Einzelbild herunterladen
 

M 250.

Dienstag 31. vltoder 1911 r

58. Jahrgang

«sulliaer M Zeitung

2. Blatt.

vr»ck hs5 vrrlag ba Suiba« Ictia*iu$erei in Suita.

Aurland.

•• Ne» HochschnlkrowaL«. Aach ein« länger« Pause scheinen b« Hochschullrawalle in Oest «- reich wieder etuzusetzen. Jüngst gab eS auf der Wiener Technik Sdirmszenen. wie ste an dieser Hoch­schule wohl noch nie erlebt worden waren. Dm An­laß hiezu bot ein Farbenverbot, da» der Senat für eine akademische Feier triaffen hatte. Da man die kacholischen Verbindungen bet dieser nicht recht aus­schließen konnte, aber bet deren Auffahrt voraussicht­lich die „Freiheitlichen' die üblichen Rüpeleien in» Werk gesetzt fraben würden, so wurde eine Art nega­tiver Gleichberechtigung hergestellt und ein allgemei­ne» Farbenverbot erlass«. Trotzdem kam eS bei der Feier zu argen Radauszen« der deutschradikalen Stu» dmtenschast gegen die Wache und die Pedelle, welche Unberufenen den Eintritt zur Feier verweigerten. Schließlich Ueß sich der Rektor «inschüchtern und sprach einige Phasen über die angeblich bedrohte Lehrfreiheit. Ve Stimmung ist ziemlich «regt, und di« Konflikte dürsten bald auch auf die SSiener Uni­versität übergreifen, zumal auch sechs kacholische Stu- dentenv-.rbindungen emste Anstrengungen mach«, um in der Aula Farbenrecht zu erlangen. Da auch die italientschm Student« wegm der Fakultätsvorlage gründenden Ottoman Telephone Lo. üben-smmen und und veränderliche Strömung besitzt uni außmtzem vielfach al» Ankerplatz benutzt wird

** Canalejo« gegen dm Mißbrauch der Freiheit. Der spanische Ministerpräsident kündigt an, daß er die Gesetzgebung anderer ©tauten in dieser Hinsicht geprüft habe, ob nicht von ihnen Bestimmungen in die spanische Verfassung übernommen werden mütz- ten, um ben Mißbrauch der Freiheit einzuschränken. Die Entartung bet Freiheit führe zu den schlimm­st« Ereignissen. Sehr richtig i Die wichtigste Be­stimmung wäre aber die religiöse Erziehung des Vol­ke»; ein christliche» Volk mißbraucht die Freiheit nicht.

* Die russische Reichsduma hat am Samstag ihre Sitzungen wieder ausgenommen. Die ersten Tage werden durch Interpellationen au»« gefüllt unter anderen durch solche der Ottobrssten über da» Attentat auf Stolypin und die Havarie von drei Linienschiffen der Schwarzen- Meer-Flotte. Die Kadetten wollen Über Ausnahme­zustände interpellieren.

Stadtverordneten-versammlung

A F ulda, 31. Oktober 1911.

An der gestrigen Sitzung der Stadtverordncicn- Bersammlung, die um 7y, Uhr begann, nahmen 20 Mitglieder de» Kollegium» teil. Der Magistrat war durch den Oberbürgermeister vertreten. Fer­ner nahmen an der Sitzung Stadtbaumeister Fuhr- m a n n und Gas« und Wasserwerksdirektor M e w e » teil. Den Vorsitz führte der Stadtverordneten-Vor« steher Iustizrat Gegenbau r.

