M 280.
t>»«nmlag 7. 6e;«*b«r l»U
58. Jahrgang.
• fuldaer
Zeitung «
2. Blatt.
Mi< und Verlag bet Sulbcer UcHenbrndtrei in Silbe.
© Der Reichstag.
Der Reichstag ist heimgegangen, der drei Jahre in Berlin an der Gesetzesschmiede gearbeitet hat.
Wie? Drei Jahre? Wir haben doch die f ü u f- jährige Legislaturperiode. Ganz recht; der Reich»- tag ist bald fünf Jahre alt geworden; aber er ist dsselbe wie bei Beginn seiner Tätigkeit und ist nicht derselbe. Er zeigt die Zusammensetzung wie bggmiiol, von einig.u Veränderungen abgesehen, zu denen die Ersatzwahlen führten; di« Elenrente für die Mchrheitsbildung haben keinen wesentlich«» Wandel erfahren. Aber sie haben sich anders gemischt unj daher eiet anderes Ergebnis herbrigeführt. An jenem Wahltage, wo nach einem wüsten Wahlkampfe gegen das Zentrum das „Volk" in Berlin „jubelnd" vor das Schloß zog und der Kaiser vom hohen Altan von dem niedergerittenen Feind redete: Die Kunst jetzt lernten wir, ihn zu besiegen. Und sind voll Lust, sie süicher noch zu üben — welche Hoffnungen wurden da nicht auf die Politik der konservaüv- liberalrn Paarung gesetzt? Der Rülow-Block hatte seine Schuldigkeit getan. Der Sozialdeinokratie war eine schwere Niederlage bereitet worben. WaS man 'vor allem erstrebt hatte: das Zentrum zu vernichten, das allerdings war nicht gelungen, aber es konnte nun kalt gestellt werden. So konnte Fürst Bülow froh sein und der Himmel hing voller Geizen.
Aber, es kann ja nicht immer so bleiben hier unter dem wechselnden Kurs. Zuerst ging alles schön uno gut. Aber als die Finanzriform kam, da klappte es nicht mehr; der Block machte sieben lange Monate lang einen Auflauf, um ans Ziel zu gelangen, aber er konnte nicht. Und da war es mit Bülow und dem Bülow-Block vorbei. Eines Tages zog Herr v. Beth- mann Hollweg dort ein, wo man noch keinen hatte glücklich enden sehen, und es begann die Aera des andern Blocks, der aber kein Block war, die des schwairz- blauen „Blocks". Jetzt war der Reichstag ein an- >erer; oder vielmehr er war der alte, aber es kam frisches Leben in ihn und er erwies sich von einer geradezu beispiellosen Arbeitskraft und Fruchtbarkeit. Zuerst wurde die Neichsfinanzreform erledigt. Es ist bekannt, daß das Zentrum, obwohl es alle Ursache gehabt hätte, in dcr ihm zugedachten Selle des aus- geschalteten Zuschauers zu verharren, alle eigenen Interessen zurückstellte und in hervorragendem Maße dazu beigetragen hat, die Reichsfinanzen auf eine gesunde Basis zu stellen. Und daß dies erreicht wurde, das hat erst vor wenigen Tagen der Reichsschatzsckre- iär Wermuth gegenüber der tierlogenen Hetze des Liberalismus und des Umsturzes tm Reichstag ausdrücklich anerkannt.
