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M 256.

Mtttwsch 8. November Ml;

58. Jahrgang.

Waer »Zeitung *

• 2. Blatt.

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9

und hin. sein.

natto- Das UnS

nicht exkommuniziert wäre.

* Em religiöses Bekenntnis Windthorsts. Im No­vemberheft des „Hochland" veröffentlicht Kaplan H. I. Schmidt in Hagen, ein Sohn des im vorigen Jahr verstorbenen Zenttrumsabz. Schmidt-Warburg, einen Brief von Windthorst. Aufzeichmmgen Windt­horsts, die uns einen Blick in sein inneres religiöse? Fühlen gestatten, besitzen wir fast kaum. Daher haben Uebelwollende leichtes Spiel, wenn sie ihm die kirch­liche Gesinnung absprechen; so hat ja auch Bismarck ihm daS Zeugnis ausgestellt: religiös ungläubig. Um so wertvoller ist die Veröffentlichung dieses Brie­fes, den Windthorst an die Großmutter des oben er­wähnten Geistlichen gerichtet hat. Er ist — das fällt sehr in die Wagschale — geschrieben worden am 5. Juli 1872, an dem Tage, da das „Reichsgesetz bett, den Orden der Gesellschaft Jesu" in Vollzug gesetzt wurde. In diesem Brief heißt es nun:

scheint ja merkwürdig hergegangen zu wundert nur, daß keiner von den

dent Schuster-Oschersleben wies auf die Sachsengängerei dem religiösen nalen Leben erwachsenden Gefahren

ich« sowie dm Leidtragend« gegenüber sich eil Unduldsamkftt und Härte erweist/ Da» fit Munch ein Mrxulich« Beschluß,

** Merseburg, 2. Nov. 1911. Auf der Tagung der evangelischen Provinztalsynode der Pro­vinz Sachsen gab Justizrat Elze-Halle ein Refe­rat über die Tätigkett des Evangel. Bundes. Im Anschluß daran wurde die Frage der Sachsengänge- rci erörtert, da der Referent es als g a n z b e d a u e r- lich bezeichnete, daß die katholis ch-pol- nischen Einwanderer in Sachsen ansaffig würden, imb das „Ergreifen von Maßregeln forderte, um dieser „Gefahr" vorzubeugen. Auch Superinten­dent Schuster-Oschersleben wies auf die durch

„Der Kampf gegen di« Kirche wird immer heftiger, ich seh, demsetbm mit wahrer Bekümmernis zu. In der Tat, wenn di, Verheißungen deS Herrn nicht wären, könnte einem dang, werde«. ES bleibt unS nicht» all eifriges Debet und andauernd« Stand­haftigkeit.'

* Eine liberale Wohnung sucht ein Inserat deS liberalen „Oberbad. Grenzboten" in Nr 159. In dieser Nummer des Meßkircher liberalen Blatte! liest man nämlich folgendes Inserat:!

Zu mieten gesucht bet einem liberalen Hausbesitzer eine 3-Zimmer-Wohnung per 1. Dezember. Gest. Offerten unter Chiffre R. M. an die Expeditton diese! Blattes erbeten.

Die liberale Presse weiß sich nicht genug zu ent- rüsten über dir „Absonderungsgelüste" der Katholiken. Wann hätte aber jemals ein Katholik sich um eine „Zentrumswohnung" umgesehen, wie der Liberale deS „Oberbad. Grenzboten" es tut, Wie fanatisch muß der Haß gegen das Zentrum sein, wenn man sich in liberalen Kreisen nicht schämt, biie Parteigegensätze ins Geschäftsleben unb zwar in so ungenierter Weise zu übertragen!

