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252.

Freitag 3. Nävember J9U

58 Jahrgang.

«Tuldaer U Zeitung

-ö

2. Blatt.

9tl< «nb Verlag der Sulbatr Artlendruckerel in Sulbe.

Ein Plakat zum Beispül, das am

Vorabend in der „Konstanzer Zeitung'

Amt Geisa und Umgebung

nicht wegen einer kleinlichen Verärgerung auf den Jsolierschemel gesetzt hätte, sondern sie griff zu dem politisch verwerflichsten Mittel, zur offensichtlichen und handgreiflichen Lüge, um da? Volk aufzuhetzen., ~

Sie, die angebliche Bildungspactei, wandte sich nicht nach Jßetntn. mehr an die politische Einsicht der Männer, sondern > an die unpolitischen „Hausfrauen", die ihre Männer gegen das Zentrum aufbetzen sollten. In dem libe­ralen Hauptorgan deS Wahlkreises, der „Konstanzer Zeitung" erschienen Tag für Tag in Plakafform knappe aufftachelnde Einsendungen der nationallibe­ralen Parteileitung des Wahlkreises an die Adresse

rechnet, den glühendsten Zom in der sparsamen und mit den: Pfennig rechnenden Hausfrau zu erregen.

Weise gegen die jüngste Reichsfinanzreform, die sie a, mit Ausnahme der Rachlatzste-rer, selbst zu machen willen- war und auch gemacht hätte, wenn sie sich

3000 Millionen, also zehnmal weniger als die „Kon­stanzer Zeitung" schon allein für i n di rekte Ver- brauchsstcuern angibt. Solche Beispiele könnten nach Belieben vermehrt werden. Was alles an Lügen möglich war, wurde aufgebracht. Der Groß­blocksieg war ein Sieg der Dummheit, der Lüge und des Hasses. Sehr effreulich und ein Beweis für die Festigkeit des Zentrums wie für die Gediegenheit sei­ner Aufllärungsarbett int Wahlkampf, ist cs, daß unter solchen Umständen sich über vierzehn Tausend Wähler fanden, die auf solche Bauernfängerei nicht hereinfielen. Das ist die beste Gewähr dafür, daß die Zukunft dem verkommenen Liberalismus am Bodensee das verdiente Los bereiten wird. Denn es ist völlig ausgeschlossen, daß die liberalen Lügen sich auf die Dauer zu halten vermögen.

tag nicht einbeimsen, und drohend« Verluste kaum durch neue Mandatgmmme wett zu machen im Stande sei».

» Darmstadt, 2. Rov. 1911. Nach ministerieller Anordnung sind die Stichwahlen auf Freitag den 17. November anbcraumt worden.

Nus Gberheffen «■ den heff. Remtern.

♦ Marburg, 2. Nov. 1911. Am Samstag hält Herr Dr. Ludwig Kirchheim int Höffaal der medizinischen Minik seine Antrittsvorlesung über das „Etntreten und den Verlauf der attiten Schariachmyokarditir".

* Kirchhain, 2. Nov. 1911. Gestern feierte der hiesige Vollziehuugsbeamte Ehr. Diehl sein 50« jähriges Dienstjubi ättnt. Am 1 November 1861 war der Jubilar in das knrhessische Leib- Husaren-Regiment tn Hofgeismar eingetreten. Nach ruhmreicher Soldalenlausbahn, als Ritter des Eisernen Kreuzes 2. Klasse, trat er am >. März

. deutsches Reich.

** Die Strafrechtskommission des Reichstags hat in den letzten Wochen den früher zurückgestellten Rest des 4. Abschnitte», Strafausschließungs- und Milderungsgründch nämlich die Vorschriften über Notwehr, Notstand und jugendliches Alter und ferner den 6. und 7. Abschnitt (Versuch und Teilnahme) beraten. Zufammenfassend teflt der „Reichsanzeiger"

Auriand.

** Im kretischen Parlament wiederholte am t Dienstag die Regierung ihr Entlassungs-I g e s u ch. Es wurde diesmal angenommen. Darauf debattierte man, ob ein neues krettsches Ministerium zu bilden, oder die Verwaltung Kretas sofort voll­ständig Griechenlatid zu überlassen sei. Ersteres wurde f mit 50 gegen 46 Stimmen angenommen. Erst später i will man die Beratung des Attschlusses an Griechen­land wieder aufnehmen. Die griechische Regierung ist nach wie vor entschlossen, den kretischen Heraus- fordecungett gegen die Türkei nicht zu entsprechen.

