Erstes Blatt
Fulda, Samstag den 11. November 1311
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Selbständigkeit nS Südmarokko
i« ; aus biefen Worten Heydebrands beit Vorwurf einer k feigen^ Silbenstecherei heraus hören unb also eine
debrands unter Betonung der Solidarität der ganzen
it hetz« nicht zum Kriege, » jede» Preis ist in der
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Xusnabme bet Se m- »ad Feiertage, viertel« fäbrlichervezneepteir ohne Sriu-erlohn und BeftengelbinSulööfcrt wie auswärts bSOait
Veranttv. Sedakte«: «lat« Schutte» für die Anzeigen:
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wir hätten zwar in Knrdmarokko die des Sultan« preiSaegeben. aber wenigst.
a n t w o r t l i ch e n M in i st e r in der Rücksicht auf die größere Wirkung ihrer Worte im Auslande nach sich ziehen muß.
Dis auffallende Angriffslust des Reichskanzlers in der Freitagssitzung läßt vermuten, daß die sogen. Demonstrationen des Kronprinzen, welche von gttviffm Blättern so übermäßig aufgebauscht waren, seiner Stellung und seinem selbstbewußtsein nicht geschadet hatten. Da der Kronprinz am zweiten Tag nicht wieder im Reichstag erschienen war, nachdem er a,n Abend vorher mit seinem kaiserlichen Vater an der friedlichen Tafel gesessen, darf man hoffen, daß die jugendliche Lebhaftigkeit des Thronerben in der Donnerstagssttzung ein Zwifchenfall ohne Nachwirkungen bleibt unb sowohl im Jnlande als auch im Auslande die bedenkliche Spekulation auf eine abweichend« „Kronprinzenpolitik" im Keime erstickt wird- ,
Wenn Herr 0. Bethmann von dieser Seite nichts zu befürchten hat, so erscheint es um so rätselhafter, warum er sich durch heftige Worte in Gegensatz zu den Konservativen setzt und den Beifall seiner grimmigsten Gegner auf der Linken sich zeit- tveilig zuzieht. Im übrigen hatte ja seine Position sich verbessert durch die Erklämng von 20 hervorragenden Freunden und Interessenten der Kolonial
Es ist eine Ironie des Schicksals, daß gerade die konservative Partei eintietai muß für das Recht
mußte, indem et die Redefreiheit der Abgeordneten in auswärttgen Dingen denselben Beschränkungen unterwerfen wollte, welche die Redefteiheit der b et-
ben. Das kommt doch auf nichts anderes als auf eine neue Flottenborlage hinaus. (Sehr richtig im Zentrum.) Kriegerische Fanfaren ertönen zu lassen, tote das der eine oder andere Redner getan hat, ist nicht Aufgabe des Reichstages. (Lebh. Bravo!) Wenn der Kaiser ruft, find wir bereit, wir sind aber nicht berufen, darauf hinzudrängen, daß ein
Herr v- Heydsbrand hatte sehr kräftig gesprochen, etwas chauvinistische und kriegerische Töne angeschlagen,' aber da er nicht Minister, sondern nur einer von den 397 Inhabern der parlamentarischen Redefteiheit ist, so erschienen seine Bemerftmgen an die englische Adresse nicht gerade friedensgefährlich. Der Reichskanzler aber faßte sie sehr tragisch auf. Er fühlte sich besonders dadurch verletzt, daß Herr v. Hehdebrand ihm die beiläustge Bezeichnung der drohenden Kundgebung des MnisterS Lloyd George als „Tischrede" auf gemutzt habe- Der Kanzler wollte
konstatiert, daß wir in der Rede eines englischen Ministers Worte gehört haben, die man als eine Demütigung und kriegerische Herausforderung des deutschen Volkes bezeichnen müsse und über die ich leicht mit dem Ausdruck .Tffchrede" hintoeggegangen fei. (Mit erhobener, erregter Stimme.) Wenn Herr v. Hehdebrand damit hat sagen wollen, daß ich eine demütigende Herausforderung der deutschen Nation sozusagen mit einer kleinen Wortverdrehung habe toegtäuschen wollen, so 1 muß ich eS Herrn von Hehdebrand allein überlassen,!
