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M 256.

Samrtag N- ©Kober Ml

58. Jahrgang.

« fuldaer W Leitung

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2. Blatt

Bruck und Verlag der Suibaer Aetiendrnckerei in Zuldo.

(äortjeb'ung folgt).

Aber hat man nicht immer darauf hingewiesen, wie die mittelalterlichsn theologtfchen Schriftsteller stets nur von dem Werte des Ordenslebens reden uni für das weltliche Berufsleben keinen Blick haben? Und ist die Kirchenmoral nicht schon seit der Kir­chenväter Tage zu einer reinen Klostermoral ent­artet, für die es nur ein Erhabenes, ein christliches Ideal gibt, das Kloster- und Ordensleben, nimmer aber das Leben eines werktätigen Berufs?

Mit Verlaub! das ist freilich geschehen und ge­schieht heute noch; aber in ganz tendenziöser Weise. Jedenfalls ist es doch recht merkwürdig, daß man bei der Jagd auf Urteile von Kirchenvätern immer nur solche hervorholt, die das Ordensleben verherr­lichen, und andere, die dasselbe bei dem welt­lichen Berufsleben tun, einfach beiseite läßt? Und warum beachtet man nicht die so „leicht erkenn­bare Tatsache", daß z. B. die Unzahl mittelalterlicher Erbauungsschristen, die hier in Betracht kommen, vorzugsweise, fast ausnahmslos von Ordensleuten verfaßt und für Ordensleute besttnmit waren. (Maus­bach S. 256.)

Und warum hält man nicht neben diese, wie man meint, einseitig das Ordensleben und die Flucht aus der Welt verherrlichenden Schriften von Ordens- lcuten das Verhalten der Kirche selbst zu all den verschiedenen Kulturarbeiten weltlichen Charakters jener Zeit? Da hätte man doch die beste Erklärung darüber, wie die Kirche selbst über solche Angelegenheiten denkt? Einer solchen Betrachtung müßte es doch auffallen, daß dieselbe Kirche, die sie der überspannten Aszese, der übertriebenen Weltflucht und Scheu vor weltlich-irdischer Arbeit beschuldigt, alle solche einseitigen Uebertreibungen, wo immer sie sich hervorgewagt und Einfluß in der Kirche zu ge­winnen suchten, von sich abgeschüttelt und in ihren Konzils- oder Shnodalbeschlüssen verurteilt hat? Wem das noch nicht genug ist, wer geltend machen wollte, das wären nur schöne Worte gewesen, maß­

fielen alle ins Waffer. Schließlich wurde ich Schrei­ber bei einem Rechtsanwalt, weil mein Vater auch nicht einen Dreier herausrückte, überhaupt bekam ich auf meine Briefe gar keine Antwort mehr, und nach Hause zu laufen — zum Fahren hatte ich kein Geld - ja, das brachte ich begreiflicherweise nicht fertig. Aber lange dauerte die Herrlichkeit bei dem Rechts­anwalt auch nicht. Erstens bezahlte er meine Dienste miserabel und dann behandelte er mich auch noch wie einen Haufen Unglück, und da hat mein ftotziges Junkerblut revoltiert, nicht viel hätte gefehlt und das Tintenfaß wäre dem Kerl an den Kopf geflogen. Na, so stand ich denn wieder einmal mit knurrendem Ma­gen auf der Straße und dann ging'S halt immer weiter den Berg hinunter, bis ich vor einer Stunde an deiner Türe klingelte. Mal dir die Details sei-

Wenn das also vor der Reformation als eine selbstverständliche Binsenwahrheit von den Kanzeln gesagt wurde, dann kann die gleiche Aeußemng Luthers nicht unerhört neu und fremd, eine nagel­neue Entdeckring sein, wie seine heutigen Verehrer es haben möchten? ,

Indes, warum fragen sich denn diese letztem nicht auch, wieso denn der Reformator zu dieser scharfen Betonung des irdischen Berufslebens kam, wegen der sie ihn verherrlichen wollen? Sie sind im Irrtum, wenn sie meinen, das wäre geschehen aus einer höher« religiösen Auffassung der Sache heraus. Hier hat Mausbach recht, wenn er sagt:

„Jenes Lob halle bei Luther seinen Grund nicht in einer freiem sittlichen Würdigung der natürlichen Lebenssphäre, sondern wie fast alle Stellen zeigen, in der Feindschaft gegen die .Möncherell, die zum Teil mit der persönlichen Entwicklung Luthers, zum Teil mit der Geringschätzung aller guten Werke zusammen­hing Wer das .geistliche Leben' als Satanswerk ver- achlet und aus der Welt schaffen will, dem bleibt natürlich nichts übrig, als das weltliche Leben zu empfehlen" (@. 268).

