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38. Jahrgang
Fulda, Montag den 27. November 1911
Erstes Blatt
271.
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Nitd Feiertage. viertel- fSLrltch«VeMtpreir ohne riringerlohn und Bestellgeld in Mda ss- »ieauiwäftrl.se-Mi.
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Lar Schütter fSr «- Anzeige«:
Ipar.-llek in Lukda.
Grundlage.
♦♦ Ausweisung eines Erzbischofs. Ja Portugal wird der Streit zwischen Staat und Kirche heilig sorlgesührt. Die republikanische Regierung fühlt sich ttn Angendl ck so stark, daß sie es wagt, gegen Kirchenfürsten mit Gewalt vorzugehen. Em Dekret der Regierung gibt bekannt, daß dem Erzbischof von Guarda, Don Manuel Vieira de Maddos, der Aufenthalt in feinem Sprengel für die Dauer von zwei Jahren verboteu wurde. Dem Bischof ist eine Frist von fünf Tage» gewährt worden, um Guarda zu verlassen. Im Weigerungsfälle soll er sofort verhaftet werden. Diese Maßnahme wird damit begründet, daß er sich gegen die republikanische Regierung aufgelehnt und gegen die Trennung von Kirche und Staat polemisiert hat.
♦* Vater und Sohu in Paris. Während König Peter von Serbien in Paris bejubelt und mit allen Ehrungen bedacht wurde, die die Republik zu ver- geben hat, weilte auch sein Sohn, der Exkron- prin- Georg von Serbien, in der Sernestadt, freilich ohne seinen Vater zu sprechen oder von ihm empfangen zu werden. Er sollte die Kriegsschule von Saint Cyr beziehen und bereitete sich zu der Aufnahmeprüfung vor. Das Examen hat jetzt, wie ein englisches Blatt mitteilt, stattgefunden, aber Prinz Georg von Serbien ist dabei durch- gefallen, so daß ihm die Pforten der französischen Militärschule verschlossen bleiben.
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Anhaltung eines österreichische« Schiffes. Durch die Blätter geht eine Nachricht, daß ein öfterr-cichd- scher Passagierdampfer im Jonischen Meer von einem italienischen Geschwader beschossen worden sei. In Wirklichkeit ist das Schiff von den Italienern zur Notzeit bloß anschalten worden, wid es vielen anderen Handelsschiffen in den Mittelmeergewässern während des jchigen Krieges schon geschehen ist. Die Italiener gaben, wie in solchen Fällen üblich, einige Schüsse ab zum Zeichen, daß das timen verdächtig erscheinende Schiff die Fahrt unterbrechen solle, was denn auch geschah. Nachdem sich die Italiener dann aber durch genaueren Augenschein aus der Entsev- nung von der Art und Beschaffenheit des Dampfers überzeugt hatten, ließen sie ihn ohne weitere Belästigung passieren.
Verteidigung der Dardanelle«. Während in den Depeschen aus den europäischen Hauptstädten da» allmählich langweilig werdende Ratespiel über Jtch liens weitere Pläne fortgesetzt wird, richten die Türken sich auf die Verteidigung bet Dardanellen eilt. Der Kriegs- und der Marineminister fuhren am Samstag abend nach den Dardanellen, um die Forts zu besichtigen und Anweisungen für die Verteidigung zu geben. Der Kriegsminister stattete vorher dem englischen Botschafter einen Besuch ab, der ihn ech widert«. Der Botschafter verhandelte hierauf zwei Stunden mit dem Minister des Aeußem. Der Unterredung wird große Wichtigkeit beigemeffen. Amtliche Kreise glauben, daß die Großmächte insbesoni- dere Rußland, in Rom Schritte unternehmt und auf die Schwierigkeiten Hinweisen, die eine Blockade dem internationalen Handel verursachen werde.
