Einzelbild herunterladen
 

M 248.

Samstag 28. Oktober Ml

58. Jahrgang.

«fuldaer W Leitung

5. Blatt.

vrnck Hit» Verlag der Snlbaer Htlknbtutftref in Zulda.

wochen-Kundschau

[:] Fulda, 27. Oktober 1911.

Deutsches Reich.

ihm alsbald nachsagie, er

noch etwas zuzufügen.

Er war

man sie noch in dieser Session miterledigen kann und will.

sprach mit strenger Sachlichkeit scjine Ueberzeugung aus, ohne sich zu irgendwelchen Verbeugungen vor den Vorurteilen oder Stimmungen der Massen zu ver­stehen. Er verschmähte es, Hoffnungen auf weitere Heilmittel gegon die Teuerung zu erwecken, und pre­digte vielmehr die derbe Wahcheit: Wenn die Dürre de» Feldwuchs schädigt, so gibt es teuere Preise; man kann durch Tarif-Ermäßigungen oder kommunale -Maßregeln gegen die Ueberspannung der Kleinhan- ? elspreise etwas zur Milderung des Uebels tun, aber die Steigerung der Kosten der Lebenshaltung ist eine notwendige Begleiterin der wirtschaftlichen Gesamten^ tvicklung und eß kommt im Grunde darauf an, daß das Volk l o h n e n d e A r b e i t hat, damit die erhöh­ten Einnahmen die steigenden Ausgaben decken können. Die lohnende Acheit, den rentablen Aufschwung des Handels und Wandels sichert uns das bewährte gegenwärtige Wirtschaftssystem, und das muß also unbedingt festgehalten werden. Die Schwierigkeiten des Augenblicks dürfen uns nicht zu wirtschaftlichen Experimenren verleiten, welche die Grundlagen unserer Volks ernähmng, unserer Finanz- uitb unserer Wehrkraft erschüttern könnten! Wenn der Reichskanzler so spricht, so geht er offenbar mehr auf die Erziehung des Volkes aus, als auf die Gewin­nung von Wahlstimmen. Allerdings steckr in seiner Rede auch ein Art Wahlparole, aber keine neu er­fundene. Wir haben schon längst darauf hingewiesen, welch eine durchschlagende Bedeutung für die nächste Zirkunst unserer inneren Polirik die Fortführung der Wirtschaftspolitik hat, die Erneuerung des Zoll­tarifs und der Hande ls Verträge. Die Agi­tatoren von Basiermann bis Bebel und namentlich auch der Hansabund arbeiten auf ein Wahlergebnis hin, das die Erkältung des Zollschutzes in Frage stellen könnte. Gerade diejenigen Wähler, die ihre materiellen Interessen vorn im Herzen tragen, sollten bedenken, daß sie durch Unterstützung der Liberalen und sozml- demokratischen Opposition das Reich in eine Krisis

treiben, die für die Erwerbstätigkeit nur schädlich wir­ken kann. Wer klug ist, der träumt nicht bloß von einer Verminderung der Ausgaben, sondem denkt vor allem an die Erhaltung und Mehrung seiner Einnahmen, dir ihn zum Ueberstehen der teuren Zeit befähigen. Der

Mißstimmung wird sich wohl legen. Das zu hoffen haben wir umsomehr Grund, als die reichsländische Be­völkerung auch dem Nattonalbund eine unzweideutige

Absage erteilt hat.

Der italienisch-türkische Krieg ist in­sofern fortgeschritten, als Jalien nunmehr alle strate­gisch bedeutsamen Orte an der NordküsteTripolitaniens besetzt hat. Nun beginnt für Italien der Krieg im Sande An Friedm ist wohl einstweilen noch nicht zu denken, nachdem das türkische Parlament seinem Willen Ausdruck gegeben hat. Widerstand zu leisten. Für Italien liegt das Schlimme darin, daß in Tripoli- tanien kein offener Krieg geführt werden kann, sondem ein Guerilla-Krieg. Die Türken ziehen sich in das Hinterland zurück, und greifen nur in kleineren Abtei­lungen die Italiener an, meist in der Nacht. So tonn es noch lange dauem, bis einigermaßen wenigstens ge­ordnete Zustände an der tripolitanischen Küste herr­schen. Ob den Jtalienem in den nächsten Jahren die ungemischte Freude an dem auf so eigenartige Weise erworbenen Besitztum zuteil wird, scheint uns sehr ftag- lich Durch den Dmck der Großmächte ist auf der Balkanhalbinsel soll bisher noch alles ruhig ge­blieben, läßt aber der Dmck nach, dann ist große Ge­fahr vorhanden, daß Bulgarien und Montenegro, viel­leicht auch Griechenland, zum Schwert greifen.