wie er diese
Schmähung feiner eigenen Regi erung vor der ganzen Welt mit seinem Vorsatz, die Regierung nicht herunterzureißen, mit seinem nationalen Gewissen vereinbaren kann. (Große Unruhe im Hause —■ Bravorufe auf den Zuschauertribünen.) Ich muß eS weiter bedauern, daß in diesem Hause über unsere Beziehungen zu einem fremden Staate, mit dem wir in normalen Beziehungen stehen, in einem Tone gesprochen worden ist, der vielleicht in Wahlversammlungen nützlicher ist (lebhafte Zustimmung links), der aber in einem seiner Verantwortung bewußten Parlament nicht Üblich ist. (Erneute lebhafte Zu. stimmung links.) Leidenschaftliche und alles Di aß über- schreitende Worte, tote die des Herrn v. Hehdebrand (sehr gut), mögen Parte iinter ess en dienen (stürmische Zustimmung links) ,dasDeutscheReich aber schädigen sie. (Erneute lebhafte Zustimmung link«.) Der Starke braucht sein Schwert nicht immer im Munde zu führen. (Stürmische Beifalls, kundgebungen auf bet Linken und Heiterkeit.) Wir hatten Monate hindurch und erleben noch jetzt Tage, die von einer leidenschaftlichen Stimmung durchflutet find, wie wir e» wohl niemals in Deutschland erlebt haben, die den Willen Deutschlands kundgaben, sich in der Welt durchzusetzen. Aber e» sind auch noch an- bete Kräfte habet tätig gewesen. Meine Herren, ich habe Ihnen bargelegt und ich hoffe, ich habe Sie über- zeugt, ich habe her Ehre meine« Volke», bet Ehre bet Nation, bet ich angehören darf, in nn» feiern Verhältnis zu England nichts nachgegeben. Meine Herren, er find Kräfte, auch das muß ich offen aussprechen, eS find dabei Kräfte im Spiele gewesen, die mehr
mit den bevorstehenden Wahlen al« mit Marokko und mit dem Kongo zu tun haben. (Stürmische» hört, hört! bei den Soz. und der Fort, schrittlichen Volkspartei, anhaltende große Bewegung im gangen Hause.) Da» muß einmal offen ausgesprochen werden. (Seht gut! links.) Aber, meine Herren, wenn es so bargeffettt worden ist in der Presse, als ob unser Vaterland Not litte, als ob wir vor dem Zusammenbruch als Nation ständen (Zuruf von den Nationalliberalen: Das hat in der Presse nicht gestanden!), so ist da« nicht in den Tatsachen begrün, bet gewesen. Um uiopistischet Eroberungspläne unb um Parteizwecke willen aber die nationalen Leiden- schäften bi« zur Siedehitze zu bringen — meine Herren, das heißt, den Patriotismus kompromitieren (stürmischer Beifall bei den vp. und den Soz.), ein wertvolles Gut vergeuden. (Erneute Mimische Zustimmung auf der Linken, ungeheure Bewegung.)
Abg. Lattmann (wntsch. Vgg.): Der Sprecher bet fortschrittlichen Volkspartei hat heute das elende Barteigezänk in die Debatte hineingebracht. «Lebh. Zustimmung rechts.) Besonders unangebracht war es.
ihm also die Nachgiebigkett gegen Englant tigt, der gegenwärtigen Regierung macht einen schweren Vorwurf. Herr Schultz fagi
großer Staaten noch niemals ein brauchbares politisches Prbchip gewesen. (Sehr richtig!) Es ist nicht richtig, daß die Marokkopolitik des Fürsten Bülow immer konsequent gewesen ist. Den nationalen Schwung, den das Pantherner in Agadier auslöste, hat die Regierung nicht verstanden. (Sehr richtig! bei der wirtsch. Bgg.) Es kamen bann die Fliegen vom Kongo- lanbe und versenkten bie Herren vom Pressebureau des Auswärtigen Amtes in die S ch l a f k r a n k h e i t. Der Reichskanzler sagt: Alle«, was wir erreichen wollten, haben wir erreicht. Die Franzosen sagen, es sei Frank, reich gelungen, die deutschen Forderungen so herabzu» mindern, daß sie annehmbar wurden. Wo liegt bie Wahrheit? War auch die Stimmung in unserer Presse gegen das Ausland gerade nicht sehr rosig, so war doch eine Schmähung des französischen NamenS nirgends zu finden. Die französische Presse sprach dagegen von Wilhelm dem Furchtsamen, bezeichnete unsere Heerführer als Hofschraiizen, beschimpfte das Heer und sprach von brutaler Gewalt. Waren bie Worte des Herrn v. Heydedrand auch etwas scharf, so entsprachen sie doch der Ansicht, wie sie in Tausenden, ja Millionen Herzen Deutscher lebt. (Brausendes Bravo! rechts.) Das Ausland mag merken, daß wir die alten Zeiten überwunden haben wollen, wo man unS derartiges sagen konnte. Für die Diplomatie mag die Sache mit der Tischrede des englischen Staatsmannes erledigt fein. Für unser Volk ist die Sache noch nicht abgetan. Wir sehen in der Er- Uätung bvt englischen Regierung eine Rneiferet. Sollen wir gegen die Kriegshetze Englands n'.cht ein scharfes Wort im Reichstage sagen? Bisher haben wir eine Lammesgeduld an den Tag ge« legt. Wir müssen jetzt dagegen auch einmal scharfe Worte finden. Daß eine Kolonie abgegeben werden kann, ohne baß das Volk etwas zu sagen hätte, ver- stehe ich nicht. Unsere Kolonialpolitik wirb dadurch voll'iändig diskreditiert. Herrn v. Lindequift muß baS Volk bantbar sein, daß er biefen Vertrag nicht vertreten wollte. (Beifall.)