1. Legung eine» Wafferhauptrshrstrnnge» in die Haimbacherstratze bi» an da» Pfeiffer'sche Grundstück und Bewilligung der Kosten. Die Legung des Rohr- stranges bi» zum Grundstück de» Landwirts Pfeiffer, deS Besitzers der „Deutschen Eiche, würde 1500 Mk. Kosten verursachen. Herr Pfeiffer hat sich bereit er» klärt, davon, 1000 Mll bar an die Stadt zu zahlen und den Rest in der Weise zu verzinsen, daß er für 10 Jahre eine entsprechende Wasserentnahme garan­tiert. Da der Rohrstrang aber nicht nur bis zur Grundstücksgrenze gelegt, sondern bis zu dem Wohn­haus geführt werden soll, werden sich die Kosten um iveitere 500 Mk. erhöhen. Die Stadtverordneten-Ber- sammlung genehmigt auf Antrag des Sw. Sunkel den Vertrag unter der Bedingung, daß ein Anspruch auf Rückforderung der zu leistenden Barzahlung von 1000 Mk. ausgeschlossen ist und für die übrigen 1000 Mark die Zinsgarantie übernommen wird. Die erstere Bestimmung motiviert der Oberbürgermeister mit dem Hinweis auf frühere Fälle, wo Anlieger, die zu­nächst allein den Vorteil einer Rohrlegung genossen und dafür einen Beitrag leisten mutzten, später, als toeitere Anlieger von der Rohrlegung Nutzen zogen, den Betrag teilweise zurück- berlangtcu. Stv. Kapp regt beiläufig an, falls die Wasserversorgung der Stadt durch den zweiten Rohr- straug ausreichend sein werde, an das auf Neuenber- ger Gemarkung liegende Gasthaus zum Neuenberg Leitungswasser abzugeben. Bisher haben dahingehende Wünsche des Besitzers mit Rücksicht auf die Waffer- knappheit abschläglich beschieden werden müssen.

2. Löschungsurkund«, zwei an Zahl, werden auf Antrag des Stv. Singer genehmigt.

8. Beschaffung einer Rechenmaschine für da» Stobt. Beuaet Auf Antrag Dur wird, da sich in der Pro- batur diese» Instrument bewährt hat, auch für da» Stadibanamt die Anschaffung einer Rechenmaschine genehmigt. Die Kosten, 850 Mk., sollen auf den Etat für 1912 übernommen werden.

Nach kaum halbstündiger öffentlicher Sitzung tritt die Versammlung in eine geheime Sitzung ein.

Aus dem Nachbargedleie.

(**) Dieters Han, 30. Ott 1911. In einer geftem abgehaltenen Gemeindeversammlung wurde fast ein­stimmig der Beschluß gefaßt, eine Wassevlei- tung für die hiesige Gemeinde zu bau«, nur ein Anwesender erklärte sich dagegen. Nach Erledigung der nötigen Vorarbeiten soll der Ausbau der Leitung alsbald in Angriff genommen werden. Die Leitung wird eine Länge von ca. 3000 Metern und ein Reser­voir von 65 Kubikmetern Inhalt erhalten.

„!" Rönshausen, 28. Okt. 1911. Gestern abend fand im Gasthause des Herrn Herbert dahier eine aut besuchte landwirtschaftliche Ver­sa m m l u n g statt für die Ortschaften Lütter, Röns­hausen und Melters. Herr Landwirtschaftslehrer Lutter aus Fulda sprach'über das sehr zeitgemäße Thema: „W i n t e r f ü t t er u n g der land­wirtschaftlichen N u tz t i e r e." Er führte ungefähr folgendes aus: Der zweite Klee- und Grasfchnstt blieben aus; desivegen versuchten Land­wirte, Senf und Oelrettich zur Spätherbstfütterung anzupflanzen, doch blieb der erhoffte Regen aus. Die Bauern müssen demnach in diesem abnormen Sabre verfüttern, was ihnen die Ernte gebracht hat or allen Dingen muß das Siroh in diesem Jahre al» Rauhfutter das Heu ersehen. Das Hafer-, Gerste- und Erbfenstrvh und wenn nötig auch das Weizen- und Roggenftroh darf auf keinen Fall zur Streu benutzt werden. Das Stroh hat aber doch nicht den Nährwert wie Heu. 20 Pfund Heu ge­hören der Kuh pro Tag. Dieses kann erseht werden durch 20 Pfund Stroh, es muß aber Kraftfutter Bhyutreten, wenn das Stück Bieh seine nötigen Nährstoffe erhalten soll. Folgende Zusammen­setzung genüge: 15 Pfund Stroh und 4% Pfund Kraftfutter (3 Pfund Weizenkleie und 1% Pfund Sesamknchen). Da die Futtermittel in diesem Jahre mehr in Anspruch genommen würden als sonst, werden gewissenlose Händler abnorme Presse ver­langen und schlechte Ware liefern. Daher sollten sich die Landwirte zusammentun und die Artikel waggonweise beziehen und evtl, in der Bersuchs- station zu Harleshausen untersuchen lassen. Das Vieh soll setzt int Herbst solange zur Weide getrie­ben werden, als es nur eben möglich sei. Treten Nachtftöste ent, so hat das Weiden zu unterbleiben, da dann Durchfall die Folge sst. Die Rnnkeln sol­len als Milchfutter ausschließlich für die Kühe ver­wandt werden, Zugochsen und Rinder kömten auch ohne diese Beigabe leben. Als Schweinefutter sollen dienen die kleinen Kartoffeln, Gerste oder Kvrnschrot und Maisschrot. Sodann sprach Herr Lutte noch über den Ankauf von Erdnußmehl, Baumwollsaat- mehl, über die verschiedenen Sorten Oelkuchen, die in diesen, Jahre sehr zu empfehlen seien. Er warnte vor gewissenlosen Händlern, die allerhand Sachen untermischen und mit in den Handel bringen. Neu­lich sei es vorgekommen, daß ein größerer Guts­pächter 50 Zentner Baumwollsaatmehl von einer Großsirma erhalten habe, die er in Harleshansen untersuchen ließ. Die Analyse habe 28 Prozent Fett­gehalt festgestellt snb Kaumwollsaatmehl habe sonst 55 Prozent Fett. Die Ware ging zurück. Wohin kommt nun meist solch minderwertige Ware? Auf die Dörfer. Deshalb Vorsicht! Herr Lehrer Schramm von Lütter dankte Herrn Lutte recht herz­lich für ben so intneffanen Vortrag. Bekanntlich wird über den hier behandelten Gegenstand auch in einer Anzahl anderer Orte auf Veranlassung der Kreisb-hörde gesprochen werden.

