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let<H»eslni<m* Verlag der L-kdaer Tb Cflrtraifnd i» Selb« j»ni[yrn^f Br »

279. Erstes Blatt.

Fulda, Mittwoch den 6. Dezember 1911,

38. Jahrgang.

futjeuErklärungen. Unzweifelhaft üt die Rede Lloyd

bie der

Abg Graf «efiarp kons.): Dem Antrag über den Erwerb und die Veräußerung von Kolon mlbkfitz setzt em Teil meiner Fremide Bedenken entgegen, der größere Teil stimmt ihm zu. Das Urteil meines Fraklions- genoffen v. Heydebrand über die Afrikaverträge kann ich auch heule nicht anders oks richtig anerkennen. Äs ist für uns nicht viel erreicht morden, aber wir erkennen an, daß die Regierung wohl erreicht Hal, was sich ratet den gegebenen Verhältnissen erreichen [ ließ. Der Eindruck, den die Berträge gemacht habe», ging dahin, daß nicht England, sondern Deutschland Io behandelt «erden sollte, als ob es nicht mehr mit» im Skat der Böller Das konnte nicht ohne Siu» ans dir Stimmung des dem ich e« Volkes bleiben. Daß England nacht nur die Wahiimg der nbernomme» »en Verpflichtungen einer andere» Macht gegenüber E ««»' hat, geht ans der Rede Greys enb de« BeröffeMluhung«- des englische» Hauptmanns Faber hervor. ®* Rede Greys hat i» ganz Deutschland Anfregnng hervorgernsen. Es bat sich ergebe», daß die deutsche Regierwiq Englands Auftreten energisch »wmckgewiese» hat. Das hat am 9. November bereits der Abg. v. Heydebrmid getan,

j* Ende gut, alles gut.

Wer hätte gedacht, daß .diesem^ Reichstag, da» vielgeprüften und »ich verleumdeten, eine so schön, und erbauliche Schlußsitzung beschert sei, wückref Nach so zahlreichen und schrillen Diffonaw, zen gab eS am Ende dieser schicksalSretchen Wahl­periode einen vollen harmonischen Schlußalkord t» gemeinsamer patriotischer Stimmung.

Der Reichskanzler hielt noch eine Rede zutz Marokkofrago, die mit Recht als Slbrechb

.Klarer Blick, kaltes Blut, ruhig» Kraft, feste Einigkeit in großen ne* ti analen Fragen/

In lapioaren Worten ein vortreffliches Program»^ dem die Volksvertretung in seltener Einmütigkeit zu»

Der Eindruck dieser Enthüllung« wich noch bei* stärkt durch die klare und überzeugende Darlegung des Reichskanzlers, daß von unserer Seite kein britisches Interesse irgendwie bedroht ofeer auch nur berührt worden, und daß nach der Aufklärung, die Deutschland vechkzeitig bei der Entsendung des Kreuzer« nach Agadir gegeben hatte, überhaupt keine Veranlassung vorlag zu jenem Mißtrauen, da« beinahe zum Sriege geführt hätte. So durchschlagend, wie e« nur feilen in hochpolitischen Dingen möglich wird, ist hier der Nachweis geliefert, daß die brüsle Einmischung ®n> Ian» nur dem chronischen Uebelwollen, der andauernden Mißgunst »nd Feindselig, leit gegen Deutschland zuPischreiben war.

Leiber haben die Londoner Parlamenrsverhand» lungen gezeigt, daß England vorläufig von dieser Politik nicht Masten wird. Mit dieser Lage müs. ftn wir rechnen, und darum ist es gut, daß noch am Schluffe der Reichstagsfitzunge» vor aller Welt bie unangenehme Wirklichkeit klar gestellt wurd«^ und zwar so deutlich unv eindringlich, daß auch der einfachste deutsche Bürger begreife» muß, wie berech. tigtbie Aufforderung des Reichskanzlers an die Ra­tion ist:

I befteben, baß wir für die Anerlennung des französischen I Prorektorates M Marokko so gut rote nichts bekommen I uabm, Wenn uns Konflikte aufgezwungen werden, dann werden wir ihnen nicht auswerche» können. (Bei» I fall.) Aber wir wünschen ein, Politik, kraftvoll und zielbewußt, die nicht den Weltfrieden gefährdet. Der Redner sucht nachzuweisen, daß Deutschland viele I Fehler in der Marokkofrage begangen b.be.

