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Leitung

Reklamen- und Auzeigeuteil.

hilbR«n£ä^eLnb kicft ”ttbor fi$ $in' Während erlmer ihn ganz zu sich gehörig. EnKmder E Mann! Ein Geschöstsg nie! -

Ein einflußreicher

6]

Roman von Adele Böttcher.

amt fort

Sonjas Haltung verändert sich nicht. Die tiefe Melancholie in ihrem jungen Antlitz berührt ebenso seltsam, wie die jubelnde Freude in den Züaen des Greises. “

auSgegangen. Die stärkste Zunahme hat im laufen­den Jahre die Ausfuhr von Kalimagnesia erfahren.

V Zella, (S. 23.), 21. Nov. 1911. Am Feste der hl. Elisabeth fand hier die 4. Versammlung des Volks v erein« statt. Die Verhandlungen standen im Zeichen der Frauen. (58 war deshalb al» VersammlungStag der Festtag der hl. Elisabeth, jener edlen Frau, recht treffend gewählt. Nachdem der Vorsitzende, Herr Pfarrer Braun, die Versamm. hing begrüßt, gab er seiner Freude darüber Ausdruck, daß ttotz der ungünstigen Witterung auch die Frauen aus den Fllialorten so zahlreich erschienen feien. Den ersten Vorttag hielt Herr Lehrer Vogt: Die Frau einst und jetzt. In klarer und besttmmter Weise zeich­nete er die soziale Stellung der Frau bei den einzeln- neu Völkern. Nachdem er die Auswüchse der moder­nen Frauenbewegung kurz verurteilt, feierte er als den natürlichsten und schönsten Frauenberuf denjeni­gen, Gattin und Mutter zu fein. Seinen stimmungs­vollen Vortrag schloß er mit dem Schillerschen Wort: „Ehret die Frauen, sie flechten und weben himmlische Rosen ins irdische Leben". Mit warmer Begeisterung sprach sodann Herr Pfarrer Selz er aus Dermbach über die Segnungen der hl. Kommunion im Fami­lienleben. Seine Ausführungen klangen aus in einen flammenden Appell, recht oft zu dieser unerschöpf­lichen Gnadenquelle hinzuzutreten. Seine von Her­zen kommenden Worte fanden sichtlich Wiederball in den Herzen aller Anwesenden. Nach verschiedenen Mit­teilungen schloß Herr Pfarrer Braun, der sich um die hiesige Volksvereinssache sehr verdient gemacht hat, die Versammlung, indem er noch einen baldigen Fa­milienabend in Aussicht stellte.

* Aus Thüringen, 23. Nov. 1911. Ein Tischler­meister aus Erfurt wurde nachts auf dem Bahn­hof in Seebergen, als er nach Hause fahren wollte, von einem Zuge erfaßt und auf der Stelle getötet, indem ihm der Kopf vom Rumpfe getrennt wurde. — Nach dem Genuß von Hackfleisch sind in Erfurt 13 Personen erkrantt. — Auf dem Rittergut Töppeln bei Geisa hat ein Schadenfeuer gewütet. Mehrere Ne^ bengebäude sind vollständig abgebrannt.

Fritzlar, 23. Nov. 1911. Das Proviant- in Fritzlar setzt die Hafer- und Strohankäufe Anlieferung tonn täglich erfolgen.

Handel und Jndnstrie.

* Berlin, 23. Nov. 1911. Die heutige Börse zeigte entschieden Neigung zur Ermattung. Bank-: aktien schwach behauptet. Transportwerte ruhig. Montanaktien günstiger. Schiffahrtsaktien etwas steigend und auch Elektrizitätswerte günstiger.

ein eigenes Schulhau» zu bauen. Als Bau»- platz ist der Garten neben der Synagoge in Aussicht genommen.

♦ Frankenau, 23. Nov. 1911. In einem unbe- wachen Augenblick stürzte der vierjährige Sohn de» Gastwirts S. von hier in einen Topf mit hei­ßem Wasser. Er erlitt hierbei schwere Brand­wunden, besonder» am Rücken. — Am Dienstag, den 28. d. M., findet die Ergänzungswahl der Stadtverordneten statt.

