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Erstes Blatt.

Fulda, Samstafl )en 4. November 1:111.

38. Jahr au s.

DaS Abkommen wird sachlich unter Berück- ichtignng aller vergangenen, gegenwärtigen und ünfrigen Verhältnisse geprüft werden müssen. Darum sollte auch die öffentliche Meinung durch den unangenehmen Zwischenfall im Koioniatamt, der die Veröffentlichung des Abkommens begleitet, fick nicht aufregen lassen, sondern sich ohne Rücksicht auf Personen und Nebensachen das Urteil über das ganze Werk nach gründlicher, unbefangener Prüfung Vorbehalten.

eiliger Verständigung für den Fall, daß im inter­nationalen K 0 n g 0 b e ck.e n, wie es im Berliner Vertrag ftsigelegt ist, Veränderungen emtreten sollten

der ganzen ausgedehnten Debatte ist, daß Verkehrs­minister v. Frauendorfer am 31. Oktober in umfassender Weise seinen Standpunkt gegenüber dem roten Verband versteifte. Es ist unverständlich, wie er mit solcher Schärfe die Unmöglichkeit, daß kein Beamter Sozialdemo'mr sein darf, in umfassender Weise begründete, aber fest darauf bestehen bleibt, das nicht zu sehen, was alle Welt sieht, daß die er­drückendsten Beweise für den sozialdemokratischen Charakter des roten Eisenbahnerverbandes vorliegen. Die Unsicherheit der Entscheidung der Diszipliuar- gerichie hat es iura angetan. Warum geht man beim nicht endlich dazu übst, ein Feststeliungsnrbeil zu provozieren, damit dann die Sicherheit gegeben ist zum Handeln: entweder für das Auftreten der Ver­waltung oder für die Aktion der Exekutive? AuH

Ministerpräsident Graf P o d e wi l s griff nochmals in die Debatte ein, um die gegen ihn von den Libe­ralen erhobenen Vorwürfe, als habe er mit seiner ängsten Aeußerung, er hege das Vertrauen, daß die Disziplinargerichte einen Beamten, der Sozialdemo­krat geworden, zur Entlassung verurteilen würden, die Unabhängigkeit der Disziplinargerichte gefährdet habe. Der Ministerpräsident konnte ein noch nicht bekanntes Disziplinarurteil vom Juli 1911 anführen, das ausspricht, ein Beamter, der sich zum sozialdemo­kratischen Programm bekennt, verstößt gegen seinen Diensteid und macht sich unwürdig, Beamter zu sein. Es ist also im Podewilsschen Sinne bereits entschie­den. Daß der Ministerpräsident das nicht gewollt hat, was man ihm unterstellt, ist ganz selbstverständ­lich.

die Politik des Vorgesetzten Reichskanzlers Stimmung zu machen, so verstößt da» freilich gegen die Ordnung und ist für den gedeihliche» Fortgang der Geschicke de» Reiches gefährlich.

Man muß den Offiziösen zugeben, daß sich die Meinungsverschiedenheit über da» MaroEoabkommm vielleicht erklären läßt, wenigstens tellweise, von dem andern Standpunkt, den ein Ressortchef ein­nimmt, gegenüber dem zentralen Standpunkt des Reichskanzlers. Herr ». Lindequist prüft und bemißt nur die Veränderungen im Kolonialbestand, also nur den zweiten teil des Abkommens, nach dm kolonialpolirischen Gesichtspunkten der Nützlichkeit. Der Reichskanzler und Herr v. Kiderlm aber müssen „alles in allem nehmen-'; für sie ist der erste Teil des Abkommens, namentlich die Garantie für die offene Tür in Marokko, von der allergrößten Bedeu­tung, und für sie fällt die hochpolitische Rück­sicht auf den europäischen Frieden und das ruhige Verhältnis zu dem französischen Nachbar wesentlich ins Gewicht. „Deshalb muß', so sagen die Osfiziö- sen ganz richtig, „die so stark hervortretende Betonung seiner abweichenden Meinung seitens des Herrn v. Lindequist in einem Moment ganz besonders überra­schen, wo der Vertrag vor den Augen Europas als abgeschlossen gilt, und der deutsche Reichskanzler ein­zig und allein mit der ganzen Kraft seines Amtes und seiner Person die Verantwortung für alle sich aus dem Abkommen ergebenden Konsequenzen über­nommen hat. Eine derartlge Stellung­nahme Nachgeordneter Instanzen dürfte auch in Deutschland eine seltene Erscheinung bleiben.

