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Hakburg zu ar-

in

Fritz, los, — nach

Klingsberg!

Eigentlich soll?

von Eberhard b.

Ecke iegaiii>encn

Bestellungen gegen bar eingelaufen, in Kommission wird überhaupt nichts mehr gegeben!*

*

unanständig sein, beim Esten zu

Aus -em Nachbargebkte.

** Eichenzell, 3. 9loo. 1911. Unsere gestrige Mel­dung ist dahin zu berichtigen, daß Se. Kgl. Hoheit der Landgraf von Hessen den Verkauf der Domäne beim preußischen Fiskus, dem Eigentümer, beantragt

„Sehr verständig!*

„Ja, und das zwölfte bis zwanzigste Tausend ist Druck!"

Ruhig trank Sosquen sein Glas Rotwein aus.

daß nicht nur seine Kandidatur in Frage gestellt, son- dein auch sein geistliches Gewand in ein schiefes Licht gerückt würde. Schließlich stellte Köstel das Ulti­matum: „ich muß Ihnen anheimstellen, Ihre K an. didatur unter den gegebenen Umständen fallen zu lassen und sehe bezüglichen Nachrichten bis morgen (26. Okt.) vormittags 10 Uhr entgegen, gez. Kästel.* Auf ein derartiges Borgehen wurde durch den RechS- beistand des Herrn Dr. Hackspill bei der Staatsan. waltschast Strafantrag wegen Beleidigung und Nötigung bezw. Erpressung gestellt, sowie ein Diszi­plinarverfahren beim Bezirkspräsidium in Metz gegen den Bürgermeister von St. Avold beantragt. Am Frei- tag vor der Nachwahl fand in St. Avold eine Ver» ämmlung statt, in welcher Dr. Hackspill an den an­wesenden Gegenkandidaten Köstel die dreimalige Auf- ordemng richtete, offen und vor Zeugen seine im Briefe erhobenen Beschuldigungen zu wiederholen. Unter dem Druck der gegen ihn eingeleiteten Schritte erhob sich Köstel und gab die Erklärung ab, er sei von der Makellosigkeit der Privatlebens Dr. Hackspills vollständig überzeugt. In der Nachwahl sieg« Dr. Hackspill mit 600 Stimmen Mehrheit. Das war die einzig richtige Antwort auf die Kampfesweise der vereinigten Liberal-Sozialdemokratm.

Waschweib nichts für mich behalten kann, — kurz und gut, er hat Nadderheide gekauft, die Auflassung ist be- reits beantragt!*

„Nu schlag einer siebenundzwanzig Regenwürmer tot!--

„Ja, ja, Herr v. Löberdau, so ganz ohne ist die Jugend von heute auch nicht, es geht alles nur ein wenig schneller, wie in der sogenannten guten alten Zeit!*

Der alte Major schnappte nach Luft, wie ein Karp­fen auf dem Trockenen.

„Also Nadderheide ist so gut wie verkauft!*

„Jawohl! Sosquen hat’s erstanden, um dereinst, wenn Hans Heinrich auf 'nen grünen Zweig kommen sollte, ihm sein Gut wieder zurückzugeben und damit Ada Hakburg ruhigen Schrittes dahin gehen kann, wo die den letzten Schlaf schlafen, die vor ihr da waren!*

Da stiegen der alten ehrlichen Haut die Tränen die Augen.

„Adieu. Herr v. Mereuth!"

„So schnell — auf einmal?*

„Jawohl, 'rüb r nach Kl'ngsberg, oder denken

JVs 253.

Samstag 4. Rovemder Ml

58. Jahrgang.

Offizier, der drüben in Klingsberg sitzt?"

„Ja — von dem!"

„Donnerwetter! — Ich lese nämlich seit zehn Jah­ren eigentlich gar keine Bücher mehr, bloß das Not­wendigste, meine Augen haltens nicht mehr aus.*

Ein spöttischer Zug lag um Mcreuths Mund. Wenn auf der Jagd auf zwei-, dreihundert Meter ein FuchS auch nur ein Endchen seiner Rute zeigte, sah's Löberdau ganz sicher und auf gut und gerne sechzig Schritt schoß noch jeder Hase, der ihm vor die Mün­dung kam, seinen aüerletzren Purzelbaum.

