Einzelbild herunterladen
 

M 272.

»lenitgg 28. liooewber (91?

58. 3ahrgeig.

* Tuldaor W Zeitung

2. Blatt.

7>m< und Verlag der 8Mdaer AetiendruSerel in Zulda.

Ami ®eifa und Umgebung.

[:] Geisa (Rhön), 27. Nov 1911. Merlei Ueberraschungen sind den Rersenden auf den beiden Eisenbahnstrecken Lünseld-Wenigentaft und Tann-Geisa Vorbehalten. Nicht nur daß man hier gewöhnlich die schlechtesten Wagen hat röer daß in Hünfeld und Tann die Bedurfnisanstaltm äußerst mairn elhast oder gar nicht beleuchtet sind, scheint tnatt auch an der Beleuchtung der Züge sparen zu wol­len. So mutzte gestern, also an einem Sonntag, das Zügele von Hünfeld bis Salzungen mit alten Petro­leumslaternen erleuchtet werden, da das Gas ausge­gangen war. Noch schlimmer war es neulich auf dtr Fahrt von Hilders nach Geisa, wo in Tann die Gaslampen des einen Wagens 3. Klasse erloschen. Da kein Ersatz zur Stelle war, mußten die Reisen­den in den fir' rn Stagen umsteigen Doch noch waren sie nicht an der nächsten Station angekommen, als auch hier die Lichter fast ganz erloschen waren. So ging denn die Fahrt munter fast ohne Beleuch­tung bis Geisa weiter.

* Dermbach, 28. Nov. 1911. In der letzten Gemeinderatssitzung wurde von dem Beschluß des Bezirksausschusses wegen Ausbringung der Kosten für die Feuerwehr, welche durch die Suche nach dem Wilderer Klotzbach am 7. September entstanden sind, Kenntnis genommen. Die Kosten, welche die Ge­meinde zahlen soll, betragen 111 Mark. Das Kol- legitim beschloß jedoch einstimmig Widerspruch gegen diesen Beschluß des Bezirksausschusses zu erheben.

* Stadtlengsseld, 27. Nov. 1911. Das groß- herzogliche Staatsministerium bat sich bereit erklärt, zur Einrichtung einer ständigen Automobil«Ver­kündung zwischen Wernshausen und Stadtlengsfeld eine staatliche Garantiesumme zu gewähren.

* Dorndorf, 27. Nov. 1911. Bei der hier statt- gefundenen Gemeinderatswahl siegte die von der hiesigen Chemischen Fabrik vorgeschlagene Liste mit 300 Stimmen über die Liste der Bürgerschaft, die nur 200 Stimmen erzielte. Der bisherige Vor­sitzende des Gemeinderats, Herr Lehrer Floel, wurde nicht wiedergewählt.

* Ans Thüringen, 28. Nov. 1911. In Schmal­kalden wurde in der 3. Abte lung bei den Stadt­verordnetenwahlen die sozialdemokratische Liste mit großer Mehrheit gewählt. — Orkanartige Stürme haben in den letzten Tagen den Forsten Thüringens großen Schaden zugechgt. Rauhreif begünstigte die Arbeit des Sturmes. Bei Eisenach wurden Hun­derte von Fichten wie Streichhölzer geknickt. — Auf dem Bahnhof Saatfeld verunglückte ein Arbeiter; ihm wurde der Brustkasten eingedrückt. Er hinter­läßt eine Witwe mit zwei Kindern. — Nach dem Genuß von Schlagsahne erkrankten in Erfurt in den Familien dreier evangeliicher Geistlicher eine Anzahl erwachsener Personen und Kinder an Typhus. Die Schlagsahne war bei einem Kaffee- krän chen gereicht worden, an dem die drei Familien teilnahmen.

Aus Gberheffen u- Öen Hess. Aemtern

* Marburg, 26. Nov. 1911. Bei der Ersatz­wahl für das verstorbene Kreistazsmitglied Bürger­meister Schcrer-Dagobertshauseu wurde Bürger­meister Weiershäuser-Wehrshausen und für den von hier verzogenen Universttätskurator Schollmeyer Kaufmann Johannes Stumpf gewählt.