** Rußland in Persien. England hat bekannt-1 lief, in Südpersien Truppen gelandet, Rußland ist diesem Beispiel gefolgt durch beträchtliche Verstär­kung der bereits' seit Jahr und Tag in der nörd­lichen Provinz Aserbeidschan stehenden russischen Streitkräfte. Das englische und russische Vorgehen läuft in gleicher Richtung. Das ist so in die Augen springend, daß keine Ableugnung imstande wäre, den Glauben an vorher abgekartetes Spiel zum Zwecke der völligen Unterjochung Persiens zu erschüttern. Die englischen Blätter, die sich über die Handlungs­weise Italiens gegenüber der Türkei entrüsteten, erhalten nun Gelegenheit, an einer ihnen näher- liegenden Tür zn kehren. Daß feste Abmachungen zwischen England und Rußland nicht bloß hinsicht­lich der beiderseitigen Einflnßgebiete in Persien, son­dern auch über die Förderung des vom Exschah Mohammed Ali unternommenen Staatsstreichsver-

„Wenn er nur achizigtausend Mark anzahlt, den Rcst mit vier Prozent verzinst, laß ich's ihm gern zehn Jahre stehen."

„Selbst wenn Herr v. Sosguen will, sollst du dir'S doch noch zwanzigmal überlegen!"

„Malwinchen, sünszchn Jahre sind inir gut und gerne verheiratet, und ich glaube, du wirst die Ueber- zeuuung gewonnen haben, daß ich meine Weisheit erst pusttauie. wenn ich ganz genau weiß, was ich eigent­lich will!"

„So versuch dein Heil bei Herrn v. Sosguen, Gustav, ich bin die allerletzte, die sich deinen Wünschen nicht fügt!"

Da nickte Herr Mehlmaun befriedigt, er wußte ja, welch prächtige Frau er hatte.

* *

„Also, Gustav, was soll all die Rederei?"

„Wirst's schon hören, Malwinchen, laß mich nur erst mal ruhig alles vom Herzen runter holen! — Ra- türlich steht diesen Junkem und ihrem Anhang, sol­chen, die zu Gnaden an ihrer Tafelrunde ausgenom­men worden sind, ’ne Opposition gegenüber unter den Großgrundbesitzern. Die ist aber höllisch klein und vom politischen Standpunkte aus nicht berechtigt, deirn bei den Wahlen versucht sie ihre Mißstimmung zum Ausdruck zu bringen. Und mich zu diesen Leuten zu halten, bringe ich nicht fertig, denn erstens eigne ich mich nicht zum Unftiedcnstifter, dazu bin ich zu dick und zu anständig, und zweitens glaube ich auch nicht, soweit ich jetzt den landwirtschaftlichen Beruf kenne, daß diese Opposition von Nutzen ist. Wir soll­ten ftoh sein, wenn wir uns verstehen könnten und ein­ander Konzessionen machen, aber soweit sind wir noch lange nicht, weder hüben noch drüben! Und so schnell werden wir's auch nicht lemen, da müßten wir doch ‘■'ine Deutschen fein! — Kurz und gut, Malwinchen, ich hab' Sehnsucht nach Magdeburg und meiner Braue­rei, und wenn ich Nadderheide ohne Verlust verkaufen kann, geb ich's mehr wie gern her!"

Frau Mehlmann hatte sich das Landleben aller­dings auch ganz anders vorgestellt. Früher brauchte sie sich um nichts weiter zu kümmern, als um ihren klei- nen städtischen Hausstand; hier kam sie aus dem Tru­bel gar nicht m.hr heraus. Die beiden Jungen waren in Pension gegeben, well sie das Gymnasium besuch­ten; anfangs trug sie nicht allzuschwer daran, aber nach und nach hätten sie ihr in dem großen Hause trotz der vielen Arbeit, der sie sich bereitwillig und mit Liebe unterzog, doch sehr gefehlt.

„Du wirst nicht so schnell einen Käuser finden!" „Ich denke doch!'

„Und wer?"

