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M 263.

»»immlag (6. November M!

38. Jahrgang.

* fuldatr W Leitung

2. Blatt.

Brat wnb Verlag der Zuldaer Actiendrnckerck in Znlda.

Reklamen- und Anzeigenteil.

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Bis an die Grenze

echte Scotts Emulsion,

die sich seit 35 Jahren bewährt bat.

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so schnell den Weg za mir gefunden

Frieden anzubieten, bin ich gekommen,

dir nidjt bewilligen kann! — Aber

Scotts Lebertran-Emulsion vielfach nachgemacht, um ja den Eindruck des Original- Präparate- zu erwecken. Man hüte sich vor solchen Nach­ahmungen und bestehe darauf, die echte ScottS Emulsion zu erhalten, wenn man sein Geld nutzbringend anwenden will.

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»Dir den Dntd!"

„Den ich

Und als er das Dors im Rücken hatte, siel er in abgekürzten Galopp. Der Weg war ausgefahren von den schwerbeladenen Erntewagen, dex Regen hatte die Erde in dicke Klumpen zusammengeballt, sie flogen aus den Hufen hinter ihm in hohem Bogen durch die Lust. Vor ihm ging die Sonne unter, halb war sie schon hinter mit Kiefern bestandenen Hügelwellen bei Meßdorf verschrvunden. Auf den Feldern buddelten die Leute die letzten Kartoffeln aus.

Er kam an dm Grmzgraben zwischm Radderheide und Orpensdorf.

„Kß, Sötte!"

Aber sie schüttelte den Kopf und wollte nicht springen. Und er mußte zugeben, die Stute hatte recht, sie konnte ausrutsckm und fürchterlich mit ihm hinsegeln.

„Na, denn ausnahmsweise nicht, aber den Knick am Park wirst du Hüpfen, mein braves Tierchen!"

„Lotte" setzte ihren Dickkopf auf, — sie wollte nicht. Immer wieder brach sie vom Hindernis weg.

„Nein, meine Herzallerliebste, das gibt's nicht. Hier fft de: Boden nicht so tief, und über die lum­pige Weißdomhecke von kaum einem Meter zwanzig wirst du hinüberbuschm, dann warjei brühen der Hafer auf dich! Also mach' keine Geschichten Lot- tefen!"

. mehr an dem Drahte, an dem er sich erhängte, durch ' das Fenster herabgelassen toerben. Diese Ansicht fand ' bei den zahlreichen herbeigeströmten Neugierigen vvl- ' lks Verständnis. Trotz der Eiu.vände der Aufge- flärten schickten sich die Leute gerade an, die Weisun-

1 6kN des klugen Bäckers zu befolgen, als zwei Gen- ' dannen erschienen und die Leichenschändung mit Ge­walt verhindertm. Nun entspann sich ein gewaltiges Raufen um die Stücke des Drahtes, an dem sich der Selbstmörder erhängt hatte, da der Besitz des Selbst­mordmittels angeblich dem Besitzer Glück bringe. Triumphierend trug jeder der Anwesenden sein Stück nach Hause. — So geschehen im 20. Jahhundert in unmittelbarer Nähe des größten Weltkurottes.

* Die Terroristen von Anröchte. Nach dem Er­gebnis eitler zweitägigen S<l>wurgerichtsv er Handlung in Paderborn scheinen in den westfälischen Orten Anröchte und Klieve russische Zustände ge­herrscht zu haben. Eine Rotte junger Burschen stellte die öffentliche Ordnung dort vollständig auf den Kopf und trieb ihr Unwesen als Wagelagerer, Räuber und Wilddiebe. Als der Amtmann von Anröchte ener­gisch vorging, fertigten die Uebeltäter aus 25 Pfund schweren eisemen Wagenbüchsen Bomben an und brachten sie vor de» Wohnungen des Amtmanns und Amtssckretärs and der Polizeibeamten zur Explo­sion. Auch an das Kriegerdenkmal in Anröchte wurde eine Bombe gelegt. Durch die Explosion wur­den indessen Personen nicht verletzt. An einer Land­straße wurden 60 Obstüäume gefällt und 3 0 scharfe Schüsse auf die Wohnungen der Beamten abge­geben. Der Amtmann wurde, als er sich eines Abends aus dem Fenster seines Schlafzimmers hinausgebeugt hatte, aus der Dunkelheit mit einem scharfen Schuß empfangen- Endlich gelang es, drei Burschen, die Steinarbeiter Busch, Wicker und Steen auf frischer Tat zu ertappen. Jeder der Angeklagten wurde zu 8 Jahren Zuchthaus verutteilt.