Mr die anderen zabflosm gesetzgeberischen Maß- .ahmen, die der Reichstag getroffen hat, wieder auf» Huzählen, darauf müssen wir Verzichter». Wir beschran- ien uns darauf, nur sie Vorlagen von hervorragender Vedeutung zu nennen. Ganz besonders fruchtbar hat sich der Reichstag unter bet hervorragenden Mitarbeit des Zentrums auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge erwiesen. Er hat die Hinte rbll eb eneuVersicherung geschaffen, er hat das wichttge Werk der R eich s v ersich e run g8 ord nung verabschiedet, er hat ferner oie B:amtmwelt durch die B esol- du n g s r e f orm in ihren Bezügen aufgebessert, er hat für unsere K riez s o eteran en gesorgt, er hat für die Aerrnstm der Armen, die Heimarbeiter, durch daS Hausarbeitsges-tz erträglichere Arbeitsbedingungen ge- chaffen und et hat endlich das große soziale Werk >es Reiches gekrönt durch die Verabschiedung der Privatbeamtenversicherung, die den «chrelangen Wunsch deS ungezählten Heeres der Privatangestellte» endlich erfüllt. Der Reichstag hat wet- .Äc zur Vervollständigung »mserer Wehrmacht zu Was- &und zu Lande gearbeitet, indem er der Herabsetzung
Dienstalters der Kriegsschiffe seine Zustimmung 'aa6 und eine neue Heeresvorlage bewilligte. Er hat weiter zur Deckung der Mehrkosten für die echöhte Fürsorge für unsere Kriegsveteranen die Wettzuwachssteuer geschaffen und er hat endlich den heißen Wunsch der reichSländischen Bevölkerung erfüllt, indem er dem Retchsland eine neue Verfassung gegeben hat, die eS in die Reihe der Bundesstaaten als im großen und ganzen vollberechtigtes Mitglied mrfifimmt.
Trotz der großen Arbeitskraft des ReichSags war es ihm aber doch nicht möglich, im Rahmen der 4»ret yrdentlichen Sessionen alle Arbeiten zu bewältigen. Ae nutzlos üergeubeten zwei Jahre der Blockherr-
lichkert tragen die Schuld daran. Und da noch »sichtige Vorlagen der Erledigung harnen, so mußte der Reichstag in diesem Winter noch zu einer kurzen, außerordentlichen Tagung zusannnentreten. Die Mehr» heitsparteim haben ein große« Matz von Selbstüber» wückung und Pflichtbkwutztsein bewiesen, indem sie noch kurz vor den Wahlen sich bereit erklärten, die un- erledigt gebliebenen Vorlagen zu verabschieden.
In ganz hervorragendem Arbeitseifer hat der Reichstag in kaum 4 Wochen eine ganze Reihe wichtiger Vorlagen vorab sch ieort. Er hat daS Schiff» fahrtSabgabeugesetz verabschiedet, ba8 für unser Wirtschaftsleben von großer Bedeutung ist, er hat bei HauiarbeitSgesetz erledigt, ferner daS Hilfskassengesetz, das K l e in a kt i en g e- setz und di« ostafrikanische Eisenbahnvorlage. Daneben fand er noch Zeit, in ausführlicher Weise die Marokkoaffäre zu behandeln und im Zusammenhang damit ist es ihm gelungen, »cm Reichstag das wertvolle Mitwirkunasrecht bei kolonialen Ge- bietSDeränberungen zu sichern. Niemand wird dem Reichstag das Zeugnis verweigern können, daß er eine gewaltige Arbeit bewältigt hat und man darf wohl sagen, es ist schade um diesen Reichstag. Man kann nur wünschen, daß er in derselben Zusammensetzung Wiederkehr!. An allen gesetzgeberischen Maßnahmen des Reichstag- hat vor allem das Zentrum einen ganz hervorragenden Anteil genommen. Es kann jetzt »nit gutem Gewissen vor seine Wähler treten, deren Vertrauen es in vollstem Maße gerechtfertigt hat. An diesen ist es jetzt, ihrer bewährten parlamentarischen Vertretung ihre Dankbarkeit datzurch zu beweisen, daß sie alle Kräfte daran setzen, daß dos Zentrum in alter Stärke wieder in den neuen Reichstag einzieht zum Segen des Volkes un» zum Wohle des Vaterlandes.
Deutsches Reich.