Abg. Bruhn (Resormp.) kr tisiert vor säst leeren Bänken — bie gesamte Linke einschließlich bet National- liberalen hat den Saal verlassen und auch auf bet Rechten sinb nut vereinzelte Abgeordnete zurück- geblieben — bie Marokkopolitik bet Regierung. Der Kongo werbe uns viel Geld kosten und voraussichtltch nichts einbtiiigen.
feien au« Marokko heranSg «drängt worden: wir sind ja gar nicht driu gewesen. (Gelächter.) Herr Basser mann sagte, tote hätten nicht ein Schiff nach Agadir schicken, sondern Maßnahmen an unserer West, grenze treffen sollen. Da« bedeutet Krieg. Ich weiß nicht, ob da« eine ^oeckmäßige Einladung an Frankreich gewesen wäre. Herr Bassermann meint bann.
Abg. Ricklin (Elsässers billigt bas Abkommen. Deutschland habe in Marokko nur praktische Interessen, unb biefe seien gewahrt. Der Kongo ist nicht so wertlos, wie es häufig dargestellt werbe.
Abg. Gröber (Ztr.) spricht zunächst den Wunsch aus, daß der Kommission auch der Text des ftanzösifch- spanischen Geheimvertrags von 1907 unterbreitet toerbe. Bassennann unb Wiemer haben in rührender I Uebereinstimmung sich im Lobe der Bülowschen Politik gar nicht genug tuen können. Wenn man der heutigen Regierung den Vorwurf machen will, daß sie in bet Marokkoftage nicht stark, nicht geschickt, nicht konsequent genug verfahren sei, so treffen alle diese Vorwürfe, soweit sie überhaupt berechtigt sind, in erhöhtem Maße die Politik deS Fürsten Bülow. (Sehr richtig im Ztr.) Diese Bülowsche Politik ist von Herrn Baflermann von Anfang bt5 zu @nbe gelobt und unter* stützt worben. (Widerspruch b. d. National!.) Nach der Anerkennung Mulah HafidS erklärte Herr Basser- mann: Ich denke, daß die Anerkennung dem Interesse des deutschen Reiches enffpricht, Heute macht Herr Baf- fermann aus dieser Anerkennung der Regierung einen ' Vorwurf. Uebethaupt änderte Bassermarm gerade da feine Stellung, als der Stern Bülows zu erbleichen begann. Herr Wassermann hat kritisiert, aber ' tooS hat er für positive Vorschläge zu machen 1 gewußt? (Widerspr. des Abg. Baffermcmn.) Gewiß, : Herr Bassetmann, sie haben ausdrücklich erklärt, die Anregung des deutschen Flottenvereins gut Stärkung unserer deutschen Flotte müsse ernstlich geprüft wer.