* teuer gebaut. In Graz, der Haupsstadt von Steiermark, hat sich auf dem Bauplatz des Neuen Kramenhauses der L an d e s b o(u d i « ek- t o r von Steiermark Großmann erschossen. Er ivor 64 Jahre alt und leitete feit 10 Jahren den riesigen Bau. Großmann war Gegenstand heftiger Angriffe wegen großer Kostenüberschreitungen. 1902 bereits war eine Untersuchung einzeleitet worden, die ergab, daß der ursprünglich auf nahezu 4% Millionen Mark veranschlagte Bau bereits um 1,700000 Mark überschritten war. In der Folge aber zeigte es sich, daß nicht weniger als 9 350 000 Mark erforderlich fein toerben. Man bringt den Selbstmord mit diesen Neberschreitungen in Zusam­menhang.

■ chenvorstand an die Wiederherstellung herangetreten. 1 Bildhauer Mormann in Wiedenbrück setzt gegenwär- . tig die fehlenden Stücke, Säulen, Türmchen und Or- ■ namente ein. Bald wird Marburg um eine Sehens­würdigkeit reicher sein.

* Kirchhain, IG- Nov. 1911. Die Neuwah- len zur Äadwerordnetenverfammlung finden hier am Montag den 20. November statt. Es scheiden aus in erster Klasse Apotheker Jung, in zweiter Klaffe R. Römer und K. Naß und in dritter Klaffe H. Grün, welcher ingwischen zum Bürgermeister ge­wählt wurde. — Die Generalversammlung der Ortskrankenkasse für den Kreis Kirch­hain wählte am Sonntag u. a. die ausscheidenden Borstandsmitglieder Schmiedemeister Lauer-Kirch- hain und Trier-Niederwald wieder und für Fr. Rö­mer H. Grähling neu. In der Zusammensetzung der Generalversammlung soll Vorläufig nichts ge­ändert werden, bis durch Jnkrasttreten der Reichs­versicherungsordnung eine Aenderung ohnehin not­wendig wird. Die Wahl der Generalversamm- lungsmitglieder findet am 26. b- M. statt.

I * Ziegenhain, 14. Roo. 1911. Aus oehörvliche Anordnung findet gegenwärtig in den Klassen der

I Stadlschule durch Zahntechniker MühlhauS dahier I eine Untersuchung der Zähne der Kinder statt. I — Der Slraßenmeisier (Siebe in Oberaula ist wider- I ruslrch zum Versicherungsschätzer der hessischen I Lrandver sichcrungsanstalt für den dritten Bezirk I tcs Strebes Ziegenbain bestellt trortren.

I „/" Emsdorf (Kr. Kirchhabn), 15. Nov. 1911. Auf dem gestern in Kirchhain abgehaltenen Schweine-

I markt ging das Gerede um, in Emsdorf wäre die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Das ist jedoch keineswegs der Fall. In Emsdorf ist, was im Interesse der Einwohner hier festgestellr sei, die Seuche nicht ausgebrochen. Allerdings hat dir Seuche in diesen Tagen ihren Einzug in den Kreis Kirchhain gehalten. In dem von Emsdorf 2ZH I Wegsstunden entfernte Halsdorf ist unter dem Rlindvtehbestande ; einiger Gehöfte die Maul- und Klauenseuche konstatiert worden.