liebet die chinesische Revolution sich ein klares Blld zu machen, ist recht schwierig, da beide Parteien, sowohl die Revolutionäre, als auch die Re- giemng mit seltener Ausdauer Siegesmeldungen in die Welt hinauStelsztaphieren. Wer allerdings ben Optimismus der chinesischen Regiemng kennt, wirb eher ben Nachrichten der Revolutionäre Glaubwürdig­keit beimessen. Gegenwärtig befinden sich die Haupt­städte von sechs volksreichsten und wichtigsten Pro­vinzen in den Händen der Revolutionäre, nämlich Si- anfu in der Provinz Scheust, Kaifeng in Honan, Wut- schang in Hupeh, Tschangscha in Hunan, Nanlschang in

Ziangsi und Tschengtu in Szatschwan. Auch der „Staatsretter', der zum Vizekönig der Jangtseprovin- zen ernannt werden sollte, hat versagt. Er hat ein „schlimmes Bein' und kann daher die ihm angetragene Würde nicht übernehmen. Ob auch er schon den Thron der Manschu tonnten sieht?

mehr noch, als Hans Heinrich Hakburg selbst! Wenn mir nun nach den fünf langen Jahren der Mund ge­rade am heutigen Tage überläuft, so geschieht'?, weil ich mein Lebensglück nun endlich in Ihre Hände legen möchte, Ada!'

Da fiel es ihr tote Schuppen von ben Augen. Ge­rungen hatte er, ber ihr gegenüber saß, dessen fragen­der Blick an ihrem Gesichte hing, jahrelang um ein Glück, für bas er erst ben festen Grund schaffen mußte, damit ein ganzes langes Leben darauf aufgebaut wer­den konnte! 9hm wußte sie, wie fest er sie führen würbe.

Und als ber Zug über bie Elbbrücke bei Schönhau­sen bonnenib fuhr, wußten beibe, baß sie sich für's Leben angehörten.

[] Der Wahlkampf.

Die Vorbereitungen zu ben großen Wahlen sind schon in ben meisten Wahlkreisen seit geraumer Zeit im Gange. Nachbem nunmehr der Termin der Reichs­tagswahlen auf den 12. Januar festgesetzt ist, wirb auch ber eigentliche Wahlkampf einfetzen, unb in den Nächsten Wochen und Monaten wird Deutschland widerhallen vom Wahlgeschrei. Bebauerlicherweise uhrt bie Hitze des Wahlkampfgefechtes immer zu Ausschreitungen; der Sauherbenton feiert im Wahl­kampfe seine Triumphe, unb je näher ber Tag ber Wahl rückt, um so schmutziger werben die Anwürfe, um so vergifteter die Waffen, mit denen sich die Par- teien bekämpfen.

Wahlkampfe hervorgehen, unb nach bem 12. Januar werben wir, wie stets nach einem Wahlkampfe, sagen können:

Fester nach jedem Sturm Steht unser Zentrumsturm!

zugibt: ich hab' mich geirrt, es war eine Dummheit, unb hier bin ich wieder, — allerschönsten guten Tag!'

„Du tust, als müsse sie im Dreck stecken bleiben!' „Herrgott, in aller Welt, was soll sie denn drau­ßen im Leben? Mag sie doch hier bei mir in Ruh unb F rieben auf einen Freier warten! Freilich, ihre Ansprüche scheinen nicht von schlechten Eltern zu fein, denn meinen Prachtjungen hat sie bei seinem letzten Besuche so unter aller Kritik behandelt, daß ich mir emftlich überlegt habe, ob ich sie nicht mal ’ne Zeit lang in eine Nervenheilanstalt stecken soll.'

„Sie hat mir geklagt, du wolltest nicht, baß sie sich betätigt!* ,

„Unsinn! Hab' gar nichts dagegen! Hat im Haushalt gerade genug zu tun, auf einmal bläst ihr dieser Sofguen den Gedanken ein, sich um allen mög­lichen Kram zu kümmern, der sie gar nichts angeht, und von dem sie nichts versteht!'