* Emm eigentümlichen Fall von „ Insubordination" berichtet die Korrespondenz des Deul'chen Lehrer- oereinä nach bet ,Pädag. Zkg/ aus Posen wie folgt: •
Für zwei derselben Ortsschulinspektion angebßrenbe Schulen, in denen die Hüllte, bezw. ein Drittel der Schüler kalholnch war und an denen bisher nur evangelische Lehrer anaebellt waren, verfügte der llnierrichlsminister die Anstellung je eines katholischen Lehrers; den bisheiiaen evangelischen Charakter sollten, wie ausdrücklich bemerkt war, die Schule» weiter behalten. Die Anstellung der katholischen Lehrer au den evavgel'schen Schulen ging dem (eoangritfdjro) geistlichen Ortsschulinspeklor übet die Schnur, und es wurden Beschwerden an die Regierung, das Konsistorium und den Unter richtsminister abgefanbt. Obwohl das Konsistorium dem Pfarrer müteilte, daß die Maßnahme des Ministers durch die örtlichen Schulverhältmsse durchaus berechtigt sei, und ihn er,uchte, die Anaelegenbeit als erledigt zu betrachten, war er bemüht, durch allerhand Schrille (auf die hier nicht weiter elugegangen werden soll) die ministerielle Verfügung rückgängig zu mache». Als dann die Besetzung der Stellen durch katholische Lehrer perfekt und der Ortsschulinspektor mit der Einführung der beiden Lehrer beauftragt wurde, schickte er die Verfügung mit der Bemerkung zurück, daß er die Einführung der beiden Lehrer nicht ausführen werde. Die Einführung etsolgle dann durch de» zuständige» Kreisschulinspektor; dem geistlichen Orlsschulmipektor geschah nichts, gar nichts, obwohl die Regierung doch sonst ganz gut weiß, wie sie Bermie, die ihren Anordnungen nicht Nachkommen, zur sttäson bringt.
Das sollte mal ein katholischer Ortsschulinspektor gewagt habe»!
* Ei« Sieg bei Radikalismus. Wer hat in Konstanz gesiegt? Die sozialdemokratische »Volks wacht' (Nr. 131) sagt das m einem Bericht vom soziald«nokra1ischet» Verein Konstanz in folgenden Worten:
.... Es fft eitel Lug und Flunkerei, daß der nationalliderale Gedanke gesiegt habe; es war die zwar in der parlamentarischen Haltung der Nationalliberalen niemals in praktische Erscheinung tretende radikale Agitation der Liberalen und das Hervorkehren von uns entlehnten politischen Gedanken und Forderung, das den Nalionalliberalen den blendenden Schimmer blinder Liber lität gab und die fteiheilkrch fühlenden Wähler verwirrte."
Das sozialdemokratische Urteil deckt sich vollständig mit unserem eigenen. Auch wir haben von Anfang an betont, daß in Konstanz der Radikalis-
nms, mit dem die.Rational-Liberalen die «gi- tatron betrieben, gesiegt habe, nicht ein nationaler Liberalismus.
Straßburg, 6. Dez. 1911. Die Ernennung von 18 Mitgliedern der Ersten Kammer de» Land- tags für Elsaß-Lodringeu durch den Kaffer ist jetzt erfolgt. D»e elsässische Presse ist mit diesen Er. Nennungen wenig einverstanden. Der ^Lorraiu' bedauert, daß man nicht das Zartgriütfl gehabt habe, dem Kaiser mehr katholische Kandidaten vorzuschlagen. Die ,Lothrmaer BolkSttimme' erkennt zwar an, daß durch die Erste Kammer eine berufS- mäßige Vertretung in gewissem Sinne zur Wirklichkeit geworden ist, folgert aber aus der konfessionellen Zusammensetzung der Ersten Kammer, Die den Ron» ielfionalllätsverhälinffs n der elsaß • lothringischen Bevölkerung nicht entspreche, daß das Oberhaus das Haus der Liberalen im vollendeten Gegensatz zu der auS der allgememen Wahl hervorgegangenen Volkskammer geworden ist.
Ausland.
** Schweiz. Im Großen Rat des früher sehr kulturkämoserisch angehauchten Aargauischen Großen RateS richteten die radikalen Großräie an den Re> giernngsrat eine Anfrage über das päpstliche Motuproprio betreffend die weltliche Gerichtsbarkeit der Geistlichen.
