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Ausland.

brach aiMjefiinbigt, bah die 6 ß ,, <■ mn-, rsfeÄ ai e @S'e"««to °iÄu»u« U wurde, enthält das Amtsblatt k em W ort von ihm. Als Grund dafür wird angegeben, daß die Wer öffeniltchung aus Pietät gegen den ehemaligen 'Kriegsminister, dcn verstorbmen Gennal Brun nicht erfolge, der sich nach dem Bericht schwere Unterlas­sungen habe zuschulden kommen lassen. Rach andern Erkundigung^ will die Regierung vorläufig ben Skand al vermeiden, der durch die Verüfsmt- lichung des Berichts Gaudins ausbrechm wurde. Viel- Parlamentarier sollen darin verw^kelt sein. Die Untersuchung hat auch disz.pllnansche Folgen achabt. Der Generalinspektor der Puloerbiechte, General Berard, tvird in den Ruhestand versetzt. Der Erfinder der U-Pulver, Vieille, nimmt seme Stel- luna ein, verliert aber die Direktion des Pulvw- lnbö'atoriums. Die Ingenieure Louppe und Maisstn llnd versetzt und kommen vor einen UntersuchunErat. Außerdem werden im Pulverdienst einige zehn Direk- toren varsetzi. — Die ftanzöstsck/e .Kriegsflotte hat die Ausschiffung des alten Pulvers jetzt vollendet, so daß sich an Bord kein Pulver mehr befindet, das nach den Aufzeichnungen älter als vier Jahre ist

** Gin katholischer Wahlsieg. Im Pariser Wahlkreise Batignolles wurde, wie schon berichtet, der Katholik Denais zum Abgeordneten gewählt. Die Blockpresse verschwieg die Bedeutung dieser Wahl, die den Sieg für den Katholiken gleich im ersten Wahlgang mit einer Mehrheit von 2000 Stim­men über den Blockkandidaten brachte, statt des er­warteten -mühsan'i n Sieges im zweiten Wahlgang mit einigen hundert Stimmen Mehrheit, tote früher. Denais gibt als Ursache dieses überraschenden Fort- schrittes der katholischen Sache in der Landeshaupt­stadt an, daß er vor allem sozial sich betätigt und die kleinen Leute sich zu Freunden gemacht habe. Er habe das offen als Katholik getan, und die Arbeiter hät­ten ihn sogleich als solcheir geschäht. Gerade in den Bezirken, wo die Arbetter das Heft in den Händen hätten, habe man ihn allen anderen Kandidaten vor- gezogen. Der Zusammenbruch der radikal-sozialisti­schen und unabhängig sozialistischen Partei unter die­sen Wählermassen sei unverkennbar. Der Augenblick für die Organisation der sozialen Aktion in Frank­reich unter katholischer Führung sei äußerst günsttg, die Arbeiter llnd der roten Tyrannei müde.

** Im bosnischen Landtag ist wegen eines S p r a- Benftr eit3 eine Krise auSgebrochen. Die . erben versuchten, die Mohammedaner, welche sie den Kroaten angeschlossen haben, dadurch zu gewinnen, Krß sie beschlossen, auf den Straßcntafeln türkische Httschriften anzubringen. Der Beschluß hat aber keine Aussicht, vom Plenum angenommen zu werd-.n, wor­auf die Krise entstanden ist.

dem Nochbargebttte.

“ Aus der bayerischen Rhön, 8. Nov. 1911. Nach­dem die Maui und Klauenseuche nunmehr auch in Heustreu ausgebrochen ist, wurden die Schweine- märlie in Neustadt bis ans weiicLes verboten. Selbswerständlich bleibt bezüglich dec Riudviehmärkte das schon feit längerer Zeit bestehende Verbot aus­recht. — Der neuerbauie Sprudel bei Kleinbrach soll schon in nächster Saison in Bad K issingen mit in Verwendung kommen und dadurch die Abgabe »ou täglich weiteren zirka 1000 Bädern ermöglicht werden. Das Gemeindekollegium sprach ben Wunsch aus, daß der Saisonbeginit bereits am 1. April erfolge.

