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«atatisirrbruckuall v«lag 6« Fuldaer 3t tieubruckerei in Fulda Ferutprerher Ät 5.

jv$ L47» Erstes M«it.

Fulda, Freitaq veu 27. Oktober 1911.

38. Jahrgang.

Dentscher Reichstag.

Sitzung vom 26. Oktober 13t 1.

Die JnboPellatioir tetr, di» Teuerung wird horb­gesetzt.

Abg. @imf Wielzyns» (Polch-:. Es Keffckht zwar »ine Teuerung, sie ift aber in der Hauptsache auf die Organifwttoir de-s Zwischen harndelS zurück zuführen. Wir sind zwar nicht: für dis Aushebung, tvohl aber für die Reform der Ginsuhrscheine. Ein« zeitweilige Aufhebung der Futtermittelzölle wäre zu erwägen. An eine Oeffnuug unserer Grenzen für eine unbeschränkte Bieheinsuhr ift mit Rücksicht auf di» Seuchegefahr nicht zu denken: Mae wesentliche Linde» rung der Teuerung erblicken wir in einer zweckmäßigen innerer Kolonisation, und zumal in einer zweckenn- sprecheaden Organisation des B a u » rn staud es. meinen Landsleuten ist es ziemlich gelungen, den ^Zwischenhandel zurückzudrängen. Das ist der Zweck ^mfe'.er Organisation nicht, wie manche meinen, di« .Nationale Verhetzung. Wir müssen dazu kommen, dass unsere Bauernbewegung ebenso fördernd behandelt Wird, wie die deutiche Bauernbewegung. Nichts ist auch wirtschaftlich falscher, als die polmschen Bauern von der Scholle zu verdrängen.

Abg. Wachorst de Went« (Ml.): Die Debatte hat den Beweis erbracht, doch Beim; Brotgetreide, also Rog­gen und Weizen, von aBnormen Preisen nicht die Rede sein kann. Ebenso wenig kann von einer Fleisch- not und Fleischteuerung gesprochen; loeröen. Man vergleiche die Preise, die das. Warenhaus Wertheim für Fleisch täglich anklindigt. Itiifere gemäßigte Schutz­zollpolitik darf man für; die teilweise bestehende Teue­rung nicht verantwortlich, nmchen. Diese Politik: hat sich durchaus bewährt und selbst; hi der Sozialdemo­kratie begegnet man Ker und da- schutzzöllnerischeu Anwandlungen (Widerspruch bet den Soz.), wenn eS sich um ihre eigenen Interessen handelt. Sie (zu den Sozialdeni.) sind s ch, u tz z ö l kn e r i s ch e r als s o n st j e m a n d in diesem Hause. Ich erinnere da nur an die Verwendung a u s lä.u Ü ts ch e r Anbei» t e r:;: da fordern Sie di« schärfste Grenzsiisrre, bloß, von einer Grenzsperre- für V i e h wollen Sie nichts wissen. Mit einer zeitweiligen Aufhebung der Futter. Mittelzölle sind mir einverstanden, doch für die Einfuhr argentinischen Fleisches können wir uns nicht erwär­men. Unsere heimische Landwirtschaft kann den Be»- darf an Fleisch selbst decken.

?lbg. Pachnicke (Fortschw VpZ: Höchst bedauerlich ist ein E r Laß, in dem die L and-r ä te aufgefordert Werden, Vorschläge zur. Erwiderung auf die Angriffe gegen die Regierung zu machen. Sie sollen das Volk ausktüreu durch die Prass», durch Flugblätter, Volks-- kalender usw. (Hstril Hart.!, links.). Cs ist also Geld aus öffentlichen. Mitteln für einseitige ParteipolitÄ verwendet worden.. (Grotze Unruhe rechts.) Wir wollen nicht den Zollschutz beseitigen, sondern, wollen vielmehr die Zölle so. aufgefteüi wissen, datz vorteil­hafte Handelsverträge zu. erzielen sind. Die jetzt zu beobachtende Preissteigerung im Grossgrundbesitz bringt ^cn Verkäufern Hunderttauseude ein und der Rach. Niger kommt nicht aus seine Rechnung. Das ist der Anfang einer neuen, agrarischen Krisis. Herr Fuhr» mann hat beim Reichskanzler die Wärme des Tones

