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4. Blatt.

»red Ne» Verlag der $nl»a« Actlendntckeeet in Zutda.

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Wegen der kostbaren Steine, die verbrannt sind. Wegen der Priester, die gestrauchelt haben, Wegen unserer Könige, die ihn verachtet haben.

Immer lauiet der Refrain:

Sitzen wir einsam und weinen.

Der Schluß klingt aus in den Wunsch:

Möge bald das Königreich über Sion wieder < scheinen,

Möge Friede und Wonne einkehren in Sion Und der Grift Jesse aussprossen in Jerusalem!

Aus Uirche und Schule.

» Rom, 27. Oft 1911. Der Papst empfing heule morgen den Bischof Doebing in Privataudien,. De» selbe stellte ihm den neuen Franziskanergeneral P. PaciftcuS vor.

die Bundeslade und die Gesetzestafeln enthielt, hier stand einst der Rauchopseraltar, der sieüenarmige gol­dene Leuchter und der Schaub rotetisch. Kein Jude Wagt es bis heute, diesen Rarim zu betreten, aus Furcht, das Allerheüigste mit seinen Füßen zu be­rühren. Selbst die Mohammedaner kennen nach der Kaaba von Mekka keinen Ort, der von diesem an Hei­ligkeit übertroffen wird. Wie oft mag der Heiland vom Westabhang des Oelberges den Tempel und die hl. Stadt, die sich von hier eu3 heute noch in ihrer ganzen Pracht dem Auge des Beschauers darbietet, betrachtet haben und mit welchen Gefühlen! Noch heute zeigt man den Ort, in dessen Nähe an der Mauer dir Worre z« lesen sind: Dominus flevit, der Herr weinte. Er weinte über das schuldbeladene Jerusalem und weis­sagte den Untergang der Stadt und des jüdischen Volkes, welche große Tragödie 40 Jahre nach seinem Tode eintrat. Seitdem find die Juden ohne Tem­pel, ohne Altar, ohne Priester und ohne Opfer, zer­streut in alle Welt, unstät und flüchtig. Diese Tat­sache tritt so recht plastisch ins Auge, wenn man die sogenannte Klagemauer, die sich an der westlichen Außenmauer des Trmpelplatzcs befindet, an einem Freitag Nachmittag besticht. Da stehen wir aus einem etwa 40 Meter langen und nur wenige Meter breiten Platze vor einem großen Stück der alten Umfaffungs- mauer des Tempelplatzes. Hier finden sich Judm aus Jerusalem und aller Herrm Länder jeden Freitag vor Sonnenuntergang ei», um den Untergang der heiligen Stadt zu bcklagm, einige besser gekleidet, die meisten barfuß in zerlumptm, schmutzigen Umhüllungen. Laut klagend fagen sie eine Art Litanei her.

Der Vorsänger singt: Wegen des Palastes, der wüste liegt.

Das Volk antwortet: Sitzen wir einsam und »einen.

Der Vorsänger:

Wegen de» Tempels, der zerstört ist, Weg« der Mauern, die zerrissen sind, Wegen unserer Majestät, die dahin ist. Wegen unserer großen Männer, die darnieder liegen.

Aus Gderheffen n- den hch. Aemtern.

* Kirchhain, 24. Okt. 1911. Heute abend erfaßte dieWahl eines Bürgermeisters für die hie­sige Stadt. Es erhielten Stimmen: Bürovorsteher Heinrich Grün 12, der seitherige Bürgermeister Pre­diger 5. Grün ist so mir gewählt. ■

* Treysa, 26. Oki. 1911. Heute nachmittag er­folgte die landespolizeiliche Abnahme der baulichen Herstellung für die selbständige Einführung der Bahn­linie Leim felde—Treysa auf dem hiesigen Bahn.hof.

♦ Homberg, 25. Okt. 1911. Heute fand hier der in hiesiger Gegend bekannre kalte Markt statt; das schöne Hcrbstwetter brachte eine Menge Land­leute hierher, wie seit Jahren nicht. Dcr Markt war sehr gut befahren. Es waren über 1000 Schweine ausgetricben. Der Handel ging trotz der niedrigcn Preise und des großen Ängedois schlecht. Die meisten Verkäufer nahmen ihre Schweine wieder mit nach Hause zurück.

