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Xt 259.

Samrtaz ll- lioetmitr l‘)ll

38. 3«t)tgang.

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Leitung

3. Blatt.

Vrmk und Verla- der Xuldaer Actiendrutterel hi 5«lda.

= Ausstand iu China und der WeUfrreSe.

CrcicnifTe von dec Bedeutung der Revolution in China kann man heutzutage nicht mehr für sich allem fie r-f ten sie stehen im Zusammenhang nut allen an de en Vorgängen auf dem Welttheater,^sei es als .-Folgeerscheinung oder anstoßgebend. «schon rem wiriickastlich werden, die Völker Europas es empfin­den ‘ ob' fern am JangtMang und am Pc,ho die Ord'"-n« bald wieder hergestellt wird oder ob mit dem Brausen des Umsturzes eine neue Zeit ihren Em- g hält und — ob die nächsten Stationen nun Fort'ch ritt oder Wirrwarr bedeuten- China be­herbergt ein Fünftel der Menschheit, dafür hat es aber erst einen winzigen Außenhandel. All- industrielle,i Kulturvölker rechnen darauf, mit Etzin, einen wesentlich lebhafteren Warenaustausch »u niacheu als jetzt. Vielleicht wird die jetzt ange- bahnte 'gewaltsame Linführung des Reuen den An­fang dazu bilden.

Es ist wohl ein abenteuerlicher Gedanke, aus einem so riesigen Volke, das bisher schlechtweg feine Betcnigung an der Lenkung seiner Geschicke kennt, ohne U ebergang eine Repub lik machen zu wollen. Zur Republik gehören Republikaner, Leute, die den Staat in allen seinen Funktionen von Grund aus kennen und gewillt sind, ihm hingebungsvoll zu dienen. Kn kleinen Verhältnissen, einer Stadt, einem Kanwn beginnt das leicht. Bei dem größten Volk der Erde, das noch dazu nicht einmal die Anfänge einer LoÜZvcrtreluug keimt, versprechen wir uns von einen! jähen Uebergang gar nichts.

Eme Erschütterung der Beziehungen Chinas zum Auslände wird wahrscheinlich die Folge sein, mag nun der Ausstand siegen oder eilircn. Denn wehrlose StaatÄörper sind immer den Hebelgriffen beutegieriger Rachbarn ausgesetzt. Davon wird auch China Tente Ausnahme machen. Die beiden Länder, die in unmittelbarer Nachbar- schoü? des chinesischen Reiches liegen, Japan und Rußland, liegen immer aus bei Lauer. Trotz der „offenen Tür" sind sie schon dazu übergegangen, sich über die Mandschurei zu verständigen. Anfänglich durch den Krieg zu scharfen Gegnern geworden, sahen sie sich durch das Auftreten der Vereinigten Staaten veranlaßt, zwischen sich das Kriegsbeil zu begraben und die Eisenbahnen und Bergwerke der Mandschurei sich rufzuteilen.

Tie Mandschurei ist ein großes und zur Hälfte fruchtbares Land, namentlich ist sie reich an nutz' acen Mineralien. Unter der elenden Mandschu- wirtschaft konnte sie üjre Hilfsquellen nicht entwickeln, Russen und Japaner werden das aber zu Wege brin­gen Den Russen sagt der Norden zu, er erinnert sie a:i Klima und Boden des mittleren itnb oberen Wor,. -geLiets. Für die Japaner, die schr wenig widerstandsfähig gegen zu Ijctfje wie zu tote Tem- Oerclinen find, eignet sich der Starben »tot wohl aber der Süden, und hier werden sie Raum für An­siedlung großer Scharen finden, denen die Heimst zu eng ivirb.

