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M 258.

Zreltaz |0. November (9H

58. Zaqrgang.

« fuldaer W Leitung «

2. Blatt.

»<■4 und Verlag der 5«ldaer LetlendNKkerei in $xlbe.

**

Dann

Auf die Güte unserer Sache allein dürfen wir uns nicht mehr verlassen. Wir müssen uns Mühe geben, unser Volk auch von der Güte dieser Sache mit triftigen Grüirden zu Überzeugen, und ihm die nötigen Waffen zum geistigen Kampfe mit dem Gegner an die Hand geben. Der Erfolg wird dann nicht ausbleiben!

und nach ihren Vertrauensmännern in die Hand zu geben zu eifrigem Studium. Keine 8er- sammlung sollte man abhalten, ohne derartige Schrif­ten zu besprechen und den Besuchern anzubieten. Außerdem müssen stch Mittel beschaffen lassen, um die angezeigten Broschüren überhaupt unter die Volls- nurssen kostenlos zu verteilen, vor allem an die Kreise, die von unseren sonstigen sozialen und apolo­getischen Veranstaltungen mcht erfaßt werden. Für wenig Geld kann dieses Material Tausenden von Familien zugänglich gemacht werden, die sonst der sitzialdemokrattschen politischen und antireligiösen Verhetzung ohne Widerspruch ausgesetzt find. Die gebildeten und besitzenden Kreiso unserer Bevölke­rung dürsten e» gegenwärtig als eine heilige Pflicht betrachten, nach besten Kräften zu einer solchen Auf­klärung deS Volkes beizutragen. ES handelt sich da­bei um eine wahchast zeitgemäße, moderne charitative Betätigung und um VoÜZbildung im praktischsten Sinne. Man bedenke, daß allein im Jahre 1910 für 60 Millionen Mark Schundliteratur unter das deut­sche Voll verbreitet worden ist! Bei dem Mangel an einer eigentlichen Kolporrage auf unserer Seite wer­den die sozialen und kirchlichen Vereine, die Ge­schäftsführer des Volksvereins und andere Instanzen gerne bereit sein, Gelder zum Zweck der Gratisver­breitung obiger und ähnlicher Schriften anzunehmen und zu verwerten.

großen Städten kann er der Nachfrage nicht ge­nügen. Das ist ein erfreulicher Beweis, wie stch die junge Arbeiterschaft jetzt selbst mit aller Kraft aus dem Mißstand des SchlffsteÜenwesens heraussehnt, wenn ihr Besseres geboten wird. Um so dringender wäre zu wünschen, daß die darauf gerichkclen Be­strebungen des GesellenvcreinS überall Verständnis und tatkräftige Unterstützung finden möchten. Bei der Beschaffung der oft recht erheblichen Bau« kapstalien für die Gesellenbospitien Halle sich der Gesellenverein in vielen Fällen deS dankenswerten Entgegenkommens der Landesversicherungs­anstalten sowie weitblickender Förderung dieser seiner Arbeiten im Dienste der Wohnungsfürsorge seitens des ReichsversicherungsawteS in Berlin zu erfreuen.

volkswirtschaftliches und Sozialer.

-L DaS katholische Gsselleuhospitium im Dienste der WohnungSfürsorge. In weiteren Kreisen haben bisher die Erfolge, die auf dem Gebiete der Woh nungsfürsorge für die Ledigen in den letzten Jahren der katholische Gesellenverein mit seinen Hospitien erzielt hat, noch viel zu wenig Beachtung gesunden. Und doch handelt es stch hier um ein Stück sozialer Arbeit, das allgemeine Aufmerksamkeit verdient. Der Verband der kathol. Gesellenvereine verfügt jetzt über fast 400 eigene Häul'er. Man kennt ihre Bestimmung als Heim für die llnterrichts- kurse, die Kassen und die Versammlungen des Vereins. Man kennt auch ihre sckon durch mehr als 60 Jahre hindurch fortgesetzte Tätigkeit in der Beherbergung wandernder Handwerksgesellen. Im Jahre 1910 wurden in 96 068 Fällen durch­reisenden Gesellen Nachtquartier und Verpflegung unentgeltlich mit einem Kostenauswande von 70 105 Mk. gewährt. Viel zu wenig aber weiß eine größere Oeffentlichkeit davon, was dasselbe Gesellenhospitium fest einigen Jahren als Ledigen­heim für dauernd am Orte arbeitende jugendliche Gesellen leistet. Die drei Hospitien in Köln z. B. haben 625, Düsseldorf 420 Betten, Neuß 80, Alteneflen 96, Berlin 185 Betten usw. Heute haben in den katholischen Gesellenhospitien als Ledigen­heime insgefamt 5480 Handwerksgesellen dauernd Wohnung genommen. Damit nimmt der kathol. Gesellrnverein in der Wohnungsfürsorge für Ledige unter allen ähnlichen öffentlichen und privaten Ver­anstaltungen weitaus die erste Stelle ein. In