♦ Berlin, 3. Nov. 1911. Das Entlassungs­gesuch des Staatssekretärs v. Li n d e q u i st ist nach dem heutigen Vortrag des Reichskanzlers beim Kaiser beim Kaiser genehmigt worden. Der Gouver­neur von Samoa, Dr. Sols, ist mit der einstweiligen Leitung des Kolonialamtes betraut worden.

deutsches Neich.

♦♦ Berlin, 3 Nov. 1911. Der Kaiser begab ich Freitag mittag nach Döbetitz, um an ver Hubertusjagd teilzunchmen. — Die neuen preußische» Steuernorlagen roeroen in den nächsten Tagen im Staatsmimsterium zur Beratung gestellt werden. — Eine japanische Sondergesandts cha ft zum Studium deutscher Eisenbahnen wird m einigen Tagen tn Berlin eintreffen.

+ Präsidentenwechsel im preußischen Landtag. Der preußische Landtag wird in der kommenden Tagung in beiden Häusern einen Präsidentenwechsel vorzunehmcn haben. Daß Herr v. Kröcher das Präsidium des Abgeordnetenhauses nicht wieder über­nehmen wird, ist schon bekannt. Jetzt melden kon- ervative Blätter, daß auch Frhr. v. Manteuffel und Frhr. v. Landsberg, der Präsident und der zweite Vizepräsident des Herrenhauses erklärt haben, eine Wiederwahl in der nächsten Session aus Ge- undheitsrücksichten nicht annehmen zu können.

** Zu dem Regierungserlaß, der die Regierungs­präsidenten anweist, über Angriffe schwerwiegender Natur gegen die Regierung Bericht zu erstatten, schreibt das „Düffcld. Tageblatt":

„Wan soll das Eingreifen der Berliner Zentral­stelle nicht überschätzen. Wir haben in D ü s s e l dorf nach jenem 12. September, an dem der Ministerial- erlaß erging, noch lange genug tut heißen Wahlstreit gestanden. Es hat wahrlich dabei an „Angriffen schwer­wiegender Natur" gegen die Negierungspolitik nicht gefehlt. Wir haben sogar eine grundsätzlich überaus bedenkliche Attacke nicht nur gegen die Politik der Ne­gierung, sondern gegen die Eidestreue ihrer Organe erlebt. Herr Dr. Potthoff, fortschrittlicher Abgoordne- ter, hat in einem besonderen Flugblatt die Beamten aufgefordert und dringend ermahnt, der Partei ihre Stimme zu geben, die gar keinen Hehl daraus macht, daß sie die ernsteste und grundsätzliche Gegnerin der derzeitigen Regiertmgspolitik urrd der ganzen herr­schenden Siaatsordmmg überhaupt ist und sein will. Die Forderung des Herrn Dr. Potthoff war schlimmer als ein einfacher „Angriff schwerwiegender Natur" im Sinne des Ministerialerlasses. Gleichwohl muffen wir feststellen, daß zu ihr der Herr Minister geschw le­gen h at, und daß mit ihm geschwiegen Hai dir ganze Behördenhierarchie: Nicht eine ein­zige der in unserem Wahlkreise ansässigen Reichs- und Staatsbehörden hat, weder vor der Wahl noch nachher ein Wort des Protestes gefunden gegen die Auslas­sungen und Zumutungen des fortschrittlichen, Parla- mentariers! So ganz überrascht sind wir freilich von diesem Schweigen nicht, nachdem wir haben sehen müs­sen, wie maßgebende Spitzen unserer Behör­den durch Wahlenthaltung selbst dem Umsturz die Wege ebnen halfen. Da muh ja manch anderer, der ebenso an fernem Platz als Hüter der staatlichen Ordnung steht, in seiner Haltung wankend werden. Wer ein wenig über die Stimmung in Beamtenkreisen unterrichtet ist, weih, dah die Wühlarbeit eines Pott­hoff bei uns nicht unfruchtbar gewesen ist, daß in einem nicht unerheblichen Kreise der Beamtenschaft die Meinung — auch durch die Tat — vertreten wird, „lieber zehnmal rot, als einmal schwarz", obgleich selbst in der kritischen Zeit des Wahlkampfes 1906=07 sogar ein Fürst Bülow in seinem Silvesterbriefe die natio­nale Arbeit des Zentrums anerkennen mußte. Kühn gemacht durch das Schweigen aller unserer Behörden, versucht die Düsseldorfer Sozialdemokratie nun, festeren Fuß in der Beamtenschaft zu fassen. Das zeigt, die intensive Propaganda, die derzeit unter den Reichs- und Staatsbeamten für die sozialistische Düsseldorfer Volkszeitung gewacht wird.