* Jesberg, 26. Okt. 1911. Eine zur Domäne ge­hörige Scheune ist ein Raub der Flammen! geworden. Zum Glück herrschte ziemliche Windstille, daher gelang es der Feuerwehr, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken, dabei bewährten sich die Hydran- tcn unserer Wasserleitung vorzüglich. Große Holz- ■

Deutscher Reich.

* Der Sächsische Lehrerverein hat eine Material- sammlung für den religiösen Gelegenheitsunterricht der ersten vier Schuljahre, sowie Richtlinien zu einem Stoffplan für den planmäßigen Religions- unterricht der Oberstufe veröffentlicht. Die ,Allg. evangel.-luthe-. Kirchenzeitung' (Nr. 42) bemerkt dazu:

Wir wollen als charakteristisch für den in Aussicht genommenen dogmenloseu, «allein nach pädagogisch- psychologischen Grundsätzen gestatteten" Religionsunter, richt nur zwei Tatsachen feliftellen. 1. In der erst­genannten Materialsammlung lesen wir: Begleitstoffe: a. Aus dem Kinderlieb . . . b. Aus Märchen, und frommen Dichtungen: Rotkäppchen — Wolf und lieben Geißlein — Sterntaler ... Der Fischer und seine Frau — Wie ich dem Heben Herrgott mein Sonntags- jöppel schenkte — Geburt Jesu — Die Weisen aus dem Morgenlande — Moses' Geburt — Adam und Goa im Garten Gottes — Josephsgeschichten — Lokale Sagen — Rübezahl — Heinzelmännchen — Robinson usw. Die Einrückung der Weihnachlsgeschichte usro. in diesen Zusammenhang hat geradezu etwas Blasphe­misches an stch, und es ist wohl zu verstehen, wenn gläubige Eltern sagen: Tausendmal lieber leinen Religionsunterricht als einen solchen, in dem die großen Taten Gottes rote die wunderbare Geburt des Heilandes von oomberem als fromme Sagen behandelt und nicht Höherats das Märchen vom Rotkäppchen geweitet werden. 2. In den Richtlinien für den Religionsunterricht der Oberfiu;e steht mit klaren Worten zu lesen: »Die Erzählungen von Jesu Geburt, Auferstehung, Erscheinungen und Himmelfahrt find darznbieten als ein Zeugnis der nachhaltigen Wirkung seiner Persönlichkeit über seinen Tod hinaus". D. h. mit anderen Worten: als Tat­sachen sind sie den Kindern gegenüber a u f z u h e b e n. So schließt denn auch die Aufzählung der über das Leben Jesu handelnden Gefchichlen mit Jesu Tod. Wollten die Reformer doch nur das eine zugestehen, daß diese von ihnen getroffene Stoffauswahl mit den vielgepriesenen pädagogisch-psychologischen Grundsätzen gar" nichts zu tun hat, sondern nichts als ein Rach­beten der sogenannten gesicherten Resultate der mo­dernen liberalen Theologie bedeutet. Es zeigt sich immer wieder: der Schulkampf ist in Wirklichkeit ein Weltanschauungskampf.

Es ist charakteristisch, daß der größte Teil der liberalen Lehrer nicht den Wunsch hat, den Rc- ligioiieunlerricht ans der Volksfchnie zu entfernen und ihn der Kirche zu überlassen. Im Gegenteil möchten die Herren gerade diesen Unterricht selbst in Händen behalten, um die Kinder in ihrem Geiste zu formen, d. h. sie zum Unglauben an» zu leiten und gegen das Christentum einznnehmen. Aber ein solcher Religionsunterricht ist allerdings verderblicher als keiner.

* Aus Bayern, 27. Oft. 1911. Der katholische ländliche Dienstbotenvererin für Bayern macht große Fortschritte. Wie auf der dieser Tage in Regensburg abgehaltenen und von Dr. Heim, dem Gründer, geleiteten Generalversammlung mitgeteilt werden konnte, beträgt die Mitgliederzahl bereits 7652, worunter sich allein 6279 Dienstboten befinden. Davon sind männliche 3763, weibliche 2516. Die Stellenvermittelung wird immer mehr in Anspruch genommen. Der Verein hat bereits drei Sekretäre, darunter einen früheren Bauernknecht, der auch die Kurse in M.-Gladbach mitgemacht hat.