* Fritzlar, >5. Roo. 1911. Die Beteiligung an s-r gestern vorgenommenen Stadtverordneten- Wahl war sehr rege, namentlich in der 9. Klass'. Hier Halle man Gegenkandidaten ausgestellt, die indessen unterlagen, obschon sie ziemlich viele Stimmen anl sich vereiniglen. Im übrigen verlies alles nach Erwarten, die ausgeschicdenen Herren wurden sämtlich wiedergewählt, nämlich: Oelonom Anton Seibel, Rechtsanwalt Lietzmann, Oekonom ' Schlitt, P wscher Ille, Weißbindrr'Aeister Joseph , Steffel und Oekonom Konrad Scibrl. — Dre Ge- ' fahr der Ausbreitung der Maul - und Klauen­seuche au; unfern Kreis, der sich tisher rein ge­halten hat, ist in unmiltelbmeRähe gerückt, da die Seuche in Niedermöllrich, dem nächsten Grenz­orte, au-gebrochen ist. Das deshalb eingerichtete Beobachtungs-Gebiet umfaßt die Gemeinden Cappel \ und Wabern und den Forstgnts-Bezirk Fritzlar. Der Hausierhandel ist für alle Orte, mit Ausnahme der im Amtsgerichts-Bezirk Jesberg gelegenen, verboten. 1

Handel und Industrie.

* Berlin, 15. Nov. 1911. Die Börse trug heute ein indiffereutes Aussehen. Bankaktien still bei be­haupteten Preisen. Monianpapiere meist höher. Ächiffahrtsaktien und ElektrizitätSwerte ebenfalls günstig.

Aus dem Nachbargebieie.

* Hünfeld, 15- Nov. 1911. Die für Sonntag den 19. November hier angesetzte Versammlung des Volksvereins findet nicht um 5% Uhr, fon- bern um 4y» Uhr nachmittags statt.

* Aus Franken, 15. Nov. 1911. Der Prinzregent oon Bayern wird bei seinem, bereits gemeldeten, 8- tägigen Aufenthalt in Aschaffenburg auch von feinen Söhnen, den Prinzen Ludwig und Leopold, begleitet sein. Der greife Fürst" gedenkt im Auto­mobil Jagdausflüge in den Spessart zu unternehmen — Bei dem Gastwirt und Postagenten Jakob Schnei­der in Platz wurde eingebrochen und in einem Pult ausbettxchrtes Bargeld gestohlen. — In den Ge­meinbewaldungen von Burgsinn totrben bis jetzt jirfr. 800 Zentner Eicheln gesammelt; der Erlös da­für beträgt etwa 30000 Mark.

Aus Odecheffen u den heft. Aemiern.

* Marburg, 16. Nov. 1911. Die Wiederher- t e l l ung des Sakramentshauses in der kathol. Kugelkirche geht jetzt ihrer Vollen­dung entgegen. In Hessen und Waldeck sind drei Sakramentshäuser von besonders künstlerischem Werte: das in Corbach, in Fritzlar und das in Letzteres drohte zusammenzustürzrn, so chadhaft war es geworden. Gestützt auf die virl- jabrige Sammlung in der Gemeinde, mit Hilfe der Regierung und des Kommunalverbandes ist der Kir-

„Seien Sie vorsichtig, Trütow, daß Sie nicht mit Ihrer Lotte auf die Nase fallen!"

Er schwang sich in den Sattel und lachte.

„Mein Gott, da zieh ich eben den Kopp ein — und gute Ware hält sich."

„Lotte" mußte ein wenig auf den Hinterbeinen tanzen, bann reichte er Sosquens die Hand.

„Allerschönsten Dank, und morgen früh sehen wir uns wohl in Radderheide drüben, Jochem?"

„Ganz bestimmt! Aber Sie brauchen es dem In­spektor nicht auf die Nase zu binden!"

„Wo werd' ich! Addis, alle miteinander!"

