" fuldaer
Roggen Weizen
— Der Sternenhimmel im November.
Nachdem diesmal der Nachsommer int Herbst viel länger, als gewöhnlich bei uns der Fall ist, angedauert hat, zieht nunmehr der ,/Nebel-" oder „Wind-"Monat November ein, bei den alten Römern der neunte (von novern), in unserem Kalender der elfte Abschnitt im ewigen WechsA der Jahreszeiten«
7Atftlttrt « 2. Blatt.
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Tod zum Morgenrot gelangen. Die Flämmchen, die am Grabe leuchten, werden dem frommen Gemüt zu einem Abglanz des himmlischen Lichtes, und nicht bloss dem Verstorbenen sollen seine Strahlen leuchien, sondern auch uns, die wir noch den rechten Weg suchen muffen, um einst wieder die Vereinigung mit den Vorousgegangenev zu finden. Das Licht auf dem Grabe gleicht d.m Leitfeuer des Leuchtturms: der selige Tod ist die richtige Einfahrt in den Hafen des ewigen Glückes.
Dem Täufling bereits wird die brennende Kerze gereicht. Der Erftkommunikant trägt die brennende Kerze in der bewegten Hand. Am Sterbebett brennt die geweihte Kerze zum Zeichen, daß auch der Tod den Christen nicht in die Dunkelheit führt. Und auf der Grabstätte läßt man die Lichter brennen, dem» der da liegt, ist nicht tot, sondern er schläft und wird bald auferftchen. Das Licht ist der st.le Begleiter, nicht bloß von der Geburt bis zum Tode, sondern bis zur Auferstehung, bis zum Aufgang jener Morgenfonne der Ewigkeit, die nicht untergehen wird und nicht verdunkelt werden kann.
Auf Grabmälern ist seit alten Zeiten vielfach der Tod dargestellt als ein Genius, der eine Fackel auslöscht. Der christlichen Hoffnung entspricht es besser, wenn mmi mn Sarge und auf dem Grabe das Licht anzündet.
Im brennenden Licht ist Wärme und Leben. Ein sthöneres Symbol kann sich die L t e b e, die über Tod und Grab hinan» währen will, wahrhaft nicht wählen.
Die Kerze, die sich brennend verzchrt, hat auch den Charakter des Opfer». Das fühlt jeder sofort, der gewohnt ist, die brennenden Kerzen auf dem Altar al» Begleiterscheinung der erhabensten Opferhandlung zu sehen, und durch die Botwkcrzen vor den heiligen Bildern von den Gebeten der Stifter Kunde erhält. Die Kerzen am Grab« geben der Ruhestätte die Würde eines Altars, auf dem dir Hinterbliebenen in Fürbitte und Gelöbnissen ihre Opfer darbringen zugunsten der Borausgegangenen. Opfer der treuen Liebe, die auch dann nicht vergeben» sind, wen« die Vollendeten ihrer nicht mehr bedürfen sollten; denn da» Gebet für die
Verstorbenen hat eine gleichsam rückwirkende Kraft, indem es auf den Urheber reichen Segen streut.
O, lasset die Lichter auf den Gräoern glühen und leuchten! Sie erfreuen Augen und Herzen; sie klären den Geist und wärmen das Gemüt; sie zeugen von Lieke und mehren dre Liebe; sie ehren die Verblichenen und erbauen die Ueberlebenden; sie erleichtem es uns, üi der sog. Stätte der Verwesung einen Vorhof des ewigen Lebens zu erblicken und den «schwarzen Tod" als Bahnbrecher des ewigen Lichtes zu betrachten. —
Kann man an den A s ch c n u r n e n in den Hallen der Leicheiwerbrenner auch Allerseelenkerzen an- z und en? Das will nicht recht zusammenpassen. Dorr hat man auch Feuer entzündet, aber ein verzehrendes, zerstörendes Feuer zum Zweck der Vernichtung. Die Grabeskerzen aber wollen Leben, Licht und Liebe, Fortbestand und Auferstehung andeuten. Dort ein Schadenfeuer, hier em Osterfeuer. — Wer sich eine christliche Allerseelenfeier in eine Urnenhalle verlegt denkt, fühlt sofort, daß die neue Mode der Leichenver- brenmmg mit dem Glauben und Fühlen der Christen nicht in Einklang zu bringen ist.
