Zeitung
«Tuldaer
Aus -em Nachbargebieie
Tins dem katholischen Bereinsleben.
Aus Uirche un- Schule.
j. Wim, 25. 9tob. 1911. 8« dem im September nächsten JahreS in Mm stattfindenden Jnrernattoiu- len Eucharistische» Kongreß find die Vor- arbeiten bereits soweit gediehen, daß die Zentral- tänzlet des KongreffkS tb« Arbeiten aufzunehmen vermochte. Die K-nzlet befind« fich: Wien, Ste- phansplatz Rr. 5; dahin sind alle Anftagen, die de» Kongreß betreffen, zu richten.
Amt Geisa und Umgebung.
♦ Vach», 28. Nov. 1911. Bei der gcstrigon G e- meinderatswahl wurden alle ausscheiwenden Mitglieder wiedergewählt. Die nächstmeisten Stimmen erhielten Rechtsanwalt Dc. Stoumar und Fabrikant Becker, der früher schon dem Gemeinderat angchört hatte.
* Dermbach, 28. Nov. 1911. Die gestrige Wahl zum Gemeinderat ergab die Wiederwahl aller seitherigen Mitglieder mit Ausnahme dos Herr» Fabrikant Nestler, der wegen Krankheit verzichtet hatte. An seiner Stelle wurde Tischlermeister Bluhm gewählt. _ . .
* Oechsen, 29. Nov. 1911. Die hiesige Dreschgenossenschaft beabsichtigt eine Scheune zu bauen. Die Zeichnungen und Bedingungen uegen bei dem Vorstand der Genossenschaft zur Gmsicht aus. Die Offerten sind bis zum 9. Dezember ein«
• Obersuhl, 29. Nov. 1911. Sm Schreinermei- ster hatte sein einjähriges Söhnchen in der Wsckstatt neben sich vor dm Ofen gesetzt. Da» Krnd stecktt einen Holzspahn in die Ofentür. Der Vater verließ auf einen Augenblick die Werkstatt, als er zuruKam, stand daS Sind in Flammen. Die ganze linke Körperseite war bereit» gräßlich verbrannt.
* Duderftadt, 28. Nov. 1911. Duderstadt befindet sich fett einigen Tagen in großer Aufregung. Die ar.gÄie Maßnahme der ^^schaMchen Brandkasse daß die sämtlichen bei dieser Kaffe versicherten Hausbesitzer (und daS sind hier dio meisten) «n Viertel Selbstversichemng zu^tragen haben, ist jetzt verwirklicht wordgn. Di- Versich-rdttr haben de Zustellung in diesen Tagen -chatten. Die Veran | Uffung zu dieser außerordenttichm Maßnahme bilden die großen Brände Hierselbst bei denen die Landschaftliche Brandkaffe den toedouS größten Ten des Schadens zu tragen hat. .
* Damstadt, 29. Nov 1911. Der Rechner b« Ge- I noffenschafilichen Spar-, und ^rlehenskcche, Land-
stehenden Teuerung.
(:) Tammersbach, 27. Nov. 1911. Gestern fand dahier eine gut besuchte Versammlung des Volks- v er eins statt. P. Beda vom Frauenberg sprach über Wesen und Bedeutung des Volksvereins. 20 Männer traten dem Vo köverein neu bet; gewiß ein sehr guter Erfolg. Möge der Voltsverem in Dammersbach neu erblühen und auch in Kurze diejenigen zu seinen Mitgliedern zählen können welche jetzt noch fern stehen.
n Bad Salzschlirf, 26. Rov. 1911. Im heurigen Familienabend sprach der hochw. P. MiffionSproku- rator Bemardin in der ihm eigenen anziehenden Weise über die F r a n zt s k an e r mi s s i o n einst und jetzt und über das der thüringischen Ordensprovinz onüertroute Missionsfeld in Japan insvs- sondere. Alle lauschten mit großer Aufmerksamkeit
Er versprach noch einen Lichtbildervortrag im Anfang des kommenden Jahres.
Sarrod, 28. Nov. 1911. Am gestrigen Abend wurde in der Bös'schen Wirtschaft eine Versammlung des Bolksvereins für das katholische Deutschland abgetönten, zu der sich fast alle Männer der Gemenide eingeiunden hatten. Der Geschäftsführer. Hr Vwrrer Hild-Mmbach, verbreitete sich über die augenblickliche
zureichen.
