* Tuldaer
Das Rhei- WochenblaÜ
daß die Sozialdemokratt« von verschiedenen Agi- tationszentralen aus ganz Deutschland mit ihrem Flugblattmaterial neuerdings überschwemmt und diese ihre arbeit bis zu den Wahlen fortsetzen wird, muß von unserer Seite in gleicher Weise syste« matisch entgegengewirkt werden.
+ BreSla«, 31. Okt. 1911. Am Sonntag sand hier ein schlesischer konservativer Parteitag statt. Abg. Heydebrand ließ sich über die politische Lage in einer langen Rede auS, in der
zu den Mahlzeiten, und wenn sie ihn aufsuchte, machte er gar kein Hehl aus seinem Wunsche, allein zu bleiben. Und ihr Verlobter kam auch nur zweimal in der Woche nachmittags und fuhr vor den, Abendessen immer wieder weg.
.Könnte es denn keinen 'Ausgleich zwischen euch geben? Du solltest dich mit Onkel in Ruhe aussprechen. er hat dock Vaterstelle an mir vertreten!"
„Er wünscht ihn nicht, liebe Aba! Mir bleibt nichts andres übrig, als zu hoffen, die Zeit wird ihren wohltätigen Einfluß ausüben! Aber so weine doch nicht, Liebling!"
Da wandte sich die Braut ab und sah zum Fenster hinaus. Hub er stand mit finsterem Gesicht im Zimmer und ärgerte sich, daß Ada nicht ein Machtwort mit Arwed HaDurg sprach. —
Und im Kreise steckte man die KSpse zusammen. Fast all- nahmen Partei für den alten, einsamen Mann den sie von Jugend auf kannten. —
„Dies« Sosquen ist der reine Hecht in unserem Karpfenteiche allen Leuten verdreht er die Köpfe; nun wollen ihn die Bauern auch noch bei der nächsten Wahl in den Reichstag schicken, überall hört mott es. Natürlich, der ehrgeizige, schlaue Fuchs, der über Nacht in unseren Kreis gewechselt ist, will sich an unieern Töpfen gütlich tun. Aber noch ist nicht aller Tage Abend, — o nein, und es würde Zeit, ihm einmal zu zeigen, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen!"
In diesen Ton stimmten vor allen Dingen die Familien ein, die heiratsfähige Töchter hatten und nicht das Geld dazu, sie im Winter in Berlin auszu- fiihrm. Rur Mereuth und Löberdau hielten ihm die Stange.
Ersterer lachte bte Polterer aus und der alte Major schmunzelte.
.Göttchen, Herrschaften, der Sosquen weist er will, und das können in den Heutizen Seitlauften nicht allzu viel Menschen von sich sagen! Wir sind höllisch in die „Kompromisse' hineingeraten der Klingsberger zieht auf seinem Sch^brett mit sichern Hand die Figuren; also wozu die Aufr^ungen^Wav- te« wir doch ab und dann muß ich schon sagen, wer
Reichstagswahlvorbereitungen.
§§ Kassel, 30. Okt. 1911. In der heutigen Wahrerversammlung der Deutsch-Sozialen Partei erklärte der Kandidat, Reickswgsabg. Amtsgerichtsrat L a t t m a n n -Schmalkalden, daß die Gerüchte, er wolle nicht ernstlich wieder in dem Wahlkreise Kassel-Melsungen kandidieren, sondern sich in Fritz- lar-Homberg-Kirchhain als Kandidat aufstellen lassen, absolut grundlos seien.
♦ Osnabrück, 31. Okt. 1911. Das Zentrum hat den Rechtsanwalt Beerau-Hamburg als neuen Kandidaten für den hiesigen Wahlkreis aufgestellt.
Deutsches Reich.
* Der Kronprinz in höchster Gefahr. nisch-Westsülische Evangelisch-Lutherische (Nr. 43) enthält folgende Notiz:
keinen Finger gerührt Hal. Die Schwierigkeiten, die dabei zutage treten, werben von ihr lediglich dazu benutzt, um die Massen aufzu- driugen und sie im Hinblick aus die Wahlen zu revolutionieren. Angesichts des Umstandes,
Konservativer ja nicht."