Es liegt so sehr nahe, daß Rußland und Japan sich ! crbindcn, um die Austeilung der M a n d- s ch u r e i cndgiltig zu wachem Wann käme eine solche Gelegenheit wieder? Die chinesische Regierung ist durst) die Revolution gänzlich gelähmt und kann die Aufteilung nicht hindern. Uncle Sam wird frei­lich die Stirn in krause Falten ziehen. Nordamerika ist ja nun einmal der natürliche Gegner der Japaner, denn er fühlt sich vor ihrer Menschenmasse, vor der Anspruchslosigkeit und Arbeitsamkeit ebensowenig sicher, wie vor der tüchtigen Armee. Alles hat er stufgcboten, um seine ziemlich wehrlose Küste am Still.n Ozean in verteidigungsfähigen Zustand zu setzen Vor allem hat er in atemloser Hast den Pana- makanalbau gefördert, so baß Präsident Taft kürzlich ankündigen konnte, das Riesenwerk werde nicht am 1 Januar 1915, sondern schon zwei Jahre früher dem Verkehr übergeben werden können. Von Anfang 1913 an wird also die amerikanische Kriegsflotte nur wenige Tage Zeit gebrauchen, um aus dem einen Ozeou in den anderen zu segeln.

Die e u r o p ä i s ch e n-M ä ch t e außer Rußland stehen ziemlich in einer Linie. Alle können sie nur zu Schiff nach Ostasien gelangeu, feiner kann einen Anspruch auf Vorrang geltend machen. Decher sind

sie alle aufrichtig der offenen Mr zugetan, leider ohne daß sich auch nur die Anfänge eines Zusam­menwirkens bemerkbar gemacht hätten. Keine rechnet auf Landgewinn, aber auch keine unter ihnen darf ihre Handelsausfichten mit dem fernen Osten vernach­lässigen. Alle müssen wünschen, daß China ein Reich der politischen Ruhe und Wohlfahrt bleibt, vielmchr wird. Die Bahnen, die cs jahrzehntelang beschritten hat, versprechen nicht viel. Ohne Refor­men von Grund auf steht kein Hell in Aussicht. Möchten diese vor sich gehen, ohne durch äußere Ver­wicklungen gestört zu werden!

Deutsche? Reich.

** Neber das Steuer - Privileg der Beamten hat das Oberverwaltungs-Gericht eine bedeutsame Ent­scheidung gefällt. Es stellt nämlich fest, daß sich das Beamten-Privilegium nur auf direkte Gemeinde- Abgaben, nicht aber aus indirekte oder auf Gebühren behebe. Eine Stadt oder eine Gemeinde habe Nicht einmal das Recht, bei ihren Beamten ans die Er­hebung von Gebühren durch Prioat-Vertrag zu ver- zichte«.

::: Lebet über das bayerische Wahlkartell. Heute, wo Bebel sich nicht genug überschlagen kann, wegen der bayerischen Wahlkartelle, sei an folgende Aus­führungen desselben Bebel im Reichstage erinnert; am 14. April 1904 erklärte er:

„Bekanntermaßen haben meine Parteigenossen in Bayern bei den letzten Landlagswahlen tn hohem Grade mit dem Zentrum pattierl und es scheint, sie wollen es bei den nächsten Wahlen wieder machen. Ich will mich darein nicht mischen; das sind Berhätl- uiffe, die aus unserer gegensätzlichen Zeit mit Notwendigkeit hervorgehen. Aber auf der anderen Sette steht doch auch lest, daß dieses Zajammen- gehen übe.an nur ein zeitweiliges ist. Wir stimmen ja in der einen oder anderen Frage auch hier bald mit der bürgerlichen Linken zusammen, das letzte mal sogar mit der äußersten Rechten, bald mit dem Zentrum, je nachdem unsere Interessen uns das gebieten. Wer aber daraus eine Allianz machen wollte, würde sich gründlich täuschen. Wir bleiben nach wie vor die wir sind, und sie ebenfalls; nach dieser Richtung sehen wir alle vollständig Hat: zwischen uns gibt es kein dauerndes Paktieren, kein dauerndes Zu- sammengehen."

Jetzt kommt allerdings die Allianz mit den Rationaitiberalen.

