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M 277.

Montag 4. Dezember Ml

58. Zayrgang.

* fuldaer W Zeitung

2. Blatt.

vr«S und Verlag der Seite« Actiendruckere« t* Seite.

Deutscher Reich.

totales.

gefallen.

Aus dem Nachbarqebiete.

vereine u.— -----... _ „ , .. ,

hatte legte er bar, wie die „Gelben dem Arbeiter die Freiheit und die Berechtigung nehmen, im Ar. beitsverhültnis mitzureden. Wo aber das Koalitions­recht beschnitten werde, könnten auch die politischen und religiösen Freiheiten nicht gewährleistet werden. Für den denkenden Arbeiter sei die beste Jntereffenvertre- tung der Eintritt in die christlichen Gewerkschaften.

Jnerr Bezirksleiter G. Scherer aus Offenbach a M. betonte, daß ein Bedürfnis für einen Werks­konsumverein in Fulda nicht bestehe; es sei keines­wegs angebracht, den hiesigen Geschäftsleuten „etne solche Konkurrenz vor die Nase zu setzen". Auch be­züglich der PenfionSkaffe sei die Bedürfnisfrage zu verneinen. Mit ihrer Einrichtung gebe man indirekt zu, daß man einen Lohn zahle, der es einem Arbeiter nicht ermögliche, für daS Alter etwas zurückzulegen. Die Arbeiter verlangten einen angemeffenen Lohn und dankten für das „Judasgeschenk" einer Pensionskasse. Diese sowie der Konsumverein würden doch nur ein- geführt, um die Arbeiter rechtlos zu machen. Offen für die „Gelben" einzutreten wage man jetzt schon nicht mehr, man treibe die Agitation im geheimen und suche jetzt sogar in einem Rundschreiben an die Geistlichkeit eine Lanze für die „Gelben" I zu brechen. In dem Schreiben werde behauptet, es

Die Versammlung protestiert nachdrücklich gegen die durch die Einrichtung von Werkskonsumvereinen und Werkspenfionskasfen herbeigeführte Entrechtung des Arbeiters, die schließlich nur dem revolutionären Radi- kalismus in die Hände arbeite. Die Versammlung verpflichtet sich, mit aller Energie für die christlichen Gewerlschafien einzutreten.

Herr Scherer brachte ein Hoch auf die chrlstttch- nationale Arbeiterbewegung aus, worauf der Vor­sitzende des christliiten Gewerkschaftskartells, Herr Stahl, die Verhandlungen mit herzlichen Dankeswor- ten an die Redner schloß.

fahr für unsere Gemarkung befeitigt und schätzbares Baugelände erschlossen würde.

* Friedewald, 2. Dez. 1911. Durch Beschluß der Kgl. Staatsanwaltschaft vom 27. v. M. ist das Ver­fahren gegen den früheren Vorsteher unseres Dar- lehnskaffen-VeretnS eingestellt worden. Eingaben an den Herrn OberlantzesgerichtSpräfidentm und ben Raiffeisen-Verband werden nun bas Gebaren derjeni­gen Personen kennzeichnen, die mit der Ehre des An­gegriffenen gespielt haben.

* Sontra, 2. Dez. 1911. Der 24jährige Arbei­ter Kaff Frank von hier wurde beim Ausheben eines Leitungsgrabmis verschüttet. Bewußtlos wurde er aus den Erdmassen herausgegraben. Wie ein herbei- gerufener Arzt feststellte, hat der Verunglückte schwere innere Verletzungen erlitten.

* Kassel, 3. Dez. 1911. Das große Los der Preu­ßischen Klassenlotterie im Betrage von 500 000 Mk. ist in der Samstag-Ziehung auf Nr. 107 774 gefal­len. Die eine Hälfte des Gewinnes ist nach Koblenz, die anbere nach Kassel gefallen, wo das Los in Vierteln und Achteln gespielt wurde.