-------- — Und erst seine Ge- scllschaftsabqide dmüßen in seiner Villa vor der Porta Pia! Da drängt sich alles zusammen, was Rom an Rang, Geld und Geist besitzt. Eine Equb» page jagt die andere, wie an den Empfängen bet einem Minister! — Doch nun zum Geschäft, meine Herrschaften! Mein Chef hat die ganze Sache in meine Hände gelegt. Ich soll zuerst für Ihre so­fortigen Bedürftiisse sorgen. Also, bitte — wa» ha> ben Sie nötig?'

„Was wir nötig haben? Alles!'

Aus Gberheffen u. den Hess. Aemtern.

* Fraukenberg, 23. Nov. 1911. Befördert zum Oberleutnant d. Res. der Lt. d. R wurde Bürger­meister Dertz in Frankenberg. — Der Obsterlös der Städte und Gemeinden des Kreises beziffert sich in diesem Jahre auf insgesamt 12 098,55 Mk. gegen 13 381,15 Mk. im Vorjahre. — Am Sonntag nach­mittag sand in Herzhausen eine Versammlung des Kreisfeuerwehrverbandes statt, an die sich eine praktische Hebung anschloß. Nach Feststellung der Anwesenheit der entsandten Vertreter ergab sich daß von 66 Wehren bedauerlicherweise nur 19 Wehren mit 29 Personen vertreten waren. Aus Antrag wurde als Ort der im nächsten Jahre ab- zuhalter-den Versammlung Frankenberg gewählt.

* Zella (Kr. Ziegenhain), 21. Nov. 1911. Bei den Ausschachtungsarbeiten im hiesigen Gemeindeteich wuikden zwei interessante Funda gemacht. Man fand dort in beträchtlicher Tiefe einen Kürafsier- panzer und ein österreichisches Schwert, das, nach den darauf befindlichen Zahlen zu schließen, aus dem 30jährigen Kriege stammt.

[:] Neustadt, 23. Nov. 1911. In der am Mitt­woch abend im Saale des Herrn W. Mann veran­stalteten Versammlung des Volksvev- eins verbreitete sich Herr Kaplan Mehlmann über das im Hinblick auf die bevorstehenden Reichs- tagswahlm sehr zeitgemäße Thema: „Christentum und Sozialdemokratie'. In überzeugender Wt ise machte er den Zuhörern klar, daß ein guter Katholik niemals ein Sozialdemokrat fein könne, ja auch nie* mals als sog. Mitläufer auf indirekte Weise die Wege der Unllturzpartei ebnen Helsen dürfe. Sodann sprach Herr Pfarrer Ebel in dem schon in der letzten Ver­sammlung angefünbigten 2. Teil seines Vortrages über die soziale Tätigkeit Kettelers nach seiner Ev- wählung zum Bischöfe. Die Pausen wurden durch musikalische Vorträge auf Klavier und Geige von den beiden Rednern in liebenswürdigster Weise ausgefüllt. — Da das Gebäude, in welchem sich die hiesige jü­dische Schule befindet, mit dem heutigen Tage den Besitzer wechselt, und dieser die betreffenden Räume benötigt, beabsichtigt die jüdische Gemeinde

Kein Wort fällt zwischen ihnen. Beide sind ganz von ihren G. danken beherrscht. —

Plötzlich hebt Boris Orloff toamenb den Finger und horcht. . .

Schritte nähern sich der Tür.

Das Kinn des Greises sinkt auf die Brust herab. Die dürren Hände falten sich über den Knien.'

Wie ein Protest gegen diese Selbsterniedrigung richtet Sonja ihre schlanke Gestalt hoch auf und bliÄ stolz nach der Tür.

Gleich darauf tritt der Bürovorsteher Roberts ein — überaus höflich und mit dem Hur in dcr Hand.