„Ich wäre ja gern mitgcfahrm, aber ich habe in Nadderheide zu tun, bin erst vor ’ner Viertelstunde wiedcrgekommen!"

„In Nadderheide,"

„Ja — Sosquen geholfen!"

Das war zuviel für den alten Löberdau.

„Nu treiben Sie aber gefälligst nicht Schindluder mit mit, Herr v. Merruih!"

„Tu ich wahrhaftigen Gottes nicht!"

„Donnerschlaz, so kramen Sie Ihre Weisheit doch endlich aus!'

Mereuth zuckte die Achseln.

„Eigentlich iffB noch 'n bißchen früh, — vielleicht nimmt's mir Sosquen übel, toatn ich wie ein altes

Ausland.

•* Die obligatorische Laienschnle. Die Gewissens­freiheit ist in F r a n k r e i ch bekanntlich aufs äußerste bedroht durch den Plan, den allgemeinen Zwangs- besuch der religionslosen bezw. religionSfemdlichen Schule einzuführen. Die neueste offizielle Schul» statistik wird den Gläubensfeinden neuen Stoff liefern, um jene Vergewaltigung der Gewissensfrei­heit zu fördern. Der Schulbesuch hat -war in allen religionslosen Volksschu!en zugenommen, aber noch stärker ist die Zunahme in den konfessionellen Privat­schulen gewesen. Während die öffentlichen Schulen eine Vermehrung von drei auf je Tausend erfahren haben, dürfe» sich dir katholischen Schulen einer solchen von neun auf je Tausend rühmen. Auch wenn man nur die Zahl der Kinder berücksichtigt, haben die konfessionellen Schulen einen Vorsprung von 28 gegen 17 auf je Tausend. In vier Jahren haben die öffentlichen Volksschulen der Vendee 196 auf Tausend von ihren Schülern verloren, die in katholischen Schulen übergegangen sind. Die Vereine katholischer Familienväter erfreuen sich hier einer besonderen Ausdehnung und schützen die Mitglieder vor den Angriffen und Verführungen mancher Art, die von „echt republikanischer" Seite gegen die Fa­milienväter ner uckt werden.

Löberdau rieb sich mit der Faust die Stirn.

„Dusel? — Ja, was ist denn los, — Ich hab' nämlich acht Tage auf der Nase gelegen bei dem Hundewetter, der Südwind fährt mir immer in die Beine, heute wäre meine Kalesche fast in unserem alt­märkischen Dreck stecken geblieben, nur gut, daß bei der Nässe die Mäuse versaufen, — in—a, nu, was hat rr denn eigentlich für Dusel gehabt?"

„Ein Roman seines Verlages geht so glänzend, daß eine Druckerei weiter nichts zu tun hat, als fort-

„So gut werden nicht alle Bacher von Ihnen gehen, mein Lieber! — Nun schaffen Sie sich erst mal Ihre Gläubiger vom Halse und dmm legen Sie sich ein Konto auf der Magdeburger Privatbank in Osterburg an!"

Da schüttelte sich Trüt^w vor Lachen.

„Wer das gedacht hätte, Sosquen!" ~

„Seien Sie dem Schicksal dankbar und werden Sie nicht übermütig!"

„Nein, das werde ich wahrhaftig nicht! Nun — mit dem rockten Hintergmnde werde ich noch ganz an­ders arbeiten können!"

„Hoffen wir! Uebrigens, wenn ich Nadderheide übernommen habe, werden Sie das Herrenhaus drü­ben beziehen und mir den Gefallen tun, ein wenig mit nach dem Rechten zu sehen, — nicht wahr? Denn immer dürfen Sie nicht vor dem Schreibtisch sitzen, das ist ungesund!"

„Sosquen!" Er jubelte das Wort heraus und gibt ihm die Hand über den Tisch. „Das war ein famo­ser Gedanke und der Henker soll mich lotweise holen, wenn Sie drüben nicht einen guten Sachwalter ha­ben."