Handel und Industrie.

* Berlin, 27. Okt. 1911. Die heutige Börse zciate anfangs eine merttiche Zurückhaltung. Bald machte sich jedoch eine festere Stimmung geltend. Bankaktien etwas höher. Montanweite nicht ein« zeitlich; teilweise höher und teilweise nachgebend. Lchiffahrisaktien ruhig und etwas niedriger. Elektrizität«werte still aber fest.

Warum, umn Lieber bist öu verschuuM

Mir kann so was gar nicht passieren. Erstens hab ich ein brillantes Vorbeugungsmittel, und W? .weitens weiß ich mit schnell zu Helsen, wenn sich roch mal ’o eine Erkältung einnisten will: ich nehme stets Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen. Soweit ein Schnupsin den Hals und die Bronchien in Mitleidenschaft zieht, soweit werden meine Sodener auch schnell und sicher mit ihm fertig. Trum folge meinem Rat: Kauf dir in der Apotheke oder Drogerie eine Schachtel Sodener für >5 Pfg., gibt aber acht, daß du keine Nach, ahmungen erhältst. [120

Kuranstalt Hof heim Taunus

pfl St. V. Frankfurt a. MJ, L BrholungabedQrftigi, Nerven* utnnareKranke. SommeriLWlnt. besucht.

und Strohvorräte, die verschiedenen Ortsbewohner^ gehörten, sind vernichtet worden; auch zwei Schweine und Stegen sind mitverbrannt, während vier Tiere un­ter großen Anstrengungen gerettet wurden. Die Ent- stehungSursache des Feuers ist bis jetzt noch unbe­kannt.

* Borken, 26. Oft. 1911. DaS neue Postge- Hube, eine Zierde unserer Bahnhofsstraße, ist be­reite dem Verkehre übergeben. DaS frühere Postge­bäude erwarb Sattlermeister Guthardt.

* Fritzlar, 25. Oft. 1911. Wie nunmehr amt­lich festgeftellt ist, hat der Kreis 4517 bewohnte, 52 unbewohnte Wohnstätten, 5525 Haushaltungen und 27174 Einwohner, darunter 13 315 männliche, 13 859 weibliche. Die größte Einwohnerzahl von den Städten hat Fritzlar mit 3494, bann folgt Gubens, berg mit 2163, Ntebenstein mit 587. Die größte Land- gemeinde ist Besse mit 1385 Einwohnern, bann folgt Wabern mit 1337 unb in großem Abstand dann Grift, (845), Obervorschütz (823), Zwesten (811). Dte kleinste Gemeinde ist Strang mit 70 Einwohnern.

Neben der Ömajaden-Moschee in Damaskus ist der Felsendom in Jerusalem, gewöhnlich Omar-Mo- schee genannt, das großartigste Baudenkmal in Syrien- Palästina. Dieser türkische Prachtbau erhebt sich über dem hl. Felsen mitten auf dem Tcmpelplatz. Der Fußboden dieses im Achteck gebauten, 53 Meier Durch­messer aufweisenden Heiligtums ist ganz mit Marmor belegt, Decken und Wände zieren Marmor, bunte Glas­mosaiken, durchbrochene Bronzeplatten und geschmack­volle Holzschnitzereien in glänzenden Farben. Inmit­ten dieses Baudenkmals liegt die berühmte von Hei­den, Juden und Mohammedanern mit zahflosen Legen­den umwobene heilige Fels, auf dem der Brandopfer­altar aller Wahrscheinlichkeit nach gestanden hat, wor­auf eine Rinne für das abfließende Blut hindeutet. Unter dem Felsen befindet sich eine Höhle und in de­ren Decke ein rundes Loch, das von der Himmelfahrt MohanunedS herrühren soll, der es in den Stein ge­bohrt habe. Roch in aller Erinnerung ist der Raub, der in der Omar-Moschee stattgefunden haben soll, wo­durch die mohammedanische Bevölkerung m große Auf­regung geriet Nach den Berichten der Eingeborenen sollten Engländer in die unter dem heiligen Felsen lie­gende Grotte eingebningen fein und die angeblich dort befindlichen Schätze, den Panzer und Säbel des Kö­nigs David, die Krone Salomos, die Gesetzestafeln mit den 10 Geboten geraubt haben. Es entzieht uch unserer Beurteilung, was geschehen ist Sicher ist m dem Heiligtum ein Einbruch verübt worden; ebenso sicher ist aber auch, daß obige Gegenstände vorher mcht da waren Ein ehedem christliches Denkmal südlich von der Omar-Moschee erfreut noch unser Auge und ruft melancholisch-traurige Srtnnerungen in uns wach.