Am Grab trauern wir über die vorläufige Trm- nung, aber nicht über die Vernichtung. Der Körper ruht, aber die Seele lebt. Die leuchtenden Flämmchen muten uns wie Sinnbilder der Seele an. Wir spüren chre Nähe, wir fühlen die geheimnisvolle Gemeinschaft, die alles umschließt, was nach Gottes Ebenbild geschaffen sst für die Unsterblichkeit, und die auch nicht aufgehoben wird, wenn die Verbindung zwischen Leib und Seele zeitweilig unterbrochen ist. Die Betonung der fortdauernden Lebensgemeinschaft gibt dem Licht am Grabe einen gemütlichen Zug. Die vorausgegangenen Angehörigm haben mit uns gesessen am häuslichen Tisch, um die trauliche Fa- milienlampe. Wenn wir an ihrem Grab die Kerze entzünde! haben, so denken wir uns, wir wären wieder in so innigem Kreise vereint.
Halten wir fest an den alten, guten, schonen, tröstlichen Grabessitten. Aber der Ge.st ist eS der ^e Gebräuche lebendig mach!. ES genügt mcht, etliche Kerzen au kaufen und anzuzünden, sondern es kommt
Regierung sei bettelnd vor der Sozialdemokratie, nidjienen, um den Beistand der „Genossen* für, Aufrechterhaltung de» Weltfriedens zu erhalte«. Nun Macht aber der belgisch« Sozialist Vander» velde, der Vorfitzend« de» Juterationalen sozialistische« BureauS, selbst einen Strich durch diese Behauptung, indem er erklärt: ;
„WaS die angeblichen Information en be5 holländischen Korrespondenten bet Franks. Zlg. aibetrifft, so beschränke ich mich darauf, chre Unwahrscheinlichkeit, zu unterstreichen. ES liegt auf der Hand, daß, wenn in einem kritischen Momente die ein» oder die ander«) Persönlichkeit eS für nützlich halten konnte, daß wir über gewisse Dinge unterrichtet würden, so war hierzu nicht notwendig, sich direit und offiziell an das. Internationale sozialistische Bureau zn wenben."
X Eine bessere Information der preußischen Ressort* Minister wird durch folgende auttl.che Bekannt' machung verlangt: J
»Infolge höheren Ortes ergangener Bestimmungen sind die O ^Polizeibehörden wiederholt angewiesen worden, über alle in chrem GeschSf sbezirle Vorkommen- den erheblichen Unglüclssälle und andere ungewöhnliche Ereignisse, zum Beiipiel größere Feuersbrünste, RaubaruSlle, Mordtalen, bedeutende und gewaltsame Diedstäule sowie auch über alle tuteressanten Vorgänge auf demGebiet« derKommunal- verwaltung sofort ohne den mindesten Zeilverlust dem betreffenden Ressortminister unmittelbar Bericht zu ^erstatten. Eine Abschrift dieser Berichte mit der Angabe, daß eine direkte Berichterstattung au den zu- ständtgen Herrn Minister ftaitgesunden hat, ist dem Regierungspräsidenten durch die Brrmittlnng des Landrats einzureichen.'
ReichstagswahlvorSereitungen.
* Posen, 2. Nov. 1911. Der Köln. Zig. zufolge'- bereist Graf Oppersdorfs den Wahlkreis Lissa- Fraustadt und bewirbt sich um das Mandat dieseS Kreises. (Der Wahlkreis ist gegenwärtig im Besitz der Reichspartet.)
Gesamt e i n fuhr (in Doppelzentner) 1911 1910
866781 C72 210
4683673 8 648486
'Deutsches Uerch.
Ter tote FrlekenSschwindel enthüllt. In der vorigen Woche war behauplet worden, die deulsche
^Hnugerndes Bott" und
„agrarischer MilLionenPrafit".
