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282.

Samstag 9. Dezember Ml 58. 3ei}rgaBg.

* Tuldaer

Leitung

5. Blatt.

druck und Verlag der finita« SettevdrnSerrl hi fielt«.

Ansiand.

♦♦ Die bevorstehende parlamentarische Tagung in Italien wird ohne Zweifel heiße Kämpfe bringen. Eine Reihe ktr ch en p o li tt s ch er Interpel­lationen sind bereits eingebracht, und die De- putistton gläubiger Gesinnung werden vor allem über die Beseitigung der religiösen Volksschule ohne jede Gesetzgebung Rechenschaft verlangen: dazu kom­men Interpellationen über die Verweltlichung reli­giöser Stiftungen und andere Konzessionen an den ftrchenfeindlich'en Radikalismus. Dieser will noch mehr Beute haben, und Eingeweihte sagen schon heute, die radikalen Minister seien für das Tripolis- unternehmen cingetreten, lachdcm ihnen auf kirchen- polttischem Gebiet: wichtige Zugeständnisse gemacht Wurden. Ein solcher Handel scheint in der Tat vor- zuliegen; der „Zug nach links" in der Regierung ist zu offensichtlich

** Vandervelde und die Konzomissionäre. Der Führer der belgischen Sozialisten. Vandervelde, wel­cher vor einigen Jahren anläßlich eine? Besuches im Kongo soviel Worte de? Lobes und der Aner­kennung für die Tätigkeit dec Kongomiffivnäre ge­funden hatte, schleudert nun in der belgischen Kam­mer und in den Spalten des sozialistischen Blattes „Peuble" gegen die Missionäre im allgemeinen und gegen die Jesuiten insbesondere, die unglaublichsten Verleumdungen. Die ungerechten Beschuldigungen Vwidorveldes bezwecken nichts anderes als die gegenwärtige Regierung zu stürgen und den Weg einem freimaurerischen Kabinette zu ebnen. Nach­dem die zwei ersten Versuche: Die Schul- und Mili- türftaige fehl geschlagen haben, greift man zur Kongoftage, um das Kabinett zu stürzen. Außer­dem wird befürchtet, daß die bodenlosen Beschuldi­gungen Vanderveldes in Englano dazu benützt wer­den, um dec belgischen Regierung in der Kongefrage Schwierigkeiten zu bereiten. Man hat Sorge, und vielleicht nicht mit Unrecht, daß sie England zum Vorwand dienen .werden, nm die seit langem ver­geblich erwartete Anerkennung der Uebernahme noch weiter hinauSzisschieben und auch Deutschland und Frankreich könnten, ro meint man, dadurch Anlaß ert-ilten, die Vorgänge in der belgischen Kolonie mit interessierter Aufmerksamkeit zu verfolgen. - Die Anklagen veranlaßten den Kolomalminister R e nt t n, die Angelegenheit sofort im Parlament zur Sprache zu bringen. Der Minister erklärte, daß sich Vandervelde gestohlener und unvollständiger Ak­ten bedient habe. Dar Minister nimmt dann Punkt für Punkt der Anklagen vor. wies sie als unbcgrün­de! nach oder als übertriebene Richtigkeiten. So hab:: die Miffionace । on Lnluaburg alkoholische Ge­tränke nur zu ihrem eigenen Gebrauch hergestcllt. Die Angelegenheit eines Missionars, der wegen Tötung eines Eingeborenen strafrechtlich verfclgt, dann aber wegen Unzurechnungsfähigkeit wieder freigesprochen worden sei. lasse sich daraus erklären, daß dec be­treffende Missionar an Schlafkrankheit erkrankt ge­wesen sei und die Erlaubnis, nach dem Kongo zu- cückzukehren, erst erhalten habe, al? er sich in Bel­gien gründlich ausgebeilt habe. Namentlich ver­wahrte sich der Minister nachträglich geaen den Vor- wuiss, in ein schwebendes Gerichtsverfahren einge- griffen zu haben. Ec bezeichnete das Vorgehen Van­derveldes zum Schluß als bedauerlich, da der sozia- lsstische Abgeordnete durch übertriebene Darstellung von kleinen Vorfällen der Kolonie Schaden zugefügt hat. Gerade bei dem gegenwärtigen Stand der in­ternationalen Sage hätte der sozialistische Interpel­lant in der Vorprüfung solcher Anklagen doppelt vorsichtig sein müssen. Die Rede löste auf der Rech­ten lang andauernden, stürmischen Beifall aus Van­dervelde bemühte sich, in seiner Rede nachzuweisen, daß einige Beschuldigungen nicht unbegründet seien.