Ostheim v d. Rhön, 9. Nov. 1911. Die ver­storbene Frau Konsul Bätsch Hai der Gemeinde Ost- heim 3500 Mark für Schul zwecke hinierlaffen.

* Herleshausen, 9. Roo. E n h er m: vei o c leg 11113 von Kabeln der cleltrischen Lo tung beschäs- tigtcr Monteur aus Thüringen wurde von einem anscheinend geisteskranken >l anne a:r c■ prüfen. Der Monteur konnte sich ditr'n einen

M 25Z.

»eimerslag ». liootmiier >4U

58. rahrgang.

«fuldaer W Zeitung

l. biatt.

Vn»ck «nd Verlag der Xuldaer Artiendruckeret in Selbe.

Sprung in ben zurzeit hoch angeschwollenen Bach retten. Derselbe Mann soll auch schon andere Per» fonen anaeariffln Haden, u. a. auch einen Briefträger. ' * Ostheim, Kr. Meis., 8. Nov. 1911. 30 Ar. beiter aus Italien, welche in den hiesigen Stein, brüchen in Arbeit standen, sind gestern infolge Ein­berufung zur Armee nach Italien zurückgereist. Es herrscht deshalb andieser Stelle Arbeitermangel.

Amt Geisa und Umgebung.

» Geisa, 9. Nov. 1911. Nach mehr als 40jähriger Tätigkeit gedenkt Herr Rektor Trabert mit dem 1. Januar 1912 in den wohlverdienten Ruhestand zu treten.

* Vacha, 8. Nov. 1911. Der Müller Blaurock in Sünna hatte gegen die Stadt Vacha und die Ge­meinde Sünna Entschädigungsansprüche wegen Wasserentziehung in Höhe von 4500 Mark erhoben, will sich aber damit zufrieden ge­ben, wenn ihm Vacha 3265 Mark und Sünna 835 Mk. für den Einbau einer Turbine bezahlen. In der letz- ten Versammlung der Gemeindevertreter dahier hielt man die Ansprüche des Müllers als jeder rechtlichen Grundlage entbehrend und lehnte eine Diskussion dar­über ab.

* Dermbach, 7. Nov. 1911. Im Forstrevier Dermbach wurde gestern eine Treibjagd ab ge­halten, wobei zur Str«ke gerächt wurden 20 Hasen, 13 Stück Rehwild und 3 Füchse.

* Stadtlengsfeld, 7. Nov. 1911. Zur Neu­wahl von fünf Gemeinderatsmifl gliedern ist vom Gememdevorstand Termin auf Mittwoch den 15. No­vember anberaumt worden.

♦* Zillbach, 9. Nov. 1911. Der berüchtigte Wild­dieb und Einbrecher K l 0 tz b a ch soll nach der Miti bilung eines Bauersmannes, der ihm begegnete, die hiesige Gegend verlassen und nach Bayern hinüber ge­pirscht sein. Dem Bauer erzählle er, daß ers jetzt satt habe, draußen umherzustreifen und er wolle sehen, ob er den Winter über drüben im Bayerischen Be- schäftigung finde; natürlich käme er im Frühjahr wie­der.

* Aus Thüringen, 8 Nov. 1911. Nach einer Ber­liner Blätter-Meldung weilte vor acht Tagen der be­kannte Vurgenerbauer Bodo Ebhard in Eisenach be­ziehungsweise auf der Wartburg und besichtigte mit dem Großherzog von Sachsen die Restaurattons- räumlichkeiten der Wartburg. Es wurde beschlossen, an Stelle des jetzigen Hotels ein den modernen An­forderungen entsprechendes Gebäude zu errichten. Der Bau, dessen Kosten auf etwa 400 000 Mark veran­schlagt ist, soll im Oktober 1912 begonnen und im September 1913 fertiggestellt werden. — In verschie­denen Orten Thüringens sind zur Zeit wieder Rei­sende tätig, die Familien aufsuchen und diesen Be­stellungen von Photo graphischen Vergrö­ßerungen aufzuschwatzen suchen. Im eigensten Interesse des Publikums liegt cs, etwaige vorgclegte Bestellscheine dieser Retsiuden nicht zu unterschreiben.