Mendorf, Kr. Kirchhain, 26. Roo. 1911. Zahl­reich hatten sich btc Mitglieder des hiesigen Ralfs- jeise n'schen Darlehnskassen-VireinS zu der heute y24 Uhr, nachm. anberaunchen Gene- xalveg sammlung eingefundqn. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen wurde der seitherige Rechner Herr Karl Sch ratz wiedergewählt. Für den als Stadtpfarrer nach Fulda versetzten Herrn Pfarrer Gruß, der sich große Verdienste um den Ver­ein erworben hatte, wählten die Mitglieder Herrn Pfarrer Günther zum Vorsitzenden des AufsichK- rats. Derselbe erfreute sodann die Raiffeisen-Män­ner durch einen beifällig aufgenommenen Vortrag über die „Grundpfeiler des Raiffeisenwerkes". Nach­dem noch verschiedene Bestellungen auf Konsum-Be­züge notiert worden waren, schloß der Vorsitzende die anregend verlaufene Versammlung.

[:] Neustadt, 27. Nov. 1911. Sonntag nach­mittag fand im Saale des Herrn W. Mann eine Generalversammlung der Kranken­kasse für die Orte Neustadt und Momberg statt. In derselben wurde der bisherige Vorstand Herr A. Vomschloß wiedergewählt. Außerdem wurde als alleiniger Kassenarzt Herr Dr. Hoffmann bestimmt. — Herr Referendar Pingel aus Marburg wurde dem hiesigen Amtsgericht zur Ausbildung überwiesen.

* Homberg, 28. Nov. 1911. Im Laufe der letz­ten Woche haben hier größere Verkäufe statt­gefunden. Das tn dar Bahnhofstraße gelegene, Landesrentmeister Reckert gehörige Haus mit großem Garten ging in den Besitz des Herrn Heinrich Hardt für den Preis von 42000 Mk. über. Ferner wurde das Gasthaus „zur Stadt Kassel", welches lang­jähriger Besitz der Familie Stolzenbach und weit und breit bekannt ist, von der Herkulesbrauerei Kas­sel für den Preis von 38 000 Mark gekauft.

* Treysa, 26. Nov. 1911. Das Miene Fest der goldenen Hochzeit konnte gestern Rentier Wiegand Ludwig fen. und Frau beaeh-n.

;; Amöneburg, 27. Nov. 1911. Gestern abend 8 Uhr fand im Grelb'schen Saale dahier eine Wahl­versammlung statt, in welcher der freikonser­vative Kandidat unseres Wahlkreises, der Landtags­abgeordnete Prof. Bredt aus Marburg sein Pro­gramm entwickelte. Zunächst wandte er sich gegen die mißbräuchliche Darstellung der Reichsfinanzre form und beleuchtete diese mit einet zur vernünftigen Auffassung führenden Gründlichkeit. Daran an­schließend befaßte er sich mit den wesentlichsten Ar­beiten deS kommenden Reichstags, als deren wich­tigste er den Kampf um die landwrrtschastlichm Schutzzölle b^eichnete. Prof. Bredt steht mit voller Ueberzeugung auf Seite der seitherigen Schutzzoll­politik, die sich als richtig bewährt habe. Das wei­teren beleuchtete er di« Ursachen der Fleischverteue­rung, führte die Folgen der Grenzsperre auf das zurück, was sie in Wirklichkeit sind und entkräftigte die Entstellungen jener Wahlmacher, welche Schutz­zölle und Grenzsperre für unsere Fleischverteuerung ausschließlich verantwortlich machen. Bredt vertritt fortgesetzte Hebung der Landwirtschaft, steht ein für die Stärkung des Kleingewerbes, bezw. Erhaltung eines gewerblichen Mittelstandes durch weitere Aus­bildung des Jnnung-swesens; er ist ausgesprochener Gegner der liberalen Politik, verlangt Rechte unö Einfluß her Kirche im Staate gewahrt und tritt ent­schieden ein für das direkte und allgemeine Wahl­recht. Endlich betonte er die unbedingte Notwendig­keit der Erhaltung unserer Wehrmacht, beim der ge­waltige Aufschwung Deutschlands — so begründete er diese Stellungnahme — sei das Werk eines vier­zigjährigen Friedais, den wir gewiß nicht un­seren „Freunden" zu veiöanken hätten, sondern einzig und allein unserer starken Militärmacht. Aas Herr Bredt sagt, ist einfach, klar und von überzeugender Gründlichkeit; dabei tragen seine Ausführungen einen durchaus edlen Ton, frei vom geringsten ver­letzenden Angriff auf feine Gegner, von denen er sich in jeder Hinsicht zu [einen Gunsten unterscheidet.