Die sozialdemokratische Teuerungshetze, die die tollsten Blüten treibt, setzt neuerdings folgende dreiste Lügen in die Welt:
„Nun setzt, gestützt auf das Zollgesetz, ein B r o t - wucher der Agrarier ein, der mit Recht ein Verbrechen am Volk genannt werden kann. Während das deutsche Volk hungert, führen die Agrarier ihr Getreide nach dem Auslände aus, um es dem deutschen Markte zu entziehen, die Preise zu treiben und dabei gleichzeitig Riesenfummen aus der Re ich? lasse zu erhalten. Tatsächlich wird bereits feit einigen Jahren schon mehr Haser und Roggen aus Deutschland ausgesührt als eingeführt, obwohl di- deutsche Landwirtschaft den Bedarf nicht decken kann. In diesem Jahre nimmt die Getreideausfuhr durch die Agrarier e ne so bedrohliche Höhe an, daß da? Schlimmste zu befürchten ift l Da daS deutsche Getreide nach dem Auslände geht, wird das Anaebok verringert, der Preis steigt, dir Agrarier stecken Millionen ein, und das arme Volk muß dafür hungern!" (Bgl. Flugblatt .Tie Teuerung*.)
In den hier angeführten Sätzen ist nicht ein einziges wahres Wort! Aus den Ziffern unserer Aüs- suhrstatistik suchen die Sozialdemokraten aus ihre Art Honig für ihre Agitationszwecke zu saugen.
Gewiß! Die Sozialdemokraten haben recht, inso- fem, als die Ausfuhr bis 1910 allmählich gestiegen ist, aber die Einfuhr ist noch weit mehr gestiegen! und zwar von Jahr zu Jahr, gerade am stärksten im letzten Erntejahr vom 1. August 1910 bis 31. Juli 1911 und in dm zwei ersten Monaten des Erntejahres 1911-12 (August und September)! Jeder kann sich überzeugen davon, wenn er einen Blick wirst in den „Deutschen Reichsanzeiger* oder in die „monatlichen Nachweise für den auswärtigen Handel* oder in die vom Reichsamt des Innern heranSgegebcnen „Nachrichten für Handel und Industrie*, ins „Stattstische Jahrbuch* usw. Die Re- dasteure der roten Flugblätter scheinen allerdings keins
JIS 253.
Sam«l«s z. Itoeem»« Wt.
58. Jahrgang.
auf die Andacht an, die an dem Grabaltar gepfla- gen wird. Die Herzen müssen in Einstang stehen mit den leuchtenden Kerzen. Wer die Gemeinschaft mit den Vorausgegangenen Anbeuten will, muß sich auch mit seinem Denken und Wollen in diese Gemeinschaft versetzen. Wer eine Kerze opfert, der muß auch seine Fürbitte und seine guten Vorsätze opfern. Sonst ist die Grabbeleuchtung nur eitles Blendwerk.
Einstens lagen die Friedhöfe um die Kirche herum; es waren richttge Kirchhöfe. Auf die Gräber fiel ein Sttahl von der ewigen Lamp« des Gotteshauses; die Gebete und Gesänge vom Gotesdienst stangen über die Grabreihen hin, und wenn die Ueberlebenden zur Kirchs gingen, so war das zugleich ein Friedhofsbesuch. Jetzt liegt der Friedhof abseits von der Kirche, vielfach auch schon sehr abseits von Wohnungen. Der Besuch der Gräber ist umständlich und zeitraubend geworden. Aber er darf nicht selten werden. Der Friedhof soll eine Erbauungsstätte sein, und vor den Grä- 6cm der Angehörigen sollen wir uns predigen lassen. Und wenn es auch mehr Zeit und Geld kostet, so mns» sm wir doch für den Besuch der Gräber, für dem Schmuck der Gräber eifrig forgen. Die Toten düro fcn nicht leiben unter der räumlichen Trennung von, Friedhof und Kirche. Wem die lauten Gebete nicht, | mehr über die Grabreihen schallm, so mögen umso mehr stille, innige Gebete an den Gräbern gesprochen wer» den, und wenn sie aus dem Bereich der ewigen Lampu vor dem Mare gerückt sind, so wollen wir ihnen zcit-- tocilig das Licht von liebevoll gestifteten Gedächtniskerzen verschaffen.
Wo der rechte Geist herrscht, da geht Licht vorn dunklen Grabe aus und Wärme vom kalten Tode.
Gesamt auS fuhr (in Doppelzentner) 1911 1910
1849 643 1788609 951374 1132343
Ausland.