Feindseligkeiten, bie eia Teil bet nnticmalliberales Presse gegen unsere Partei znr Schau trägt, bte Brücke nach link» zu ereilten. Wir glauben, bah bie national- liberale Partei in den grossen und entschsideuden Na» üonnlfragen doch immer nur hn Bunde mit der Rech­

ten stehen mrd fechten Bann. Sie hat den Wunsch, datz das Zentrum n icht ausschlaggebend werden soll. Diese« Wunsch teilen auch wir alle, und ich glaube, da» Zentrum auch (Grosse Heiter. Seit) Herr Fuhrmann hat erklärt, dass die Herrschaft einer kleinen BevölkerungSklasse gebrochen werden soll. Das ist eine Anleihe aus dem Agitatiousstoff Ihrer neuen Freunde auf der Linken; diese aber verstehen unter der kleinen Kaste nidtt nur die Junker, sondern auch die „Schlotbarone". Das hätte sich Herr Fuhr­mann doch auch überlegen sollen. Ich hoffe, dass die nationalliberake« Wähler, ihren Leberlkefernngen ge- treu, sich nicht abdrängen lassen werden von d«r Schlachtlinie für Reich und Reichsverfaffung gegen die Umsturzpartei. (Hurrarufe der Soz.) Es ist tief, traurig, dass Sie solche Ausführungen mit ironischen Rusen Begfetfen. (Sehr richtigk rechts.) Ich habe das Vertrauen zum gesunden Sinn be3 deutschen Volkes, datz es trotz der Hetze draussen Kar sehen wird, wo seine wirklichen Existenzbedingungen liegen. Mitleid mit der Not ist keine Eigenschaft der Linken; aber wir stecken nid>t mit Behagen den. Finger in die Wunde und wühlen sie auf, ummitdemSchmerz P ar tei g esch äs te zu treib e n. (Unruhe links.) Das deutsche Volk wirs hoffentlich keinen Sprung ins Dunkle machen. (Beifall rechts.)

Landwirffchaftsminister Freiherr v. Schorlemer: Zur Frage der inneren Kolonisation habe ich 3» erklären, dass auf die Rundfrage der Regierung an die Ober» und Regierungspräsidenten inzwischen die Antworten eingegangen sind, dass auch bereits eine Reche von Domänen au Beftebelnugsgesellschaften überlassen worden sind. (Bravo,)

Abg. Werner (Resp.) polemesterf gegen die Frei» sinnigen.

Abg. Lehmann-Jena (wild) begrüßt das Festhalten der Regierung cm der Schutzzollpolitik.

Abg. Snrfantir (Pole): Die wirtschaftliche Lage in Oberfchlesren sei so, datz die Arbeiter nicht genug ti erbte nen, um die die nötig. Lebensrnittel bezahlen 3ii können. Wie bie Regierung s. Zt. Ostpreussen nnt ben Einfuhrscheinen, geholfen habe, so müsse sie auch Mittel und Wege finben, die wirtfchaftiche Lag« Ober, schlestens zu verbessern. Die Löhne bet oberschlefischen Arbeiter ständen hinter denen der rheinisch-westfäli­schen Arbeiter west zurück, während bie Lebsnsmtttel- preise in Oberschlefien ebenso hoch feien, wie im Ruhr, revier.

Abg. Herzog (wirt. Vgg.) bestreitet, datz der „schwarz-blaue Block" an der LebenSmitielteueruna fdjulb fei.

Abg. Kobclt (B. L Fr.) greift die Regierung an, weil sie, anstatt wirksame Mittel zur Behebung der Teuerung zu ergreifen, das Volk mit Erlassen füttere. (Beifall.)

Es wurde darauf beschlossen, die WeiierBesprechung zu vertagen.