Abg. 8#ffermann (»all.): Der Abg. Betel denkt sich immer zu sehr in die Sache der Gegner, I während doch solche Dinge lediglich vom deutschen Standpunkt betrachtet werden mfiffe». Allenthalben steht man die Tendenz, so auch in Persien, die Länder I zu verleiten. Deshalb müssen wir unsere Auge» offen I und unser Schwert scharf halten. (Sehr gut!) Dr Entwicklungsliieb der immer größer werdenden I Kulturvölker kann nicht unterbunden werden. Mit der I Rkformbedüifligkeil der Diplomatie wird sich der neue I Reichstag zu befchäfligen haben. Unberechtigt war die Fa.,rl des .Panther" nach Agadir nicht. Es fragt sich I nur, ob sie klug und geschickt war. Tine Aenderung der Lage ist durch daS Marokkoadkommen nicht emge» I irefe«. Wir vermögen nicht frei von Sorge» in die Zukunft zu blicken. <Ls kann nicht geduldet werden, daß von irgendeiner Nation eine internationale Vormundsch aft erstrebt wird, daß sie sich zum Schiedsrichter der Welt aufwirft. Wir wünschen eine zieldewußte Politik von feiten der Regierung und des demfchen Volkes.

Adg. Schrader (Vp.): Die Marokkopolitik hat meinen Freunden von jeher nicht gefallen, gleich mit der Entsendung des „Panther" nach Agadir wäre» wir nicht einverstanden. Möge man in Zukunft auS de» ' gewachten Fehlern lernen!

Abg. Fürst Hatzfeld (Np.): Die deutsche Diplomatie dätte sich lagen sollen, daß es leicht ist, mit einem Kriegsschiff in einen Hasen zu gehen, nicht aber, es mit Anstand zrnückzuziehen. Besser wäre es gewesen, die Verhandlungen nicht mit einem so dichten Geheimnis» schleier zu umgeben. Davon, daß Frankreich de» Revanchegedanken ausgegeben hätte, ist keine Rede. Wir wollen keinen Konfl.kt provozieren, aber un,er Pulver trocken hallen. Mit den sreundlichen Versicherungen der Engländer sind wir zufrieden, wenn beu Worten die Taten noch folgen.

Abg. Lalimann (iwrlsch. Bgg.) verliest namens seiner Freunde eine Erklärung, die anerkennt, daß der Reichskanzler die englischen Angriffe auf Deutschland zurückgewrefen habe, tadelt aber, daß sie die öffentliche Ernmlfchung Englands nicht öffentlich zurückgewieseu habe.

rischen Verhandlungen ungemischt, das hätte es lieber bleiben lassen sollen. Aber das Resultat bleibt doch

Abg. Frhr. v.Heriling (Zentr.): Die Ausführungen des^Herrn Reichskanzlers haben die Richtigkeit dessen I heft ölig«, was ich namens meiner politiichen Freunde bei unserer btzteir Debatte über die Frage dargelegt I habe, ich kann mich deshalb kurz fassen. Wir können I bie Gründe, die der Reichskanzler heute für fein I schweigen über die Antwort an England vorgebracht bat, anerkennen, lagen sie doch in dem Bestreben, die Lage nicht zu verschärfen. Aber wir müffen um so fchäifer beklagen, daß auf der andern Seite die gleiche | Reserve nicht beobachtet worden ist. Durch die irre» testenden Jnformmwnen der französischen Presse wurde sie große Beunruhigung bervorgerufen, die wir be» (lagen müssen. Die Rede Sir Grey's ist für uns eine Enttäuschung. (Sehr wahr und Zustimmung.) Auch wir wünschen ein befriedigendes Verhältnis zu England, aber nur mit dem Vorbehalt, daß unse.er fr edlrcheu. und volkswirtschaftlichen Expansion kein Hindernis in den Weg gelegt wird. (Lebh. Zustimmung nn^fentrum.) Ten Worten, die der Reichskanzler am st. November gesprochen hat, daß unsere Kriegsrüftung lednzeu gewachsen fei, schließen wir unS an: Kalt - bl»tig im Bewußtsein unserer Straft auf ,et» gutes Schwert und fein gutes Recht gestutzt, wrrd das deutsche Volk der Zu»