,„Zuerst möchte ich um Verzeihung bitten, meine Gnädige — entschuldigen Sir abermals, wenn dies mcht die paffende Anrede ist, und auch Sie, Sizr- nore! daß ich vorhin etwas — wie soll ich sagen — etwas nonchalant war. Aber ich kannte Ären Rang noch nicht —'

„Unfern Rang?' unterbricht ihn Orloff bitter. „Wir sind Flüchtlinge!'

Ein Lächeln verzieht die bewegliche Züge des Bürovorstehers.

„Rom ist ein gutes Feld für Fremde. Man em­pfängt sie mit offenen Armen. Besonders wenn sie der hohen Ariftokratte angehören. Und Sie., Sig­nore, haben das Aussehen eines vornehmen Mannes. Das genügt!'

Boris Orloff begreift sofort. Er reckt seine mäch- tije Figur zu ihrer vollen Höhe empor.

„Und wenn gar ein Mann wie mein Chef Sie in die Gesellschaft einführt —", fährt Roberts wichtig fort.

„Hat er soviel Einfluß?'

„Na und ob! Ganz Nom rennt ihn. Ueberall hat er Verbindungen. Obgleich er erst vor zehn Jahren aus Newyork hierher kam, rechnen die Rö-

redung mit Stöbert» wieder das draußen auf ihn war­tende Automobil zu besteigen.

„Nach Hause!'

Während das Automobll davonjagt — die Via Nationale entlang, vorbei an der Fontana di Trevi und den herrlichen Gärten des Öuirinal, hinaus zur Porta Pia — zieht Edward Morrison aus der Innentasche seines Rockes den Brief, der ihn heute den ganzen Tag so lebhaft beschäftigte und liest nochmals folgenden Abschnitt:

„— — wieviel Wahres an der Erzählung der Leute ist, kann ich augenblicklich nicht beurteilen. Sicher jedoch ist, daß vor etwa drei Jahren ein Fürst Orloff mit seiner Familie wegen politischer Umtriebe nach Sibirien verbannt wurde. — Als sie mit dem Schiff hier ankamen, warm sie gänzlich mittellos. Ich gab ihnen Geld zur Fahrt nach Rom. Vielleicht können Sie mit den Leuten etwas anfangen. Ein Geschäftsmann par excellence wie Sie weiß ja aus allem Vorteil zu schlagen — —"

„Hast recht, alter Junge!' schmunzelt er, sich be­haglich in die Lederpolster zurücklehnend. Und was kann's schließlich schaden —'

2.

Als die Tür sich hinter Edward Morrison ge­schlossen hat, streckt Sorte Orloff feine Hand tastend nach Sonja au», die diese sofort ergreift

Ein zufälliger Beobachter würde in der Bewegung nichts Auffallende» gesehen haben, sondern nur das Gefühl der Hilflosigkeit des Blinden und kindliche Siebe von feiten des jungen Mädchens.

Und doch ist es ein stummes Gespräch zwischen den beiden.

Das leise Tippen seiner Fingerspitzen wird durch einen kräftigen Druck ihqes Daumens beantwortet In Worte übertragen:

„Sind wir allein?'

„Ja.'

Kur echt mit dieser Marke — dem Fischer — demNennzeichen des Statischen B erfahrens.

„Ein ziemlich umfangreicher Befehl!" meint Ro­berts mit einem Seitenblick auf Sonja, die ihre Gleichgiltigkeit fallen gelassen hat und gespannt zu> hört „Immerhin — ba wir irgenbtoo Anfängen müssen--haben Sie schon ein Hotel?"

„Wir kamen direkt vom Bahnhof hierher.'

„So, so! — Vermutlich ersparten Sie sich die Mühe, Gepäck mit sich herumzuschleppen?"

„Wir besitzen nichts, als was wir auf dem Leibe haben.'