Freitag: Interpellation über die Maul- und Klau­enseuche.

Herren, ieuemmi sichi n @

der Linken meinen: eine Spekulations- berechtigt, aber eine Teuerung aus uatür-

<Pufgaben an. (Beifall rschis.) In. diesem Kampf» •pir Sein oder Nichtsein der Reichsverfaffung gibt es /eine Habpolitik. (Sehn wahrt rechts.) Au [ inferent Bedauern sehen wir iw dem Ausführungen »er beiden nationallib-eralen Redner eine zu einset- iige Stellungnahme gegen rechts. Wir wünschen stnd hoffen, datz im bevorfiehenden Wahlkampfe die Mationalliberalen die Brücke nach rechts nicht ktbb-rechen, wie auch wir uns bemühen, trotz aller

'en' — ba ist die Profitgier der Agrarier schuld. (Lebh. Beifall rechts.)) Im übrigen habe ich ximn fa glänzenden ©ieg* des Schutzzolk- ("f h tems tote in dieser; Tebaite in meiner langen vailmnentarifchen Erfahrung »och nicht erlebt. Weine ,sto' itischeu Kreunde wünschen nur noch zu der Pro» ar turmatischeu Rede des, Abg. Fuhrmann Stel- •Ju tg zu nahmen. Wir erkvnnen an; dass Herr Fuhr» (wanu auf dem Baden der bestehenben Wirtschafis- ; pc Iitrp steht, wir vermissen aber bei ihm nnb Bei jö-rrn- Wachhorst den Hinweis auf bie Gefährlich t hi« ber s o zi a llde m-o-kv atis ch e n Belve- ,! U ttg. Wir sehen ten Kämpf gegen bie SozialÜemo- \ latie als emn der wichtigsten nationalen und ideell« .p.ufgaben an. (Beifall rschis.) In. diesem Kampf»

de«tschL5 Keich.

** Serfm, 2f>.Oft. 1911. Die formelle Aus' lösnng des Reichstages wird, wie varlLui.Lt- ehö» 8 Tage nach der Beendigung der Herbsffession erfolgen. Es ist angeblich nicht teabstchtizt, tee Bufiöfnngs- Ordre dem AeichAag» noch am letzten Tag« seiner Verhandlungen bekannt yi geben. — Nach Ber liner Makker Meldungen bestecht die Absicht, den Landtag am 9. Januar 1912 einuiberustn; er werde sich aber am gleichen Tage wieder ver­tagen, nachdem der Fmcmzminister den Etat in einer geschäftlichen Sitzung eingebracht Babe. Da die Stich- Wahlen zum Reichstage am 19. Januar stattfinden werden, so nimmt man an, dass der Sanbtaa seine Beratungen am 23. Januar wieder ausnehmen wird. Diese Angaben decken sich mit der von uns früher bereits gemachten Mitteilung.

Im Reichstag hat der Reichskanzler mit seinem Hinweis ans die kommenden Wahlen Schule ; gemacht. Bei der gestrigen Fortsetzung der Debatte ■ über Sie Teuerung spielte die Wa-rlaeikakiou zwisa'en rechts und links eine erhebliche Rolle und zeitweise kannte man glauben, man sei in einer Wahlversammlung, wo Freund und Gegner in edlem Wettstreit und, auf geregten Gemüts die Vor­züge ber eigenen Partei anprcisen und an. der Gegenpartei fein Mies Haar lasten. Die Debatte ging such gestern noch nicht zu Sirte, sie wurde vertagt, ater ans eine unbestimmte Zeit.