„Hättest du ihr doch den Willen gelassen. Lange würde es schwerlich gedauert haben, .mb ihr Interesse an bet Milchabnahme früh um 5 Uhr wäre erlahmt. Aber natürlich mußt du ihren Widerspruch hetaussot- bern, alter Kerl, das war reichlich ungeschickt!'

„Zum Donnerwetter, ich habe bas Möbel zu mir genommen, über sie gewacht, unb bie Quittung? Aus meine alten Tage macht sie mir das Leben schwer!"

Der alte Löberbau besah sich seine Zigarre und schmunzelte. , ...

Da würben Schritte im Nebenzimmer hörbar, die Tür würbe geöffnet, Ada trat mit blanken Augen em. Unb als sie Herrn v. Löberdau bei ihrem Onkel sitzen. sah, leate sich ein zufriedenes Lächeln um ihren Mund, ber erste Sturm würbe nicht allzu heftig werbm.. Der Uebernmi brängte ihr bie Worte auf bie Lippen.

Also Hans Heinrichs lassen schön grüßen und als Verlobte empfehlen sich: Aba v. Hakburg unb - - sie machte eine Pause, — „Joachim Franz v. Sos- qUeUnb ehe Arweb seine Gebanken orbnen konnte, schlug ihm ber alte Löberbau auf die Schulder.

„Da hast du die Bescherung! Und nun wollen wir schnell hübsch aufrichtig gratulieren!'

(Fortsetzung folgt)

Der Reichstag hat durch eine schnelle und fach- , liche Beratung des Angestellten-Versicherungsgesetzes, ( bas der Kommission überwiesen würbe, gezeigt, wie , schnell positive Arbeit geleistet werben kann, wenn bet Gegenstand bet Beratung ber Parteileidenschaft ent­rückt ist. Bei der Teuerungsbesptechung setzte dann allerdings das üble Partelzezänke wieder ein und die meisten Reden waren für die da „drau­ßen im Lande" gehalten und dientrn nicht der sachli­chen Beratung. Durch eine wichtige Rede des Reichs­kanzlers wurde aber aus der Teuerungsklage ein Schutzzollhymnus. Er ging. Wie man zu sagen pflegt, aufs Ganze'; er faßte den Stier ber liberal-sozial- demokratischen Agitation bei ben Hörnern unb behan­delte bie agitatorische Ausbeutung ber Dürre unb ihre Folgen als einen Vorstoß gegen bie bestehende Wirt­schaftspolitik. Die Verteidigung unserer alten bewahr­ten Wirtschaftspolitik war für ben Kanzler bie Haupt­sache. Ihre Notwendigkeit und Nützlichkeit betonte . er so kräftig, daß die Linke, die stets an denkt, seinen Vortrag als eine m'

r, m ! erlitten, bem wir von Anfang an kurze Lebensdauer

^etS an bie Wahlmache I . , «gr Elsaß-Lothringen sinb bie Wahlen um i Cn so bedeutungsvoller, als sie zum ersten Male nach bem

«v—“ habe ben Schutzzoll als Wahl- '^gemeinen, gleichen, birekten unb geheimen Wahlrecht

tzarole ausgegeben. Wer unbefangen ben Inhalt unb ftc£fanben bcm Wahlrecht, das bie Preußen heute den Ton ber Kanzlerrede mustert, wirb rugeben mus- ' ' ^ü6m Die Verfaffungsreform hat eben doch

fen, daß Herr v. Bechmann Hollweg nicht die Ab- Fortschritte gebracht, unb wenn bie Elsässer unb sicht hatte, eine Wahlparole auszugeben ?det sonst lothringer ba vor Monaten nicht so recht eingesehen h-b-n, Nh w.-d» f.» mmi «*■>>»*

Herr v. Löberbau hatte an diesem Abend Arwed Hakbutg besucht.

„Ja, nun bleib' nur noch, bis Ada kommt; ber Zug muß Verspätung haben!'

„Arweb, bas sähe so aus, als ob ich ein neugie­riges, alles Weib wäre!'

„Na, interessieren wirb's bich boch auch, was bas Mädel uns zu sagen hat!'

„Getviß! Denn Hans Heinrich ist mir trotz allem ziemlich fest ans Herz gewachsen!'

Da schlug Arwed Hakburg mit ber flachen Hanb durch die Lust.