Nach verschtedenen Blättermeldungen will Deutsch­land die beiden genannten spanischen Kolonien kau­fen. Rio Muni, auch spanisch Guinea ge­nannt, ein kleines am Ozean gelegenes Gebiet, grenzt im Norden an Kamerun und ist im Südm und Osten ganz von der französischen Kongokolonie eingeschlossen. Zu dem Gebiet gehören einige kleine Jn/seln, die wegen ihres verhältnismäßig guten Klimas von Eu­ropäern als Aufenthaltsort bevorzugt werden. Die Haupterzeugnisse des Landes sind Kautschuk und Palmfrüchte. Der Handel liegt größtenteils in deut­schen Händen. Die Jnsck Fernando Po liegt Kamerun gegenüber und besitzt ein sehr ungesundes Klima, ist aber sehr fruchtbar. Außer Mais, Reis, Bananen, Mamok-Dams, werden in Plantagen auch Kaffee, Kakao, Baumwolle, Chinannde, Indigo und Tabak gebaut. Deutschland hatte 1882 das Recht er­worben, dort eine Kohlenstation anzulegen, hat aber nie davon Gebrauch gemacht. Rio Munt und Fer­nando Po haben zusammen eine Bevölkerungszahl von etwa 140000 Köpfen, darunter etwa tausend Weiße- — Von Madrid aus wird bestritten daß an der Meldung etwas Wahres sei, sie ist auch nicht wahrscheinlich, da beide Kolonien verhältnismäßig nahe bei Spanien liegen und dieses kein Interesse habe, sie aufzugeben. Auch würde der spanische Nationalstolz diesen Verkauf kaum zugeben.

* Eine dunkle Geschichte. Bekannt ist, daß der sozialdemokratische Metallarbeiterverband im Jahre 1904 von den Unternehmern des bayerischen Goldschlägergewerbes 6000 Mk. ge» schenkt bekommen hat. Nun behauptet der .Re­gulator", das Organ des Hirsch-Dunckerschen Metall­arbeiterverbandes, in seiner Nr. 42 (1911), daß der rote Verband nicht 6000 Mk., sondern 71000 Mk. von den Arbeitgebern als Geschenk bekom­men habe. Die Unterlagen für diese Behauptung will der „Regulator" im Besitze haben. Der rote Verband wird nicht umhin können, zu der Behaup­tung des Hirsch-Dunckerschen Organs Stellung zu nehmen.

* Charakteristisch für die Einschätzung der Katho­liken in der Ostmark ist eine Stellenausschreibung des Magistrats der Kreisstadt Wirsttz in Posen. Es wird ein Schulletter und ein Mittelschullehrer für die städtische Mittelschule gesucht. Kategorisch heißt es: Der Schulletter muß evangelisch, der Mittel-

schullehrer kacholisch sein. Also die Katholiken kom- men unter allen Umständen erst an zweiter Stelle, auch wenn sie die Mehrheit der Bevölkerung auS- machm! Denn 1905 zählte die Stadt 802 Katho- lifcn, 650 Evangelische und 80 Juden. Dabei wird für den Schulleiter keine höhere Befähigung verlangt. ES heißt ausdrücklich, daß das Rektorexamen nicht unbedingt erforderlich sei. Wie nun, wenn z. B. ein katholischer Bewerber besser befähigt wäre, als die evangelischen Bewerber? — Wo wäre je umgekehrt so etwas möglich? Welcher Lärm würde da in der gesamten liberalen Presse sich erheben? Und gewiß würde sich auch die Regierung des Falles liebevoll annehmen und die Entziehung des Staatszufchusses usw. tn Aussicht stellen.