— Eine liberale Glanzleistung. Kürzlich wurde in P a f s a u ein neuer Rochtsrat gewählt. Die Wahl fiel auf einen Herrn Karl Weiß, Rechispraktikcmt. Unter den ea. 30 Bewerbern für die Stelle war auch em geroiffer Dr. Hertrich aus Schweinfurt, vor­züglich qualifiziert. Warum er von der beinahe aus­schließlich liberalen Stadtoertretung nicht gewählt mürbe, darüber «-zählt die Passauer „Donau-Zei­tung":

„Di« Wahl r><e Dr. H erterich Ivar be> reili! gesichert, als ein uns im WorNaut vorltegen» ves Telegramm nach Schweinfurt flog und dort au- fragle, ob wirklich Herr Dr. Herlirich einer katholischen Studentenkorporalton ange­höre. Die Antwort lautete; Ja, — und das Schicksal dieses in erster Linie in Frage kommenden Kandidaten war entschieden. — Herr Dr. Herlerich soll „ver­schwiegen" haben, daß er Philister einer kalholffchen Korporation ist. Was hat ferne Eigenschaft als Katholik und Mitglied einer katholischen Korporation mit Seiner bereits anerkannten juristischen Wertung zu tun? Das Work „katholische Studentenverbindung" bat genügt, bei diesen vorurteilsfreien Herren die jitr.i ischo Qualifikation beiseite zu setzen. . . ."

Die liberalen Passauer Stadtväter hätten beim Ausschreiben der Stelle gleich bekannt geben sollen: nur tuet über die nötige Zahl Schmisse verfügt und damit beweist, daß er sich von einem gewandteren Gegner schmählich hat verhauen lassen, nur der kann auf die Stelle reflektieren; ausgeschlossen um jeden Preis aber ist, wer Mitglied einer katholischen Stu­dentenkorporation ist. Fürwahr — eine liberale Glauzleiswng!

Amkand.

** Französische Zustände. Die Sozialdemokraten schwindeln den Leuten immer vor, daß, wenn sie an die Herrschaft kommen, die Leute den Himmel auf

Erden zu erwarten haben. Wie es damit steht, zeigt ein Blick aus F ra n k r e t ch, wo die Sozialdemokraten m i t b e st t m m e n d in der Regierung sind. Wie sich dort die Zustande unter dem sozialdemokratischen Re­giment entwickelt haben, zeigt ein Bericht des ehemali­gen Ministers L a n e s s a n im „Siede". Er schreibt:

„Wir haben die reinste Anarchie vor uns. Sie kennzeichnet sich vor allem durch die Tatsache, daß nichts an seinem Platze ist und daß nichts geschieht, wie es nach den Anforderungen des gesunden Menjchen- verstandes geschehen sollte Das zeigt sich in allen Zweigen unserer Verwaltung, es ist daher keine Heber« tretbung, wenn man sagt, daß überall Anarchie herrsche. In der Manne leben die Offiziere auf dem Laude, die Matrosen feiern Feste und die Schisse fahren nicht. In der Armee füllen die Garnisonen die Wirts­häuser und die Cafss, statt daß sie im Felde das Kriegshandwerk lernen. In der Verwaltung treiben die Präsekten und Unterpräfettcn Kttchlurmspolitik und überlassen die Gefchäste an Schreiber, die nichts davon verstehen. Die Feldhüter sind die Agenten der Ge- inemderäte, stakt daß fie die Felder behüten, und ganz oben gibt die gesetzgebende Gewalt der Exekutivgewalt Befehle. Immer und überall sind die. Dinge und die Leute das Gegenteil von dem, was sie sein tollte«."

In dieselbe Kerbe haut der Generalbericht über das Budget für 1912, den der Abg. C her o n soeben fertiggestellt hat, denn er übt an der Staatsverwal­tung eine Kritik, wie sie so scharf schon lange nicht mehr dagewesen ist. Zunächst rügt er das stete An­wachsen der Beamten und Angestellten; dem müsse endlich ein Riegel vorgeschoben werden. „Wenn man", sagt der Bericht, „bedenkt, daß die Zahl der Beamten, das Personal der L-taatsbahnen und der staatlichen Betriebe nicht miteingerechnet, nahezu eine Million erreicht, bann muß man sagen, daß Frankreich nicht gerade billig verwaltet wird."