* Hartenrot, 2. Dez. 1911. Die der „Gewerkschaft Michel" dahier gchörige, nahe am hiesigen Orte gele­gene Spatgrube enchält große Lager an weißem Schwerspat. Augenblicklich finden einige hun­dert Arbeiter daselbst Beschäftigung und werden säst täglich 5 bis 7 Doppelwaggons feingemahlener weißer Schwerspat auf der hiesigen Bahnstation verladen, welche nach allen Richtungen hin versandt werden. Da der Versand von Jahr zu Jahr größer wird, so konnte die foirett bei der Grube erbaute Spaimühle fast nicht mehr alles mahlen. Die Gewerkschaft hat daher die Mühle vergrößert und efft kürzlich wurde eine neue Dampfmaschine von 400 Pferdekräften auf­gestellt, welche die vierte Maschine ist, die zum Müh­lenbetriebe Verwendung findet. Den Abfall des Schwerspates wird als weißer Sand ebenfalls, wag­gonweise versank. Die Gewerffchaft hat ein eigenes Anschlußgleis von der Grube bis zur hiesigen Bahn­station erbauen lassen.

Fulda, den 4. Dezember 1911.

3) Werkskonsumvereiue und Werkspensionskassen.

richtung für"*- Arbeiter sind. Die von den „Gelben­ins Leben gel Men Konsumvereine und Werkspen­sionskaffen bedeuten, so war der Gedankengang der Ausführungen des H. Konrad in ihrem Hauptzweck und ihrem Charakter nach nur eine Unterbindung des Koalition SrechteS des Arbeiters. In der Me. ialliiidustrie, namentlich auf den Hüttenwerken, sind die Pensiouskaffm alles andere eher, als eine Wohl- fahriseinrichiung. Gibt der Arbeiter seine Beschäf­tigung beim Werke auf, bann verliert er alle Ansprüche an die PenfionSkaffe und auch der eingezahlten Bei­träge geht er verlustig. Auch die Freiheit, anderwärts Beschäftigung zu suchen, wird durch die Kaffe dem Ar- beiter direkt unterbunden. Bei der Firma Krupp ,n Essen ist, nach Angabe des Redners, jüngst ein Arbeiter acht Tage vor seiner Pensionierung entlassen worden. Er hatte 700 Mk. in die Werkspensionskasse gezahlt, die glatt für den Arbeiter verloren waren. Es gibt Betriebe, wo 3 bis 3% Prozent des verdienten Lohnes als Beitrag einbehalten werden, das macht bei 25jäh- 'riger Tätigkeit 1000 Mk. Die „Maxhütte" in Rosen- berg in Saliern, so berichtete Redner weiter, hat in ihren verschiedenen Betriebszweigen infolge technischer Verbeflerungen Hunderte von Arbeitern, in einzelnen Werken bis zu 50 Prozent der Belegschaft, entlaßen. In allen Fallen verloren die Arbeiter ihre An-

vorfand.

* Tiefenort, 2. Dez. 1911. Das Großherzogliche Staatsministerium zu Weimar ist bereit, der Gemeinde Tiefenort das dortige Großherzogliche Kam- m e r g u t zu verkaufen. Das Staatsministerium ver­langt für das Gut eine Summe von 300 OOO Mark. — Die Gewerkschaft Kaissrroda beabsichtigt eine Hän­gebahn bezw. Rückstandshalde für Fa­briksalze herzustellen. Da eine gütliche Einigung mit den Grundstücksbesitzern zur Hergabe des erfordorlt- chen Areals nicht zu erzielen war, so hat die Gewerk­schaft bei dem Großherzogl. Sächs. Vergamt in Derm­bach den Antrag auf Enteignung gestellt.