„Für die Gesellschaftsräume meines Chefs etwa» wenig —'

„Ganz gewiß. Auch verbietet mir meine Selbst­achtung, mich irgendwo in diesem Aufzug blicken zu laffen —'

„Meine Achtung vor Ihnen ebenfalls —", fällt der Bürovorsteher höflich ein. „Als mein Chef mir sagte: „Lieber Roberts, versorgen Sie diese vorneh­men Russen mit allem, was ihr Rang erfordert!" — da wußte er, daß er sich ganz auf mich verlassen konnte. Mso —" prüfend blickt er den Greis vom Kopf bis zur Zehe an — „zuerst brauchen Sie ein Paar neue, hochelegante Anzüge mit allem, was drum und bran hängt — bann allerhand Gepäck — Koffer, Reisetasche, Plaid, damit Sie auftreten können. Und Sie ebenso, meine Gnädigste —" galant verbeugt er sich vor Sonja, die noch immer stumm dasteht — „und außerdem ein elegantes Reisenecessaire und einige Schmucksachen. — Wie arrangieren wir das am besten?' (Forts, folgt.)

M 269.

Kreitag 2<. November 191t

58. Za -rgang.

Tagtäglich

wird uns bestätigt, von welch wohl­tuender Wirkung Scotts Emulsion für zahnende Kinder ist. Und die Er­klärung dafür 1 Scotts Emulsion enthält in der feinsten Form die zur Bildung gesunder, kräftiger Zähnchen nötigen Aufbaustoffe, stärkt aber auch gleichzeitig den jugendlichen Körper in nachhaltiger Weise, so daß er die Mühen des Zahnens unbemerkt über­windet. Selbst.dieAllerkleinsten nehmet»

2. Blatt.

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Mit einer anklagenden Gebärde hebt der alte Manu die Hände gen Himmel; starr, unbeweglich richten sich seine glanzlosen Augen ins Leere. —

Tief gerührt von diesem Bild äußerster Hilflosig­keit legt Edward Morrison feine Hand auf den Arm des Greises.

„Wollen Sie nicht lieber diese schmerzvollen Er- jnneningen verbannen?'

„Nein, nein!" wehrt der fflte. „Hören Sie das Ende! — Als man unsere Flucht gewahr wurde, sandte man einen Trupp Kosaken zu unserer Ver­folgung aus. Erst nach Wochen sand man unsere Spur. Als uns die Verfolger dicht auf den Fersen waren, sprang mein Sohn — der Vater dieses un­glücklichen Kindes hier — aus dem Schlitten. Er wußte, die Kosaken würden ihre Verfolgung auf» fleben, sobald sie ibn hatten — gleich hungrigen Wöl­fl"- denen man Nahrung zuwirst. Er opferte sich, um jetten — den alten Vater und die unschuldige Tochier.

Des Greises Stimme bricht; die letzten Worte sind kaunt noch vemehmbar.

Voll tiefen Mitgefühls blickt Edward Morrison •<juf Sonja. Das Mädchen sitzt wie erstarrt ba; nur große Trane löst sich langsam von ihren dunflen Wimpern und rinnt die bleiche Wange herab .. Mit ein paar herzlichen Motten sucht der Makler ^Unglücklichen zu trösten und fügt liebenswürdig ■ -’P1' to°n gestatten. Ihnen in Ihrer

Iugenblicklich trüben Lage beizustehen. Betrachten Sie für die nächste Zeit unser Haus als Ihre Hei- chat! Ich bitte darum gleichzeitig im Namen meiner grau. Mein Bürovorsteher wird alles Nötige mit öbnen besprechen. — Also auf baldiges Wiedersehen draußen in meiner Villa!'

Sofort verändert sich der Ausdruck in dm Zügen des Greife». An Stelle der tiefen Niedergeschlagen» bett tritt triumphierende Freude, die zu dem durch- surchtm blinden Gesicht einen eigentümlichen Kontrast

Amt Geisa und Umgebung.

]![ Geisa, 22. Nov. 1911. Heute am Bußtage wurden wir durch reichlichen Schneefall über­rascht. Noch gegen Abend geigten sich die umliegen­den Höhen in einem weißen Gewände. Infolge der letzten Regentage führt die Ulster wieder etwas mehr Wasser, aber die hiesige Wasser­leitung hat noch immer schwer unter dem Was­sermangel zu leiden. Die obere Stadt ist bereits von 2 Uhr ohne Wasser. — Die Gemeinde- ratswahlen finden am 28. November statt. Es sind im ganzen fünf Mitglieder zu wählen, da satzungsgemäß vier ausscheiden und für den ver­storbenen Bauunternehmer Will eine Ersatzwahl zu erfolgen hat.