** Ei» sehr bedeutsamer Schulkougreß der französischen Katholiken hat dieser Tage in C»e r m o n t stattgefunden. Er war aus den Departements Allier, Cher, Corrtzze, Indre, Puy de Tome, Creufe und Haute-Vicnne beschickt. Gerade diese Departements waren bisher unbestrittene Domänen des glaubensfeindlichen Radikalismus. Das Werk der kmho- lischen Privatschulen legte jedoch gründlich Bresche in diese Hochburgen. Eine verlässige Statistik weist nach, daß in die katholischen Privatfchulen der erwähnten Departements sich nicht weniger als 43 Prozent der Gesamtzahl aller Schulkinder begeben. Der Kongreß beschloß die Errichtungweiterer Schulen, da sich auch in steigendem Maße geeignete Kräfte dem Berufe des katholischen Lehrers widmen. Eine neue Generation, die sich auf ihre Pflichten als Katholiken besinnt, wächst in Frankreich heran — das einzige Mittel, um das Land der Freimaurerei und dem Jakobinertum zu entreißen.
*♦ Tie Botschaft öcS amerikamjchkn Präsidenten Tast an den Kongreß behandelt diesesmal die Frage der Trusts. Taft erklärt, die Gerichte hätten bisher gezögert, Ueberhetcr in8 Gefängnis zu schicken, da jedoch das Vergehen b ff er erkannt sei, so würden die Gericht« auch zur Berhängung von Gefängnisstrafen kommen. Essei nicht beabsichtigt, die Anhäufung großer Kapitalien zum Zwecke der Heravsetzung der Produktionskosten und der Preise zu verhindern. Das Antitrustgesetz richte sich nur geaen die Vereinigung von Kapital zum Zweck der Unterdrückung der Konkurrenz und der Aufrichtung von Monopolen.
Lokales.
Fulda, den 7 Dezember 1911.
♦ Verkaufszeiten vor Weihnachten. Die erweiterte Verkaufs- und Beschäftigungszeit in offenen Verkaufsstellen an den Werktagen vor dem Weih- nachtsfest »ft wie folgt zngelaffen: Der Zehnuhr« Ladenschluß an den letzten 10 Werktagen vor We brachten mit Ausschluß des 24. Dezember. Tie erweiterte Beschäftigungszeit an 9 Werktagen vor Weihnachten, zusammeusallend mit den vorbezeiwnete», mit Aufnahme des ersten derselben
— Das 2. Kurhessische Feldartillerie-Regiment Rr .47 in Fulda nimmt zum Oktober 1912 Zwei- jährig-Freiwillige an. Junge Leute, d»e tm Besitze eines gültigen Meldescheines sind, können sich Mittwochs und Samstags vormittags auf dem Geschäftszimmer des Regiments zur ärztlichen Untersuchung melden. Schneider, Schuhmacher, Sattler, Köche, Schreiner, Buchbinder, Landwirte, Gartner, Schlosser, Schmiede, Schreiber uflv. werben bei bet Annahme bevorzugt.