* Sozialdemokratisches Geständnis. In Inns- druck tagen zurzeit die österreichischen So»' zialdemokraten. Man wird sich erinnern, wie die Roten es mit „hoher Entrüstung« als eine, höchst niederträchttgr Verleumdung kennzeichneten/ daß man von gegnerischer Seite behauptete, bet' Parlamentsattentäter Njegus habe irgend etwas mit der Sozialdemokratie zu tun, oder sei gar organisiertes Mitglied der Partei. Der .Vorwärts' schimpfte wie ein Rohrspatz auf alle, die etwas Gegenteiliges behaupteten. In Innsbruck hielt nun der Führer der siovenischen Sozialdemokraten, Kristan, eine Rede, in der er sagte:
Es hieße unserer Partei, die ich vertrete, Abbruch tun, wenn ich tagte, Njegus ginge unsere Partei nichts an. Nein, Njegus war Mitglied unfertig Partei. Es ist da weder etwas zu leugnen, noch etwas zu befürchte«; wenn sich aber Njegus zu dieser unsinnigen Tai ganz dmreißen ließ, trägt hieran die unselige Politik eines Baron Gautsch die Schuld. Die Notlage müsse schon eine ganz gewaltige fein, wenn ihre Wirkung brs nach Dalmatien herunter reiche und auch dort eine foltbe Aufregung verursache, Aufregungen , die in Vmen naturgemäß zur Explosion führen müßten.
Man muß es Herrn Kristan lassen, er ist ein aufrichtiger Mann, der aus seinem Herzen keine Mördergrube macht; das unterscheidet ihn höchst vorteilhaft von vielen seiner Genossen. Höchst charakteristisch ist es, daß die .Wiener Arbeiterztg/, dte sonst sehr genau über die Tagung berichtet, diesen Passus gänzi ch unter den Tisch oder in den Re- daltiouskorb fallen läßt.
** Die Aniimilitatisten machen der französischen Regierung ernste Sorge. Wie ans Marseille gemeldet wird, verursachte eine Abteilung Kolonial- Jnfanteristcn in ihrer Kaserne unter Absiugung der Jmeruationale große Ruhestörungen. ES handelt sich um etwa 700 zur Abfahrt nach Casablanca bereitgehaltene Soldaten, die in der Kaserne Vieille Charitd untergebracht waren. Nm Ruhestörungen zu vermeiden, war den Mannschaften der Besuch der Kantinen untersagt worden. Tie Leute verlangten jedoch, daß man ihnen das Kasernentor öffne und sangen dann die Inter- nationale; einzelne zertrümmerten mehrere Fenster- scheiben. Es wurden Truppen beordert, um dir
von diesen amttichen Blättern zu kennen, sonst könnten ie doch unmöglich behaupten:
Ju diesem Jahr« nurunt die Vetreideausfnhr durch die Agrarier eine so bedrohliche Höhe an, daß das Schlimmste zu befürchten tfL
Oder haben sie etwa nicht sehen wollen, weil die Zahlen schallende O^fetgeu an ihre hohlen Köpfe bedeutet hätten? Fast muß man’» cmnchuun!
Wir wollen nachheffen, wollen den Sozialdemokr» ten ihre Lügenmaske etwas „lüften* und wollen einige Zahlen über die „bedrohlich zunehmende Getteide- ausfuhr* bringen, die wir dm „Nachrichten für Handel und Industrie* sowie dem „Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich' enmommen haben. Die Mehreinfuhr (d. t. der Ueberschutz der Em- uhr über die Ausfuhr) von Brotgetreide (Wei- zm und Roggen) betrug im Jahrfünft 1891/95 durch- chnittlich 1.75 Millionen Tonnen, 1896/1900: 1.93 Millionen 1901/05: 2.48 Millionen und im Jahr- ünst 1906/10 durchschnittlich 2.01 Millionen Sonnen. In der letzten Zett hat die Mehr ein fuhr ganz besonders wieder zugenommm. Im Emtejahr 1909/10 (1. August bis 31. Juli) betrug sie 1.96 Millionen und 1910/11 2.14 Millionen Tonnen. Noch auffallender ist die Zunahme der Mehreinfuhr in den letzten zwei Monaten August und September, wo bereits die neue Ernte auf dem Markte war. Dabei ist im letztm Jahre die Ausfuhr von Weizen gefallen, dagegen die Einfuhr sehr stark gestiegen! Der gesamte Außenhandel ergibt ür die zwei Monate August und September folgendes Bild:.