Ans Gberheffen n. den heft. Remtern.

(::) Marburg, 6. Nov. 1911. Vom 29. Oktober bis 5. Nov. fand in der hiesigen katholischen Gemeinde eine hl. Mission statt. Zweimal täglich, um 5 Uhr und um 8y2 Uhr nachmittags eilten die Gläubigen der Gemeinde, sowie auch Fremde ans Nah und Fern zahlreich zu dem auf Marburgs steiler Höhe gelegenen altehrwürdigen St. Johamieskirchlein, genannt die .Kugelkirche". Mit lautloser Stille folgte man den packenden Kanzelvorträgen dec beib-.11 Missionäre. Di»' Predigten fanden einen mächtigen Widerhall in den Herzen der Gläubigen, und von Predigt zu Predigt wuchs die Zahl der Zuhörer, namentlich des abend», da olle Zeit hatten. Auch inancher Andersgläubige, den die K«ngierde herbeigeführt hatte, lauschte ben hinrrißcnden Worten. Da lernte er wohl zum ersten Male die Lehre dar katholischen Kirche richtig kennen und namentlich ihre tief: Begründung. Bald zeigten sich die ersten Früchte: Am Morgen beß 5. November drängten sich die Gläubigen in schier endlosen Reihen zum Tisch des Herrn. Wahrlich, ein Schauspiel für Gott und die Engel! Noch einmal war dann des Nachmittags 5 Uhr bk Kirche dicht gedrängt von

Zuhörern: es galt der AbschtedSpredizt zu lauschen, der da» Thema zu Grunde lag: „JesuS Christus der Weg die Wahrheit und das Leben!" Da entquoll denn' zum Schluß den Zuhörem wie von selbst das feierliche Gelöbnis, Jesus Christus zu folgen immer­dar — Den Marburger Katholiken werden die Tage der hl. Mission unvergeßlich bleiben. Dank den wackeren Missionarm!

g Marburg, 8. Nov. 1911. Bei ben heutigen Stadtverordneten-Ersatzwahlen der 3 Wählerklaffe gaben von 2170 Wahlberechtigten 869 ihre Stimme ab. Der seitherige Stadtverordnete und Vorsitzende des Bürgervereins, Dietrich, der von 5 Vereinigungen aufgestellt war, ist durchzefollm. Da­gegen wurde der Redcckteur dec demokrattschm »Hess. Laudesztg.', Poersch, gewählt. Gewählt wurde auch der Kandidat dec Beamtenvereinigung, während zwi­schen einem Gastwirt und einem Kupferschmiedemeistcr Stichwahl stattfinden muß. — Eine Frau in Heflen- tracht ,bie 42 Jahre alte Witwe Christine Schmidt aus Ellnhausm im hiesigen Kreise, stand wegen K ö r p e r Verletzung mit tödlichem Erfolg vor dem Schwurgericht. Ihr wurde zur Last gelegt, am 15. Juli ihren Gatten, dm Weißbinder Schmidt, so miß­handelt zu haben, daß dessen Tod dadurch herbcige- fühtt wurde. Die Angeklagte gab an, daß ihre 20- jährige Ehe infolge der Trunksucht ihres Mannes un­glücklich gewesen fei. An dem Abend fei er in der Trunkenheit hingestürzt und am anderen Tage ge­storben. Mehrere Zeugm wollten jedoch gesehen ha­ben, daß der Mann infolge eines kräftigen Stoßes seitens der Frau so hingestürzt und dann noch miß­handelt worden sei. Die Geschwormen vcrneintm b«e Schulbftagen, worauf Freisprechung erfolgte.