„Tas Bündnis für die Landtagswahlen von 1899 hal e i di mit dein Abgeordneten Franz Joseph Ehr­hart abgeschlossen und zwar durch Verhandlungen während der Sitzungen des Reichstages und des Landtags. Der endgültige Abschluß des Büu nisses mit sdanotcbtag erfolgte zwi'chen ihm und mir im Mai 1899 im Zimmer des Be s ch Werde­ausschusses des Bayerischen Landtages. Das Bündnis wnrde geschlossen für die Wahlkreise Zweibrücken und Speyer, dann auch durch die beider­seitigen Parteien in München auf den dortigen fünf» mämiigen Walkreis ausgedehnt. Auf diese Weise wur­den 12 liberale Abgeordnete verdrängt und durch 7 Zentrumsmänner und 5 Sozialdemokraten ersetzt. Dieses Bündnis war eine politische Notwen­digkeit, die Verantwortung dafür fällt auf die baye- risa Regierung, die Jahrzehntelang den konservativen Teil der Bevölkerung durch eine für den Liberalismus zugcschnittene Wahkkreiseinteiluug systema­tisch und absichtlich unterdrückte. Die mit Recht er­bitterten, ihrer Kraft bewußt gewordenen Wählermassen des Zentrums verlangten gebieterisch nach Abhilfe und diese konnte nur erfolgen auf dem Wege jenes Bünd­nisses. An der Zusammenkunft im Dome zu Speyer waren beteiligt nur Domkapitular Dr. Zimmern, ein katholischer Laie und die beiden Abgeordneten Ehrhart und v. Vollmar. Diese Zusammenkunft war kurz vor den Landtagswahlen im Sommer 1899, also nach den Abmachungen, die ich im Mai im Landtage mit Ehrbart getroffen hatte.

Die zweite Erklärung, die der Abg. Dr. Zim­mern abgegeben Hai, betont u. a.:

Der „Domherr", um den in der Erklärung (des Abg. v. Bollmar) es sich handelt, war meine Wenig­keit Ich habe dabei wie so vielen entweder befreundeten pder irgend hervorragenden PersmilichNiien auch Herrn v. Vollmar gegenüber als Domkustos auö Gefälligkeit gehandelt. Mit den damaligen Wahlen zum Landtage jedoch stand dieser Fall in keinem innersachlichen Zu­sammenhang. Durch Herrn Abgeordneten Dr. Jäger

Zur Konsekration des Herrn Erzbischofs P. DionhfiuS

Schuler 0. F. M.

X Rom, 5. November 1911.

Feierliches Glockengeläute kündete gestern vom Turme des Hauptftofiers des Franziskmierordens in Rom des St. Antoniuskollegs, einen Tag großer Freude an Der scheidende Generalminister des gan­zen Franziskanerordens, P. Dionysius Schn- (er den der hl. Vater in Anerkennung ferner großen Verdienste zum Titularerzbischvf von Raztcmz er- hoben hat, sollte die heilige Bifchofswelhe erhalten. Zahlreiche Söhne des heiligen Franziskus, sowie eine große Anzahl anderer Ordensleute und eine große Volksmenge waren erschienen, um der seltenen Feier beizuwohnen, die auf ausdrücklichen Wunsch Sem« Heiligkeit dev KardistalstaMsekEr MerrhdSl V a l als Stellvertreter des Papstes selbst vornehmen sollte. Aus Deutschland waren als Vertretzw deh Heimatpwvinz des zu konsekrierenden Erzbischofs et- schienen: P. Saturninos Goer, Provinztalmmister de- thüringischen Ordensprovinz, sowie P. Gustos Maxi- milianus Brandys. Unter der großen Zahl der Fest- teilnehmer waren unter anderem erschienen: bet preu­ßische, bayerische unb österreichische Gesandte beim hl. Stuhl, die Abgesandten der religiösen Genossenschaf­ten unter anderem die hochwürdigsten Gmerale bet Dominikaner, S arm eilten, Konventualen, Für die große Zahl bet hervorragenden Fes eilneh- mer war vor dem Presbyterium in bet Mitte bet Kirche ein großer, freier Raumvochchalten Um » Uhr zog Seine Eminenz der Kardinalstaats sekrerar, der zu konsekriercnde Herr Ezbischof sowie die beiden Mitkonsekratoren aus dem Franziskanerorden, Bischof Ghezzi von Givitö. Castellano und Btschof ®ob- bing von Sutti und N e p i, sowie das ganze Mini­sterium feierlich in die Klosterkirche em Nach Sorte- qung der päpstlichen Ernennungsbulle legte Erzbischof Schuler sein feierliches Glaubensbekenntnis ab. Balo darauf begann die feierliche PonttfckalmE- ^drrnd welcher das Presbyterium ein farbenprächtiges Bild gewährte. Vor allem die hohe Gestalt des Kardinal- stqatssekretärs im Purpurzewande, die anderen^Heo-

