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Montag 15. Novemdtr 19(1

58. Jahrgang.

Leitung

* Tuldaer •

in Zulda.

2. Blatt

vruck mtb Verlag der Mdaer Actiendruckerel

35]

stattet!

den sich

nen Scheffeftfchen Refrain fingen: „Ha. Hamm, Hammer dich emol. An beim verrissene Lederkamisol, Du schlechter Kerl, du schlechter Kerl.

In der Rächt auf Freitag hat man nämlich Wilderer und Einbrecher Klo Hb ach, um den

Insel, ein eigenartiges Naturwunder, das den Hautsee weltbekannt machte, scheint ihrer rätselhaften Poesie entkleidet zu sein; denn der geringe Wasser­stand macht das Schwimmen der Insel unmöglich.

♦ Aus Thüringen, 12. Nov. 1911. In Erfurt wurde ein Gustav Adolf-Denkmal feierlich enthüllt. Dabei wurde der Schwedenkönig, der bekanntlich unter dem Vorwand dm evangelischen Glauben zu schützen in Deutschland eine zielbewußte Eroberungs- polttik betrieb, von dem Generalsupermtendent der Provinz Sachsen als religiöser Märtyrer gefeiert. — Durch die Betriebseröffnung der Bahnlinie Suhl- Schleufingm verliert die Stadt Suhl ihre letzte Per- sonenpost. — Zwischm der Regiemng in Goth a und der Berliner Allgemeinen Elektrizitäts-Gesell­schaft ist ein Vertrag abgeschlossen worden; u- a. wird auch eine Bahn von Gotha nach Friedrich­roda erbaut.

Lebenswende.

Roman von Horst Bademer.

Ada hielt ihre Hönde krampfhaft über den Katalog gefaltet.

Der Sekt perlte in den Gläsern. Jochem schob dem Schwager einen Kelch hm. ,$rinf mal, Junge, und beruhige dich!"

Dabei wußte er selbst nicht, was er von den Dinge» denken sollte. —

Hans Heinrich sprang auf und stürzte zur Tür hinaus. Erika kam, — schwer war ihr Gang, — langsam, mit gesenktem Kopfe.

„Liebling!" Mit ein paar großen Sätzen war er an ihrer Seite und nahm sie bei der Hand. Sie konnte nichts sagen, nut schluchzen ohne Unterlaß. Und er fragte nicht.

Ein Lächeln um die Lippen, ließ sie sich neben Ada auf einen Stuhl fallen-

„Ra, denn Prost, Schwägerin", murmelte sie Sos- quen auf. „Trink 'einen ordentlichen Schluck?"

Erika stützte aber nur den Kopf in beide Hände und starrte vor sich hin, die onbem schwiegen, und endlich löste sich bei ihr die Spannung.

„Der Kaiser hat mein Bild anoekauftl"

„Wahrhaftig?"

„Er hat es mir selbst gesagt."

Die drei sahen sich verwundert au.

Konnte das wahr sein? Aber dann erzählte sie stockend, was sie in der letzten Mertelstunde erlebt. Da trank Hans Heinrich mit einem Zuge sein großes Kelchglas aus.

„Für wieviel hast du denn das Bild verkauft?"

„Rach allen Abzügen werden wohl viertausend Mark übrig bleiben!"

„Viertausend?"

„Jak — Professor Meyer meinte, ich sollte mehr fordern, aber ich war doch noch unbefannt, froh, daß die Jury mein Bild angenommen>"

„Aber das sst ja ein Heidengeld!"

„Es werden noch gmrz andere Preise gezahlt, Hans Heinrich, — und — nimm mir's nicht Übel, — die Hälfte möchte ich den Eltern schicken, — es ist ihnen so schwer gefallen, mich ausbilden zu lassen!" (Fortsetzung folgt.)

„Sie haben die „Gerechtigkeit" gemalt — ganz allein?"

„Zu Befehl, Majestät!"

Die Kaiserin ist schnell herangetreten und hat Erika die Hand gereicht.

Lächelnd wendet sich der Kaiser an Professor Kampf.

