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erscheint tLglich mH Xustidimt bet Som- ««d Feiertage viertel, jährlicher vezuaspreir ohne vringrriohn und vestellgeld in Fulda fs- »le auswärts (.50 M

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KotationsdruSund Verlag der Fuldaer Ak» tiendruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. 9.

38. Jahrgang

Fulda, Dienstag den 31. Oktober 1 > 11

Erstes Blatt

M 250.

Di« ,Nordd. Allg. Ztg/ würdigt das Wahl« ergebnis in Elsaß-Lolhringen kaum der Beachtung. Das offiziös« Blatt begnügt sich damit, die Partei­zusammensetzung mitzuteilen und zu konstatieren, daß „das Zentrum an sich also die Majorität nicht hat, wohl aber bei Unterstützung durch den vielfach Sonderinteresien vertretenden Lothringer Block. Das offiziöse Blatt findet nicht ein Wort der Genug­tuung über daS Fiasko deS Großblocks, aber das kann schließlich nicht wundernehmen, wenn man sich vergegenwärtigt, daß eS seinerzeit daS Großblock­abkommen mitgeteilt hat ohne ein Wort der Kritik.

* Kolmar, 80. Ott. 1911. Bei der Wahl des Vertreter- der Stadt Kolmar für die Erste Kam­mer wurde Bürgermeister Blumenthal mit 22 Stimmen gewählt. (Blumenthal, der Führer der Nationalisten, ist bei den Wahlen zur Zweiten Kammer bekanntlich ausgefallen.)

tonen in der Erklärung weiter ihr gutes Recht, in der evangelischen Landeskirche zu bleiben.

* Ein Kaifergrnß nach Lippe. Der Kaiser hat an den Fürsten Leopold von Lippe ein sehr ireundlich gehaltenes Handschreiben gerichtet, in welchem er ihm uutteilt, daß er daß drille Bataillon des Jnfanter'.e-Regimei ts Graf Bülow von Dennewitz, dessen Chef der Fürst ist, zum „Träger der Ueberlieserung des ehemaligen Füsilier- Bataillons Lippe" bestimmt habe. Tie Nachricht hat in der Erinnerung an die früher gespannten Beziehungen zwischen den Höfen von Berlin und Detmold ein gewisses Interesse. Ein kaiserliches Telegramm nach Lippe halle, wie erinnerlich, 1898

des Fürsten zu Fürstenberg in Donaueschingen ein- lreffen und fünf Tage dort verweilen. Während dieser Zeit werden große Fuchsjagden stailfinden. Der Kaiser wird auch der Einweihung des neuen Rathauses in Donaueschingen beiwohnen. — An Stelle deS verstorbenen Hrrrenhausmitgliedes v. Koscielki wurde vom Präienlalionsvert .md des Netzedistrikts Oberst v. Heydebreck mit 20 gegen 13 polnische Stimmen in das Herrenhaus gewählt.

+ Bor der Unterzeichnung deS Marokko-Abkommens. Die Verhandlungen sind dem Berl. Lok. Anz. zufolge oroeit gediehen, daß die Unterzeichnung des Vertrages spätestens im Laufe des Dienstag er- olgen wird. Das Abkommen dürfte dann alsbald dem Reichstag zur Kenntnisnahme zugehen, nicht zur Genedmigung, da neuerer Meldung zu- lolgr eine Abänderung der Gerichtsbarkeit der Konsularbehörden nicht erfolgt.