’* Aus der MamnOaftrie. Die vor einigen Monaten gegründete Gewerkschaft Ellers,
di« einen Teil der ftüher zum Reuhöfer Kaliwerk gehörigen Felder übernommen hat, Hutt in Berlin eine Gewerk Versammlung ab, über deren Verlauf u. a. folgendes mrigeteUt wirb: In der Versammlung waren 917 Kuxe vertreten. Der Vorsitzende erstatte»« über die Lage bet Gewerkschaft ausführlich Bericht. Besonders hervorgehoben wurde, daß der Schacht zu durchaus annehmbaren Bedingungen vergeben fei, und daß die übernehmende Firma einen erheblichen Teil in Gestatt von Obliaatwnen der Gewerkschaft Ellers zum Kurse von 96 Prozent zu übernehmen habe. Bezüglich her finanziellen liege wurde »«geteilt, daß von der vom Konsortium einzszahlenden 1.000J 00 Mark Zubuße bisher etwa die Hälfte «»gegangen sei; wegen Einzahlung des Restes fei das Erforderliche veranlaßt. Bezüglich der Aufnahme einer Anl«he in Höhe von 2500000 Mk. wurde eütfttmmig beschlossen: Die Gewerkschaft Ellers gibt hypothekarisch sicher zu stellende Teilschntdverschreibungen tm Gesamtbeträge von 2500000 Mk. aus, und zwar m 2500 Stück einzelne Teüschuldverschreibungen zu je 1000 Mark nom., verz nslnh zu 5 vom Hundert jährlich vom 1. Januar 1912 ab, einlösdar ab 1. Januar 1917 mit mindestens 2 Prozent der Anlnhe zuzüglich ersparter Zinsen zum Kurse von 103 Prozent. Zur Sicherung der Forderung ist eine Hypolhet auf den Gesamtgruud- und Bergwertsdesitz der Gewerkschaft Ellers an erster Stelle emzntcagen, und zwar auf den Namen der Deutschen Treuhaudgesellschaft in Berlin, welche als Treuhäuderm für die ganzen Teiljchuldverschreibungen fungieren soll.
Aus dem Uachdargebleie.
-?- Aus der Rhön, 5. Dez. 1911. In einer kürzlich erschienenen Abhandlung in dieser Zeitung wurde der Nachweis versucht, daß es höchste Zeit se», das Amtsgericht oder mindestens eine Abteilung von Weyhers nach Gersfeld zu »erlegen. Die Anregung zu jener Abhandlung und den jüngsten Bemühungen der Gersfelder in dieser Richtung hat angeblich der Umstand gegeben, daß in den preußischen Voran chlag für nächstes Jahr 105 Richteistellen mehr eingesetzt find. Daß die« keine Veranlassung für Neugrimdung eines Amtsgerichts ebgeben kann, wird jedem klar sein, der das Zustandetommen eines fei ten Voranschlages auch nur einigermaßen kennt. Sind wirklich 105 neue Stellen für nächstes Jahr ausgeworsen, so sind auch die Amtsgerichte, denen dies« Stellen zufalle«, schon genau bestimmt. Verspätete Bemühungen, wie die der Gersfelder, können dabei überhaupt keine Berücksichtigung mehr erfahre«. Ferner werben aber Wünsche und Begründungen, wie bie Gersfelder, selbst wenn sie rechtzeitig angebracht werde«, wohl kaum einen Einfluß auf die Besetzung der Stellen ausüben können. Maßgebend ist dabei säst einzig unb allein, von unbedeutenden Ausnahmen abgesehen, die Geschäftslage des in Betracht kommenden Gerichts. Ob nach dieser Richtung ein Bedürfnis vorliegt, das kann man in Gersfeld doch nicht beurteilen. Sollte dies Bedürfnis vorliegen, so wird trotzdem die Verlegung einer Abteilung des Gericht- nach Gersfeld wohl kaum erfolgen. Tenn die dadurch entstehenden Kosten, selbst wenn Gersfeld Tiensttäume unentgeltlich zur Verfügung stellen würde, sind so bedeutend, daß sie der Staat ohne zwingende Notwendigkeit wohl kaum aufwenden wftd. Daß nun diese Notwendigkeit auch nur teilweise vorliegt, das wird im Ernst wohl niemand behaupten wollen. Die Entfernnngeu sind im Verhältnis zu denen in manchen anderen Gerichtsbezirken ganz unbedeutend. Daß