„Ich befehle den Ankauf der „Gerechttgkeit" aus meiner Privatschatullek"

Die Worte schlagen an Erikas Ohr, ganz erstaunt sieht fie den hohen Herrn an. Der lächelt.

„Ich weiß einen guten Platz für diese hervor- ragende Leistung, und ich werde Sie im Auge be­halten, Frau v. Hakburgk"

Der Kaiser legt die Hand an den Helm, freund­lich nickt ihr die Kaiserin zu. Sie war entlassen, der Rundgang wurde fortgesetzt.

Und als fie immer noch ganz benommen durch die Menschenmenge dem Ausgange zuschrettet, wird ihr respektvoll Platz gemacht.

XXIX.

Breitbeinig stand der langt Hans Heinrich da und sah Erika und dem „lieben Vetter" nach. Dann nahm er den Hut ab und schüttelte den Kopf.

„Ja, Ada, — Jochem; begreift ihr das?"

Nein, sie begriffen es nicht. — Sosquen wollte feiner Frau den Katalog wegnehmen; da erwachte fie aus ihrer Erstaruung- „Verderbt Erika die Freude nicht!"

Und dann setzten sie sich in die Restauration an ein Fenster, von welchem aus fie sehen konnte», wenn Erika zurückkam.

Während Sosquen dem Kellner Aufträge gab, rieb sich Hans Heinrich immer wieder die Stirn und

Ami Geisa und Umgebung.

*♦ Dermbach, 12. Nov. 1911. Im Eismacher Oberland kann man jetzt mit Begeisterung den schö-

Haudel und Industrie.

* Berlin, 11. Nov. 1911. An der heutigen Börse kam eine zuversichtliche Stimmung zur Geltung. Bankaktien profitierten l°/<-, Montanwerte bis 2W0. Die Umsätze der Schiffahrtsaktien erreichten be­deutenden Umfang. Elektrizitätswerte still.

allmählich ein Sagenkranz zu spinnen begann, fest­nehmen tonnen. In der elektrischen Zentrale zu Weilar ist der Fang gelungen. Dort wollte Klohbäch bei einem Bckarmteu Schnaps in Empfang nehmen, die Gendarmerie war jedoch benachrichtigt worden und nahm Klotzbach in Empfang. Als man den Wilderer, der feit Jahresfrist die Gegend beun- ruhigf, abtransportterte, stürzte der Gendarm Peter bei der herrschenden Dunkelheit in einen 2 Meter tiefen Wassergraben und konnte nur mtt schwerer Mühe aus Lebensgefahr gerettet werden. K. wurde nach Lengsseld geführt, um mit dem Zuge nach Eise­nach ins Gefängnis gebracht zu toerben. Wie ein Lauffeuer hatte sich die Kunde von der Verhaftung K.'s verbreitet und eine ungeheure Menschenmenge belagerte den Bahnhof in Lengsfeld. Hurrahrufe er­schallten- Klohbäch sah recht heruntergekommen aus — der echte Typus eines Räubers! Die vom Be- zttAausschuß mif die Ergreifung Klotzbachs ausge­setzte Belohnung erhalten Ober-oacktmenter Mu- der-Dermbach und Gendarm Hillmamt-Gerstungen.

* Studüengsfeld, 10. Now 1911. Die Fahr­post Stadtlengsfeld-Gehaus mit Hohen- Ivart-Oechsen wird am 30. November zum letzten Male ihre Fahrt antreten. An ihrer Stelle ver­kett eine Post ohne Paffagierbeförderung. Ur­sprünglich waren die Orte durch die Poststraße Stadt- lengsfeld-Geisa-Himfeld dem Verkchr angeschloffen. Seit Eröffnung der Bahnstrecke Geisa-Wenigentaft- Hünfeld hat jedoch die Perfonenbeförderung ins Ul- stertal und mm ins Feldatal aufgehört. Die Bahn- lime Oechsen-Wemzentaft wird ja in nicht zu langer Zett nach der einen ©eite Anschluß an den Verkehr bringen. Hoffentlich wirb die Linie bald ins Felda­tal weitergeführt-