* Fritzlar, 28. Roo. 1911; Die Ever führt infolge deS anhaltenden Regens der letzten Tage H ochwasser nnd ist stellenweise über die Ufer getreten. — In Niedervorschütz ist die Maul- und Klauenseuche amtlich sestgestellt worden. Die Sperr maßregeln sind erlassen. Zum Bcobacktungs- gebiet gehören die Orte Lohre, Felsberg, Rhünda, Altenburg, Harle, Deute, Neuenbrunslar, Böddiger und Gensnngen.

vermischtes.

* Liebe nnd Klatsch. Aus unseren Kolonien er­zählen Berliner Blätter folgende Geschichte: Ein Of­fizier der Schutztruppe hatte sich mit einer jungen Berliner Dame verlobt. Er ging nach den Kolonien; nach feiner Rückkehr sollte Hochzeit gefeiert werden. Inzwischen erfolgte ein reger Briefwechsel, bis eines Tages eine „Freundin" der Verlobten, die Öen Offi­zier ebenfalls liebte, diesem in einem gehässigen Brief schrieb, seine Braut habe die Treue gebrochen. Hier­auf wurde von dem Offizier das Verlöbnis gelöst. Da der Vorwurf von Untreue unbegründet war, ver­langte die Braut Schadenersatz. Ihr Rechtsanwalt ersuchte durch Vermittelung des Reichskolonialamtc's

Öen Offizier, der gerade tn Deutschland auf Udau6 ist, um seinen Besuch Als dieser in die Sprechstunde kam, erschien plötzlich auch die verlassene Braut. Im Anwaltsbureau fand eine Aussprache statt, die mit einer Aussöhnung endete. Jetzt sind beide wieder verlobt. Gegen die boshafte Freundin aber ist Beleidigungsklage erhoben worden.

* Während der Tauft eines Kindes in der Kirche: von Epernay in Frankreich stürzte ein kupferner Kronleuchter im Gewicht von 300 Kilogramm ins Kirchenschiff. Zwei Personen wurden dabei schwer, zwei leicht verletzt.

* Zwei wertvolle Gobelins aus Öcm Jahre 1574 sind im St. Viktorsdom in Xanten am Nieder­rhein gestohlen worden. Der größte Gobelin ist etwa 1,25 Meter : 2,50 Meter groß, und zwar ist es eine Darstellung von Esther vor Ahasveros mit der In­schrift: „Hasseveros en Esther Kap. 7." Das zweite Bild ist eine Darstellung von David und Abigael.

— Instruktion. Unteroffizier: „Der Soldat hat hauptiächUch darauf zu sehen, daß der Lauf des Gewehres keine fremden Erdteile enthält."

Handel nnd Industrie.

* Berlin, 27. Nov. 1911. Die heutige Börse zeigte eine wesentlich festere und zuversichtlichere Stimmung. Bankaktien lebhaft, teilweise höher. Montanwerte ebenso. Elektrizitätswerte steigend. Schiffahrtsaktien fest.

Märkte.