„Herr v. Sosguen!' -

„Der hat genug mit Klingsberg zu tun und wird sich nicht allzuviel Arbeit während seiner jungen Ehe aufladen wollen. Ganz abgesehen davon, glaube ich nicht, daß er die Mittel besitzt, übermäßig viel wird feine Braut nicht haben.'

schlösser gebaut und aus all dem Gestammel hörte sie eigentlich erst heraus, wie lieb sie ihr Mann hatte.

Und heute stand sie mit blanken Augen vor ihrer Staffelei, die Brust drohte ihr vor Glück zu sprin­gen — heute hatte sie ihren großen, vielleicht ihren gewaltigsten Tag im Leben.

Schließlich mußte sie der alte Professor Meyer von ihrem Bilde sortreißen. „Aber nun ist's wahrhaftig genug, Frau v Hakburg! Sie ruinieren sich und es fängt auch bereits an zu dunkeln!"

Da hatte sie gelacht, die Palette weggelegt, noch einmal ihr Werk geprüft, und war dann nach Hause geeilt; der gute Hans Heinrich würde heute eine Stunde länger auf fein Mittagessen warten müssen. —

„Aber Liebling, wo steckst du in aller Welt?"

Sie lachte hell auf.

„Frag' nicht, du—n — ich bin so glücklich, so na­menlos glücklich!"

Um den Hals war sie ihm gefallen rind hatte ihren Mann geküßt, daß ihm der Atem ausging.

„Und ich bring auch gute Botschaft mit, übet drei­hundert Bestellungen auf TnitowS Buch sind heutc eingegangen, und Rost glaubt, es wird in den nächsten Tagen noch viel toller werden!"

„Hans Heinrich! — Hans Heinrich!"

Schon wieder hing sie an seinem Halse.

„Und nun, mein Schatz, werden wir zur Feier des Tages schlemmen gehen!"

Da abcr schüttelte die junge Frau ganz energisch den Kopf.

„Rein, - immer hübsch solide, - und ich denke, vorläufig müßtest du dich zu Hause doch nom am wohlsten fühlen!"

Ein Lächeln um den Mund nahm er ihren Kopf in feine Hände, sah ihr tief in die Augen und nickte nur.

Schnell machte sie sich frei. In der Küche drau­ßen klapperten die Geräte und die Aufwärterin wurde schleunigst zn Einkäufen weggeschickt.

(Fortsetzung folgt.)

* Pacha, 1. Rov. 1911. Die Gewerkschaft SSeiliaenroba erzielte im 3. Vierteljahr 1911 einen Bettiebsgewinu von 139 247 Pik. und m ben verstossenen neun Monaten des laufenden Geschäfts­jahres einen solchen von 369786 Mk. — dlm Nion« ißfl den 6. November findet hierselbst Siam« markt statt. Der Schweinemarkt ist aus veterinär« polizeilichen Gründen nnter'ngt worden.

* StadtleugSseld, 2. Nov. 1911. Das frühere Kirchnerhche Grundstück ging für die Summe von 20 000 Mark in Kauf des Klempnermeisters Christran Schröder über.

* Hildburghausen, 1. Nov. 1911. Das hiesige Gymnasium Georgianum begeht im Jahre 1912 die Feier seines 100 jähr 1 gen B esteh e n 8. Die Jubelfeier soll vom 22.-24. Mai hrerielbst statt« finden. Der unter Vorsitz des Justizrats Dr. Michae­lis gebildete Ortsausschuß bittet die auswärts lebenden ehemaligen Schüler, der Direktion der An­stalt ihre Adresse, jetzigen Stand und die Zert des i Aufenthalts auf dem Gymnasium mitguteilen, damit i ihnen meiere das Fest beieffende Zuschriften zuge- I sandt werden können.

| * AuS Thüringen, 1. Nov. 1911. Eine Ver«

I iammlung der Berufsbürgermeister aller großyerzoglich weimarischen Städte unter 10000 Einwohnern in Halle beschloß den Zusammenschluß I um gemeinsamen Einlauf wichtiger Lebensmittel un> die Schaffung einer Notstanbskommftsion.

| Diese soll nach Benachrichtigung die ersorderli.l en Ledensmittein beschaffen.

gang gesichert.