• Die Ortsgruppe Münster des Hansubundes hat sich wegen der Düsseldorfer Reichstazswahl aufgelöst; der Schriftführer wie andere Vor­standsmitglieder haben ihre Aemter niedergclegt und ihren Austritt aus dem Hansabtmd erklärt, ob­schon man dem W. M. zufolge von Berlin aus alles Mögliche aufgeboten hat, dies zu verhindern.

)( Die Poesie der Verhetzung. Wohl das größte Verbrechen am Volke ist es, die durch die Teuerung entsianden: Rot zur Agitation auszunutzen. DaS be­sorgt die Sozialdemokratie in einer Weise, die alle anständischen Leute mit Ekel erfüllen muß. So veröffentlicht die sozialdemokratische „Branden­burger Zeitung" folgendes „Gedicht":

Es sprach das Bolk: „Ihr schlaff auf weichem Eider, Nus aber friert. Ihr Reichen habt Erbarmen I" , Drauf sprachen sie: „Ihr habt ja statt der Kleider Die Eisenfesseln an den nackten Armen."

ES spmcb das Volk: „Ihr tafelt unter Blumen, Uns aber hungert, oh, hört auf zu prassen!" Drauf sprachen sie „So sammelt euch die Krumen, Die unsre fetten Hunde liegen lassen."

Es sprach das Volk: „Ihr trinkt ans golbnen Schalen, Lus aber dürstet, wollt uns nicht vergessen!" Drauf sprachen sie: „So lindert euch die Otmken sind trtickt die Tränen, die wir euch erpresse»."

Es gibt ein Gesetz gegen die Verunstaltung von Ortschaften. Angesichts dieser Reimerei sollte man überügen, ob nicht auch ein Gesetz gegen die Berun- faJttang der Poesie' erlassen werden müßte. Das Nächstliegende ist aber zu überlegen, ob die Verfasser solcher „Gedichte", wie des obigen, nicht ins Irren- Hans gehören.

♦ Sttazdnrg, 3. Roo. 1911. Tas protcftcwttscm Qbnkonsistmsirim in Eisaß-Lotbrmgen hat mit 14 gegen 7 S tünuien das Frauen sliminrecht für Lei

S-rckenrctt angenommen.

d" München, 3. Rov. 1911. Me Eisenbah­nerdebatte in der bayerischen Abgeordneterckam- mer ist noch nicht zu Ende. Sie wird am 6 Novem­ber fongesetzt. Von entscheidender Bedeutung bei 1

= Tie hessischer; Arm-tags Wahlen.

Beiden gestrigen Loudiags- Wahlen, die zum rsicn Male nach dem keuch direkten Wahlrechte osrgenommen wurden, lptten 33 Remvohlen stall- ntfinden, und zwar 25 für die nah dem Geietze ausscheidende Halste der früheren Abgeordneten, ieinet waren nach dem neuen Gesetze je 1 Abgeord­neter für die 5 Städte Darmstadt, Mainz, Offen­bach Worms uns Gießen uuv ine 3 Provinzen bin» m,wählen. Von den 25 ausgeschiedenen Abgeord- rcten gehören 8 der nalionalttbeialen Partei, 8 dem Bauernbund, 5 dem Zentrum, 3 der sozialdemokrati­schen und 1 der Fortschritt!. Voltspartei an.