Noch niemals ist von konservativer Seite mit solcher Entschiedenheit die Rotwendigkelt einer klaren Scheidung zwischen der Rechten und der Linken betont worden. Die entschiedene Betonung dieser Notwendigkeit ist um so bedeutsamer, als man sich in konservativen Kreisen trotz aller üblen Erfahrungen noch immer dem gefährlichen Wahn hingibt, die Liberalen könnten zur besseren Einsichr kommen und sich vom Umsturz lossagen. Die letzten Reichstagswahlen sollten jene Sammlungspolitiker eines besseren belehren und auch der in Oldenburg und Elsaß-Lothringen in die Erscheinung getretene Großblock könnte ihnen die Erkenntnis bringen, daß der Linksliberalismus nicht zurück will. Und noch eins ist zu bedenkeir. Auch wenn die liberalen Führer wollten, sie könnten nicht mehr zurück. Die Wählermaffen würden den Rückmarsch nicht mehr niitmachen, nachdem sie systematisch verhetzt find und die Unterscheidungsmerkmale zwischen dem Linkslibecalismus und der Sozialdemokratie fich immer mehr verwischen. Gewissen konservativen Politikern steckt eben noch immer der Bülowblock
JVo 251.
Donnerstag 2. November Ml
38. Zayrgang.
mir schon alles genau überlegt. Das Schloß ist groß genug, Sie ziehen rüber in den anderen FuttKl, und ich denke, ein guter Kamerad soll meine jungt Ehe nicht töten.'
.Das tarnt ich nicht annehmen."
.Sie müssen — nm meinetwillen."
„Na, hören Sie mal, nachgerade fange ich langsam an, zu glauben. Sie haben einen kleinen Klaps veg!"
Da griff Sosquen in die Brusttasche.
.Hier — lesen Sie Hans Heinrichs Brief!"
.Mein Gott und Herr, d:r denkt ja. an meinem Roman hing [ehre Seligkeit!'
„Gleich sollen Sie sehen, wie vemünstig ich bin! Und ehrlich! — Der alte Hakburg hat mir damals, als ich um die Hand meiner Braut bat. seine Ansicht unter die Rase gerieben — und ich nmß zugeben, sie hat ihre Berechtigung. Kurz und bündig, ich bin bei der ganzen Sache engagiert, ich muß Hans Heinrich mit über Wasser halten, nicht nur, well er mein Schwager geworden ist, ein andermal mehr! — Sie aber werden als Ehremnann mich und Hans Heinrich nicht im Stiche lassen, weiter an Ihrem großen Romane arbeiten, ich sorge dafür, daß dies in jeder Beziehung in Ruh und Frieden geschehen kann. Für uns heißt es jetzt, fest zusammenhalten, damit wir „den Men' zeigen können, daß die heutige Jugend weiß was sie will!'
Da pfiff der kleine Trütow das Kavalleriefignal: rttlW t ®
Also so fl-ht es!" Mit bet geballten Faust schlug er auf den Tisch. „Halloh, ein Mann, ein Wort, und ich denke darüber ist kein Ton mehr zu verlieren! — Eberhard Trütow setzt sich auf seine fadenscheinige Hosen und schreibt erst mal eine Epistel an Hans Heinrich und bann ein Kaplltt an seinem Roman!'
„Nun gefällt mir Eberhard Trütow nochmal so gut.'
„Er soll Ihnen aber noch viel besser gefallen, mein Allerwertester!' e
Ada Hakburg halte In diesen Tagen viel zu leiden. ' Ihr Onkel verlieb sein Arbeitszimmer fast nur noch
Ausland.
** Sozialdemokratischer Uebermnt. Seit vier Mo- jäten steht der Betrieb einer der größten Diamant- abriken in Amsterdam vollständig still. Naiv und herausforternd zugleich bespricht das in Amsterdam eftchenienbe Wochenblatt des Allgememen meder- ländischen Diamant-Arbeiterbundes die Ursachen dieser Betriebsstörung, die nicht einmal auf einen Zwist zwischen den Arbeitgebern und der Bundes- lcitung zurückzusühren ist. In der Zweigfabrik dieser Firma in Antwerpen hatte eine Anzahl Arbeiter ihren Austritt aus dem dortigen Diamant- Arbeiterbund erhärt, worauf die Bundesieilung d,e Firma aufforderte, diese Arbeiter zu entlassen. Sie iveigerte sich, diese unerhörte Forderung zu bewilligen, und die Folge war, daß die im Kartell« Verhältnis stehenden Diamant-Atbeitetvereinigungen von Amsterdam, Antwerpen und New Jork den organisierten Arbeitern kurzweg befahlen, die Arbeit niederzulegen, bis die ausgetretenen Arbeiter in Antwerpen in den Bund znrückgekehrt sein würden. Dies ist denn auch geschehen. Es dürste bis jetzt noch nicht dagewesen sein, daß man einen Arbeitgeber zwingen will, bei einem Streit zwischen den Arbeitern die Partei eines der streiteuden Teile zu «greisen und, wie im vorliegenden Falle, die aus der Organisation ausgetretenen Arbeiter zu nötigen, in biete zurückmkebren.