Die R a t i o n a l l r b e r a l e n marschieren bet der Wahl nicht in einer einheitlichen Kampfeslinie; die in dem hessischen Liberalismus bestehenden Gegensätze haben auch diesmal ein einheitliches Vor­gehen beeinträchtigt. In dem rheinheffischen Wahl­kreis Nierstein ist es infolgedessen sogar zur Aufftel- lung zweier nationalliberalen Kadidaturen gekom­men. Im allgemeinen ist anzunehmen, daß die Natio­nalliberalen keine großen Einbußen an ihrem seit­herigen Besitzstand erleiden, aber auch keine Errungen­schaften machen werden. Sie werden aller Voraus­sicht in den Städten Darmstadt, Worms und Gießen mit ihren Kandidaten durchdringen, dafür aber einen ober den anderen ländlichen Kreis an die Bauern- bündler verlieren.

Der Freisinn, der bekanntlich in Hessen eine besonders scharfe Tonart ausweist, macht alle An­strengungen um auf den Schultern der Sozialdemo­kratie seine Wählersolge zu erzielen. Er nimmt aber auch die Hilfe der Nationalliberalen da in Anspruch, wo die Parteikonstellation seine Kampfesstellung gegen die Sozialdemokratie bedingt. Sein Führer Pfarrer Korell steht im Wahlkreise Wörrstadt in aus­sichtsvoller Wahl und es bedarf aller Ansttengungen der Gegner, it>enn man seinen Sieg verhindern will

Die Sozialdemokraten haben auch dies­mal wieder nach ihren allen Rezepten im Wahlkampf gearbeitet In b:r Verhetzung der Massen, in der Verdächtigung und dem Herunterzerren der gegne­rischen Parteien sowie in der Enfftellung der Wahr­heit inbezug auf die neuen großen Reformwerke ha­ben sie das Menschenmögliche geleimt. Am heftigsten richteten sich ihre Angriffe gegen das Zentrum das in allen Wahlkreisen, wo es Kandidaturen aufgestellt, Sozialdemokraten zu scharfen ©egnern hat. Aller Voraussicht nach werden sie große Gewinne am Frei-

„So—o, Frau v. Hakbnrg, heute haben Sie tokber einmal Ihren nuten Tag! llnb wenn Sie irgenb welchen Wert auf bie Ratschläge Ihres alten Lehrers legen, so kann ich Ihnen nur immer wieder sagen: Wenn's mal nicht geht, legen Sie die Palette weg, pfeifen Sie eins und hoffen auf ein besseres Morgen! ’n Wunder wär's, wenn so eine Künstlerin — jawohl, das sind Sie —, nicht sensibel wäre!"

Und an diesem Tage arbeitete Erika geradezu vol­ler Wut an ihrem großen Gemälde.

Freudestvahlend hatte ihr gestern abend Hans Heinrich die Kritik eines berühmten Mannes mit nach Hause gebracht. Immer wieder hörte sie die Worte, die er ihr vorgelesen.

„Wer ist Eberhard v. Trüiow? — Das ist kein Buch, das ist ein Ereignis! — Und wenn es in zehn Jahren nicht mehr gekauft werden sollte, müßten sich die Deutschen schämen, die ein Herz in der Brust für die Größe ihres Vaterlandes haben! — Ein patrio­tisches Meisterwerk eines reifen, klardenkenden Man­nes! — Also wer ist Eberhard v. Trutonr? Herauf das Visier!' . .

Und bann war das große Kind vor ihr medcrge- kniet, hatte seinen Kopf in ihren Schoß gebettet, Luft.

über ihre Agitation aus:

Die Liberalen haben den Kampf in einer Form geführt, die als sehr bebenl l i ch bezeich­net loerben muß. Gewiß ist zn berücksichtigen, daß sie in einem überaus schweren Kampf standen, so daß die Angriffe zu gepfefferten Erwiderungen zwangen. Was aber alles geschah, das geht auch unter Berück­sichtigung dieser Umstände doch weit über das gewöhnliche Maß hinaus. Wenn die kom- menben allgemeinen Wahlen sich auf dem beiderseiti­gen Niveau der Konstanzer Wahl bewegen sollten, dann kann das deutsche Volk etwas erleben.