) ( Die Regierung und die Wahlen. Nach einer ■ Mitteilung der „Frankfurter Zertimg" trifft die Re- gierung zu den bevorstehenden Reichstagswahlen schon ihre Rüstungen. Es soff bereits eine A n w c i s u n g andieLandrate ergangen fein, worin diese zur „nachhakkigen Ornntkmng* über schwerwiegende An­griffe gegen die Regierung in ber Presse oder in Flugblättern, die auf die nächste Reichstagswahl ein- tirirfm könnten, aufgefordert werten, damit Ernnde- mngm gegeben werden können. Die Landräte sollen auch gleich Vorschläge über die Art der Erwiderung imd Anfflärung machen, und durch Benchrigimg in der Presse oder durch Flugblätter, eventuell durch Un­terstützung von Volkskalendern usw. emwirken. — Man kann es selbstverständlich der Negrerroig nicht verdeuLn, wenn sie unberechtigte AnA-ffst siderleqei, will. Tas ist unter Umständen fegar ihre Pflicht.

c. Tic Begrsttt-mtg »nZnterßeSatlM, des Z-stru»S besr. die Maul- und Klauenseuche, die am 1 Freitag inrReichZtage zurPerhandtung. kaunut, wird, •uie wir erfahren, der Mg. Steindl fibmnhmrn. Da man an efneut Tage fertig zu werten nmirfM wird in der Debatte vorausfichtlich ein tovKcre? Mik- ^ted deck -swinnus nicht mehr das Wart cigreffeu.

* Die MarskkoverhandlmMu. Die amtliche Ver- affenllichuug des WsroLsvertrages nebst dem Wkonr- mrn über dis Kriegsknchensaümlen ist für diese Woche nicht mehr zu erwart«, sie wird aber wahrscheinlich am. 3. ober 4. November erfolgen können. Bis teihin dürste auch der Heine Rest ter Verhandlungen, ter noch ausstcht, völlig erledigt sein. Botschafler Lcmr- , bon hatte am Donnerstag eine Konferenz, mit Staats- sckreiär ti. Ktderlen-WAchter.

& Das Peusiousgesetz ter P»i»alang«steAt«, wurde am Dannerstaa in ber ff em miff i n n weiter Be

vermisst, Beim Laubwirtschafrsminister aber sank sie Unter Null. Haben Sie, Herr Laubwirtschastsrninister, doch niemals in Berlin bie abgehärmten Frauen, bie nassen Kinder gesehen, bie am frühen Morgen vor ben dchlächterläbeu um einige. Fleischbrocken betteln? Wir wünschen, bass bie jetzigen Taristrmätzigungen dauernb bleiben. Die preussischen Eisenbahnen können das er- tragen. Wir haben keinen Agrarstaat mehr, wir wach­sen in ben Industrie- und Haubelsstaai hinein. Dem­gemäss müssen wir unsere; Politik gestalten. Eine Mehrheit für bie Suspension ber Futtermittelzölle ist schon jetzt hier Vorhauben. Die ganze @nUaidhuig Deutschlanbs hängt davon ab, wie ber nächste Reichs- ziag zufaimneugesctzt ist. Dia Volckspart ei fin- j b c t si ch in b ief enr W ahlka in p f m i t ber il a t i o na kl i b e ra ke n Partei zusammen s(Härt! hört!)' Die Mlehnung bes Saminlungsrufes , bcs Ldeichskanzbers, bie gestern burch Herrn Fuhrmann erfolgt ist, ist einstimmig von ber uationalliveralen ,Fracktiou ücsthlosfen iuorbeirs (Hört, härt!) Wir miif- fen gemeiuscuu als liberale Parteien barmt arbeiten, patz, eine grosse f akb st än b i g.e Linke aus ber Wahl hervorgehen, bannt ber Kwrs nach ber liberalen ^Richtung genommen wirte Das konservativ-kleriHrle /plcgi,ment hat lange genug auf unserem Volke gelastet.

Es bedarf nur einer Verschiebung von 30 bis 40 Mmc- bateiT, untr her sch warztbollau e Black oft z er - Jrihiumarfc (Lebh; Beifall links, Gelächter rechts itnb- int Zeutr.) Aus ben Reden der Rechten spricht richt mehr die. frühere Sicherheit. Sick sind keiueswegs. o sicher. Ihre Beben,, das ist her Schrei aus einem deprctzteu Herzen. (BeifM links.) Lachen rechts und \ m Zentr.) Sie find tir Sorge, täuschen Sie sich tetr» iber nicht, ber 12. Januar wirb Ihnen- zeigen, baß Bl)re Sorge- nur zu Begrünbet mar. (Beifall links,

elächver rechts und iin Zentr.)