Die Hufe klapperten auf dem Hofpflaster, noch iHflT *** HtW hzrrrw awtfA' /

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Ls ist die

* Limburg, 15. Okt. 1911. Vor dem hiesigen Schwurgericht hatte sich der Erdarbeiter Rufferk wegen Brandstiftung zu verantworten. Der Angeklagte war bereits acht Mal im Zuchthaufe und wurde bei seiner letzten Verutteilung unter Polizei­aufsicht gestellt. An zwei Orten wurde ihm der Auf­enthalt von der Polizei unmöglich gemacht. Er zog umher und kam am 30. Juni nach Oberwever bei Limburg. Als er hier Quartier suchte, wurde ihm angebeutet, daß in der Nähe ber Ortschaft ein Siroh- baujen liege, der zum Nachtlager geeignet sei- Bei ber herrschenden Dunkelheit fand er jedoch den Stroh - Hausen nicht und kampierte auf freiem Felde. Am «rühm Morgen ermarfjte er und steckte nun, einesteils wie er erklärte, um sich zu wärmen, andernteils, um wieder -ns Zuchthaus zu fommesi, einen in ber Nähe liegenden Strohhaufen in Brand. Am nächsten Mor­gen stellte er sich in Limburg der Polizei. Die Ge­schworenen billigten dem Angeklagten milderude Uhl stände zu und der Gerichtshof setzte 1 Jahr Gefängnis als Strafe fest.

Arwed Hakburg erhob sich aus seinem Stuhl, er war in ber letzten Zeit sehr gealtert.

„Ich muß mich ja wohl bedanken, Hans Hein­rich daß du so schnell den Weg zu mir gefunden

vermischtes

| * Beim Einkcllern von. Wein stürzte in Kob­

lenz ein Mann 12 Meter tief hinab. Er schlug mit dem Kopfe auf einen Flaschenkopf auf. Der I Tod trat sofort ein.

* Rach 3lwöchiger Dauer ist jetzt der Streik auf der Eisenhütte Schloß Holte bei Bielefeld beigelegt worden. Die Arbeiter forderten nicht so sehr höhere Lohne als vielmehr die Anerkennung ihrer Organisationen.

* Eine Schlacht um Tripolis — in Böhmen. In Bruch im nordböhmischen Kohlengebiet kam es zwi- ! sthen italienischen und tschechischen Bergarbeitern an­läßlich einer Debatte über den italienisch-türkischen Krieg zu einer förmlichen Schlacht. Ein Italie­ner wurde durch einen Messerstich ins Herz g e t ö- t e t, ein anderer tödlich, vier weitere Bergarbeiter schwer verletzt.

* Ein krasser Fall von Aberglaube. In einem Otte nächst Karlsbad erhängte sich ein Arbeiter an einem Drahte. Als man die Leiche fortschaffen -rollte, protestierte ein im Hause wohnender Bäcker dagegen, daß sie durch die Türe getragen werde, weil dies dem Hause Unglück bringe. Der Tote solle viel-

den sollten, die sich nicht recht zum Rennbetrieb eig­nen, ihrer Mucken wegen! — War 'ne Keine, brand- sarbene Katze darunter, keiner wollte sie haben, ganze sunshundertzkvanzig Mark hat sie gekostet, tanzt gern auf jtoci Seinen, für den Rennsport völlig unbramh- bar. Heißt „Spreewälderin"? Habe sie „Lotte" getauft! Ich muß was Wildes zwischen den Beinen n paar stunden den Tag über haben, hat mir fürch­terlich gefehlt, denn der alte Jnspektorgaul drüben genügt, meinen Ansprüchen auf die Dauer nicht!

wird der Grundstock zu meinem Gestüt!"

Da lachten die Sosquens hell auf.

„Trütow, Trütow, sticht Sie der Hafer!"

„Ein toenig, lieber Jochem! Aber im Ernst! wenn man den halben Tag am Schreibtisch gesessen hat, muß man das Blut wieder ordentlich durcheinan­der jagen, sonst trocknet man ein wie ein großes Tintenfaß! — In Karlshorft traf ich auch em paar Bekannte aus der Zeit, als ich noch den hellblauen Dragonerrock mit dem gelben Kragen trug. Das Asyl für Obdachlose hatte mir fast jeder, das Roman- schreiben keiner zugettaut, einer wollte mich auf meine glanzenden Leistungen hin sogar anpumpen, aber ich habe auf die Ehre großmüttg verzichtet!"