ifleichskarzler v. Bell)mann-Ho 's weg:
Auf die Kritik, die unsere Arbeit bei Ihnen durch« toeß gefunden hat, war ich von vornherein gefaßt. Ich habe schon gestern ausgesprochen, daß ich auf Bei. fl nJchk rechne. Ich habe auch nicht behauptet, Werk das wir Ihnen vorgelegt hätten, ein "inf^I A1,IeLM;3Äe,^.®efo^0Tlis bestand darin, es würde toit ftnr»n'^“s M.'tte ein Mann aufstehen, der mit M" klaren und guten Gründen
einen anderen Weg
«a nn V?'* n 0 e " gezeigt hätte. Auf diesen W e 'S (Heiterkeit.) Ich wurde
hJä t ’ fa0e”? Du haft recht! Ganz ehrttch würde
ich bas sagen. Der Abg. Bafferrnann hat
ii aU Folge von Agadir
«ngestellt. Wenn die italienische Aktion mit den marok- rnnischen Vorgängen m Zusammenhang zu bringen ist, Agadir, s-ndern mit Fe^ (Sehrtichtwj Iechts.) Tue Franzosen find es, die mit ihrem Zuge nach Fez die marokkanische Frage wieder auf«, tzollt haben, nicht wir. Wie können Sie da behaupten, ter Zug der Italiener nach Tripolis sei eine Folge Nn Agadir? Ich habe dieselbe Auffassung vielfach«, «er fremden Presse gelesen, namentlich in demjenigen Teil der fremden Presse, bei Deutschland besonder« ibel will. (Sehr richtig!), der bei jedem Unbe. Hagen, das in der Welt irgendwo entsteht, sagt: natih> fich, Deutschland war das Karnickel. Ich muß er» ftaunt sagen, ich habe mich gewundert, bafc der Füh -
beruhenden öffentlichen Kundgebung und hat geglaubt die Frage durch feine Erklärungen ober die der eng- lischen Regieruiig wie immer sie gelautet haben mögen, für abgemacht ansehen zu können. Er übersieht, baß auch baS deutsche Volk durch seine Vertre- ter eine Antwort auf eine an feine eigene Adresse Sichtete Erklärung selbständig zu erteilen das Recht (Zustimmung rechts.) Eine solche dem Empfinden des deutschen Volkes enffprechenbe Antwort enthält nicht eine Schwächung, sondern eine Stärkung des deutschen Ansehen«. (Lebh. Beifall rechts.) Der Herr Reichskanzler hat gemeint, baß das, was von unserer Seite durch meinen Mund erklärt worben ist, als »W ahlrede" im wesentlichen bezeichnen zu • können. (Sehr richtig auf der Linken.) Auch die Wahlen spie, geln unter Umständen das VolkSempfinden wider. Aber darum hat cs sich für uns nicht gebandelt, sondern es kam für uns in Frage, a u s z uspr och e n, w a s f e i t Monaten daS deutsche Empfinden erregt. (Sehr richtig! rechts.) DaS zum Ausdruck hier zu bringen, das war unfei Recht aU deutsche Reichstags- abgeordnete, und wir weisen er zurück, daß man bie Ausübung dieses Rechtes und dieser Pflicht unS beschränken will. (Beifall rechts.)
Abg. Basscrmasn (ntl.) erwidert persönlich auf Gröber und weist dessen Vorwürft zurück. Er Wender sich dann gegen den Reichskanzler und wirft ihm vor, er habe ihm andere Dinge unterstellt, als er gesagt habe. Die Unterstellung bezüglich meines nationalen Empfindens, die in den Worten des Reichskanzlers lag, weise ich mit Entschiedenheit zurück.
SamStag: Weiterberatung.
die Person des Kronprinzen hineinzuziehen. (Sehr wahr! rechts. Der Präsident kann die große Unruhe, in der sich der Redner anfangs nur schwer verständlich machen kann, nur mühsam zügeln.) Wenn unser Kronprinz «uf der Tribüne der Sitzung bei« «»Hute, so tat er nicht mehr als jeder andere Ttibüntn- besucher. Unb das dürfen mir doch wohl noch erwarten, daß der Kaisersohn die Zustimmung zu solchen national«» Fragen ßch erlauben darf. Es wat ein Htterey, aber lehrreicher Augenblick, daß gestern beim Sttyult der Red« des Reichskanzlers bei allen bürgerlichen Parteien Schweigen herrschte unb nur die ätiBttfit Link „Bravet- tief, biefe neuen Stützen der Regierung! gßhc - --- Friedensliebe um
X Ruhig Blut!
Unsere Erwartung, daß der Reichskanzler im Laufe der Verhandlungen über den trockenen Ton seiner ersten Rede hinausgehen werde, hat sich überraschend schnell erfüllt. Aber der Kanzler ist nun auch gleich in überraschend hohem Maße lebhaft und kampflustig geworden.