** Das Homerule-Gesetz für Irland wird gegenwärtig im englischen Kabinett beraten. Der Ent- wurs sieht ein irisches Kabinett in Dublin und ein irisches Parlament mit zwei gesetzgebenden Häusern vor. Beide Häuser werden gewählt, doch sollen im Oberhaus weniqens für eine Anzahl von Jahren auch ernannte Mitglieder sitzen. Wenn der irische Katholikeuführer R e d m o n t aufgesordert wurde, eine Regierung zu bilden, jo steht es fest, daß et für die ivichtigen Poften einige Protestanten Wahlen würde, die stets der irisch-nationalen Sache treu geblieben sind. Das irische Parlament wird aus
„Der deutsche Kronprinz häU sich mit feinem Gefolge in Jauernig als Jagdgast des Fürstbischofs Dr. Kopp auf. Er beabsichtigt, der Hirsckjagd im ■Revier Johannesberg obzuliegen. Hoffenilich wird er selbst
sich in seine Hände begibt, ist bis heute noch nicht betrogen worden! Oder wissen es die Herrschaften befer, dann bitte, machen Sie auS Ihrem Herzen keine Mördergrube! Denn klar sehen, sst das halbe Leben?' .
Man hatte gebrummt und geschwiegen, während Mereuth dem Sprecher die Haid drückte.
XXII.
Herr Gustav Mehlmann stand in hohen Stieseln, die Hände in bet Joppe, breitbeinig mitten im Zimmer vor feiner rundlichen Frau. Anfangs bet Vierziger mochte er sein, von untersetzter, mittelgroßer Ge- talt. Mit seinem dicken, geröteten, glatt rafterten Gesicht hätte hin jeder für einen echten, rechten Großbauern gehalten, dessen Vorfahrm die Dukaten aufgescheffelt hatten.
„Weißte, Malwine, ich hab' den Kram hier ichr schon ftritt Schuster, bleib' bei deinem Lechen! heißt's im Sprichwort, und daß ich so ein zweibeiniges Hornvieh war und mit Nadderheide zugelegt habe, 'werde ich wohl noch in meinem Grabe bereuen!"
„Du mußt nicht vergessen, in jeden neuen Beruf muß man sich erst einarbeiten!'
„Vergeß ich aber auch gar nicht, und daß ich nicht einer bin, der die Flinte so ohne weiteres an die Wand schmeißt, müßtest du wissen, aber hier fehlen die einfachsten Vorbedingungen, die ich zur Arbeit brauche — die kaufmännische Ordnung! Und die kriegt man in der höchsten Vollendung in solchen Betrieb nicht hinein! Erstens, wie willst du aufs Vieh Abschreibungen machen? Es geht nicht, dazu ist die Wirtschaft mit ihren ganzen Bedingungen zu kompliziert Ja, in der Brauerei, da setzteman einfach die Gäule um zwanzig Prozent im Jahre hermiter, das konnte man, denn der Verdienst war darnach! Aber hi« mit dec fünfhundettköpfigen Hammelherde, mit den siebenunddreißig Zuchffauen, ganz abgesehen was sonst noch brurn und dran hängt! Und ich brn vtm Jugend auf an Ordnung gewöhnt, ich will am Jahresende wissen, wie mein Geschäft steht; kein Mensch kann aus seiner Haut heraus!'
(Fortsetzung folgt.)
Lebrnswende.
26) Roman von Horst B ödem er.
„Ra, na," tröstete Frau Rost; „es ist ja noch nicht aller Tage Abend, :mb wenn die Kritiken schlecht aus- fallcn sollten, so wäre es imines Erachtens eine Ungerechtigkeit! Aber nun glauben Sir ums HimmelS- willeu nicht, was die Zeitungen schreiben, macht'S allein das eine Buch ist eben ein Schlager, das andere oessere nicht. Das Bnlagsgeschüst ist ein Lot- tericlpiel bei welchem sich der Verleger allerdings immer teilweise den Rücken decken kann, und Verluste werden wir an dem Buch sicher nicht haben. Aber Jhr m Manne bringen Sie, bitte, hübsch vorsichtig bei daß er künftighin nicht so stürmt und drängt, mein Alter ist geftem ganz bärbeißig nach Hause ge
Uno in Klingsberg saßen zwei, die ihre Mitmenschen nicht bei riss en.