In Oberhesfen hatte die Wahl folgendes Ergebnis:

Alsfeld-Land: Oekonomierat Korell (Md.) mit großer Mehrheit gewählt, die genauen Wahlziffer»

Ausland.

* Bestrafte antiklerikale Friedhostyranncn. Nach zweijährigen Hin- und Herverwerfungeu vor allen möglichen itaürntfche» Gerichtshöfen ist nun bet Prozeß gegen den sozialistischen Bürgeimeifler von Molinesta und einige feinet Getreuen, die am 2. No­vember 1909, aiso am Allerseelen tage, die Geistlich» teil durch Polizei vorn Friedtzofe jagen und be- schimpfen ließen, zu Ende gegangen. Das Urteil .autele für tue.: 'Angeklag r auf je zwei Monate Ge- -äugnis und eure Geldbuße von je 100 Lire.

* Im englischen Unterhaufe sagte vorgestern Sir Edward Grey in Erwiderung auf eine Anfrage über die Lage in Persien: Etwa 400 —500 Mann sind von Bombay e6 gegangen. Nachrichten, die der britische Gesandte in Teheran erhalten hat, zeigen, daß dieLageinSüdpersien sehr u n b c f r i e» digend ist. Zahlreiche Räubereien sind auf den Handelsstraßen vorgekomraen. Telegraphenleitungen ind zerstört worden. In Schiras haben sich Unruhen ereignet, die eine ernste Gesicht für das Leben und Eigentum der britischen Untertanen zu werden droh­ten. — Natürlich! Die Lage muß ja doch unbefrie­digt sein, damft England Gelegenheit hat, im Süden Persiens einzugreffen, wie Rußland im Norden.

** Eine deutschfreundliche Kundgebung in England.

An der Themse wird die Friedensschalmei gebla­sen. Man reicht die FreundschaftShand über den Ka­nal hinüber und will kich mit den deutschen Vettern versöhnen. Wenn's aufrichtig gemeint ist, schlagen wir gern em.

Die deutsch-englische Freundschafts-Gesellschaft hat in London eine Versammlung abgehalten und auf Vorschlag des Bürgermeisters von London eine Re­solution angenommen,

in der sie dem Wunsch nach SBefettigmtg aller be­stehenden Mißverständnisse nrit Deutschland Ausdruck verleiht und versichert, daß keine verantwortliche eng­lische Körperschaft Deutschland seinen Anteil an der Erledigung internationaler Fragen streitig machen oder die einer Großmacht entsprechenden Bestrebungen nach kolonialem Besitz feindselig zu betrachten wünsche. Es müßten Schritte getan werden, um den bedauerlichen Eindruck zu beseitigen, den die Haltung der britischen Regierung gegenüber den berechtigten Bestrebungen Deutschlands dort gemacht habe.

Der BÜrgemwist« sprach zu dieser Resolution eint längere Begründung, in der er daraus hinwies, daß die Auffassung des deutschen Volkes, Englands Hal­tung in der Marokkofrage sei Deutschland gegenüber unfreundlich gewesen, auf ein Mißverständnis zurück- zu führen sei. Das ist doch wohl nicht so ganz richtig. Es gibt in England gewisse Kreise, die Deutschland direkt feindlich gesinnt sind, das hat uns der „Diplo­mat in hervorragend« Stellung" in Wien gezeigt. Uedrigms haben zur Zeit, als der „Panther" nach Agadir ging, nicht nur die Chcmvintsten-Blätter in England Verdächtigungen gegen Deutschland ausge­sprochen, fondem auch Zeitungen, die sonst eine ruhi- g«e Haltung bewahren. Auch ein englischer Minister erhob drohend die Hand. Wenn der vemünftigere Teil des englischen Volkes jetzt die übereilten Worte einer erregten Zeit bedauert, so erlernten wir das gern an. In Deutschland ist, wenn man von wenigen All­deutschen absieht, niemand, der nicht mit den engli­schen Vettern im aufrichtigen Frieden leben möchte. — Die erwähnte Versammlung beschloß auch die Bil­dung eines Spezialausschusses, bei die Veranstaltung ein« englisch-deutschen Ausstellung tn London im Jahre 1913 fördern soll.

