38. Jahrgang
Erstes Blatt
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Fulda, Dienstag den 7. November 19n
1911. Nach einem Telegramm dort mit großer Hartnäckigkeit Italiener in Tripolis eine
kastei stellte den Kaufmann Jakob A st o r aus Bern- kastel-Cues mit großer Stimmenmehrheit als Kandt- baten auf. Der bisherige Abz. Frhr. v. Wolff- Metternich hat eine Wiederwahl abgelehnt, um sich ganz der Ausübung seines Landtagsmandals widmen zu können. _ .. , .
* Stuttgart, 6. Nov. 1911. Dre wurttembergr- schen Zentrumsabgeordneten Gröber und Etz- o e r g er sind in ihren Wahlkreisen wieder als Kandidaten zur Reichstagswahl ausgestellt worden; beide
und daß eine große Niedermetzelung statige- sunden haben soll.
* Konstantinopel, 6. Nov. 1911. Der Deputierte Rahmt sandte der Kammer ein Telegramm vom 3. November aus Tripolis, das die Nachricht enthält, die Türken hätten am 3. November Tripoli« angegriffen und die italienischen Stellungen außerhalb der Befestigungswerke der Stadt genommen.
W Tripolis, 6. Nov. 1911. Ein italienischer offiziöser Bericht meldet: Gestern wrmittag 7 Uhr eröffnete gegenüber dem Fort Sidi Meßri die bei dem Dorfe Fornasi aufgestellt- feindliche Artillerie das Feuer gegen die italienische Ausstellung. Der Italic- nischen Artillerie war es gelungen, durch den Flieger Kapitän Moizo die Stellung der gegnerischen .-r- rillerie festzuftrllen. Sie eröffnete darauf ein heftiges Feuer das Kapitän Moizo als wickfam bezeichnete. Die türkische Batterie war bald zur Einstellung des Feuers gezwungen. Nachmittags eröffnete die türkische Artillerie das Feuer aus einer anderen Stellung östlich der italienischen. Bald nachher entwickelte sich einer der gewöhnlichen Angriffe gegen die italienische linke Flanke und wiederholte sich mehrfach ohne große Energie bis 9 Uhr abends. Der Feind setzte sich in einem Haus gegenüber unseren Stellungen fest. Er wurde von dort durch die 11. und 12. Kompanie der Grenad'err vertrieben. Die beiden Kompanim waren durch einen Zug Gebirgsartillerie unterstützt worden, welche das Haus vollständig zerstörte. Die Patrouille fand das Haus verlassen und unter den Trümmern Blutspuren und blutige Kleidersehen, alles Anzeichen einer elligen Flucht.
W Tripolis, 6. Nov. 1911. Die Generale F r u- noni und Dechaurand sind in Tripolis angekommen. Frugoni übernahm das Kommando des er- ften Armeekorps. Taneva behält seine öimlen Funk- . , , av v r rr v _ o Sirritnrt.:
betreffend Marokko enthält 15, das Kongoabkommen 17 Artikel. Der Austausch der Rati- sttations-Urkunden soü »sobald wie möglich" in Paris erfolgen.
Bemerkenswert ist der Ein- lestungssatz des Marolko-Ab- kommens:
„T ie kaiserlich deutsche Regie- - rung und die Regierung der sran- ; »ösiscken Republik haben infolge der in Marokko entstandenen slnruhen, die die Notwendigkeit erwiesen haben, dort im allgemeinen Interesse daS in der Akte von Algeciras vorgesehene Werk des ruhigen Fortschritts ju fördern, es für notwendig erachtet, daS deutsch-französische Abkommen vom 9. Februar 19llS I« erläutern und zu ergänzen."