Aus dem Kachbrirgebiele.

* Vom Vogelsberge, 8. Dez. 1911. Durch die lang anhaltende Trockenheit des veraangenen Som­mers macht sich im oanzen Vogelsgebirge ein starkes Abstcrben der.Fichtenkulturen bemerkbar. Insbesondere sind jüngere Kulturen bis zu 80 Pro ent eingegangen, aber auch stärkere Fichten- stämme fangen an dürr zu werden, sovaß man den Schoden jetzt noch nicht überleben kann, da das Absterben der Bäume wohl den ganzen Winter über

anhalten dürft«. Bei den Laubholzknlturen ist der Schaden geringer. — In dem Waldüistrikt Mail­bach zwischen Hattenrod nnd Sitfc wird gegenwärtig em prähistorisches Grab sreigelegt. Anlchemend handelt es sich um ein Hünengrab.' Das Grab ist etwa 2 Meter lang und einen Meter breit. Rund­um fieben schwere Bafaltplatten. Die schwere Steinplatte, die das Grab zudeckte, mußte zertnrm« merk werden.

E AuS der Rhin, 8. Dcz. 1911. In der letzien Samstagsnummer der .Fuld. Ztg." wurde aus der Rhön ein Vorfall gemeldet, der an berfi t tigte Taten der »Schwarzen Hand" erinnerte. Einem Automobilbesitzer aus G. war ein Drohbrief zu­gegangen, der um ein beträchtliches ‘Darlehen er­suchte und im Weigerungsfälle mit Tod und Ver­nichtung drohte. Das Geld sollte bekanntlich in ein Kästchen gelegt werden. Dem Urheber des Droh­briefes, sowie dem Verfertiger des Heinen Kästchens ist man bereits auf der Spur. Es soll ein Schreiner in einem Orte an der Straße Fulda-Gersfeld fein, der das Kästchen aus Abfällen von Kirchenbänken einer Kirche angefertigt hatte, mit deren Reparaturen er beauftragt war. Durch Schristenvergleich dürfte als Schreiber des Erprefferbriefes ebenfalls der betr. Schr iner in Betracht kommen. Für die Ermittelung des Täters hatte der Automobilist eine Belohnung von 300 Mark ausgesetzt.

(*) Hafaschenbach, 8. Dez. 1911. In der Nacht vom 7. zum 8. Dezember wurde in der Wirtschatt Daugel und in der Wirtschaft von Röll zu M'.ttel- aschenboch eingebrochen. De Diebe erbeuteten Bifloreu und Lebensmittel. Ob noch weiteres den Tätern zur Beute fiel, ist nicht bekannt.

* Darmstadt, 8. Dez. 1911. In der Sitzung der Stadtverordneten machte Oberbürgermeister Dr. Glä sing Mitteilungen über die beabsichtigte Bil­dung einer Aktiengesellschaft betreffend den gemeinsamen Betrieb uns den Ausbau der e!ek- Irischen Str-.ißevdahnen, der Vorortbahnen, der Darmstädter Elektrizitätswerle und einer Neberland- zentra'e

* Aus Nassau, 8. Dez. 1911. Hierzulande darf man in diesem Winter ein I u b i l ö n m i m O b st- b a u begehen. Die vormalige nassauische Regie- rung erließ im Winter 1811-12 eint Verordnung, daß im ganzen Herzogtum Nassau die Landwege mit jungen Obstbäumen, in einer Entfernung von je 7 Fuß angepflanzt werden mußten. Die Bäume wur­den auf Kosten der Gemeinden beschafft, die Grund­besitzer konnten sich die Sorten wählen, mußten aber die Einpflanzung und Pftege der Bäume überneh­men. Im Laufe des nunmehr verflossenen Jahr­hunderts hat der Obstbau eine riesige Aus­dehnung erfahren; es bestehen nicht nur Obst- alleen an den Berkehrsstraßen, sondern auch die einzelnen Dörfer sind mit einem Walde von Obst- bäunten umgeben.