Bei Tripolis gab General Frugoni den Befehl zum Vormarsch bis zu dem Fort Mesri und bis El Harmi. Das Fort Mesri wurde am Sonntag um 9y2 Uhr besetzt. Das 5. italienische Infanterie-Regiment ist auf dem äußersten rechten Flügel in einen lebhaften Kampf mir tückischen regulären Truppen verwackelt. Auf den General C a n e b a wurden bei einem Eckunhigungsritt aus einem Hause fünf Schüße abgegeben, die aber nicht trafen. Es wurden darauf sechs Araber hingerichtet.
Bei Senta wurde am Samstag acht Stunden lang gekämpft. Beide Teile zogen sich schließlich zurück. Die Italiener berieten 50 Mann, darunter 12 Tote.
Deutscher Neich.
: Berlin, 26. Nov. 1911. Die Rückkehr des Kaisers nach Berlin erfolgt am 8. Dezember. — Dxzcilenz v. Plesfen, Generaloberst, Generalleut' nank und Kommandant des Hauptquartiers des Kaisers, beaing heute seinen 70. Geburtstag.
+ AlL Termin für die Anflöfung de» Reichstages ist, wie eine Nachrichtenstelle versichern zu können glaubt, Mittwoch, der 6. Dezember tn sichere Aussicht genommen. — Das dürfte lediglich eine Vermutung fein. Jedenfalls ist der 6. Dezember
Aus Uirche und Schule.
<*) Zu den Vorgängen im FranziSkauerordei. stell das bayerische Provinzialamt des Franzi«' kanerordens im »Bayer. Kur/ folgendes fest:
Die in verschiedenen Zeitungen immer wiederkehrenden völlig irrigen Darstellungen über die jüngsten Borgänge im Franziskanerorden zwingen mich, auS der bisherigen Reserve herauszutreten und folgendes festzu- slellen: Der Exgeneral 8. Schuler bat nicht um Enthebung von seinem Amte. Weder P. Schuler noch feine verantwortlichen Räte hielten eine Verfassungsänderung im Orden für notwendig. Die Anregung ging von ganz anderer Seite aus zur größten Ueberraschung des Ordens und der Ordensleitung. Völlig unwahr ist es» daß der frühere General mit seinen Maßnahmen auf heftigsten Widerstand stieß und große Gehässigkeit im Orden weckte. Im Gegenteil wurde fein Abgang nicht nur in Deutschland, sondern auch von den weitaus meisten italienischen Ordensbrüdern bedauert. Daß die bisherige Vertretung des Ordens durch zwölf allen Nationen entnommene Generaldtsinitoren eine schwerfällige Form war, wurde im Orden nie gefühlt, im Gegenteil stets als zweckentsprechend angesehen. Ob und inwieweit die geplanten BerfastungsLnderungen in die Praxis üdergesührt werden können, kann nur die Zukunft lehren. Die mit der Redaktion betraute Kommission hat ihre Arbeit noch lange nicht vollendet. Bei all' den Veränderungen handelt es sich nicht um Reform der Ordenszucht, sondern lediglich um Versa s s u n g § destimmungen.
— Das neue Motu proprio,
das alte Bestimmungen über die Zitierung der Personen gefftlichen Standes vor Gericht von neuem ■ einschärft, hat viel Staub in der kirchenfeindlichen Presie ansgewirbelt. Zur Beruhigung der erhitzten Gemüter werden die folgenden Darlegungen dienen
Ausland.