* Dönges, 10. Nov. 1911. Die diesjährige große Trockenheit macht sich auch bei bem in unsrer Flur gelegenen Harris ee auffallend bemerkbar. Er ist dieses Jahr wohl auf bas Minimum seines Was- serstandes fett Menfchengrdenken reduziert, und in nicht zu ferner Zett dürfte das auf seinem tiefunter- stcn Grunde prangende „Schloß der drei Nixen" an der Oberftäche erscheinen. Auch die schwimmende

„Allerschönsten Glückwunsch, ist das mal eine reine Freude l"

Ada hatte ihre Schwägerin untergesaßt. Hier konnte man hn FrüWngssonnenscheine herzlich la­chen, sich ruhig aussprechen, die wenigen Menschen, die ihre^ Pfade kreuzten, störten kaum, es war erst halb zwölf Uhr. Vor einer Stunde begann der An­drang nicht.

Da blieb Hans Heinrich mit einem Male stehen. „Herrschaften, dort kmnmt Mcmfted im Laufschritt an, mit rotem Kopfe, was mag denn dem in die Krone gefahren fein?'

Ada wurde verlegen. Sosquen pfiff leise vor sich hin. Und da war er auch schon da, salutierte zeremoniell und wandte sich sehr förmlich an Erika.

„Gnädige Frau, auf allerhöchsten Befehl soll ich Sie zu Seiner Majestät führen!"

Da aber reckt sich der lange Hans Heinrich auf, während die andern sprachlos such.

„Vor allem wirst du nicht vergessen, dich meiner Frau vorzustellen, Manfredl" j

„VerzeihuW! — Natürlichk — Run, Sie wissen ja jetzt, daß ich Manfred Hakburg bi»! — Ich bitte, sich zu beeilen, denn ich suche schon mindestens zwan­zig Minuten I — Tag, Ada! — Tag, Herr v. Sos- quenk"

HanS Heinrich macht er eine kurze Verbeugung, nachdem er dm beiben onbem flüchtig die Hand ge­schüttelt, und Erika stcht da, die Hand auf das klop­fende Herz gdtrüdtt.

Hans Heinrich legt den Arm auf ihre Schulter. „Nur Ruhe, Liebling, der Kaiser beißt nicht! ®u rnachst also deinen schönen Knicks, wenn dich unser lieber Vetter dm Allerhöchste» Herrschaften vorstellt, und wir Mw arten Dich hier hn Restaurant!"

Sie nickt und griff wie im Traume neben dem schweigmdm Manfred her.

Das Gefolge reckt die Hülse.

Aus Gberhefien u. den hesi. Remtern-

* Marburg, 12. Nov. 1911. Beim Kurhessischen Jäger-Bataillon Nr. 11 in Marburg werden zum Herbst 1912 noch Zweijährig-Freiwil­lige angenommen. Junge Leute, welche hn Be­sitze eines giftigen Meldescheines zum freiwilligen Eintritt, könnm sich an einem Mittwoch oder Sams­tag um 10 Uhr vormittags auf dem Geschäftszimmer des Bataillons, Frankfurterstraße 8, zur ärzttichm Untersuchung meldm. Handwerker werden bevor­zugt.

* Kirchhai», 11. Nov. 1911. Am Freitag, den 24. November d. I., vormittags 11V« Uhr, findet im Sitzungssaal« des Kreishauses Hierselbst eine Kreistagssitzuug statt mit folgender Tages­ordnung :