* Aschaffenburg, 8, Dez. 1911. Bei Dettingen stieß eine Ranaiecabteilung n it leeren Arbeitswaaev luiammen. Ei« Hauptaekeis wurde durch 'echs entgleiste Guterwagen stnrwenlang gesperrt. Ber- leht wurde niemand, doch ist der Materialschaden zi mlich erheblich.

Lokales.

Fulda, den 9 Dewmber 1911.

♦ Was bei Einkäufen zu Weihnachten beachtet werden sollte.

Für die Emkäutt in Dewi geschälten zu W ih nachten erscheinen so'gende Regeln beachtenswert, die der Deutsche Käuserbuvd v-iörftwl'ckü:

1. Besinne dich frühzeitig auf deine Weihnachts­geschenke und verschiebe deren Einkauf nicht bis auf die letzten Wochen oder gar die letzten Tage vor dem Fest.

2. Kaufe nie am Soimwg, auch nicht vor Weih­nachten, denn auch die Kaufleute brauch:» Ruhe und Erholung.

3. Sprich freundlich mit Verkäufer und Verkäu­ferinnen, mißbrauche nicht ihre Zeit und Geduld bei Auswahl der Waren usw.

4. Kaufe nicht am späten Abend, du uiachst am Tage bessere Einkäufe und verkürzt nicht den Feier­abend von Kaufmann, Angestellten, Boten.

5. Gekaufte Ware tausche selten um, und nie am Abend bei Geschäfrsandrang, sondern in den ruhigen Morgenstunden.

± Zur Ehrnni unserer lieben heiligen Elisabeth.

In der jüngst abgehaltenen General-Versamm­lung des Elisabeth-Vereins zu Fulda gedachte Herr Domkapitular Herbeuer auch der Kirchennot in Marburg. Angelegentlich wurde deshalb allen Damen der fleißige Gebrauch wie auch Vertrieb der vom .Internationalen Damen - Komitee" zu diesem Behufs herausgegedenen Vierpstnuig-Briefverschluß. marken empfohlen. Dank der von Frau Fabrikant Therese Mehler geleiteten Sammeltätigkeit hiesiger Damen sind, wie berichtet wurde, n nmehr 370 Mk. eingeoangen. Möchte dieses Sümmchen doch verzehn­facht werden!

Mit Recht wird die durch St. Ellsabeths Liebes- wirlen geheiligte Lahnstadt unseres Hessenlandes ,$erle* genannt. Man glaubt hier wirklich, wie der Biograph der Heiligen, Gras Montalembert, be­geistert sagt, .eine der lieblichen Landschaften ver­wirklicht zu sehen, welche die Kleinmalerei bi alten Msssalen oder die Gemälde der alten kathol. Maler­schulen in den fernen Hintergrund-Ansichten uns be­wundern lassen."

»ftt dem Reiz des Aufbaues dieses vttlbeioun- derten Stadtbildes wirken aber hauptsächlich die edlen Krrct enbauten mit, die in malerischer Staffelung die Höhe hinansteigen; sie alle finb Wahrzeichen einer glau bensfrend igen Dergan gen heit. Tenn von St. Elisa­beths Grabeskirche an, die so gewaltig im Talgrunde ausragt und deren Türmen gegenüber auf dem ehe­maligen Ptlger-Begräbuisplatzs eine kleine frühgoti che Friedhofs-Kapelle (.Das Michelchen" genannt) am Skdabhange der alten Lützelburg lehnt, bis hinaus zur alte« Burg, die mit ihren festen Mauern eine iteritche spätgotische Schloß-Kapelle umschließt, hat diese Gotteshäuser das katholische Mittelalter erbaut; und allesamt zeigen sie gotische Bausormen, die wir neben den schon genannten auch an den ehemaligen Klosterkirchen der Dominikaner, Franziskaner und KiWlherren, sowie an der Pfarrkirche .UnsererLieben Kraue« Sta. Marien', jetzt die lutherische Pfarr- «rche, wabrnehmen können