* Frankfurter Getreidemarkt bericht vom 27. Nov. Der heutige Markt verlief in festerer Stimmung. Die Nachfrage für Landmeizen war zwar nicht groß, doch wurden etwas bessere Preise erzielt. Landroggen war mir wenig verändert. Fremde Westen waren um ca. 20 Pfg. höher gehalten. Argentinien meldet Regen, wodurch die Ernte verzögert wird. Gerste bleibt fett. Mais auf spätere Monate teuerer offeriert. Mehl feft. Futterartikel im Prehe ohne Aenderung. — Es notierten nach Qualität: Weizen: hiesiger und SBetterauer 21.00—21.20 M, ans dem Lande abgeholt 20.50-20.60 M., kurhessifcher 21.00—21 20 M., nord­deutscher 00.00—00.00 M., Amerik. Red winter 22.50— 23 00 9)1., Kansas 23.E0—21.00 M., russischer Nicolajess 23.25—23.50 M., Saxonska 22.75—23.25 M., lllta 23 00—23.25 M., Azima 23.00 -23,25 M., La Plata 23.25—23.75 Mk., rumän. 23.00 —23.25 Mark, Walla Wallo 23.75—24.25 M. — Roggen: hiesiger, 18.90 bis 19.10 M., auf dem Lande ab geholt 18.40—18.50 Mk., Pfälzer 00.00—00.00 M. russischer 00.00-00.00 M , rumänischer 00 00- 00.00 M. — Gerste: hies. 22.00 bis 22.50 Mark., Pfälzer 22.25—22.75 Mk, fränkische 22.25—22.75 M., Riedgerste 22.00— 22.50 M., ungarische 00.00-00.00 M., Fullergerste 16.00-17.00 M. — Hafer: hiesiger und Wetterauer 19.0)—19.25 Mk., kurhess. 19.00-19.25 Mk., bayer. 19.00-19.25 Mk., La Plata 00.00—00.00 Mark, russischer 18.75—19.50 Mark. — Mais (Mixed» 00 00 - 60.00 Mark, Donau- mais 17.50—17.60 Mark, La Plata 17.35—17,50 Mark, Odessa 17.40-17.60 M., russischer 17.75—18 00 Mark. - Alles per 100 Kilo netto, effektiv loko hier. — Mehl: fest. — Es notieren je nach Qualität: Weizenmehl, hiesiges, Nr. 0 31.75—32.25 M., südd. Nr. 0. 32.00-32.25 M , hiesiges Nr. 1 29.75 30.25 M., süddeutsches Nr. 1 30.00 - 30.25 9)1, hiesiges Nr. 3 27.75-28.25 M., süddeutsches Nr. 3 28 00-28.25 M., hiesiges Nr. 4 25.75—26 25 M., süddeutsches Nr. 4 26.00—26.25 M. — Roggenmehl, hiesiges,Nr.027.75 bis 28.25 M., do. Nr. 01 26.75—27 25 M., do. Nr. 1 25 75—26.25 Mk. Alles per 100 Kilo inklusive Saa loko hier. — Futterartikel: unverändert. — Weizen- schalen 13.25-13.50 Mk., Weizenkleie 12 50-13 00 Mt., Roggenkleie 14.00—14.15 9)1., Weizen-Futtermehl 16 <6 bis 16.25 M, Biertreber, getrocknet, 14.25—14.50 M, Malzkenne 13.25-13.75 M„ Rapskuchen 13.50—14^0 Mk., Palmtuchen 14.2—14 50 Mk, Melassepiodult« 13.00-13.50 Mk., Kartoffeln 7.75 - 8.00 Mark. Alles uer 100 Kilo netto effektiv loko hier bei Abnahme von 10900 Kilo.