* Frankenberg, 8. Nov. 1911. Die Edder, die im Laufe des Nachfommcrs weit unter ihrem Nor­malstand heruntergegaugm und ganz seicht geworden war, hat seit einigen Wochen infolge der öftem Nie­derschläge wieder ihr Bett vollständig eingenommen. Der Wasser stand beträgt gegenwärtig 21 Ztm. über Normal, also überhaupt 24 Ztm.

[:] Neustadt, 8. Nov. 1911. Nachdem die Beru­fung an den Provinzialrat seitens der Stadt erfolg­los geblieben war, hat diese nunmehr das Gehalt der hiesigen kath. Organistenstelle auf 300 Mk. und das der evangelischen Stille von 150 Mk. auf 211 Mk. erhöht. In gleicher Weise ist nunmehr auch die An­stellung eines Hauptlehrers beschloffm.

* Treysa, 8. Nov. 1911. Seit dem 1. d. M. ha­ben dir Züge der Berlin—Koblenzer-Bahn bei der Einsahrt in ben hiesigen Bahnhof ihre eigene Fahr­straße erhalten. Die Mitbenutzung ber Gleise der Main-Weser-Bahn für diese Linie, die seit dem Bau der Strecke (1878) zuweilen mancherlei Unzuttäg- lichkeitm mit sich bringen mußte, hat aufgehört. Die Kosten dieser Anlage sind recht erheblich. Hat doch die Erweiterung der hohen Schwalmbrücke allein einen Kostenaufwand von nahezu 100000 Mark ver­ursacht.

* Wabern, 8. Nov. 1911. Bei der Legung einer Wasserleitung für die Nachbaqge- meinde Niedermöllrich stieß man in der Stadt auf verschiedene kellerartige Räume, devcn Gewölbe sich noch in einem recht guten Zustande be- fandm. Man führt diese Funde auf ehemalige Münzkeller zurück, die sich in hessischen Zeiten hier befanden und zur Aufbewahrung des Goldes dienten, das durch Waschen des Ederkieses gewonnen wor­den war.

Vermischter.

* Der Schatz im Ofen loch. Ein allzu sicheres Ver­steck hat der Rentier K. aus Erkner bei Berlin für fein Geld auserwählt. K. hatte stets eine größere Geldsumme in Gold und Papier in seiner Wohnung liegen. Er befürchtete jedoch, daß Einbrecher das Geld Holm könnten unb versteckte es in dem Ofenloch des Wohnzimmers. Seine Frau, die hiervon nichts ge- wußr hatte, machte in Abwesenheit 5es K. ein wär­mendes Feuer an. Als später der Ehenraun heim­kehrte, mußte er zu feinem Schreck die unangenehme Entdeckung machen, daß ber Schatz im Ofenloch ein Raub ber Flammen geworden war. DaS Papiergeld war vernichtet und die zahlreichen Goldstücke bildeten nur noch einen schwarzen Goldklumpen. K. wird sich

jedenfalls in Zukunst ein sichereres Versteck für (eit Geld aussuchen.

* Der neue Ozean-Ballon des Mitarbeiter» Well- mannS, Bantrnan, hat ein vollständiges Fiasko er- lebt. Schon nach einer Fahrt von nur 5 Minuten versagte der Ballon unb fiel tu » Wasser.

* Ueberfall auf tinat Straßeubahnzug . Als gegen 11 Uhr nachts ein von Ohra nach Danzig fahrender Straßenbahnzug in Allschoüland an einem Vergnü­gungslokal vorüberfnbr, sprang plötzlich ein von etwa zehn Burschen verfolgter junger Mann in den An» HLrgewagen. Seine Verfolger stürzten sich mit gezückten Messern auf das Fahrpersonal und verletzten den Wagenführer durch Stiche in den Ober­schenkel und in die Nievwgegend.

* Bet einer Feier zu vchrru Robert Blums, des 1848er Revolutionärs, an der etwa 700 Studenten teilnahmen, kam es in Wien zu einer großen Schlägerei unter den Feiernden. Zahlreiche Verletzte mußten vom Kampfplatz getragen werden. Viele Personen wurden verhaftet.