Wahl eines Schiedsmannes und eines Stellver­treters für dm Schiedsmannsbeztrk Gemeinde- und Gutsbezirk Holzhausen. — Neuwahl der Körkommisfion für die Jahre 1912 bis 1914. — Begutachtung des Antrages der Königlichen Regierung, Abteilung für direve Steuern, Domänen und Forsten zu Kassel, auf Ausscheidung einiger Grundstücke aus dem Gemeinds- bezirk der Stadt Neustadt und Einverleibung der­selben in den Gutsbezirk Obersörsterei Neustadt. — Begutachtung des Projektes über Verlegung des Land­weges Neustadt» Arnshain und 'Beschlußfassung über die beim Bezirksverbande zu beantragende Unter­stützung. — Besprechung über den Antrag der Stadt Neustadt wegen des Ausbaues des Landweges Neu­stadt-Wasenberg und seiner Einreihung in die Klafsifi- lation der zu bauenben Landwege. — Vorlage der Kostenanschläge über Unterhaltung der L mdwege pro 1912. — Beschlußfassung übet Abänderung des § 27 des Belriebsvertrages der Ohmtalbahn vom April 1905. — Beschlußfassung über Bereitstellung eines Be­trages zur Errichtung einer Wanderhaushaltungs­schule. — Prüfung und Feststellung der Kreiskom- munalkaffen-Rechnung vom Jahre 1910.

* Biennünde», Kr. Frankenberg, 11. Nov. 1911. Der kgk. Hegemeister Dreuficke im Forsthaus Louisenborf feierte am 6. b. M. sein üvjähriges Dienstjubiläum. Bei biefec Gelegenheit würbe ber Kgl. Kronenorden 4. Klaffe mit der Zahl 50 ver­liehen.

* Schwarzenborn, 11- Nov. 1911. Die vor einiger Zeit beschlossene Eingabe an den Eisenbahnminister in Sachen der Eisenbahn von Wabern über Homberg nach Hersfeld ist von dem gewähl- tm Komitee in alle interessierten Gemeinden zur Unterschrift gesandt worden. Sie ist schon zahlreich unterzeichnet worden, so daß fie hoffentlich von Er­folg sein totrii.

♦ Schweinsberg, 11. Rov. 1911. Die neue Rn- triebseinrichtung in der hiesigen Talmühle, eine Turbinemmlage neuesten Musters, die vor etwas mchr als Jahresfrist hergerichtet wurde, hat sich bei dem anhaltenden und selten knappen Wafferstand des letzten Sommers ganz vorzüglich bewährt. Mtt dem denkbar geringsten Wasserstand des Sommers 1911, bei dem mit anderen Antriebseinrichtungen an ein Arbeiten fast nicht mehr zu denken gewesen wäre, vermochte die Turbine der Talmühle volle Kraft ous- zuüben.

* Mendorf (Kr. Kirchhain), 12. Nov. 1911. Am Samstag geriet der Arbeiter A. Weitzel aus Allen- doff beim Bau der Bahnunterführung bei Langen­stein unter einen umstürzenden Kipp­wagen und erlitt einen Beckenbruch. Zwei wei­tere Arbeiter sind ebenfalls erheblich verletzt.

] [ Riederklein, 11. Nov. 1911. Der hier gebür­tige Bahnmeister Joh. Brand, ein allgemein ge­achteter und beliebter Beamter, wurde in Pegau bei Leipzig in Ausübung seines Dienstes, als er einem Schnellzug ausweichen wollte, von einer aus ent- gegmgesetzter Richtung kommenden Rangiermaschine überfahren und getötet.

4 Fritzlar, 12. Nov. 1911. In Sachen der Wiederherstellung des hiesigen Domes fand am vorigen Samstag dahier auf Verjsigimg deS Herrn Kaitusministers eine Verhandlung statt, an ber die Vertreter des Königl. Ministeriums und der König!. Regierung, sowie der Bischöflichen Behörde und der katholischen Gemeinde teilnahmen. Wie verlautet, wurde sowohl in baulicher wir auch in finanzieller Hinsicht eine höchst erfreuliche Einigung erziett, so daß im kommenden Früh­jahr der Fiskus mit der Wiederherstellung des alt­ehrwürdigen Baudenkmals beginnen wird.

* Fritzlar, 12. Nov. 1911. In der letzten Stadt- verordnetenversammlnng wurde u. a. be­schlossen, die Regierung zu ersuchen, einen Zuschuß von 6000 Mark aus den Sparkassenüderschüffen entnehmen zu dürfen zwecks Deckungen der Kosten für die Vorarbeiten zu der Kanalisation. Heber die Krähenplage wurde lebhaft Klgge geführt.

vermischter.