Herr v. Bethmann Hollweg ist empfindlich. Aber nicht die Vorwürfe wegen zu großer Nachgiebigkeit gegen F r an k r e i ch bringen seine Nerven aus dem Gleichgewicht sondern vielmehr die Behauptung, daß er die englischen Anmaßungen nicht gebührend zmückgewi^m habe. Wegen dieses Punktes geriet et schließlich mit Herrn v. Hehdebrand, dem Führer der Rechten, in einen wahrhaft grimmigen Streit, zu dem die schadenfrohe Linke Beifall spendete.
die das deutsche ... _____ ,__________________ __
worben unb erhalten hat, zu verfügen. Man sagt, da» Schutzgebiet wird ja nicht im ganzen fortgegeben. Also in zehn einzelnen Stücken soll e8 weggegeben werden dürfen? Politisch hätte der Reichskanzler nichts Klügeres tun können, als dem Reichstage das Abkom- men zur Genehmigung vorzulegen. Der Kaiser soll nicht erscheinen als ein absoluter, mystischer Herrscher, der durch einfache Verfügung über große Fragen bestimmt. Der Kaiser soll sein unb bleiben ber Be- schuher der Schutzgebiete, ihr Erhalter unb Pfleger, em Erhalter des Rechts, ein Verteidiger be# Schwachen, unb er soll in dieser seiner hohen Aufgabe zusammen- arbeiten mit den gesetzgebenden Faktoren de# Reiche«, auf Grmib des Vertrauens, auf dem das Deutsche Reich beruht. Es ist hohe Zeit, daß endlich dieser Mangel aus unserer Reichspraxis beseitigt und dem Kaiser zu teil wird, was bes Kaisers ist, eine vernünftige und gerechte Aufgabe. (Beifall.)
«x Tatsachen sich bie. efeilt hat. (Sehr wahr! Herr Baff ermann hat sodann französischen Regierung zur gesprochen unb gesagt, tote nicht annehmen dürfen mit
zur rechten Zeil zu gehen wußten (schallende Heiterkeit, in He schließlich oer Reichslanfler einftmmt). Das selbständige Kolonialamt wieder abzuschaffen, wie Frhr. v. Hertling das wollte, halten >vit nicht für geboten. Die bekannte Rebe bes Lloyd Georges geht gewiß über die Tischrede hinaus, aber dagegen muß ich doch Einspruch erheben, daß, wie es gestern geschehen ist, hier mit kaum verhüllten StriegS» Drohungen gespielt wird. (Beifall.) Wenn man aber die Entwicklung der letzten zwanzig Iahte verfolgt, kann man sich dem Eindruck nicht ver» schließen, daß die deutsche Politik die Einheitlichkeit, Klarheit und Stetigkeit hat vermissen lassen. Bald hatten wir eine Politik der Liebenswürdigkeit, die nichts genützt hat, bie Politik der Depeschen, die nur Schaden angerichtet hat, bald die Politik der verpaßten Gelegenheiten, die Politit plötz^chcr Eingebungen eines impulsiven Temperaments. Auw in «iif-.rer Zelt kommen solche Dinge vor. Ich kann es auch nicht als eine empfehlenswerte Neuerung anftven, wenn, wie gestern geschehen, der Erbe der Krone vo» der Tribüne des Reichstages in offener Weise gegen die Politik des »er- antwortlichen Reichskanzlers demonstriert hat. (Große andauernde Unruhe rechts, lebhaftes Sehr richtig! links." Dieser Vorgang hat auch in auswärtigen Bläücrn die unangenchmsten Aeußerungkn herbeige- füh:t. Der „Eclair- schreibt, ber Vorgang zeige, haß in Deutschland eine starke Knegspartei bestehe. (Zuruf rechts: Gott fei Dank!) Von diesem Goltfeidank nehme ,ich Akt. (Erneuter großer tiärnt rechts.) War eine solche :Demonstration hier notwendig? Nun, der Reichslaiijlcr mag sich mit ber Behandlung selbst au4dnanbrr;e«jeit. Ich bebaute das Vorkommnis. Wv es sich um ein Fricbenswerk banbett, wo auch ber Leiter ber Politik sagte: „Got! sei Dank, wir sinb iin größteu Einvernehmen", in biesem Augenblick durch derartige Dinge alles wieder in Frage zu stellen, hallen wir für falsch. (Lebh. Znsiiimuung links.) Ist die deutsche Politik auf der Höhe? (Vielfaches Nein! auf allen Setten des Hauses.) Wir fragen den Reichskanzler, ob auch Sonderabkommen bestehen, von denen uns nichts mitgeleilt ist. Herr v. Bcthmmni erklärt, die Regierung soll über den Palleten stehen. Wir haben es ja geifern geselcn, das Ziel hat er erreicht. (Heiterkeit.) Wir müssen daran fefthatten, baß nicht e-n imreankratisches oder persönliches Regiment das Glück der Nalion ver- bürgt, sondern ernsihaste, redliche Arbeit aller Volks- schichten, aus dem Boden der Verfassung für Fortschritt ,U. Freiheit (Beifall links. Zurufe rechts: Hurra! Hurra! HeilcikeiN, für Volk unb Bifcrl-md. (Bravo! links.)