Uebrigens, wo ist denn der kulturschöpferische Geist des Protestantismus in den zwei Jahrhunderten nach der Reformation geblieben? Das Wort von Möhler daß es erst der kritischen Zersetzung und Preisgabe des eigentlichen Luthertums bedurft habe, ehe es zu einer neuen Philosophie kam, ein Urteil, m dem sich der Katholik Möhler mit dem Protestanten Lagarde zusammenfindet, ist noch nirgends widerlegt

Wenn nun auch die Anklagen auf Kulturfeindsehast oder Kulturablehnung von teiten des Katholizismus der Berechtigung und der Wahrheit entbehren, so darf doch nicht übersehen werden, daß solche Vor­urteile heute reckst mächtig sind; sie zu widerlegen gibt es ein Mittel, das die Katholiken besonders zu

6er aus."

Eine Pause entftanb. Trütow lag mit gsschlofse- nen Augen und einem harten Zug um den Mund da. Endlich fragte Hakburg: „Und das Mädchen deiner Wahl?"

gebrauchen haben, die energische Beteiligung an allen Aufgaben des modernen Kul­turlebens. Und da sei zum Schluffe noch ein­mal ein Wort von Mausbach angeführt:

„In Zeiten, wo die Kultur als ideale einheillicye Größe kaum erkannt wurde, wo sie als reale Macht dem Christentum keine Schwierigkeit und Gefahr be­reitete, haben erleuchtete Geister danach gestrebt, Glaube und Wissenschaft zu versöhnen, Hal die Kirche sich be­müht, christlichen Geist in alle Beziehungen des Lebens hineinzutragen. Um so mehr ist es heute, wo die Idee der Kulturentwicklung deutlich als göttliches Gesetz erkannt wird, wo die Kultur in ihrer empiri­schen Wirklichkeit gefahrdrohend der Kirche gegenüber« steht, heilige Pflicht der Katholiken, sich nicht scheu aus dem Kampfe und der Arbeit der Welt zurückznziehen, sondern mit den übernatürlichen Kräslen des Chrlsten- tums auf die Welt einzuwirlen, mit dem Lichte und Salze höherer Gedanken und Ziele, Wellgenuß zu verklären und zu würzen" (S. 274).

Für alle die, welche im modemen Leben stehen und Stellung zu nehmen haben zu den großen Problemen des modernen Lebens und deren Zu­spitzung zu einer Anklage gegen dir Kirche, werden in Mausbachs Buch eine reichhaltige Wrsfensammlung finden zu ihrer kriegstüchtigen Ausrüstung.

# Katholizismus und Kulturarbeit'

Daß der Katholizismus der weltlichen Kultur- und Bemfsarbeit innerlich im Grunde ablehnend gegenüberstehe und kein inneres Verhältnis zu der- elben gewinnen könne, gehört zu den Glaubenssätzen, welche der Protestantismus unkritisch mit sich schleppt Daß dieser Wahnglaube seine Wirkungen im heu­tigen Leben weithin in der Bewertung und — Be­handlung der Katholiken von Andersdenkenden er- treckt dürste keinem unbekannt geblieben sein, der einmal den letzten Gründen für diese Bewertung der Katholiken nachgegangen ist. Darum sei hier auf ein glänzendes Werk aufmerksam gemacht, das dieser Frage vom titelten Boden der katholischen Moral nähertritt: das ausgezeichnete Buch von Professor Dr Mansbach (Münster: „Die katholische Mo­ral und ihre Gegner" (Köln 1911, Bachem).

Daß Luther der Reformator in der W e r ts ch ä tz- ung der irdisch-weltlichen Berufsbe­tätigung sei, kann man nachgerade in allen nicht- katholischen Reformationsgeschichten lesen; einer gibt die Weisheit dem andern weiter, der sie einerseits gläubig aufnimmt und — weitergibt. Aber wo hat sich einer die Mühe genommen, die kühne Behauptung auch zu beweisen? Wer den Stolz des mittel­alterlichen Handweits und der Zunstangehörigen kennt, wer außerdem eine Ahnung hat von der inni­gen Verbindung zwischen Zunft und Kirche, der hat nur ein mitleidiges Lächeln für diese Emporschrau­bung der Leistungen des Reformators, der um jeden Preis auch ein sozialer Reformator sein sollte.

lesung. Allein fände ich mich nicht mal mit hundert Talern Monatswechsel durchs Leben, na, usw. Ich bat ihn, mich aufs Gut zu nehmen. Ausgelacht hat er mich, es eile ihm durchaus nicht, Großpapa zu wer­den, und mit dreiundzwanzig Jahren und meinem Leichtsinn heiraten zu wollen, sei eine ausgemachte Dummheit."