wunwu. vuP ........... —> anwesenden

Verwaltungsbeamten, Landräten usw. dem Herrn Justizrar klar gemacht hat, daß die katholisch-polni­schen Einwanderer, soweit sie Ausländer sind, alle am 1. Dezember jeden Jahres das sogen. Mutter­land der Reformation verlassen müssen, widrigen­falls sie der Gendarm auf den Schwung bringt. Diese Seute können in der Provinz also gar nicht ansässig werden. Es ist auch nicht die kathoksche Kirche, welche die ausländischen Saihsengkmger herbeirust, sondern die dortige Landwirtschaft und Jndusttie, die sich bekanntlich in den Händen der Protestanten befinden Mer der gute unb tolerante Herr Justiz­rat hat diese katholisch-polnischen Einwanderer wohl gar nicht gemeint, er meint offenbar nur die preu­ßischen Untertanen katholischen Glaubens und polnischer Zunge, die aus den ö stl i ch e n P r o v i n- z e n Preußens gekommen und als Arbeiter, Vorar­beiter, Auffeher ober Hofmeister mit ihren Familien hier seßhaft geworden sind und die in der Tat einen Bestandteil unserer katholischen Gemeinden bilden. Daß die Leute polnischer Zunge sind, ist nach dem Preußischen Strafgesetzbuch bis jetzt noch kein Ver­brechen daß die Leute katholisch sind, ist eine große Gnade Gottes, und daß die Leute z. T. schlecht deutsch sprechen, ist eine Folge der in der ganzen zivilisierten Welt berüchtigten preußischen Ostmarken­pädagogik. Auf Grund dieser drei Tatsachen den Leuten die Fähigkeit absprechen wollen, sich in der Provinz Sachsen niederlassen zu dürfen, das ist der reine Hohn auf Verfassung und Gesetze. Das An- fässigsein solcher friedlichen Staatsbürger als eine Gefahr für das religiöse unb nationale Leben in der Provinz hinstellen, wie es der Superintendent Schuster tat, müssen wir Katholiken uns ganz ent- schieden verbitten. Der preußische Untertan katho­lischen Glaubens, ob deutscher oder polnischer Zunge, hat nicht nur das Recht, Steuern zu zahlen, Kriegs- bieirfte zu leisten und ben Schnabel zu halten, er hat auch das Recht, in der „scheenen" Provinz Sachsen sich anzustedeln, ohne erst die Herren Elz und Schu­ster usw. um Erlaubnis gefragt zu haben. Veran­laßt durch eine Zusannnenstellung zahlreicher haar- sttäubender Fälle von Intoleranz auf Friedhöfen der Provinz Sachsen, die s. Zt. in der Germania erfolgt war, sah sich die Provinzialsynode weiter veranlaßt, an das Konsistorium die Bitte zu richten, „bei Geist- lichen und Gemeinde-Kirchenräten dahin wirken zu wollen, daß sie bei Beerdigungen von Katholiken auf den evangelisch-kirchlichen Begräbnisplätzen unbe­schadet ben Wahrung des evangelischen Interesses alles vermeiden werde, was den katholffchen Geist-

wlirden die Verhandlungen mit den Führern der so- (demokratischen Fraktion gu München eingeleitet.

‘Die Einzelheiten der Ausführung in der Pfalz wurden »wischen dem Abgeordneten Ehrhart und allein mir besprochen und geordnet. Die eigentlichen Berhand- langen fanden zu Ludwigshafen bet Ehrhart und noch in einem sichern weltlichen Privathause, zu Speyer in einem Gasthause statt. «18 Herr t>. Vollmar hierher- kam, gab es nichts mehr zu verhandeln.. Gerade der Dom wäre der wenigst auffällige Ort für solche Ver­handlungen gewesen. Uebngens habe ich ja aus jenem Wahlbündnis und meiner Beteiligung daran nie ein Hehl gemacht und in der Abgeordnetenkmmner bei Be» prechung der Wahlvorgänge erklärt, warum ich eS ge- an habe.