Literarisches.

Bunter Bilder aus dem Leben. Ein Buch zur Unter» Haltung und Belehrung für Knaben und Mädchen im Alter von 12—14 Jahren von Albert Geyer. Mit einem Titelbilde und zahlreichen Abbildun» gen. 228 Seiten. Breslau, Verlag von Franz Goerlich. Brosch. 1,50 Mk., in Ganzleinenband 2 Mk.

Die Gabenwahl des Werkes ist als wohlgcluugcn zu bezeichnen. Sie mthäll wirklich guten Lesestoff zur Unterhaltung und Belehrung; gute Charakterbil­der aus den ©ebieten der Volkssitte, der nationalen Ideen, der kolonialen Bestrebungen Deutschlands, der landschaftlich-typischen Erdformen, der heimischen Ge» schichte und Sage, der Naturbetrachtung; ferner Rei» seskizzen, Jagdabenteuer und die besonders schätzens­werten (weil aktuellen) Artikel über Sven Hedins unb Pearhs Forschungsreisen, die letzte Aetna-Kata- strophe. Gut gewählte Märchen und Gedichte, Album» Verse, Scherz-, Wort» und Bilderrätsel, humoristische Beiträge in Reim und Prosa, Beschäftigungs- und. Scherzaufgaben runden das Ganze int Sinne der Leserstufe ab, die an der Schwelle zwischen kindlichem Spiel und ernster Arbeit steht. Au Reichhaltigkeit, Vielseitigkeit und zweckmäßiger Stoffwahl läßt also die Sammlung kaum etwas zu wünschen übrig. Die zahlreichen passenden Illustrationen heben das Ganze wirksam. Das Werk kann nach seiner Anlage unb. Darbietung unbedingt empfohlen werden.

Handel nud Judnftrie.

* Berlin, 8. Nov. 1911. An der heutigen Börse herrschte eine ausgesprochen feste Martlstimmung. Besonders bevorzugt waren Schiffahrlsaltien. Ban­kenmarkt fest bei ruhigem Verkehr. Montanmarkt durchgehends leicht gebessert. Elektrizitätswerte eben­falls etwas höher.

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Lebenrwenöe.

32] Roman von £> OTIi Bodem cr.

„M. d. R. hcißr nämlich: Mitglied des Reichs­tags. Herr v Mereuth! — Und in die große Rcd- verbude am Königsplatz möchte Sofquen gern rein!”

„Hat er Ihnen das gesagt?”

„Ja — beulen Sic mall So nebenbei natürlich nur, aber ich Hub s verstauben, unb ich bin gleich zu unserem eckten Giefebrecht gefahren unb habe bem ma auf ben Zahn gefühlt! Der hat nun nicht ge- cad ein sehr erfreutes Gesicht gemacht, aber ge= nteiti, wenn bie Vertrauensmänner sich für Sofquen aussnrächcn, wär's ja gut unb schon, ihm konnte auf seine alten Tage ein bischen mehr Ruhe wahrhaftig nichts schaden, da, da hab' ich mal dusemang Reih' um c.rgeflopft, beim Lanbrat zuerst — unb was ich ba zu hören bekam, läßt seine Kandidatur nicht aus­sichtslos erscheinen, übrigens hat bie Sache ja vor­läufig noch ’ne Weile Zeit!''

„Unb wie stehen Sie selbst zur Sache, Herr v. 8öb:rdau?" —

„Ich? — Bis auf bie Nieren werbe ich Herm ö. Sofquen briifen, unb wenn ich die Ueberzeugung bekomme, er ist der rechte Mann für uns, werde ich für ihn eintretsi, daß bie Hölle raucht!”

Um Mereuths Munb lag ein Lächeln. „Tun Sie bas, Herr v. Löberbau, Sic finb brr rechte Mann, um Sofquens Wahl burchzusetzen!”

„Na, ja, wer solange hier im Kreise sitzt, wie ich, auf ben hören ja Gott fei Dank bie Altmärker! ”

„Natürlich, natürlich!”