arbeitet worden! Der Honsabund hat seine gewaltigen Geldmittel zur Verfügung gestellt und wenn dennoch daS Zentrum in der Stichwahl bis auf wenige hundert Stimmen die Stinnnenzahl erreicht hat, mtt der unter den günstigsten Verhältnissen nn Jahre 1907 der verstmckene Abg. Hug gewählt wurde, so ist das immerhin ein Erfolg, auf den un» ere Patteifreunde in Sonstanz-Ueberlmaen stolz ein dürfen. Nicht dem Liberalismus ist das Zen- Tum erlegen, sondern dem Großblock und der von hm in unerhöttester Weise betriebenen Hetze.
Im türkisch-italienischen Kriege tft es ju einet Wendung zu gunsten der Türkei gekommen. Die Italiener find ans dem äußeren Tripolis tn das Innere der Stadt zurückgedrängt worden, ähnliche Kämpfe haben fich bei Benghafi abgespielt. Die Türken und die ihnen Verbündete Araberstämme betätigen eine todesmutige Tapferkeit, mtt der bk Italiener nicht gerechnet haben. Aus den letzten Gefechten ist zu ersehen, daß der Landkrieg sich ganz anders abspielt, als die Italiener sich gedacht haben. Die grenzenlose Todesverachtung der Eingeborenen, ihre rücksichtslose Berwegen- hett wird den Italienern noch weiter schwere Sorgen bereiten. Die Italiener haben schon erhebliche Verstärkungen für Tripolis mobil gemacht.
In Ch in a hat die Regierung den Forderungen der Revolutionäre nachgegeben, und der 6jährige Kaiser hat ein Edikt erlassen, in dem er in geradezu demütig« Ditte die Einsetzung einer Verfassung und ein« Amnestie für politische Verbrecher ankündigt. Aber auch das hat nicht die gewünschte Wirkmrg gehabt, und d« Siegeszuq d« Rebellen geht weit«. Inzwischen ift das chinesische Kabinett zurückgetreten. Das neu zu bildende „Ministerium" wird nur em llebergangsminifterium sein, da der Posten des Präsidenten für den großen Staatsretter 8) u a n s ch t - k a i freigelassen Werden soll. Dieser hat inzwischen der Regierung vorgeschlagen, alle Feindseligkeiten gegen die Rebellen emzustellen. Er will mit ihnen Friedensverhandlungen einletten. Ob das zum Ersola führt, und ob überhaupt die Rebellion vor den Toren Pekings Halt macht, oder ob sie dre Mandschu-Dhnaftie Hinwegfegen wird, ist noch mcht abzusehen.
Wochen-Runüschau.
f-j Fulda, 8. November 1911. , ff-!?S ÖMÄ-SJSf ift fata -Ä Aefttzentwrrrs s ch Abschluß. Diese schnelle
Kornu..ssionslesuug v ni„g[id) ^urch, daß sich alle larteÄ ihren Wünschen beschieden, und dadurch, dak die Parteipolitik bei der Vorlage ganzlrch aus- Äaitet ift. Die Beratung der Angestellten-Ver- sicherrmg ift eine wirkliche parlamentarische Muster- beraiung, wie wir sie allen Vorlagen wünschen. Selbst die Sozialdemokraten find aus chr« Prinzipiellen Verueimingsreserve herausgetreten und haben erklären lassen, daß, nachdem der Anschluß pn die Jnvalidensicherung abgelehnt sei, sie auf dem Boden der Regierungsvorlage mttarbeiten wollten, j— Außer der Teuerungsdebatte, die durch das Veto der Linken zu einem plötzlichen Abschluß gebracht Wurde, hat der Reichstag noch die Interpellation des Zentrums und der Freisinnigen über die Maul- und Klauenseuche beraten und da- jbei der Regierung wichtige Anregungen zur Bekämpfung dieses Seuchengastes gegeben. Dabei teilte der Staatssekretär mit, daß das neue Viehseuchen- ^esetz mit allen seinen Ausführungs-Bestimmungen Jm 1. April nächsten Jahres in Wirksamkeit treten könne.