* Aus Thüringen, 29. Nov. 1911. Schwere Schußverletzungen zog sich der Ziegeleiarbeiter Grimm, der in der Klosterziegelei in Gerstungen tätig war, zu. Er wollte mit einem Teschin Tauben schießen unh hatte die Waffe, die auseinaudergenommen aufbewahrt wurde, wohl nicht richtig zusammengesetzt, sodaß ihm die Ladung ins Gesicht flog. — Das Stammkapital der Thüringischen Elektri- zitätsversorgungsgesellschaft mit beschränkter Haftung in Jena ist von 300 000 Mark auf eine Million Mark erhöht worden. - In der Uniform sl^ss Leutnants des 32. Infanterie-Regiments in Meiningen verübte in Grimmenthal ein Gauner mehrere Schwindeleien und fuhr bann mit der Bahn nach Coburg unt) Lickt rnfcls fort. In Stetten bei Lichtenfels wurde er verhaftet. — In selbstmörderischer Absicht hat sich in Arnstadt die 25jähriae Tochte, eines Postbeamten vom Jungfernsprung 'M Johannistal herabgestürzt. Das junge Mädchen wurde W am Fuße des Felsens aufgefunden. — In Erfurt wurde durch eine von einem Speditionswagen her- abfallende Kiste ein sechs Jahre aller Knabe so ; schwer verletzt, daß er im Krankenhaus starb. — Im
bet Sache der Heimarbeit-, annimmt. Sin- solch« Stelle sind di« Fachausschuss«.
Fortsetzung: Mittwoch.
JVs 275.
Mittwoch 29. Novem!*r Ml
38. 3aataang.
Da« Mädchen antwortet nicht. Sie hat sich in eine Ecke des verblichenen roten Plüschsofas geworfen und starrt finster vor sich hin.
„Sonja! Hörst du nicht?"
Kaum daß sie 6en Kopf wendet.
„Sprich nur!" sagt sie müde. „Wir sind allein/
„Du mußt an Edward Morrison schreiben!"
Sie richtet sich etwas aus ihrer gleichgültigen Lage auf und blickt ben Großvater verwundert an.
„Wozu?"
„Teile ihm mit, daß wir für die nächste Zeit keine Einladungen erhalten haben? Gib ihm zu verstehen, daß et uns Geld leihen muß, bis wir ein Unterkommen gefunden..." .
Jetzt fährt Sonja empor.
„Leihen? — Wovon willst du das Geld zurück- zahlen?" *
„Das geht dich nichts an. Tu, was ich dir befehle!" schreit der Alte.
Sonja überlegt Sie weiß, ihre gegenwärtige Lage ist eine verzweifelte. Und doch sträubt fich allcs in ihr, dem Befehl des Großvater» zu folgen. Ent- fchloffen wirst sie den Kovf in ben Nacken.
„Nein, Großvater. Ich schäme mich schon bei dem Gedanken, was Edward Morrison bereits für uns getan hat. Ich will mich nicht noch mehr er- nlebrtqen"
Höhnisch lacht * mtf _. r
Wirst bald genug deinen Stolz oblegen. Einmal Wirst du schon bettckr gehen müffen - früher oder später. Nur spät« vielleicht in Lumpen —'
St« zuckt zusammen wie unter einem Peitschenhieb
Dann erwidert sie, ihr« bebende Stimme zur Festigkeit zwingend:
„Meinethalben. Licker späte, in — Lumpen."
„Ist dal dein letzter Wort?"
„Mein letzte» Wort!"
„Gch in dein Wimmerl"
Schweigend folgt Sonja dem Befehl der mi»ge- streckten Hand. Orloss aber begiial mit großen Schritten ruhelo» tat Zimmer auf und ab zu wan- dqm.
M Tochter he5 Verbannten.
7] Rowan von Adele Böttcher.
„Gott sei gebanst!" denst sie bei fich, während sie laut, sich mit Gewalt zur Ruhe zwingend, sagt: „Wir sollen ihn in Frascati besuchen . . . Mitte Mai — nicht früher, da seine Familie dann erst nach ihrer Villa in Frascati, übersiedelt."