** Ter kuglifch-frauzösijche Geheimv tttag. Die französische und englische Regierung gaben die bis- her aeheimgehaltenen Zusatzariikcl zu ihren Verträgen vom 8. April 1904 betr. Marokkos und Aegyptens bekannt. Die Veranlassung zur Veröffentlichung scheint weniger der noch nachedbende deutsch-sranzösische Marokkostreit, als der zur Ent- scheidung drängende französisch-spanische geboten zu haben. Es ergibt sich aus den Bestimmungen, daß auf Verlangen Englands ein Streifen nord- marokkanischen Gebietes von Melilla bis zum rechten Sebn-llser von Frankreich Spanten mit der einzigen Einschränkung zugestanden wurde, daß dieses dort keine Befestigungen errichte. Damit ist bewiesen, daß Spanien nach feinem Vertrazs-- recht handelte, als es Alkaffar und Laiasch besetzte, und daß man von ihm die Räumung dieses Gebietes nicht verlangen kann. Unbegreiflich ist es unter diesen Umständen, rote Herr Cruppi im April dieses Jahres gegen die Anlündigung Spaniens, daß es zur Besetzung von Alkaffar und Larasch schreite, Einspruch erheben konnte, wie er es tatsächlich getan hat. Man kann nur annehmen, daß damals Herr Cruppi, als er zur Leitung der aus- wärtigen ÄngeleAenheiten Frankreichs berufen wurde, die Verträge und die marokkanische Angelegenheit im allgemeinen evensowemg kannle, iv'.e se:n Nachfolger Herr de Selbes. Jetzt möchten die Franzosen die Spanier wieder ans Marokko heraushaben als unliebsame Mitbewerber in der neuen französischen Kolonie. Sie ärgern sich, daß die Spanier nicht nachgeben wollen, und noch mehr darüber, daß der englische Enten ebruder auf Seiten der Spanier steht. Zu spät!
$ Als Freund des Frauenstimmrechtes gab sich der englische Schatzsekretär Lloyd George in einer in Bath gehaltenen Rede zu erkennen. Er meinte, daß Europa, wenn die Frauen auf dem Kontinent wie in England das Stimmrecht erhielte,', weniger Gefahr tiefe, von Blut durchtränkt zu werden. Er empfehle für das nächste Jahr die Einfügung eines Zusatzes in dem Männerstimmrecht-Gesetze über ein Frauenstimmrecht auf breitester demokratischer
„Auf Ihr Brüder im Lande! ES hat eine große Schicksalsstunde geschlagen in der Geschichte des bayerischen Volkes! Es gilt Knechtsketlen zu sprengen. Die Not hat un5 ge'tählt und Eisengeist bricht die Not. Der Freiheit eine Gaffe! Wir brauchen für das Lehrer- gesetz eine fortschrittliche Mehrheit im Landtag und Bayern fordert den Kultursorlschrtlt und das Deutsche Reich verlangt nach einem fortschrittlichen Bayern. Das ganze freiheitliche Deutschland blickt in diesen Wochen auf unser Vaterland. Aus zum Kampf! Meder mit der Reaktion!"
Die Zentrumswähler werden diesen Kampfruf des tvegen fernes Haffes gegen das Zentrum und wegen seines Kampfes gegen die geistliche Schulaufsicht bekannten Lehrers Bevbl wohl beachten und nun erst recht für das Zentrum, den Hüter der geistlichen Schulaussicht und der .konfessionellen Schule ihre Stimme abgeben. — Die konfessionelle Hetze beginnt bereits. Die liberale „Speyrer Ztg. schreibt:
„Wir hoffen aber doch, daß er seine Rechnung ohne die protestantischen Bauern gemacht hat, die sich auf die schwer« Beleidigung der Protestanten durch die vorn Zentrum so warm verteidigte B o r r o - mäuS-Enzyklika hin denn doch besinnen werden, mit eben diesem Zentrum gemeinsame Sache zu machen.»
Da haben wir e5 also. Anstatt den politischen Kampf von den politffchen Parteien ansfechten zu lasien, muß der Protestantismus und die Borro- maus-Enzhklika aufmarfchieren. Dabei entrüstet sich das Blatt stet» über den „Mißbrauch der Religion I zu politischen Zwecken", wenn mal irgendwo irgendein Blatt oder irgendein Redner sein Wort an | die Katholiken im Sinne bti Zentrums richtet.
bet früheste Termin, bis zu dem der Reichstag fern« noch ausstehende» Arbeiten wird erledigen können. — In „flut unterrichteten politischen Kreisen will man, bet ,Poss zufolge, wissen, baß Herr von Selbmann Hollweg in bet erneuten Plenar- beratuna d«S Marokko-Abkommens feinen scharfen Worten vom 10. November gegen Herrn v. Heyde- btanb eine entgegenkommende und abschwächende Auslegung zu geben beabsichtig«.