nicht Jedermann ein Amtsgericht vor feiner Haustür haben kann, ist selbstverständlich. Die Entfernung von Lütter nach Weyhers betragt genau 2,7 Kilometer, und nicht 4—6, wie der Verfasser der fraglichen Abhandlung geschrieben hat. Warum eine Bahnfahrt von 14 Kilometer und die Zurücklegung eines solchen Landweges den heutigen ZeuVerhältnissen nicht mehr e lspricht, kann man wirklich nicht einschen. Vielleicht läßt sich diesem behauptete» lkebelstande durch Schaffung einer Laltschiffahrlverbindung begegnen! Das für «men Landungsplatz nötige Gelände wird oie Gemeind« Weyhers sicherlich gern zur Verfügung stellen. In verschiedenen anderen Zeitungen, so im ,Fuldaer Kreisblatt', »st eine Abhandlung bezüglich
sie hat bat Titel: Katholischer Kindergar. ten (8 X), und hat sich in der Praxis tatsächlich als em Garten erwiesen, ht dem unsere Kinder gerne lustwandeln. Ein Auszug daraus, so recht geeignet für Kinder der allerersten Schuljahre, ist auch zu haben unter dem Titel: Blumen aus dem katholischen Kindergarten (1.80 X). — An Knaben richtet väterliche Worte her Ermahnung und religiöser Belehrung ei» Mann, der daS stürmische Herz der Jugend mit all fernen Hoffnungen, all seinen Abgründen wie kein an- derer kennt; es ist Holl: seine drei trefflichen Schriften heißen „Sturm und Steuer" (2.40 XX, „Wahn und Wahrheit" (2,80 X) und „Die Jugend großer Män- ner" (3 X). Gerade letzieres wäre ein Büchlein, wert, daß «8 jeder junge Katholik in der Tasche trüge.
Wenn aber einsichtige Eltern etwas Besonderes tun wollen, so würden wir zu der „Bibliothek deutscher Klassiker" (12 Bd, 36 X) raten. Unsere Klassiker müssen wir heutzutage gelesen haben, wollen wir Anspruch auf Bildung machen. Und sie werden auch gekauft, aber wie oft in mangelhaften, äußerlich aufgeputzten Ausgaben. Da ist e» beim doch besser, das Geld hierfür gleich vernünftig anzulegen und etwas Rächte« zu kaufen. Da hat sich Herders Klaf. sikerbibliothek gerade als daS erwiesen, was wir wollen: für mäßigen Preis eine fo obere Hufr gäbe mit kurzen Erklärungen, die totr lieb gewinnen unb zum Grundstock unserer ersten kleinen Bibliothek machen. Unb bet Vorzug ist habet noch, baß ich gar nicht genötigt bin, bie ganze Bibliothek auf einmal zu laufen, da auch einzelne Bände abgegeben werden.
Ein« sehr wertvolle, für bie Familie nicht minder geeignete Ergänzung hierzu ist btt „Bibliothek wertvoller Novellen und Erzählungen" (12 Bände 80 XX, in her bie Perlen unserer deutschen Prosa an einer gtoölfgltebrtgen Kette aufgereiht find: diese Bibliothek versorgt »ns auf geraume Zeit mit köstlicher GeisteSnahrung. Auch von dieser Bibliothek werden einzelne Bände abgegeben.
Wir gehen jetzt zu einer andere» Grupp« von Büchern, di« für den Bereich der Familie (die vorhin empfohlene „Bibliothek deutscher Klassiker" und .Bib- liothek wertvoller Novellen" hätte ebensogut auch ht dieser Rubrik Platz finden können; beide haben alle« Anrecht, gern «infamer Familienbefitz zu werden!) vor. züglich eignen und wert sind, am Tisch, wenn die letz» tat Reste de» Abendessen» abgeräumt find, vorgelesen zu werden. ~'
* Weißt du schon,
was Sn schenke« wittft?
Unter den vielen Geschenken gibt e» bekanntlich we- Se, deren Wahl soviel Kopfzerbrechen erregt al» ge- e das — Buch. Daß zur schönsten unb dankbarsten Gab« daS Buch gehört, well e» ein Lebensbegleiter werden und schier ewig erfreuen kann: darüber sind sich unsere Leser nicht tm Zweifel. Indes, wenn ich stur wüßte, welches Buch ich geben soll!