In der Nacht hatte es geregnet, die schlechten Verbindungswege in der Altmark waren schlüpfrig getoorben.

Unbeirrt fuhr Arweg Hakburg fort: „Jedes Jahr ttnrft du Wohl zur Erholung nach Nadderheide kom­men, ich gönn' sie dir. Und wenn du einmal im >iahre nach deinem alten Onkel siehst, wird er dir die Hand drücken und dich nicht von der Schnelle wei­sen!"

„Nur einmal?"

. ",pa' vorläufig! — Also, lebe wohl, Hans Hein­rich!"

XXXI.

„Sie alter Ausreißer, was haben Sie eigeittlich so lange in Berlin gemacht?"

Trütow schlug mit dem Reitstock an feine hohen, hellbraunen Reitstiefel und schmunzelte.

„Erstens, Ucher Sosqurn, hab' ich dm äußerm Menschen mm definitiv in eine leidliche Kondition gebracht!"

Ada schob ihm einen Stuhl hin.

„Jochem, er lmrd ett-l wie ein Backfisch!"

„Ist ba8 ein Fehler, gnädige Frau?"

„Gott bewahre. Sie könnm es sich ja leisten!"

„Noch Old mehr sogar, — also Schlachtbericht! — Hans Heinrichs woU und munter, Radderheide ist ihnen famos bekommen, und Rost ist der großar­tigste Geschäftsmann, ber mir je über den Weg gelau­fen ist, ich bin nämlich um ein paar Tausender reicher nach Hause — geritten?"

„Geritten?"

»Ja, mein lieber Jochem, denken Sie mal an? Aber eines hübsch nach dem anderen? — Also der Name Trütow ist momentan auf dem Büchermarkt ein beliebter Artikel — immer noch? — Mein neuer »toman gefiel Lektor und Verlegern, und da haben die ihn einer groß« Zettschrist zum Erstabdruck angebo-

— dkost's Veranlassung? Fünfzehntausmd Mark wurdm geboten, wir nahmen an, Ovölf steckte ick) «iS Herr Papa diese, Kindes kn meine Tasche, den Rest der Verlag. Die Braunen Scheinchen hatten den Weg recht imerroartet zu mir gefunden, und da wSte ich mir: einmal kannst du wohl über die Stränge .chlagm! Ich hatte nämlich gerade vorher gelefen daß in Karlshorst ein paar Gäule versteigert teer'

über die sozialdemokratische Agitation auf dem Lan­de und über unsere Gegmarbett im Volksverein, be­sonders durch Versammlungm und Schriftenvertrieb. Herr ©tfretät Frank-Fulda sprach über die über­aus ersprießliche Tätigkeit des Vollsvereinssekreta- riatz inl Fulda. Daran schloß sich eine rege Dis­kussion, In der über die Arbeit in dm einzelnen Ver­einen beraten, und eine Rednerliste ausgestellt wurde, die dem chronischen Mangel an geeigneten Rednern für Versammlungm abhelfen soll. — Abmds 8 Uhr fand dann eine gut besuchte, öffentliche Volks- vereinsverfammlung statt, in der allerdings bie Geisaer Männer hätten besser Vertreten fein kön­nen. Herr Prälat Hagemann eröffnete bie Ver­sammlung unb verbreitete sich über bie Auflösung bes bayerischen Lanbiages. Herr Dr. Zitzm rebeie bann in bekannter Grünblichkeit über bie Wirtschasts- unb Handelspolitik bes deutschen Reiches. Dm zweiten Teil feiner glänzenden Rede bildete eine be­geisternde Apologie des Volksvereins, die in einen packenden Aufruf zur Mitarbeit Aller ausflang. Die j Rede rief stürmische Begeisterung hervor. Daraus sprach Herr Frank über die Agitationsarbeit der So- zialdemokratm und unsere Gegenarbeit. Herr Kap­lan Sehn zog einige praktische Folgerungen, em­pfahl besonders die Presse, kündigte für dm 3- De­zember eine neue Versammlung an und schloß mit einem Hoch auf Papst, Kaiser und Großherzog. — Leider ließ der Erfolg dieser Veranstalttmgm sehr zu wünschm übrig. Auch nicht ein neues Mitglied I wurde gewonnen, obwohl noch viele dem Volksver­eine fernstehm; dn Zeichen dafür, wie hier die Ver hältniffc bedauerlich schwierig sind, und intensivste Arbeit notwendig ist.