+ Die KommisiisnSverhandlungm über das Ma- rokkoabkommen. Der fchriftliche Bericht der Budget- kommiffiou üb« die Marottoverhandlungen ist dem
l Reichstag zugegangen. Der Bericht umfaßt aber nur die vom Woiffscheu Telegraphenbüro bereits veröffen lichten Mitteilungen auS den Darlegungen des Staatssekretärs und den dazu gemachten Aus- sührungen der Kommiffionsmitglieder. Heber den übrigen Teil der Kommiffionsverhandlungen wird ein mündlich« Bericht «stattet werden, und zwar durch den Snidjtaftatt« Abg. Dr. Frhr. v. Hert- Itng (Ztr.) Die Kommission stellt bekanntlich ent- sprechend bet Anregung des Zentrums den Antrag, den 8 1 des Schutzgebietsgesetzes dahin zu erweitern, daß zum Erw«be vnd zur Abtretung eines Schutz- gebiete« ober von Teilen eines solchen em Reichs- gesetz nötig sein soll, soweit es sich nicht um Grenz- berichtignngen handelt.
ö Mit den Wahlaufrufen der liberalen Parteien beschäftigte sich die ,Nordd. Allg. Ztg. in ihren Rückblicken vom 26. November sehr ausführlich. Irgendeine Bemerkung des offiziösen Blatts üb« da« berebte Schweigen der beiden -Wahlaufrufe üb« das Verhältnis der liberalen Parteien zur Umsturzpartei wird man aber oer- geben« suchen. Darüber wird man sich allerdings kaum wundem können, w»nn man sich erinnert, daß das offiziöse Blatt sich gegenüber den Nauo- nalliberalen bisher stets der liebevollsten Ruckiicht- nahme befleißigt hat. Wird e8 überhaupt jemalb den Mut finden, einmal Stellung zu nehmen gegen den Pakt der Baffermannpartei mit dem Umsturz $
)( Ausnahme der Detailtisten in die Handelskammer. Der preußische Handelsministet Sydow erhärte bei einem Besuch der Kölner Handelskammer, er sei mit der Heranziehung der Detaillisten zu der Handelskammer einverstanden, aber entschieden gegen eine
; Bildung von besonderen Detaillistenkammern. : Nach seiner Ansicht sei es eine Hauptaufgabe der 1 Handelskammer, einen Ausgleich zwischen den ver- - schiedenen Jntereffen von Handel und Industrie ' herbeizuführen. Die Handelskammer möchte zu diesem Zweck auch die anderen Zweige, die noch nicht in ihr vertreten feien, zu ihrer Arbeit heran
können: _
Bon Alters her hat der katholische Klerus das Privilegiuin fori, d. h. in weltlichen Strafsachen eine eigene Standesgerichtsbarkeit vor dem Bischof. Dadurch sollte verhütet werden, daß das Ansehen des geistlicken Standes erschüttert nnd infolgedessen auch seine kirchliche Wirksanckeit geschädigt wurde, was zu befürchten war, wenn die Geistlichen, die Lehrer und Priester der Laien, gleich diesen von weltlichen Richtern gerichtet würden. Zur Wahrung
hat, ist ja bekannt. . ’
Auch auf deni Gebiete der L a n d m euch t ist 1 j nichts vorgenmnmen worden, was ans Furcht vor ' einem Kriegsansbrnö^ gedeutet werden könnte. j Herr Bassermann, der von einem Teile der nationalliberalen Partei immer noch für ein Staatsmann 1 gehalten wird, hat bekanntlich nachttäglich erklärt, die deutsche Regiermig hätte lieber ein paar Armeekorps mobil machen sollen, statt den Kreuzer uoch Agadir zu schicken. Eine solche Mobilmachung wurde als eine Vorbereitung oder gar Einleitung des Krieges gewirkt haben, wahrend bk Entsendung des einzelnen Schisses nach Agadir mit dem Schntz der dortigen deutschen Interessen motiviert war und keine provokatorische, sondern mir eine symbolische Bedeutung hatte. Die Mobittuachung hätte auch Deutschland als nervös erscheinen kaffen. Es war aber, wie sich bei dem Rückblick auf die Entwicklung der Dinge klar erkennen laßt, von ganz befoitberem Wert, daß Deutschland vor aller Welt feine selbst- bewiißte Rnlie bewahrt. I
Die Regierung und die letteudL Heeres- und Mariiiekreise konüten uamrlich auf alle besonder« Vorsichtsniaßreaeln dann verzichten: wenn sie die I volle 'Sicherheit von der vollkommenen Kriegsbereitschaft und Schlagfertig- f ei t unserer Wehrmacht hatten. Aller Wahrscheinlichkeit nack ist ober die Nervenruhe auch noch gestärkt worden durch die Ueberzeugung, auf bet Geaeuseite werde man es bei den großen Worterr be- jettfcen lassen und nicht euren Angriff riskieren.