Dem Heberen Major fiel bet höhnische Unterton doch auf, er sah Meceukh ganz erftaunt an. „Ja, glauben Sie etwa nicht?”

„Ich bitte Sie, H<rr v. Löberbau, wie tönnen Sie nur an meinem guten Glauben zweifeln? Also legen Sie sich nur ordentlich für Sofquen ins Zeug, Id) tu's, nebenbei gesagt, auch!”

„Da wären mir ja einig!

In diesem Augenblick betrat bie schlanke, elegante Frau v Mereuth bas Zimmer, um den Gast zu be­grüßen. Das Gespräch kam in ein anderes Fahr­

wasser, aber länger hatte Herr v. Löberbau keine Geduld mehr.

„Verzeihen Sie, gnädige Frau, ober ich muß noch beute nachmittag ein paar bringenbe Besuche machen!"

Und als er weggefahren war, lachte Herr v. Mereuth hell auf.

„Gretel, ich sag' dir, in ber nächsten Zeit läuft einer mit rausgedrückier Brust im Kreise rum unb kommt sich vor wie rin Feldmarfchall. Unb trotzdem wird ber Sieg ganz ohne fein Zutun erfochten wer den. Wir müssen dem alten Löberbau auf bie Fin­get sehen, in feiner harmlosen Gutmütigkeit kann et leicht mehr vecb-rben als nützen! Vorläufig mag er aber getrost bei Pontius unb Pilatus Vorfahren unb Jochem Sofquen für bie nächste Reichstagswahl an- gelegentltchst empfehlen Aber zur rtdjtr.n Zeit muß er sanft an bie Wand gedrückt werben, na, das wer­den wir schon fertig bringen!"

„Ihr undankbaren Männer!"

„Meinst du? Mancher Zuschauer bat beim Schachspiel schon eine gutstehendc Partie durch sein Reingerebe verbotben, mag er's auch noch so ehrlich gemeint haben, — bie letzten Züge ziehen wir allein, müssen's, Gretel, unb schließlich mein' ich, wir Jun­gen fühlm ben Pulsschlag des Volkes von heute auch sicherer, wie blefe alte, ehrliche Haut, die unter ganz anderen Verhältnissen hecangewachsen ist!"

„Das müht ihr natürlich besser wissen wie ich?"

„So sagt eine vernünftige Frau, mein gutes Gretel! ”

♦ ♦ ♦

Beim Naddetheibct Schulzen wat Hochzett. Zwei­hundert Personen waten geladen. Seine- einzige Tochter heiratete einen jungen Großbauern aus Fles­sau. Und während bie Jugend tanzte unb trank, saßen bie alten Bauern, getrennt vom Weibervolk, bas bie Töchter nicht aus bem Auge ließ, zusammen. Der Wein batte bie Köpfe erhitzt, nachdem man sich bie wirtschaftlichen Nöte geklagt, kam man auf bie hohe Polttck.

„Alle» gut unb schön", meinte der Meßdorfer Sckul-e. .aber bie in Berlin müffm noch viel for­

scher werben! Sind wir vielleicht dazu da, uns die Rosinen aus dem Kuchen „stibitzen" zu lassen? Wer heutzmagc nicht cmftrumpft, hat bas Nachsehen, und unser alter Giefebrecht, feinet Fleiß unb feine Uebet- zeugung in Ehren, läßt gar zu wenig von sich hören. Sehr schön, baß er bem Präsidium als Schriftführer angehört, über ein Machtwort redet er nicht, und nun geht ja bas Gerücht tum, Herr v. Sofquen soll aufgchellt werden! Was meint ihr dazu?" —

Man brummte, schnäuzte sich, trank, fuhr verlegen mit bet rissigen Faust über bie Tischplatte unb sah sich an.

„Na, was meint ihr?" fragte nun auch der Brautvater, unb strich sich nachdenklich seinen langen schwatzen Bart.