Arwed Hakburg küßte seines Bruders Tochter auf die Stirne, winkte mit der Hand, drehte sich um und verließ das Zimmer, die beiden sollten nicht sehen, daß er heulte, wie ein fünffähriges Kind, dem man etwas wegnahm, an dem sein Herz gehangen.

Da senkte Ada v. Sosquen dar stolze Haupt mll dem langen Schleier, ein paar Tränen rannen an ihm herunter, und ließ sich von ihrem Mann an den Wagen führen. —

Und während ste einstiegm, standen die GutSleute auf dem Hof, die Männer zogen die Mützen, die Weiber stießen sich an, und alle sperrten dm Mund auf. Es war ein trauriger Abschied.

Die Pferde griffen aus. Ada legte sich in die Polster zurück und schloß die Augen. Sosquen griff nach ihrer Hand. .

„Laß dir den hartm Abschied nicht zu nahe gehen, Liebling!"

Sie versuchte zu lächeln.

„Nun hab' ich nur noch dich, Jochem!"

„Und Hans Heinrich! Wir muffen den Alten be­weisen, daß wir in unseren Tagen auch das Leben meistern können — wenn es auch viel komplizierter gewordm ist! Alte Schranken, an denen gerade un­sere Streife gehangen, fallen, und tont« wir nicht tapfer unfern Platz in dieser neuen Welt verteidigen, «erden wir zu Bodm getreten! Schlagworte gab es immer, man darf sich von ihnm nicht blmden laffen, ein fester Ziel vor Äugen, muß man feine Straße wandern.

Schone dm, der wehrlos fleht

Haue dm, der widerfteht!"

„Das meinst du doch nicht im Ernste?"

„Liebe Ada, ja und nein! Wer sich nicht mit Ge­walt durchsetzt, kommt nicht vorwärts! Aber man bumcht deshalb nicht über Leichen zu gehen!"

Sie preßt die Lippen zusammm und schweigt- Aber, ihre Gedarcken werdm scharf. Hat Jochem alle Htsssmittel erschöpft, um ein erträgliches Ver­hältnis zu Onkel Arwed herzustellen? fragt sie sich und sie muß zugebm, — wider Willm: Nein! Er hatte ihm, wie dm andern, seine eiferne Stirn ge­zeigt, und doch, und doch — immer erst, nachdem er

veiitsches Reich.

Ankauf von Rio Muni und Fernando Po?

Lebenswen-e.

531 Roman von Horst B ödem er. Trütow wohnte tzm Empfange bei.

■ ihren Widerspruch herausgesock t und wenn sie sich 1 in den Köder, dm er ihnen mu ein paar schroffen : Worten geschickt htngeworsen, verbissm hatten, dann i war er mit einer lässigen Handbewegung dazwischen gefahrm and hatte ste davongescheucht Er war Sie­ger gebliebm! Und von Zeit zu Zeit zeigte er ein edelmütiges Herz! HanS Heinrichs hatte er sich an­genommen, TrütowS, der kleinen Leute im Kreise, nuht in plump verttaulicher Wesse, von oben herab, und gerade daS war seine Stacke gewesen. Sein An­hang wuchs rapid in der letztm Zett, und die Feinde toagten nicht, ihn anzugreifen; benn Joachim Franz v. Sosquen war ein großzügiger, listenreicher Führer, der die Gegner teilte und niederschlug mit ein paar Worten, einer Handbewegung, und doch ihnen gol­dene Brückm baut«, die nach seinem Lager führten. »Und ob in seinem Heere nicht mancher diente, der schnell zum Verräter werdm konnte, war ihr doch recht Kveifelhast. Aber gerade dieser tntenfftie stille Kampf, in den er seine Braut in der letztm Zeit dann und wann mit ein paar Worten hatte blicken lassen, machte ihr den Verlobten lieb unb weck. In ihren Adem hätte kein ttotziges Junkerblut fließen muffen, wenn sie an diesem zähm Streite hinter den Kulissen leinen Gefallen gefunden.