* Tas Schicksal der Los von Rom-Gemeinden. „Die neue evangelische Kirche steht leer," so heißt es bezüglich jener neuen, evangelischen Kirche in Deutschofterreich, für welche der allerlautefte Notschrei und der erschütterndste Hilferuf vor zehn Jahren durch das ganze protestantische Deutschland ging. Es ist dies die neue herrliche, große protestantische Kirche iu Turn, der jungen Schwesterstadt von Teplitz- Schönau in Nordwestböhmen. Innerhalb 50 Jah­ren ist Turn aus einem kleinen Dörfchen zur großen Stadt geworden, und als vor 13 Jahren die schö- nerianifche Los von Rom-Agitation einsetzte, bildete sich auch in Turn, das damals noch keine katholische Kirche hatte und zur Pfarrei Weißkirchlitz gehörte, unter Anwendung aller Mittel eine Los von Rom- Gemeinde mit etwa 1000 Köpfen. Man schritt zum protestantischen Kirchenbau, als dies ins Stocken kam, hieß es in allen reichsdeutschen Zeitungen und in allen österreichischen radikalen Blättern, es wäre eine Schande für das protestantische Deutschland, wenn der Bau nicht vollendet werden könnte. Und nun schreibt die protestantische wolfianische Deutsche Volksmacht in Teplitz (Nr. 76) selbst wörtlich über Turn:

Millionen Häude regten sich iu freudiger Hoffnung mit» «ine nnn;e Stielt tiuy ihre Cpfergabcu nach Turn. Aber irret euch nicht, Menschen firmen getäuscht wer­den, Golt aber letzt sich nicht spotten, es kam, wie es kommen müße. Seit Jahren bietet die Gemeinde em trauriges Bild innerer Zerrissenheit, und der Dom, den die Opierwilligkeit unterer Glaubensbrüder ge­schaffen, steht seitdem leer! Nicht warme Be­geisterung für .eine gute, edle Sache, nein, kleinliche Eitelkeit, Hochmut, Dünkelhaftigkeit und Parteisucht, gepaart mit Unduldsamkeit und Gehässigkeit gegen Andersdenkende und Andersgläubige wa­ren die Triebfedern für den Anfloß der Bewegung. Es war daher auch keine gesegnete Arbeit, die da be­gonnen wurde, der Fluch folgte hier auf dem Fuße und nahm feinen unerbittlichen Fortgang. Lange haben die Unzufriedenen gewartet — und es stehen Masfeuaustritte aus der evangelischen Kirche aus den Kreisen der Turner Glaubensgenossen bevor. „Was der Mensch !ä', das wird er ernten •

** I« Brüssel, wo bekanntlich am vergangenen Sonntag das Ferrerdenkmal enthüllt wurde, war von dem Bürgermeister Max den Ferrerbrüdern gestattet worden, während des Umzuges am Sonntag in dm Strgßen von Brüssel zugunsten des soziali - stischen Waisenhauses von Ucele-Brüssel zu kollektieren, wo den armen elternlosen Kindern die Lehre des Mordprofessors von Barcelona eingepaukt wird. _ Dieser selbe Herr Bürgermeister Max, dessen maßlose Eitelkeit ihn kein Glück so groß empfinden läßt, wie wenn er ein gekröntes Haupt bcxrüßen darf, verbot dagegen letzthin, entgegen seiner vorher j

gegebenesi Zusage, eine Kollekte zugunsten ter armen Kinder der Brüsseler katholischen Schulen, einzig aus dem Grunde, weil die sozial­demokratischen und liberalen Brüder sich eine solche Kollekte in den Brüsseler Straßen an dem Tage ver­beten hatten, ws^ste selbst für die religionsfeindlichen Schulen von Brüssel zu kollektteren sich Herausnah­men. (!) Ordensschwestern sind in Brüssel schon seit 2 Jahren aus der städtischen Krankenhauspslege ver­trieben und durch Laienpflegerinnen ersetzt. Zur Her­anbildung von derartigen Pflegerinnen hat man eine städtische Pflegerinnen-Ausbildungsanstalt geschaffen. Die Zöglinge dieser Anstalt waren, unter Führung der Vorsteherinnen als besondere Gruppe zur Enthüllung des Ferrerdenkmals erschienen und bekundeten auf diese Weise, wie sehr sie bereits vom Geiste Ferrees durchweht sind Ein erhebender Ausblick auf die zu­künftigen Zustande in den Brüsseler städtischen Kran­kenhäusern! Nicht minder intereffant war es, daß an der Denkmalsfeier des Hingerichteten Verbrechers ein Mitglied bet Brüsseler spanischen Ge­sandtschaft teilgmommen hat. Die Zustände in dieser Gesandtschaft müssen danach im höchsten Grade „spanisch" geworden sein. Die Gesandtschaft selbst, über diese unglaubliche Tatsache von einem Brüsseler Blatte befragt, wußte nichts anderes zu antworten, als daß sie bitte, Sie Sache in der Presse nicht zu besprechen!