Hier wird also das Abkommen als Erläuterung und Ergänzung des Abkommens von 1909 bezeichnet. Dieser Punk: ist bei der Beurteliung der Leistungen des gegenwärtigen Reichskanzlers und seines Staatsjekrelärs wohl zu beachten. Die Herren von Bethmann-Hollweg und von .Kiderlen-Waechter haben, als sie an die Regelung der Marokkosragen herantraten, keineswegs einen reinen Tisch und eine freie Bahn vorge- funden, sondern sie standen an der Hinterlassenschaft des Fürsten Bülow, die sie wit allem Soll und Haben haben antreten uüffen. Dazu
• Straßburg, 6. Nov. 1911. Zu dem angeblichen Kompromißversucht des Zentrums mit den Sozialdemokraten nahmen heute der geschaftssuhrende Ausschuß des Straßburger ZentrumSvereink Stell- lang Der Ausschuß billigte das Vorgehen des Vor- sitzenden, Dr. Burgubum, in der Angelegenheit und forderte den Sozialdemokraten Bohle, dnn angeblich das Bündnisangebot gemacht sein soll, auf, sein Mate- rial restlos zu veröffentlichen; nur bei Namensnennung lasse sich die Sache nachprüfen. — Die soziak- i demokratische Presse beschränkt sich nach wie vor dav- auf, unbestimmte Behauptungen zu wlederhoien; die Beweispflicht scheint sie, da ste selber in den Fall käme, nicht mehr anerkennen zu wollen.
Reichstagswahlvorbereitungen.
* Homburg, 6. Nov. 1911. In der Vertrauens- männerversammlung der nationalliberalen Partei des Wahlkreises Höchst-Homburg-Usingen wurde Pfarrer Küster aus "Höchst zum Kandidaten nomnnert.
* Paderborn, 5. Nov. 1911. Im Wahlkreise Warburg-Höxter stellte das Zentrum als Reichstags- kandidaten einstimmig Frhrn. v. Kerkrrrng-Borg- rinkerode auf.
* Wittlich, 6. Nov. 1911. DaS Wcchlkonutee
Ministeriumv. Chappuis find encrJagdeinladung des Fürstbischofs Dr. Kopp gefolgt.
*♦ An de» Rücktritt drS StaatbstkrellirS v. Liudr- quist knüpfen sich allerhand Gerüchte. Wie ein Berliner Mittagsblatt hören will, macht üch selbst in der allernächstenllmgebung deS Kaisers eine wachsende Mißstimmung gegen die jüngste diplomatische Aktion Belhmaan-Hollwegs geltend. Man schein« gerade dort die schlimme Situation zu begreifen, in die die Regierungskreise durch die unter so eigenartigen Umständen erfolgte Demission des Herrn v. Lmdequist gebracht worden feien. — Die Tendenz dieser Meldung ist so durchsichtig, daß ihr irgendwelche Bedeutung kaum beizumessen ist. Wetter soll in Berliner militärischen und politischen Kreisen verlauten, daß Herr v. Lmdequist in der schroffen Form der offiziösen Presseangriffe gegen das Reichrkolonialamt und m dem Borwurfe der Jrwiskretion, der zunächst auch aus den Staatssekretär bezogen werden konnte, eine Kränkung seiner persönlichen Ehre erblickt und, nach Einholung des Rates eines ihm eng befreundeten hohen aktiven Offiziers bk Angelegenheit dem zuständigen Ehrenrat z«r Beurteilung unterbreiten will. Herr v. Lmdequist ist Hauptmann bet Reserve. Auch biese Nachricht erscheint uns wenig glaubhaft.
X Mittelstand tmb Hansa-Dund. Der Hansa- Bund hatte auf Sonntag unb Montag nach Be rlin einen Mitlelstandskongreß »usam- menberusen. Der nicht sehr starke Besuch ließ erkenn«, daß der beittsche Mittelstand in seiner । übergroßen Mehicheit von bet Mittelstand-Politik
zy.