Da meldete der Diener Herrn v. Löberdau.

Sofort erhebt sich Sosquen, geht hinaus und kommt nach wenigen Augenblicken mit dem Major zunick. ,,

.Mein Freund, Herr v. Trutow!

"greut mich sehr, sollen ja ein Teufelskerl fein! — Und Sie flnd's ganz sicher auch, mein lieber Herr v. Sosquen!"

„Warum? — Aber essen Sie mit, Herr v. Löbev» bau!"

„Gern! Denn ich denke, in fünf M muten werd» ich mit Ihrem Eigenkopf nicht fertig!"

„Söre ich?"

(Kartsetzung folgt)

er Regierung.

Wir haben schon hervorgehoben, eS ist etwas Zelt verständliches, was die Regierung hier tut, nid b lange sie nichts weiter macht, als Wahllügen cichtigstellen und Angriffe mit sachlich aufklärendem Mmernil zurückzuweisen, kann kein vernünftiger Mensch und kein ehrlicher Politiker etwas dagegen lagen. Man kann im Gegenteil der Regierung dm Borwucf nicht ersparen, daß sie bisher durch ihr Stillschweigen die unehrliche und frivole Hetze gegen )k Rcichsfinanzresorm erleichtert hat. Aber wenn uirUid) Anlaß zur Entrüstung über den Erlaß der Regierung gegeben wäre, gerade den Liberalen iehi das Gezeter über amtliche Wahlbeeinflussung chlechi zu Gesicht.

Wo waren die „aufrechten* Männer, als im -j a b r c 1907 bei der letzten Reichstags- wähl die Regierung in der ungeniertesten Weise Wablbeeinslussung gegen das Zentrum trieb? Wo waren die Liberalm, als Fürst Bülow, ihr damaliger Iesim.mgsgenosse, seinen berühmt gewordenm SU- v e st e r b r i e f schrieb? Wo waren die Liberalm, als Reichskanzlei, Reich sm ar ine amt, 'Kolonialamt, die Regierungsbehörden, insbesondere die Landräte Stimmung gegen_ das Zentrum machten? Wo waren sie, als bei Bürger­meisterämtern die schmählichsten Flugblätter mit qröbiülüten Verleumdunqm gegen das Zentrum ver­breitet wurden? Haben sie denn Bülows und Reims lührioe WahlbeeinfluffnngstätiKeit schon ganz ver­gessen? Wissen sie nichts mehr von den Dingm, die General Keim in seinen Briefen mit mehr Offen- herziqkeit als Klugheit über diese anÄliche Wühl­arbeit Bulows, der Reichskanzlei und der sonstigen Reichsämter verraten hat? Wo blieben denn ihre Entrüstung und ihr Protest damals, als Bülow im Reichstage diese amtlichen Wahllx emflussungen mit großer Feierlichkeit ausdrücklich gutgeheißen hat und General Keim seinen „tauten, unb herzlichen Dank" aussprach?

Wenn jemals amtliche Wahlbeeinflussung gettie- ben wurde, so war es im Hottentottenwahlkampfe 1907, wo die „Rordd. Allg. Zig." an jedem Tage einen Artikel gegen das Zentrum brachte, wo leib­haftige Schutztruppensoldaten im Lande als Wunder- ricre berumgeführt wurden und gegen das Zentrum ‘agitieren mußten. Es ist unwidersprochen geblieben, daß selbst der Kaiser nach den Hottentottenwahlen den Fürsten Salm, den damaligm Vorsitzenden des Flotten Vereins, auf dem Hofballe zurief: „Mein lieber Fürst, die Wahlen sind ja vorzüglich ausgefal­len, und ich freue mich, daß Ihr Floitenver- ein hie Sache so prächtig gemacht hat."

1907 hörte man aus Agitatorenmunde liberaler Wanderredner kein einziges Wort über amtliche Wahl- beemflussung. Ihre Presse selbst bis ins „Berliner Tageblatt" hinein triefte geradezu von Regierungs- freundlichkeit. Unb warum? Es war ja die köstliche Zeit der ko n s er v-a t i v - l ib e r aI en Paa- r u n g, der Entstehung jenes Wechselbalges, der dem verrott ettn Liberalismus erweiterten politischen Ein­fluß bringen sollte. Mit einem Worte: die Regie- rungScrbeii ging 1907 für die Liberalen, und da wurde die amtliche Wahlbeeinflussung bejubelt und begrüßt, die man heu>^ verdammen möchte.