* Bischof Mansch, apostolischer Vikar von Kili­mandscharo, und Parer Provinzial Acker der Väter vom hl. Geist in Knechtsteden, sind heut- 12.30 Uhr mittags vom Kaiser im königlichen Schloß zu Berlin empfangen rooren. Sie überreichten in der Audienz ein Album mit Ansichten von der Abtei und Kirche zu Knechtsteden in der Rheinprovinz und von der Tätigkeit der Missionare. Der Kaiser vernahm mit besonderer Freude, daß die Laienbrüder den Zweck haben, die Schwarzen zur Arbeit heranzuziehen. „Den Negern muß Religion beigebracht werden*, meinte der Kaiser, „aber Frömmler brauchen sie keine zu sein; der Mensch soll Religion haben, aber er soll auch arbeiten. Es ist sehr gut, daß Sie die Neger zur Arbeit heranziehen, so muß es sein in Kolonien". Der Kaiser erkundigte sich auch über die Fortschritte des Islams, und da Staatssekretär v, Lindequist, der die Milsionare dem Kaiser öo - gestellt hatte, erwähnte, daß leider der Islam große Fortschritte in den Kolonien mache, erklärte der Kaiser: „Dem muß energisch entgegengelretcn werden, sonst wird der Islam für dte Kolonien eine große Gefahr." Nachdem der Kaiser sich etwa eine Viertel­stunde in herzlichster Weise mit den Herren unter- halten halte, entließ er sie, indem er beiden die Hand drückte, mit den Worten: „Auf Wieverjehen!"

’-p Eine Anweisung an die Laubräte soll be­kanntlich nach der »Frankfurter Ztg/ ergangen sein, worin diese „zur nachhaltigeren Orientierung Über schwerwiegende Angriffe gegen die Regierung in der Presse oder in Flugblättern, die auf die Reichstags­wahl ein mitten könnten, ausgefordert werden, damit darauf fachliche Erwiderungen gegeben werden können. Die liberale Preffe war flugs bei der Hand — auch der freisinnige Abg. Dr. Pachnicke tat ein gleiches gelegentlich der Teuerungsdebatten im Reichstag — zu'behaupten, es handele sich um nichts weniger alS eine Anweisung zur Wahlbeein- flussung, eine Mobilmachung der Behörden, ins- besondere der Landräte, zugunsten der agrarischen reaktionären Parteien des „schwarz-blauen Blocks" des „ostelbischen Junkertums". Demgegenüber stellt die,Nordd. Allg. Ztg/ fest, daß

„der Minister des Innern lediglich die Regie­rungspräsidenten, und zwar bereits am 12..Sept., ersucht habe, ihm über derartige Angriffe gegen die Regierung Bericht zu erstatten, um so ev. Gelegenheit zu haben, in sachlicher Form gehaltene Erwiderungen zu veranlassen. Bon einem Rat an die Landräte, die Barteifiugdtätter sich aus vertraulichen Wegen zu de- schaffen, sei in dem Erlaß keine Rede. Wie man der Regierung wegen dieses Erlaffes unzulässiges Eingreifen in die Reichstagswahlen zugunsten bestimmter Parteien vorwersen könne, sei unverständlich. Es sei nicht nur das gute Recht der Regierung, derartige auf un­richtiges Zahlen- oder Tatsachenmaterial gestützte An­griffe zuruckzuweisen, sondern sogar ihre Pflicht.

♦ Die evangelische brandenburgische Provinzial, synode nahm in ihrer gestrigen Sitzung mit 132 gegen 19 Stimmen eine von den Positiven ringe« btad te Resolution an, in der gesagt wird, die Provilizialsynode halte entgegen den Bestrebungen, die die Gemeinden einer schrankenlosen Lehrfreiheit wollen, an der evangelischen Landeskirche als einer einheitlichen Bekenntnisgemeinschast fest, deren un« veräußerliche Grundlagen in der Heili­gen Schrift gegeben und in den evangelischen Bekenntnissckristen bezeugt sind. Den Geistlichen und Gemeindemitgliedern legt die Resolution drin­gend ans Herz, sich verletzender, unwürdiger An- griffe und Agitationen gegen die pflichtmäßige Wahrung des Bekenntnisstandes zu enthalten. Seitens der Liberalen rourbe eine Erklärung zu dieser Resolution abgegeben, in der bestritten wird, daß in der gegenwärtigen starken Bewegung, in der das evangelische Volk nach der „Verwirklichung seiner kirchliche« Freiheit" ringe, eine Gefahr für die Landeskirche zu erblicken sei. Die Liberalen be«

Deutsches Reich.