* Di» „Exkommunikation" Kaiser Franz Josephs. Auf dem vierten Deutschen Hochschullehrertag hat Geheimrat Professor Dr. Kaufmann-Breslau laut Zeitungsberichten gesagt: „Wie wenige Leute wissen heute noch, daß der Kaiser Franz Joseph chon lange e x k o m m u n i z i e r t ist." Die Zentral- Auskunftsstelle der katholischen Presse fordert Herrn Professor Kaufmann auf, den Beleg für feine Be- hanptung zu bringen. Professor Kaufmann ver- schickt nun an die Presse eine Erklärung, worin er aus die Acta S. Sedis IV, 10 ff. Romae 1868) hinweist. „Dort steht", so schreibt der Breslauer Gelehrte, „die feierliche Allocution Papst Pius IX. vom 22. Juni 1868, durch welche der Papst das österreichische Staatsgrundgesetz vom 21. Dezember 1867 und anschließende Gesetze für ungültig und seine Urheber für ipso facto den Kirchenstrafen der invasores jurinm ecclesiae verfallen erklärte." Dann heißt eS in dem von Professor Kaufmann lateinisch zitierten Text, der Papst beschwöre dre Urheber des Gesetzes die, sich ihres katholffchen Namens rühmen, zu bedenken, welche Zensuren und geistliche Strafen die Apostolischen Konst»- tutionen und Allgemeinen Konzilien gegen diejenigen ipso facto verhängen, die die Rechte der Kirche verletzten. — Die Zentral-Auskunftsstelle der kath. Presse schreibt dazu:

Die Allokution PiuS IX. beweist die Behauptung des Herrn Professor Kaufmann in keiner Weise. Der Fürst eineS Landes ist keineswegs immer als der „Ur- Heber" der Landesgesetze zu betrachten und wer die hier in Betracht kommenden Verhältnisse kennt, weiß, daß Kaiser Franz Joseph erst recht nicht der eigentliche „Urheber" der betreffenden Bestimmungen im öster­reichischen Staatsgrundgesetz war. Es ist ja allgemein bekannt, daß der Fürst dem Zwange der Dinge meist nachgeben muß und oft in die Lage kommt, Gesetze -ulatzen zu müssen, die er nicht billigt, geschiveige denn selbst verfaßt oder vorgelegt hat. Aber auch die wirk­lichen geistigen Urheber des österreichischen Staats­grundgesetzes waren nur dann der Exkommunikation verfallen, wenn sie sich der angedrohten Zensur vollen bewußt waren. Geheimrat Kaufmann schreibt: „In­dessen praklische Folgen hatte diese Sentenz (der Ex- kommuncka'.ion) nur, wenn die Kirche wollte und ent­sprechende Maßnahmen traf." Dadurch hat Kausmann selbst die Sßfung der Frage in unserem Sinne an« qedeuiet. Hierzu schreibt der Zentrak-Auskunstsstelle ein hervorragender deutscher Kanonist und Universitäts­professor: „Der kirchliche Richter ist wie etwaiger Ber- hänger der Strafe, fo auch der Dezernent und Inter­pret darüber, ob und inwieweit die Strafe eingetreten. Durch das praktische Verhalten des Papstes zum Kaiser von Oesterreich auch nach der Allokution zeigte Rom, daß es den Kaiser nicht hatte exkommunizieren wollen und nicht als exkommunizert ansah." Es wären in der Tat diejenigen kanonischen Bestimmungen aus­findig zu machen, die es einem exkommunizierten Herr­scher ermöglichen, die Sakramente zu empfangen, Üb­liche Ehren zu genießen, in beständigen besten Be- ■ ziehungen mit der römischen Kurie zu stehen, kurz, in ■ einem Verhältnis zur Kirche zu leben, als wenn er gar

Ausland.

•* „Vatikanisch« Unduldsamkeit.« Di« „Franks.

Ztg." schreibt:

„Die varikcmffche Unbulbfamfeit fordert unter dem französischen Kleru» immer neue Opfer (1), so dcrz die Kirche selbst zur Verringerung ihrer KadreS bei­trägt. Der Erzbrschof von Pari«, Msgr. Ametie, hat nämlich den Abb« Klaraz, Vikar der alten Pfarr­kirche am Louvre Saint-Germain-I'Auxerrois, feinet priesterlichen Funktionen enthoben. Den Grund füt diese Maßregelung bildet die Veröffentlichung einet Schrift deS Priesters gegen daS Zölibat der kath« lischen Geistlichen; die Schrift stellt mit schon häuf $ benutzten Argumenten die Verordnung der Ehelostgkett der Priester als eine römische Eigenmächtigkeit ohne jeden göttlich-religiösen Charakter hin. Abbö Clarq ist enffchloffen, seinen Kampf auch nach der Entferrnuntz von seinem Posten fortzufuhren und fojn die Reihen der „abtrünnigen" Priester einzutreten.