I der Hansabundes nichts wÄrn will. Die sachliche
Das Beratungen beschäftigten sich mit der Frage, wie d
n Marokko-Abkommen- wird in der kleingewerdliche Kresit zu heben seßDer «derlrn-Waechter und dem französischen Direktor deS Hansabundes, Knoblauch, kmpf h
i«__»»- ----hwft fi«6 int attifien und aanreu I solidarisches Vorgehen gegen das Borgunw^s-n,
der Dampfer „BoSnia" milden fremden Mi- litärattachö» ein, die bisher nur In Benghast einen etnMndigen Landaufenthalt machten, sonst aber überall am Beobachten der Sachlage vev- hindert wurden. Am 2. vormittags statteten sie dem Gouverneur Sxuieüa einen Besuch ab und kehrten kurz darauf auf die „BoSnia" zurück. Die italienische Regierung ist vorsichttg. Sie befürchtet wohl, daß die schwierige Lage, in der sich ihre Truppen be- finden, erkannt wird und daß bk militärischen Vertreter über die Grausamkeiten berichten, die an den Eingeborenen verübt werden.
Cholera und Hunger in Tripolis.
* Paris, 6. Nov. 1911. AuS Malta wird gemeldet daß der Gesundheitszustand in Tripolis sich zu verschlechtern scheine. Gestern wurden in den Sttaßen der Stadt ungefähr 5 0 L e i ch e n von durch Cholera oder Hunger verstorbenen Eingeborenen gefunden. Auch in den Palmenpflanzungen befinden sich noch vteüe Leichname. In etwa 40 Fallen wird täglich unter dm italienischen Soldaten Cholera festgestellt. .
* London, 6. Nov. 1911. Der Korrcspouoenr der „Mornlng Post" in Malta erfährt aus guter Quelle, daß unter den italienischen Truppen in Lripolls an der C h o l e r a st a r b e n: am vorigen Momag 31, am Dienstag 27, am Mittwoch 20 Am Donncrs- 103 waren 90 Erkrankte im Hospital.
* Mailand, 6. Nov. 1911. Nach hier eingelaufenen Ml düngen ist ein Drittel aller in Tripolis liegenden Italiener an Cholera und Typhus erkrankt. Dem „Secolo" zufolge haben die Italiener am Sonntag abend in einem Gefechte unmittelbar vor dem israelitischen Friedhof über 2 50 T o t e und ■ 416 Verwunde e in Feindeshänden zumcklassen
x 8tltg MW» Mito M te Mei. Die Lage bei Tripolis.
Der klaffende Widerspruch zwischen der verblüf- senden „Annexion" und der trübseligen Sachlage wird auch von der ttalienischen Presse verspottet Zur Cholera, die stark um sich greift, kommt jetzt noch die
das Gerücht, daß die _ schere Niederlage erlitten haben, daß die Tüllen in das Innere der Stadt eingedrungen sind
französische Abkommen vom 9. Februar 1909. In dieicmÄbkommcnhattcDcutsch.
land den Vorrang Frankreichs auf poltt sche.n Gebiete auerkaunt und sich seinerseits, vielen früheren Erklärungen entsprechend, auf die wirtschaftlichen Interessen, die offene Tür und die Gleich- berrrtitiüutia tür die deutschen Kaufleute und Unter- nehnwr in Btarokko beschränkt. In Verbindung mit der Alzec ras-Akle, die Frankreich mit einer aewtisen polizeilichen Vormundschaft Über Starokko betraute, schloß das Abkommen von 1909 das
v Bethmann Hollwag unter den Verhältnissen, die er bei Antritt seiner Amtes v or gefund en, auf friedlichem Wege mehr hätte erreichen können Wir könne« uns eine solche Möglichkeit nicht tiorfteteL Darum sollim alle besonnmm Poüiker sich mit dem Erreichten begnügen, wenn eS aucy nicht ihre Wünsche ganz befriedigt. „ „ ,
Wer gegen den mageren Vergleich Protest erhebt, der muß auch den Mut haben, als Befürworter ettieS europäischen Kriege» wegen der marokkanischen Unabhängigkeit aufoutoden. Dazu hatte sich aber nicht einmal der eiserne Bismarck verstandm.