„Hat dich ber Kerl, der Sosquen, auch verdreht ge­macht?' \

„Geradezu öerbiffenJbift du in deiner Wut.

„Weil er Ada dumme Raupen in ben Kopf gesetzt hat! Dieser Gebanke bloß! Mitten 'rein ins Leben will bas Möbel stürmen, um natürlich im Landwehr­kanal in Berlin am Ende über den Durst Wasser zu schlucken.'

„Na, na!'

„Es gibt genug Beispiele!' „.

„Ausnahmen, willst du sagen! Ada ist nicht fpIee„K stolz, alter Freund! Wenn sie im Dr^ stecken bleibt, geht sie lieber in den Tob. als daß sie

* Folgendes patriotische Idyll wird süddeutschen Blättern berichtet: Es war am Tage nach bet Düs­seldorfer Stichwahl, als im badischen Kleinstädtchen Mosbach einigen Steuereinnehmern des Bezirks durch die Behörde die Verdienstmedaille überreicht würbe, Im Anschluß an bie amtliche Uebergabe des Ehrenzeichens hielten die Beamten des Finanzamtes ™ .... eine kollegiale Feier in einem Hotel. Während ber«

“ W selben traf die erste Morgenausgabe der Frankfurter

irgendwie den Besitz yeitimg c{n )nit Düsseldorfer Wahlresultate, und 1 ein Großherzoglich badischer Beamter verkündete nun seinen patriotischen Fest genossen die Neuigkeit mit fol­genden Worten: „Hurra, der Sozialbem o- krat ist gewählt! Gott sei Dank!' — Es wäre schabe, zu diesem „patriotischen" Stimmungsbildchen

Lebemwende.

23] Roman von Horst Bobemer.

Ausland.

** Kleinliche Kulturkämpfereim. Am Schluß des vorigen Jahres hat in Schweben bie Regierung einen schweren Schlag gegen die vorher schon bebräng» ten Katholiken Schwedens geführt, indem sie durch eine Verordnung vom 23. Dezember 1910 auch bie Katholiken der vier staatlich anerlannten Gemein­den in bie lutherischen Pfarreien eingereiht unb für die das öffentliche Leben berührenden Ange­legenheiten, namentlich bie Ehen, unter bie Jurisdik­tion ber protestantischen Pfarrer gestellt hat. Die Sache konnte nicht verfehlen, großes Aufiehen zu erregen unb auch bei vielen gerecht benfenben Protestanten auf Mißbilligung zu stoßen. Ms mm ber protestantische Professor Söderblom in Upsala einen versöhnlichen Ar­tikel in Stockholms „Dagblab" veröffentlicht hatte, in welchem er bie Rückgabe der genommenen Rechte an I die Katholiken befürwortete, andererseits aber ber schwichtigend sagte, daß die lutherischen Pfarrer nut als Staatsbeamten für die Katholiken amtierten, er­schien in ber großen konservativen Stockholmer Zei­tung „Nya Dagligt Allehanda" an erster Stelle des Blattes und ohne Kommentar der Redaktion ein von Karl Killen unterzeichneter fulminanter Artikel gegen ben Upsalenser Professor unb gegen bie katholische Kirche, aus welchem wir folgenbe Stelle hervorheben:)

„Wir (bie lutherischen Geistlichen) sind Priester | auch wenn wir Andersgläubige (in die Kirchenbücher) I einschreiben. Denn da? KirchMgesetz, Kap. 3, §10, schreibt vor: „Juden, Türken, Morianer und Heiden, I welche hier in das Land kommen, sollen in unserer I rechten Lehre unterrichtet und zu Taufe und Christen-, I tunt gebracht werden." Das Gesetz macht uns also zu Seelsorgern auch für Andersgläubige unb Dissidenten. Wir führen also nicht unsere Ktrchen«, bücher unb Matrikeln für Andersgläubige in ber Eigen­schaft von zivilen Staatsbeamten, fonbern in unserer, Eigenschaft als Priester auch für jene (die Ander?« I gläubigen). Und wir sind nicht gesonnen, mit unserer I „rechten Lehre" den römischen Katholiken gegenü er I zurückzuhalten. Es ist ja möglich, daß in Usala ein