Ein Schauer lies durch ihren Lckb, ihr Obeckör- per reckte sich auf, mit glänzenden Augen sah sie den Mann ihrer Wahl an.

„Jochem, eine Bitte, bevor wir zum Altäre treten!"

„Run?"

„Laß mich stets an deinen Freuden, deinen Sor­gen, deinen Plänm teilnohmen, ich will mit dir kämpfen Schulter an Schulter, und — ich kann ver­schwiegen sein."

Lächelnd sieht er sie an, tief atmet er auf.

„Jetzt erst weiß ich, daß keine andere zu meinem Weib« besser paßt als du! Und wenn's möglich rechte, bett’ ich dich nun noch einmal so lieb!"

„Ist das wahr, Jochem?"

.HE ich sonst um dich sechs Jahre gefreit, Ada?" Da schlägt sie den Schicker zurück und sucht seine Lippen.

(Borffetung folgt)

Ausland.

* Wechsel im englischen Unterrichtsministerium. Der Unterckchisminister Runciman im englischen Kabinett ist durch Pease erfefct worden- Es han­delt sich nicht nur um einen Personen-, sondern um einen Systemwechsel. Unter Runciman und seinem Vorgänger Birrell hatte sich eine einseitige Bevor­zugung der Nonkonformisten (Religiös-Liberalm) herausgebildck, die ebenso ungerecht war tote die ein­seitige Bevorzugung der Staatskirchler unter dem untonistischen Regime. Die Katholikm verlangen katholische Schulen mtt katholischm Lehrern unter ka­tholischer Kontrolle, aber die Birrell und Runciman ließm sie für Schulm mit einer Art „Normalreli-

wcd Hakburgs Sinn zu ändern. Aber er holte sich eine schroffe Absage.

Dann fand ckn Frühstück statt, der Onkel gab sck- ner Nichte in dürftigm ®orten seine besten Wünsche mit auf ihren neuen Lebensweg, und dann hatten die beiden Trauzeugen mtt Sosquen sehr schnell Möh­ringen wieder verlassen, der alte Hakburg sich in sei­nem Zimmer eingeschlossen.

Und die junge Frau hatte in ihrem bereits halb ausgeraumtm Boudoir gssessm unb geweint. Sie begriff ihren Onkel nicht! Gegen sie war er immer io gut gewesen — bis zu ihrer Verlobung, nun zeigte "°uch ihr feine harte Hand. Für ihn gab es kckn Paktieren! „Bis hierher und nicht weiter", pflegte er zu sagen. „Die Jugend von heute fühlt anders, als ich alterJRann, und wenn sich andere in die neue Zeit schicken können, fo werden sie vielleicht gut daran tun - ich kann es nicht! Nur hoffen will ich es kommt alles besser, als ich fürchte, dann will ich gern zugcben, daß ich alter Esel mich getäuscht habe!" _ Shm blieb für das junge Paar vorläufig das letzte in diesem Hause zu tun, Abschied zu nehmen von Arwed Hakburg.

„Komm, Ada, es wird höchste Zett."

Arm in Arm waren ste vor ihn hingettcken — ein schönes Paar!

„Also nochmals Gottes Segen auf euren ferneren Lebensweg!"

Die Braut schluchzte, Sosquen sah Hakburg fest in die Augen-

„Ich habe zu danken, daß Sie Ihre Hände bis­her über mein junge? Weib gehalten!"

Hakburg schlug abwchrend mit der Faust durch die Lust.

„Beweisen Sie durch Ihre Taten, daß Sie an ber Seite AdaS in Ihrem großen Pflichtkreis Genüge fmben. Erst wer den Verlust zu würdigen weiß, kann ermessen, was ein braves Wckb einem Manne toert ist! Vom häuslichen Herd kommt die Zufckeden- hett — wenigstens auf die Dauer, glauben Sie mir

He" b- Sosquen. Das ist der beste Rat, ben Ihnen auf den Lebensweg mitgeben kann!" Und er hatte die Hakm zusammengeschlagen, daß die Sporen Girrten, sich verneigt unb geschwiegen.

Aus dem Nachbargebiete.