Die Zustimmung der «lgecirasmächte zum Ma- rottoablommen. Die deutsche und die ftanzösische Regierung haben verabredungsgemäß daS Marollo- abkonMen den Nnterzetchnem des Algecirasvertrages vorgelegt. Wie ein Berliner Blatt ersährt, sind von den meisten Mächten bereits zustimmende Antworim eingelaufen. Unter den Mächten, die sich bisher noch nicht geäußert haben, befindet sich Spanien. Die spanische Regierung will angeblich zunächst da» Ergebnis der spanisch-französischen Marokkaverhandlun- gm abwarten, bevor sie dem deutsch-stanzösischen Ab- tommen ihre Zustimmung erteilt.
Die ftanzösische Deputirrtenkammer tritt bekanntlich am Dienstag wieder zusammen. Der Gesetzentwurf, betreffend die Billigung des deutsch-ftanzösi- schen Abkommen», wird wahrscheinlich sofort der Deputiertenkammer überreicht werden. Die Besprs- Suua des Entwurfs wird aber erst um den 14. oder 15. November möglich sein. Mit der Besprechung des Entwurfs wird die Beratung von Jnterpellatio-
land stand dann vor der Wahl, entweder KW mir oewassneter Hand in die marokkanische Umordnung nnzugrsifen oder geduldig der Ausdehnung dec Kan= wfischen Macht zuzusehen. Das eigene Emzrel- k«n hätte der Krieg bedeutet; das tatenlose Zu^hen aber drohte, auch die wirtschaftlichen Interessen Deutschlands zu Nichte zu machen.
In dieser Situation, die ohne ihre «s d) u 1 0 itr Deutschland arg verfahren war, haben nun die Herren v. Bethmann Hollweg und v. K'derlen -Pi retten versucht, was noch zu retten war. Sie Laben es an Mut nicht fehlen lassen, als sie, um Frankreich überhaupt erst verhandlungsbereir zu ma- Len den deutschen Kreuzer nach. Agadir schickten, »ie' mußten bann, um den Kriegsausbruch zu veralten eine langwierige Probe der Klugheit und Zähigkeit besteh.«. Nachdem nun ein Ausgleich Alf der unvermeidlichen mittleren Linie gefunden ist, gehört wieder eine gewisse Tapferkeit dazu, daS Abkommen, das natürlich nicht alle deutschen Hoffnungen befriedigen konnte, vor der öffentlichen Mel- nung und dem Parlament zu vertreten. Namentlich in dem jetzigen Zeitpunkt, wo die innerpoliti- scheu Leidenschaften stark aufschäumrn und die libe- Äm Wortführer mich die hochpolittschen Vorgänge eifrig ausnützen, um die gegenwärtige Regierung an- ^Wer'gerecht urteilen will, muß sich stets gegen- wartig halten, wie sehr die frühere R^ieruna die hochpolitische Stellung Dnitschlands, namenÜlch in Bezug auf die marokkanische Frage, g e s ch ä d i g t hatte. Die entscheidende Frage ist die: ob Herr
tion en und den Oberbefehl des ge)amien tionsheeres. Dechaurand übernahm Kommando der zweiten Division. Auf Grund eine Regierung oom 4. Rovnnber stnd dle Z delSgerlchte wiederhergestellt. Einige S digen den Eintritt der Regenzeit an..
Regenzeit, die sich ankündigt.
* London, 6. Nov.