* Eine unangenehme Urberrafchung erleben augen­blicklich viele Berliner Geschäfts- und Privatleute, die auf das Polizeipräsidium zur verantwortlichen Vernehmung geladen werden, weil sie beschuldigt werden, in ausländische Lotterien zu spielen. Seit einiger Zeit werden nämlich auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Ausführung eines richterlichen Beschlusses auf allen preußischen Post­ämtern sämtliche Postsachen einer bestimmten Ham­burger Firma, die Hamburger Lotterielose in Preu­ßen vertreibt, angehatten und beschlagnahmt. Aus diesen Postsendungen werden die Spieler der Polizei bekannt imv zur Verantwortung gezogen.

* Infolge Lohnzwifügkritcir entstand unter den bei den B a h n a r b e i t e r n auf der Strecke Brackwede- Jffelhorft beschäftigten Arbeitern eine wüste Schlägerei. Hierbei wurde ein Arbeiter aus Lemgo so schwer ver­letzt, daß er nach kurzer Zeit starb. Drei Verhaftun­gen wurden vorgenommen.

* Der englische Panzerkreuzer „Chatam", der einen ganz neuen Typ darstellen soll lief am Samstag in Chatam vom Stapel. Die Länge des Kriegsschiffes beträgt 456, die Breite saft 50 Fuß, der Tonnengehalt 5400. Die Turbinenmaschinen des neuen Kreuzers sollen 25000 Pferdekräfte ent­fallen und sowohl mit Petroleum als mit Kohle gespeist werden können.

* Riesinfchwiudel. Der New-Aorker Polizei scheint ein glänzender Fang geglückt zu sein. Sie verhaftete drei Personen, die im Verdacht stehen, die Häupter einer Schwindlerbande zu sein, die im letzten Jahre New-Aorker Bankiers um nahezu drei Millionen Mark geprellt haben. Die Hochstapler gingen in der Weise vor, daß fie schwindelhafte Geschäfte gründeten, Gefchästsverbindungen mit großen Firmen suchten, wobei es ihnen nur darauf ankam, in irgendeiner Weife Schecks dieser Firmen in die Hände zu bekommen. Die Unterschriften dieser Sch.cks wurden dann von einem italienischen Künfler gefälscht und Schecks auf die betreffenden Firmen ausgestellt und bei deren Banken eingelöst. Die Schwindelmanöver wmden großzügig durchge- führt, und die Fälschungen solle» erstklassig gewesen sein. Des eigentlichen Herstellers der Falsifikate hat man bisher nicht habhaft werden können.

Eccka ging mit SssquenS und ihrem Manne auf- gcregt in den Anlagen vor den RestaurationsgebLiden der Ausstellung soff und ab.

„Liebling, nun beruhig« dich nur, mn 1 Uhr wer- >en wir ja di« HerrlichLit sehen! Die Zett vergeht am besten bei einer Magenstärbing, Me dir besonders zuträglich sein würde!"

„9? ein, lieber Hans Heinrich, ich muß laufe» — laufen!"

Sosquen lacht. „Also laufe« tote, — egal im Kreise rum, schließlich wird sich die ganze Ausstellung wie ein Kamssell um uns drehen!"

Erika schiebt schmollend die Unterlippe vor. Hans Heinrich macht eine« schlechten Witz.

„Natürlich nimmt der Kaiser gleich dein Bild unfein Arm und schleppt's allerhöchst in fein Auto!"

„Unausstehlich bist du!"

„Du auch, denn du sagst mir, deinem regelrecht angetrauten Ehemann, nicht einmal, was dein Pin­sel verbrochen!" — Jochem, nimm ihr schnell den Katalog weg!"

Schützend stellt stch Ada vor ihre Schwägerin. „Wir Frauen halten zusammen, das gibt'S nicht, die Freude lassen wir uns nicht verderben!"

„Da haben wir den Salat, HanS Heinrich! — Aber über diese Staatsriktion vergesse ich es qatu ktu fragen: Wie geht Trütows Buch?"