Dbg. Dr. Schulz (Rp.): Das Abkommen bedarf der Genehmigung des Reichstages nicht. Beziehen sich die wirtschaftlichen Zugeständnisse auch auf den Teil von Marokko, der nach dem französisch-spanischen Geheim, abkommen von 1904 der spanischen Einflußsphäre unterliegt? Redner wendet fich dann gegen die Kompensationen, die Deutschland an Frankreich gegeben hat. Gegenüber der englischen Kundgebung hat sich die Negierung eine schwere Unterlassung», sunde zu schulden kommen lassen. Im Volte btt» lang e man eine Antwort und da fie auSblieb, entstand der unausrottbare Glaube, daß wir vor England 'zurückgewichen find. (Lebhaftes Sehr richtig!) Aber ein nationales hochgespanntes EmpfindlichkeitSgesühl gegenüber Kränkungen, die dem deutschen Namen toiderfahren, müssen wir von jedem Inhaber beS Reich», kanzleramtes verlangen. Das Auswechseln von Noten in ben Kanzleistuben, das kann nicht daS ersetzen, waS das Volk ersehnte. (Lebh. Beifall.) '
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 10. November 1911.
Die Aussprache über die
Marokko- und Kongo-Abkomme«
wird fortgesetzt. Die Tribünen sind nicht so bestecht wie gestern. Die Hosloge ist fast leer. Der Kronprinz ist nicht erlchiencn.
Abg. Wiemer (Vp.): Es hat hier im Haufe gestern wieder nicht an Aeußernngen gefehlt, bie wie etn Appell an bie nationalen Leidenschaften auS- sahen. Damit wird unserem Interesse nichr gedient. Wenn wir für den Reichstag eine erheblichere Beteiligung auch an der auswärtigen Politik verlangen, dann müssen wir hier eine ruhige und sachliche Sprache führen, anders als wie Herr v. Heydebrand (stürm. Zustimmung links). Der Hauptfehler, der in ber Marokkopolitik begangen worden ist, war die Entsendung des Kriegsschiffes nach Agadir. Ja de» greifen meiner politischen Freunde ist der Jubel, von dem Herr Bassermann gestern sprach, nicht erfolgt. Die Haltung der Alldeutschen während des Marokkokonflikts ist scharf zu tadeln, aber auch die Sozialdemokraten haben sich nicht ganz einwandfrei verhalle», es bedeutet nicht eine Stärkung der Stellung Deutschlands, wenn sie noch während der Verhandlungen mit Massenstreiks drohten. Wir haben niemals an Land- erroerbungen in Marokko gedacht und stehen deshalb dem Abkommen objektiv gegenüber. Eine Schwenkung in ber Marokkopolitik Deutschlands ist eingetreten, das läßt sich nicht leugnen; aber dafür ist nicht Fürst Bülow v er an t wörtlich zu machen, sondern di» jetzige Regierung. Die Neuwerbung bedeutet für uns «ine Schwächung. Da kann man es verstehen, wenn Herr v. Lindequift da iiitt mitmachen wollte. .Er weiß zur rechten Zeil zu gehen, wo keine Ehre mehr zu holen ist", heißl's in der Jungftau von Orleans. Ich wünschte, wir hätten mehr folche Minister, die
ton, soll in NordmmwK» unter em Protektorat Frank- reich» stehen und in Südmarokko souverän sein? Ich tarnt mir be» nicht verstellen! Auch
Herr d. Hehdebrand