Das sozusagen ererbte „Recht" der Sozialdemo­kratie der Verneinung und bet Verhetzung hat in dem

darüber mit:

Die Vorschrtsien über Notwehr sind, abgesehen davon, daß die Notwehrhandlung ausdrücklich für nicht rechtswidrig erklärt ift, unverändert angenommen worden. Bei der Beratung des Notstandes, die sich insbesondere auch aus die hierzu aus ärztlichen Kreisen gemachten Vorschläge erstreckt hat, hat man sich vorläufig auf folgenden grundsätzlichen Standpunkt geeinigt, ohne daß die Fassung der Vorschriften bereits endgiltig festgelegt wurde. Notstandshandlungen sollen nicht nur zur Rettung der eigenen Person und der Person ron Angehörigen, sondern allgemein zu- gnnsten Dritter und auch mr Rettung eigenen oder fremden Eigentums zugelassen werden. Abweichend vom Vorentwurs soll jedoch die Verhältnismäßigkett des drohenden Schadens und des von der Notstands- Handlung zu erwartenden Schadens auch für den Per« wnennotstand gefordert werden. Hinsichtlich des Jugendstrafrechtes bat sich bie Kommission im allgemeinen dem Borentwurf angeschlossen, insbesondere rie Stiasgrenze auf 14 Jahre beraufgesetzt. Für die Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren ist ebenso wie für Taubstumme abweichend vom Vorentwurf, aber in Anlehnung an das geltende Recht Straflosigkeit vor­gesehen, wenn der Täter wegen zurückgebliebener Ent­wickelung oder mangels der erfo-derlichen geistigen oder sittlichen Reife mchk die Fähigkeit besaß, das Un­gesetzliche seiner Tat einzulehen, ober seinen Willen dieser Ansicht gemäß ,u bestimmen.

r „Hungersnot" und sozialdemokratische Samm­lungen für — die Revolution in Mexiko. Es wird gewiß itiemanben geben, der nicht aufrichtig die mit der Dürre dieses Sommers zusammenhängende Teuerung beklagt. Wenn bie sozialdemokratischen Führer von ber Regierung Hilfe gegen solche Na­turereignisse forbern, bann barf aber auch einmal bie Frage aufgeworfen werben, was haben bie Genossen getan, um wenigstens in ihren An­hängerreihen Erleichterungen zu schaffen? Die Antwort wirb lauten: Nichts! Im Gegenteil: Haben nicht tausenbe von Arbeitern sogar höhere Beiträge aufgehalst bekommen? Trotz ber Teue­rung! Wirb nicht in zahlreichen Versammlungen für allen möglichen Parteiklimbim ben Arbeitern Gelb aus ber Tasche geholt? Welche Sonderaiif- wenbungen bie sozialbemokratische Partei ihren An­hängern neben ben regelmäßigen Partei- nnb Ge- werkschastsbelträgen zumutet, bafür liefert eine Par­teiversammlung am 27. Oktober in Hamburg einen neuen Beweis. In jener Versammlung , wurde kräftig ber Klingelbeutel für bie Revolution tn Mexiko geschwungen. Mag bent deutschen Ge­nossen ruhig fein letzter Groschen abgenommen wer­den, was schert das die roten Führer, wenn nur bie Mulatten, Mestizen itnb das übrige Volks- und rasfefrembe Mischgesinbel brüben für bie Freiheit, bie f i e meinen, kämpfen können.

# Zur Konstanzer Ersatzwahl. In einer Bcspre- chung ber Konstanzer Ersatzwahl stellt bas Zentral­organ ber Sozialbemokraten Württembergs, bie „Schwäb. Tagwacht" (Nr. 253), obwohl sie natür­lich vor allem bem Zentrum am Zeuge zu flicken sucht, boch ben liberalen Brüdern folgendes Zeugnis

wollte glauben machen, baß jebe Hausfrau, bte täg­lich 3 Mark für ben notwendigen Hausbedarf aus­geben muß, täglich damit 1,57 Mark an indirekter Steuer bezahle, bie bas Zentrum verschuldet habe. Die Behauptung trägt ja zwar ben Stempel einer offensichtlichen Verlogenheit an ber Stirn, aber bei benen, bie nicht nachdenken, hat sie gewirkt. Nehmen I "dieses"PlUe'soll bereits im Juli

wir für bas ganze Reich runb13 MillionenFamilien- unter ber Bedingung erteilt worben