Rur die Kugelkirche ist den Katholiken ge­blieben, ein allerdings auch sehr schönes spätgotisches Gotteshaus, das aber leider gar wenig Raum für die Gemeinde bietet. Wenn nunmehr, wie kür,sich die ,Fuld. Ztg/ mitleilte, durch beharrliches Sam­meln die Mittel beschafft wurden, um das kunst­reiche SakramentshäliSchen dieser Kirche wiederher- zustellen, welch' eine unermüdliche und eifrige Sam­meltätigkeit sollte aber dann erst einsctzen für das große Sakramentshaus, welches in der alten Elisabetbstadt zu einer Notwendigkeit geworden ist. Die Hoff»,ung, daß die Grabeskirche der »Mutter oer christlichen Charitas" wieder uns zu eigen werde, ist ja geschwunden. Diese schönste Blüte der deut- icheu Gotik — die nach den Worten des verstorbenen kunstsinnigen Marburger Gnicral-Superiuteutunten Kolbe durck) ihre keusche Schönheit und anmutige Einfachheit anzieht, roie die weiße Li ie unter den viel färben- uno sormenrerchen Blumen des Gartens, zumal sie noch den alten Dust ihrer Ucsswünglichkeu an sich trägt —, diese Wunderblüte sagen wir, wird ja voraussichtlich nicht mehr das allerheiligste Altars­sakrament in sich aufnehmen.

Bereits ist deshalb der Bauplatz erworben wor­den für eine neue katholische Kirche zu St. Elisabeths Ehren. Das 20. Jahrhundert darf aber den tun ft« vollen Gebilden des Mittelalters nichts mind r- wertiges zur Seite stellen: ein großer hehrer Bau- gebauten muß wiederum in Marburg in die Er- Icheinung treten; und diese» Werk kann von den Verehrer-nnen der hl. Eliiabeth gewaltig gefördert werden, wenn sie sich konsequent der erwähnten Briefverschluß - Marken bedienen wollten. Warum rur diese large Zurückhaltung, da mau doch mit Ansichts-Postkarten eine oft geradezu unsinnig« Ver­schwendung treibt? Für bte katholischen Damen, die stch den kleinen Luxus der Elisadethmarken erlauben können, sollte e» eigentlich zum guten Ton gehören, bi» da» Baukapital gufammengc tragen wäre. Besonders für die Frauen und Jungfrauen nuferer Diözese muß es ja eine ^rensache sei«, einen recht ansehnlichen Baustein für das Denkmal der lieben Heiligen zu stiften, damit sich au den lieblichen Ufern

8. Nimm kleine, leichte Pakete aus dem Laden selber mit; mußt du deine Ware inS HauS bringen lasten, dann schreibe deine Adresse genau auf und gedulde dich, wenn abends gekaufte Waren erst am andern Tage zu dir kommen.

7. Machst du Geschenke nach auswärts, dann bringe sie zeitig vor dem Fest zur Post und nicht am späten Abend.

8. Empfangene Ware bezahle möglichst sofort.

9. Zahle angemessene Preise, damit du durch die Sucht, billig einzukaufen, nicht das Einkommen derer schädigst, die von ihrer Hände Arbeit leben müssen, denn der Kaufmann und Fabrikant wird dir nichts schenken, sondern wird an den Löhnen seiner Arbeiter sparen müssen.

10. Willst du dich vor dem Weihnachtsfieber der Hetzerei und des schlechten Gewissens bewahren, so befolge diese Rarschläge und gib sie weiter an andere und bereite dir selbst und vielen anderen WeihnachiS- ruhe und Freude.

(§) Ter kath. Meister- und Männecverein begeht Sonntag ben 7. Januar n. I. im kathol. Gesellen- hause seine Weihnachtsfeier, verbunden mit dem 41 Stiftungsfeste. — Der dompfarr- liche Jünglingsvecein gedenkt ebenfalls im kathol. Gesellenhause und zwar am 2. Fei-cuar lMa­ria Lichtmeß) eine theatcolisch-m chkais lche Abcud- unterhaltung zu veranstalten