* Heinebiuh, 30. Okt. 1911. Hier waren dieser Tage eine stattliche Anzahl Gänse und Hühner veren­det, wie man annahm, nach dem Genüsse ven Der» gistetcm Weizen. Jetzt ist vom Kreistierarzt in Mel­sungen festgestellt worden, daß es sich bei dem Veren­den des Hausgeflügels um G e f l ü g e l ch o l er a handelt, die vermutlich durch den Bezug von jung« Hühnern von auswärts nach hier verschleppt worden ist. Die Seuche hat weiter um sich gegriffen und

t Das Fest der katholischen Familie-

So kann man die Feier zum Gedächtnis aller Heiligen und aller Seelen bezeichnen. Dre Vorau»« gegangenen, denen wir unsere Verehrung und uw- ferc Fürsprache widmen, sind unsere Bruder und Schwestern als Mitglieder derselben Kirche, und wenn wir die Zahl und die Mannigfattigkett der Lorausgegangenen betrachten, so erhall« wir ein Bild von der Größe dieser Familie, die nicht hloß dem Namen nach, sondern in der Tat katho­lisch, allgemein universell ist.

Aus allen Jahrhunderten und allen Erdteilen, Nationen und Staaten und Sprachen, aus allen Rängen und Ständen, vom Kaiser bis zum Sklaven xekutiert sich die glänzende und glückselige Schar der Heiligen, die vor dem Throne des Lammes stehen und den Lobgefang in der Himmelssprache fortsetzen, den sie in ihrer Muttersprache hier auf Erden be­gonnen haben. Die Kirche, aus der all diese ver­schiedenen Zeugen des Glaubens und der Gnade yervorgegangen sind, muß erhaben fern über Zeit Und Raum, über alle irdische Schranken und Gren­zen, über alle Unterschiede, welche die menschliche Kultur oder Unkultur zwischen den Menschen auf» richtet. Sie muß k a 1 h o l r s ch fein, d. h. das ganze umfassen, alle Zeiten, alle Völker, alle Stände gleich- präßig in sich aufnehmen. Eine Familie, die nicht bloß weltumfassend ist, sondern auch über die sicht­bare Welt hinaus ihre Gemeinschaft erftretft über ben Vorhof des Himmels und über den Himmel gibst, — eine Gemeinschaft der Heiligen, an deren roße und Erhabenheit nichts von dem, was die Wellweisen geschaffen oder gedacht haben, auch nur im Entferntesten heranreicht.

Solche Tage, wie Allerheiligen und Allerseelen, kann nur die katholische Kirche begehen. Und alle, die das Glück haben, zu dieser einen, heiligen, allge­meinen und apostolischen Familie zu gehören, soll­ten sich an diesen Tagen recht der Würde bewußt werden, die ihnen die erhabene Mitgliedschaft ver­leiht, zugleich aber auch der P f I i ch t e n, die sie ihnen auferlegt.