♦* Berlin, 30. Okt. 1911. Am Mittwoch be­gibt sich das Kaiserpaar und die Prinzessin Viktoria Luise zur Einweihung der neu erbauten evangelischen Kirche in Ratibor. Nach der Ein­weihung begibt sich daS Kaiserpaar zum Jagdbesuch beim Herzog von Ratibor nach Schloß Stauden. Am 6. November wird der Kaiser als Jagdgast

ihn der Tod erlöst und einem stillen, aber arbeits reichen und verdienstvollen Leben ein Ende gefetzt Die Zentritmsprefle und die Zentrumparlei werdet, dem Verstorbenen ein dankbares Andenken bewahret»

gehauen werden mußten.

Die ermutigten Türken.

* Konstantinopel, 30. Ott. 1911. Der moralische Eindruck der türkischen Erfolge in Tri p o- liz auf die Stimmung, besonders der militärischen Kreise, äußert sich unverkennbar. Man schöpft neue Hoffnung und hat zuversichÜichcs Vertrauen in das beivährte Organisationstalrnt von Enver Bey und Oberst Fethy Bey. Eine italienische Besetzung der einen oder der anderen türkischen Inseln im Aegäischen Meere läßt die leitenden Kreise kühl. Hier­durch würde für die Türkei nichts geändert. Man glaubt im Gegenteil, daß durch einen derartigen Schritt die Mißstimmung bei europäischen Kabinette gegen Italien an Ausdehnung gewm- neu würde. Dieser Krieg, meinte heute ein in ver­antwortlicher Stellung befindlicher höherer Offizier, wird vielleicht 10 Jahre dauern. Eines, so fügte et hinzu, ist sicher: Wenn die türkische Regie­rung vor 3 Wochen noch auf brr Grundlage der Erhal- tunq ihr-r Souveränität mit Italien zu verhandeln bereit war, so kann schon heute davon nicht mehr die Rede fein. Mit bloßer Souveränität laßt sich der Heroismus der Tücken und Araber nicht mehr ab- finben. _, , , , .

* Konstantinopel, 30. Okt. 1911. Stambul bot in den Abendstunden ein Bild seltener Lebhaftigkeit In den Straßen stauten sich die Volksmass-.n. Ueberall wurde der große Sieg über die Italiener verkündet. In Tripolis sollen angeblich 95 Kanonen, 38 Mitrack- leusen und 15 000 Gewehre erbeutet und meh­rere tausend Italiener tot und gefan- g e n sein. Auch ins Parlament gelangte die Nach­richt, die Begeisterung hervorrief. Sie soll einer De­pesche des tückischen Konsuls in Malta zugrunde Ue- aem Weder die Pforte noch das Ktiegsmmffteriiim erhielten bis abends irgendwelche Bestätigung.

Das Wetter im türkischen Bunde.

Es scheint, daß die Italiener sich bereits aus­schließlich aus die Verteidigung der eigentlichen Stadt Tripolis beschränken. Ihre Unterstützung durch die Kriegsschiffe wird durch die stürmische See betartig erschwert, daß sie völlig .mzuveckäffig gewor­den ist. Der Gouverneur von Tripolis, Bekir Sami Bey, Jagte, daß vor Tripolis jefct jast 30 000. Araber

großes Aussehen erregt.

♦ Der Führer des liberalen Bauernbundes Dr. Böhme hat seinen liberalen Freunden von der F o r t- "chrtttspartei eine arge Kränkung angetan. In Insterburg, wo der Bauernbund mit den National- liberalen eine eigene Kandidatur gegen den Fort- schrittskandidaten ausgestellt hatte, hat er in einer' Wahlrede kürzlich ausgeführt:

„Sehen Sie, meine Herren, da sitzen in den Reihen der Fortschrittlichen Volksparrei die sog. Aufstchts- r ä t e. Diese beziehen dafür, daß sie nichts tun, son­dern nur alle Jahre einmal zu einem einzigen Diner zufammenkommen, von der großen Aktiengesellschaft riesige Tantiemen, die in die Zehntausende gehen. Als nun die Besteuerung dieser Tantiemen beantragt wurde, da stimmten die Herren vom Freisinn dagegen. Und weil sie in dieser Beziehung versagt haben, darum dürfen wir Hrn. Siehr (den Freisinnskandidaten, nicht unterstiitzen."