„Verflixt, erst in drei Wochen!" kimrrt der Me. Ist also auch nichts. Weiter!"
Auch die übrigen SB rieft finden nicht Boris Or- loffs Beifall.
„Lauter Einladungen zu Diners ober Soupers ober Tanzvergnügen!" knirscht er verächtlich! „Hol' sie allesamt der Kuckuck!"
„Und wir haben nm noch vier Tage!" murmelt Sonja immer wieder vor sich hin. „Und dann? Und bann —?"
4.
„Alles ist vorbereitet. Habe genauen Befehl. Der Wagen steht unten, um Sie ins Hotel de l'Europe zu fahren. Wählte absichtlich ein kleineres Hotel jenseits deS Tibers. Glaubte, den Herrschaften damit einen Gefallen zu erweisen. Habe für alle Fälle die alten Kleider schon dorthin bringen lassen. Man kann ja nie wiffen —"
Mt biesen in herablassendem Tone gesprochenen Worten geleitet Miste, Roberts Boris Orloff und feine Enkelin die Treppe der Villa Morrison hinunter.
Sonja hält sich nut mit Mühe aufrecht; sie leidet tief unter der Demütigung. Orloff dagegen schreitet, bocherhobenen HaupteS, würdevoll neben ihr her; scheinbar unbefangen spielen seine langen Finger mit dem wohlfrisiwten Bart
Als aber Roberts sie wieder verlaffen host und der alte Mann durch Betasten der Wänbe und Möbel in dem einfachen Hotelzimmer fich ein Bild von seiner neuen Umgebung zu machen sticht — da fällt die Mask« von seinem Geficht. Seine Züge nehmen einen Käsen, verbissenen Ausdruck an.
Aergerlich ruft er nach feiner Enkelin.
« Künzell, 27. Nov. 1911. Gestern veranstaltete der" Arbeiter» orein St. Joseph seinen ersten Familienabend, der außerordentlich gut besucht war, würben doch mehr als NO Ettttrtttskarten oft. An der Hand von trefflichen Lichtbildern aus der Lichtbilderei M.-Gladbach schilderte ber Präses Herr Kuratus Becker, Leben und Wirken des großen Bischofs von Kettelet unter besonderer Betonung seiner sozialen Tätigkeit Da L.chtbttbervor- träqe ein ausgezeichnetes Mittel ber Volksbildung sind so hat bet Verein in seinem Winterprogramm noch drei Veranstaltungen gleichet Art vorgesehen, wo die Entwicklung ber Volkswirtschaft von der Ur- zett bis zur Neuzeit veranschaulicht werben soll.
# Cieinlmns, 26. Nov. 1911. Im WMfluß an eine hl. Mission fand heute abend tm Brehl ichen Saale eine Volksvereins-Vers ammlung statt, zu ber die Männe, und Jünglinge der Pfarret vollzählig erschienen waren. Herr Pater Zephyrin hielt einen Vortrag über Bischof v. Ketteler und Herr Pater Auaustin warnte in einer Ansprache vor der fdjlcchten Preise und Schundliteratur.
Ulmbach, 27. Nov. 1911. Am Sonnlag wurde I hier ein Fünalingsverein ins Leben gerufen. I 26 Jünglinge erklärten ihren Beitritt. — Am Sonntag abend hielt im hiesigen St. Josephverern der Präses Herr Pfarrer Hild einen anderlhalbstundtgen I Vortrag über die Arbeiten des Reichstages m der letzten Periode und über die Ursachen der zeht de-
Zuhörer aus. Sine Unychl Mitglicker meldet« ihr«» Vertritt an, so daß saft all« Männer Sarrods dem Voltsverein angehören. Im Verlause des weiteren äußerst gemütlick-n AdendS, der so recht das herzlich« Einvernehmen zwilchen dem Herrn Pfarret und unserer Gememde bekundete, sprach der hochw. Redner wette« über die Notwendigkeit eines Schwesternhaus«« in der großen, wertansgedehnten Pfarrei lttmbach und bat um Unterstützung in diesem wichtigen Werte. Sicher wird dem Beifall der Worte auch der Bestall der Tat folaen. Eine weitere Bersammlung findel Mitte Dezember statt.