(*♦) WeyherS, 9. Nov. 1911. Man teilt uns mit: In der letztm Woche ist der Umgebungsschmuck der hiefigm LourdeS-Grotte, die im Jahre 1898 in Gegenwart von 8 auswärtigen geistlichen Herren und zahlreichen Andächtigm eingeweiht wurde, schwer beschädigt worden. Frevelhafte Hände haben von den viel bewunderten Cypressen, die rechts und links von der Grotte angepflanzt waren und so eine Schlucht bildeten, zahlreiche Aelle abgerissen, so daß die Gewächse höchstwahrscheinlich verdorren werden. Koniferen schlagen nämlich, wenn sie ihrer Aeste beraubt sind, nicht wieder aus. Auch die Berbe­ritzen (Berberis vulgaris) wurden ihrer schönen roten Früchte und Veste beraubt. Es ist sehr bedauerlich, daß die Zerstörungswut nicht vor einem so lieblichenHeiligtumHalt gemacht hat, w!e dieWeyherser Lourdes-Grotte es ist. Die Grotte, deren Herrich­tung Kosten von über 1000 Mark verursachte, die zum größten Tefl von Gutlätern bestritten wurden, hatte u. a. den großen Beifall der F^an Landgräfin von Hessen gesunden, die wiederholt an dieser Stätte geweilt hat.

* Vom Vogelsberg, 9- Nov. 1911. Im Vogels­berg sind bereits die Großhändler auf der Suche nach den E h r i st b ä u m e n, mit denen ber Chckstbaum- markt in Franksuck, Wiesbaden usw. befahren werden soll. Für zehn- bis zwölfjähckge Bäume werden 35 bis 45 Mark, für acht- bis neunjährige 30—35 Mack für das Hundert an Ort unb Stelle bezahlt. Der beträchtliche Transport vom Wald nach dm Städten kommt noch hinzu. Die Trockmhett im vergangenen Sommer hat den jungen Tannen- und Fichtenstämmen zugesetzt, besonders da, wo sandiger und stckniger Bo­den vorherrscht. Ein Beweis, daß die Anpflanzung dicker Nadelholzack nicht auf jedem Boden ange­bracht ist.

(+) Brückenau, 8. Nov. 1911. Ein Opfer der Bürgermeisterwahl wurde ein Einwohner von Oberleichtersdach. Durch die Agitation für die bevorstehende Bürgermeisterwahi war der Mann, welcher vor zwei Jahren eine schwere Kopskraniheit durchgemacht hatte, derart erregt worden, daß er sich in der Nacht vom Montag auf Dienstag heim­lich aus dem Hause entfernte und Dienstag mittag in der Nähe der Brauerei Ginraffshof in einem kleinen Fichteribestande erhängte.

* Vom Westerwald, 9 Nov. 1911. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag landete zwischen Donis- bach unb Büdingen ein französis ch er Luft­ballon, der am Samstag in Paris aufgestiegen war. Der Ballon wurde von dem Sturme über die Grenze getrieben. Trotz des stürmischen Wetters ge­lang es den Insassen, dm Ballon noch kurz vor Anfang des Waldes zu Berßen. Die Passagiere, die keine Ahnung batten, in welcher Gegend sie stch befanden, wartetm im Felde ben kommenden Morgen ab und brachten bann mtt Unterstützung von Einwohnern m s Bübingm den Ballon nach Station Erbach, von No er nach Paris zurücktransportiert wurde.

* Mainz, 9. Nov. 1911. Die Auflassung des Restes der Mainzer FestungSumwal- lang wird durch eine allerhöchste Kabinettsorder zur Kenntnis der Armee gebracht. Das Kriogsmi- nffterium hat auf Grund dieser Order die Auflassung der Umwallung von Kavalier Georg bis zum Ka­valier Hauptstein bis zum 15. d. M. und den Resti von Kavalier Haupsstein bis zum Mombacher Tor bis zum 31. März 1912 verfügt. In nicht zu ferner

wurde gemeinschaftlich gefrühstüvr. Und als die Deputation wieder weg war, lag ein Lächeln um Sosquens Mund.

„Hören Sie mal, sehr — sagen wir mal — „ent­gegenkommend" sind Sie gerade nicht gewesen!"