* Aus Thüringen, 3. Dez. 1911. Am Mittwoch abend wurde der Arbeiter Roth aus Großenlupnitz kurz hinter Stockhausen von zwei Burschen überfal­len, zu Boden geschlagen und seiner Barschaft in Höhe von 20 Mack beraubt Der Keberfaffene hatte die beiden in einer Eisenacher Wirtschaft können gelernt und mit ihnen gezecht. Die Täter wur­den verhaftet. — Bckannüich ist seit einigen Wochen der Major von Wurmb, Kommandeur des Bataillons in Gotha, verschwunden. Die mißlichen Vermö- genSvechältniffe de» Verfchwundenm werden durch eine Bckanntmachung des herzoglichen Landgerichts in Gocha beleuchtet, in der es u. a. heißt: „Die Bielefelder Maschinenfabrik vorm. Dürckopp u. Co. A.-G. in Berlin klagt im Wechselprozeß gegen dm Major Haws von Wurmb, früh« in Gocha, jetzt un- Mannten Aufenthal«, mit dem Antrag, den Beklag- ten kostenpflichtig zu verurteilen, an die Klägerin die

Amt Geisa und Umgebung.

]:[ Geisa, 2. Dez. 1911. Heute früh wurde in nordöstlicher Richtung der Niedergang eines hell» 'euchtenden Meteors beobachtet.

* Dermbach, 2. Dez. 1911. Eine Bezirks­ausschuß s i tz un g wird am Dienstag, den 12. Dezember, im Rathaus zu Vacha abzehalien. U. a. teht auf der Tagesordnung: Verteilung der Klotz­bach-Belohnung. — Eine allgemeine R ev i- i o n der hiesigen Viehbestände wurde heute vormit­tag durch HerrnBezickstierarzt Wächter vorgenommen. Das Ergebnis war, daß er bei dem Vieh des Land­wirts Eckert in der Hohle die Maul- und Klauenseuche

ten und Landgerichten versucht, die gezahlten Beiträge I ju retten, vergeblich in Essen, Stuttgart und Amberg, I mit Erfolg nur in Trier. Ein Milbestinrmungsrechi I über dir Verwaltung der Penfionskaffe hat bei Ar» I beiter nicht. Wie selbst die Arbeitgeber über die „Wohl- fahrtseinrichtung" der Werkspenfionskaffen denken, be- wies Herr Konrad durch einen Artikel des führenden Organs der deuffchen Industriellen, der „Deuffchen Arbeirgeberzeitung", vom 9. Oktober 1904. Darin ist folgende Stelle bemerkenswert: „Außerdem unterscheiden 1 fte sich (die Wohlfabrtseinrichtungen der gelben Werk- Vereine) von dem Wicken der freien Wohltätigkeit

I dadurch, daß zwischen Gebern und Empfängern, d. h. also den Unternehmern und Arbeitern, ein Geschäfts- Verhältnis, also der Lohnvertrag besteht, woraus für den Geber die Möglichkeit erwächst, die Kosten für Wohlfahckseinrichtungen auf ben Empfänger selbst ab- zuwälzen, indem et sie vom Arbeitslohn abzieht. Man

I kann demnach sagen, daß überall da, wo für Arbeit- aeber ein Vorteil au« solchen Wohlfahrtsemrichtun- aen nicht erwächst, deren Schaffung unter-

I b l e i b t" Nachdem so der Redner die Werkkonsum-

n Banmwiirtrckurse. Der Lcmdwirtschastsminister hat zur Erleichterung der Ausbildung tüchtiger Baumwärter an der Obstbauanftali zu Oder- z weh reu einen Staatsznschuß als Beihilfe zu den Ansbiiduugskoslen geeigneter Personen, die später im öffentlichen Obstbau tätig sein sollen, bewilligt Die Höhe des mit den verfügbaren Mitteln zu er. möglich,enden Zuschusses für eine Person 80—130 Mk. je nach den Kosten, die bcn^FHt nehmern für Aufenthalt und Reife erwachsen. Die näheren Bedingungen, unter welchen die Bewilligung