)!( «asset, Kreis Gelnhausen, 27. Nov. 1911. Reges Leben herrscht in unserem Voltsverein; dies zeigte einmal wieder die gestrige Bersammlung. Bollzahl,g waren die Mitglieder erschienen; Freunde und Gönne, batten fich in solcher Anzahl eingesunden, daß de, Saal überfüllt war. Herr Kaplan Hahn begrupU die stattliche Versammlung; seinen Dank dafür tteiDcr er in die Bitte, immerdar ein solches Interesse jur des Volksvereins ideale Sache zu bewahren. Dann sprach er über das hochinteressante Thema: „Beerdigung oder Verbrennung der Leichen". Alle Einwände gegen fcu bisherige Besta.cktnngsform, alle Gründe für dre neue unterzog er in ruhiger Weise einer ikruck. - ) moralische, nicht wirtschaftliche, mdjt hygienische Grund« usw. zwingen uns, die durch Jahrhunderte 9ebetltgte, durch die feierlichen Zeremonien der Kirche geweihte Beerdigung aufzugeben. Ein Glaubenssatz hrndert nui freilich nicht daran, wohl aber die anttdmnlttbe Ten- den». Sie ist ja die Seele der modernen Letchenver- brennungsbewegung, die der Redner mit scharfen Worten geißelte. In einem zweiten Bo trage entrollte sich vor unseren Augen ein klares Bild von der Tätigkeit des Zentrums in den letzten fünf Jahren. Ein« scharfe Kritik erging an das Großdlockpärchen: Lrbera- lismus und Sozialdemokratie. Der Redner fand jur seine belehrenden und begeisternden Ausführungen den Bestall der ganzen Versammlung. Vorzüglich aus« geführte Musikvorträge der hiesigen ersten Kapelle unterhielten die Teilnehmer während der Pausen. AIS die Versammlung schloß, waren wiederum aus vieen Freunden Mitglieder geworden. Die..siechste Versammlung findet als Familienabend Heilige 3 Kömg, statt.
den Antrig.
Nach unerheblicher Diskussion zieht Abg. Manz den freistinigen Antrag zugunsten des Zentrumsantrages zurück. Der Antrag Giesberts wird dann angenommen, der sozialdemokratische Antrag adgelehnt.
Zu 8 4 liegt ein sozialdemolralstcher Antrag vor, der besonders detaillierte Bestimmungen über bie Se», uiuu^uu^» «»««■■•».■s---- ~ ,
schaffenheit ber Räume, in denen Hausarbeiter beschäf-1 kommen kann, sondern künstliche Düngemittel gevrau- tigi werdet, enthält. Ichen muß Er «klärte in VA stündigem Vortrage,
Abg. Pfeiffer (ZtrO: Im Prinzip können wtr dem '^e Düngemittel bei jeder Frucht unb
M«>°» e,».! M 'Die Abgg. Everling snll.s und Behrens (Wirtsch. Herr Lügger, auf einem günstig gelegenen V er - Vg.) sprechen sich ebensalls gegen den sozialdemokra- s u ch s f e I b e, welches Herr Gastwirt Rreftr von tischen Antrag aus. hier bereitwilligst zur Verfügung stellte bie Vorteste
Abg. Dr. Fleischer (Ztr.) nennt ihn einen Erdroffe- Ammoniakbüngung im nächsten Jahre zu veran- lungsparagraphen. (Lebhafte Zustimmung.) toaultcben Aus ber Mitte der Versammlung würbe
Der Antrag wird abgelehnt. Ebenso em sozial- ' ’ Qeäuc,ett ber Vorstand des Vereins
demokratischer Antrag zu § 61 , , > I m5cbte in den nächsten Versammlungen den Mitglie»
Ein Konivromibantraa Behrens (wirtsch. Vgg.i Uuflärung als seither geben über Guts-
ui.h Grundstücks-An- und Verkaufe, welche der Verein hier seit einigen Jahren macht, um dem Güterwucher wirksam entgegen zu treten. Ferner wurde beschlossen, einen Fra gekäst en einzurichten, m den jedes Mitglied, welches übet irgend etwas Aufklärung wünscht seine schriftlich abgefaßte Anfrage niederle- gen kann. In der folgenden Versammlung werden bann die Fragen erörtert werden. - Gestern abend gegen 10Vo Uhr kam eS hier zwischen hichgen jungen Leuten und einem Nachbardörfler wegen deS „ewig Weiblichen" zu einer Rauferei, wobei latzterw Darbietungen, einen Revolver aus der Tasche zog und 2 hie-'--------
sige Burschen schwer, jedoch nicht lebensgefährlich im Gesicht verletzte. Beide mußten sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
♦ Sode» (Taunus), 26. Rov. 1911. Eine nette Submissionsblüte ergab die Eröffnung ber IAngebote für die Hefigen Kanalisationsar-
1. vlaö.