Auch von einem anderen Gesichtspunkte aus hat gerade der Liberalismus am allerwenigsten Berechti­gung zu einem solch unehrlichen Getue. Gerade er ist es ja, der am meisten Wahlgeld er aus den Kassen derjenigen Vereine und Verbände erhält, die satzungsgemäß keine Parteipolitik treiben sollen. In Konstanz-Ueherlingen war es der rollende Taler bee Hansabundes, der dem liberalen Kandi­daten zum Siege verhalf, und wie hier, so wird auch am 1?. Januar der Hcmsabund an anderen Orten seine Tresors öffnen und dem Liberalismus eine satzungsgemäß verbotene Wahlhilfe leisten.

Das heuchlerische Getue, das Gezeter über die angeblich bevorstehende Wahlbeeinflussung zeigt den

gtberolismul wieder in seiner ganzen Eharakterlofiz- keit. Wenn es für den Liberalismus geht, dann darf bi« Regierung Ute Ungesetzmäßigkeit bet Wahlbeeinflussung auf die Spitze tneiben, gehtts gegen ihn, bann darf die Regierung nicht einmal das gesetzlich erlaubte Mittel eines Erlasses an die R egierungSpräsidenten anwenden und darf sich nicht gegen grobe Wahllügen und Angriffe auf die Regierung wehren.

lesen, da Sie aber ben ganzen Vormittag weg waren, lieber Sosquen, so müssen Sie mir schon erlauben. Ihnen einige Kritiker:, bie mir der Verlag zugesandt hat, vorzulesen!" —

„Immer zu!" , . ,

Und Trüiow las, während Sosquen seine Suppe löffelte, — die besten zuletzt

„Ich hab's ja ole ich gesagt, lieber Trutow, bie Arbeit ist was wert!"

.Gestern sind beim Verlage allein über vierhundert

Sie, ich werde m'ch Sou diele r» Herrn v. Sosquen lum­pen lassen? — Nee, mein Lieber!"

Ein Händedruck, er stürzte raus unb kletterte in feinen Wagen.

„Unb ’nen schönen Gruß an Ihre Eheliebste! —

Revolution. D. Red.) Die verhafteten Geistlichen werden etwa so gezeichnet, wie man in Südamerika Sklaven zeichnete. Auf ben Kopf und unter das Kinn brennt man ihnen eine Marke ein, damit sie immer erkennbar und der Verfolgung der Menge ausgesetzt sind, wenn es ihnen je gelingen sollte, sich in Freiheit zu setzen. In Wirklichkeit füllen gerade Geistliche und — toaS im übrigen Europa nicht be­gannt sein dürfte — auch Ordensschwestern, >ie im Lande geblieben sind, bie Gefängnisse. „Wir ahen," so berichtet Rebollo weiter, „in der Stadt Oporto selber den Transport von zwei Geistlichen, denen eine Menge Pöbel nachfolgte. Durch einen Schlag mit einer Eisenstange wurde dem einen der Geistlichen der linke Arm zerschmettert. Die verhafteten Monarchisten sind ohnehin vogel- rei. Der Pöbel darf mit ihnen machen, was er vifl, denn die Freiwilligen, die den Transport be­gleiten, find ja auch aus dem Pöbel genommen.' Der Offizier wurde gefragt, ob es wahr sei, daß in )en Gefängnissen viele Personen sterben, ohne daß man weiß, woher der Tod kommt. Er antwortete: „Es ist wahr, aber das sind die Führer der Ver­schwörung, sie werden vergiftet." Auf die Frage, was die Republikaner getan hätten, wenn unter der Monarchie gegen sie als Verschwörer das gleiche Rezept angewandt worden wäre, erwiderte er, die Republik fei eine Rettungsaktion vor der monarchistischen Korruption. Dabei gebe es chirur- giW>e Amputationen und ausgebrannte Wunden . . Eine bequeme Art, so schließt der spanische Korre­spondent, Verbrechen zu rechtfertigen, die unter allen Umständen, auch bei „Rettungsaktionen" Ver­brechen bleiben.