war ber Ansicht, daß tote eS hätten besser machen können. Herr v. Heydebrand schlug vor, wir hätten nn» völlig freie Hand behalten sollen, um unsere Ansprüche zu gegebener Zeit geltend zu machen. ES gibt Momente, wo nur» sofort handeln muß und auch riskiert handeln muß. Ernster nehme ich das, wa? Herr von Hehdebrand über England gesagt hat übet den bekannte» Artikel i» der .Neuen Freien Presse". Die Angelegenheit liegt vollkommen klar. Die englische Re- gierung hat mir geantwortet, daß der englische Bot- schafter in Wien weder den bekannten Artikel der »Neuen Freien Presse" inspiriert, noch die ihm bon dem Verfasser deS Artikels zugeschriebene Aeutzerungen getan habe. Damit ist die Sach« für mich erledigt! (Sehr richtig! rechts. Zuruf links: Aber für unS nicht!) Auch, meine Herren, für den Reichstag. (Widerspruch links.) Herr v. Hehdebrand hat
?!b(j. v. Hehdebrand (kons.): Der ReichSkanz. lei hat seine Ausführungen an meine perfönliche Adresse geruhtet. Es handelt fich bei dem, was ich gesagt habe, nicht um meine Person, sondern um die ganz einstimmige Meinung der deusch-konservativen Fraktion des Reichstages (sehr richtig! rechts) und, wie ich überzeugt bin, der ganzen konservativen Partei de» Deutschen Reiche». (Lebh. Beifall rechts.) Die tom Reichskanzler speziell angegriffenen Worte find meinen politischen Freunden vorher bekannt gewesen (Zustimmung recht«), von ihnen gebilligt worden, und fie werden eS auch jetzt. (Beifall rechts.) Der Reichskanzler bemängelt unsere Ätitil der engli- schen auf einem Beschluß des dortigen Ministeriums
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Schmähung der eigenen Regierung darin finden. Wahrscheinlich hat Herr v. Heydebrand eine solche beleidigende Absicht nicht gehabt. Die große Empfindlichkeit und der überaus heftige Gegenstoß des Reichskanzlers lassen vermuten, daß hinter den Kulissen noch Dinge vorgegangen find, die den Eindruck der öffentlich gesprochenen Worte verschärft haben. Sonst ist es auch kaum zu erklären, daß der Reichskanzler dem konservativen Redner nicht bloß Schädigung der Reichsinteressen, sondern auch mißbräuchliche Aufstachelung der nationalen Gefühle zu innerpolitischen Partei- und Wahlzwecken vorwarf. „Hört, hört," ries man dazu von der liberalen Linken, und gerade dort, btt dm Linksliberalm, hatten wir bisher ««.!)- TU iSÄSEf kmn”' "" b" b'"
ä srteJhs pÄffi •Shaftos®;
Preisgabe von Gebieten ein Wort mitzureden. (Bei- V. Hehdebrand nach Einvemehmm mit seinen fall im Zentrum.) Gewiß, bie Ausübung der Schuh- Frmndm noch in derselben Sitzung gab, enttäuschte
gewollt in dcn Kolonien steht dem Kaiser im Namen allerdings die sensationslüsternen Gemüter: sie war
das Ausübung der Schutzgewalt, ftreng sachlich gehalten, hielt die Ausführungen W
§? Äe?£debrands unter Betonung der Solidarität b« ganzen eignes Recht aus, sondern ein Recht deS Reiches? Der ?,arte{. Utrecht, enthielt sich aber jeder
Kaiser ist nicht der Souverän der Schutzgebiete. Der Segenuber der Person des Reichskanzlers.
Kaiser ist der Verwalter fremder Rechte, er ist nach dem alten Hohenzollernworle der erste Diener. -...... r-........—— —u
uue Rechte dem Kaiser unb alle Lasten dem deutschen , der Volksvertreter, bie Empfindungen des Bolte . Das kann nicht sein! Das kann der Kaiser , Volkes auch gegenüber ftemdm Staaten frank und frei nick h W auch der Kaiser l zum Ausdruck zu bringen. Man versteht nicht recht,
Kein Kaiser kann daran 'denken^über^te Schutzgebiete'! ^lein ,i)cn öi^en Angriffspunkten,
die das deutsche Volk mit feinem Blut und Gut er-! i>ier[dnc. ®t0ner toDn haben, noch einen neuen liefern