* Mit dem Kaiser unzufrieden ist, nach ein« Nachrichtenstelle, ein Teil der rX

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übel genommen, daß er „leu Buß- und Beilage aus dem W^e gehe mitt Ibar vorher zum katholisch en Fürs o I ttrhV.crn reife* Weiter heißt es hierüber m emer

F Sä m ä- Jagdausflug Jahr für Jahr «nsZe? D« 'katho- fisch,. Füfft FÄstenberg" — das ist nicht übell I .-.Wer leistet die parlamentarische Arbeit? Diese!

Jörroae darf man gerade jetzt stellen, wo die Reichs- jtoten in die Heimat eilen. Die Antwort findet man in den Kommlssionsberichten dieses Tagungs- abs bnittes, die allesamt von Zentrumsab ge-1 ordneten erstattet werden; so über die Marokko- fraae: Frhr. v. Hertling und Schriftsteller Abg. Erzberger; über das Hausardeitergesetz: Avg. Dr Pieper; über die Gewerbeordnungsnovelle: Abg. Dr. Fleischer; über das Schiffahrtsabgaben, gesch: Abg. Gerstenberger; über die Privat- beamtenversicherung: Abg. Sittart. Dleses unge- schriebene Zeugnis des Fleißes unserer Abgeordneten nur; jeden Zentrumswähler mit Stolz erfüllen.

D Staatliche Baubarlehen für Eigenhäuser Ser Eisenbahnbebiensteteu. Die Eisenbahnverwaltung gibt bekannt, daß für das Jahr 1912 unteren B-°mten und Arbeitern besondere Staatsdarlehen für die Errichtung von Eigenhäusern unter bestimmten Be­dingungen gewährt werden sollen. Die -Borau»« setz ing dafür tritt ein, wenn die Stationsort. keine geeigneten Wohnräume aufweisen, dre für die Untn- dringung der Beamten und Arbeiter m Betracht ton'men. Ferner muß nachgewiesen werden, daß die betreffenden Eisenbahnbediensteten aller Voraus- sicht nach auch dauernd auf den Stationsorten bleiben. Als Wohnungen für die Bediensteten sind entiveder Ein- oder Zweifamilienhäuser als Bauten zu wählen. Die Beamten und Arbeiter, die Dar-, ^chen. yn Dem L-cyrewen roerce ueijuupiei, e» leben unt-r den gegebenen Voraussetzungen bei der fei nur eine Erfindung der Gewerkschaftssekretäre, daß Eifinbahnverwaltung nachsuchen, haben dies bis I die Werkvereine denArbeitern das Koalttonsrechtrau- mm 15 Derember ds. Js. zu tun. | ben wollten. Außerdem werde darin gesagt, daß christ- spaiestens zum 15. ^.ezemver os. zu unb sozialdemokratische Gewerkschaften sich in

-------- I ihrer Kampfesweise kaum von einander unterscheiden.

Das christliche Geweckschastskartell Fulda habe es für seine Pflicht erachtet, diese Verleumdungen, ebenfalls tn einem Rundschreiben an die Geistlichen, zurückzuweisen. Die Organisation, die das Koaliiionsrecht des Arbe> ters achte, feien die christlichen Gewerkschaften und unter diesen der christliche Metallarbeiterverband. Zur : jen vyCyeu!tuuu w. , Kennzeichnung der „Gelben" gab Herr Scherer em einer vom Agitationskomitee I Urteil des Schöffengerichts m Nürnberg, mttgetent tn -■ - - ' ' „Der deutsche Tabakarbeiter" Nr. 23 1911, bekannt.

svrüchean die Penfionskaffe. Der christliche Metall-1 einer Beihilfe erfolgen kann werden von der Oost- s arbeiterverband hat wiederholt bei den Gewerbegerich-1 bauanstatt der LandwickschaftSkammer in Ober» ‘ ...... ~ ' »wehren auf Wunsch mitgeteilt. Etwaig« Gesuche

sind unter Beifügung eines polizeilichen Führungs­und eines Gesundheitsattestes bis sp äte ft e nS den 1. Februar nächsten I a h r e 8 ebenfalls dorthin zu richten. In Betracht kommen im allgemeinen nur solche Teilnehmer, die von einer Gemeinde oder einem Verein zur Ausbildung entsendet werden, um später der Allgemeinheit dienstbar zu sein.