** Die Schreckensherrschaft in Portugal. Der Korrespondent der Maorider „Debate", Rebollo, be­richtet seinem Blatte aus Fregenado, wohin er sich vor den Bersolgungen der portugiesischen Carbo- narios flüchten mußte, daß die ganze Abwehraktion der republikanischen „Freiwilligen" gegen die monar­chistischen Verschwörer in Masfenverhafiun- gen besteht, zu denen noch Mrßhanblungen und geheimnisvolle Todesfälle kommen. Eini­ges aus feinen Mitteilungen haben wir bereits nach einem uns zugegangenen Telegramm mitgeteilt. Wir lassen heute noch einen größeren Auszug folgen. Rebollo hatte Gelegenheit, mit einem portugiesischen Kavallerieoffizier zu sprechen, der im Dienste der Republik geblieben, aber von der summarischen Verhaftung und Verurteilung der angeblichen Ver­schwörer gar nicht erbaut ist. In den Kerkern von Lissabon müssen nach den Aeußernngen des Offi­ziers nicht weniger als 2000 Gefangene nur aus dem Norden sein. Man geht jetzt daran, sie nach der Insel Madeira zu schaffen. Auf dieser Insel be­finde sich unterirdische Gefängnisse, von denen einige 100 Meter tief sind. Hier sollen die Gegner der tyrannischen Republik dann wohl den Rest ihres Lebens vertrauern, ohne daß ihre?(ngebörige etwas von ihnen wissen. In Oporto und Lissabon liegen stets einige Barken, die aber zum Transporte nach entfernten Inseln der Kolo­nien nicht geeignet sind. Sie. nehmen etwa 20 Personen, monarchistische Verdächtige, an Bord, fahren etwas gegen die hohe See hinaus unb kom­men dann leer zurück. Die Gefangenen sind natürlich ertränkt worden, um das Kostgeld hi den Gefängnissen zu sparen. (Das ist die Methode - . .

des Bluthundes Carrieres während der ftanzösischen | schon die Aufforderung, Ortsausschüsse zu gründen

Deutsches Reich.

** Erhebungen über die Bekämpfung des Alkohol- mißbrauchs. Der Minister des Innern hat, wie die Deutsche Tagesztg. erfährt, die Regierungspräsiden­ten ersucht, eine zufammenfaffende Darstellung aller Besttebungen zur Bekämvfung btS Alkoholmißbrauchs und seiner Folgen einzureichen, um über bie Fort- schritte auf diesem Gebiet unterrichtet zu »erben. Besonders sollen dabei bie Erfahrungen berücksichtigt werden, die sich bei der Handhabung des Schankkon- zeffionswesenS ergeben haben, sowie bie Polizeiver­ordnungen, bie zur Einschränkung des Alkoholmiß­brauchs erlassen worden sind. Femer ist zu berichten über die Einführung alkoholfreier Wirtschaften, bie Verabfolgung alkoholfreier Erfrischungen an Arbei­ter in inbaflrietten Wecken. Auch bie Tätigkeit bet Vereine zur Bekämpfung des Alkoholzenusses usw. sollen eingebenb erörtert werben.

)( Sozialdemokratische Versammlungspraxis. Es gehöck seit langem zu ben beliebten Mitteln btt So­zialdemokratie. in gegnerische Versammlungen zu ziehen unb diese zu sprengen. Besonders im Ruhrrevier ist diese Praxis geradezu berüchtigt ge­worden. In diesen Tagen haben auch die Genossen in Stuttgart nach diesem Rezept eine Versamm­lung des Reichsverbandes zur Bekämpfung der So­zialdemokratie unmöglich gemacht. Schon bei dem 93ortrcigc (ScnctrilcuhKintS b. Siebert lärmten unb lachten sie, sodaß der Redner verschiedentlich kaum sich verständlich machen konnte.