Keiner wollte so recht mit der Sprache heraus. Da schlug ber Meßborfct Schulze mit ber Faust aus ben Tisch, „’nen Landwirt müssen wir rci-'.wähiru, ber bewiesen hat, baß er was leistet, unb ber nicht aufs Maul gefallen ist!"

„Das ist gewiß", riefen ein paar.

„Unb tuet paßt besser in ben Reichstag, als Herr v. Sofquen? — Keiner, sag' ich! — Der alte Giese brecht ist zufrieden, wenn wir ihn im Landtage lassen, so nehmen wir die Sache in bie Hand!"

„Nu, nu, das hat noch Zeit!"

„Unsinn, Schröder! Immer hübsch beizeiten klar sehen! Hinter Sosqucn marschieren auch bie kleineren Leute! Kaust ber nicht alles in Osterburg, wenn er auch ’n paar Dreier mehr bezahlen muß? Unb wie vstle haben Nutzen gezogen aus feiner Geflügelzucht? Die Imkerei hat im Kreise auch ’nen großen Auf­schwung genommen 1 Wenn einer 'n Herz für uns hat, unb weiß, wo uns ber Schuh drückt, so ist er's sicherlich! — Stimmt's?"

Sehr energisch nickten bie alten Bauern mit ben Köpfen

. „Also! — Und da schlag' ich vor, ein paar von uns gehen nächstens mal nach Klingsbetg unb fra­gen ihn offen und ehrlich, >oas an dem Gerede eigent­lich ssil"

„Das langt nicht", meinte der Fleffauer Amts- vorstchet Bauermeister. „Ihr müßt ihn auch sonst otbentlich vornehmen!"

„Komm nur mit”, rcwiberte ber Meßdorfer Schulze, „das werden wir schon gründlich besorgen!"

Die Baueni kannten bie drei, bie ließen sich nicht einschüchtern, mir Ausreden kam man bei denen nicht durch, klipp unb klar urb schriftlich wollten die die Aittwort in Händen haben Mer bann legten sie sich auch ins Zeug unb am Wahltage melbete das Telephon aus den Bauemdörfem Resultate, bis zeigten, baß noch Autorität in der Altmark, „bem Herzen Preußens", herrschte.

„Also, wer kommt am nächsten Sonntag mit rüber nach Klinosberg?"

Zehn meldeten sich.

„Schön, ich werbe uns aamJben”, sagte der Nad- dcrhcidcr Schulze, „morgen sehe ich Herm v. Sos- guen!"

„Meine Herren, Jbc Kommen ist mir eine große Freude, Ihre Ansichten sind auch bie meinigen, na­türlich muß ich mir in meinen Entschlüssen freie Hanb Vorbehalten! Gewiß habe ich unsere Jnrereffen in erster Linie zu vertreten, aber oft werden wir un­ser Ziel npr schrittweise erreichen können, cs ist Rück- stchi zu nehmen auf die FinanzverMtmsse des Rei­ches und der einzelnen Bundesstaaten! Von vorn­herein möchte ich Ihnen aber sagen, ich nehm« bie Kanbidatur nur an, wenn bie Vertrauensmänner in ganz überwiegender Mehrheit für mich stimmen, unb zweitens, den Punki betone ich besonders, roenn JSie mir nicht mit übersvannten Fordenmgen die Hände binden wollen, dafür bin ich nicht zu haben. Ent­weder Sie haben Deriraucn, bann werde ich cs bis zu meinem letzten Atemzuge mir zu erhalten suchen, oder Sie stehen mir nicht unbefangen gegenüber, und bann danke ich für die Ehre, ben Kreis im Reichs­tage zu vericmen! Ich will mich nach getaner Ar­beit nicht ärgern über politische Kurzsichtigkeit unb Undankbarkeit. Meine Dpracbc ist beuttich, weil ich weiß, ich habe es mit Männern zu tun, bie sich klar sinb, was sie wollen, unb Verständnis für bie poli­tischen TaMftagen haben!"

^Fortsetzung folgt.)