Masaikbitocr aus dem Orient.

Reuettizzeu von Dr. Jos. La m m e y e r, Beirut (Syrien) II. Boni Libanon zum Sion.

(Fortsetzung.)

Strahlend leuchtete das Gold der Morgensonne über oer hl. Stadt, als ivir zu weiterer Besichtigung auf- brachen. Tiefer Morgen sollte dem Berge Moria imb feinen Sehenswürdigkeiten gewidmet sein. Unser Führer war wiederum der unermüdliche hochwürdige Pater Albert, ein Schlesier Heiß flutete die Sonne über uns, als wir im Haram eßch-scherff, d. h. „ge­heiligter Bezirk", anlangten. Der Zutritt, der bis zum Kriinkrieg nur den Mohammedanern gestattet war, ist auch heute noch von der Erlaubnis der türkischen Be­hörden abhängig. Nachdem wir die Genehmigung er­halten unb uns zum Schutz ein Kawaß des k. k. öster­reichischen Konsulats sowie ein türkischer Soldat bei­gegeben war, und wir uns, da der Boden nicht mit beschuhten Füßen betreten werden darf, mit Pantoffeln versehen hatten waren alle Bedingungen erfüllt, um den geheiligten Bezirk zu betreten. Vor unferm Au­gen dehnt sich aus der feit uralter Zeit durch tiefe re­ligiöse Bedeutung geweihte Platz. Er hat eine Länge bon 490 Metern und eine Breite von 321 Metem und ist fast ganz mit^Steinplatten belegt- Hier wollte Abraham seinen Sohn Isaak dem Herrn opfern, hier errichtete David einen Altar, hier baute Salomon dm -«rlichen Tempel, eines der Weltwunder, dm Ne- «ckadnezar zerstörte, Serubabel und HerodeS aber wie­der aufbauten. Hier war das Zentrum des religiösm ond bürgerlichen Lebens der Judm, das Stelldichein der Schrtstgelehrten unb Pharisäer .hier erschienen bet H. Greis Simeon unb die Hk. Prophetin Anna unb pähm ben Messias, den Heiland der Welt, hier treffen Mr JesuS predigend und belehrmd, hier war eS auch, wo der Heiland die Käufer und Verkäufer aus dem Lewpel jagte und die Tifche der Wechsler umstieß mit den Worten: „Mein Haus ist ein BethauS, ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht/ Denn auf die- fern hochehrwürdigen Orte stand das Allerheiligste, das

• Der Erlaß über das Extemporale,

ben Erlaß, tote er tn der „Rordd. Allg.

& " Aofftwlicht wurde, wörtlich folgen:

den Lehrplänen von 1901 ist bestimmt, daß mit aller Entschiedenheit einer einseitigen Wertschätzung des sogenannten Extemporales entgegenzutreten ift Trotz dieser Mahnung werden die vorgeschriebenen schriftlichen Klassenarbeiten noch immer vielfach alS tzauptwertmesser der Leistungen der Schüler behandelt und so von den Lehrern, den Schülen und den Eltern eingeschätzt. Bei solcher Auffassung hängt Wohl und Wehe der Schüler von dem Ausfall dieser Arbeiten ab, und bei ihrer durch die Lehrpläne ange­ordneten häufigen Wiederkehr führen sie dann zu einer in vielen Hinsichten schädlichen dauernden Spannung und Beunruhigung der Schüler wie der Lehrer. Ins- besondere ist die Erlernung der alten Sprachen durch den unzweckmäßigen SSetrieb des lateinischen und grie­chischen Extemporales wesentlich erschwert worden. Aber auch in anderen Fächern, in den neueren Sprachen und in der Mathematik werden die schriftlichen Klas­senarbeiten oft in den Mittelpunkt des ganzen Unter­richts gerückt, und die Gefahr liegt nahe, daß die Lehrer ihre Zeugnisse nach dem Durchschnitt der die­sen Arbeiten erteilten Prädikate geben. Dabei zeigen die Beobachtungen bei Revisionen nicht selten, daß mehr als die Hälfte der schriftlichen Klassenarbeiten nicht genügend ausfällt, so daß sie keine geeignete Unterlage für eine richtige Beurteilung der Schüler bilden können. Das Urteil der Lehrer geht in der Regel dahin, daß die mündlichen Leistungen der Schüler unverhältnismäßig besser seien, als ihre schriftlichen Klassenarbeiten. Hierin zeigt sich klar, daß ein solcher Betrieb dieser Arbeiten an einem inneren Fehler leidet und grundsätzlich geändert wer- den muß.