Der F a m i l i e n f i n n tut uns not, in den modernen Zeiten der Zersetzung erst recht. Zunächst »er engere Familiensinn gemäß der kleinen Gemein- chaft, in die uns Geburt oder Eheschließung ber­eit haben. Dann auch der erweiterte Familien- bin auf weltlichem Gebiete für Nation und Vater« and, in denen unsere irdische Kultur wurzelt. Da» größte, höchste und segensreichste aber sst die Teil­nahme an dem Familiengeist, der in jener Gemein­schaft lebt, von der ihr Gründer sagte: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben! Das lebendige Be« wußisein der Gemeinschaft der Heiligen erfreut und erhebt den Einzelnen aus fehlen Schwächen und stärkt ihn gegenüber den Versuchungen und Lasten des Erdenlebens. Wer den Blick auf die voraus­gegangenen Seligen gerichtet hält, wird den rechten Weg aus dem Jrrsal undWirrsal des Erdenlebens finden. Richtschnur und Leitstern sind uns heutzu­tage notwendiger als je, da die Kräfte, die alles göttliche und alles ideale verneinen und zersetzen wollen, mft unerhörter Wucht an der Arbeit sind.

Als bewußte Mitglieder der allgemeinen und ewigen Famflie halten wir den Blick und Sinn auf das Große und Dauernde gerichtet und laffert uns Nicht von jedem Wind und Wink des Augenblicks auf Abwege bringen. Im Hinblick auf das bessere Jenseits, das schon von unfern vorausgegangenen Brüdern und Schwestern bevölkert sst, gewinnen wir auch die Kraft, die Lasten und Leiden der irdi­schen Pilgerfahrt mit Geduld zu ertragen. Der rechte christliche Fcuniliengeist soll uns aber auch tatkräftig machen in den Werkstätten dieser Welt. Nacheifernd dem Beispiel der großen Hei­ligen, die am Wohl ihrer Mitwelt und an den Fort­schritten der menschlichen Kultur so erfolgreich mit- gewirkt haben, getrieben von der Liebe zu dem Näch­sten und von dem Eifer für die Ehre Gottes und seiner Kirche, sollen wir allzumal unsere Kräfte entfalten, und seien es auch nur bescheidene Kräfte für einen kleinen Kreis, um nach unserem bestem Wissen und Können beizutragen zu dem Sieg des Guten und Wahren in dieser Welt.

Wem die Mitgliedschaft an der größten und er« hallendsten Familie aus Gnade beschert ist, der inöge seine eigene Kraft einsetzen, um ein würdiges Mitglied dieser herrlichen Gemeinschaft zu werden und z» bleiben.

e» tst in verschieden« Gehöft« Geflügel ein gegen» gen.

Amt Geisa und Amgebung.

* Seist,, 81. Okt. 1911. Die Herbstkontroll- versammlung 1911 findet in Geisa, auf dem Berge, Samstag, ben 11. November, 10 Uhr vorm. statt. Weiterhin ist btt Kontrollversammlung fest­gesetzt für Ostheim, vor dem Rttdause, Mittwoch, 8. Nov., 11 Uhr vorm. Kaltennordheim, vor dem Ralhausr, Donnerstag, 9. Nov., 3 Uhr nackm. Dermbach, Marktplatz, Freitag, 10. Nov, S3/« Uhr vorm. Stadtlengsfeld, Turnplatz, Freitag, 10. Nov. IO3/« Uhr vorm. Tiefenort, Marktplatz, Freitag, 10. Roo., 4 Uhr nackm. Vacha, Marktplatz, Sams« lag, 11. Nov., 1®'n Uhr nackm. Alle Rescrofttcn, Dispositionsuriauber, die zur Disposition der Ersatz­behörden «ad-affen« und die als halbinvaiive oder als zeitig ganrmvalide anerkannten Mannschaften < Rentenempfänger) der Jahrgänge 1904 bis 1911 und die im Frühjahr 1899 "eingetretenen Mann­schaften der Landwehr I. Aufgebots Haden 1 eilzu­nehmen.