Trütow unterbrach für einen Augenblick das Ge­spräch. „Ich hatte das Mädel wahnsinnig lieb", fuhr er fort, „also zog ich ben hellblauen Dragonerrock mit dem gelben Kragen aus. Mein Vater protestierte, entzog mir den Zuschuß und ich, mein Junge, ja, ich bildete mir ein, nach den ©fernen greifen zu können! Nichts gelernt, keine Erfahrungen, in unseren Krei­sen groß geworden, die das Schachern nicht gewöhnt sind, gings rapide bergab. Ja — und das ulkigste! Wenn's mir noch so dreckig ging, meine Phantasie gaukelte mir die tollsten Bilder vor, stundefnweäse wurde ich davon sogar satt. Ich wollte was PHL-

Ausland.

** Kulturkampf in Brasilien? Anfangs Septem­ber wurde der Obere des Franziskanerklosters zum hl. Antonius in Rio be Janeiro, Pater Diogo Frei- tas, ohne vorherige Benachrichtigung von Vertretern der Justiz überrumpelt, dir die sofortige U eb er­gäbe des Klosters und aller Wertsachen, so­wie Räumung des Konvents innerhalb zehn Tagen verlangten. Pater Diogo protestierte als rechtmäßi­ger Vertreter des Klosters und der Provinz. Ver­gebens. Die Justizvertreter drohten die Türe zu erbrechen und den Oberen samt den übrigen sechs Franziskanern ins Gefängnis bringen zu lassen. Der Obere mußte der Gewalt weichen. Alle Säle und Zellen wurden besichtigt und ihre Gegenstände aufge-- zeichnet; das in der Kasse vorrätige Geld, etwa 5000 Mark, die für die in Angriff genommenen Reparatur­arbeiten in Kirche uffd Kloster bestimmt waren, wurde beschlagnahmt. Zum Aerger der Kirchen- ■cinbe bildet das Protokoll die beste Widerlegung des Märchens von den großen Klosterschätzen. Bei beit Söhnen des hl. Franziskus war nicht viel zu holen. Die Regierung gedenkt jedoch den Klosterraub fort­zusetzen. Verschiedene Richter haben bereits Weisun­gen erhalten, damit nach Rio noch die anderen acht der zur Provinz gehörigen Klöster an die Reihe kom­men. Das Kloster in Sao Paulo ist schon seit langer Zeit „leihweise" in den Händen der Regierung, die es für eine Rechtsfakultät eingerichtet hat. Auf die Nachricht von dem Vorgang im Franziskuskloster be­lief die katholische Union der Bundeshaupt- stadt die Katholiken auf den Largo da Cariota in die' unmittelbare Nähe von Kirche und Kloster, damit sie der Vertreibung der Franziskaner beiwohnen sollten/ Den Tag über wurde das Kloster von hoch und nied­rig besucht und den Ordensleuten Unterkunft in Pri­vathäusern usw. angeboten. Der Advokat des Klo­sters und andere einflußreiche Personen bestimmten die Regierung, den Vertreibungsdefehl zurückzuneh­men und ben Franziskanern den Aufenthalt im Klo- fter bis zur gerichtlichen Entscheidung zu gestatten. An der Regelung der Angelegenheit sind fast alle Orden und die Katholiken überhaupt in gleicher Weise interessiert. Kann den Franziskanern ihr Kloster genommen werden — es geschieht das unter dem fadenscheinigen Vorwande, daß die alte Provinz auf­gehört habe zu existieren —, bann blüht dasselbe Los den Benediktinern, Karmelitern usw. Wie hinfällig die Behaupwngen vom Erlöschen der alten Provinz sind, geht auch daraus hervor, daß die Regierung wiederholt offiziell mit dem Ordensobern verhandelt und sie bisher stets als solche anerkannt hat. Die, Gelegenheit zum Vorstoß gegen die Ordensleute ist jedenfalls schleckt gewählt. Die Regierung befindet sich in politischen und ökonomischen Schwierigkeiten solcher Art, daß sie sich doch bedenken wird, ehe sie auch noch die Katholiken als solche auf den Kampf­platz ruft. Von Sao Paulo aus wollen sämtliche katholische Vereine, etwa siebzig an der Zahl, die viele Taufende von Mitgliedern repräsentieren, ge­harnischten Protest nach Rio de Janeiro schicken, und

Lebenstvenöe.