* Frankfurter amtliche Notierungen der Biehmarkt- preise vom 27. Nov. 1911. Auftrieb: 1023 Rinder, 312 Ochsen, 34 Bullen, 677 Färsen und Kühe, 0 Fresser, -285 Kälber, 310 Schafe, 2537 Schweine. Preise für l Zentner: Rinder: A. Ochsen: a. vollfletschige, ansgemäfrete höchsten Schiachtwertes höchstens 7 Jahre alt (Lebendgewicht) 50—55 Mark, (Schlachtgewicht) 91—9i M., die noch nicht gezogen haben (vngejocll) Lebendgewicht) 00—00 M., (Schlachtgewicht) 00-00 9)!ark, 6. junge fleischige nicht auSgernäftete und ältere ausgemästete (Lebendgew? 45 — 49 M., (Schlachkg.) 81—89 9)1, c. mäßig genährte sunge, gut genährte ältere (Lebendgew.) 40 - 45 M., (Schlachtgew.) 74—84 -Mark, d. genug genährte jebtn Alters (Lebendgew ) 00—00 M., (Schlachtgew.) 00—06 M. 8. Bullen:

Sie Tochter des Verbannten.

6] Roman von Adele Böttcher.

Wo die „russischen Fürstlichkeiten* sich auch bli­cken lassen — gleichviel, ob zu Wagen, zu Fuß oder zu Pferd--stets folgen aller Augen öer imponieren­

den Gestalt Boris Orloffs und der graziösen Figur der „goldblonden Prinzessin". Die interessanten Flüchtlinge bilden das Tagesgespräch.

Nicht hintenan stehen dabei die Zeitungen. Die Tribuna bringt einen kurzen Artikel über die merk­würdige Flucht des Fürsten Orloff ui.ö seiner En­kelin; die anderen Blätter folgen. Allerhand Repor­ter finden fick ein, um eine Unterredung mit den Ge­feierten zu erlangen. Vergebens. „Der Fürst wünsche sein Unglück nicht der öffentlichen Neugierde preis zugeben" — wie Edward Morrison erklärt, trotzdem aber selbst geschickt so viel Andeutungen über dieses „Unglück" macht, daß die Reporter zufrieden von dan­nen ziehen und am nächsten Tage die Spalten ihrer Zeitungen mit diesen „Andeutungen" füllen.

Gar bald hängen in den Kunsthandlungen Photo­graphien des illustren Verbannten und seiner Enke­lin, mit dem Facsirnile ihrer Namensunierschristen, und in den Musikalienhandlungen reißt man sich um das revolutionäre Lieb „Auf dem Hügel Dir der Wolga".

Kein Staatsmann, kein Gelehrter, kein Künstler ist momentan so populär, wie Fürst Orloff und die schöne Prinzessin Sonja.

In der Villa Morrison ist man stundenlang be­müht, auS den Hunderten von Einladungen die weni­gen herauSzuwählrn, die man mit einer Annahme dqehren will . . .

•; Der Makler reibt sich vergnügt die Hände. Alles gcht nach Wunsch ... .

fc Da trifft eines Morgens em Telegramm aus Flo­renz ein, das Signora Morrison sofort mt das Kran­kenlager ihres hochbetagten Vaters ruft.

Die Abreise erfolgt noch an demselben Abend.

Zwei. Tage darauf erhäUEdward Morrison eine

Depesche von seiner Gattin, ihr Vater fei gestorben und öie Gegenwart des Schwiegersohnes beim Be­gräbnis dringend erwünscht.

In der Villa Morrison werden die Läden sämt­licher auf die Straße führenden Fenster geschloffen, die Gesellfchaftsräinne abgeriegelt.

Auch der Makler reist ab, nachdem er bedauernd angcöeutet, daß er unter diesen traurigen Umständen seinen Gästen nicht mehr den bisherigen Komfort bieten könne. In einigen Tagen hoffe er zurück zu fein. —

Voll brennender Ungeduld harrt Boris Orloff der Heimkehr Edward Morrisons. Das zurückgezogene Leben, das er gezwungenermaßen führen muß, macht ihm einen Strich durch seine Pläne.

Am vierten Tage erhält er gegen Abend einen eingeschrichcnen Bries aus Florenz.

„Nun? Wann kommen sie zurück?" fragt er unge­duldig, als Sonja den Brief geöffnet har und in finsterem Schweigen verharrt.