[] Znm § 381 des Entwurfs eines BerfichernnsisAefetzesfürAngestellte.

Auf mehrfache Anfragen aus unserem Leserkreise inbezug auf die L eb e n sv e r f i ch e r u n g als Er- satzeinrichiung anstelle der kommenden Pensions- und Hinterbliebeneuversicherung für Privatangestellte möge folgende Darlegung die Antwort geben:

Nach der von der Kommission am 4. November angenommenen Fassung des § 381 des Gesetzent­wurfs können Angestellte, die am 15. Oktober d s. I s. bei öffentlichen oder privaten Lebensver­sicherungsunternehmungen versichert waren, auf ihren Antrag von der Beitragsleistung zu der fommenben Reichsversicherung befreit werden, wenn die Prämien beim Inkrafttreten des Gesetzes minde­stens den ihren Gehaltsverhältnissen entsprechenden gesetzlichen Beiträgen gleichkommt. Der Antrag auf Befreiung von der Beitragsleistung ist in der ersten Aufnahmekarte zu stellen. Der Arbeitgeber ist ver­pflichtet, den nach diesem Gesetz auf ihn entfallenden Beitragsanteil an die Reichsversicherungsanstalt ab­zuführen; dem Versicherten werden dafür die halben Leistungen dieses Gesetzes gewahrt.

Jeder Angestellte also, der am 15. Oktober be­reits bei einer Lebensversicherung versichert ist, braucht für die kommende Angestelltenversicherung keinen (Arbeitnehmer-) Beitrag zu bezahlen, wenn di« Jcchresprämie feiner Lebensversicherung mindestens so groß ist, wie der auf seine Gehaltsklasse treffende Angestelltenbeitrag zur Reichsversicherung, falls et entsprechenden Antrag hierzu stellt. Die Gehaltsklas- fen und die entsprechenden Prämien für den Ange­stellten (bie andere Hälfte zahlt der Arbeitgeber) sind A bis zu 550 Mk.: 9,60 Mk.; B bis zu 850 Mk.: 19,20 Mk.; C bis zu 1150 Mk.. 28,80 Mk.; D bis zu 1500 Mk.: 41,80 Mk.; E bis zu 2000 Mk.: 57,60 Mk.; F bis zu 2500 Mk.: 79,20 Mk.; G bis zu 3000 Mk.: 99,60 Mk.; H bis zu 4000 Mk.: 120.— Mk.; I bis zu 5000 Mk.; 159,60 Mk.

Die Datierung des Stichtags auf den 15. Oktober bedeutet gegenüber dem Regierungsentwurf, der alle bis zur V e r k ü n d u n g des Gesetzes abgeschlossenen Versicherungen als Ersatz zulassen wollte, eine er­hebliche zeitliche Einschränkung und birgt eine gewisse Härte in sich, da die im Vertrauen auf die Bestimmungen des Entwurfs bisher gestellten An­träge, die nicht schon vor dem 15. Oktober zu einem Abschluß führen konnten und deshalb nun nicht mehr als Ersatz gelten sollen, insbesondere durch die ärzt­liche Untersuchung große Kosten verursacht haben. Diese Aufwendungqn wären, wenn diese Versiche­rungen nicht als Ersatz gelten würden, alle umsonst gemacht und würden den Versicherungsgesellschaften, die Arztkosten zu einem erheblichen Teile aber auch den Antragstellern zur Lüft fallen. Um dies zu ver­meiden, sollte der Stichtag wenigstens um einige Wo­chen weiter gelegt werden-

Ledenrwende.

341 IKe inan von H o r ft iß ob ein er.

Die Dämmerung senkt sich auf die Erde, die Nebel steigen, der Südwind hat eingesetzt, die grauen Schleier werden hin- und heiz;eworfen. sie fallen gegen die leuchtenden Fensterscheiben des Löberdau- schcn Schlosses und rinnen die Scheiben herab. Vor der Freitreppe fährt das Sosguensche Gespann vor auf der Diele nimmt das junge Paar im Reisekostmn Abschied von Löverdcms und ihren Gästen.