«*b vertag der 5»ldaer Aettendruckerei ta $ui6«.
Er ist sehr unzufrieden mit seiner Enkelin. Drei Wochen Zeit hatte fie unb Bewunderer in Hülle und FMe. Und keinen einzigen unter all den Courmachern, die nach einem Lächeln von ihr schmachteten, verstand fie sestzuhalren. Dummes Mädel! . . . Und nun gar diese Widerspenstigkeit! Dieser plötzliche Anfall von Ehrgefühl! Blödsinn!
Ungckuldtg trommeln seine Finger einen Sturmmarsch auf ben Fensterscheiben. WaS tun? Was tun?
Da fällt ihm sein Kammerdiener ein, dem er noch nicht gekündigt hat. Der Bursche hat schlaue Züge. Vielleicht — —
Er läutet.
Bernardo tritt ein — ein verschmitztes Lächeln in dem glattrasierten Gesicht.
„Der Herr Fürst befehlen —"
Rasch werbet Orloff sich ihm zu.
„Können Sie einen vernünftigen Brief schreiben?"
„Ich denke doch —"
„Gut. Setzen Sie sich an den Sckireibtisch!"
Und ohne Erröten diktiert Boris Orloff seinem Dimer eine erbarmungswürdige Bittschaft nach Florenz an ben Makler Edward Morrison.
Bei Tisch spricht der Alte kein Wort mit seiner Enkelin. Er will sie feinen Zorn fühlen lassen , um sie gefügig zu machm.
Als beide jckoch am Nachmittag, in Edward Morrisons weißem Automobil, das ihnen großmMg für die nächstm Tage noch zur Verfügung gestellt — zum Monte Pintio binar!ffahrm, vorn neben dem Chauffeur der Mmer Bernardo, für eventuelle Dienstleistungen — da zeigen Orloffs Züge wieder die gewohnte würdevolle Ruhe.
Wie zumeist, treffen fie auch heute eine Masse Be- kannte — namentlich, al» fie daS Automobil verlassen, um zu Fuß ihr Glück zu »«such««.
Doch auch heute bringen sie «» wieder zu nichts anderem, als zu ben gewohnten Einladungen zu Souper, und Diner,. Sttenmnb verficht die htage- warfenen Andeutungen des Fürsten über .unleibll-
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 28. November 1911.
Zunächst wird die zweite Beratung ber zurückge-1 stellten Artikel aus dem Gejetz über die Schiffahrtsab-1 ^"d°Ein°Antrag^Oser (Bolksp.l, nach dem auch für die S Bauprogramm nicht genannten Wasserstraßen eben» I? Strombeiträge geschaffen werden sollen, wird nach längerer Debatte abgelehnt. I
Gin weiterer Antrag Oser (Vott^v.) will nicht nm für ältere Anstalten, wie es die Regierungsvorlage vorsieht, sondern auch für Ersatzbauten Abgaben mcht ^°MinMe!iaidirektor Dr. PeterS ^ Der Antrax, läuft dem Geist des Gesetze- entgegen. Sur die bestehenden Anstalten soll es beim alten bleiben, für die künftigen sollen Abgaben erhoben werden.
Abg. v. Dziembowsii ('Cole» beantragt Abgaben- freihitt der Waithe von Posen abwärts. . I
Minister v. Breitenbach: Die Stromverbefferungen »er Warthe bedingen die Erhebung von Abgaben jur diesen Fluß. „ . % ..
Der freisinnige und polnische Antrag wird abge- fehnt, ebenso einige andere freisinnige und freikonservative Anträge. Damit ist das Gesetz in zweiter Beratung erledigt. , ...