* Dermbach, 31. Okt. 1911. In der letzten Ser» fammlung desGewerbe-undForlbildungs- Verein» stand al» Hauptpmckt die Feier des 5 0- j ähr. Stiftungsfestes auf der Tagesord­nung. Es soll am 12. November durch Umzug, Kon­zert, Feswortrag gefeiert werden. Für Montag, ben 13. November, ist mittags ein gemeinsamer Ausflug nach Empfertshausen (Besichtigung der Holzschnitze­rei«) und nach Zella (Besuch der Zigarrenfabrik) vorgesehen. Aus Anlaß dieser Jubiläumsfeier wurde ferner der Beschluß gefaßt, diejenigen MitgUeder, di« 40 oder mehr Jahr« dem Beretn angehören, zu Ehrenmitgliedern zu ernennen.

* Heringen (Werra), 30. Okt. 1911. In unse­rem Orte ist jetzt eine Apotheke eröffnet wor­den.

* Bermbach b. Geisa. 30. Oft. 1911. Dir Aus» Übung der Jagd im hiesigen Flurbezirk soll am 15. November, nachmittag» 3 Uhr, im Kind sch« Gasthof auf 6 Jahre v erpachtet werden.

* Nus Thüringen, 31. Ott. 1911. Ein Aussehen rrregeedeGerichtsverhandlung sand m Meiningen statt. Ein sonst gut beleumundeter Knabe war in den Serba&t geraten, eine Uhr gestohlen zu haben. Um ihn zu einem Geständnis zu bringen, miß­handelten zwei Schutzleute den Knaben auf bet Polizeiwache auf's grausamste. Er legte infolge bet Mißhandlungen ein Geständnis ab, das er später widerrief. Seine Unschuld hat sich dann auch herausgestellt. Das Resultat war, daß bet am meist« belastete Polizeisergeant Kraus zu einem Jahr Zuchthaus und der Polizeisergeant Müller zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt wurden. — Tas Aulo des Bankdirektors Hintze aus Eise­nach stieß in der Nähe von Gamstädt in voller Fahrt gegen einen Baum. Durch den wuchUgeu Anprall wurde das Fahrzeug vollständig zertrümmert. und der Chauffeur schwer verletzt.

Hiis Gberheffen u. öen hejs. Aemtern.

A Marburg, 29. Ott. 1911. I« den letzten Nachte« verübten junge Leute, die sich eigentlich zum Zwecke des Studierens hier aushalt«, reckst eigen- artigesog. Scherze. So teurbat in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag die Feaster der Poli» zeibureauräume im Kiliansgebäude mit Unrat be­schmiert und in der folgenden Nacht brachte man vor den Fenstern des Polizeiwachtlokals, welche» fich im Rathauses befindet, also, mitten auf dem Marktplatz, eine Bombe zu rExplosion. E» erfolgte eine solche heftige Detonation, daß die Fen­ster klirrten und alle Anwohner des Marttes und der angrenzenden Straßen aus dem Schlafe ge­schreckt wurden. Der ganze Marktplatz war in Pul­verdampf gehüllt und man glaubte, es sei ein gro­ßes Unglück passiert. Der Polizei gelang es, den Täter in der Person eines korporierten Studieren­den zu ermitteln. Er trug noch einen solchen Ex­plosivkörper in seinem Mantel.

* Wabern, 30. Ott. 1911. Unsere Zucker- fabr i k ist in reger Tätigkeit. Besonder» auffallend sst die gute Qualität der angeliefrrtrn Rüben inbezug

Diese Erzählung war ihm durch den Kopf gegan­gen, als Arwed Hcckburg ihm seine Bedenken ausein- andersetzte. Und hatte wie ein Alp auf ihm gelastet, als er feine junge Braut in feine Arme geschloffen. Nun war er doppelt und dreifach mit verantwortlich geworden. Der junge Schwager mußte das Leben meistern lernen, sonst war's mit seiner Ruhe auch vorbei für Zeit und Ewigkeit! Gewiß, Hans Heinrich hatte in Rost eine brillante Stütze gewonnen, aber wenn [ein Blut rebellierte, wenn er es satt bekam, auf seinem Sessel zu sitz«, sein Temperament ihn hinauszog in einen Kamps, in dem man ganz anders zupacken mußte, und — mit feinem jung« Weibe — was bann? Dann gab'» ein Ende mit Schrecken kenn Erika war eine tiefinnerliche Natur, die in kleinen Verhältnissen ausgewachsen war, für viele Regungen Han» Heinrichs kein Verständnis haben wurde und Ruhe brauchte für ihre große Kunst!