„Da benli man nun, man hat tue Katze beim Schwanz — ja, Kuchen!"
„Immer hübsch langsam mit ben jungen Pferden, tieb«b?S%Htn glaubte selbst nicht an seine Worte Er hatte heute früh einen ganz oerzweiseltrn Brief von Haas Heinrich erhalten, (einem Gaste aber nicht,
„Rein^ mein Lieder, auf Wechsel mtt 'o Ian9« Sicht lasse ich mich vorläufig mcht mehr^ em, ich schreibe einfach kurze Erzählungen für Zeitschriften, r» gibt im Reiche gerade genug, und freue mich über die paar blauen Lappen, die sie bringen! Dadurch Werde ich bekannt und komme auf meine gqunben zwei Beine, beim mit meinem KlingSderg« Aufenthalt ist er ja doch bald Essig, weil Sie m, Apr! heiraten und - ich Ihre Gastfreundschaft schon über Gebühr in Anspruch genommen habe
.Ich lasse Sir nicht weg, - nein! Und fangen Sie mir nicht wieder davon an!' ,
- „Prächtiger Sosquen, ich Me wahrhaftig nicht geglaubt, daß die Verlobcrei so nervös niachtt
. .Kurz und aut. Sie bleiben hier! - M W
Aus dem RachbargebieLe.
» Kassel, 30. Okt. 1911. Am 25. Okt. fand hier die zweite ordentliche Gesellschafterversammlung der An- und Verkaufsgesellschaft „H e s s e n l a n d" statt. Diese Gesellschaft ist von den hessischen Raiffeisengenossenschaften am 23. November 1909 mit einem Stammkapital von 500 000 Mk., das von 333 Gesellschaftern (Genossenschaften) aufgebracht ist, mit der Aufgabe gegründet worden, den An- und Verkauf landwirtschaftlicher Bedarfsartikel und Produfte zu betreiben. Tas Geschäftsjahr läuft vom 1. Juli bis 30. Juni. Aus dem Geschäftsbericht ergibt ich, daß der Warenabsatz im Berichtsjahr 1253 486 Zentner im Werte von 5036 269 Mk. betrug. Gegenüber dem Vorjahr mit einem Warenabsatz von 1242 479 Zentner int Werte von 4 848 854 Mk. bedeutet das einen Mehrabsatz von 11007 Zentner im Werte von 187 415 Mk. An dem Mehrabsatz sind vor allem Futtermittel, landwirtschaftliche Produkte, sowie die Lager- Häuser beteiligt. In den unter der Verwaltung der Gesellschaft.Hessenland" stehenden6Kornhäufern sind in der Zeit vom 1. Juli 1910 bis 30. Juni 1911 214 542 Zentner Getreide im Werte von 1 887 078 Mk., 164 435 Zentner Futter- und Düngemittel im Werte von 937 016 Mk., zusammen 378977 Zentner im Be- trage von 2 824 094 Mk. umgeseht worden. — Der nach Abzug aller Unkosten, unter denen fich allein 4200 Mk. Steuern befinden, zur Verfügung d« Gesellschafter verbleibende Reingewinn beträgt 36943,45 Mk. Die Gesellschafter erhalten auf das Stammkapital von 500 000 Mk. 4 Prozent Dividende mit 19 390,40 Mk. und 1 Prozent Superdividende mit 4847,60 Mk. Außerdem wird von dem Rest eine besondere Warenrückvergütung gegeben. Ockonomierat Rexerodt meinte, daß man Grund habe, mit Genugtuung auf das gut der- laufene Geschäftsjahr zurückzublicken. Allerdings könnte di« Steigerung im Warenumsatz eine bedeutend größere sein wenn seitens der Genossenschaften wirklich alle Bezüge durch das „Heffenland" gemacht würden.