\ Aügt Du Arendt Wp.)r Eina akademische Vor­lesung über Freihandel und Schutzzoll wirb bie; Lebens- mittetpreise auch nicht um einen Pfennig herunter» hringctt. Ich. hatte gehofft, Herr Pachuicke würbe )virMche Vorschläge machen. (Zurufe links: Hat er tzetair!') N'eni. (Lellh. Zustimmung rechts.) — Kei­ft e n Bvrschllag, ber a u g e n b l i ck l i ch einen- wirk- lichen Rückhmtg ber Preise herBeizuffihren imstande Wäre: Er hat uns eine W a-h lr ed e gehalten. (Sehr Wichtig, rechts-.) Gewiss haben wir einen Notstand

zowissen. Gebieten;, er ist die sslbswerstäübliche Folg; elementarer Ereignisse. Davor hätte uns iueber der F.reismn noch bie.- Sozialdemokratie bewahrt. Die

raten. Für den § 1, der den Kreis der Versicherungs­pflichtsgen umschreibt, soll noch in der zweiten Lesung eine treff entere Formulierung gefunden werden. Ein Antrag, auch die ^BüroangesteLt« und -Lehrlinge einzubeziehen", wurde einstimmig angenommen. Ma­schinenschreiber und Stenorypistinnen fallen mit unter das Gesetz.

+ Ratiormlliberale Wahlmanöver. Zu dem im gestrig« Leitartikel besprochenen eigenartigen Vor­gehen ter Nationalliberalen im Seniorenfon» bent schreibt man uns in Berlin: Der Versuch, mit dem Antrag in der Marokko-Angelegenheit dos schwin- tente ^nationale* Ansehen der Partei wieder herzu­stellen, Ware wirklich gar nicht so übel, wenn er nicht so, völlig bar jeglicher Kenntnis der Versaffung wäre. Soll man wirklich glauben, daß Herr Daffermann so wenig Ahnung von der Reichsverfaffung hat, daß er nicht wüßte, daß die Regierung verfassungsrechtlich nicht verpflichtet ist, einen Vertrag mit einem auswär­tigen Staate dem Reichstag znr Genehmigung tiorzu- lege», selbst dann nicht, wenn es sich um koloniale Ge­bietsabtretungen hantelt? Unmöglich! Somit handelt es sich nur um em Wahlmanöver und noch dazu um ein sehr plumpes. Denn Anträge können im Senio­renkonti ent überhaupt nicht gestellt werden. Wäre es den Rationalliberalen mit einem derartigen Anträge ernst gewesen, dann hätte« sie ihn ben Fraktionen mit« teilen müssen, zumal sie wußten, daß es ben Vertre­tern der Fraktionen im Seniorenkonvent gar nicht möglich war, ohne vorherige Befragung der Fraktionen in einer so wichtigen AngelegenHen Stellung zu n»h- mcn. Und ein ebenso vollgiltrger Beweis dafür, daß das Vorgehen der Nationalliberalen nichts als Wahl­mache ist, ist die Veröffentlichung der Wtion des Herrn Bassermcmn. Die Mitteilrmg der Zagt. Rundschau berühr auf einer groben Indiskretion. Es war bisher stets Gepflogenheit des Senioreukonvents, nur über seine Beschlüsse Mitteilungen an die Oeffenkkichkeit gelangen zu lassen. Der Grünte dieser Indiskretion wird sofort Har, wenn man die weiteren Ausführungen erfährt. Das alldeutsche Hetzblatt behauptete nämlich, daß nur Konservative und Zentrum sich gegen den Antrag ausgesprochen hätten und dadurch „tetc ein­zige Möglichkeit einer wirksamen Maroftokritik dank der kimservativ-Herkklilen Pmsteitsttik verscherzt wor­den ist". Dieser eine Satz kennzeichnet die Tendenz des nationalliberalen Vorgehens zttr Genüge. Es er­übrigt sich, auf die zu nur allzu durchsichtigem Zwecke getane Verdächtigung einzugehen, denn die Behaup- 6mg ber Tägl. Rundschau, daß nur Konservative und Zentrum sich ablehnend verhalten hätten, ist unwahr. Es haben sich im Gegenteil all« Fraktionen durchaus ablehnend gegen den nationalliberalen Antrag verhal­ten. Der Versuch der Nationalliberalen, Konsertia- titie uns Zentrum vor dem Lande in Mißkredit zu bringen, ist BZnzeub gescheitert. Und nicht minder der Versuch, die nationale Erstnung der Baffermann- Partei in bengalischer Beleuchtung erscheinen zu las­sen. Ist es uaüonsk gehandelt, eine so ernste Frage wie die MaroHoangelegenbeit es ist, zu Wahlmanö- tiern zu mißbrauchen? Ist es national gedacht, der