Hans Heinrich als Reserveoffizier in der Uni­form dec brandenburgischen Kürassiere klopft feiner Schwester auf die Schulter.

„Also zur Eröffnung der Kunstausstellung- seid ihr aus Italien zurück!" Sie nickt ihm zu, ein glück­liches Lächeln um den Mrmd. — „Halloh, Erika geliebtes Weib, komm mal her! — Willst du denn nun nicht endlich uns allen kund und zu wissen tun toa-5 dein Gemälde eigentlich vorstellt?"

Der gute Hans Heinrich hat ein bischen reichlich ins Glas gesehen.

..Noch immer nicht, Manni! Die drei Wochen wirft du deine Neugier schon noch bezähmen können!"

„Jochem, zieh' Ada besser, ich hab' mein Kreuz mit meiner Frau!" 0

Der steht mit Löberdaus und Mereuths zusam­men, sie lachen.

„Run, nun, mir scheint, du kannst'- noch ganz leidlich tragen!" 0

„O ja — o ja!"

h^Und er zieht sein Weib an sich und küßt es Herz.

Drr kleine Trätow hat zwei Leuchter genommen sind laazr einen Ft^kelkanz.

. „Rimm dich in acht, du betropfst deinen naael- fieuen Frack!"

. „Er ist bezahlt, ausnahmsweise! — Eine kleine Dobclle bringt den Schaden wieder ein!" — Da PMvechselt er die Beine und liegt in seiner ganzen Dicht gerade stattlichen Länge auf dex Rase. Der

sehnige Mereuth hebt ihn einfach am Hosenboden hoch und stellt ihn wieder auf.

Löberdau aber reibt sich vergnügt die Hände. „Also, Herrschaften, macht, daß ihr nach der Bahn kommt, sonst verpaßt ihr den Anschluß und müßt Quartier im Goldenen Löwen in unserer lieben und getreuen Kreisstadt Osterburg nehmen! — Dank, Un­sinn, ’ne Freud- wa?s uns — und wenn Sie er­lauben, lieber Sosqu«i, geb ich alter Bär Ihrer hübsche» Frau noch ’nen Kuß aus die Wange! Wir leide waren doch immer dicke Freunde, nicht wahr, Adachen? — Also so — hm — und nun macht, daß ihr wegkommt!-"

Schleunigst empfiehlt sich das junge Paar.

„Mr Männer aber beben heute noch ’nen tüch­tigen Schoppen, beute ich!"

Zwar zieht Frau v- Laberdan die Süigenbrauen ärgerlich hoch, aber ihr Mann läßt sich nicht irre machen.

„Ach geh'. Alte, und knurre nicht! — .Ich lach' mich ja halbtot über den kleinen Trütow!"

Der hatte einen Ritterhelm aufs Haupt gedrückt und wollte eine Rede leben. Aber Hans Heinrich legte ihm schnell seine große 5>and auf den Mund. — Wer konnte wissen, welche Blüten die Pbantafie des kleinen Kerls zur Feier des heuttgen Tages trieb.

XXVIII.

„Um halb elf Uhr holen wir euch im Hotel Bri­stol ab!"

Hans Heinrich sagt's zu Sosquens, die am frühen Morgen aus Italien auf dem Anhalter Bahnhof an- gelornmen sind.

„Erika ist doch nicht krank?" fragt Ada besorgt.

„I wo! Sie wollte mit auf den Bahnhof kom­men, aber ich hab' ihr Stubenarrest gegeben, sie ist nämlich in einer heillosen Aufregung, weil doch heute die Große Berliner Kunstausstellung eröffnet wird! — Und denkt ihr vielleicht, ich habe erfahren, was eigenüich ihr Gemälde vorstellt? Keine Spur! Da­bei hat sie schon vorgestern den Katalog zugeschickt bekommen und — fallt nicht gegen die Wand — ihre Pinselei ist reproduziert worden! Ich hab' gleich

siebenundzwanzigtausend Eide schwören müssen, daß ich mir nicht hintenherum das Buch verschaffe!"

„Ada sieht ihren Bruder mit glänzenden Augen an.