Dafür lieft ihm das Berliner Tageblatt nunmehr

* Dr. Franz Garthaus f. Der langjährige erste politische Redakteur der Zentrums-Parlaments-Kor- respondenz (CPCi, Herr Dr. Garthaus, ist nach län- oerem Leiden in der Nacht vom 29. auf den 30. d. M. in seiner Wohnung, Großlichterfelde, eines sanften Todes gestorben. Dr. Garthaus, der 59 Jahre alt geworden ist, war einer der angesehensten und erfolgreichsten Zentrums-Journalisten. Er war Leiter der,Schles. Volksztg/, politischer Redaktxur der ,®etmania' und fast 20 Jahre hindurch polttt- scher Leiter dir CPC. In zahlreichen Artikeln bat der Verstorbene int Sauf der Jahre durch die CPC auch zu den Lesern der „Fuldaer Zeitung" gesprochen. Er besaß ein umfassendes Wissen, ein sicheres Urteil und eine gewandte Feder, die, wenn es angebracht war, recht spitz sein konnte, aber nicht verletzend schrieb. Im letzten Winter, als er eben von der „Germania" zur CPC zurückgekehrt war, befiel ihn eine «ölittelobrenentjünbung, begleitet non einer vollständigen Erschöpfung feiner Nerven. Eine Schädeloperation brachte keine Heilung. Jinn hat

folgendermaßen bcn Text:

Abgesehen davon, daß es eine objektive Unwahrheit ist, daß „die Herren vom Freisinn" gegen die Tan­tiemesteuer gestimmt halten, ist die Art, wir Hr. Böhme das ostpreußische Volk über das Wesen und die Funktionen eines Aufsichtsrates aufklärt, das Dema­gogischste, was man sich denken kann. Dabei ist der Herr Syndikus so unvorsichtig, zu vergessen, daß der rechisuationalliberale Frhr. v. Heyl das Wort „Auf- sichtsratpartei" für die Partei geprägt hat, der sich Hr. Böhme jetzt — in der Agitation wenigstens — zuzählt. Die Nationalliberalen in Salzwedel-Garde­legen, die iich Hrn. Böhme als Kandidaten haben auf­drängen lassen, sollten sich doch noch überlegen, ob sie nicht dem Beispiel der früheren Wähler Dr. Böhmes in Marburg folgen wollen, die dem unzuverlässigen Herrn den Stuhl recht nachdrücklich vor die Tür gesetzt haben.

* Der Reichsverband gegen die Sozialdemokratie hat den höchsten Zom des „Berl. Tagebl." auf sich geladen, weil er sich entschlossen hat, die T e u e - rungsrede des Reichskanzlers als Flug­blatt zu verbreiten. Das Blatt ist darüber gewal­tig verärgert; es schreibt:

Da diese Rede auch scharfe polemische Stellen gegen die bürgerliche Linke enthält, verzichtet mit ihrer Per- breitung der Reichsverband endgültig darauf, als ein interfraktionierter bürgerlicher Verband zu gelten, der sich nur gegen die Sozialdemokratie richtet. Die Kon­sequenz müßte nun auch die eine sein, daß er feine unter solchen Umständen völlig irreführende Firma ändert. Wie wäre eS mit der Bezeichnung: «„Verband zur Verbreitung schwarzblauer Traktätchen?"

Wir haben keine Ursache, für den Reichsverband eine Lanze einzulegen, aber das „Berl. Tagebl." wird sich doch wohl nicht im Ernst einbilden, daß der Reichsverband seinen Zwecken gerecht würde, wenn er den Linken zuliebe gegen die Umsturzpartei mildere Saiten aufzöge. Wenn der Kampf des Reichsver­bandes gegen die Sozialdemokratie auch die Libe­ralen in Mitleidenschaft zieht, so kann doch der Reichsverband nichts dafür.