ahm fest, daß unter keinen Umständen ei, Sozialdemokrat Beamter werden könne und bat unter keinen Umstände» auch ein Beantier tn Staats« Äbleiben könne, wenn er einem Berbande , der sozialdemokratisch sei. Ob der Süd. deutsch, Eiseubahnerverbond tatsächlich foziakdem» kratisch fei, wolle er nicht entscheiden. Minister, präfident Graf v. Podewils «Härte, nachdem, et auf die neuerlichen Kundgebungen der Sozialdemo­kratie im In- und Auslande verwieses hatte: Di« StaatLregi^rung ist fest entschlossen, ihre Autorität zu wahren und an dem Standpunkte fest zu halten, den sie auch jetzt bekundct hat. Es ist nur eure Konsequenz davon, wenn wir die Sorrattemcckratie nicht im Zweifel darüber lassen, daß aus gewrffeu (Mieten im Staat, kein Raum für fte ist.

Reichstastswahlvorbereitvrrgekr.

* Aus dem Wahlkreise W«tz-Habelschwetdt. Die Kandidatur des Grafen Oppersdorfs im Reichs, tagswahlkreis Glatz-Habelschweldt ist, rote ergänzend trott); mitgeteilt wird, von dem Zentrums-WahtkrerI- komitee mit 13 gegen 3 Stimmen avgeiehnt. Graf Oppersdorff hatte der Sitzung dis znr Abstimmmig beigewohnt. DaS Hauplorgan der schlesischen Zeu- ituntvpartet, bie ,Schlesische Volksze mngtz hofft, daß die Eigenmächtigkeiten Oxpersdorffs (der bekanntlich trotzdem kandidieren will) vor dem Votum der maß­gebenden Parteiinstanzen nunmehr endgültig Hall nrnttn werden. Erneute unabsehbare Parteiskandake, für die dann lrtfiglrch Graf Oppersdorff die Ver­antwortung zu tragen hätte, würde« sonst bte Folge fein.

Amkand.

* Miuisterkrise in Oesterreich. Der Rücktritt bei Ministeriums Gautsch fielt mimittelbar bevor, ba der Rationale Verband sich gegenüber der Politik der Tschechen ablehnend verhält, eine Mehrheit ohne die Deutschen ater auSgeichloffen ist.

♦* Eine Schwwtelmuhricht. Ein Gerücht von einem schweren Automobilunfall des Zaren war gestern an der Pariser Börse verbreitet, indeS besagen Börftntelegramme aus Petersburg mchtS davon, meiden dagegen, daß die Petersburger Börf« fest fei. In Berlin wurde ein, ähnliche Nachricht verteeilet, die von einem Mordansakl auf den Zaren und Straßenkämpfen in Petersburg sprach. Da auch aus andern großen BSrseupkätzen Mel« dunAku oorliesen, daß btefe Gerüchte verbreitet würben, dürfte sich die Erklärung bestätigen, daß Börsenspekulationen zugrunde liegen.