Vor allen Singen bas Zentrum, bie Partei ber Mitte, hat unter diesen Angriffen zu leiben. Was an verlogener unb hetzerischer Agitation von ben Geg- nem des Zentrums geleistet werben kann, bavon haben uns bie Liberalen unb Sozialdemokraten schon bet den Nachwahlen in Düsseldorf und Konstanz eine kleine Probe geliefert. Die ältesten unb ausgedientesten Schauermärchen über das Zentrum sind von dem Bruderpaar aufgetischt worben. Die verlogene Hetze über bie Reichsfinanzreform ist noch immer ein Hauptzugstück auf ber Agitationswalze ber Wm- telagitatoren von Bassetmann bis Bebel, und in lebet Versammlung rappelt dieser Agitationsphonograph die­selben schon hundertmal widerlegten Lügen von neuem herunter. Es nützt nichts, wenn man den Sozial­demokraten entgegenhält, daß ihre Partei gegen alle Steuern gestimmt hat, bie nur treffen konnten, gegen bie Bötsensteuet, gegen Schaumwelnsteuer, gegen die Talonsteuer, es nutzt nichts, wenn man ben Liberalen, bie über bie mott«-1 ten Steuern zetern unb schreien, entgegenhält, baß sie I selbst statt der betoittigten 300 Millionen Indirekter Steuern bereit gewesen wären, 400 Millionen indirekter I Steuern zu bewilligen. Sie schwindeln weiter drauf los unb werben auch weiter schwinbeln bis an das 1 Ende ihrer Tage! Zn der großen Reichsfinanz­reformlüge kommt bann das Lieb von ber Teue -1 r u n g. Nichts hätte ben Sozialdemokraten, diesen gebotenen Volksfeinden, und den Liberalen, den von I Börsenspiel unb Spekulation lebenben Srotöerteuerem, besser in ihren Agitätionskram gepaßt, als diese Teue- rung. Jetzt ziehen sie im Lande umher unb beuten bie Not des Volkes zur Agitation aus. Und auf jede ihrer Uebertrelbungen folgt eine neue Preis­erhöhung. Rufen sie: „Das Volk hunger!! so antworten bie Großhändler „Bravo! Macht das Volk nur glauben, es fei alles heillos teuer, es ge­wöhnt sich bann baran, wenn wir flugs ben Preis um 10 Prozent erhöhen!". Gibt es eine schamlosere Aus­nutzung ber Not des Volkes? Wenn das Volk in sei­ner Gesamtheit wirklich eines Tages dazu kommt, zu hungern, so ist dies nicht ber schlechten Ernte, nicht bem Mißerfolg dieses Jahres zuzuschteiben. Dann sind die Schuldigen bie Agitatoren, Re in maßloser Uebertreibung einer bestehenden Teuerung dafür sorgen, baß ben Großhändlern immer wieder Gelegenheit zu neuen Preiserhöhungen gegeben wird.

Der Agitation bet Liberalen unb Sozialdemokra­ten kann bas Zentrum nur die Aufkl ärun g des Volkes entgegensetzen. Eine Partei, die so viel positive Arbeit zum Wohle des Volkes auszutonsen hat, wie die Zentrumspartei, kann trotz der lügne-! rischen Verhetzung bet Gegner getrosten Mutes in ben Wahlkampf ziehen. Denn bie Wahrheit muß unb wirb letzten Endes siegen.

Aber stelle man sich auf Zentrumsseite ben Wahl­kampf gar nicht zu leicht vor. Es wirb einer bet schwersten werden, den wir jemals dutchzukampfen hatten. Schon jetzt muß daher unsere Agitations- unb Aufklärungsarbeit einsetzen. Die Lücken in bet Organisation müssen ausgefüllt werben unb vor allen Dingen muß für eine to eite Verbrei­tung bet Zentrumspresse, biefet Ma - schinengewehte im Wahlkamp f e, g e - sorgt werben. Dann werben wir ber Luge unb Vetleumbung zum Trotz in alter Starke aus bem

drückt haben unb seine junge Frau als Ihre Schwester ans Herz gezogen!"

Adas Blick war unsicher geworben, sie suchte nach Worten. „Herr v. Sosquen, — wenn ich schließlich zu ber Erkenntnis gekommen bin, — so habe ich bas nur Ihnen zu verdanken!"