& Bon der Einführung de- „Trichinoskops", eines neuerfundenen Apparates für die Untersu­chung des Schweinefleisches auf Trichinen, hat sich in der hiesigen Stadtverordnetensitzung vom 17. Ok­tober einer der Redner zur Schlachthausrechnung eine Befibilligung der Trichinenschau versprochen. Ueber dieses „Trichinoskop" heißt es nun tn einem Bericht über den dieses Jahr in Merseburg abae- haltenen Verbandstag des Landesverbandes Preußi­scher Trichinen- und Fleischbeschauer-Vereme, der " Nachdem so der Redner die Werkkonsum- m Schlachtt"und

Weiter erfolgte die Vorführung eines Trichinoflops durch die Firma E. Leitz (Optiker) in Wetzlar. Die Bilder waren nur teilweise klar. Viele Kollegen äußecken sich dahin, daß ein gutes Mtkrosftp doch , .immer noch vorzuziehen ist. — Ein Gleiches ist, so b schreibt man uns, dem Herrn, welcher vor Jahres- frist einzelnen hiesigen Herren das Trtchmoskop 1 als Wunderapparat demonstrierte, stiater m Gegen­wart zweier zusällig anwesenden Sachverständigen, eines Tierarztes und eines Studenten der Tterhetl- kunde bewiesen worden. Trotzdem ist znzugeben, daß das neue Instrument, welches einer laterna magica nicht unähnlich ist, eine geistreiche Erfindung darstellt, bei der es wohl auch gelingen wird, dre noch vorhandenen Mängel zu beseitigen. Sollte es dann in der Preußischen Monarchie vielleicht emgefuhrt werden, so dürfte das Motiv ein anderes sem, als heute manche vermuten.

A Dir Ernte in Hessen-Nassau 91acb der jetzt vorliegenden Statistik hat die Ernte m Hessen-Nassau p.o Hektar und Tonnen gerechnet m diesem Jahre argen das Vorjahr folgende Ziffern ergeben: Winterweizen 62486 ha Anbaufläche igegen 64445 in 1910) ergaben 131513 (gegen 1251811 tn 1910), Sommerweizen: 3122 (2315)

5745 (4207) t, Winterroggen: 139341 (146 391) ha Anbaufläche ergaben 270867 (361744) t, Sommer- roaaen: 814 (680) ha Anbauflache ergaben 954 (764) t, Sommergerste: 24 236 (22 629) ha Anbau­fläche ergaben 42 591 (37965) t, Hafer: 152 828 (148523) ha Anbaufläche ergaben 278140 (291251) t, Kartoffeln: 57752 (56186) ha Anbaufläche er- naben 885870 (953033) t, davon waren erkrankt 04 (7,5) Prozent, Kteeheu: 40973 (45079) ha An­baufläche ergaben 132045 (273 507) t, Luzerneheu: 4977 (5231) ha Anbauflache ergaben 21219 I (33632) t, Wiesenheu: 181067 (181483) ha Anbau­fläche ergaben 320751 (882739) t. Am mtereflan- testen bei dieser Statistik sind wohl die Vergleiche zwischen der diesjährigen und vorjährigen Kartoffel, und Futterernte, die den Beweis liefern, daß beson­ders die letztere kaum die Hälfte des Ertrags des vorigen Jahres erbrachte. Die Getreideernte da- gegen ist in diesem Jahre bedeutend besser aus-