* Nit mnes englisches Schlachtschiff. In Glas- g o w lief Mittwoch der nette Dreadnought ^Austra« Ua“ in ter Clytebank-Äerst oon Stapel. Das Schiff ist ein Schwesterschiff des Panzerkreuzers .Intesatigable*.

Reffnung in bte Arme süssen zn wollen, — wenn eud) nur scheinbar — in einem Augenblick, wo das . mühevolle Weck dem Abschlllss nahe ist? Das Verhal­ten ber Nationalliberalcn muß bei allen wahrhaft patriotischen Männern Helle Entrüstung Herti ormfen. Und dessen können Herr Bassermanu und Genossen sicher sein, ihre „nationale" Tat im Seniorenkonvent des Reichs tags wird ihnen nnvergessen bleiben.

** Mr »je Rnchnmbken m den Reichslaudeu ist zwischen dem- sog. Lothringer Block ttnb dem Zentrum ein festes Abkommen getroffen worden. $er Block zieht aus ctiiens, das Zentrum ans zwei Wahlkreisen seine Kandivaken zurück. Dagegen ver- pflichten sich beide Paeien, mit allen Kräften im ersten Bketzer Wahlkreis den ZentrumLkanbidLicrr Kintzmger und im zweiten Wahlkreis ten Kandidaten Jung zn unterstützen. Aach für einige ander« Wahlkreise steht ter Avschinst eines derartigen Abkommens bevor. — Eure Mettmuz der Franks. Zeikmrg', daß ter Smckiltemokrakie von Straß- Imrger Zenlkumsfeite ehr Wcchurbkommen angebotert warten sei, ift, wie die ,Mkn. Bolksztg.^ van durch­aus Mvertäffiger Seite- ans Straßburg telegraphier' wird, eine glatte Unwahrheit.

* Meiningen, 25. Oft. tSfL I« Landtag kam beute eine Interpellation über die Befestigung der Ernfuhrscherne znr 'Berhandkmrg. Staa's- minrfter v. Zöller erklärte, daß man erst abwarten solle, weich« Stellung das Reicks auf die im Reichs­tag eingebrassten Terrermigsinterpeklationen ein« nähme. Tie Beseitigung ter Emfnhrfcheiue fei nicht so emsach, beim sie berühre nicht nur kanL- wirlichaffkiche, sondern auch mbnfüretle Intere.sen.

cfl München. 26. Oft. 1911. Gestern kam in ter Lbgeordnetenkammer die sozialdemokra- trfche Interpellation wegei, des Regiernngserlaffes vom 1». August d. I. gegen bett Süddeutschen Eisendahiierverband zur Verhandlung. Die JisterpeÜation wurde begrüntet von dem Abg. Rosshanpikr, ter sich in einer käregeren Polemik gegen das Zentrum erging, das die Regierung zu dem Erlast geteaugt habe-, angeblich, um der Mit- gli-derftvcht aus dem christlichen Eisenbahireroer- hande vorzubeugen. Verkchrsmintster o. F-r a uen- dorser bracht» in seiner Erwiderung ein reiches Anklage malerte! gegen den Verband vor. Er stellte zunächst allgemein sest, daß die Soziakteinokralie im Verband viele Anhänger hat. Tann wies er hin ans die a-rgckehekw Stellung von Sozialvemo- fralen im V rband, iirsbefonbere des Abg. Roß- Häupter, aus Aenßernngen des Verbandsorganes, das bei der letzten Reichekagswahl offen yir Wahl des Sozialdemokraten anfgefordert hat, auf die so- zteLemokratische Betätigung von Äerbandsmn- ^tebent in Gemeindeverwaltungen, auf bes Zu- tenrmcrchang des Verbandes mit ben »ftetea* Ge­werkschaften, ter durch finanzielle Unterstützungen und offiziellen Anschlu-ß mrutesteos b.T .Hälfte ter Ästglieder an Gewcitfiss»ft«u dotmmmi .crt wrrve. Ter Trteß ter Regieruiig, ter i ttt eine Riahmrng aussprach, fei durchaus gerechtfertigt. Bei der heutigen Avrtse^mg der Debatte stellte ber Minister seine Siel- Inno und die der -Slearerun» rur Sonaldemokratie

X M MM Italien M ta MU.