° «^'Oensehen. Lebh: Beifall.)

Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird an­genommen. Der nationalliberale Antrag wird zurück­gezogen und der des Zentrums in zweiter und drrtter Lesung angenommen. Damit ist die Tages­ordnung erschöpft.

Schluff des Reichstages.

Sodann wird unter Annahme einer unwesentlichen Aenderung die kleine Gewrrdenovelle, betreffend Lohnbücher und Arbeitszettel und die Aushebung Hilsskassen, angenommen

Es folgt die dritte Beratung bei

obwohl der Reichskanzler damals der Ocffentlichkett noch nicht in vollem Umfange Aufschluß gegeben Halle. Aber es erschien uns als em Mangel und eine Lücke, daß auf bie öffentliche Provokation Englands nicht alsbald eine öffentliche Antwort erfolgt ist. (Sehr richtig! rechts und im Ztn) Dadurch wäre die Be­unruhigung unserer öffentlichen Meinung wesentlich vermindert worden und es wäre vor allem lern Scha­den entstanden für unser Änjeben im Auslande. (Lebh. Zustimmung rechts und tm Ztr.) Das deutsche Att» jtbnt tm Auslande muß nach unserer Aus» safsuug darunter leiben, wen» bas Ausland glaubt, Deutschland müsse sich solchen Provokationen wider­spruchslos beugen. (Beifall rechts.) Aus dieser Er­wägung haben die Redner aller bürgerlichen Parteien eS am v. und 10. November für erforderlich gehalten, von der Tribüne des Reichstages auS England eine Antwort zu geben. (Zustimmung.) Ernste und pa­triotisch« Erwägungen waren es, bie unseren Redner im Ewverüändnis mit den bürgerlichen Parteien und tm Einverständnis der überwiegenden Mehrheit der deutschen öffentlichen Meinung zur Zurückweisung der englischen Mintsterrede bewogen hat. (Beifall techts.l Wir sind der Meinung, daß wir da­mit die Interessen des Deutschen Reiches nicht geschädigt, sondern gefördert haben, und deshalb halten wir das Gesagte in jeder Beziehung aufrecht. (Betsall rechts.) England hat keine« Anspruch auf eine Generalvormundschast. Daß England in den letzten Jahren unserer Entwicklung Schwierigkeiten zu machen beabsichtigte, ist die feste lkeberzeugung des deutschen Volkes. England muß durch bie Tat zeigen, daß es unsere Freundschaft will. (Beifall rechts; Lachen links.) Nach den vielen Provokationen von englischer Sette war unsere Antwort wohl berechtigt. Sollte mal der Fall emtreten, daß England unsere Betätigung in der Welt nicht mehr bindert, dann werden wir erwägen, ob wir unsere Auffassung unseres Berhältuisies zu England zu teoibieien haben. (Bravo k bei de» Konser­vativen.)