„Gewiß nicht, lieber Trütow! Wie man mit den emien hier umgeben muß, kann ich besser beurteilen te Sie! Ich habe mit einem Schlage zehn tüchtige Agitatoren für meine Sache gewonnen und — mir freie Hand Vorbehalten. Und trotzdem sind die Herren zehr sufrteben von mir geschieden."

„Ein Mordskerl sind Sie, Sosquen!" Der zuckt die Achseln und lacht.

XXVII.

. Ein geschlossener Wagm hält vor der Frettreppe «s Möhringer Herrenhauses. Sosquen in der Pa­radeuniform der Brandenburgischen Küraffiere ent- E'8 |9m. Als er die geräumige Diele betrat, kam Brauttoilette, die Schleppe über dem Arm, t, i m ■ 'm blonden Haar, die Treppe tzerab. Beide Hände streckte ihr der Bräutigam ent- -egen.

„Meine liebe, herzige Braut!"

EiN-Lächckn lag um ihren Mund, ein fast schmerz-

,, Sr?eb Hakburg in seiner eigen-

» 2 mMb9äte^er ?ic Ziviltrauung vollzogen.

Kasch waren die Formalitäten erledigt, das Proto- M unterschrieben. Joachim Franz v. Sosquen — .Adele Mechthild v. Sosquen. Als Zeugen hatten Frau v. Mereuch und der alte Löberdau dabei ge­sessen. Sosquens einzige nähere Verwandte, seine Schwester, war an einen deutschen Botschaftsrat tn Beran verheiratet, sie hatte die weite Reise nicht

den wollen, weil die Unruhen ihren Mann Kvan- auf scknem Postm zu bleiben. —

Und noch einmal versuchte Herr v. Löberdau, Sfr»

L 1- ._

jg< Abwehr der sozmlserrrokratischerr Hetze

Wie arbeiten wir ber Flut soz ia ld emokr a- tischer Flugblart- und Broschüren lit e» Vatur entgegen? Diese Frage HÄ 3« ®tunbe .hochaktuelle Bedeutung. Dw feit 1905 gesoffene Neuorganisation der fozialdemokrattschen Partei tritt anläßlich ber Wahlkämpfe zum erstenmal mit ihrer ganzen a g i t a t o r! sch en M a ch t s u l l e in bie Erscheinung. „

Rechnet man zu den Geldern des Sozialdemokra- Ifchen Vereins noch die Summen, welche in ver­wandten und der Sozialdemokratie befreunbeten Or­ganisationen für die Werbearbeit der Sozialdrmokra- tie zusammcngebracht werden, so stehen heute min- d estesiS 6 Millionen Mark pro Jahr ber Sozialdemokratie für ihre revolutionäre Wühlerei und Hetzarbeii zur Verfügung. Spezialbüros be­schäftigen sich mit ber Bedienung der Presse, mit der Anstellung von Flugblättern, mit der Bearbeitung einzelner Bezttke, und eine Menge von Ange- stellten dient lediglich der Agitation. Auf diese Art werden die Wähler der bürgerlichen Parteien allwöchentlich und manchmal noch öfter mit sozial­demokratischen Flugblättern überschüttet. Auch nach ber religiösen Seite wird in diesen Flugblättern nicht geringe Verwirrung angerichtet. Selbst in Be- .zicken, in denen bie katholische Presse gut verbreitet ist, kommt diese doch nur in die Wohnungen eines Bruchteils der katholischen Bevölkerung. Die Hefte ,des Volksvereins erscheinen nur sechsmal im Jahre und gehen nur an Mitglieder des Vereins. Den Flugblättern der Sozialdemokratie kann der Volks­verein schon allein aus Geldmangel nicht die gleiche Zahl von Abwehrflugblättem cnigegenstellen, ganz /Ibgesehen davon, daß ber Abwehrkampf allein nicht genügt unb daß die Flugblätter des Volksvereins mch nicht die lokale Färbung erhalten können, welche «ie Sozialdemokratie dank ihrer weit umfangreichen Nittel ihren Flugblättern zu geben vermag. Auch ,tn der Veranstaltung von Versammlungen kommt der letztem ihre Finanzkraft und die Menge ihrer ange- stellten Veamren zugute.