* Bebra, 2. Dez. 1911. Kurz vor dem hiesigen Bahnhof zwischen Wetterode und dem Lämmerberg soll bekanntlich ein Umgehungsgleis gebaul werden durch welches die durchgehenden Zuge mit Umgehung des Bahnhofs Bebra dirett von der Frank­furter Strecke auf die Berliner und umgekehrt geleitet werden sollm. Der Plan zu ben dadurch erforderlichen baulichen Veränderungen, die mchrere Jahre Bauzeit erfordern, hat bereits auf den Bürgermeistereien m BlMkenheim, Weiterode und Breitenbach ausgelegen. Danach erhält Blankenheim einen Betriebsbahn­hof; in der Gemarkung Wsitarode find bedeutende Brückenbauten vorgesehen. Die Fuld a soll 50 bis 60 Meter verlegt werden. Der hiesige Bur- ncrößtcttt Bat nun bie vVtaac bc§ ^utd)ftic93 befc •»» Fulda angeregt, wotzurch die Ueberschwemmungsge- j Summe von 10000 Mark nebst 6 vom Hundert Zm-

Dieses Thema bildete den Gegenstand der ein­gehenden Eröckerung in l‘„._ ' “r1" ’ ""

der christlich-nationalen Arbeiterschaft Fuldas und vom , v“/J.7P'r ~,™—«lpFf>ert

Kartell der christlichen Gewerkschaften einberufenen Das Gericht sagt in seinem Urteil. »Unter /Selben,, felir xaEIteidä besuchten Versammlung, die gestern wird eine Klasse von Arbeitern verstanden, die auf nachmittag i n katholischen Gesellenhause statlsand. das Koalitionsrecht verzichtet unb es 3U0unft«t getotf. Veraickaffung W iffeser Versammlung gab die von der ser Wohltätigkeitseinckchtungen mit den Arbeitgebern Firma F. E Bellinger bei der Gründung eines „gelben Mt " Für den freien Mann, für den nach Selb- Werkvereins" in Aussicht genommene Errichtung eines standigkert strebenden^A^etter sei der Platz Konsumvereins und einer Werkspensionskasse. Herr den christlichen Geweckschaften.

Besirksleiier A. Konrad aus Nürnberg begrüßte Nach emer kurzen Diskussion der beiden Reden beide Ewrichtungen nur für den Fall, daß sie Wick- gelangte eine Resolution zur Annahme die sich Ito unb S nur zum Scheine eine Wohlfahrtsein- inhaltlich mit den Ausführungen ter Referenten decktz

Die Tochier Ses Sertainieii.

111 Roman von Adele Böttihcr.

6.

Villa Fockuna, der Landsitz der Familie Morgano in Frascati, ist viele Jahrhunderte alt. Von weiter Blumenterrasse blickt das weißleuchtende Gebäude herab auf die in violettem Dust erschimmernde Cam- paoua, auf die Fülle köstlicher Linien der Berge rings­um, auf bunMnbe Wälder und fruchtbare Wiesm. Hinter dem Hause ein diesiger, halbverwilderter Pack: hohe Zypressen, schlanke Pinien mit chren malerischen , Schirmkronen, silb er graue Olivenbäume urA immer­grüne Eichen in malerischem Durcheinander.

I Inmitten dieser schwermütigen Vergessenheit aber stau sch en grandiose Wasserfälle, spritzm verstümmeue -Tritonen ihre Strahlen in zerbrochene Granirbecken, plätschern zahllose Fontänen ihre endlosen Monologe , . . Und überall Blühen und Duften, Vogelsang und Sonnenschein — ein herrliches kleines Paradies, wie es nur die gottgesegneten Fluren Italiens hervor- ^ubringen vermögen.