Kassel, 1. Nov. 1911. Am Montag abend sprach hier auf Veranlassung der kath. Frauenvereinigung vor einer überaus stattlichen Zuhörermenge der be- Ivährte Katholikentagsredner, Domprediger Dr. Don- de rs über das Thema „Soziales Frauenwt r- f en — eine Aufgabe der neuen Zei t". Der gewaltige Umschwung in Technik, Handel und Verkehr so führte Dr. Donders aus, hat uns auch eine Fülle ü«ialet Rot, leibliches und geistiges Elend gebracht, es wäre aber falsch, die Zett zu schelten. Wir müssen sie nur verstehen lernen und baS Wort des jüngsten der deutschen Bischöfe (von Speyer) beherzigen: vox temporis vox Dei. Die Stimme der Zeit ,st die Stimme Gottes. Die neue Zeit stellt uns die For- derung, uns sozial zu betätigen; um dies tun zu können, müssen wir mit offenem Auge und Herz ihr entge- gcgengehen; das so z i al e Wissen muß ein Gegenstand der Allgemeinbildung nicht nur bei den Frauen, . sondern bei dem gebildeten jungen Mädchen werden, i zwischen der Zeit der Großmutter und der jetzigen • sicht als bedeutender Faktor die aus dem Schulzwang ' sich ergebende Volksschulbildung. Dadurch ist in be- • zug auf Bildung kein großer llnierschied mehr zwischen : der höheren Tochter und dem Dienstmädchen. Das ■ gebildete junge Mädchen muß den Traum der Arbei- [ terin von dem Zusammenschluß in der Ge-
Grund einer Parlamentsakte geschaffen und kann auf Grund ein« solchen widerrufen werden. Die Vorrechte deS Reichsparlaments bleiben. Irische Mitglied« werden auch weit« im Reichsparlament sitzen, doch in erheblich vermnidert« Zahl. DaS Reichsparlament bchält die Kontrolle über die auswärtigen Angelegenhesten, über Armee und Flotte, Münzwesen und Zölle und Steuern. Dem neuen Parlament ist eS nicht gestattet, eine katholisch« Staatskirche zu errichten.
** Aoflöjuugkklaze gegen bett Stahltrust. Die Regierung ber Vereinigten Staaten hat gegen den Stahltrust die Auflösungsklage «hoben, die sich auf daS Antitrustgesetz stützt. Es wird ein Riesenprozeß werten, er ist gegen 37 Gesellschaften und 23 Einzelpersonen gerichtet. Die Entscheidung ist nickt vor drei Jahren zu erwarten, da eine eingehende Menge von Beweisaufnahmen stattfindet. Die Klage behauptet, der Stahltruft unterhalte direkte Berbin- Düngen mit allen großen Eisenbahnen und Dampfer- linien, dem Oeltrust und anderen Unternehmungen, wodurch er den Verkehr und Handel beherrsche. — Präsident Taft hielt in Milwaukee eine Rede, in d« er betonte, daß er das Gesetz gegen Hoch und Niedrig, gegen Trusts und Gewerkschaften an» wenden würde, wenn bei ihnen irgendwelche Ungerechtigkeiten vorkommen würden.
fctct feljcn
* Gegen den SinchttzifsimuS. Die letzte 'Nummer des „Simplizissimus" ist bekanntlich in ißrag tonfi^ ziert worben. Die Polizei erblickte in bcm Titelbild eine Beleidigung der katholischen Kircke. DaS Bild stellt einen kirchlichen Würd-nteäger bar, wie er einen in ben Krieg ziehenden Banditen mit ben Worten feg- net: „Gott segne Dich, mein Sohn, beim Stehlen, UNS vergiß beim Teilen bie Mutter Kirche nicht! — Diese Energie gegen ben Sirnplizsssimus ist bei uns im Deutschen Reiche einfach ausgeschlossen, solange das Blatt fein Gift über katholische Dinge ausgießt. In Böhmen ist man schon entschiedener der Ansicht daß bie Toleranzpslicht nicht beruht in bet Duldung schamloser Beleidigungen. Aber wie gesagt — der Simplizissimus braucht nicht zu beflirchten, baß es ihm auch bei uns an den Kragen geht, wenn «'s nicht allzu toll treibt. Wie man aus Rom meldete, ist sogar in Italien wegen ber Bilder, bie ben tripoliranischen Felbzug verhöhnen, ein Boykott ge- gen den Simplizissimus organisiert worben. Daß ber Simplizissimus so unhöflich unb unvorsichtig sein tann! Papst unb Priester, Kirche unb Dogma, Gott unb bie Menschen, bie an ihn glauben, bars er beleidigen, nicht aber den braven Lazzaroni innerhalb mrd außerhalb bür Ministerien.