®bg. Bebel (Soz.): In meinem parlamentarischen Leben habe ich es »och nicht erlebt, daß eine derartig lange Bede, wie wir soeben gehört haben, verlesen wurde. (Der Präsident: Es ist durchaus üblich, bei hochpolitische» Kundgebungen Aufzeichnungen zu mache».) Bei solchen Reden aber nicht, höchstens bei

Der Präsident eröffnet die unterbrochene Sitzung um 1 Uhr 30 Mir». Am Bundesratsufch Reichskanzler v. Bethmann-HoUweg, Delbrück, Wermuth, Sols, v. Kiberlen-Wächter, Lisco, Wahnschoffe. Das Hans ist stark besetzt. Gegenstand der Beratung ist

h5 SeM-fkimzWche Mmnus

betr. Marokko und Aequatorialafrika. Hierzu liege» vor der Antrag des Zentrums betr. Abänderung des Schutzgebiets-Gesetze«, em Antrag der NationaUiberalen auf Vorlegung eines Gesetzes übet die Form der tei» Werbung und Veräußerung von Schutzgebieten, sowie ein Antrag dec Fortschrittlichen Bolispartei auf Vor­legung eines Gesetzes betr. Bie Mitwirkung des Reichs­tags bei Erwerb ober Abtretung von Schutzgebieten.

Die Kommiision beantragt den Antrag Hertting anzunehmen. Der Antrag lautet: § 1 des Schutzge- bietsgesetzes erhält folgenoen Absatz: Zum Erwerb und zur Abtretung eines Schutzgebiets ober von Teilen eines solche» bedarf es eines Retchsgesetzes. Diese Vor­schrift findet auf Gienzberichtigungcn keine Anwendung. Für die übrigen Anträge empfiehlt die Kommission Slblebnun.'.

Reichskanzler v. Beihmann-Hollweg: Tie verbün- beten Regierungen stimmen dem Antrag auf Abände­rung des Schutzgebietsgcsetzes zu. Ferner möchte ich mich vorweg zu dem Borwurfe äußern, der in der oft gehörten Frage liegt, warum die Regierung nicht mehr für die Aufklärung der öffentlichen Mei- n u n g getan habe, warum ist sie nicht der Niederge- sthlagenheit, dem Untat Heu, der weite Kreise erfüllte. Irriges berichtigend, Tuickles aufklärend, enigegenge- trefen ? Der wahre Grund war nicht imreaukraiischr

klar ausgesprochen werden könne, bann würde Eng-1 Georges ein schwerer politischer Fehler ge- lanb aufgehört haben, al» Großmacht zu existieren, wesen. Auch bat sich England in bi« deutsch-franzö-

M. H.l ich nehme da« gleiche Recht für s" “ " ---- - -

Priviitbeatntenvetfichernngsgcsetzes.

Nachdem Abg. Hoch (So;.) r,klärt hat, seine Part i werde trotz schwerwiegender Bedenken dem Gesetz zu­stimmen, äußern sich die Abgg. Irl (Ztr.) und Fleischer (Btr.) zum § 10 des Geietzes, der den Kreis der Per­sonen, di« verficherungsfrei sind, betrifft. Der § wird angenommen.

Zwei sozialdemokratische Anträge werden abgelehnt, dagegen ehre Reihe von Kompromißanträgen angenommen, daru iter ein Antrag, den weiblichen An­gestellten bie Wählbatketi zu amtlichen Beisitzer» zu gewähren, sobald nicht richterliche Funklione» von ihnen verlangt werden.

Zum Kapitel »Ersatzkosten* liegt ein Kompro­mißantrag vor, wonach als Ersatzkassen zuzulassen sind Berstcherungsewrichtuiigen, die vor dem 5. Dezem­ber (statt 15. Okiober ibllt bestanden haben.

Der Antrag wird angenommen nachdem sich Abg. Raab (wirtfch. Bereinig.) Dagegen ausgesprochen.

Darauf wiro das ganze Gesetz m der Gesamtab» stimmung einstimmig ar genommen.

Alsdann tritt um 123/i Uhr eine Pause bis l/*2 Uhr ein.