Was kann da helfen? Letzt«! Endes nur eine intensive apologetische, soziale und wirtschaftliche Schulung der Volksmasscn in Stadt und Land, die unsere Kreise gefeit macht auch gegen bie tollsten so­zialdemokratischen Angriffe. Aber die ist nicht von heute auf morgen zu tätigen. Es erhebt sich also die Frage, wie können wir uns im Augenblick hel­fen? Dazu hier nur ein Vorschlag: Außer den Flunblättern hat der Volksvcrcin für das katholische Deutschland eine Menge von populären Dolksschrif- ten herausoegeben, das Stück zu 5 Pfg., die einschlä­gige Fragen behandeln. Es kommen in Betracht vornehmlich die Apologetische 15.ib Soziale Volks-» btbliothek.

Wir nennen aus der apologetischen: Nr. 8: DaS Frcidenkertum unb sein Glaubensbekenntnis, Nr. 11: Gibt es eine Moral ohne Gott? Nr. 12: Die reli­gionslose Moral ein Ersatz der religiösen Moral? Nr. 13: Die christliche Sittenlehre eine Feindin der Kulturarbeil? Nr. 15: Die angebliche Entstehung des Christentums Nr. 24: Katholische Kirche und moderne Kultur usw. Von bedeutendem Wert sind gegenwärtig im Abwehrkampfe gegen die Sozialdemokratie, die be­kanntlich auf dem Umwege über wirtschaftliche und so­ziale Kämpfe das Volk auch der Religion und Kirche zu entfremden bestrebt ist, folgende Nummern der So­zialen Bolksbibilimhek: Nr. 3: Das sozialdemokratische Steuerprogramm, Nr. 4: Reichsfinanzen und Volks- reohl, Nr. 5: Die Fleischteuerung, ihre Ursachen und Mittel zur Abhilfe, Nr. 6: Das wahre Gesicht der freien sozialdemokratischeu Gewerkschaften, Nr. 7: So­zialdemokratische Selbstbeleuchtung des Satzes: Reli­gion ist Privatsache, Nr. 8: Freiheit, Gleichheit, Brü- oerlichkeit in der Sozialdemokratie, Nr. 9: Deutsche Finanz- und Steuergeschichte, Nr. 10: Die deutschen öteichsfinanzcn, Rr. 26: Wie hält cs die Sozialdemo­kratie mit dem Bauernstand? Nr. 27: Das sozialde­mokratische Landprogramm, (die beiden letzteren be­sonders geeignet für die Landbevölkerung) Nr. 29: Der Bankrott des „wissenschaftlichen" Sozialismus, Nr. 31: Die radikale Republik, das Ideal der Sozial­demokratie, Nr. 32: Sozialdemokratie und Handels­politik, ,Nr. 34: Ist rrnsere deutsche Wirtschaftspolitik „agrarisch"? (Nr. 32 und 34 kommen in Betracht ge» gen über den sozialdemokratischen Angriffen auf unsere Wirtschaftspolitik.)

Unsere sozialen Vereinigungen aller Art sollten es sich angelegen sein laffen, diese Literatur nach '

gion" bezahlen, die nur non ben LiberahAnglikanern beschickt werden konnten, und wenn sie kacholische f Schulen haben wollten, mutzten ste selber die Lasten tragen. Pease soll eine gerechte, freie Schulpolttik einschlagen wollen, die allen Bekenntnissen unbefan­gen gegenübersteht.

♦ „Antiklerikale" Gewalttaten in Portugal. Am 1. November wurde in Lissabon der Geisüiche Don Marcellino Reis das Opfer einer frivolen Mordtat. Einige Unterfange feuerten aus einem Fenster auf ihn und brachten ihm eine tödliche Ver­letzung am Unterleib bei. Von den Verbrechern hat man natürlich keine Spur. Der Geistliche war in bürgerlicher Kleidung gegangen, aber auch das hatte ihn nicht vor dem blinden Haß des antiklerikalen Pöbels geschützt- — Der Erzbischof von Goa, der sein Diözckanblatt entgegen dem Verbote des Gou­verneurs wieder erscheint, ließ, wurde mtt einer Geldstrafe von 1000 Milreis belegt. Das Matt wurde neuerdings unterdrückt.