„O nein, gnädiges Fräulein, Ihrem inneren Ge­fühl! Und das ist, Gott sei dank, in unseren Streifen noch ganz gesund, — es schlummert nur oft! — Glau­ben Sie, wenn ich heute noch zu Herrn v. Löberbau führe, unb ihm sagte: Der Hans Heinrich ist ein bra­ver Kerl geworden und hat eine junge, hübsche, talen­tierte, aber ganz arme Frau geheiratet, aus einfacher Familie, sie wagen nicht einmal, eine bescheidene Hoch­zeitsreise anzutreten, laben Sie bie Leutchen für ein paar Tage ein: er täte es nicht?"

„Ich zweifle, Herr v. Sosquen!'

„Ich aber gar nicht! Er würbe über mich, ben „Rebellen", lachen unb antworten: Na, beim man zu, ich war seines Vaters guter Freund, also wirb mir ber Junge willkommen fein!*

„Mein Onkel täte es keinesfalls!"

„Nein, ber allerdings nicht!" Er sagte es in bar­schem Tone.

Ada rang verzweifelt bie Hönde.

„Sie glauben gar nicht, welche Kämpfe ich m der letzten Zeit mit ihm zu bestehen gehabt habe!"

„O, das kann ich mir sehr gut vorstellen!"

„Und deshalb muß ich weg, — schnell, Herr v. Sosquen!'

Da ergriff er ihre beiden Hände und sah ihr ehr­lich ins Gesicht.

„Nun toiC ich einmal beichten, denn ich furchte, Sie halten mich für besser, als ich in der Tat bin! — Also, als ich vor fünf Jahren KlingSbetg kaufte, lernte ich einen sechzehnjährigen Backfisch kennen, mit offenem Blick unb fröhlichem Wesen. Unb dessen Bruder stand in bem Regiment als blutjunger Leut­nant, in dem ich Reserveoffizier bin. Da schlug die Brücke vom Herzen zum Herzen! Unb als ich bann wahrnehmen mußte, wie sich, wegen ein paar leichtsin­niger Jugendstreiche meines Freundes, der Sinn ber Schwester verhärtete, habe ich mit gelitten, vielleicht

)( Beim Heimarbeitsgefeh unb beim Arbeitskammer« gefeh scheinen jetzt auch die größten Schwierigkeiten, Die der Verabschiedung dieser Vorlagen entgegen« standen, überwunden zu sein. Beim Arbeitskammer­gesetz bereitete die Frage ber Zulassung der Arbeiter- Utretäre, bei bem Hausarbeitsgesetz die Frage der Lohnbücher Schwierigkeiten. Jetzt schweben seit einiger Zeit über diese beiden Fragen Verhand­lungen zwischen den Verbündeten Regierungen und den Parteien, und diese Verhandlungen sind so weit gediehen, daß man auf ein positives Resultat rechnen darf. Danach will man beim Arbeits- tammergefetz die Arbeitersetretäre und natür­lich auch die Arbeitgebersekretäre zulassen und beim Hausarbeitsgesetz Ausschüsse für die Untersuchung der Löhne unb die Förderung der Tarife zugestehen. Sobald bie|e Schwierigkeiten überwunden sind, was man nunmehr als bestimmt

bigen. Wenn sich aber bie Folgen ber abnormen Wit­terung nicht vollständig beseitigen lassen, so wirb ber verständige Wähler die Grenzen der Menschenweis­heit und der Staatsgewalt anerkennen unb sich trösten mit bem Bewußtsein, daß Staat unb Reich wenigstens das Beste un, um lohnende Arbeit und guten Geschästsv er dienst zu sichern unb so die Ein­nahmen ber Bürger möglichst hoch zu halten. Eine Großblockmehrhett würbe bie Teuerung nicht beseiti­gen ,wohl aber ben Handel und Wandel stören können.

Daß ber Liberalismus seines Heinen Erfolges we­gen bei ber Wahl in Konstanz nicht allzu sehr zu trium­phieren braucht, haben bie Wahlen in Elsaß- Lothrin gen gezeigt. Zwei ganze Mandate ver­mochte der Liberalismus bei ben Hauptwahlen zu er= ringen, währenb das Zentrum an die zwanzig gewann« Die Liberalen können ihre totale Niederlage selbst nicht leugnen. Unb in ber richtigen Erkenntnis, daß sie aus eigener Kraft nichts erreichen, haben sie für die Nach­wahlen, ganz nach badischem Muster, sich mit der So­zialdemokratie zum Großblock zusammengeschlossen. Da­mit geht der Liberalismus in den Reichslanden dem­selben Schicksal entgegen wie der badische: Er wird zwischen rechts und links zermalmt! Eine Niederlage hat auch das abnormale Gebilde eines Nationalbundes

„Nun, es war noch nicht gar zu schlimm!