Dich hier tmb da eine kritische Auffassung einer 6te» zeiheit au ft echt erhalten wurde, ihre Zustimmung omG zu bat Anschauungen und Zielen, welche "die Regto­rung gegenüber bet englische» Politik bekundet haü». Die Sozialdemokratie, bie in nationale» Ar», gelegenheiten natürlich eine Sonberßellung --tratmari ließ freilich den Abg. Bebel mehr en^tsch als beutja reden; aber auch bieser Redner mußte in Bezug auf den Kernpunkt bi Eommerkrifl» «Laren, daß die her» ausfordernde Rebe bes englische» Schatzkanzlers Lloyd George ein ungeheurer Fehler gewesen sei.

Regierung und Reichstag gebe» der WlllenLmet- nung »es deutsche» Volke» getreue» Ausdruck, al» sie bie Var einige» Sagen tat englischen Unterhaus» gehaltene Rebe Gr Edward Grey als enttäu« sche»b und »»b efrtedia eub ketMzeichnete». bie englische Anmaßung dner Geueral-Vornmndschafl zurückwiesen, statt der Londoner Friedens Worte tat­sächliche Beweis« der gebührend^ Rücksicht Deutschlands S3fiAe und berrchtigtze Jntereffen for. berte» und die Sntschloffenheit der deutschen Ratio« zur Behauptung ihrer WelrsteLuug auf jede Gefahr

Deutschland in Anspruch. (Lebhafter Beifall.) Diese« Reckst ist aber T«usschland nrchi immer eingr» I räumt toorben. (Lebh. Sehr richtig!) 1904 haben Eng- land und Frankreich über Marokko verfügt, ohne Rück­sicht auf da« Interesse, da« Deulfchland (sehr richtig l recht«) a» bet Lösung de» MarotloproblemS hatte. Algecira» und schließlich Agadir waren erst die Ast- gen davon. Un« trieb die Notwendigkeit, unsere wirt­schaftliche» Jntereffen selbst zpr wahre» und der Wels zu zeige», baß wir fest entschlossen feie», un« nicht beiseite schieben zu lasse» (hört, hürtt und Bravo!); wen» al« schließliche Folge hiervon angeb. liche oder wirkliche Kriegsbereitschaft in England e»tfianden war — was von beiden 5u trifft, kann ich nicht entscheiden — und weiter ei» hochgespannter Erregungszustand, so können wir do« nur mit Bedauern registrieren. Aber wir lehnen die Verantwortung dafür ab. (Lebhaftes Sehr richtig!) Ebenso wie wir e« ablehnen mußten, uns von einer Bahn abdränge» zu lasse«, die un» die Wahrung der deutschen Würde borgeschrieben hatte.

hat. Ich möchte xm wünsch«», daß diese ganz« gesetz- geberisch« Arbeit e« gut« Forttchrut fein möge m unserer vaterländisch«» Emwickearng.

Abg. eaffcrmcM (ntlb.) sprüht De* Präsidenten de» Dank be« Hau'e« t-r fern« »npanensth« »nb jederzett wohlwollend« »«schäflsfühnwg aast (Lebhafter, an- haltender Beifall.)

Der Prüßhe»t dankt fix die freundlichen Wort«, sowi« für di« Uatentügung des Hauses, besonders aber für die ttew Itatarbtu des Borpaadrs und der Beamten.

Der ReichSLwzkr »erliest hierauf die aller­höchst« Kabi»«tts»rd«r, bie bie Schließung bei Reichstags ausipricht und erklärt de« Reichs­tag für gejchl«^». Di« Soziatderuolraten verlasse» den Saat