«$< Ein „Tlueinngs-Flugdlalt", das als «sie Antwort auf die zahlreichen sozialdemokratischen Flugschriften zur Frage der Teuerung unb unserer Lebeusmittelverforaimg überhaupt dienen soll, hat eben ber Volksverein für das katholische Deutschland h«au?gegebcn. Es stellt die Frage: „Wer ist schuld an der Teuerung?' und gibt aus diese in einer Reihe von Unterlagen: „Was ist eigentlich teurer geworden?", „Warum weiden die Lebensmittel teurer?", „Verschlimmert unsere Schutz- »ol! Politik nicht den Notstand?", „Was bewirkt das j?rcchüudelsrez,ept der Sozialdemokratie?" schlagende Antworten, b:e zugleich das Spiel, das die Soziai- deuiolraiie nun seit Wochen treibt, als eine volks- vergi tcnde sozialdemokratische Hetze er- kennen lassen, dazu bestimmt, die Parteigeschäfte bet den iwrannahenden Reichstagswahlen zu besorgen. Die Anklagen, die dir Sozialdemokratie dabei gegen uttje.c bewährte Wirtschaftspolitik und den „schwarz- blauen Block" «hebt, nehmen sich umso pharisäischer aus als diese Partei für die Erhaltung und
im Blut und dn gut Teil Abneigung gegen da» Zentrum spielt bei b« Sammlungspolitik auch eine Rolle, herüber brauchen wir uns gar kein« Täu- chung hinzugeben. Diese SammlungSpolittk birgt ab« boch eine große Gefahr in sich. Sie schafft unklare Verhältnisse und täuscht vor allem bie Wählermassen üb« bie wahre Gefahr, bie d« bürgerlichen Gesellschaft von bem Zusammenschluß ber bürgerlichen Linken mit bem Umsturz broht. — Für bas Zentrum ist ganz besonberS beherzigenswert, was b« Abg. y Heydebrand üb« bie Bedeutung d« Presse in ben politischen Kämpfen ausführte. Sehr mit Recht wies er auf bie gewaltige UÜberlegenheit derlib eral en Presse über die kons«vative hin und wir fügen hinzu, auch über die Zentrumspresse.
„Wenn ber Wahlkampf unter grenzenloser Wer- hetzung und Verfeindung geführt wird, so ist, führte d« Redner aus, das dem Einflnßder gegnerc s ch e n Presse zu danken. Wenn wir zu jed« Zett diesem Einfluß mit Entschiedenheit entgegengewirkt hatten, so wäre eS nicht so weit gekommen. Es darf aber nicht länger so sein, daß eine übermächtige Presse ub« unS herfällt und den guten Geist unserer Bevölkerung untergräbt." Und er fügte die Versicherung hinzu: „Es soll nicht mehr Vorkommen, daß eS noch em Dors gibt, in dem keine konservative Presse vorhanden ist, daß liberale oder andere gegnerische Zettungen oft nnt dem Rufe von Skandalblättern auch M unseren Reihen gelesen werden."
Dies Gelöbnis sollten auch wir uns zu eigen machen. Auch auf unser« Seite muß bie Presse noch viel mehr geförbert werben als eS heute geschieht In jebes Hau» unserer Wähler gehört ein Zentrumsblatt. Es ist Pflicht, daß wir unsere Presse auf bas tatkräftigste unterstützen.
nicht eingefangen!"
Es wird sich empfehlen, daß ber Kronprinz künftig nur an ber Spitze seiner Totenkopfhusaren bie Reise zum Kardinal macht, daß das GardekorpS in seiner Stärke von etwa 30 000 Mann sich zum Nach- schub in Eilmärschen bereithält, und daß die Späher des Evangelischen Bundes der anrückenden Streit- macht voraus^sandt werden. Dann wird hoffentlich nichts passieren.