auS Malta erhält sich
Ter Wortlaut des deutsch-sranzöfi ,Nordd. Allg. Ztg/ veröffentlicht. Das Abkomm«« Botschafter in Berlin, Cambon, unterzeichnel ^ ^^^o habeÜ. 'Das Abkommen
mit d m. was wir bereits nach dem „Wolff'schen Telcgr^-vut. v» ______________
Konstantinopel KriegSweldunaen erhalten und abge. druckt haben, die der Wahrheit nicht entsprochen hätten und türkenfreundlich gewesen wären. Die Aufregung darüber erscheint schon um deswillen nicht recht am Platz, weil doch selbstredend di« Lagespresse der ganzen Welt ihre Nachrichten hcrnimmt, wo sie sie haben kann, und in Krieglöuften natürlich au8 beiden Lagern. Im vorliegenden Falle ist es aber um so begreiflicher, daß auch Kriegsberichte über Konstanttnopel ausgenommen werden, well die italienische Regierung der direkten Berichterstattung aus Tripolis wie aus Italien alle erdenklichen Schwierigkeiten bereitet. Oder haben bte italienischen Zeitungen schon wieder vergessen, daß sie selber seit Anfang des Krieges über die Beschrankun- gen geklagt haben, die das Kabinett Giolitti dem jour» nalifttfdien Dienst auferlegt hat? Und noch eins. Wenn italienische Zeitungen sich darüber entrüsten, datz deutsche Blätter Meldungen auS türkischer Quelle bnn- oert, die natürlich den Italienern ungünstig sind, so mögen sie freundlichst in den eigenen Busen greifen und sich daran erinnern, daß seit Jahren — auch ohne Kriegszustand — die deutsche Berichterstattung der. toi ebener großer Blätter Italiens nicht birekt auS Berlin geschieht, sonbern über Lonbon unb Paris, unb bafc infolgedessen regelmäßig übet deutsche Ereignisse und Zustande dem italienischen Leser ein völlig entstelltes, unb zwar geflissentlich ent- stelltes, Bilb bargeboten wirb. Auch über bte Haltung der deutschen Presse zum Tripoliskrieg erfahrt die italienische Presse in der Hauptsache nichts direkt, son- bern alles auf bem Umwege über bie französisch-englische Presse lieber Paris unb Lonbon wirb bie italienische Presse seit Jahren mit tendenziös gefärbten Nachrichten über Deutschland versorgt.
» Konstantinopel, 6. Nov. 1911. Heber die A n. nerion Tripolitaniens durch Italiener herrscht hier große Erregung. Die Oßfotie totrb bet ben Mächten Protest gegen da» Vorgehen Italiens er» ^^Konstantinopel, 6. Nov. 1011. Die Pforte sst ent- schlossen, falls Italien ben Krieg über Tripolis aus. bebnt zur MassenausweHun0. bet Italiener zuschreken. Er'hat sich nach dieser Richtung em Um- towuna vorbereitet. So werden jetzt bte bet berschte- d?nen ^isenbahnbauten beschäftigten ttalienischen Av- beiter unb Werkführer auf Anordnung der Pforte ent- l"ff*"'sr-rn, 5. Rov. 1911. Die r e lig ionS f e in d. l i ch e Zentralorganssation Giordano Bruno erlaßt einen Einspruch gegen die .Berklerikalisierung" der Eroberung von Tripolis dadurch, daß Salesianer- un- andere Mönche an die Soldaten Kreuze und Medaille« verteilen, daß die Damenwett Tausende von Eoldate«
r »ttlbt, 6. Rov. 1911. Der Kaiser Montag den Vortrag des Chefs des Zioilkabinetis v. Balentini. — Kultusminister v. Tro11 zu Solz unb der llnlerttaatssekretär im preußischen Kultus
haben angenommen.
)( Raltdor, 6. Nov. 1911. In, der am Aittt- woch stattfindenden Stichwahl im Reichetag-- wahlkreise Ratibor zwischen dem polnischen und dem Zentrumskandidalen macht der Vorstand de? Patriotischen Wahlvireins, deflen Kandidat am 27. Oktober 8467 Stimmen erhielt, bekannt, daß er e§ seinen Wählern überlasse, wie sie sich bei der Stichwahl verhallen wollen. Die Sozialdemokraten haben Stimmenenthaltuug beschlossen. — Der sreikonfervative Führer, Frhr. v. Zedlitz, hatte seine in eben diesem .patriotischen Wahlvercm" organisierten Parteigenossen aufgefordert, für das Zentrum zu stimmen. Die „Patrioten" von Rati- bor werden mit einet solchen Wahlenthaltung die Wahl des Polen fördern, was bei der Mehrheit bet Raliboter „Patrioten" zweifellos auch die Absicht ist.