Darauf wird die zweite Beratung über das Haus- ärbeitsgesetz fortgesetzt.
§ 3 machte die Auslage von Lohnverzeich " iss en bezw. das Aushängen von Lohntasein in den Arbeitsräumen zur Vorsicht.
Ein sozialdemokratischer Antrag Albrecht wrll die Auslage von Lohnverzeichnissen auch für neu em« zusührende Muster, ein treiRnnlger A n tra g Nauman n will, daß die Bestimmung betr. Lohntasein nicht gelten soll für Muster und Prodeardett.
Ministerialdireltor Kaspari bittet, die beiden Anträge abzulehnen.
Abg. Giesberts (Ztr.): Der Beschluß der Som« miffwn betr. die Freilassung von neu emzujuhrenden Mustern soll Bedenken der Industrie Rechnung tragen. .Sei Bearbeitung von neuen Mustern werden besonders geschickte Arbeiter herangezogen, die höher entlohnt werden, sodaß sich hier die Aushängung von Lohntafeln nicht empfiehlt. Dem Antrag Naumann können rott zusiimmen, doch wünschen wir eine präzisere Fassung.
Abg. GiesbertS bringt dann einen Antrag ein, wonach die Auslegung von Lohnverzeichnissen ober btt Auihängung von Lohntasein leine Anwenbnng finbet aus die „Ausarbeitung neuer Muster", unb begründet
Gin Kompromißantrag Behrens (wirtsch. VggO verzichtet mit Rücksicht auf die ablehnende Haltung der Negierung auf die Bildung von Lohnämtern. Es werden dafür Fachausschüsse vorgesehen mit den Aufgaben eines Lohnamtes. Ferner liegen zur gleichen Sache noch ein sozialdemokratischer Antrag Albrecht und ein sreisinniger Antrag Oefer vor. Der sozialdemokratische Antrag verlangt Schaffung von Lohn- und Tarifämtern.
Abg. Göhre (So,.): Von diesen Bestimmungen hängt das Wohl von Tausenden von Heimarbeitern ab, wüst würde bas Gesetz eine leere Dekoration sein Lohnausschüffe genügen nicht, da sie zu sehr von den
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Stä Ä b« Sch«d.» ,- d-n Btow, M ta
Teuerung autdeckte. Herr Büraermeister Link sprach Höhe der Landsttaße zwischen TripttS und Gitttrlitz in her,Heben Worten dem Heirn P arrer den D-mk der sind 32 Telegraphenmasten In etwa % Meter Hohi
* Vom Vogelsberg, 28. Nob. 1911. Ein orkanartiger Sturm, der seit einigen Tagen wütet, richtete ^neniroa .u/r« in den Wäldern großen Schaden an. Die Fahrpost tojrt Philipp Maul V. in Ernsthofen im Odenwald, Schotten—Ullrichjt-i—^«'"'-''rod traf am Freitag I tour6e toe(rm Unterschlagungen, die die mit 2V2 Stunden Versp ‘ , weil umgesturzte bon Mgg Mark erreicht haben, auf Veranlas- Bäume die Chauffe« vorsperrten' 'e Maul- und l tzer Staatsanwaltschast Darmstadt festgenom- Klauenseuche nimmt einen immer größeren Umfang m£IL Anscheinend hat er sich in gewagte Bcmspekula- an. In Schotten wurde in dem Gehöft des tionen xingelaffen. Ein Bruder von ihm soll nach Landwirts und Wirts Adam Kramer die Maul- und gusenlfcurg entflohen fein.
Klauenseuche festgestellt. — Die Stadtverordneten m I Schotten beschloffen, ein zweites Mietshaus für Minderbemittelte zu erbauen. — Im Distrikt Leusler Wald bei Liederbach verunglückte beim Holzfällen der 25jährlge von dort stammmde Holzhauer Georg Helnr Hofmann dadurch, baß Ihn ein Ast eines fallenden Baumes traf. Der Mann war sofort tot.