Präsident Graf Schwerin-Löwitz: Wir stimmen wie immer am Schluß nnitrer Za iuag tta in das Gelob« nt3 der Liebe, Treu« und Verehrung für »liieren Kotier > Seine Majestät der Kotier lebe hoch! Der Reichstag stimmt rin. Schluß 4137 Uhr. —

und hat daran dre Lenrerkung getiutaft. daß das von England pernüch empfunden werde» würde. Dem Herrn Botschafter ist noch an demselben Tage al» amtliche Lenßersng der deutschen Regierung erwidert worden, daß eine solche Absicht niemals bestanden habe. (Hört, hört!) Daatit war deutlich erklärt, daß rott nicht bie Absicht hoben. Marokko rat Frankreich und Spanien zu teile». Eireuw wentg ist unser Botschafter in Sion» do» in bie Gelegenheit getonnten, auf eine Anfrage der englischen Regierung Auskunft zu erteilen. In der Aeuhemng der englischen Regierung, daß sie dte Besorgnis W. b* Entfrndung des .Panther" werde englische Inter essen beetturächttgen, kann eine Anfrage nicht erblickt werden. Ausierdem hotte der deutsch« Botschafter hl Landon erklärt, daß Deutschland nicht daran denke, England« Jntereffen in Marokko beifette zu schieben. Die Spannung und die Verschärfung der Situativ» wäre vermieden worden, wenn un­serer Erklärung boet 1. Juli mehr Glau­ben gefchenkt worbe« wäre, und wenn die .Periode de« Schweigens"' nicht durch eine öffent­liche Krmbgebung eines englischen Mini­ster» unterbräche« worbe» toäre. (Sehr richtig!) Ich will nicht auf die Wirkung dieser Rede in der öffentliche» Mewung Deutschland« zurückgreifen. Ich habe übet diese Stimmung vor drei Wochen selbst ge­sprochen. und sie hat in Reden auS Ihrer Mitte noch leidenschaftlichere« Ausdruck gefunden, in Reden, die — darin lax« »ch Sir Edward Grey nicht folgen — nicht ix Parallele gestellt werden können mit den tat­sächliche« Angaben eines englischen Abgeordneten über SriegSeotbettitmigen in England. (Hart! hört! rechts l) Sir Edward Grey hat gesagt, der Schatzkanzlet SIonD George habe rat feiner Rede ohne Provokation fest- stellen wolle», dafp wo englische Jntereffen berührt würde», England nicht kljanbeU werden dürfe, als ob e« nicht mitzähle; käme der Tag, wo dos nicht mehr

Der Reichskanzler sucht« sich und keine Mitarbeiter zu verteidigen gegen be» Borwurf, daß ste im kritisch«, Sommer die öffentliche Meta»»» Deutschland» nicht rechtzeitig aufgeksärt härten über Ä« Gang und Stand der Dinge. Ob ihm bas vollständig gelungen fft, las. sen wir dahingesteD; aber n* nehmen Akt von sein«, Erklärung, daß bie Regierung schweigsam getoef« uicht aus bürokratische Engherziglest, fonbern au» bent Bestreben, alle» zu vermeibe», was eine weiter» Verschärfung feer Gegensätze hätte herbeiführen 16» ne». Diese Sorg« für be» Stieben scheint bi» zur Selbstverleugnung getrieben worden zu fein, indem die Regierung sich bewußt der Gefahr ouSsetzte, bem Volk« mißverstanden und geschalte» zu werbe». Auch v«c vier Wochen, bei Beginn der Marokkodebatte im Reichstage, hat Herr v. Bethmann Hollweg eine Zu­rückhaltung beobachtet, bie sich jetzt als eine außer- ordenffiche Schonung der englisch« Politik erkenn« läßt. Am zweite» Tage Üeß «r bekanntlich weg« ber Ausfälle geg« England noch dne scharfe Abwehr ergeh« Während ber KommisstonSVerhandlung« rw kan^r aber die Regierung, daß bte schonende Zurück- Haltung nicht zu dem rechten Ziele führ« könne; eS erfolgt« die bekannten EnthüLmgm des Staat»» elretfir», und in der gestrig« letzt« Plenar- ' thimg ließ auch bet Reichskanzler bas letzt« Blatt vor seinem Mrafe« falat Sehr bezeichnend tsh daß der Reichskanzler in dieser Rebe ausdrücklich ; Bezug nahm auf die bekannt« sensationellen End. hüllungm de» englisch« Abg. Fabeo über '»le dortig« Vorbereitung« zum Krieg« mit Deutschland. Dies« amtlich« Berufung auf da» Zeugnis Faber« wäre gewiß nicht, erfolgt, w«n nicht j bie b«1fche Regierung durch eigme Information« sich vergewiflett hätte, daß tatftch lich in England die von Faber mchüllte» krte>ertfchen Absich­ten und Vorkehrung«» betrieb e» wov- ben seien.