Haushaltungen an unb mufete Jebe derselben täglich baß Englcmb Innerhalb ber rm russisch-englischen burchschntttlich eine intnrekte Steuerlast von 1,57 L'“ hnl -og? boiaefeBenen britischen Inte- M-Z I--.1-N. 1° «-b, d-- Im T-- VAX '«.Ä S&SÄwÄ*« — 21,41 Millionen unb für 3o5 Tage — 21,41X " . Mus Teif unb wirb gepflückt. 365, bas sind rund 7815 Mill. (7 815 000 000) Mark. | 9retfen ®UTTe- ** öW TCt' Die Gesamteinnahme des Reiches aus indirekten' unb birekten Steuern beträgt aber nur runb

Die h§Wch?n Lanvtaqswahleu.

<P Darm stabt, 2. Nov. 1911. '

Am Freitag, ben 3. November finben im Großher­zogtum Hessen bie Neuwahlen zur Zweiten Kammer statt, beren Ausgang mit Spannung ent- gegengesehen wirb. Wird boch bie weitere Gestaltung ber Inneren politischen Verhältnisse in Hessen auf Lahre hinaus davon im Wesentlichen abhängen, ob hie Sozialbemokratie unb ber mit ihr tierbünbete Linksliberal Ismus ihre Position im Lcmbtag soweit verstärken werben, baß ber Einfluß ber seitherigen Mehrheitspanelen eine entsprechende Einbuße er­fährt. Der Wahlkampf erreichte am gestrigen Feier- iage im ganzen Lande seinen .Höhepunkt. In zahl- lofen Versammlungen unb in Hunderttausenben von .Flugblättern suchten bie Parteien noch einmal kurz vor ber Entscheidung bie Wähler zur Teilnahme an ■ber Wahl anzuregen. Seit Jahrzehnten war bie Wahlbeteiligung bei ben Lanbtagswahlen in Hessen prozentual äußerst gering; bas inbirette Wahlrecht halte bie Interesselosigkeit ber Wähler geradezu ge­züchtet. Dar wirb sich jetzt unter bem birekten Wahlrecht, baS am Freitag zum erstenmal seine Anwenbung finben wirb, erheblich ändern.

In M a i n z S t ab t haben sich alle bürgerlichen .Parteien zu gemeinsamem Kampfe gegen bie tote Mefahr vereint; sie unterftützen ausnahmslos bie Kanbibatur bes Demokraten Heerbt. In Darm- stabt, Offenbach, Worms, Gießen ist eS eu einem gemeinsamen Vorgehen bcr bürgerlichen Parteien nicht gekommen; aber es ist zu hoffen, baß In bec Stichwahl bie bürgerlichen Wähler das Ver­säumte nachholen unb den Sozialdemokraten ben Stuhl vor bie Tür setzen. Allerbings wirb babd per Freisinn seine Extratour tanzen unb aus Eigen­nutz ber Sozialbemokratie Vorspannbienste anbieten, ttm in einigen ländlichen Kreisen bie Unterstützung per Roten zu gewinnen. Aber es ist zu hoffen, -da das Bürgertum trotz dieser Abschwenkung des Frei­sinns in das röte Lager die Sozialbemokratie in ben genannten größeren Städten nieberzwingen wirb.

Das Zentrum, bas eine eifrige unb zttlbe- wußte Agitation entfaltet unb seine Organisation im £anbe nach Kräften ausgebaut hat, kann bem Aus­gang ber Wahl mit Zuversicht entgegensehen, wenn Zs gelingt, bie ländlichen Wähler aus bem Schlum- jner aufzurüttcln, ben dos inbirette Wahlrecht seither hei bin Lanbtagswahlen künstlich geschaffen hat. Ge- lingt eS, eine Wahlbeteiligung wie bei ben Reichs­tagswahlen bicsmal zustande zu bringen, so ist bie Wahl bei sämtlichen, ernstlich in Frage kommenben sechs Zentrumskanbibaten bereits im ersten Wahl-

sür ihn, und bamit er fort« schickt Rußland Verstärkungen Reibungen aus Teheran sind

soeben ftatigefunbenen Wahlkampfe In Konstanz«, fucheS bestehen, kann heute nu^ geleugnet werden. Ueberllngen bie nationalliberale Partei sich ange- Beide Regierungen leugneten solange sie konnten Jncfct unb bie Sozialbemokratie hierin weit überflü« Auch bai russische Auswärts Mmt tat,, altbtt qett Sie hetzte nicht nur in unverantwortlichster 'Nachricht kam, daß Mohamm^> AK auf perjilchem gen. ..... ...... Hoden wieder aufgetaucht sei, überaus erstaunt, und