Ter W a b l k a m p s hat inzwischen schon entge- setzt. Die sreis. Volkspartei hat einen kurzen Wahlaufruf erlassen und hält den Klingelbeutel im Lande iierunt. Die übrigen Parteien werden wohl bald olgen. Herr v. Hepdebrand, der Führer der Kon- ervativen, den die liberale Presse so gern den „un- aekrönten König von Preußen" nennt, hat, in Breslau eine große politische Rede gehalten, bei der auch iitt Mitglied des Kaiserhauses Beifall klatschte, f Im Reichslande sind die Wahlen zum dor- "iigen Parlament zum Abschluß gelangt. Die Stich- ftwhlen haben allerdings den Liberalen nicht die ersehnte Mehrheit über die Zentrumsstimmen gebracht, öchon bei den Hauptwahlen hatte bekanntlich der Liberalismus eine gründliche Niederlage erlitten und .denn er es bei den Nachwahlen auf 10 Mandate gebracht hat, so hat er das ausschließlich der Unter« Stützung durch den Umsturz zu verdanke»'. Dieser plbft hat in der Nachwahl noch 6 Mandate geinen« ten, sodaß er im ganzen über 11 Landtagssitze feer« ;gt. Der Großblock im elsaß-lothringischen Land- lüg verfügt also nur über 21 im höchsten Fall 23 Stimmen. Tas ist ein völliges Fiasko Les Großblocks und gleichzeitig auch ein gründlicher Herein- Äll der reichsländischen Regierung, die den Groß- ölock mit allen Mitteln unterstützte und förderte. Wie hat man nicht in der liberalen Presse gejubelt, 'al§ die Nachricht vom Abschluß des Großblocks im Reichslande bekannt wurde. In zahlreichen libe- '.alen Blättern konnte man lesen, daß die „Klerikalen" bei den Nachwahlen eine gründliche Niederlage erleiden würden. Im günstigsten Falle sprach man dem Zentrum nur noch ein oder 2 Mandate zu. Der Erfolg hat die liberalen Propheten Lüge bestraft. DaS Zentrum zieht mit 26 Mandaten als die stärkste Fraktion in den reichsländischen Landtag ein. Mit dem Lothringer Block, der über .10 Mandate berfügt und einigen Unabhängigen, die mit Hilfe des Zentrums gewählt sind, verfügen die rechtsstehenden Parteien also über eine sichere Mehrheit int neuen Landtag. In Konstanz - Uebergingen haben die Nationalliberalen in der Stichwahl gegen das Zentrum ihren Kandidaten durch- rbracht, aber nicht aus eigener Kraft, sondern nur init Unterstützung der Sozialdemokratie. Daß es so jlommen würde, konnte nach dem Ausfall der Haupt- iwahl kaum noch zweifelhaft fein. Interessant zu erfahren wäre e5, ob der nationalliberale Kandidat /ch bereits auch den Stichwahlbedingungen, die die 'Sozialdemokratie in Jena aufgestellt hat, hat her« stflkchten müssen. Solange nicht einwandfrei das Jkgenteil nachgewiesen wird, wird man es Wohl annehmen können. Eine Partei also, die Anspruch darauf macht, zu den nationalen Parteien gezählt zu werden, hat sich schmählich dem Joch des Umsturzes gebeugt. Für das Zentrum ist der Verkifft von Konstanz gewiß bedauerlich, aber zur Eittmn- ftigung liegt dennoch kein Grund vor. Wie ist nicht in dem Wahlkreis mit Lüge und Verleumdung ge-
UnpoMsche Zeitkäufe.
N. Berlin, Allerseelen 1911.
(Nachdruck verboten.)
„Warum zünden denn die Katholiken auf den Gräbern Lichter an?' So fragte mich hier schon man- scher Eingeborene, der zu Anfang November abends 'an einem unserer Fri dhöfe vorbeigegangcn war und ?' eschen hatte, wie sich ein Sternenhimmel niederge- affen hatte auf die sonst so dunkle Gräderstätte.
' Ist denn dieser Grabschmuck nicht schön? — war cheiire nächste Gegenfrage. Nicht mindesknZ ebenso schön und herzerheüend, als die Kränze und die Blumen, mit denen oft so viel Verschwendung getrieben wird? In welch einem lieblichen Glanze hebt sich Has Grab unserer Lieben aus den nächrlichen Schatten hervor! Wie leuchtende Vergißmeinnicht melden hie Lichtstrahlen, daß dort ein frommes Gedenken die Hinterbliebenen mit den Vorausgegangerien vereinigt.