X Geisa, 23. Nov. 1911. Der kathol. Ar­beiter-Verein veranstaltete heute einen Fami- lien-Abend, zu dem sich nicht nur die Milgliesrr mit ihren Angehörigen, sondern auch zahireichs Gäste eingesunden hatten. Der Präses des Vereins, Herr Kaplan Sehn, hielt einen interessanten Vortrag über die Ausbreitung de» Christentums und die ChristenverfolWngen unter den römischen Kaisern. Der Vortrag wurde durch gut gelungene Lichtbilder näher erläutert. Der reiche Beifall der Versammel­ten zeigte, daß man mit dieser Art Familien-Abend den rechten Griff getan hat, da dadurch das Inter- esse für den katholischen Arbeiter-Verein immer mehr unter den Bewohnern Geisas geweckt wird.

* Dermbach, 23. Nov. 1911. Infolge der am 21. er. unter dem Viehbestand des Untermüllers Otto hier sestgestellten Maul« und Klauenseuche werden die hiestgen Schweinemärkte dis auf weiteres auf geh oben.

* Stadtlengsfeld, 23. Nov. 1911. Hier wurde von bet Gendarmerie ein junger Mann verhaftet, der sich eines sittlichen Vergehens an einem 10 jähr. Mädchen hatte zu schulden kommen lassen. Der Mann stammt aus Schmalkalden, ist Feilenhauer, edoch jetzt Reisender. — Auf der Baustelle beim Schrammenhof wurde dem Bruder deS Bauunter­nehmer Wäsche von herunterrollendem Gebirae die rechte Hand zerquetscht, sodaß diese wahr- cheinlich amputiert werden muß. Außerdem erlitt der Mann noch schwere Verletzungen am Kopf und dem Körper.

* Aus dem Kaliindustrie-Gebiet, 22. Nov. 1911. Der Kaliexport wird im Oktober bei allen konzentrierten Produkten, wie dies auch schon in den meisttn früheren Monaten des laufenden Iah- res der Fall war, schr wesentliche Steige- r u n ge n aufweisen. Die Mehrausfuhr an Chlor- kalium und Kalimagnesia ist im Oktober sogar über die durchschnittliche Mehrausfuhr während der stü- Heren Monate des laufenden Jahres wesentlich hin-

2Iu$ dem Nachbargebiete.

