentn die erwachsenen Menschen so sehr leiden, wird nämlich meistens Im schulpflichtigen Aller gelegt Itznermüdlich ltzüßtm Mütter und Erzieherinnen die Haltung bet Kinder beobachten. Am leichtesten wird eine gesimdheits- mäßig« Haltung zu erzielen sein, wenn man tzaS Kind daran gewöhnt, das Kinn gegen den Hals zu drücken. Dadurch ergibt sich die Haltung von selbst, bk nölig ist. um »b#m Kinde unb später auch dem Erwachsenen genügend Raum in der Brust­höhle für d<H Herz zu lassen. Auch der Magen, der Darm, di« Sungen untz nicht zuletzt die Augen wer­den durch eine gerade aufrechte Haltung im gesun­den Zustande erhalten, während sie durch diese fehler­hafte, gebügie Haltung schwere Schädigungen davon tragen.

— Etwas für Raucher. Der englische Schriftsteller Sidney Brook» hol unlängst im Auftrage der „Ti­mes" die Zigorrenfabrckation tn Havanna studiert, die besten Zigarrenkenner gefragt unb eifrige Arbeit bet Lösung deS großen Problems gewidmet: wie kann man eine gute Zigarre erkenn». oTne sie zu rauch»? Sein« Antwort ist für alle Zigarrenrau­ch er eine höchst rrrssssose. „Alle die Theorien unb Mit- tüchvn," so schreibe er, „durch die man den Wert ci.net Zigarre vor dem Genuß ausfindig machen will, find hinfällig. Absolut falsch ist ber Glaub« des harm­los» Durchschnittsrauchers. haß em dunkles Deckblatt ein» schweren unb ein helle» einen leichten Glimm­stengel berge Die Farbe der Zigarre bat mtt ihrer Stärke überhaupt nichts zu tun. Ganz sinnlos ist e» auch, die Zigarre zu drück» oder an ihr zu riech». DaS gibt keine irgendwie brauchbar» Anhaltspunkte. Jrregsfüha wird auch, wer sich etwa auf die Farbe oder Festigkeit ber Asche verlassen will. Dte besten

Havannas brennen mtt keiner weißen, sondern mit stahlgrauer Asche, dte ziemlich leicht absAlt. Flecken an einer Zigarre sprechen weder für ihre Gifte noch für ihre schlecht: Beschaffenheit. Ob eine Zigarre feucht ist odor trocken, ist nut Mrckesache. Der Ame­rikaner bevorzugt die feuchten, der Engländer dte tro­ckenen. Das wichtigste ist, daß eftre Zigarre richtig abgelagert ist, d. h. die Folgen der Seekrankheit, die sie beim Transport zu überstehen hat, völlig überwun­den sind. Die Länge der Lagerung muß tn einem richtigen Verhältnis zu der Länge der von der Zi­garre zurückgelegten Reise stehen. Aeußere Anzeichen für die Güte einer Havanna gibt es nicht: man muß sie rauchen."

— Sabinen arbeitet ohne jeden Verdienst. Der Betrieb btt Majolikowerke zu (Sabinen dient nur der Befriedigung einer künstlerischen Neigung des Kai­sers. Aus diesem Gruidt kommt In erster Linie der künstlerische Wert der Arbeiten in Betracht. Aus Anlaß bo: Verwendung von Sabiner Majoliken in dem neu» Saale von Kempinski in Berlin ward« mitgere-ilt, daß der Kaiser sich davon auch ein» ver­größerten Absatz der Erzeugnisse und damit auch eine geschäftliche Vergrößerung verspreche. Demgegen­über muß festgestcklt werden, daß das Majolikawerk augenblicklich ber eits auf zwei Jahre hinaus mit Ar­beit verseh» ist. Trotzdem ber heutige Betrieb mtt naut Arbeitern zur Befriedigung aller Aufträge also nicht hn entferntesten cw-s reicht, ist aber eine Ber» Fcößerung des Werkes nicht beabsichtigt, da eS kein kaufmännisches Unternehmen ist.

— Geruch und Krankheit. DaS Urteil der Aerzt: der alten Schule, daß schlechte Gerüche KrankheitS- Xäger seien, war lange Zett al8 wissenschaftlicher Aberglaube abgetan. Jetzt hat eS sich durch neuere Forschung al» richtig erwiesen. In einer bet letzten Sitzung» bet Pwüser Akademie Hot ein Arzt vom Jnsttture Pastells fette seit 10 Jahren gemocht» Experimente mifgeteirt. w-nach bestimmte, <m8 Fäul­nis Prozessen entstehend« Gase, die sich häufig in bet Lust befind», konservierend auf eine große Anzahl ge­fährlicher Mlkrob» wirken. Er hat in künstlich verdor­bener Last die Lebensfähigkeit der Diphtherie-, ber

Typhus- und der Pestbazillen erprobt unb gefunden, daß dieselben durch diese Gase entstehen unter Er­zeugung ammoniakähnlicher Gerüchp als Nebenpro­dukt und man wird selten fehlgehen, wenn man beim Bemerk» dieses Geruches, der mit einiger Hebung leicht zu erkennen ist, auf die Anwesenheit sehr ge­fährlicher Bazillen schließt.

— Lange schlafen ist gesund! In der wärmeren Jahreszeit pflegt der Mensch früher auszustehen al» sonst, oft viel früher, unb er kostet ebrnso baS sonnige Tageslicht bis auf die Neige au« unb legt sich spät inS Lett. Es soll nun nicht in Abrede g stellt wer­den, daß der Mensch so etwas wie einen Winterschlaf braucht, und darum schläft er auch tm Winter viel mehr ÄS tm Sommer. Andererseits weiß jeder, bet es einmal versucht hat, daß ein Motgenspaztetgang, ein zeitiger, etwas ganz Herrliches ist, und daß man abends nach getaner Arbeit am liebsten gar nicht zu Bett gehen möchte denn so ein Sommerabend ist bekannt genug, als daß man seine Wonne noch zu schildern brauchte. So vernachlässigt man denn im Sommer seine Gesundheit dadurch, daß man zu w e- ntg schläft. Schlafen ist durchaus nicht gleichbedeu­tend mit Faulenzen; der Körper braucht den festen Schlaf, um seine Kräfte aufzuftische-n, und ist der Mensch noch jung, bann dient der Schlaf zum „Auf­bau'. zum ungestörten Auf- unv Auswachsen. Dazu gehört Zett oder mtt and ren Worten eben ein genü­gend langer Schlaf, und deshalb ist es unbedingt nach­teilig. wenn man Kinder zu spät ins Bett bringt obed zu zeitig wieder weckt damit sie nur ia die Schule nicht versäumen, ©tyt sftten wachen Kinder von selbst auf em Zeichen dafür, daß sie noch nicht au8- gefchlafev hab» Jode Mutter weiß, wie grausam es ist, ein Kind dem Schlummer zu entreißen. Er erschÄnt daher unbegreiflich, daß seitens der Schule btt ärztlichen Forderung des Ausschlafens der Kin­der nicht entsprochen wird. Aber auch Erwachsene mögen stch nicht verteilen lassen, weniger zu schlaf», als fie eben unbedingt brauch» unb als erforderlich iß: 7—8 Edmv« tm Sommer, 8—9 Stund» im Winter gl