— Straßburg, 30. Ott. 1911. Heute nachmittag ist das frühere Mtglied des Reichstages und des Landesausschuffes, Stadtpfarrer Landolin W i n t e- rer, in Schlettstadt im 80. Lebensjahre gestorben. - Wtnterer ist vierzig Jahre hindurch einer der ein­flußreichsten und intereflantesten elsässischen Polttcker /«wesen und war eine der verehrungswürdigsten statten unter den deutschen Volksvertretern. Politisch war er ein Einspänner, welcher sich in keine Organi­sation einstigen konnte. Bekannüich ist die Organisa­tion des Zentrums erft vor den vorletzten Reichstags­wahlen im Elsaß eingesühck worden. Der damals schon greife Politiker konnte sich nicht mehr entschlie­ßen, umzusatteln und sich der Zentrumsbewegung an­zuschließen. Gleichwohl war und blieb er der nach­drücklichste Vertreter der katholischen Weltanschauung und zugleich der beste Verteidiger der Volksrechte. Er überragte die meisten seiner Kollegen an politischem Wissen und eindnicksvollem Redneckalent. Von An­fang an hat er sehr eifrig die Preffe benutzt und ihre Wichtigkeit eckannt. Als es ihm endlich erlaubt wurde, ein Organ zu gründen, hat er in dem viel gelesenen .Arbeiterfreund" bis zuletzt unermüdlich die christtt- chen Ideen verbreitet. Winterer war der treue Dol­metsch bet elsässischen Volksseele, der seinerzeit uner­schrocken dem Protest Ausdruck gab, sich jahrelang von jedem Kontatt mit der Regiemng fernhielt und sich schließlich doch mit den gewordenen Zuständen ehrlich abfand.

x Krieg MWn Mm nnö 6er Mei

Die italienischen Verluste in Tripolis.

Das italienische Kriegsministerium sieht sich ge nötigt, seine Angaben über die Verlustziffer» zu ändern und einzugestehen, daß sie größer sind als im Anfang berichtet war. Es dürsten etwa tau­send Mann kampfunfähig durch Tod ober Wunden b den bisherigen Gefechten geworben sein.

* Rom, 80. Okt. 1911. Der Oberkommandant ds Expeditionskorps teilt heute hierher telegraphisch bi, Verluste mit, welche die unter feinem Komman.de stehenden Streitkräfte vom 23. bis einschließlich 26. Ok tobet in den Kämpfen vor Tripolis erlitten haben. Da nach sind 13 Offiziere und 369 Mann g e. tötet, 16 Offiziere und 14 2 Mann bet, wundet worden. Der Kriegsminister behält sick jedoch noch vor, die Namen folgen zu lassen. Dal Mißverhältnis zwischen der Zahl der Toten und de» Verwundeten ist aus der Tatsache zu erklären, das einige Abteilungen, darunter das 11. Bersaglieriregi ment, aus allernächster Nähe angegriffen wurden. Di Lücken in den verschiedenen Heeresabteiliingen vw Tripolis sind übrigens bereits ergänzt worden.

DaS italienische Oberkommando, bas sonst ängst­lich barauf bedacht ist, daß keine ungünstigen Meldum gen die Zensur passieren, muß hier selbst nahezu 40® Tote und 150 Verwundete zugeben, die sich aller- dings auf die Kämpfe an drei Tagen, am Montag, Dienstag und Mittwoch, voriger Woche, beziehen. Seitdem haben bekanntlich noch weitere blutige Kämpfe stattgefunden. Nach einer Privatmeldung des „B. L. A." find aber die Verluste in Wirklichkeit auch an den ersten Tagen der vorigen Woche noch viel höher gewesen. Danach hat der Kampf am Motttag, 23. Oktober, allein ben Italienern 565 Tote und Verwunbete gekostet. Weiter heißt es in diesem ausdrücklich als wahrheitsgetreu bezeich­neten Bericht, der nur unter großen Schwierigkeiten seinen Bestimmungsock erreichte:

„Die Verluste der t ü r k i s ch e n T r u p p e n toaren nur gering, dagegen die der arabischen Reiter sehr erheblich, wenn auch geringer als die der italieni­schen. Seit dem Putschversuch der in der Stadt sich aufhaltenden Araber am Montag ist die ganze Außen- stadt abgesperrt. Alle, auch die vornehmsten Araber und die Kawassen, werden, sowie sie die Straßen be­treten, visitiert. Hunderte wurden gefesselt einge- bracht und massentvesse erschossen. Die Italiener schie- ßen schlechter als die Franzosen in Casablanca, ihre frühere Disziplin hat aufgehört, und die M a n n- schast hat buchstäblich den Kopf verloren. Die Offiziere haben Die Leute teilweise nicht mehr in der Hand. Der Generalstab ist übernervös, ebenso die Gendarmerie. Heute (Donnerstag) entspann sich von vormittags 4 Uhr ab ein furchtbarer Kampf anfangs bei Gergarisch und Soka, dann bei Sokra, wohin sich die Türken konzentrierten, weil die Schiffs- geschütze mit Schrapnells in den Kampf eingriffen. Hunderte von Arabern durchbrachen die italienische Verteidigungslinie und verschwanden in den Oasen. Es war das erste Mal, daß die Araber zu Fuß kämpf- ten. In Tripolis wurde die ganze Garnison, Train usw., alarmiert und in Bereitschaft gehalten. Ara­bische Projektile flogen drei Kilometer vom Kampf­platz in die Stadt. Die Verluste auf b eiben Seiten find riesig. Die Türken zogen sich, zum ersten Male bei ihren Angriffen, nicht freiwillig zurück, sondern wurden regelrecht abgeschlagen. Trotz­dem sie mehrere Male anstürmten, war es unnütze Tapfeckeit. Um 11 Uhr war die Schlacht beendigt

Tückische Berichte nennen ben feindlichen Verlust noch beträchtlicher, behaupten auch, die Italiener seien mehrfach geschlagen. Das letztere ist wohl so zu ver­stehen, baß wiederholt die Tücken einzelne gegnerische Abteilungen umzingelten, die mühsam wieder hrrauZ-

Vei beut Blick auf die Zukunft möchten wir noch die Frage auftoerfen: Kann und wird dann das so weiter gehen, auch nach den Wahlen vom Januar noch, daß die Großblock-Wirts chirft von der Berliner Regierung mit schonendem Still­schweigen behandelt und von einzelstaatttchen Regie­rungen, wie der badischen und der elsciß-lothringi- schen, mit positiver Begünstigung beehck wird?

Im übrigen, wenn die Liberattn durchaus mit dem Ausgang der reichsländischen Wahlen „zufrie­den", sein wollen, so haben wir die seltene Erscheinung einer allseitigen Zufriedenheit. Unsere Freun­de in Elsaß-Lothringen und wir sind wirklich Mifrieben und wünschen nichts anderes, als daß die Dinge sich in diesem Gleise weiter ent­wickeln. Haben die Liberalen auch diesen Wunsch? Und was sagt die Straßburger Regierung iu dem Fiasko ihrer „anttflcrRalen* Wahlkünste? Braucht niemand einen permanenten Erholungs­urlaub?

Wegen des Feiertags Allerheiligen wird die nächste Nummer der ,Fuldaer Zei­tung' erst am Donnerstag ausgegeben.

X Unsere» Freunden in Elsaß- Lothringen

schicken wir einen herzlichen Glückwunsch Sie haben sich ruhmvoll geschlagen bei dm Nachwahlen am Sonntag und trotz des von der Regttrung begunfhg- ten Großblocks von den noch streitigen Mandaten ein Drittel für sich errungen. Das ist ein gro­ßer überraschender Erfolg für das Zentrum und die ihm nahestehenden Lothringer dagegen eine entsthei- dende Niederlage der verbündeten liberalen, Demo­kraten, Sozialdemokraten und Regiemng!

Dieser Großblock war gebildet worden, um die „klerikale Mehrhrit" zu verhindern und an bereit Statt eine rosarote Mehrheit nach dem badischen Muster an die Herrschast zu bringen. Nun hat der Großblock aber nur 24 von 60 Mandaten erlangt, guch wenn man ihm 4 Unabhängige, die als Liberale gelten, zuzähtt. Die arg anisierten Liberalen zählen nur 9 Stimmen, die Soziald-mokraten 11.