X Gersfeld (Rhön), 22. Nov. 1911. In hiesiger Kreisstadt hat sich ein Agirationskomitee gebildet, da» bemüht ist, ein Amtsgericht hierher zu bekonr- mcn. Da» Komitee hälr den jetzigen Zeitjmntt für besonders geeignet, da 105 Amtsgerichte in Preußen je einen Richter mehr erhalten sollen. In Gers­feld und Umgegend würde man schr erfreut fein, Wenn das Bestreben, endlich ein Amtsgericht zu bo- iomnien, von Erfolg gekrönt wäre. Man will hi«r nicht, daß das Amtsgericht Weyhers eingehen uf* nach hier verlegt werden soll, man ist schon zuft»e- den, wenn eine Abteilung hier errichte! wird. — Gersfeld war nach den ältesten Nachrichte!» schon 1219 ein bedeutender Ott, schon im Jahre 1359 go- statttte Kaiser Karl IV. dem Abt von Fulda, das Dorf Gersfeld in eine Stadt zu verwandeln. Bis zum Jahre 1851 war Gersfeld Sitz eines Patro­nats- (Herrschafts-) Gerichts mit einem Richter und einem Assessor. In jenem Jahre wurden in Bayern diese Herrschaftsgerfthte aufgehoben und an deren Stelle Landgerichte, j^tzt Amtsgerichte, errichtet. Der erste Landrichter in Gersfeld, namens König, und der Patronatsherr Graf Emst von Frohberg-Monb- joie vettmgen sich nicht zusammen. Diese Nnvetträzt- lichkeit hatte im Gefolge, daß die bayerische Regie­rung das Landgericht in Gersfeld dem Landgericht Bischofsheim einverleibte. Da der Weg über das Gebirge nach Bischofsheim, besonders im Winter, zu schwierig war, wurden die Gersfelder dem Land- gerichr Bischofsheim wieder abgenommen und dem Weyhcrser Gericht zugtteilt. Und dabei ist es zum schaden für unser Städtchen bis heute verblieben. Da Weyhers 4—5 Kilometer abseits der Bahnlinie Fulda-Gersfeld liegt, ist die Reise nach dem dottigen Gericht je nach der Witterung und der Terminslage recht unbequem, den heutigen Zeitverhältnissen durch­aus nicht mehr entsprechend. Bei der Vermehrung der Richteustellen in Preußen wäre diesem liebel« stand leicht dadurch abzuhelfen, daß in Gersfeld für feinen aus 10 Gemeinden bestehenden engeren Bezirk ünd den an der Bahn bezw. nahe an der Bahn ge­legenen Otte, wie Altenfeld, Hettenhausen, Schmal­nau, Gichenbach, Dalherda, Thalau, Altenhof, Srdb- berg, Ebersberg usw. eine eigene Amtsgerichtsabtei- rung errichtet wird. Die Reise zu einem Amtsgs- richtstermine wäre bedeutend erleichtett und verbilligt und gar oft könnte biefe oder jene Sache beim Land- ratSamt oder den anderen in Gersfeld vorhandenen Aemttm, wie Obersörsterei, Kreiskassen, SanbeSrew* terei, Katasteramt usw. zugleich mit erledigt werden. Seither blieben wiederholt von Gersfeld aus ange­regte Versuche, das Amtsgericht Weyhers ober auch pur 'eine Abteilung nach Gersfeld zu bekommen, er* folglos. Vielleicht hat diesmal die Regierung ge­legentlich einer Nichterstellenvermehrung mehr Eiiv- fehen, denn es ist schon ein Unikum, daß eine Kreis­stadt mit allen dazu gehörigen Aemtern, mit vielen Geschäften, bedeutendem Fremdenverkehr usw., kein Amtsgericht hat. Die gegenwärtige Einrichtung, aus alter Zeit stammend, ist wohl nicht mehr zeitgemäß. Der Staat sucht doch auch in sonstiger Beziehung der Bevölkerung cntgegenzukommen. So sind in ben festen Jahren die Plätze zur Abhaltung der Konttoll- »ersammlunge» bebeutenb vermehrt worden, um ben Kontrollpflichtigen Zeit und Versäumnisse zu erspa­ren. _ Die Generalmusterung, die früher allein in Gersfeld abgeho.llen wurde, wird jetzt in Gersfeld und Hilders aus gleichen Gründen abgehalten. Wav- um sollte eine Verbilligung durch Wcgegebühr und Zeitersparnis nicht auch durch eine Verbesserung der AintSgerichrsverhältniffe angebracht sein? Die Ver- sä-umnis eines halben, ja oft ganzen Tages bei einer gerichtlichen Vorladung könnte, wenn ein Amtsge­richt in Gersfeld vorhanden wäre, in ben meisten I allen erheblich mrringert und dadurch das Prozeß­verfahren verbilligt werden. Ob wohl die jetzige Beniuhung der Gersfelder mehr Erfolg hat, als die vorhergehenden?