Auch das Weltkuid muß die Schönheit dieser Dmbbeleuchtuug würdigen, wenn es sich erinnert an die Illuminationen der Häuser und Straßen, mit denen man öffentliche Gedenktage zu feiern psiegk. Und an die Fackclzüze, die durch LichtMe die gehobene Stimmung bekunden unb steigern sollen.
?■ Dazu kommt die s h m b o l i s ch e Bedeutung der brennenden Kerze, die allerdings nur dem Katholiken, her tn den Gebräuchen seiner Kirche aufgewachsm ist, holl und ganz zum Vewußtsein kommt
Licht, Leben, Liebe!
„Und das ewige Licht leuchte ihnen*, heißt eZ Rutn Schluffe der Fürbitte für die Abgestorbenen. Die Finsternis ist Unglück, Verderben, Hölle. Im Lichte fvandeln die Seligen, und ihre Angen sind aufgetan, haß sie die ewige Wahrheit und die Herrlichkeit des HimmelS sehen. Indem wir auf den Gräbern der Lieben die Kerzen entzünden, geben wir der Hoffnung Ausdruck, daß sie nicht in dem Schatten des Todes fitzen bleiben und nicht in die ewige Nacht der Ver- vanmmis sinken, sondem per crucem ad lucem durch Freuz zum Licht, per aspera ad aslra, durch den
Diese Zahlen straftn die sozialdemokratischen Behauptungen in einer Weise Lügen, die nichts zu wünschen übrig läßt! Wenn unsere Roggensusfuh» im Laufe der Jahre geftiegen ist, so ist das übrigens durchaus keine unecfteuliche Erscheinung! Ihre Ursache liegt nämlich darin, daß unsere Roggen- Produktion unter den günstigen Wirkungen einer fortschreitenden landwirtschaftlichen Technik und dank der Zunahme der Roggenanbausläche stark gestiegen ist, während gleichzeitig der R o g g e n k o n s u m wenn nicht abgenommen hat, so doch wenigstens im allgemeinen auf gleicher Stufe stehen geblieben ist. Der zunehmende Wohlstand macht es eben dem deutschen Volke möglich, sich mehr dem Weizenkon- sum zuzn.wenden; das beweist auch die starke Steigerung der Weizeneinsichr!
Zum Schluffe noch die Frage an den „Vorwärts*, wie viele offizielle Verweise er wohl im geheimen schon erhalten hat, feit et in Nr. 195 vom Jahre 1909 schrieb:
Handelt es sich um die Ernährung der Ein- wohnerschaft, so kann Deutschland im Ernstfälle diese noch immer allein be sorgen. In einem weit hohem Grade, als die Vermehrung der Beoölkerung vor sich geht, steigt auch b'c Produktivität der Landmirlschast. Die Elirägnisse neigerten sich feit 1891 bei den einzelnen Gelreidearlen bis nahezu 100 Prozent, wahrend sich dis Bevölkerung m demjeli'en Zeitraum um nur 33 Prozent vermehrte. Zweifellos können hier noch weit bessere Resultate erzielt werden, und die Vehauplung vieler Fachmänner, daß Deutschland bei rationeller Ausnutzung und '■Bearbeitung seines Badens noch ans viele Jahre hinaus seinen Bedarf an Lebensmitteln allein decken kSnnte, ist durchaus nicht übertrieben.
Wir fragen: Wie reimt sich diese Aeußenmg des offiziellen Zentralorgans mit den Ausführungen des Flugblatts „Die Teuerung" vom „hungernden Volke", vom „Mlllionenprosit der Junker", von der „bedrohlichen Höhe der Getreideausfuhr* usw.? Der „Ernst- sall, in welchem Deutschland die Ernährung seiner Einwohnerschaft noch immer allein besorgen kann", durfte doch in diesem Jahre sicher gegeben sein, zumal bei dem guten Ausfall der Geireidernte! Oder? Warum dann ein solches Teuerungsgefchrei?
Eine Seite muß lügen! Entweder die „Vorwärts" redakteure ober jene des Flugblattes! In diesem Falle sind es die letztem!