Und während er mit bangen beut Herzen an die beiden dachte, saß die junge Frau bei Hans Hein­rich. — —

Immer weiter griffen die Rapp« aus, sie wußten ti geht dem heimatlichen Stall zu. Der Mond leuchtete die im Schnee eingebettete Landschaft, hier und da ein Dorf, über welches der rechteckige Kirch­turm herausragte, in der Feme Hügelwellen, auf denen Windmühlen chre vier Anne von sich streckten, ein Stück Kiefernwald, eine glitzernde Eisfläche rechts und links. Da» Land schlief der Auferstehmig ent« gegen.

Endlich bog der Schlitten in ben Klingsberger Gutshof ein.

„Halloh, Sie Nachtschwärmer!'

„Halloh, Trütows'

Sosguen sprang aus dem Schlitten und legte den Arm um seine» Gaste» Schulter. Und als sie sich im Zimmer gegenübetflanben, schüttelte der kleine Kerl dm Kopf.

S» spät erst kommen Eie von Ihrer Brautfahrt?' .Ich habe in Arwed Hakburg ein« anderen Men­schen angetroffen, al» ich erwartete!'

.Was soll da» heiß«?'

„Das soll heißen, mein Bester, daß ich Angst um Haas Heinrich bekommen Habel'

„Ach nee!" Trütow lachte hell auf. „Sie sehen bei Tag und Nacht mit einem Male Gespenster!'

„Jedenfalls, Trütow, wenn Sie einen Fincken Ka­meradschaft für mich übrig haben, dann arbeiten Sie mit größtem Fleiße weiter!'

Da ttampfie der die Fäuste zusammen.

„Was wissen Sie, wies in mir gärt! So wahr ich Eberhard Trütow bin, euch beiden will ich eine Quittung überreichen, daß ihr zufrieden sein sollt!"

Sosqucn drückte ihm dir Hand, daß der kleine Kerl beinahe vor Schmerzen aufaeschrien hätte.

XXL

,Jä, Herr Rost, faßt das ein Mensch?"

Der 3nette die Achseln. „Wären Sie länger im Verlags geschäste tätig, würden Sie sich nicht wun­dern!'

„Sechshundert Mark schein« wir alö Reklame reinweg zum Fenster ftauSgeschmissen zu haben!'

„Ich sagte Ihnen ost g«ug, der Name „Trütow" ist unbekannt Und mm denk« Sie, weil wir ein bißchen die Trommel gerührt haben, müßten die Be­stellungen gleich zu Tausend« tu» Haus flattern. Was für Blech wird heule nicht mit Spektakel an dm Mann zu bringen versucht! Warten wir hübsch die Kritik« ab und helfen wir dann nach!'

Han» Heinrich war ganz geknickt, er hatte ge­glaubt, Trütows Roman würde tra Handumdrehen eine portugiesische Silberflotte bei der Firma Rost m. ti. Hakburg landen lassen. Und als Taz für Tag die Bestelttmgen spärlicher einltefm, zum allergrößten Teil auch noch auf Kommission, ließ er dm Kopf immer tiefer sinken. Di« paar Buchhändler, die gegen Bar gekauft hatten war« Leute, die bi» jetzt mit dem Verlage gute Geschäfte gemacht hatten, aber freilich, der aste Beile war nicht mehr der Leiter, und ob die neuen Inhaber in die gleiche Kerbe schlugm, wußte abgewarirt werden. Da kam der graue Alltag wider Erwarten in Hans Heinrich» traute» Rest gefanlattn.

Seine junge Frau suchte ihm die trüben Gedanken au»zureden. „Gut Ding will Weste habm, nut im­mer ruhig Blut!"

Und ste hatte es ja fetbft nicht, stand zagend an der großen Staffelei und wagte nicht, die Farbm aufzutragen. Der alte Profeffor Meyer schüttelte den Kopf.

„Was haben Si« denn mit einem Male? Erst ging Ihnen diese grandiose Aäbeit mit einer Seid)» tiakett von der Hand, daß ich aus dem Erstaunen gar nicht herauskam, und seit ein Paar Tagen sind Sie wie vor den Kopf geschlagen! Gehen Sie an die frisch« Luft, werden St« Ihre Schrullen los, Frau v. Hakburg!'