-er. Wirtschaftliche Wandlungen in den Ortschaf­ten um Fulda. Den innigen Anteil in wirtschaft­licher Hinflckst, ben die umliegenden Dörfer an der fortschreitenden Entwicklung der Industrie und des Handwerks unfecec Stadt nehmen, erkennt man deut­lich, wenn man sich zunächst bte Ortschaften Horas und Petersberg auf die dortige bedeutende Ver- mehciing und Erneuerung der Wohnstätten hin ansieht. So finden sich in H o r a s zirka 40 Wohnhäuser, denen man das „Neue" anmerft und die alle im Laufe der letzten 10 Jahre erstanden sind. Dabei kann man leicht feststellen, daß für die meisten Besitzer oder Bewohner dieser neuen Häuser die Landwirtschaft nur noch eine ganz untergeordnete Bedeutung hat. Denn nur bei wenigen Neubauten finden sich große Scheunen und Stallungen. Dafiir sind meist Räunk- lichkcitm vorhanden, welche hauptsächlich als Stal­lung für Kleinvieh und zugleich auch als Aufbs- wahrungsort der wenigen lvudwtttschaftlichen Pro­dukte dienen. Diese Erscheinung hat darin ihren Grund, daß viele Dorftewohner in der Stadt in In­dustrie und Handwerk ihren Hauptvecdienst haben. Am Petersberg kann man ebenfalls ungefähr 40 Wohnhäuser zählen, die im Laufe dec letzten Jahre erbaut wurden. Hier wie in Hocas sind eS meistens hübsche, Istöckige Häuser, ja vereinzelt sieht man drei­stöckige. Vergleicht man die alten kleinen Häuser mit den neuen Gebäuden so ersieht man leicht, welcher Fortschritt im Wohnungswesen in hygie­nischer Beziehung gemacht worden ist. Sind doch unter ben alten Dosshäusern viele zu finden, bei denen unten die Stallung und darüber die Wohnung für die Familie sich befindet. Bei ben neuen Bauten ist, entsprechend der Forderung der Hygiene, durch­weg aus diesem Uebsreinander ein Nebeneinander geworden. Die Bautätigkeit in dem Nachbardorf Neuenberg war in ben letzten Jahren ebenfalls eine sehr rege. Näheres darüber haben wir schon vor einiger Zeit berichtet. Viele schöne Gebäulicft- feiten sind im Laufe der letzten Jahre auch am Vach­rain, in Künzell am Dicken Turm, in Johannesberg, Sickels, Haimbach, Riesig und vielen anderen Orten errichtet worden. Daß die täglich vom Lande nach der Stadt zur Arbeit Gehenden ihren• Wohnsitz nicht nach der Stadt verlegen, hat seinen Hauptgrund barin, daß viele in dem Heimatsdorfe im Kleinen Landwirtschaft betreiben, und auch die Lebenshaltung auf dem Dorfe billiger ist wie in der Stadt. Daher kommt es, daß mancher Arbeiter einen täglichen Weg von 2—4 Stunden (bin und zurück) zur Arbeitsstätte mit in den Kauf nimmt.

liegenden Fall der Auftrag nur einer Fusion der beiben erteilt werden konnte, was in aller Welt brauchte man sie bann zu alarnneren und sie so um ihre gute Arbeit und ihr gureS Geld bringen? So werden die Künstler fragen — und man wird ihrer Frage eine Antwort geben müssen, lieber den Entwurf Kreis-Lederer haben wir nicht? Neues zu sagen. Der Kreissche Zentralbau wird ben Mäuse- türm in Grund und Boden schmettern unb eine? der herrlichsten Rbeinbilber entwerten. Leberers fitzender Bismarck ist — ich kann mir nicht helfen — ein orientalischer Moloch. Wenn die Vereine tn der geschlossenen Halle sich um ihn her gruppieren unb die Festredner ihre bomtemben Ansprachen hal­ten, kann es ein allerliebster Götzenbienst werben. Eine bessere Zukunft wird von einem solchen Götzen­dienst nichts wissen wollen, und wer bann später noch das Eintrittsgeld bezahlt, um den berühmten Moloch am Rhein zn sehen und die Riesenhalle, von deren Bestimmung kein Mensch etwas wußte, als man sie baute —, der mag so seine eigenen Gedanken haben von der Dauer der Gründerzeft nach 1870.