„ymmer noch fmnos! Beim neunzehnten Tau­send sind wir an gekommen und fett drei Tagen liegt kin vollgewichtiges neues Kind seiner Feder bei mir. Mer glaubst bu daß ich zum Lesen gekommen bin? Keine Spur! Dreie KunstMisstellung absorbiert seit klcht Tagen vollkommen meine GeisteskMe, sobald ich aus dem Geschästr komme, und dort gibt's jetzt tiform viel zu tun!'

„Das heißt, du bist zufrieden!"

„Aber sehr, mein braver Jochem! Und daß ich's fein kann, magst du aus Erikas eleganter Toilette

Aus dem Nachbargebieie.

g Hilders, 9- Rov. 1911. Gestern fand in hie­siger Schule die jährliche amtliche Kreisleh­rer-Konferenz des Bezirks Hilders un­ter dem Vorsitze des Herrn Pfarrers und Kreisschul- infpektorS Breitrmg-Hildcrs statt- Zu betfnben warm alle Lehrer und Lehrerinnen und auch die meisten Octsschulinspektoren des Bezirks erschienen. Rach freundlicher Begrüßung settms des Herrn Vor- iifeenben und nach Bekanntmachung einiger Regie- rungsverfügungeu sprach Herr Lehrer Hütsch (Saiten) über den Mimsterialerlaß vom 31. Jan. 1908 und die Niederschriften. Er verbreitete sich in kurzer, aber packender und guter Weise über das Thema, sodaß seine Ausführungen den Beifall der Anwesenden ernteten. Als Korreferent trat Herr ^Lehrer D a l l w i g (Wickers) auf. Er verstand es, zu dem Thema noch treffende und ausführliche Zu­sätze und Erläuterungen mit prakttschm Beispielen hinzuzufügen, sodaß auch ihm der wohlverdiente all- seitige Beifall gezollt wurde. _ Herr Zahntechniker Kapp von Fulda hieft zum Schluffe einen Vortrag über die Zahnpflege, der sehr lehrreich war und von den Anwesenden mit Jntereffe vernommm wurde. Da von einem gemeinsamen Men abgesehen werden mußte, vereinigte man sich darauf doch noch einige Stunden zum gemütlichen Beisammensein unter An­wesenheit des kgl. Herrn Kreisschulinspektors im Hauie des Gastwirts Rüdling.

* Reichenfachfen, 10. Nov. 1911. In einen Streit mit einer aus Zigeunern bestehenden Gymnastiker-Truppe geriet in der Nacht zum Donnerstag in unserem Orte ein auswärtiger Tier­arzt. Auf der Rückfahrt wurde er aus geringfügiger Ursache von einem der Zigeuner angegriffen. Er verteidigte sich und verletzte habet seinen Angreifer, dem die übrigen Mitglieder der Gesellschaft zu Hilfe kamen; auch der Tierarzt erlitt Verletzungen. Durch das Dazwischentreten der Ortspolizei wurden die Streitenden schließlich getrennt.

* Schenklengsfeld, 11. Nov. 1911. In der Ver­sammlung der Gemeindevertreter stand die „Be­leuchtung des hiesigen Ortes durch A e e t y l e 11" auf der Tagesordnung. Die ganze Anlage einschließlich 80 Privatanschlüsse und aus­schließlich des Bahnhofes ist auf 37 000 Mark be­rechnet. Es ivurde beschlossen, zunächst die Lettung in Oberaula, die durch die in Frage kommende Kasseler Firma hergcstellt worden ist, zu besichtigen.

* Schlierbach b. Gelnhausen, 12. Nov. 1911. Am Freitag nachmittag um 5 Uhr landete in umnit- telbarer Nähe der hiesigen Steingutfabrik ein Frei­ballon, der um halb 12 Uhr vormittags in Mann­heim aufgestiegen war. Die Landung ging glatt von statten. Dent Korb entstiegen 4 Herren, die unter Mithilfe der Zuschauer den Ballon entleerten, verpackten und mit dem Zuge die Rückreise nach Mannheim antraten.