Geheimtuerei, bie in diesem Falle ganz besonder» töricht gewesen toäre, der wahre Grund der geringe» Aktivität ber Regierung gegenüber diesem Mif;behagen lag anderswo, er lag in den Schtoiertgkeiien der Ver­handlungen. Die leidenschaftliche Erregung, die durch das Dazwifchenkommen Englands hetvotgerufen wurde, legte uns Zurückhaltung auf, die allerdings für das deutsche Volk eine schwere Geduldsprobe war. (Sehr richtig.) Hätten wir nicht geschwiegen, tote bet» langt wurde, bann hätten wir uns den Weg zu einer Einigung vebacrikadiertt Wir mußten auf die Et- regung in Frankreich Rücksicht nehmen. Bei unserer Zurückhaltung mußte, das haben wir borausgesetzen, bte Stimmung tm eigenen Lande immer erregtet werden. Tas war schwer für uns, aber I wir mußten es aushalten. Hätte ich borausgefehen, j was in England während des Verlaufs der Kom- wissionSverhandlungen übet gewisse Borberek- lungen, bte in England im September gettoff« worden sind, gesagt wurde (Bewegung), und toaS die Erregung bei uns allerdings sehr steiget« mußte, dann hätte ich freilich mit der jetzt erfolgten Publt» Jation nicht zuruckgehalten. Es ist nicht unsere Schuld, wenn totr nunmehr zu der Veröffenilichung haben Keilen Essen, bte wir aus wohlüberlegten Gründe« ge zuruckgehalten hatten, und ich lonftatiere mit Be­friedigung, daß man auch m England dafür Verständ» M- geftinden Nunmehr liegen die Erklärungen der englischen Minister bot uni ich erkenne gern an, daß sie in versöhnlichem Ton gehalten iin^ I Der englische Minister des^Aeutzern hat gesagt, daß im Sntseniung deS -Knitzer Besorgnis errcgt^hat, während daS Vorgehen Frarckreichs uni Spaniens atu Einend ferne Besorgnis Herborgerufen hat. (Fu.

mtung und H^sterielt.) Was wir in Agadir woll- das wußten bte Engländer durch unser» Lotschaf, ter. Wir waren ;eberze,t bereit gewesen, auf eine exglische Anfrage hin Auskunft zu geb« (hört, hörtn Aber man hat gar «W gefragt (hört, hört!) Franst «ich stand - Sir Edward Greh hat das mitgeitilT— während des ganzen Verlaufs per Verhandlungen ta iethnem Meinungsaustausch mit England und erbat I bet allen Fragen, bie englische Interessen berühren konnten, Englmids Rat. Es ist bei bieser Sachlaae gtoer verständlich, tote England seine Interessen be. 1 _ oht sehen konnte. «>e konnten ja, da wir mit ,

reich verhandelte», nicht ohne Frankreichs Wissen ge­fährdet werden. Der englische Mrnlstet des Anstoat. tigcn hat ecx bet Pettoie bei Schweigens vom 4. bis sstt Jxll gesprochen, Nu«, dieser Schweigen wat em beiber^rttgtS. (Heiterkeit rechts.) Enizig uni allein an 12. Juli hat bet hiesige englische Bursch«fier dem Herr» Staatrietretär gegenüber von bet Möglich­keit einet Vetianiluna über Marokko zu dreien ge»