Der eigentliche Tumult setzte aber erst ein. so be­richtet das keineswegs sozialistenfeindliche „Berliner Tageblatt", als die Debatte eröffnet war, und als einem sozialdemokratischen Diskussionsredner vom Vorsitzenden daö Wort entzogen wurde. Das war das Signal zu stürmischen Szenen. Dre So- zialdemokraten stiegen unter erneuten Pfuirufen auf Tiscke und Stühle und stimmten schließlich dre A r- beitermarseillaise an. Die nichtsozraldemo- kratischen Teilnehmer der Versammlung suchten mrt „Deutschland, Deutschland über alles" zu erwidern, vermochten aber gegen den geschlossenen Chorus der Sozialdemokratie nicht aufzukommen. Einige weitere Diskussionsredner, die sich unter Aufbietung ihrer vollen Lungenkraft Gehör zu verschaffen suchten, wur­den niedergefchrien. So dauerte das Lärmen unb Toben mit verschiedenen gegenseitigen Zn- und Zwischenrufen aus den beiden Lagern wohl eine halbe Stunde lang. Schließlich erschien, vom Versammlungsleiter gerufen, ein P o l i z e ,, n s p ek- tor mit drei Schutzleuten und stellte bie Namen verschiedener Ruhestörer fest. Dann wurde die Versammlung mit einem „Hurra auf Kaiser und Reich" geschlossen.

Dieses Versammlungssprengen ist bas unehr­lichste unb gemeinste politische Kampfmittel. Daß es gerade bei ber Sozialdemokratie so beliebt ist, zeigt, auf welchem Bildungsniveau diese Partei steht.

* Aus Lothringen, 3. Nov. 1911. Ein Muster­stückchen liberaler K ampf e s w ei s e hat in der Wahlbowegung vor ben aflaß>lsihvingischen Land- tagswahlen ber liberale Kandidat im Wahlbezirk St. Avold, Bürgermeister Köstel, geleistet. Bor dem 22 Oktober, dem Tage der Hauptwahl, war Köstel die Rttterlichkett selber. Er schrieb seinem Gegner, dem Zentrumskandidaten Pfarrer Dr. Hackspill, einen Brief am 23. September, worin es hieß: „Ich ver­sichere Sie, daß aus meinem Munde nie ein Wort persönlicher Art gegen Sie fallen wird; auch meine Parteigenossen werde ich dicserhalb anhalten." Das Blld änderte sich sofort nach der Hauptwahl, als Dr. Hackspill mit rund 1900. Köstel dagegen nur mit 780 Stimmen herauskam. In einem Brüse vom 25. Ok­tober erklärte Köstel, infolge der Angriffe ber Diskus­sionsredner und der Zenirumspreffe (also nicht seines Gegenkandidaten) außer Stande zu fein, „fein Ver­sprechen bezüglich der Persönlichkeitsverunalimpsim- gen zu halten" Dabei ließ er durchblicken, seine Freunde würden Herrn Dr. Hackspill so rmtnehmen,