land aciingiver igen Zuwachs anficht und anderer­seits über die deutsche Gebietsabtretung so unbe­deutend sie auch ist, anderer Meruung als der Reichskanzler ist." Herr v. Lindequist und Herr v. Danckelmann sind staatsrechtlich nicht veramwort- jid) für das Abkommen; diese Berantworttichkeil trägt lediglich der Reichskanzler als Leiter der ganzen ReichspoUtik. Aiidcreifeils ist es wohl zu verstehen, wenn die Herren vom Koioniaiamt vor der öffent­lichen Meinung und der Geschichte entlastet fein wollen von dem Verdacht, ein Abkommen, das sie für schlecht halten, beföröe t oder gebilligt zu haben. Es fragt sich nur, ob diese persönliche Hände- wasä.ung gerade jetzt und in der vorliegenden Form erfolgen mußte und durfte. .Herr v.Linde- quift hatte im Sommer bei der Ablehnung seines Rücklriltsgesuchs sich beruhigt. Rach den o;fizwsen Mitteilungen hat er sogar noch am letzten Samstag sich einverstandeu ertlärt mit der Dementierung seines Rücktritts. Was hat sich nun in den letzten Tagen ereignet und die Befthwichtigmigsversuche ü’telteli? Darüber herrscht noch Dunk«. Opre nähere Kenntnis der sachlichen und persönlichen Ber- hättuisse laßt sich auch nicht entscheiden, ob nicht der Reichskanzler besser schon im Sommer die Meinungsverschiedenheit zum vollen Austrag bringen mußte, statt durch die Vertagung sich der Gefahr auszusetzen, daß die Krisis gerade in dem ohnehm belalcleti Zeitpunkte des Vertragsabschlusses aus­bräche.

Bon schwerwiegender Bedeutung ist die weitere 'Angabe der Offziösen, daß schon seit längerer Zett 'au§ dem Kolonialamte Indiskretionen in die Presse gelangt seien. Der oeen mitgeUilten Meldung des Wolff'; chen Telegr.-Bureaus wird folgende auffällige Einleitung vorcuisgeschickt: ?< In der letzten Zeit sind über die mit Frankreich schwebenden Verhandlungen und über die Stellung des ReichskolontalamlS tu o n m Ansii.tzl genommenen Kompensationen Mitteilimgen in die Oeffentlichkeit gelangt, die geeignet waren, den Abschluß der Bergan Hungen z u stören und nur auf einem Kruch der Amtsverschwiegenheit Nach­geordneter Stellen beruhen konnten.

" Hier wird offiziös auf Zu stände hmgewiesen, die, 'man mag zu dem MaiokkoadtHmmen stehen wie man wist, tatsächlich eine Rüge verdienen, wenn der Vorwurf gegen das Kolonialamt bered?» tigt ist. Zu gleicher Zett veröffenkltchle auch die .Sollt Ztg/ in auffälligem Druck eure Korteip tt- denz aus Berlin, die als offzws vom „Wotffstchen Telcgraphenbureau" ebenfalls verbreitet wird. Sie lautet:

Durch ba§ Rücktrittsgesuch des Geheimen Regie- ruugSratS v. Tanckelmann im Reichskolonialami und gleichzeitig erfolgte Indiskretionen in der Presse sind E unhaltbare Zu stände hetannt geworden.

diesen Indiskretionen wird behauptet, daß daS nialamt das Kongo-Abkommen mißbillige und die nittoortung dafür nicht übernehmen wolle. ES hat um so mehr den Anschein, als ob dies richtig sei, .ha schon früher mehrfach Notizen in der Presse ver- rbr®itet wurden, die auf eine solche Stellung des Kolo- MalamtS hinwiesen. Der auf diese Weffe uniernom. mene Versuch, die Politik des Reichs kanzle rs durch eine Nachgeordnete Behörde zu er­schweren» ist, wer auch immer recht habe, im In- ttreffe einer geordneten Führung der Keichsgeschäfte böHig unzulässig, und man braucht nicht daran zu jtoeifeln, daß sich der Reichskanzler dieser Auffassung sijchi verschließen und die nötigen Folgerungen 'ziehen werde

F Dir Herren von der Koloniolveiwaltung hatten gewiß das Recht und sogar die Pflicht, ihre Ueber- «ugungen auf dem AmisWege furchtlos und Mftig zur Geltt-ng zu bringen. Wenn sie aber m ir­gend einer Weffe die Presse benutzt haben, um gegen

v Rücktritt des Staatssetretars v. Lindequist.