Schweben, 22. Nov. 1911. Man schreibt uns: llnsere Nachbargemeinden sind teils. schon längere Zeit im Besitz einer Wasserleitung, teils sind sie, jetzt wie Rückers, Mittelkalbach, Rom- nrerz, zur Zeit daran, sich die Votteile dieser neu­zeitlichen Einrichtung zu verschaffen. Nur unsere Gemeinde schlägt in dieser Beziehung ein Schnecken­tempo an. Die Mehrzahl der hiesigen Einwohner tft sich schon längst der Vorteile einer Wasserlei-

f Kordial schüttelt et dem Greis die Hand und Zerläßt mit einer tiefen Verbeugung vor Sonja da» jZimmer, um nach einer kurzen, vertraulichen Unter-

iung in gesundheitlicher, wie in wirtschaftlicher Hin- sicht bewußt, jedoch eurige maßgebende Persönlich­keiten sind nicht in gleiche» Matze an der Beschien- nigung der Sache mteteffiert Und doch ist d« Schafsurrg der Wasserleitung hier gar nicht so schwie­rig. Die in Bettacht kommenden Quellen liefern nicht nur reichlich Wasser, sondern sind auch gar nicht wett entfernt (1506 Meter). Bei der letzt- jähriaen Trockenheit und bei der geringen Brun- nerrzM eine» hiesigen OrtSteileS sind viele Ein- wahrer gezwungen, den ganzen Bedarf an Dass« ah£ dem Bache zu btarn. Man denke sich nun einmal den Fall, daß, wie da» schon mchrfach ge­schehen tft, Tierkadaver in daS Wasser geworfen werden, und die Leute benutzen das Wasser dann zum Trinken und Kochen, ober daß das Wasser (tote es voriges Jahr mtt den Quellen der Fliede geschah) mtt Typhus- ober anderen Bazillen ver­seucht sein könnte, dann würde eine ganze Gemeinde unter Krankheit oder gar Epidemie zu leiben ha­ben! Es wäre sehr angebracht, wenn eventuell die maßgebenden Behörden der Angelegenheit einige Förderung angedechen ließen.

△△ Steinbach, 22. Nov. 1911. Hier beabsichtigt man zu den vorhandenen zwei Brücken noch eine dritte über den Bach zu bauen, die den oberen Teil des Dorfes durch die Kreuzgasse mit der Hauptstraße auf kürzerem Wege verbindet. Die diesbezügliche Zeichnung und der Kostenanschlag sind der Behörde zur Genehmigung zugesandt.

vermischtes.

* Der Kölner Krebsforscher Dr. Otto Schmidt hat sich um den Preis von 100 000 Francs beworben, den der Deputierte Mariani in Rom vor einigen Jahren zum Andenken an seinen an Krebs gestorbe­nen Vater gestiftet hat. Der Preis fällt dem Arzte zu, der nachweist, daß er mit seinem Serum fünf Falle von Krebs geheilt hat. Dr. Schmidt stützt sei­nen Anspruch auf vierzig mit seinem Se>- rum geheilte Fälle.

♦ Bon einer Rattenplage ist die englische Sradt Cardiff heimgesucht worden. Millionen dieser Nagetiere haben getoiffe Stadtteile überfallen, fressen in Läden, Bäckereien und Speisekammern der Pttvat- häuser alles leer und sind Tag und Nacht ein Schre­cken der Menschen. Niemand geht mehr zu Bett, ohne die Decke über ben Kopf zu ziehen, denn bie frechen Tiere spazieren ohne Scheu über bie Schla­fenden hinweg. Der Stadttat wirb Mittel zu einem Feldzug gegen die Ratten bewilligen.

* Der liebevolle Gatte. Bet der ersten Auffüh­rung eines Lustspiels sagte eine Frau zu ihrem Manne: „Wenn ich bas Stück noch einmal sehe, so müßte ich mich totlachen.' Der Mann schickte sich an zu gehen. — „Wo willst du hin?' fragte ihn dir Frau. „Die Billette zur nächsten Vorstel­lung bestellen", ertoiberte der Eilige.

— Ein Mißverständnis. „Das Mittel gegen Schlaflosigkeit, welches du mit zuschicktest, hat aber nichts geholfen, obwohl ich zwei Eßlöffel davon ein­genommen habe!" — „Aber Mensch, ich hatte mir doch nur einen Scherz erlaubt; das war ja In­sektenpulver!"

— Unter Frenndinnen. Anna: „Denke Dir nur, mein Mann spricht im Schlaf." — Emma: „Na ja, einmal muß er doch auch zu Worte kommen,"

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