Tatsächlich ist ja auch der Angriff nicht erfolgt. obsckon die englische Regierung, wenn sie wirklich den Mut zum Krieg gehabt hätte, einen Vorwand leicht hätte finden können. Auf die herausfordernde Sprache der Minister Grey nnd Lloyd George hot unsere Regierung eine recht kräftige Antwnrt gegeben. Wenn von englischer Seite in dem angeschlagenen Stile fortgefahren worden wate, so würde der diplomatische Krach und nach ,hm der mi- fitörische Kompftitt alsbald dagewesen fern. Mer Ke englische Regierung bestand nicht einmal auf die förmliche Zuziehung z« den Verhandlungen über Marokko, die sie erst so entschieden gefordert hatte. Sie bot freilich hintennach immer noch hinter den französischen Unterhändlern gesteckt und aus dem Hinterhalt den deutschen Forderungen möglichst viel Schwierigkeiten bereitet; aber sie hat doch nach der Krisis vom Jnli äußerlich so viel Zurückhaltung bewahrt, daß zu einem kriegerischen Konflikt für Deiitichland keine Bercmlollnim sich craab.
Zur Abkühlung der englifchen Kriegslust hüben anscheinend zwei Umstände wesentlich nntgewrrtt. Einerseits die Furcht als ftanzösischen Bundesge- iNosien vor einem Waffengang mit der deutschen Landmacht, andererseits die Erkenntnis der Ena- länder, daß ihre vielgepriesene, aber bisher noch.keineswegs bewährte Flotte trotz der zahlenmäßigen Uebermacht bei einem Angriff auf die deutsche See- macht doch ein ungeheures Risiko träfe.
Auf dieseu Respekt vor unserer Wehrkraft dürfen wir stolz sein, und zwar imt so mehr, als diese heilsame Wirkung erzielt worden ist ohne jede besondere Borsichtsniaßnahme oder irgend ernt außerordentliche Krastanfttenaung. Gerade die /selbstbewußte Ruhe, die unsere verantwortlichen Kreise bewahrt haben, als ringsum Erregung herrschte, macht nun im Licht der nachträglichen Enthüllungen einen guten Eindruck.
Ter Regierung Bethmann-Hollwegs muß man ze» zur Ehre anrechnen, daß sie weder durch die feind- Jeligcit Hetzereien im Innern noch durch die Feind- jeligfeiten ausländischer Staatsmänner sich hat nervös machen lassen.
verstoßen haben sollen! Bisher sind schon einige 50 Personen zn Festungshaft von 2 Wochen bis zu einem Bh>nat verurteilt worden!
* Tie erneuten Unruhen in Mextto Hier und da ist es schon zu Kundgebungen und Revolten gegen den Präsidenten Madero gekommen. Nun- mehr haben auch heftige Gefechte stattgefunden. In einem Gefechte bei Santa Anna haben die Regierungstruppen tn Stärke von 450 Mann 800 Anhänger des General« Zapata geschlagen. Von diesen wurden 62 getötet. Zapata ist geflüchtet, verschiedene Hinrichtungen werden aus den in Unruhe befindlichen Otten gemeldet. Amtlich wird berichtet, daß ein zweiter Kampf zwischen Bundes- truppen und Aufständischen bei Piloaya statt- gefunden habe. 60 Mann seien gelötet und ver- rounbet worden. In Oaxaca drohe die Bevölkerung, sich zu erheben.