Vor einigen Tagen liefen Meldungen durch die Wärter, wonach zwischen dem Kolonialstaatssrkretär K. Lindequist eiuersetts und Herrn von Bethmann» Hollweg und v. Kiderlcr.-Wächter andererseits an­dauernd ernste Differenzen beständen, die ver­mutlich zu einem Rücktritt Lindequist lützren dürften; perir! sacht seien diese Verstimmungen durch den Ab­schluß des kkongo-Abkommens. Sofort brachte das gew.hiüe amt Lide Demerui diese Gerüchte zum Schweigen. Und trotzdem oder deswegen war die Meldung richtig. Aus Berlin wurde uns näm­lich gestern abend gemetdet und von uns durch Aushang bekannt gegeben:

* Berlin, 3. Ott. 1911. DaS Wolffsche Bureau ist ermächligt, zu erklären, der Staatssekretär des ReichSkolonialamts v. Lindequist hätte während de? Sommers sein Abschiedsgesuch ein» gereicht, weil er mit den in Frage stehenden Kom­pensationen nicht einverstanden war. Bon dem Kaiser war das Abschiedsgesuch während des Lauss der Ber- handtnngen abgelehnt worden. Staatssekretär von Lindequist erneuerte heute fein Abschiedsgesuch, nachdem er noch am Samstag mit der Dementierung seines Rücktritts sich etnverfianden erklärt hatte. Der Reich: kanzler begibt sich heule zum Kaiser, nm ihm Vortrag zu halten.

Zn dem Augenblicke also, wo das Abkommen mit F-ankreich unterzeichnet und unsere Regierung für dessen Inhalt von der öffentlichen Meinung und dem Parlamente zur Verantwortung gezogen weiden soll» enthüllt fld? ein Zwiespalt zwischen den nächstbeteiligten Reichsämtern. Die Äieümngeil bei de» Enthüllungen, welche die Offiziösen jetzt machen, veistärken leider den Eindruck, daß es diesmal mit der Eintracht und der strammen Disziplin in un­serem Beamtenköiper nicht |o bestellt gewesen ist, mie man nach der alten Ueberliefermig erwarten durste.

Tas gegenwärtige zweite Gesuch des Staate sekretärs ist begleitet von dem Adsch evsgesuch seines Tezcr'1 enten, des Geheimrats v. D a n ck e l m a n n. Die Rücktntte werden, wie ein offiziöser Artikel im Berlmer „Lokal-Anzeiger" bemerkt, offensichtlich bannt begründet, daß Herr v. Lindequist den Ist» weid des Kongogebietes als einen für Deutsch«

□ Der yeutsch-sranzößsche Berrrag.

Das Wolffsche Bureau veröffentlicht folgende Mitteilungen über das M arorko a bkom men mit Frankreich:

Die bekannten Ereignisse in Marokko haben erken­nen lassen, daß die Ordnung in Marokko nicht ohne Eingreifen einer europäischen Macht aufrecht erhalten werden kann. Nach der Algeeirasakie hatte aber keine einzelne Macht das Recht, die Wiederherstellung^ der Ordnung allein durchzuführen. Als Frankr'eich sich trotzdem anschickte, erinnerte die deutsche Ne­gierung an die Bestimmungen der Algecirasakte. In der Folge haben nun die deutsche und die fran­zösische Regierung sich entschlossen, die Angelegen- heit unter sich neu zu regeln Die beiden Regierungen haben sich nun über einen Vertrag geeinigt, der am Samstag in Berlin unterzeichnet werden soll und voraussichtlich Montag früh der Oef­fentlichkeit übergeben werden soll.