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ergreifung eines Teiles von Marolo hätte erst recht bet bisherigen Haltung Deutschlands wibet- ipre tu. ,
Wenn in manchen Kreisen Deutschlands die jetzt lollzorene Auslieferung Marokko s an Frankreich unangenehm empfunden wird, so ist das wohl zu verstehen ; aber es ist nicht recht, die Schuld daran der gegenwärtigen Regierung zuzuschreiben. Vielleicht hal es früher Augenblicke gegeben, wo es noch möglich war, die französische Herrschaft über Marokko zu verhindern ober gar für Deutschland eine Macht- oder Besitzzuwachs zu erreichen. Aber das lömtte höchstens zu Bülow's Zeiten im Bereich der Möglichkeit gelegen haben. Nach dem Abkommen von 1909 wac für Deutschland m Marokko nichts weiter zu erreichen, als die wirtschaftliche Freiheit und Gleichbercchtlgung.
Allerdings war in dem Abkommen von 1909 im- ttet noch die Rede von der Souseränltät und Jrtte- grität Marolko's. Vielleicht hat auch Fürst Bulow damals noch goglaubt daß sich die Unabhängigkeit des Scherifmrelches erhalten ließe. Diese Rechnung erwies sich aber als falsch. Mulay Has'.d zeigte sich als er auf den Thron gelang: war, ebenso schwächlich und käuflich, wie, sein Bruder Abdul Ans Die marokkanische Regiemrig wußte ihre Wu^de und Selbständigkeit nicht im mindesten zu verteidtgen. Es war für die Franzosen ganz leicht, fortwährend neue Vorwände für Erobermtgszuge in das ^Mere des Landes zu schasf.n oder auszunutzen. Deulph-
müssen.
Rückeroberung von Derna.
* Konstanttnopel, 6. Nov. 1911. Dcr Kriegsmfl «ister gibt soeben offiziell folgenbt von Enver Bey und dem Scheck der Senussi übermittelte Depesche aus: . „Die türkischen Truppen nahmen Derna wieder ein. Die Italiener hatten fünfhundert Tote; der Rest der italimischen Besatzung wurde gefangen genommen Acht- zehn Geschütz e wurden erbeutet. Auf turki- scher Seite gab es 80 Tote und 80 Verwundete.
Auch bei Tobruk wird heftig gekämpft. Der römische „Messagero" meldet, daß die Italiener ihre Position räumen mußten, weil die Hälfte ihrer Maunschafdcn vom Feinde abgefangen und getötet wurde.
* Jlalienisch-deutsche Pretzfehden.
Die italienische Presse nimmt täglich neuen Anlaß, sich über bie Haltung deutscher unb österreichischer Zeitungen gegenüber Italien zu erregen. In der Hauptsache sind eS allerdings nur eine Handvoll Blatter unb immer bieselben, bie bas Mißfallen be’r Italiener erwecken, in Deutschland hauptsächlich Berliner Biälter. Nun könnte man die Berichterstatter der italienischen Presse in Deutschland mit Recht fragen, warum sie denn immer nur diese paar Zeitungen beachten, in denen sie offene ober versteckte Bosheiten gegen ihr Vaterland finden, unb warum sie nicht einmal bie zahlreichen anbern deutschen Tagesblätter von Bedeutung lesen unb erwähne«, bie von ben Angelegen- heiteri Jtalieris reden, ohne gehässige Angriffe damit zu verbinden? Uebrigens ist doch zu bemerken, baß bet Vorwurf ber Gehässigkeit gegen beutsche Blätter durch- aus nicht immer gerechtfertigt ist. Zum Beispiel wird gerügt, daß deutsche Zeitungen von Grausamkeiten der italienichen Truppen gegen die arabische Bevölkerung geredet haben. Diese Nachrichten sind aber doch nicht etwa in Deutschland erfunden, sondern gerade l t a . l i e n i s ch e n Blättern (z. B. der .Stampa tn Turm) : entnommen worbe«. Der Vorwurf wäre also, wenn überhaupt, zunächst gegen bie italienische Presse zu
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