Bor einigen Tagen hat der Oberst Morgano mit seiner Familie, wie alljährlich, seine Sommerrefidenz hier aufgeschlagen — nicht, ohne vorher sämtliche Freunde in Rom zu häufigem Besuche einzuladen. Die Morganos sind an gute Gesellschaft gewöhnt. Ob feiner ein paar Stufen höher ober tiefer im Rang steht, ist gleichgültig. Alle Gäste werben gleich herz­lich willkommen geheißm. Mau bietet ihnen, was man gerade hat unb läßt sie im übrigen tun, was ihnen beliebt.

Daher kommt es auch, baß ber Besuch des Für­sten Orloff unb seiner Enkelin in der Villa Fortuna ganz ruhig vonstatten geht — ohne jebe Aufregung, jtoie etwa vorher bei Dr. Bertinetti ober Edward Morrison.

Sonja atmet auf. Das offene, ungezwungene Be­nehmen ihrer Gastfreunbe wirft bemhtgmd auf ihre gepettschten Nerven. Hier braucht sie sich mblich ein- stnal nicht zu verstellen. Ihr ist, als atme sie etne

anbere Lust — gesund unb rein, wie eine frische Meeretzbrrse.

Bereits am vtecken Tage ihres Hierseins lacht ihr das fröhliche Gesicht Orlanbo Campanellis ent­gegen. Er wolle sehen, „wie die Prinzessin unb Gra- ziella, biefe beiben Gegensätze, bereu Schönheit eine ber anberen zur Folie bient, sich in ber Walbeseinsam- feit nebeneinander ausnehmenst'

Bald ist eine Lawn temris-Partie im Gange, an bet sich auch der Oberst unb seine Gattin beteili­gen.

Sonja, die nichts lavon versteht, fitzt auf einet Marmorbank und steht voll Interesse zu.

Deit kleine lebhafte Oberst, ber in seinem Hellen Flanellkostüm einen fast komischen Eindruck macht, hält plötzlich nach einer besonders anstrengenden Tour schnaufend inne und wischt sich den Schweiß von bet Stirne.

„Möchten Sie nicht auch einmal ein paar Schläge versuchen, Prinzessin?"

„Nein, nein!" wehrt Sonja lachend ab. „Ich muß mich erst äkflimatifiereni"

„Ich hätte geglaubt, nach Sibirien fällt Ihnen nichts mehr schwer," bemedt Orlando, während seine Augen die ihren suehen.

Sie senft E»en Blick.

Zum erften Male, daß hier in biefm Frieden jene schreckliche Erinnerung wieder in ihr auftaucht und alles, was damit zusammenhängt.

Doch rasch scheucht ste diese unangenehme Empfin­dung wieder tion sich.

Meine Leiden waten bisher stets nur passiv« Natur, Herr Marchese —" lächelt ste, und bas Spiel nimmt feinen Fortgang.

Mit echt weiblicher Neugierde beobachtet Sonja dabei Grazieüa und Orlanbo, wobei ste sich nicht ge* stchm will, daß sich in die Neugierde noch ein anbetes, ihr bisher unbefanntrt Gefühl mischt.

Aber so sehr ste auch aufpaßt — nur wie Bruber unb Schwester deckchren die beiden miteinenber. Kein

zärtlicher Blick, kein vefftohlenet Hänbedruck. Richt einmal die landläufige Aufmerksamkeit bes Kavaliers

gegenüber einer Dame

„Gute Kameraden — nichts weiter!"

Und Sonja atmet auf, wie befreit von einem Alpdruck. Die Welt erscheint ihr plötzlich noch ein­mal so schön.

Je länger ste in der Villa Fortuna weilt, umso mehr lernt sie die Morganos schätzen und lieben. Ja, es gibt noch unvorhüllte Offenheit, Selbstlosigkeit, edle Gesinnung! . . . Sie fängt an, wieder an die Ehrlichkeit der Menschen zu glauben. Ihr Großvater hat doch nicht in allem recht! Diese drei hier haben nichts zu verbergen!