Soweit die „Franks. Ztg." Wenn ein jüdischer Rabbiner die Beschneidung verwirft, kann er dann nach Ansicht der.Fckf. Ztg." auch noch Rabbmek

* I» ihrem Wüten gegen die kathoUsche Kirch« greift die portugiesische Repu bUk zu gerade­zu kleinlichen Maßnahmen. Unter dem Vorwand« der leichteren Benutzbarkeit für das Publikum ließ die portugiesische Regierung in einet Reihe von Ge­meinden die Kirchenregister beschlag' nahmen. Der „Mundo" verrät, warum die Weg- nähme erfolgt«. „Von nun an«, so schreibt das freimaurerische Blatt, „ist dem Publikum nicht mehr bie Pflicht auferlegt, mit einem Geistlichen zu ver­kehren, wenn eS einen Tauf- oder Eheschem ausge­stellt haben will.« Der lchte Gewissenszwang sei gefallen, der Kiews könne nicht mehr Leute mit nichtkirchlichen Funktionen anlocken, um sie füt dir Religion auszubeuten!

veutUer Reich.

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Mim «tat vertritt, d«e Gegner z 0^ abcr

F1? arÄÄ’-ß Panelen; mttihr darf der Liberalismus niemals einen Bund flechten; wäre es auch nur aus äußnen «veckmäßigkeitsrücksichteii, um em erwünschtes Ziel befnr zu «reichen, dem man sich auf andere Weise nicht naher» kann. Solche taktischen Vorgänge ver- derben doch immer auch das Prinzip. Wenn man bet finer Nachwahl dem Mittelstände und den kleinen Be- amten in Straßburg empfiehlt, für den sozialdemo- krati'chen Kandidaten zu stimmen, so wird es entern bei der nächsten Hauptwahl nur um so schwerer fallen, diese wichtigen Volksschichten gegen die Sozial- dem .ratie ins Feuer zu führen."

( n nationalliberales Organ nimmt also scharf Stc »na geocn das Bündnis seiner eigenen Freunde mit'den Sozialdemokraten. Die Regierungspresse aber schweigt beschönigend darüber, sie findet kein Wort des Tadels. Tas ist sehr bezeichnend für den Geist, der „ob n" weht.

— Das angebliche Wahlbündnis „an den Kai- lergmüern". Was der sozialdemokr. Abg. Voll- ii a r über das Wahlbündnis vorn Jahre 1899 zwi­schen bayerischem Zentrum unb Sozialdemokratie er- iählt hat, findet nur in einigen der kritiklosesten li­teralen Blätter Glaube. Das Bündnis wurde nur ju lern einen Zwecke geschlossen, um dem bayerischen Volke das von ben Liberalen hartnäckig vorenthal- icne freie Wahlrecht zu verschaffen unb sicherte ben beibeit Parteien in einigen Wahlkreisen gegenseitige Wallhilfe. Nun ist es aber ein geradezu toller Ge­danke, daß man die Besprechung dieses Bündnisses im Dom habe erfolgen lassen, „weil dies dort am unausfälligsten für das Zentrum (?) habe erfolgen können". Bekanntlich war boß Wahlbündnis von damals nirgends unb für niemanb ein Geheimnis. Warum hätte man also vorher auf geradezu groteske Art ein so romantisches Geheimnis daraus machen sollen? Unb dazu noch in einem Raum, der, wie Vollmar am Schluß sagt, unverschlossen unb für Fremde allgemein zugänglich war! Zu ber Erzäh­lung Vollmars liegen jetzt zwei Erklärungen vor. Die erste, von dem pfälzischen Abg. Eugen Jäger besagt u. a.:

IIE- --- W ii 11WTT ....... ■ »I II I rfflfflffi

Lebenrweude.

31] Roman von Horst B ödem er.