Hünfeld, 28. Nov 1911. Der Ausbau der beiden Flügel und der sie verbindmdm Aula unseres St. BonisatlnSklost ers der Oblaten der Unbefleckten Jungftau Maria, em stattlicher Bau ist nun glücklich unter Dach gekommen. Der für das Bauen günstige Sommer hat tue Arbeiten sehr beschleunigt. — Die deutsche Ordensprovmz der Oblaten hat in diesem Jahre 6 Patres und 5 Bruder in die Missionen entsandt.
ui» »lieben, 27. Nov. 1911. Gestern abend 7 Uhr"hielt der hiesige D°rl «hns k assen-V er ein eine außerordentliche Versammlung ab. ^Hauptpunkt ber Tagesordnung war ein Vorttag des Herrn Land- Wirtschaftslehrers Lügger (Kaffel) über „Dünger- lehre". An Hand zahlreicher Beweise legte er dar, daß ber Landmann, wenn er von seinen Gmndstucken I Höchsterträge erzielen will, mit der seither allem ge- I bräuchlichen Verwendung von Stalldünger mcht aus-
Unternehmern abbängtn.
Staatssekretär Delbrück: Bon ber Gestaltung des Gesetz s in biefer Frag« hängt es ab, rote das Gesetz in ber Praxis arbeiten wirb. Wir wollen ben Heimarbeitern helfen, wenn auch bie sonstigen Maßnahmen zunächst als gewisse Last angesehen werden. Der Antrag der Sozialdemokraten bringt die Heimarbeit »um Absterben. Die verbündeten Regierungen stehen auch heute noch auf dem Standpunkt der Ablehnung der .. _________ _
obligatorischen Festsetzung der Löhne unter Mi Wirkung , rr Mäbrend die Firma Sterzenbach 'm ber Behörden. Nachdem das Arbertskammergesetz “'Jem nie n " t Düs-
gefallen ist, wollen wir ben Heimarbeitern wenigstens Franffurt 43991 M forverte verrmg« eine x; , die Wohltaten des Gesetzes ficbern. Wir müssen eine seldorfer Fiirnul das zweieinhalbffache, namtich solche Stelle schaffen, bie mit Liebe unb Interesse fich 1110282 Mack.
chcs Hotelleber.' und „Annehmlichkeit des häuslichen Herdes."
So promenieren beide ar" ' - blumendnstenden Terrasse umher — lächelnd ste austauschend, freundliche Worte wechselnd i lang . . .
Bis die Dämmerung sich herabsenft auf die „ewige Stadt"; bis hie Beine des alten Mannes schmerzen und Sonja müde erklärt, der Monte Plnclo sei jetzt menschenleer, bis auf ein paar Kindonnädchen mti ihren Schutzbefohlenen. —
Am folgenden Tage scheint das Glück ihnen günstiger zu fein. Sie begegnen einem Dr. Benincttl mit seiner Gemahlin, und Borbs Orloff beeilt sich, zu versichern, wie gut er sich noch einer „außerordentlich interessanten Unterhaltung über Kindererziehung" mi! der Signora Beckinetti entsinne. Daraufhin begreif! die brave Dame, wie „fürchterlich Has Hotelleben ist" und fordert den Heron Fürsten auf, sie sobald wie möglich mit seiner Enkelin für längere Zeit in ihrem Helm in der Via Babuino zu besuchen.
„Wenn Ihnen unsere Verhältnisse nicht zu einfach find, mein Fürst!" fügt sie bescheiden hinzu.
Bocks Orloff lächelt leutselig. Trotzdem sagt n noch nicht ganz stst zu; er will erst Edward Morck- sonS Brief abwarten.
Langsam bewegt fich das wckße Automobil in dem Gedränge zwischen all den Equipagen, Reitern, Automobilen und Fußgängern vorwärts.
Schon will Orloff den Befehl zum Nachhausefach reu erteilen. Da v«nimmt fein geschärftes Ohr einen leisen Ausruf der Ueberrasuchng aus Sonjas Mund.
„War hast du? Siehst du etwas Besonderes?" raunt er ihr lebhaft zu.
„Rein, nein! Nichts!
Doch der Me läßt fich nicht täuschen.
„Wer ist da? Etwa der Oberst Morgano?"
„Nein."
„SBet also?"
Aufs neue will Sonja abwehren. Doch schon brich sich «in schlanker, mtt vomehm« Eleganz gekleidete» Herr durch das Gck>ränge Bahn — hin zu dem wed ßen Automobil. (Forts, folgte