* Hanau, 12. Nov. 1911. Die städtischen Behör­den von Hanau haben vor einiger Zett eine Ord­nung, betreffend die Deckung der Kosten der E n t w ä s s e r u n g s a n l a g e für die Stadt Ha­nau erlassen. Der Hanauer Hausbesitzerverein be- striit die rechtliche Zulässigkeit dieser Ordnung, die eine erhebliche finanzielle Belastung der Hausbesitzer mit sich bringt, im Prozeßwege. Der Bezirksaus­schuß in Kassel hat nun in einem der vielen deshalb gegen die Stadt Hanau anhängigen Prozesse ein Ur­teil gesprochen, das prinzipiell entscheidend auch für die übrigen ist. Der Bezirksausschuß hat sich den Rechtsausführungen der tlagenben Partei in offen Punkten an geschlossen und die Entwässerungs- ordnung der Stadt Hanau bezüglich der Anschluß- gebnhren, wodurch die Hausbesitzer mit zirka drei­viertel Million Mark belastet werden, für ungik- . tig erklärt und erkannt, daß big Kläger, die sich auf Ungiftigkeit dieser Entwäfferurmsordnung beru­fen haben, von der Zahlung der Anschluß gebühren zu entbinden sind.

* Biedenkopf, 10. Nov. 1911. Auf dem beirach- barteu Badnhoje Raumland war der Sägewerks- besitzer C. B.-nder an der Kreissäge beschäftigt, um aus Tarmenbäume« Satten zu schneiden. Bei dieser Beschäftigung schlug plötzlich die vor die Kreissäge gehaltene Latte zurück und traf Bender mit solcher Wucht vor den Leib, daß eine lebensgefährliche Verletzung entstand, der Bender in der Universitäts­klinik zu Marburg erlag.

* Kassel, 11. Nov. 1911. Die Mitbesitzerin der Lokomotiven-Fabrik Henschel u. Sohn, die Witwe des Geh. Kommerzienrats Henschel, vermachte anläßlich ihres 70. Geburtstages 100 000 Mark zum Bau von Einfamilienhäusern für die Arbetter, 100 Freistellen in Soolbädern und Walderholungsstätten für die Kinder der Arbeiter der Firma für das Jahr 1912, 70 000 Mark zum Besten des Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz. Ferner erhalten die sämtlichen Beamten, Werkmeister und Arbeiter der Firma bedeutende Gratisikationen und die be­dürftigen Rentenempfänger der Pensionskasse der Firina Geschenke in Höhe ihrer monatlichen Rente.

* Mainz, 11. Nov. 1911. Das „Mainzer Jour­nal" teilt das finanzielle Ergebnis des verstossenen Mainzer Katholikentages mtt. Danach wurde in Mainz ein Ueberschuß von 32000 Mark erzielt, eine Summe, die noch in keiner vorhergehen­den Kongreßstadt erreicht worden ist.

• Bingen, 10. Nov. 1911. Der Buchbinder Raab ans Kreuznach, eine in den letzten Monaten vielgenannte Persönlichkeit — hat Raab doch im Blindenheim zu Bingen ein kostbares Bild gestohlen und viele andere Diebstähle verübt, — wurde end­lich in Mainz festgenommen. In einem Hause zu Mainz hatte er eine goldene Damermhr und bares Geld entwendet.

* Limburg, 12. Nov. 1911. In Nieder- zeugheim wurde eine Frau beim Graben von Zinnsand von nachstürzenden Erdmassen der- schüttet und e r st 1 ck t e, ehe Hilfe gebracht tver- oen konnte. Im Vorjahr verlor der Mann der Frau auf dieselbe tragische Weife fein Leben.

ersehen; wenn die Dukaten nicht ins Haus Rost! „Donnerwetter, eine prachtvolle Erscheinung", u. v. Hakburg recht reichlich ihren Weg fänden, hättej murmelt einer; endlich gelangten die beiden durch meine Eheliebste sich diesen Luxus keinesfalls ge-j das Gedränge zu den allerhöchsten Herrschaften.

Der Kaiser dreht sich gerade halb um.

„Majestät — Frau v. Hakburg!"

Erstaunt steht der hohe Herr di« stch verbeugende, junge, bildhübsche Dame an.