Merenth rauchte ist größter Seelenruhe minde­stens die zehnte Zigarette, während Sosquen seit anbe.ih.ub Sruuben wie ein Wilder im Zimmer hin- unb hcrrannte.

„Ich mag alles in Erwägung ziehen, ich kann mich unter diesen Umständen.nicht ducken!"

„Unb ich hab' gar nicht geglaubt, lieber Sosquen, baß Sie so hitzig sein kannten! Denken Sie doch logisch! Arwed Hakbnrg hat sich Ihrer Braut ange- itommen, fo gut cr's konnte, — nach seiner felsen- festtn Ueberzeugung; geben Sie das zu?"

„Sa!" '

„Er schiebt Ihnen nun in vertraulicher Aus­sprache Dinge unter, die Sic als verletzend empfin­den!"

„Allerdings!"

„Unmöglich könnte er annehmen, daß dieser L5- oerdLu ein so altes Klatschweib ist, er hat ihm nur deutlich gemacht, warum er mit ber ganzen Heirate- ret nichts zu tun haben will, unb ba begehren Sie, ber ruhige, abgeklärte Mann, mit einem Male auf, wäre das ein Kapitalverbrechen!" yfft’3 das vielleicht nicht?"

-icreuti) sieht ben Freund mit einem langen Blick

3 Z.J“t.benn Arwed Hakburg so ganz un- secy.. Richt donnern, mein Lieber, unter uns brauchls ja keine Geheimnisse zu geben, ich bin der Meinung der — hm — scheinbar so — einfältige Mann hat Ihnen gut in die Karten gesehen, besser W mancher im Kreise, ber sich für superklug häft!" „Mereuth — bas sagen Sie mir?"

„Wamm denn nicht? — 's ist doch bie Wahrheit!" ... Da beißt sich Sosquen auf bie Unterlippe — unb schweigt.

S „Was also bleibt? Der übke Nachgeschmack! Heißt, daß Sie nur um Aba Hakburg gefreit haben Wen, um sich bie Wahl zu erleichtern!"

"„Ist da? nicht eine fürchterliche Gemeinheit?"

„Ein Irrtum, lieber Sosquen, ben Sie aus der Welt schaffen können burch die Tat, — burch ein glüMches Eheleben!"

„Mereuch, glauben Sie an meine Liebe?"

„Warum soll ich benn nicht? Offen geftanben, Sie holen sich meiner Meinung nach bas Manbat auch ohne Aba Hakburg! — Nehmen Sie mir's nicht Übel, aber was Ihnen dabei Ihre Fräulein Braut nützen soll, seh' ich wahrhaftig nicht ein, so gewalttg ist der Einfluß der HakburgS und ihrer Freunde im Kreise doch nicht — wenigstens Nicht mehr!"

Da nahm Sosquen seine Wandemng wieder auf. Also man hatte ihn doch durchschaut! Und gerade der, von dem er's zu allerletzt geglaubt hätte! End­lich kam wieder Ruhe über ihn, jetz hieß es die Kon­sequenzen ziehen.

„Ich hab' mein Lebtag nicht gelogen, Mereuth, unb Ihnen, meinem besten Freunb im Kreise, einen Bären aufgu6inben,toäre das dümmste, was ich mir denken könnte! — Gut, — ich will in den Reichs­tag!"

„Ah!"

„Habe ich jemals etwas getan, was ich nicht verantworten kann, waren meine Mittel unlauter?"

„Nein! — Aber sie werden es werden, wenn Sie auf einmal Ihr mühselig aufgeführtes Gebäude felbft einreißen und Ihr Ziel verleugnen!"

„Soll wohl heißen: bekenne vor aller Welt, was bu vorhaft?"

„So ungefähr, mein lieber Sosquen! — Es wer­den nicht die Schlechtesten und nicht die Dümmsten sein, bie Ihnen ihre Stimme geben! — Im übrigen ist's nicht mehr lange hin bis zur nächsten Wahl! Also Farbe bekannt — nach ben Flitterwochen!"

„Unb Arweb Hakburg?"

„Lassen Sie vorläufig links liegen — wenn Sie Ihrer Braut sicher sein sollten!"

„O, bas bin ich, falls ich nicht allzu schroff gegen ihren Onkel vorgehe!"