Reichstagswahlvorbereittmgen.
d. Duderstadt, 25. Nov. 1911. Die Vertrauens- männer der Zentrumspartei beschlossen em- stimmig, den seitherigen Abgeordneten Baron Götz von Olenhusen (Deutsch Hannoveraner) wiederum als Kandidaten aufzustellen.
= Königsberg, 25. Nov. 1911. Tas Zentrum hat in Königsberg-Stadt für den Reichstag den bis- herigen Abgeordneten für Reichenbach-Neurode, den VerbandSsekretär Dr. Fleischet-Bersin ais Zähl- kandidaten aufgestellt.
v Tet tzanfabuud und bte Wahlen. Nach Mitteilungen in der Preff kandidieren insgesamt tuns 220 Mitglieder des Hansabundes zum Reichstage, darunter 62 Mitglieder des Handels, des Gewerbes und der Industrie. .. , ,, ...
)( Eine Einigung der Liberalen tft fetzt für Württemberg erzielt worden. Bish« wat strittig nut noch der Wahlkreis Ulm, liebet diesen ist nun auch eine Einigung erzielt worden. Die Nalionallibetalen unterstützen bet der Reichstags- mahl in Ulm den volksparteilichen Kandidaten Hähnle, wofür die Volkspartei bei den Landtagswahlen in Ulm und Geißlingen den nalionalliberakn Kandidaten unterstützt.
___ __________ stlicheS Gericht zitieren, t lieber- und zum öffentlichen Auftreten dafelbst zwingen. .GeieLes Und Papst Leo X1IL Lat durch cm DeLstt botu
w Lentschlands Kriegsbereitschaft.
In einer Preffenachrichl wurde zur Zeit der fchw«. bendeii Marottoverhandlungen behauptet, Deutsch- land sei nicht kriegsberett gewesen. Gegen die Scibreiter dieser Nachricht soll ein Strafverfahren cingeleitet worden s.in. In eurer mtlitarischen Korrespondenz erklärt jetzt eine „hochgestellte mtit» tarische Perfönlichkeit": I
„Unsere leitenden Stellen in Heer und Marine eien andauernd auf die Möglichkeit des plötzlich aus- I brechenden Konflikts abgestimmt gewesen, was man u a. an den Bewegungen der Hochseeflotte I seststeUen konnte. Das Verlchwinden dreier Flotte m der kritischen Zeit aus der Oslfee spreche laut für den starken Willen Deutschlands, dis zum äußersten den Friede r zu erhalten; denn die engkit chen Av-1 sichten und die Möglichkeit eines Ausbruch« der Feindseligkeiten ohne vorherig« Berständt- nung sei der deutschen Regierung wohl bekannt ge- wesen. Das Auswärtig« Amt, das Reichs- rnarrneamt, der Admiralstab, das KriegS- ministerium, der Generalitab der Armee, das Reichsschatzamt und das Präsidium der Reichsbank hätlen zu jener Zeit in engster Fühlung zueinander gearbeitet.
Das Ergebnis ist aber, daß unsere Flotte von .yrer gewohnten Friedenstätigkeit in keiner Werse abgewrchen ist. Sie har nach Erledigung ihrer her- kömmlichen Hebungen ihre herkömmlichen Erholung»- fahrtcu nach Norden gemacht; sie hat dann ihre gewöhnlichen Standquartiere ausgesucht, wobei Vie Mehrzahl der Kriegsschiffe in die Ostsee geriet, - als ob an einen Angriff von Westen gar nicht zu denken sei. Die Regierung har selbstverständlich alle Vorgänge aufmerksam verfolgt, aber von irgendwelchen anßero-rdeittlichen Vorsicht'nrraßregeln Hal man , nicht das mindeste vernommen. Daß der Kaiser selbst die herkömmliche Rordlondsreise ungestört auszeführt
ziehen.