„Den wievielten haben wir heute, Großvater?"

„Den zwanzigsten."

„Also noch drei Tage!" seufzt Sonja leise in sich hinein. „Und dann — was wird dann aus uns?"

„Was schwatzest du da?" brummt öer Alte ärger­lich. „Lies den Wisch lieber vor!"

Und Sonja liest:

„--Das plötzliche Ableben meines Schwieger­

vaters und die damit verbundenen Ecbschastsregulir- rungen zwingen mich noch länger in Florenz zu blei­ben Ich nehme an, öaß Sie während der in meinem House verlebten Wochen soviel einflußreiche Bekannt­schaften gemacht haben, daß Sie nut zu wählen brau­chen, wen Sie für die nächste Zeit mit Ihrem Besuch beehren wollen . . .

Und noch etwas:

Verzeihen Sie dir vielleicht etwas brüske Art des Geschäftsmannes, wenn ich noch mitteile, daß ich mei­nen Bureauvorsteher Roberts gleichzeitig beauftrage, Ihnen el« Hotel zu beschaffen und überhaupt für alle Ihre Bedürfnisse bis zum vierundzwanzigsteu diese» Monats Sorge zu tragen--'

Hier läßt Sonja die Hand mit öem Bries sinken.

„Und bann?" fragt sie abermals, mit bitterem Zluflachen.

Orloff, der erst erstaunt, dann mit steigendem In­grimm zugehört hat, stößt eine für den verstorbenen Schwiegervater des Maklers wenig schmeichelhafte Bemerkung zwischen den Zähnen hervor. Dann stützt ec, seiner Gewohnheit gemäß, den Kopf in die Hand und grübelt . . .

Auch Sonja versinkt in Nachdenken. Im Geiste sieht sie all ihre Luftschlösser zerflattern und Rot und Elend aufs neue Heraufziehen . . .

Ach, in den drei Wochen glücklichen DahinlebenS, ohne Sorge, ohne Angst vor dem, was der nächste Tag bringen würde, ist es gar nicht zum Bewußt sein gekommen, haß sie zwar Bewunderer in Hülle und Fülle besitzt, daß aber unter all den feurigen Courmachern sich kein einziger befindet, der ihr eine wirkliche Neigung entgegenbringt. Nicht ein eini­ger Bewerber um ihre Hand . . .

Freilich auch kein einziger, dessen Anblick ihr eige­nes Herz höher schlagen ließe . . .

Kein einziger? . . . Unwillkürlich taucht vor ihrem geistigen Auge eine schlanke Männergestalt auf, mit dunklem Haar und Bart und einem sanften, fast weib­lich zarten Mund, der zu öer kühngebogenen Nase in eigentümlichem Widerspruch steht. . .

Tiefes Schweigen. Nur zuweilen unterbrpchen durch das kurze Hüsteln der Kammerfrau Nina, die im Nebenzimmer die Nachttoilette ihrer Herrin zu- rechtlegt.

„Was für Einladungen find für die nächste Zeit eingetroffen?" fragt Orloff plötzlich.

Sonja öffnet ein Schubfach und nimmt einen Pack Briefe und Karten heraus.

„Lies die Namen vor!"

Sie ergreift Öen obersten Brief.

„Vom Marchese Silvio Tamponelli zum Sou­per .. ."

Orloff runzelt die Stirne.

Hm hm — ein vornehmer Mann. Parlaments­mitglied.' Hat viel Einfluß. Ist aber zu klug —