Die schulmäßige Erlernung einer fremden Sprache ist nicht möglich ohne vielfältige schriftliche Hebungen in der Sprache selbst, mögen sie in Uebersetzungen be­stehen oder in freier Gestaltung gegebenen Stoffes. Unrichtig aber ist es, wenn diese Uebungen, durch die der Schüler lernen soll, schriftlich genau zu formen, was er durch Auge und Ohr ausgenommen hat, zur Srüfung seiner Leistungen so benutzt werden, daß von :m Ausfall dieser Arbeiten das Zeugnis unb die spätere Versetzung wesentlich abhängt. Bei solchem Verfahren arbeitet der Schüler unter einem Druck, der dem Erfolg des Unterrichts schädlich ift. Die Sicherheit in der Anwendung des Erlernten kann erst dann von ihm verlangt werden, wenn er durch häu­fige mündliche und schriftliche Anwendung eine völlige Vertrautheit mit den: Sprachstoff erlangt hat, in dem er sich ausdrücken soll.

Um eine diesen Erwägungen entsprechende Be­handlung der schriftlichen Uebungen zu erreichen, hebe ich (der Kultusminister) die Bestimmungen der Lehr­pläne über die schriftlichen Klassenarbeiten auf und ordne statt dessen folgendes Verfahren an:

Möglichst in jeder Unterrichtsstunde, die für gram­matische und stilistische Uebungen in den fremden Sprachen angesetzt ist, find von den Schülern unter Benutzung eines besonderen Heftes einige Sätze zu übersehen oder, wo freies Nacherzählen geübt werden soll, nach Angabe des Lehrers schriftlich zu formen. Die Behandung wird sich auf den einzelnen Unter- rich östufen verschieden gestalten, jedenfalls aber ist in den unteren Klassen der sprachliche Stoff für diese Uebungen in derselben Stunde vorher mündlich unter Benutzung der Wandtafel zu verarbeiten. Die Schüler sind zur sorgfältigen Verbesserung der Fehler anzu­halten, diese Hefte sind regelmäßig nachzusehen. Eine Zensierung dieser .Uebungsarbeiten findet nicht statt. Damit der Lehrer Sicherheit darüber gewinnt, in­wieweit die Schüler den durchgenommenen Lehrstoff verstanden und sich angeeignet haben, oder ob einzelne Teile noch tveiter mit ihnen durchgearbeiiet werden müssen, find in größeren Zeitabschnitten, etwa alle 4 bis 6 Wochen, aus dem bis dahin gewonnenen Sprachmaterial Arbeiten zusammenzustellen. Die Texte sind den Schülern im Zusammenhang zu dik- ttereu oder heklographiert in die Hand zu geben, bei der Bearbeitung ist reichlich Zeit zu getoähren. Der Termin für diese Arbeiten darf nicht vorher ange- iünbigt werden, damit eine besondere Vorbereitung ;>afür möglichst verhindert wird. In diesen zu zen- jierenden Klassenarbeiten ist eine Häufung gramma­tischer Schwierigkeiten und absonderlicher Wendungen unb Konstruktionen zu meiden. Wenn der Schüler len vom Lehrer beabsichtigten Ausdruck nicht trifft, aber einen solchen, der sich im Sinne der ftemden Sprache rechtfertigen läßt, so ist ihm deshalb kein Fehler anzurechnen. Bemerkt der Lehrer bei der Korrektur, daß ein erheblicher Teil, etwa ein Viertel,

vermischtes.

4 Dir Lohnbewegung unter den Tabakarbeitenr In einer Versammlung der Tatzakarbetter u Bremen rourbe gestern beschlossen, am Sonntax in Hamburg. Altona und Bremen in einen - y w pathi eftreik einzutreien, falls bis Samstag det Kampf der Tabakarbeiier in Westfalen und L'pp keine befriedigende Beiler,mg erfahren hat.