„Wird bann wohl eine hervorragende Leistung fein!"

„Wollen wir hoffen, Schwesterchen!"

* * *

Ein schöner Apriltag! Vor der Kunstausstellung am Lehrter Bahnhof steht eine dichte Volksmenge! Droschken und Automobile fahren vor, die Spitzen der Behörden steigen aus und werden vom Vorstand der Ausstellung begrüßt. Alle Augenblicke zieht eine Kompagnie vom vierten Garde-Megiment zu Fuß vorüber, auf dem Rückwege vom Tempelhoser Felde. Das Publikum reckt die Hälse. Der Generalseldmac- schall v. Hahnke steht plaudernd mit dem Professor Kampf zusammen; er wird die Majestäten auf dem Rundgange führen. Der Oberbürgsrmeister ist In ein recht lebhaftes Gespräch mit dem Polizeipräsi­denten verwickelt, die große Gestalt des Grafen Hül- srn-Häseler neigt sich zu einer kleinen Hofdame her­ab, immer dichter wird der Kreis der Ehrengäste- Von den Türmen schlägt es elf.

Da ertönt die Huppe im Dreiklang! Die kaiser­lichen Automobile nahen, — sind da, halten. Ein Hurra erschüttert die Luft, die Musik spielt die Na­tionalhymne, das Kaiserpaar entsteigt dem Gefährt. Und Automobil auf Automobil rollt heran, die Prin- zm und Prinzessinnen des königlichen Hauses fah­ren vor.

Eine kurze Ansprache des Vorsitzenden, ein Hoch auf das Kaiserpaar. Seine Majestät erklärt die Ausstellung für eröffnet Der Rundgang beginnt, nicht im Eiltempo, kein Blld, auf welches die Aller­höchsten Herrschaften nicht einen Blick werfen, und diejenigen, die ihnen besonders auffallen, werden einer Kritik unterzogen, der Vorsitzende muß im­stande fein, genaue Ausstmft zu geben.

Im dritten Saale bleibt der Kaiser vor einem maßen Gemälde stehen. Ein Wqib mit gelöstem, braunem Haar, durch das sich die ersten Silberfäden

ziehen, in dunklem Gewände, legt einem vorwärts- stürmenden, germanischen Jüngling die rechte Hand auf die Faust, die das Schwert aus der Scheide reißen will. Und zur Linken steht ein blondes, beut’ 1^8 Mädchen, sieht bittend auf zu der Frau mii besn bleichen Gesicht, und den großen, geradeaus­blickenden, dunklen Augen und hält den schlaff her- unterhängenden, linken Arm der ernsten Gestalt, die in abgeklärter Ruhe dasteht, umfaßt.

„Wie ergreifend", sagte die Kaiserin zu ihrem hohen Gemahl.

„Ausgezeichnet! Wie heißt das Gemälde, Herr Professor?"

„Gerechtigkeit, Majestät!"

Wohl eine halbe Minute steht das Kaiserpaar schweigend vor dem Bilde.

„Wie heißt der Maler?"

„Eine junge Dame Hai es gemalt, — Frau v. Hakburg, Majestät!"

„Das ist ja eine Glanzleistung!"

„Und jung ist sie noch?" fragte die Kaiserin-

„Majestät, ich taxiere allerhöchstens dreiundzwan­zig Jahre!"

Der Kaiser lacht.

„5)a_ wird uns der Leutnant v. Hakburg wohl Auskunft geben können, er ist ja hier! — Hakburg!"

Aus dem Gefolge tritt Manfred vor.

„Majestät!"

„Sind Sie näher verwandt mit einer Frau v. Hakburg, die dieses Bild hier gemalt hat?"

„Zu Befehl' — Die Frau meines Vetters!"

„Wo lebt sie?"

„Hier in Berlin, Majestät!"

„Wird wohl heute in der Nähe sein!"

„Jawohl, ich habe vorhin Fran v. Hakburg be­grüßt", sagt Professor Kampf.

„Führen Sie Ihre Cousine zu mir, Hakburg l" „Zu Befehl, Majestät!"

Mit rotem Kopfe verschwindet Manfted in bet Menge.

Das Kaiserpaar setzte den Rundgang fort, (Fortsetzung folgt.)