]:[ Dresden, 26. Nov. 1911. Tas „Kullnr- tämp en" ist den Nationalliberalen nach roie vor der Hauptspaß. Jetzt hat in der sächsischen Zweiten Kammer die nalionalliberale Froktio' eine Interpellation ein gebracht: „Was gedenkt die Königlich« Staats'egienrng zu tun, um das sächsische Schulwesen vor den Wirkungen des Äi o d e r n i ste i- eides zu schützen, und welche Stellnng gedenkt sie dem jüngsten päpstlichen Motuproprio gegenüber einzrrnehmen 'i ‘ — Haden die Herren denn überhaupt etwas gemerkt von der Wirkung dis Vtoder- nisteneides auf das fächstsche Schulwesen und ist das neue Motuproprio in Sachsen schon amtlich publiziert worden?
Straßburg, 25. Nov. 1911. Aus den gestrigen elsaß-lothringischen Zentrumstag wurde der Landtagsabg. Schott-Schleltsiadt anstelle des Reichstagsabg. Vonderscheer zum Parteivorfitzenden gewählt. Sei den Reichs- tagswahten soll unabhängig vorn deutschen Zentrum vorgegangeu und die elsaß-lothringische Gruppe } im Reichstage zu neuem Leben erweckt werden. Die Neuorganisation des Landeszentrnms und die Er- richtung eines Parteisekretariats ist in Vorbereitung. Die Fraktionen der Zweiten Kammer des Landtags beschlossen heute, das Bureau der Kammer aus einem Präsidenten, zwei Vizepräsidenten und vier Schriftführern zusammenzusetzen. Den ersten Präsidenten stellt das Zentrum in der Person des Dr. R i cklin. lieber die Besetzung der anderen Stellen verhandeln die drei übrigen Fraktionen noch.
c? München, 24. Nov. 1911. Lehrer Beyhl, der Herausgeber der „Freien Bayerischen Schulzeitung" ruft die liberale bayerische Lehrerschaft tum Kampf gegen das Zentrum auf. Es heißt in dem Aufruf:
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* Vom Kulturkampf in Rußland. Der russische Rechtsrat hat den § 1 der Gesetzesvorlage, die den Uebergang von einer Konfession zur anderen „regelt", in der Faffung der Koinmffsion angenommen. Danach ist der Uebergang erst nach Erreichung der Volljährigkeit und nach Ablauf von 40 Tagen nach Anmeldung des Entfchlusies gestattet. Ferner ist nur der Uebergang von einer christlichen Konfession zu einer anderen oder aus einer nichtchristlichen Religion zu einer chrfftl. Konfession zugelafsen. Der Vorschlag der Reicysduma, jedem Vollfährtaen das Recht der freien Wahl einer nicht strafbaren Konfeffion zuzugestehen, ist abgelehnt worden. — In dem Gouvernement Kowno finden M a s f e n p r o z e f f e b q-,,, & T x
gegen Eltern statt, die ihre K t n der k a t ho - , dieses Privilegiums.verhängte Pa p ft P i u s IX- gft , erklären, daß durch die Konstitution vorn 12. O-nooer 100» ve« "f nnA Jm TnrPronebiti b^ ISlL zu ka- Kirchenbann über diejenigen, welche direkt oder in- Lfc Ä^toeraädm^ekn unb folglich auch direkt irgendwelche kirchliche Perfonen, fei es ui ihre ^nber latbolito96aben taufen lassen. Die Be- Kriminah oder Zivilsache, ohne Erlaubnis der kirch- ieben aber diese Bauern noch als Glieder der lichen Behörde vor em Welt mssischel^Kirche an, da sie angblich bei chrem Ueber- nnd nffentlicben Auftt trtit fleflen vMchiedenc Formalitäteu des .GeieLei....----------------