a. vollfleischige, ausgewachsene höchsten SchlachlwerteS (Lebendgew.) 45-47 M., (Schlachtgewicht) 75-78 M., b. vollfleischige jüngere (Lebendgewicht» 40—41 Mark, (Schlachtgew.) 66-68 M., c. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere > Lebendgewicht) 00 - 00 M., (Schlachtgew.) 00—00 M., d. gering genährte (Lebdgew.) 00-00 M., (Schlachtgew.) 60-00 M. 6. Färsen und Kühe: a. vollfletschige, ausgeinästele Färsen höchsten Schiachtwertes (Lebendgewicht) 43—45 M., (Schachtgew.) 77—81 M , b. vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schiachtwertes bis ;u 7 Jahren Ldgew.) 41—44 M, (Schlachtgew.) 76—79 M., c. 1) wenig gut entwickelte Färsen (Lebendgew.) 30—42 M., i Schlachtg.) 75—81 M., do. 2) ältere ausgemäftete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe (Lebendgew.) 36—40 M., (Schlachtgew.) 67—74 99., d. mfibig genährte Kühe u. Färsen (Lebendg.) 26-33 M., (Schlachtg.) 52-66 M., «. gering genährte Kühe und Färsen (Lebendgew.) 18-22 Mk., (Schlachtgew.) 41-50 M. v. Gering genährtes Jungvieh »Fresser) (Lebendgew.) 00—00 9)1, Schlachtg.s (60-00 M. Kälber: a. Doppelnder feinste Masi Lebendgew.» 00 — 00 M., (Schlachtgew.) 00—00 M-, b. feinste Mast- (Vollmilchmast) unb beste Saugkälber (Lebenbgew.) 00—00 9)1, (Schlachtgew.) 00 - 00 M., e. mittlere Mast- unb gute Saugkälber (Lebenbgew.) 54—58 M., (Schlackigem.) 92-98 M., d. geringe Saugkälber (Lebendgew. 49 -53 M., (Schlachtgew.) 83 — 90. e) geringe Saugkälber (Ldgew.) 44 - 48, (Schlacht­gew.) 75-81 M. Schafe: A. Weidemastschafe: a. Mast- lämmer unb jüngere Masthämmel (Lebendgew.) 00—36 Mk., (Schlachtgew.) 00—76 M., b. ältere Masthämmel und gut genährte Schafe (Lebendgewicht» 00-29 9)1., (Schlachtgew.) 68—69 M., c. mäßig genährte Hammel und Schafe (Merz-Schafe (Lebendgewicht) 22 -24 M., (Schlachtgwicht) 53—58 Mark, d. Marschschafe oder Niederimgsschafe (Lebendgew.) 00—00 M.. (Schlacht­gew.) 00—00M. B. Stalllnastschafe: 00. Sch weine: a. vollfleischige Schweine von 80—100 kg Lebendgewicht (Lebendgew.) 47',,-56 M, (Schlachtgew.) 61—6', 9JL, b. vvllfleifchige Schweine unter 80 kg Lebendgeivicht (Lebendgew.) 47 - 48 M., (Schlachtgew.) 58 60 M., c. vollfleischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht (Lebendgew.) 48—50 M., (Schlachtgew.) 60—62 M., d. vollfleischige Schweine von 120—150 kg Lebend­gew. (Lebendg.) 48 - 50 M., iSchlachtg.) 60 bis 62 Mark, e. Fetlschweine über 150 kg Lebendgewicht ^Lebdgew.) 00 - 00 M., iEchlachtgw.) 00 - 00 Mark, f. unreine Sauen und geschnittene Eder (Lebenbgew.) 00-00 M., (Schlachtgewicht) 00-00 M. — Marklver- lauf: Der Rindermarkt setzte lebhaft ein, flaute später ab unb wird bei langsamem Geschäft ausverkauft. Der Käwerhandei verlief gedrückt, der Schafhandel flott; es wirb ausverkauft. Am Schweinemarkt bedrücktes Geschäft. Es verbleibt Ueberftanb.

Nekiamen- nnd Anzeigenteil.

Unser Töchterchen Maria

kam als 7-Monatskind auf die Welt und ging, anstatt voran, immer mehr zurück, so daß es mit 3 Monaten »ur 5j Pfund wog. Nachdem verschiedene andere Mittel nichts geholfen batten, nahmen wir unsere Zuflucht zu dem bekannten Kinder-Stärkungsmittel Scotts Emulsion und können mit ruhigem Gewissen letzt behaupten, daß wir die Kräftigung unserer Kleinen nur hierdurch erzielten. Denn Biariechen begann bald zuzuliehme», erreichte innerhalb zweier Monate gerade Vas doppelte Gewicht, nämlich 11 Pfund, und heute, 16 Monate alt, hat sie es schon auf 25 Pfund gebracht. Die Zahnzeit wurde vorzüglich überstanden.