♦ Psu einer Lokomotive überfahr'» und getöte; wurde in der Nähe des Bahnüberganges bei R ü p p u' (Baden) dcr Bclriebs-Jnspektor und Stattons-Vor- stand Heinrich Geiger.

* Durchstechereien in einem Regiment. Boi dem Kriegsgericht der 35. Division m Thorn be graut ein Prozeß wegen umfangreicher Durchsteche reien, die in der Küchenverwaltung des Infanterie. Regiments Nr. 61 vorgekommen sein sollen. An. geklagt sind ein Unterzahlmeister, sieben Sergeanten ein Unteroffiziere und fünf Musketiere. Zum Tes sind die Angeklagten aus dem Militärdienst bereit» entlassen. Gegen 50 Zeugen sind geladen.

* Vom Theaterdirektor zum Rittergutsbesitzer Herr Jmtzsch, Mitdirektor des Berliner Metropol- thealeos, täs jüngst 20 Prozent Dividende peq teilen kointte, hat das R it terg ut B r r ef en be Brand (Reg.-Bez. Frankfurt a. O.) für 1150 00k angekauft. ,

* Ein neuer .Spionagefall*. In Quimperb (Frankreich) wurde em Fruchtdändler unter der An klage, für deutsche Rechnung Spionage getrieben p haben, verhaftet. Die Behörde verweigert all» roa icrc Auskunft übet ben Fall.

Amt Geisa und Umgebung.

♦ Fischbach, 27. Oft. 1911. Die Feldabahnstrecke ift nunmehr um zwei „Bahnhofshallen" rei­cher geworben. Hier in Neidhartshausen sind gestern durch Zimmermeister Gehb-Dermbach an den Halte­stellen dir Wartehallen errichtet worden.

* Ketten, 26. Oft. 1911. Erfreulicher Weise ist die Forst- und Polizeiverwaltung in den letzten Ta­gen energisch gegen die eingenisteten Zigeuner­banden vorgegangen, die sich bisweilen in einer Stärke bis zu 34 Personen in den Wäldern der Um­gegend hemmgetrieben haben. Wie gefährlich diese Gesellschaft wird, beweist folgendes: Am Montag ge­gen abend passierte ein Mann aus Ketten die Flur Gotthards, nahe an der Weimarischen Grenze, wobei er von 4 Gesellen bis zur Grenze verfolgt wurde, hier näherten sie sich ersterem und verlangten ungestüm Geld welches aber verweigert wurde, worauf sie dann abrückten Wie gefährlich aber für alleingehende Frauen können solche Ueberfälle zur Nachtzeit werden. Da die Gesellschaft mit Schußwaffen und anderen Mordinstnimenten immer wohl ausgerüstet sind, ist es sehr zu bebau em, daß Munitionshändler an diese scharfe Kugel unb Jagdpatronen aushändigen bezw. verkaufen.

* Aus Thüringen, 28. Oft 1911. Die Strafkam­mer in Meiningen hat heule nach zweitägiger Verhandlung den Rechtsanwalt Grötzner Jn Meinin­gen wegen Beleidigung des herzoglichen Staatsmini­steriums bezw. des Geh. Negierungsrats Höfling ko­stenlos freigesprochen. Grötzner ift der Verfasser der Broschüre „Hvsball und Armee", die vor ettoa Jah­resfrist großes Aufsehen erregt und auch in dem Be­leidigungsprozeß eine Rolle gespielt hat. — Gegen den Oberbürgermeister Stegmami in A p o l d a war in einer Angelegenheit mit dem ElektrizitäiS- und Gaswerk der Vorwurf gemacht worden, er hätte die Stadt geschädigt. Der Oberbürgermcister hatte dar­auf gegen sich selbst die Diensiuntersuchnng beim Be­zirksausschuß beantragt. Der Bezirksausschuß hat die Vorwürse für völlig unbegründet anerkannt. — Eine Artillerie-Abteilung unternahm vom Lager in Ohr­druf eine Uebungsfahrt nach Oberhof, wobei mehrer^ Brücken unter der Last der Fahrzeuge zusammenbra­chen. — Ein Raub der Flammen ist die Holzwaren­fabrik von Alexander Beck mit einigen angrenzenden Wohnhäusern in Schmalkalden geworden. Der Brand brach in der Schreinerwerkstatt aus. Es sei be­merkt, daß die Firma Beck einen Fabrikneubau in einem Nachbardorf errichtet, und dieser Tage mit dem Umzug beginnen wollte Alle Holzbearbeitungsma­schinen sind dem Feuer zum Opfer gefallen..