* Ein Attentat auf einen Schnellzug. Am Hel­len Tag wurde vorgestern auf den 1 Uhr 20 Min. von Saarbrücken abfahrenden Schnellzug im Rahetal Zwischen Waldbcöckelheim unb Rieberhaufen bei Münster a. St. geschossen. Die Kugel blieb in einem Fensterrahmen der britten Wagenklasse stecken, bie GlaSsplitter verwundeten aber einen fast unmittelbar in der Schußrichtung sitzenden Kreuz- nacher Fahrgast, der blutend unb wie betäubt von Mittelsenben vocgefunden wurde.

* Eine vegetarische Weltreise werben anfangs März sechs Personen, darunter drei Damen, von Leipzig aus antreten. Sie haben bie Perpflich- timg, auf der ganzen Fußreise unb auch zur See streng vegetarisch zu leben.

* Der Zoppoter Frauenmord vor dem Schwur­gericht. Unter großem Anbrange bes Publikums begannen vor bem Schwurgericht in Danzig bte Verhanblunaen in bem Mordprozeß gegen den See- fairer ®affte aus Zoppot, der beschuldigt sst, am 10. Januar dieses Jahres in Zoppot seine zukünf­tige Schwiegermutter, die Rentiere Klara v. Las- zewski ermordet zu haben. Unter den Zeugen be­findet sich die frühere Brant Gasskes, Fräulem Stephanie von Laszewski, die nrfptünglich unschul- diaerweise in den Berdacht der Mittäterschaft gera­ten war und unmittelbar nach der Mordtat das Verhältnis zu dem Angeklagten gelöst hat.

* Interessante Nachwirkungen des letzten Erd­bebens hat ein Fachmann in St. Gallen im Bo­densee festgestellt. Nach genauen Ausmessungen im Untersee, dem westlichen Teil des Bodensees, haben sich dort auf Schweizer Seite Senkungen und Abstürze von 3 5 — 60 MeterLänge 1—ß Meter Breite und ca. 1 Meter Tiefe eingestellt. Noch ausgedehntere, wenn auch etwas weniger tiefe Senkungen wurden von dem Gelehrten auf bet ba­irischen Seite entbeckt, nämlich solche von 80 300 Me­ter Länge. Auch bei Konstanz sind Senkungen im See beobachtet worden Diesen Beobachtungen wird grosser kviffenschäftlkHA Wert beigemessen.

— Aus beut Postamt. Beamter: „Das Paket »naß ich wegen jnbeuilieber Adresse znrückweisen. Das Wort „Darmstadt" Jfann ich nicht lesen."

.fjwxbj’. Industrie.

* Berlin, 8. Dez. 1911. Die heutige Börse setzte mit einer zuversichtlicheren Stimmung ein. Der Ban­kenmarkt ruhig bei fester Grundstimmung und einzel­nen kleinen Preisverbessccungen. Auch Montanwerte etwas gebessert. Schttsahrisaftie ebenfalls steigend. Elekk izitäswerie sehr stiü.

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vermischtes

* Der preisgekrönte Entwurf zu dem Bismarck- Nalioualdenkmal bei Bingen findet keineswegs bei den Kunftsachverständigen begeisterte Zusttmmung. In der „Tägl. Rundschau" schreibt Willy P a st o r: Die Künstler werden fragen: wenn schon Kreis ein Monopol auf alles Altgennanische, Lederer auf alles persönlich Bismärckische, und wenn danach im vor­

Werm Sio Ihr Kmö - ' gesund, munter und geistig frisch sich ent- || wickeln sehen ro„>Jcti, io geben Sie ihm Dr. d Hommel's Haamaiogen. Warnung! Man D verlange ausdrücklich den Namen 9r. Hoimiel .D

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der Lahn ein katholttches Gotteshaus er ehe, hehr unb ergreifend gleich dem uns verlorenen, von bem Elisabeth Mentzel, die ru Marburg geborene he ii> sctze Schriftstellerin, so treffend fing?:

-Und in dem T le, nah' beim Hain, Da steht em Hohes Lied auS Stein, Das Gotteshaus, das hehre. Der i.ömmsten Fran -iic Ehre.'