Sie ging — floht Dmn da» Gekicher der anbe» rtn, die früher staunend vor ihrer Staffelei gestanden, fiel ihr auf die Nerven Was sollten die bmn den­ken, wenn sie vier Wochen nach ihrer Heirat hier stand, ohne Mut, ohne Arbeitskraft! Und Hans Heinrich plagte ste, er wollte durchaus da» Gemälde sehen. Da schoß ihr der Gedanke durch den Kopf: Geh einmal zu Frau Rost ttnb frage sie, was ihr Mann von Trütows Roman hält, und woran es eigentlich liegt, daß diese Arbeit, die mir so gut gefällt, nicht geh« totB!

Die brave, einfache Frau trifftete sie, so gut sie konnte, «achte ab« ba» Hebel nur noch schlimmer.

„Haben Sie noch niemals gehört, liebe Frau v. Hakburg, daß das Aü«best« anfangs keine Käufer findet, west der betreffende noch unbekannt ist? Was haben die Menzel, Leudoch und all di« ander« in jungen Jrchr« für ihre Gemälde bekommen? _ Ein Butterbrot! Und mit den Bücke« ist es natürlich noch biet schlimmer! In drei Jahren find das Krebse Wenn nicht noch früher. Gelingt der erste Wurf eben nicht, kenn vielleicht dn anderer, und der räumt hoff«stich die Bestünde des erst« Roman» mit auf!'

„Mein Mann erwartete im Handumdrehen einen Absatz von zebntcmsend Exemplaren.'

„Ach b* lieber Gott, dreitausend Exemplare sind gedruckt mord«, sei« wir ftoh, über Jahr und Tag sind sie b«tauft, annähernd! Wenn das VerlagS- zeschäst so leicht wäre, gäb's noch mehr Verleger, e» sind ohnehin schon titel zu vielt'

Da konnte Erika Hakburg die Tränen nicht mehr zurückhalten. (Fortsetzung folgt.)

Lebensmüde.

25] Roman von H orft B odrm er.

„Und als Leiter der Plantagen um die Ecke ge­gangene deutsche Offiziere! — Wundert Sie? — Nun, die Lösung ist ganz einfach! Denken Sie mal eht bißchen weiter zurück, in die Zeit, in welcher es ein paar Dutzend Staaten mehr in Deutschland gab, wie heule, — und immer Krakeel! Da wurde hier und da gerauft! Die Sachsen schlugen fick in Polen her­um, die Deutschordensritter in Preußm, und bi« Nassauer ging« nach Amerika. Mecklenburger nahmen Kriegsdienste in Württemberg — z. B. die Zeppelins, Schweden in Brandenburg — die Kahlden, wie auch die französischen Emigranten. Holländer machten aus dem Werder zwischen Weichstl und Nogat fruchtbares Land, — auch ein Kampf. Friedrich d« Große hatte Schott« in seinem Dienst und katzbalgte sich mit der ganzen Welt herum, kurz und gut, das unruhige Blut hielt nicht lange Friedenszelt! Die kleinen Aderlässe in China und unseren Kolonien genügen nicht, e8 drängt Tausende in wagemutige Unternehmungen hinein, gerade Ms solchen Familien, die durch Geue- xalionm das Schwett geführt. Seh« Sie, mit sol­ch« Leuten ist da brühen gut wirtschaften! Da kön­nen sie stch betätigen durch ihre Energie und auch durch ,di« Ehrenhaftigkeit. Furcht fennm sie nicht, wenn sie .ein Kerl anspringt, um ihnen das Genick umzudrehen, Machen sie kurzen Prozeß Ich habe meinen Vor­test davon, die Geschäfte klappen, die Ablieferung er­folgt pünttlick), denn die Bande hat Respett vor dem Wantagenleitir, und der ist unbedingt ehrlich, wenn man ihm fein gutes Auskommen gibt — und dank­bar. Nur nicht Splittenrichter fein! Wenn ich Ihnen den Lebenslauf des Verwalters meiner größten Pflan" jung erzählte. Sie würden staunen! Bei un» hat er hahnebüchen Schiffbmch gelitten and drüben ist er pitr eine unersetzliche Kraft, der ich außer freier Woh- Jiung, einer Villa, und was so drum und dran hängt, Mitt Freuden jährlich dreißigtausend Mark gahlre! Kenn Sie den aber in Deutschland auf einen Kon- Mrscssel setzen wollten. — ack du lieber Gott!'