Ter „Spaziergauz" nach Tripolis»

Den Italienern in Tripolis geht es nicht gut. Bei der Hilflosigkeit des türkischen Mutterlantes war eS den Eroberern leicht, in Tripolis zn landen, ober nun droht die Sache zu versanden. Außer dem Klima und ber Unwegsamkeit des Landes stellen sich den Italienern auch überraschend große «nd zähl menschliche Widerftandskräfie entgegen, die tür> klfchen Truppen werten unterstützt von der arabffcher Bevölkerung, die gewandt und tapfer sst, und vom Sü­den her rüden die Krüger der fanatischen Sette ter Scnuffi an. Die Italiener haben offenbar die Gegner unterschätzt und sich dadurch schwere Verluste zuge- zogen; das Gerücht von ihren „Niederlagen" wrrd die Kampflust der Em geboren en natürkich noch steigern. Ob das schaffe Standrecht und die Massen erschießwrg von Gefangenen ten Italienern Lust schaffen werbe, ist sehr zweifelhaft; tert zu Lande herrsch zu viel Fa> uLtisnrus und Fatalisnms, als daß abschreckende Exem pel das Volk verzagt nmchen könnte. Es wird nicht» anderes übrig bleib«», als daß Italien fein grobe ruugsheer tierftärft und mit solchen Tieren und Ge­rät schaffen versteht, bk den Durst und den Wüstensand überroinden können. Dadurch wird das Unternehmen langwieriger und kostspieliger.

Die Rackense-'läge kommen dem unbefangenen Be obachter nicht üverrascheud. Auch en dieser Stell« ifl von Anfang an hervorgehoben warten, daß bei dem weiteren Vordringen der Italiener fich arge Schwterig- keiitii ergeben würde«. Wir freuen uns aber keines­wegs darüber, daß wir Recht behalten haben. Auch toeiat man mit ten Italienern als tem Urheber des Frietensbrnches kein Wtleid spürt, muß man doch die Verschärfring und Bertängrrung der Kämpfe in Tri- politaNies bedauern, weil dadurch di« Wi e der h e r- stekkung-desFriedens erschwert und verzögert iDtrb.

Es kann den vereinten Kräften ber Einheimischcn und- der nach Tripolis hecubergekommenen Türke» wähl gelingen, ten Italienern empfindliche Verlust« beizubringen und ihr Herrfci)afisgebiet ans den Küjteu- sttich emMschranken, aber es ist t ein e Ilusficht, daß men die Ztalieu«r aus Tripolis ütechaupi wieder hrn- austreitett könnte. Sie werden dm letzten Mann und den kctzteu Grofchm daran setzen, um das Land ihrer ehrgeizigen Schuppt zu behmipkw, uud fomii, ist ein Friedeusschluß nur denkbar unter der Beksussetzema. daß die Türkei auf Trstslis verzichtet. Run wird eher durch sie jüngste» (stfmge ter Berteidia.r mm Tripo­lis bicNachgiebigkeiriu Konstantinopel zurSckgedrangt. Im MutterlandfchSpst uran neuen Mut, indem man die Schlapp« der Italiener und Deren Wirkungen zu hoch eiuschätzt. So wird denn auch heute schau gemdbet, daß die Umgestaltung des türkischen Ministec-ums jetzt zu «Zrmften d:- k nm pi­ck n st i gen Richtung erfolgm soll. Es- heißt sogar, daß ter berühmte Mahmud Schewket Pascha, ber bis­herige Kriegsnmnster, ter als Kenner der Schwäche fei­nes Vaterlandes auf erneu friedlichen Ausgleich hin- ar6eiter nunmebr ’urmftreten werde Die Eraiebnno