Da stellt sich die Redaktion, die ba» ganze Jahr ben Laubfrosch für Winb unb Wetter, alle Hausmittel gegen Verschnupfung (seelische wie körperliche), sichern Wegweiser burch sämtliche BereinSbälle usw. liefern Muß, vor: sie täte ihren Lesern keinen geringen Dienst, Wenn sie auch ihre literarischen Rebaktionserfahrungen tziwas springen ließe und unparteiisch auS der großen Flut von guten Büchern die empfehlenswertesten hier Namhaft machte.
Unb so beginnen wir die nicht leichte Arbeit, inbem wir zuerst au« bem bekannten Herberschen Verlag in Freiburg neue Bücher für unser junges Volk, Knaben unb Mädchen, vornehmen. Dann gehen wir über zu feen erzählenden Büchern heitern und ersten Inhalts in Poesie unb Prosa unb schließen unsere Runbschau mit interessanten, mehr belehre oben Werken für uns Große. — So wissen unsere Leser gleich, wo sie zu» greifen müssen.
Für *«• 3n->c:’b beiderlei Geschlecht« nennen mir nn erster Stelle bie ganz prächtige, illustrierte Samm. lung „AuS fernen Lande»", 26 hübsch« Bänd- chen zu 80 ober 1 X; bas neueste betitelt sich
»Der Sohn des Mufti" und spielt in Damaskus. — Bür etwas ältere Knaben aber ist ganz neu auf den larkt gekommen: Tzavellas, der Suliote, von Cüppers (2,20 X), eine packende Geschichte auS den dunklen Albanerbergen, unb da» Buch von R. P. Garrolb: Echte Jungen (4 X), baS jebem rech, ten Jungen direkt aus der Seele geschrieben ist, wo er '„mithin" kann von A—Z. — Für Mädchen aber würden wir unbedingt die schmucken Bändchen „Frau Ho Ile" (2 X) ober „Dornröschen" (2 X) ober „Saat unb Ernte" (1,80 X) von Rebeatis nehmen. — Wer «ber fernen Kindern lieber etwas Religiöses und dabei In einem anmutigen Gewand geben will, berttmge die für Kinder seit Jahrzehnten bewährte, immer wieder RÖner illustrierte Kinder-Heilig erliegende von Haitier;
die LieblingSIektüre weiter Kreise geworben sind. werk, ba» «icht minder begeisterte Ausnahme gesunden Für unsere Frauenwelt speziell hat stch im. jabea totrhiben ^Wanderfahrten unb .Wallfahr-
Mark), die in formvollendeter Sprache ungemein tiefe Beobachtungsgabe auSftrahlen; dauernder Genuß wird die Frucht tiefer Lektüre fein. — Ein andere» Reife.
bea neuen Roman von dem berühmten So Ionia, ,S»t" (4 4). So kurz der Xitel ist. so inhaltsreich und packend ift die eigenartige Geschichte, die sich in der spanischen Aristokratie abspielt. — Einen Ehekou» flift mit erschütternder Wirkung schildert S ch a r l au in „Martin Augustm" (4 X); historische Begebnisse haben ihren Meister gefunden in Spillmaun, dessen gesaunnelte Romane (14 Bande zu je 2 X)
Dazu gehört in erster Linie der längst beliebte Konrad Kümmel mtt feinen gesammelten kostbaren Erzählungen heitern wie ernsten Inhalts, aber immer gleich packend und spannend, llnb da di« Erzählungen nicht lang sind, fo kommt auch her ungeduldigste Leser ober Zuhörer, bet schon lange denkt, toie eis wohl .ausgeht", unbedingt auf feine Rechnung. Das neueste ist diesmal jedoch kein Geschichtenbuch, sondern selber Geschichte: die von patriotischem Warmgefühl getragene Schilderung „Der große Krieg 1870.71" (4 X), in der Kümmels Erzahlertalent und Dispoft- tiousaufgabe auch wahre Siege feiern; besser unb anschaulicher als hier kann man sich über die verschiedenen Stadien dieses