len mit iemKriegSgebanke» geführt Wen« man überlegt, wirb man zu bet llebergeugung kommen, daß unsere Berhandlungen mit Frankreich in dem Sinne geführt wurden, zu einer freundschaftlichen Einigung in gelangen. Da» Ziel, das wir uns gesteckt haben, berührt« kein englisches In­teresse. Der beste Beweis dafür ist, daß Englanv nns seine Befriebigung über den Abschluß des Marokko, abkommens ausgesprochen Hai. Trotzdem hat eS einige Zeit geschienen, als ob totr mit England in Stieg kommen würden. Mißtrauen darf nicht zwischen den beiden Völkern bestehen. (Sehr richtig k) Mit Recht sieht bet englische Minister deS Auswärtigen hinter der wachsend« Stärke Deutschlands keine aggressiven Pläue, nnb ich begrüße es, daß in llebereinstimmnng mit ihm ber englische Premierminister jeden Gedanken au Neid oder Mißgunst gegen unsere aufstrebend« I Nation von sich weist. Auch wir, meine Herren, wün­schen (mit starker Betonung:) aufrichtig Friede»! und Froundschaft mit England. Darm muß aber auch bie englische Regierung das Bedürfnis nach solch« guten Beziehungen auch in ihre Politik in positiver Messe zum Ausdruck bringen. (Lebhafte» Bravo k) Mit ber VorwätiSemwickkung Deutschlands muffe« auch bie anderen Nationen rechnen. (Sehr wahr l) Deusschland läßt sich nicht niedetdrücken.. Die ^Stärke Deuifchland» ist für sich selber eine Garantie, daß kein anderer Staat mit uns Streit suchen wird. (Sehr richtigl) Wir find durch eine schwere und ernste, durch eine bedrohliche Zeit hi»durchgegangen; da» Hai da» Volk richtig gefühlt. Möge es jetzt auch klar erkennen, was eS sich selbst schuldig ist: das ist weder Nieder- geschlagenheitz rach herauSforbernder Ueberuiut (Sehr ridjtigf link»), ssnbern freier Blick, kaltes SJIut ruhige Kraft, feste Einigkeit in! großen nationale« Frage». (Lebhafter Beifall.)

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 5. Dezember 1911.

Die Sitzung wird bereit? am 10.15 vhr eröffnet. DaS HauS ist fast leer. Dte Tribünen find nur schwach besetzt.

Die dritte Lesung ber Rechnung-fache», bte am Montag ohne Debatte genehmigt "rouröen, wir» in drei Minuten eilebigt. — Die durch die gelinge Befchluß- »nfähigkeit des Hause? abgebrochene zweite Lesung der Ostafrikansschen Bahnvorlage rorro wieder vorgenommen. ES wird sofort Die Dritte Lesung begonnen und Me Vorlage ohne jede Eiörrerung verabschiedet.

In dritter Lesung werden sodann der beuifch» japanische Handelsvertrag, der dentsch-englische A»S- lieserungßverirag begägltd) gewisser bntilcher Protek­torate, Dte demich-japanifchen Konsulatsveretabarungen, Da? deutsch-britiiche HanDelsptovisorium und andere Herne Vorlagen erledigt.

Es folgt die Öntte Lesung de? HauSarbeit?gefetz«». 3ta der Teueraldiskussio» meldet sich memanb zum Worte. Das Gesetz wird mit einem Zukatzparagrapd« 17a, der von allen Parteien gemetnfam beantragt wurde, angenommen. Der Paragraph lautet: »Da» be» HauSarbeitern gewährte Entgelt ist Vergütung für Arbeiten oder Dienste, dte auf Grund eine« Arberis- Oder Dienfloerirältnisse? geleinet roe den, im Sinne be? Gesetze?, betreffend die Beschlagnahme d«S ArbeUS- Ober TienstlohneS."

Prästbenk Graf Ichwerin-Löwitz W r sind am Ende unserer Tagung und Damit auch am Schluß der Legislalurperrode. Auch ohne aurführlicheu Geschäftsbericht wissen wir, was dieser Reichstag in wirtschaftlicher, politischer und sozialer Hinsicht geleistet 'gestimmt hat!