wusch seine Hände in Unschuld. Jetzt wirft Ruß­land die Maske ab. Der frühere Schah hat bis zur Stunde nur 9lid)trlagtn erlitten; nun wendet sich das Blatt, denn die russischen Truppen nrar- ficheren mit ihm und für ihn, und damit er fort­an ganz sicher gehe, ich'

i Persien. Nach Mr.—„a----------- .

_______ russische Truppen in Enseli gelandet. Weitere 1700 sollen folgen und 1900 Mann von Dfchulfa nach Täbris gefandt werden. In Teheran sind weitere Telegramme eingetroffen, wonach die T u r k e m e n e n des ehemaligen Schahs, die von rufsischen Truppen und dem tfeuex I russischer Kanonenboote unterstützt worden cuk» vul^ucuuub ««, «uvuui« I» '-‘r ,‘1V"' I seien in der Nähe von Bandargas die per fr« der Hausftauen. Sie waren durch ihre scheinbare T h h „ vollständig geschlagen und Wfhm M« m,h, g«l«nd und --ch d----s R-b-

' fand wird mit Geld und Kosaken helfen, bte Herr« LS schäft Mohammebs Alis zu befestigen. Dafür wird Stichwahltag- fth l hen Russen als Gegenwert bte persische Küste ng erschien, M Meeres unb bie Provinz Aferbetb-

schon sowie das Gebiet ausliesern, bas bis zur Wie­derherstellung geordneter Zustande durch rusfifche Straßenbauten ufw. erschlossen fem wird. Dre Form dieier Abtretung soll dem Verhältnis enispre- chen, das" zwischen Rußland und seinen Vasallen« ftaaten, Chiwa unb Bokhara besteht. Englanbs Ein-

£cbtnsu)tnöe.

27 j äüman von H o rfl Bob em er.

„Du rebest bir bloß alles mögliche ein, weil bu beiue Erwartungen in enberer Beziehung nicyt er­füll' ftehit! ■'

„Vielleicht spielen bte auch ’ne Rolle mit, geb ich gern zu! Ich bin ein arbeitssroher, gebilbeter Mensch unb wünsche bementlprechenb behandelt zu Werben! Unb bie Gesellschaft hier will verbmnmt wenig von unS wissen, wo man uns annahm, hat man uns herz­lich kühl empfang m, auasi als Einbringlmge ange­sehen! uSiveim bie Herrschaften ihren Gegenbe- such machten, sichren sie im ftlberplattierten Geschirr vor, mit 'nem Diener auf dem^^ock unb bei unb ber Kutscher trugen Zylinder. Also offizielle Staa.->- Visite. Ich hab' auS allen Redereien auch kaum bei einem neu herzliche Unterton heraushoren können. Ober vielleicht bu?"

Rein'"

>a siehst-! - Unb nun bent bix mal, 'n Nach­komme von ben altmärkischen Nai^tttern mach.e mit einem Male in Magdeburg ’ne Brauerei auf, Was Würben Wir wohl bazu sagen? Ob wir thn fo Toint= lief» höflich willkommen beißen würben, ^zweifle ich stark, aber eher glaub ich, wir legten tt'N ch schnell unb recht grünblich rein. Immer hübsch sch In die Haut ber Gegenpartei versetzen, Malwin­chen !"

^Ja, aber Herr v. Hakburg ist boch auch Verlags- huchhänbler in Berlin geworben."

Da zog Herr Gustav Mrhlmann bie dicke, rechte FatK aus der Joppe unb schlug einmal durch bie Buff. „

„Berlin, — schon Berlin! — Da wimmelt aller durcheinanber! Unb — geworben ist cr'S, ja, aber vb et's bleibt, ist boch noch ’ne anbere Frage Ditte Beute haben ke'.n Sitzfleisch unb keine geschäftliche Akiuratesse, si b nicht zäh im Warten. Harte Köpfe, d e keine Konzessionen tnachen, kommen in unseren Tagen nicht vorwärts, wenn sie ’ne eingetragene Han­delsfirma sind!"