* Vacha, 15. Nov. 1911. Gestern nachmittag! erlitt der Arbeiter Karl Güth, welcher mit Bagger-1 arbeiten beschäftigt war, einen schweren Un -! glücksfatl. Der Bedauernswerte zog sich xweiI Schädelbrüche und noch andere Verletzungen zu. I

* Schleid, 13 Nov. 1911. Heute ivurce hier I unser neues Schulhau s durch das Großherzogi. Schulamt in Dermbach abgenommen. Der Ab-! nähme wohnten auch die Mitglieder des Schulvor- tandes und des Gememderats bei. Für unser- Gemeinde war der Neubau eines Schnlhauses ein I dringendes Bedürfnis, da die alte Schule mit vielen I Mängeln behaftet war unb daher den neueren An­forderungen nicht mchr entsprach. Jetzt freut fick ein jeter über das neue stattliche Gebäude, welches I abi eine Zierde unseres Ortes anzusehen ist und tu einem Baustile bet neuen Kirche angcp.rßt ist.

* Tiefenort, 14. Rov. 1911. Gestern abend wurde ein kroatischer Arbeiter von einem I Kollegen, ber von ihm, nachdem cr seine Kasse vcr- pielt hatte. Gelb verlangte, aber keines erhielt, im I Bette liegend durch Messerstiche schwer verletzt I Der Täter wurde sofort flüchttg.

* Aus Thüringen, 16. Nov. 1911. Bei ber Ge­meinderatswahl in Jena wurdm 8 sozialdemokra- ttsche und 7 bürgerliche Kandidaten gewählt. Dem Gemeinderat gehören demnach vom 1. Januar 1912 a6 14 sozialdemokratische und 15 bürgerliche Mit­glieder an. — Der 14. November 1911 hat nun süd­lich eine direkte Eisenbahnverbindung zwischen Suhl, der größtm Stadt im Kreis Schleusingen, und _ber Kreisstadt gebracht. Ein Sonderzug fuhr bis «chlcustngen, Ivo man frühstückte, und dann ging e§ nach Suhl zurück, um das eigentliche Festessen steigen zu lassm. Die 16 Kilometer lange Strecke hat 2 730 000 Mark gekostet. — Infolge Beeinslul- wng bes Silberkurses durch den itakimisch türkischen Krieg unb bie chinesischen Unruhen haben bie ver­ewigten Silberhammenverke in Schwabach dm Preis für Hammersllber wesentlich erhöht.

Amt Geisa und Umgebung.

if Geisa, 16. Nov. 1911. Am Dienstag dm 14.

l- fand hier im „Stern" eine Bezirkskonferenz der Vertrauensmänner des Volksvereins im Geisaer Bezirk statt, die gut besucht war. Herr Dr. Z i tz e n iwn ber Zentrale in München Glabbach referierte

Ausland.

** Dem Kabinett Caillaux hat das französisch Parlament am Dienstag bet der Debatte über bi vielnmstrittene Pulverfrage mit überwältigender Mehrheit fein Vertrauen ausgesprochen. Das Ministerium hat diefln über Erwarten groß n Sieg in erster Lini-'dem Marineminifter Delca se zu danken, der in feiner Verteidigungsrede wieder einmal bie stärksten nationa en Akzente anschlug und dafür den stürmischen Bestall bes Hauses fand