Die französische Regierung hat sich zunächst aber- mals auf das bündigste verpflichtet, die wirtschaftliche Gleichberechtigung der Nationen in Ma­rokko aufrecht zu erhalten und dafür zu sorgen, daß das vertraglich festgelegte Prinzip bei offenen Tür durch keinerlei Maßnahmen beeinträchtigt werde. Die Rechte Und der Wirkungskreis der marokkanischen Staatsbank werden erneut garantiert Anderseits prä­zisiert Deutschland das schon im Jahre 1909 aus­gesprochene Desinteressement und sichert Frankreich volle Bewegungsfreiheit zur Herstellung und Aufrechterhaltung der Ordnung zu, auch für eine ev. im Einvernehmen mit der marokkanischen Regierung erfolgende militärische Besetzung sowie für eine po­lizeiliche Aktion zu Wasser und zu Lande. Ferner wird Deutschland keinen Einspruch erheben, wenn der Sul­tan diplomatffchen und konsularischen Agenten Frank­reichs mit der Vertretung der maroktanischen Interes­sen betraut und den Vertreter Frankreichs bei der marokkanischen Regierung zum SBermittler gegenüber den anderen Vertretern bestellen sollte. Die franzö­sische Regierung verpflichtet sich, keinerlei Un­gleichheit zwischen den in Marokko handeltreiben­den Nationen znzulsssen, mbezug auf Zolle, Steuern, Abgaben, Eisenbahn-, Schiffs- oder sonstigen Tarffe. Dasselbe gilt für den Transitverkehr. Ferner darf- bie Konkurrenzfähigkeit aller durch keinerlei Verord- J mtng beeinträchtigt werden. Auf das ans Marokko zu ezvortierende Essenerz darf kein Ausfuhrzoll ge-, legt werden. Bezüglich der öffentlichen Ausschrei­bungen übernimmt die französische Regierung die aus­drückliche Verpflichiimg, dafür zu sorgen, daß die K o m kurrenzfähigkeit der StamSangehörigen sämt­licher Mächte in Wahrheit die gleiche ist. Der Bc- triet großer Unternehmungen bleibt dem märet» konischen Staat reserviert oder kann oon ihm freihändig an Dri:te vergeben werden, die die für bau Betrieb notwendigen Mittel zur Verfügung stellen. Die. Reglements müssen indessen unbedingt gleich­mäßige Behandlung sirrirtlichcr Staalsanzehäriger sichern, toten Eigentümern vsn Unternehmungen ist der Ban von Anschlußbahnen cn öffentliche Essen­bahnen ober an den nächsten Hafen gestattet. Für Be-j schwerdefälle ist ein rasches schiedsgerichtliches Ver­fahren vorgesehen. Reue Häfen werden nach Be­dürfnis geöffnet werden. Schließlich sichern sich beide Mächte gegenseitig ihre Unterstützung zu, um die üb­rigen Signa tarmächt« zur Zustimmung gn dem gegenwärtigen Abkommen zu betetaen.

Heber bei. zweiten Teil detz ; ssirnw-ens, der von den G eb iets estsch ä di gn n g en am Kongo handelt, meldet da» Wolffsche Büro: Deutschikrnd er­hält bedeutende und wertvolle Ländereien längs bet Grenze seiner Ka meru n K»l on i e, außerdem zwei Landstriche, die sich bi« en dievfer de? Kongosund de« Nb an gi erstrecken. Wenn diese Streckenan ’ sich weniger wertvoll smd, so gewähren sie doch Deutschland Zugang zu ben Ufern dieser Ströme. Deutschland «hält an diesen Ufern Landstreifen zwi- ' scheu 12 und 6 Kilometern, die ihm gestatten, alle zur Schiffahrt erforderlichen Emrichtrmgen auzulegen. Dagegen tritt Deutschland das kleine Drei­eck zwischen Logone imb Chart bis zu deren Zusa'n- mcnfluß südlich des Tschadsees ab. Togo wird in dem Abkommen überhaupt mcht erwähnt. Im üb­rigen enthält der Vertrag aus Gegenseitigkeit br- ruhcnde Vestmnnuaqen üb« Handelsfreiheit, über gegenfettige Bezugsbefuguisse, üb« Wetterführung von Eisenbahnen und am Schluß den Vorbehalt gegen-