Schreiber bei einem Rechtsanwalt und hat ,hrn Pa­riere gestohlen, um seinen inneren Drang zu befrie­digen, nämlich den Roman niederzufchreiben! —Eine Kleinigkeit, werdm Sie sagen, — ist's aber wahrhaf­tig nicht! War nur der Anfang! Wahrscheinlich hatte er weitere lange Finger gemacht, wenn ihm das Un­glück nicht vom Nocken heruntergefprungen wäre. Und nun denken Sie sich folgende Situation: Eines ^schö­nen Tages wäre er ertappt worden, sein Manuskript unter dem Arm, dessen Seiten teilweise ben Ausdruck bes Anwaltsbüros tragen. Gerichtsverhanblung! Der Anwalt: Zeuge, haben Sie bem Slngeflagten bie Bogen geschenkt? — Nein. — Also bet Tatbestand War gegeben! Unb bann hätte man hineingeleuchtet in seine Vergangenheit. Ehemaliger Kadett! Tauge­nichts! — Romanschriftsteller! Hellauf hätten die gu­ten Leutchen über den Sonderling gelacht! Natürlich, sich abschtnben auf dem Schreibersessel wollte er nicht; ernste Arbeit war dem Faulpelz ein Greuel — also: verkommenes, arbeitsscheues Subjekt, von dem sich die IBertoanbten losgesagt hatten und dem man hinter den schwedischen Gardinen einen Begriff vom Emst des Lckens beizubringen versuchen mußte. — Er Wäre sucht der erste und würde nicht der letzte gewesen sein! Und wenn nun seine Arbeit, die ich seht hoch ein- schätze, Erfolg hat, — bann werben vielleicht, als sichet möchte ich auch dies nicht einmal hinstellen, ihn seine Verwandten mit herunterhängenden Mundwin- keln so halb und halb wieber in ©naben annehmen, wenn er siig genug ist, diese Hände nicht vorläufig von sich zu stoßen! — Und woher kommt diese Spich terrichterei? Well wir uns nicht die nötige Mühe äeben nachzudenken, wenigstens versuchen, uns in die Lage 'eines so armen Kerls zu versetzen, es ist ja viel bequemer: Steinigt ihn! zu rufen. — Und da käme to auf Hans Heinrich! Möchte Ihnen bartten, gnä­diges Fräulein, daß Sie ihm wieder die Hand gs-

Fn der inneren Politik liegt eine ereMisteiche Sei^gt(m3let konnte feststellen, daß trotz des erhöhten Woche hinter uns. Zunächst ist Klarheit über den Aufwandes, ben bet Einzelne für bie Lebenshaltung Dermin ber Reichstag sw a h l ° n geschaffen ^achm muß, nicht nur der Nationalwohlstand gestiegen worden Am 12. Januar E findet d e WaUWach ^ndem auch die Lebenshaltung btt einzelnen sich flott. Mit ber Bekanntgabe dieses Ternuns setzt ber ^Rssert hat, auch in ben Kreisen der Arbeiterschaft Wahlkampf ofifziell ein. Es ist d^Kriegserklarungder Diese aufsteigende Bewegung der Volkswohlfahrt und Meien untereinander. Dann aber hatte bi8Bo$e erhalten, ist die Hauptsache, und dazu

auch Klarheit darüber Seschaffen.wann endlich der. eg ba Sichtung unseres altclt bewahrten dichte Schleier, in dm die Marokkoverhand- Wirtschaftssystems. Die Volksvertretung wird im Ver- langen gehüllt find, sortgezogen und dem deutschen mit bcr Regiemng gewiß nicht erlahmm in der Volke Auskunft darüber gegeben wirb über das, was na$ satteln, welche bie gegenwärtige Teuerung hinter verschlossenen Diplomatentüren monatelang bet« । b können, ohne bie künftige Entwicklung zu schä-

banbelt worben ist. Am 8. November wirb bet Reichs- • — - - - - • ~ - - -«•------

kanzlet jedenfalls die Marokkointerpellationm beant­worten und dann kann das deutsche Volk urteilen, Wer bei diesem Feilschen unb Handeln am besten ab- tzeschnitttn hat. Man rechnet in unterrichteten Streifen mit einer Veröffentlichung des Abkommens am 1. No­vember.