heißen, fürchterlichen Ringens nicht unterrichten. — Zwei ausgesprochen h mnoristische Bändchen von Kümmel sind „Auf der Sonnenseite" (je 2,30 X). Wer krank ist und sich gesund lachen will, dem empfehlen wir al» billigste und beste Arznei die beiden letzten Bändchen. — Ein andere» Büchlein, boS in einem halben Jahre gleich sechsmal gedruckt werden mußte. Betitelt sich „DaS Dorf In der Himmels sonne" (2 X) von Heinrich Mohr, der auch di« köstliche Sammlung bon Schwänken auS sechs Jahrhunderten, „Der Narrenbaum" (2,50 Mark), hemuSgegeben hat. Da» „Dorf in der Him» meissonne" enthält für jeden Sonn- und Feiertag eine Heine Lesung, aber in fo würziger und ben ganzen Menschen so erfassender Art, daß viele sagen, sett Alban Stolz fei etwa» ähnliche» nicht mehr geschrieben worden. Da» will aber mehr heißen als sich mit Worten erklären läßt. — Noch ein Buch in dieser Richtung un. gefähr ist A braharn a Sancta Clara, SBlüten. lese au» seinen Werken, 2 Bändchen (2,80 X und 4,40 XX. die das sprachlich Schönste und inhaltlich Wertvollste au» den Werken de» unsterblichen Volks- Prediger» bringen.
Wer aber wieder einmal einen Roman lesen will, über bem man Essen und Trinken vergißt, der verlange
mer wieder als schönste WeihnachtSgabe bewährt ba» Lebensbild der edelsten deutschen Frauen, der heil. Elisabeth, von Alban Stolz, in einfachen wie feinen, künstlerischen Ausgaben (2 X, 4,40 X, 4,60 X ober 8 X) zu Haden. Wo aber dieses Buch schon gebraucht wirb, mögen die neuen Bändchen der zeitgemäßen Sammlung .Frauenbilder" al» passende Fortsetzung benutzt »Derben. .Die hl. Katharina von Siena" von Riesch (2,50 X) tote „Dorothea bon Schlegel" von Hiemeuz (2,50 X) sind beide« Frauengestalten, die, soweit sie auch räumlich toie zeit- lieh auseinander liegen, jede in ihrer Br» hohe Mis- fionen zu erfüllen hatten und her Franenseele viel zu sagen wissen. Ein umfangreichere« Lebensbild ist das der „Sei. Magdalena Sophie Barat" (9,50 X}, Stifterin der Kongregation her Damen vom Sacrö Coer, deren ausgezeichnete Lehrtätigkeit ja überall bekannt ist.
Ein Familienbuch im besten Sinne des Worte» ist Worte» ist das immer wieder neu aufgelegte Werk: Da« HauS de» Herzen« Jesu von Hattler (7 XX. Den anheimelnden Text diese» nach Inhalt und Ausstattung hervorragenden religiösen HauSbuche» ergänzen die durch künstlerische Vollendung und echt religiöse Wärme ausgezeichneten Bilder bon Führich unb andern großen Meistern. — Ein Prachtwerk aber ist das in großem Format gehaltene „DaS Va. ter Unfer" in Wart unb Bild dargestellt bon Kunstmaler L. Glöhle und Professor Dr. Ä. Knöpf- ler (15 XX, neun prachtvolle Heliogravüren mit auS- erlefenera Text nach den Kirchenvätern. Ein herrliche» Familienbuch, da» in jeder katholischen Familie auf- liegen sollte.
Vou den bisher berührten, mehr für den weiteren Familienkreis berechneten Büchern gehen wir nun über zu Reffewerken, Büchern geschichtlichen, lüerar» historischen oder ähnlichen Charakters. Gerade solch« beretien für bie heranreifende Jugend sowohl alS für den Erwachsenen freudige Ueberrafdjung.
Erst nehmen totr Reisewerke. In neuem Gewand« präsentieren sich un» die schon öfter» aufgelegten Reise, flizzen beS unvergeßlichen Hetlinger, bie vor. nehm illustrierten Bande „AuS Welt und Kirche" 15.—