— Bon ben Kleine» für Vie Großen. Ein paar 100 bet köstlichsten Kindrrausspriiche erzählt eine alte Großmama in dem eben erschienenen Buche: „Von ben Kleinen für bie Großen". Hier ein paar von ben KinbeLwocten: Ein Nesthäkchen fragt: „Sage mal Mama, ist Papa schon lange bei uns?" --Denk mal, Greda, bie arme Großmama ist krank geworden!" „So, was fehlt ihr beim?" „Sie hat sich sehr stark erkältet." „Dann wirb sie sich sicher in ber Nacht bloßgestrampelt haben."--

Lutschen spielt mit Brot unb läßt etwas unter den Tisch fallen. Die Mutter schilt: „Das ist Sünde, Luischen hebe es schnell aus." Lutschen kriecht unter den Tisch und ruft von unten: „Mutter, ich kann die Sünde nicht finden."--,;Weißt Du, Mutte!,

es ist doch recht traurig, daß, wenn wir alle in den Himmel kommen, der Papa nicht auch hinein- kommt." ,La, aber warum soll denn der Papa nicht auch hinein kommen?" „Aber Mnttel, hast Du denn schon Engel mit Hosen gesehen?"--Ernst-

chen ist noch ganz klein. Da bittet sein älterer Bru­der Heinz, ihm doch einmal zu erlauben, das Brü­derchen mit in den Zoologischen Garten zu nehmen. „Was soll er denn dort?" fragt die Mutter. „Weißt du," meint Heinz, „ich möchte gern einmal scheu, ob der Storch ihn wiedererkennt." . . . Hilde, ein recht lebenbigeS Rheinlanbskind, ist im Zoologischen Garten und darf dort mit ihrer kleinen Freundin ein wenig allein herumspazieren. Plötzlich erblickt bie Mutter bie beiden, prustend, wütend und auf» geregt nach einem Tier spuckend. Die Mutter eilt hinzu und ruft entsetzt: Minder, was macht ihr berat da?" Hilde in arv stier grreauna fast weinend:

„Aber Mama, du kannst es uns glauben, wir können gewiß nichts dafür, das Lama hat angefangen." . . Wilhelm hat Nachhilfestunden im Rechnen. Die Lehrerin gibt ihm folgende Aufgabe: Wenn du mit zwei Freunden aus einem Ausflüge zwei Marl verzehrst, wieviel mußt du dann bezahlen, tvenn deine Freunde ein Viertel und ein Achtel der ganzen Tour zu zahlen haben? Wilhelm quält sich lange und platzt schließlich ganz verzweifelt heraus: „Lie­ber bezahle ich alles allein." — Ein Lehrer erklärt in einer Schule im lippischen Ländchen, daß man den Fürsten mit Durchlaucht anrebe unb fragt dann: Wie rebet man wohl einen Grafen an? Niemand weiß es. Schließlich meldet sich ein kleiner Bursch unb sagt: „Zeppelin, Herr Lehrer!"

— Ein neuer Naturschutzpark in Deutschlaub. Neben der Errichtung eines Naturschutzparkes in der ; Lüneburger Heide beschäftigt man sich zurzeit mit dem Plane der Anlage eines Naturschutzparkes im Benn an der belgisch-deutschen Grenze. Die bel­gische Abteilung hat der Kammer eine Eingabe über­reicht, in bet bedangt wirb, daß das gesamte in Betracht kommende Gebiet vom Staate erworben und als unantastbares Nationaleigentunt erklärt wird. Die deutsche Gruppe, deren Äelände sich utt» mittelbar an das belgische anschließt, betreibt zu­nächst die Wiederaufforstung der Brandfläche, um zu verhindern, daß das wasserreiche Quellgebiei fei­nen urwüchsigen Pflanzenbestand verliert. =a

— Die Lungentubertulose auf operativem Wege zn heilen, diesen kühnen Versuch hat in Gegemvart von Mitgliedern des jetzt in Philadelphia tagenden Kongreffes bet Chirurgen Amerikas Dr. Robert le Conte ausgefühct. Bei dem Patienten wurden zu­erst am Rücken Teile aus sechs Rippen entfernt. Da­durch wurden bie erkrankten Gewebe bloßgelegt unb nun operativ entfernt. Den gefunden Teilen bleibt bie Heilung ber Wunde überlassen. Es hat ben An­schein, als ob ber Patient sich auf dem Wege ber Besserung besinbr. Die Aerzte verfolgen begreiflicher­weise ben Heilungsprozeß mit größtem Interesse, --»ch.