Es ist die Aksa-Moschee, eine ursprünglich christliche, von Kaiser Justinian um 550 zu Ehren der hl. Jung­frau gebaute siebenschiffige Basilika mit gewaltigen Di­mensionen, die später in eine Moschee umgewandelt wurde. Besondere Beachtung, ja Bewunderung ver­dient die schöne, aus Zedemholz geschnitzte, mit Elfen­bein und Perlmutter kunstvoll ausgelegte Kanzel, hin­ter der man ben Fußtritt Jesu in Stein zeigt.

Fast der größte Teil des Tempelplatzes ruht auf künstlichen Unterbauten. Wir stiegen hinab und gelang- reu in ein türkisches Bethaus, wo nach mohamme­danischer Uebcrlieferung die Wiege Jesu gezeigt wird. Nach einer mittelalterlichen Legende soll her heilige Greis Simeon hier gewohnt haben. Eine weitere Treppe führt zu den „Ställen Salomos", einem Rie­senbau mit einer Gesamtlänge von 83 Metern und einer Gesamtbreite von 60 Metern, der von fast 100 kolossalen Pfeilern getragen wird, an denen man noch die Löcher zum Anbinden der Tiere sieht. Viele Ju­den haben in diesen Räumen bei der Zerstörung Je­rusalems durch Titus (70 n. Ehr.) einen Zufluchtsort gesucht. Die fränkischen Könige und die Templer be­nutzten diese großen Hallen zur Zeit der Kreuzzüge als Pferdeställe. Genaue bauiechnische Untersuchungen haben ergeben, daß das Mauenoerk dieser hohen un­terirdischen Säle verschiedenen Epochen angehört, teils salomonisch-herodianifchen, teils römisch-arabischen Ur­sprungs ist. Es kann nicht im Rahmen einer kurzen Skizze liegen, alles, was das Auge sieht, zu beschrei- ben, nur die Haupteindrücke sollen wiedergegeben wer­den. Deshalb müssen wir es uns versagen, näher ein« ugehen auf die nach türkischer Überlieferung geherlrg- ten Sehenswürdigkeiten, wie die Barthaare des Mo­hammed, den Fingereindruck des Erzengels Gabriel, die versteinerter Vögel, die unsichtbare Brücke Über da» Tal Josaphat, die Nägel des Weltunterganges usw., was alles von den Türken geglaubt und gezeigt wird. Wohlbeftiedigi über das Gesehene verließen wir den Tempelplatz an der Nordostecke und gelangten durch das Stephanstor zur Kirche der hl. Anna, die ben Weihen Vätern gehört. Seft 1878 restauriert, ist sie die zweitgrößte Kirche in Jerusalem. Hier soll das Wohnhaus vom bl. Joachim und der hl. Anna geftan-

bet Arbeiten der Klasse geringer al» genügend artige- fallen ist. so hat er von der Zensierung dieser säurt, lichen Arbeiten abzusehen.

Die schriftlichen Klassenarbeiten int Rechnen unb tn der Mathematik, sowie orthographischen und stili­stischen deutschen Klassenübungen auf der unteren und mittleren Stufe find in entsprechender Weise zu be- handeln.

Die Bestimmungen der Lehrpläne Über die schrift­lichen Hausarbeiten bleiben unberührt.

Den Lehrern wird an» dieser Art der schriftlichen Klassenübungen eine größere und verantwortlichere Aufgabe erwachsen. Ich vertraue darauf, daß sie sich ihr gern unterziehen werden, und bemerke schließlich, daß durch die Aenderung der Lehrpläne keine Herab­setzung der Anforderungen beabsichtigt ist, sondern ein besserer Weg gesucht werden soll, um die Schuler zur Sicherheit in der Anwendung beS Gelernten und er­arbeiteten zu führen und sie zu gewissenhafter und erfolgreicher Arbeit anzuleiten.