Weich' ein Triumphgeschrei würde in der ganzen liberalen Presse ertönen, wenn cs dem Großblock ge­lungen wäre, die Hälfte bet Mandate ober gar noch eins mehr zu erreichen! Dann wäre die „Vernich­tung" des Zentrums in noch höheren Tönen, als nach der Düsseldorfer und der Konstanzer Wahl ver­kündet worden! Aber jetzt? Gestehen die liberalen Wort- und Federheldrn ihre Niederlage ein? Ei be­wahre! Die verstehen es ebenso gut, wie weiland Gambetta und Genossen, aus dem Bericht über eine Schlappe ein Siegesbulletin zu machen. Nichts ein­fach r, als das. „Das Zentmm", so ruft man den blindgläubigen Lesern zu, „hat nicht für sich allein die Mehrheit erreicht, und das ist ein gewaltiger Triumph des Großblocks!" Als ob es nicht nach dem ersten Wahlgange schon klar gewesen wäre, daß die Zen- trumspariei für sich allein zn ihren 18 oder 19 Mandaten nicht noch ein weiteres Dutzend oder gar eine weitere Mandel erringen könnte. Das Ziel der Blockbrüder war, die „klerikale Mehrheit" zu verhin­dern, d. h. die Mandate des Zentrums und der katho- liscben Lothringischen Gruppe nicht über 30 kommen zu lassen Es sind aber nicht blos 31 ober 32, son­dern 36 geworden! Ferner trösten sich die Libe­ralen mit der Behauptung, das „gewagte" Experiment des Großblocks sei glänzend gelungen, die verbün­deten Parteien (Sozialdemokratie, Liberale und De­mokraten) Hütten sich überall vollzählig die verein­barte Wahlhilfe geleistet. Erstens war das Experi­ment nicht sehr „gewagt", da es unter hoher obrigkeit­licher Begünstigung und Hilfe aus der Beamtenschaft vor sich ging. Zweitens hat es freilich an vielen Stellen „tadellos funttioniert" (leider!)/ aber nicht Überall; denn es ist schon festgesiellt, daß in vier Wahlkreisen, wo bei der ersten Wahl die Großblock- parteien zusammen die Mehrheit hatten, bei der Nach­wahl der „klerikale" Kandidat di- höchste Stimmen­zahl erreicht hat. Und drittens: Fühlen denn die Liberalen nicht, daß sie mit ihrer Schande vrah- teu, wenn sie keine Erfolge au5 eige­ne r K r a f t, sondern nur die Dienstleistung im Joche der sozialdemokratischen Partei zu melden haben! Eine Selbsterniedriaung, die sich sehr schlecht gelobnt hat; denn schließlich sind ja nur 9 organisierte Libe­rale auf hem faulen Wege ins Parlament gelangt.

Schließlich schiebt man zur Verdeckung der Nie­derlage noch die Tatsache in den Vordergrund, daß der N a t i o n a l b u n d vernichtet sei. (Auch das Wolffssche Büro und die „Nordd. Allg. Ztg." machen dhses Manöver mtt.) Freilich, die sogen. nationa­listische Partei ist verschwunden. Aber kommt dieser „Erfolg" der Linken zu gut ober nicht vielmehr dem Zentrum? Gegen das letztere richtet sich dieser Wettbewerb am meisten. Für das Zentrum ist es eine Erleichterung, daß auf der Rechten nicht eine Gruppe von Anhängern des sonderbaren und unbe­rechenbaren Herrn Blumenthal sitzt.

Sehr schön ist die Phrase, daß der Großblock mit feinen 24 Mandaten sich eine Gnmdlaae geschaffen habe von der aus sich die Eroberung der Mehrheit mit Erfolg in Angriff nehmen lasse Ach nein, was der Großblock unter ben künftigen Verhältnissen die­ser ersten Wahl nicht erringen konnte, das bringt ihm menschlicher Berechnung nach keine künftige Wahl. Umgekehrt wird ein Schuh aus bet erwähnten Phrase: Für das Zentrum sind die unter den Schwierig­keiten der ersten Erprobung des Wahlrechts errunge­nen 26 Mandate (wenn man die zwei zentrumsfreund- liche Unabhängige zurechnet s die Grundlage, von der aus sich die Eroberung der Mehrheit (i§ fehlt ja kaum ein halbes Dutzend) mit Sicherheit in Angriff nehmen läßt. Vorläufig genügt ja schon das Zu­sammenwirken der Lothringer Gruppe mit dem Zen­trum, um in der Frage des religiös-sittlichen Inter­esses eine positive Mehrheit herzustellen.