har. _

]:[ Aus dem Kreise Hünseld, 3. Nov. 1911. Ter bekannte Erlaß des Ministers der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten vom 18. Januar 1911, Jugendpflege betr., ist auch in unserrn Kreise der Anlaß gewesen, daß man den Jugendvereinen, der körperlichen und geistigen Ertüchtigung der Jugend sowie den Maßnahmen, welche die Abwehr schlechter Einflüsse auf dieselbe bezwecken, mit einem Worte, den Bestrebungen, welche man unter dem Begriffe „Jugendpflege" zusammenfaßt, erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt hat. Im Juli b. Js. bil­dete sich aus Anregung des Herrn komm. Land­rates v. Jerin ein Ausschuß für Jugend­pflege t m Kreise Hünfeld. Derselbe be­steht aus Geistlichen beider Konfessionen, Lehrern, Bürgermeistern unb andern Herren, bie sich für die Sache interessieren. Den Vorsitz führt der König!. Lanbrat. Ihm ist von bem Gefamtausschusse aus seiner Mitte ein Beirat zur Sette gewählt worden, der mit ihm den engeren geschäftsführenden Aus- schuß bildet unb außer bem Herrn Landrat aus den Herren Bürgermeister Beutling, Rektor Sonbergeld, Seminarlehrer Dorschmann und Lehrer Atzert, sämtlich in Hünfeld, besteht. Gleichzeitig hat der Grsamtausschuß in feiner eckten, konstftuierenden Sitzung Borfchläge für die Gründung von Orts­ausschüssen gemacht, in die einzutreten in erster Linie die Geistlichen unb Lehrer, bann aber auch anbere Herren, bie sich für bie Sache interessieren, und ge­willt sind, an dem Werke mitzuarbeiten, aufqefordert werben sollten. Was bie praktische Durchführung der Jugendpflege angeht, so glaubte man, daß cs am besten sei, sie an schon bestehende Vereine, in erster Linie an die konfessionellen Jugendvereine, an Turnvereine oder an die Fortbildungsschulen anzu­schließen; wo nichts von dem vorhanden sei, müsse selbständig vorgegangen werden. Auf die Fort­bildungsschule als Ausgangspunkt für die Jugend­pflege wies auch eine Versammlung von Lehrern gelegentlich des Turn- und Spielkursus hin, der in der zweiten Hälfte des September in Hünfeld statt- faitb unb im Zeichen ber Jugenbpflege stand. Von dem geschäftsführenden Ausschuß ist zunächst ein Arbcitsprogramnl für ben Gesamtausschuß ausge­arbeitet worben; sodann ist vor einigen Wochen

gesetzt für die Firma Rost u. v. beiten!"

„Freut mich das aber!"

„Ein Ereignis — das Buch!"

„Wie heißt's denn?"

Lieb vom Vaterland, Trütow!"

Was? — Von dem um die

L Regierung and Wahllügen.

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über angebliche Wahlbeeinfluffung

281 Roman von H ockt Bob em er

XXIII.

„Ich stürme Ihnen bie Bube, Herr v. Mereuth, weil wir zwischen Arwed Hakllurg unb Herrn ü. So- squcu vermitteln müssen! Was ist das für ’ne Art, heiratet in die Familie, und der Möhringn sagt: ich dank auch schön, macht Hochzeit, wo ihr wollt, ich bleib' an meinem Ofen sitzen und kümmere mich ’nen Onack um bie ganze Geschichte!"

Mereuth rieb sich mit bet flachen Hand das Kinn.

„Soviel ich weiß, hat mein Freund Sosquen nichts unversucht gelassen, ein leidliches Verhältnis herzu­stellen. wenn sich Herr v. Hakburg sträubt, — ja —

" Er zuckte Die Achseln und blickte gleichgültig zum Fenster hinaus

„Bringen Sie Sosquen Raison bei, ich werde mein Heil bei meinem alten Arwed versuchen!"

„Wozu? — Herr v. Löberdau, das sind Dinge, die uns aber auch gar nichts angehen.*

„An, hören Sie mal!"

„Nein — absolut nichts! In Familienangelegen- heücü mische ich mich grundsätzlich nicht ein! — Uebri­gens wird meine Frau sehr bedauern — sie ist in Bernn — bei Hans Heinrich. •

„So — so!"

®er alte Major tat gleichgültig und war doch sehr gespannt, was mm kommen würde. Und Mereuth tat ihm den Gefallen und redete ungefragt weiter.

„Ja! — Wir hatten nämlich seinen Hochzeitstag nicht vergessen und eine kleine Aufmerksamkeit g^ schickt, und da jetzt Hans Heinrich solchen Dusel ge­habt hat, lud er uns vor zwei Tagen ein; leider könne er und feine junge Frau nicht kommen und sich persönlich bedanken, — beide überbürdet mit Arbeit, — aber wenn wir mal nach Berlin sühren, sollten wir Nicht vergessen, na, usw. Meine Frau hatte Besor­gungen zu machen, sie verband also das Nützliche mit Dem Angenehmen!"

A | 4 gn JK 5. Blutt.

| | Uli druck nxb Verlag »er zulöaer «rtiendruckerei