(gkz.) Frau Hei»«», Neuß a. Rh., 7. Mal l»10.

Scotts Emulsion

In her Ernährung und in dem Ausziehen vorzeitig ans die Welt gekommener Kinder muß besonders für­sorglich vorgegangen werden. Hier rächt sich jeder Fehler unb jede Versäumnis. Gerade solchen Kindchen erweist sich Scotts Lebertran-Emulsion, in den ent« sprechenden Menge» regelmäßig genommen, als ein wahrer Segen. Tie Entwicklung solcher Frühkinder wird durch Scotts Emulsion oft so gefördert, daß sie nach einiger Zeit weder im blühenden Aussehen, noch im kräftigen Kl rper- und Knochenbau Von andern Kindern irgendwie zu unterscheiden sind.

Scott« Emulsion wird eon uni aulschlictzlich Im grotzcii beriauit, unb zwar nie löse »ach Gewicht oder Matz, sondern mit in oerfieaelten Oriainalftaschen in Karton mit unserer Schutz­marke «Fischer mit dem Dorsch). Scott 4 Bownc, G.m.b.H., Frau Nurs a. M. o e

Beftandieile: Feinster Medizinal-Leberlran 150,0, prima Dlhz-rm 50,0, unterphoDhoriglaurir Kalkes, unterphosphoriz» saures Slatron i.0, puw. Tragant 3,0, feinster arad. Gummi pnlo. t,5, Wasser 179.0, «ltohol 11,0. hiernn aromatische Smulsiou mit Zimt-. Wandet- und Gaulth-riaöl je 3 Tropf««.

dämm gefährlich. Will immer etwas über die Mos-. Tauer Gesellschaft hören ... Kann ben Menschen nicht leiden . . . Weiter!" ■

„Sein Sohn ist sehr nett", bemerkt Sonja zögernd, während leichte Röte in ihre Wangen steigt.

„So —Was ist er denn,"

Soviel ich weiß, noch gar nichts. Er lebt bei sei- neu Eltwn und schreibt von Zeit zu Zeit Artikel für die Tribuna."

„Dec Mensch ift nichts, und damit basta!" fällt Orloff verächtlich ein. „Keine unnützen Auseinander. setzungen! Weiter!"

„Obefft Morgans und Frau —*

„Halt! .... Ist das der verabschiedete Offi­zier?"

„Ja"

„Der fast sein ganzes Vermögen in Diamanten anlegte,'

„Ja."

„Und der an einem Buch schreibt: „Wie ich in den Besitz des großen, schwarzen Diamanten kam?"

„Ja.'

Wie elektrisiert fahrt Orloff empor. Die plötzliche fanatische Begeisterung in den durchfurchten Zügen erscheint fast unheimlich.

„Diamanten! Diamanten!!' keucht er, während seine knöchernen ginget sich krampfhaft schließen und wieder offnen, als glitten die glitzert«en Steine be­reits durch seine Hände. „Ich muß hin zu diesem Oberst Morgcmo — sobald wie möglich!'

Auch mit Sonja ist eine merkwürdige Verände­rung vorgegangen. Ihr Gesicht ift totenbleich. Ihre Lippen zittern.

„Nein, nein!' wehrt sie angstvoll ab. „Wir wol­len nicht zu diesem Oberst Morgan» — auf keinen Fall

Doch der Alte Ignoriert ihren Einwand.

„Was schreibt der Oberst?' drängt er in fieber­hafter Erregung. Lies! Rasch!'

Sonja überfliegt die kurze Einladungskarte, wo­bei ihr Herz fast hörbar klopft.

(Fortsetzung folgt.)