Von einem Ertrem gerät sie dabei ins andere. Sie hält es für selbstverständlich, daß eine solch offene Ratur wie die kleine Graziella, einen Mann nicht lie­ben kann, dem sie niemals — wenigstens vor anderen nicht — Beweise ihrer Zuneigung gibt.

Trotzdem — sie nimmt sich vor, die Kleine gele­gentlich e>ine§ Spazierganges den Felsenvi'g nach Roeca bi Papa hinauf ein wenig auszuforschen.

Doch so offen Graziella sich sonst auch gibt — in biesem Punkte ist sie verschlofsm. Ja, mehr noch. Durch ein paar leichte Worte will sie über die Sache

hinweggletten.

„Mir kommen die Menschen, bie immer verliebt tun, einfach lächerlich vor —" versucht sie zu spötteln, bridjt aber kurz ab unb blickt erroirrt ba sich hin. Denn zwei junge Menschenkinder, ein Du echt und eine Magd, kommen des Weges daher, Hand in Hand dicht aneinander geschmiegt und schweigsam, selbswergeffen, in den Augen ein großes, stilles Glück.

Ms die beiden vorbei sind, ist Graziellas dunkles Gesichtchen wie mir Blut übergossen.

„Zu dumm, das G.lue von solch zwei Verliebten,

nicht wahr?"

„Das kann ich nicht finden", entgegnat Sonja emft. „Auch ich habe noch keinern Mmme metn Herz geschenkt; aber die Liebe tö^t tntt Äs ^was Großes Erhabenes, alles mft sich Fortreißendes vor

— wie eine brausende Meereswoge ober ein jäh her- niederzuckmber Blitz."

Auch Graziella sst plötzlich emft geworben.

„Vielleicht haben Sie recht, Jh« Russen seid ja so ganz anbers geartet. Eure Bücher find alle Tragödien! eure Siebe bringt niemals stilles, sonni­ges Glück. Ich glaube, wir Italiener empfinden we­niger tief. Wamm?" Gebarckenvoll blickt sie in die Ferne, wo hinter den blauen Albanerbergen blutrot der leuchtende Sonnenball heimwärts gehr. „Viefleicht kommt es daher, weil wir Italienerinnen so wenig Freiheit besitzen "

„Macht das einen Unterschied, . . . Herz bleibt Herz!"

„Gewiß. Aber sehen Sie? bei uns in Italien ist ber Verkehr zwischen jungen Leuten beiberlei Ge­schlechts sehr erschwert. Fast niemals sieht ein jun­ger Mann ein junges Mädchen ber Gesellschaft allein. Stets sind bewachende Augen in ber Nähe. Wie sehr wird es meinen guten Eltern verdacht, daß sie mit etwas mehr Freiheit gewähren, obgleich —"

Sie bricht plötzlich ab und bückt sich, um eine Blume zu pflücken, die zwischen dem fast nackten Ge­stein hervorsprießt.

Unb auch Sonja schweigt.

Die Gedarcken der beiden Mädchen weilen bei dem­selben Manne; doch keine von beiden spficht seinen amen aus. Es ist, als ob ber Zwang, ben beide sich auf erlegen, die vorher so lebhafte Freude an dem Spaziergang getrübt habe.

Beinahe oben in Rocca bi Papa .mgclangt, wo die kleinen Häuser wie angeklebt am Bergabhang hän­gen lassen sich bie beiden Mädchen ans einer natür­lichen Steinbank nieder - zwischen hohem Lorbeergv- stcäuch und wildwucherndem Myrtengebüsch.

Während Graziellas Augen gleichgültig über bas gewohnte Landschastsbilb hmschweifen, betrachtet Sonja voll Entzücken das granbiofe Panorama zu ihrer« Füßen, baS herrliche Farbenspiel bes Sonnen­unterganges.

(Fortsetzung folgt)