„Rum bann flnb wir ja einig! Morgen fahren Sie zu Löberbau rüber und sagen: Herr Major, ich habe gKerbhu» bl« Absicht, für die nächste Reichstags­

wahl zu kandidieren, ob ich Erfolg habe, steht auf einem anderen Brett, im übrigen weichen meine An­sichten nicht wesentlich von denen unseres jetzigen Ver­treters ab, und Herr AnttSgerichtsrai Mesebrecht wird auf ferne alten Tage wohl zu bewegen fein, sich mit dem Landtagsmandat zu begnügen, die Zetten sind bitter ernst, für einen wird die Bürde zu groß! — Sela! — Und Sie stehen da als Ritter ohne Furcht unb Tabel! Der alte Löberbau wirb sofort die ganze Nachbarschaft abkleppem und Ihr Bekenntnis brüh­warm weiter erzählen — was zu wünschen ist!"

Tief atmet Sosquen auf. „Bleibt noch eine Aus­sprache mit Arwed Hakburg übrig!"

„Die am besten Ihre Fräulein Brant für Sie be­sorgt, denn die Abreise morgen früh ist eine große Dummheit! An Ihrer Stelle würde ich den heute nacht ein treff enben Hans Heinrich veranlassen, feine Schwester zu bewegen, möglichst schnell nach Möhrin­gen zurückzukehren — so fiirchtbar viel Zeit werben doch die Anschaffungen zur ?lussteuer nicht beanspru- chen!"

„Sie sind ein Diplomat, Mereuth!"

„Die Eigenschast hab' ich soeben an mir entdeckt!

Unb nun zum Schluß!"

Da müssen sie beibe lachen. Unb als Trütow mit Hans Heinrich gegen halb drei Uhr in Kltngsbcrg an­kommt, ist Mereuth längst über alle Berge.

„Deine Reffe war recht unnötig, mein Lieber, denn mein Zorn ist völlig verraucht! Der gute Trütow hatte es nur so eilig, weil er mich in solchem Stadium noch nicht gesehen hat!" —

„Desto besser, ich möchte begreiflicherweise vor­läufig mit Onkel Arwed aber auch gar nichÄ zu tun haben!"

„So eßt noch 'nen Happen, ihr beiden, und nwr- gen früh halb acht Uhr fährst bu mit mir und Ada nach Berlin, Hans Heinrich, die Aussteuer uniß schleu- nigst fertiggestellt werden, denn die Anstrengungen sollen NUN endlich ein Ende nehmen!

.Ganz meine Ansicht, mein braver Jochem!

XXVI.

„Eine verbrehte Welt heittzutage, mein verehrt« Hen v. Mereuch!" Der alte Löberbau rieb sich nach seiner Gewohnheit mit ber Faust bie ®itrn.

"Na^der^Sosgucn hat doch ’ne eigene Art, auf blC MeMthigÄch die größte Mühe, emst zu!blckben

Die Menschen sind eben verschieden von Tem­perament und wenn Herr v. Sosquen au? Widerstand stößt, pflegt er mit seiner Ansicht nicht hinter dem Se\/$ott ja — was hab' ich für ’ne Not gehabt, den Riß zu überkleistem!"

"8nkm S'e nur, Ada wollte einfach in Berlin int firXeit’ — Vernünftigerweise kam W-» M Sdm Sch-d-- I-M'» ä st»- <*“«*'■

Stalle Mbeidau rückte näher und schlug Äereuth

Mncn nicht auch sein Herz ausgeschütte'-" "Wer? — Sosquen?"

Vergnügt zwinkerte Löberbau mit ben Augen.

„Na ja doch, wer denn sonst?"

Wir sind gute Freunde, ich glaube nicht, daß er Geheimnisse vor mir hat Daß Sie die Hochzett richten wollen, hat er mir u°Mlich sofort mitgete^, er ist Ihnen von Herzen dankbar Heir v. L

„Ach was, das meine ich nicht.

„Sondern?"

Mereuth ^machte das dümmste Gesicht, daS er auf- w^Schein"ern weiß Gott, keine Llhnung zu habni Der"Arwed Hakkmrg hat doch recht! Ein Fuchs is der Sosquen — ein Fuchs!" —

.So reden Sie doch, bitte, nicht mit halben Wov tat, Herr v. Löberbau!"

(Fortsetzung folgt}