□ Neichstagsabg. Domdekan Dr. Schädler, der Sweite Vorsitzende der Zentrumsftaktton des Reichs- igs, tvill vom politischen Schauplatz zurücktteten. Der Grund liegt in einer schweren Erkrankung, die dem Patienten die äußerste Schonung zur Pflicht macht. Domdckan Dr. Schädl« steht im 59. Lebensjahre. Durck den Enffchluß dieses h«vorragenden Mannes und Polttiker» «leidet bie Zentrumspattei einen überaus schweren ,fast unersetzlichen Verlust. In sein« langjährigen Wirksamkeit hat Abg. Dr. Schäbler stets in erster Reihe der Partei gestanden, und man kann fag.it, daß er in ihrem Dienste seine Kräfte aufgerieben hat. Wer den Prälaten Schöbt« früh« gekannt unb in ben letzten Jahren wiebergeschen hat, wirb seinen Entschluß begreiflich finben. Wir hoffen, baß b« hervorragende Zenirumsfüürer seine Gesundheit tvieb« erhalte, so baß wir ihn bereinst in ber Vollkraft seines Schaffens unb Wirkens wieder in un-
er folgendes hervorhob:
„Bei ben bevorstehenden Wahlkämpfen handelt eS sich nicht nur um da» Geschick der konservativen Partei, sondern nur um daS Wohl und Wehe unseres Vaterlandes. Geht auS den Wablen eine mehr oder minder sreihändlerische Mehrheit hervor, eine Mehrheit, die im Punkte der nationalen Ehre nicht zuverlässig ist, so kommen trübe Zeiten über unser Vaterland. Nickt» klingt besser, als der Name Bauernbund. Wir Landwirte alle sind gern bereit, mti den Bauern einen Bund zu schließen, aber wir müssen erkennen, daß diese nationalliberale Gründung nur Verwirrung anrichtet. Sehnlich steht eS mit dem Hansabund. Ich habe nichts dagegen, daß Sandel, Gewerbe und Industrie sich zur Vertre- tung 'ihrer Interessen, trotzdem diese nicht gefährdet find, zusammenschließen. Aber in der Praxis können die Herren nichts als die einzelnen Berufsstände, die aufeinander angewiesen find, gegen einander zu verhetzen. Lange Zett dürfte dieser Bund nicht überdauern. Auf dem letzten Berliner liberalen Parteitag vor acht Tagen wurde nicht der sonst so beliebte Kampf gegen rechts auf den Schild gehoben, sondern der Kampf gegen die Sozialdemokratie. In Berlin freilich mußte der Liberalismus so h-nideln, sonst würde die rote Flut bald kurzen Prozeß mit ihm machen. In allen Fragen, in denen eS sich um Königstum, Vaterland, um nationale Fragen handelt, finden wir die Freisinnigen fast immer an der Seite der Sozi a l d e mo k r at i e. Was nützt alles Bekämpfen, wenn man der Sozialdemokratie die Wege ebnet! Das Furchtbare und Gefährliche aber an der Sache ist, daß auch die Sozialdemokratie uns heute verkleidet im bür- gerlicken Gewand entgegeniritt. Das ist die Gefahr, daß die Begriffe davon, was wir Staat, Religion, Ehre und Gesellschaft schuldig sind, sich verwischen und daß es so zu einer Berbrüderungderbürger- l ich en Kreise mit der Sozialdemokratie kommt, an der leider in einzelnen Staaten die R e. gierenden Anteil nehmen. Ob wir überall Erfolge erzielen werden, steht dahin, eins aber steht fest, daß die bürgerlichen Parteien verbittert aus diesem Wahlkampfe hervorgehcn werden, und alle aufrichtigen Patrioten müssen das bedauern. Mußte das so kommen? Wir haben gewiß nichts tadellos gemacht, davon ist keine Rede, aber es fehlten die Leute, die es besser machen, und geschehen mußte etwas. Es sind auch in unseren konservativen Kreisen Leute, die jetzt für eine Verständigung sprechen. Wenn das Erfolg hätte, so würde ich der erste sein, der dabei wäre. Die Stunde ist aber vorbei, jetzt geht es auf das Ganze. Wenn wir jetzt anfaugen würden, Konzessionen zu machen, dann würden wir keine neuen Freunde gewinnen, aber alte Freunde stutzig machen. Einem Patrioten fällt es gewiß schwer, das zu sagen, aber tvir müssen durch! Wir müssen uns der Hoffnung hingcben, daß nach der Krise alle diejenigen, die sich bewußt sind, ein gemeinsames Haus zu bewohnen, sich zu einem Großblock gegen den Um* : stürz zusammenzuschließen. Dann werden wir uns in den Augen d« anständigen Gegner Achtung erworben ■ haben, wenn wir mit anständigen Mitteln den Wahl- : kampf geführt haben, und andere Mittel kennt ein
A j f H A 2. Blött.
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