** Ei» wahres Schreckensregiment führm die Car- öonarios, wie die Reuter sche Korrespondenz meldest in Lissabon und Opor to aus. Im Auftrage der portugiesischen Negierung werfen sie jeden, der im Verdacht steht, Royalist zu sein, ins Gefängnis. Kein Mmsch ist vor diesen bewaffneten Banden sicher, die des Nachts in Häuser eindringen, alle Möbel durch­suchen unter dem Vorwand, nach versteckten belasten- dm Dokumenten zu fahnden, die Bewohner gefangen fortführen unb manche Wochen- und monatelang im Gefängnis festhaltm. In den Gesängnlffm selbst v e r- sch winden zahlreiche Eingekerkerte au geheimnisvolle Weise, und dunkle Gerüchte über Maffenvergistungen machm die Runde. So z. B. besagen Informationen aus privaten Quellen, daß be­reits mehr als 300 Personen, die ohne jeden Grund verhaftet worden waren, auf diese Weise ihren Tod Cidm haben sollm. —In die spani sche Ort-

Bouses fielen zahlreiche portugiesische Carbona- rios unter Führung eines portugiesischen Deputierten Aranjo ein und forderten die portugiesischen Einge- -wanderten auf, nach Portugal zurückzukehrm. Diese iveigcrtm sich. Die Carbonarios zogen dann vor das Haus be3 Geistlichen bet Gemeinbe unb stießen Schmährufe und Drohungm aus, daß auch in Spa­nien bald die „Befreiung" komme. Die Gendarmerie griff ein und trieb die Carbonarios auf portugirstsches Gebiet zurück.

»imm Platz! — Ich freut mich deiner Erfolge, auch der deines Weibes, sie hat ja foebm ihre silberne Medaille Bdommen für ihr Bild. Du hast Glück gchabt, — bis heute!"

kebenswen-e.

88] Roman von Horst B ödem er.

„Rein, Herr v. Trütow, es schläft nur," sagte Ada

„Möglich! Aber ich ftage Sie. gnädige Frau: Setzt nicht ein jeder Mensch freudig sein Lcbm ein, wenn irgenb ein Stockstember ins Waffer fällt unb am Ertrinken ist? Fragt er barnach, ob ber Ertrinkende ein Lump ist oder nicht? — Rein, geben Sie mir feine Antwort! Was Ihr Herz zu erwidem hat, weiß ich ganz allein!"

Zwei Frauen und .zwei Männer dachten an ihre Kinder unb schwiegen.

„Und ich habe gearbeitet!"

„Gewiß, das ist selbstverständlich, darüber gibt's kein Wott zu verlieren! — Mit Glück und ein wenig ßkrbeit tilgt man nicht böse Jahre!"

„Leichsslnnige, willst du sagen!"

„Meinetwegm, nenne sie, wie du willst! Immer grd euch das Glück nicht so bei der Hand halten, enn erst die Tage kommen, die dir nicht gefallen, bann wollen wir sehen, wie du dich gewährst!"

„Wünschet du sie mir?"

»Ja, — zu deinem Besten, Hans HAnrich, — Wett du noch so jung bist!"

Da wurde ihm die Antwort schwer.

de» Ei'-'nbten wild die Packung von

Mes Zureden in Güte wollte nicht verfangen, da .. griff der leichtsinnige, eigenwillige Trütow zur Peilgnbe- sche, gab der Stute den Sporen und ritt gegebne Halde Hindernis an, als hinge seine Seligkeit .hetzten Termin Klatsch fiel der breite Lederriemen mi^g'efpent werden, tief drang das Eisen dem Pferde ivug notwendig wurde, setzte zum Sprunge mi TrütMg, in ber Herr Ober- e§ bie H«ke- landete rutM Redner austrat, fand unter J^e^em Andrang im Paulanerkeller [r Ln lben Versammlungen waren die bis-

^geordneten sehr zahlreich erschienen. Die dei- in den Versammlungen war vorzüglich.

, r Herr Dr. Pichler verbreitete sich in gut zwei- aht stündiger Rede über die Entwicklung der Ereignisse dmttal winkte er mtt der Hand, dann ents» dttletzten Zeit und die letzte Situation. DieR.de er den Wickm ber Beiden. - Der llbe= war von auserlesener Klarheit und reich an wuchtigem