11] Roman von H orft B ödem er.

„Mein Gott, du und ich — sind das Vergleiche!"

Aber Hakburg stand auf, ging ins Nebenzimmer, Md kam mit Wäsche, Kleidern, Strümpfen und Hausschuhen wieder.

Wird für dich alles ein bischen sehr reichlich sein," aber für den Augenblick geht _e8! Tas Haus hat Warmwasserheizung, du brauchst also nur den Hahn aufzudrehen! — Komm, da ist das Bade- Ammer!" ,r m ....

Er lieh Trütow allein, um ihm die Beschämung zu ersparen, seine Lumpen vor ihm auszuziehen. Herrgott, was konnte aus einem Menschen werden!

tuna eines der Wortführer die Aufgabe der Bundes ein^foll Nein, der Evangelische Bund will dm kon- 'effionellm Friedm nt M Da» hat er auf8 neue n Dortmund bewiesen und das ist sicher, solange der Evangelische Bund existiert, wird Dmtschland ben konfessionellen Frieden niemals finden.

In Portugal soll nach dm Behauptungm der Regierung die monarchische Bewegung vollständig ge- cheitert sein. Diese Darstellung ist aber zweifellos alsch Nach ben letzten glaubhaften Meldungen sind die Monarchisten, die unter dem Kommando des Ka- pitäns Conceiro ftanben, zwar geschlagen worden, ha­ben sich jedoch in kleinere Trupps geteilt und beginnen jetzt ben Guerillakrieg gegen die republikanische Re­gierung.

gebenb sei das praktische Verhalten, das praktische 1 JHtarbeiten, das Hand anlegt und kräftig zupackt, so wollm wir auch dem seinen Willen tun und ihn ver­weisen auf die praktische Kulturarbeit, dir kirchliche Kreise, nicht zuletzt die als weltfluchtig Der- (hrienen Ordensleute geleistet haben, und zwar ncht etwa trotz der Kirche, fonbem mit deren aus­drücklichem Segen!

Die Kirche hat t a t s ä ch l i ch der Entfaltung irdi­scher Wissenschaft, Kunst und Betriebsamkeit auch damals, als sie .mächtig' war, den freiesten Spielraum gelassen, sie bat die weltlichen Berufe nicht bloß geduldet, son­dern aetiilligt und gesegnet. Nicht ans bloßer Not, mtt"unruhigem Gewissen haben Priester und Mönche die alten Klassiker gepflegt, Gedichte und Chroniken aeschrieben, Gärten und Weinberge angelegt, Künste und Handwerke betrieben; eine jugendliche Schaffens­lust, eine treuherzige Versenkung in die Schönheiten der Gotteswelt, spricht aus ihren Arbeit en und Bllvern. Nicht bloß um Schätze zu sammeln oder dem Staate Konkurrenz zu machen, hat die Kirche das Zunftwesen unter ihre Obhut genommen, dem Schwerte des Ritters wie der Krone des Königs ihre Weihe gespendet, für den Bau von Wegen oder Brücken Ablässe erteilt, die Schulen der Welt- und Goltesgelehrtheit mit Privi­legien ausgestatlet, sondern aus ernstgemeintem sozialen und humanen Interesse" iS. 256 s)

So sehr war dieser Arbeitsgeist, diese Arbeits- freudigkeit der Gedanke, mit der Arbeit eine Gottes- ijfitAt zu erfüllen, in bas allgemeine Bewußtsein übergegangen, baß selbst Luthers vielzitiertes Wort das als Inbegriff der neuen Auffassung hingestellt wirb nicht einmal ben Reiz der Neuheit mehr hat; wir meinen jenes drastische Wort, bas eine Magd, bte ben Stall auskehrt, ober der Bauernknecht, der drischt, mehr wert sei in Gottes Augen, als wenn der Karthäusermönch seine Psalter „plärrt". Denn noch im Jahre 1501 — die hier ausgesprochene Auffas­sung kann also zur Zeit Luthers nicht der Vergessen­heit anheimgefallen sein — hat der sächsische Domini­kaner Markus von der Weida in Leipzig gepredigt:

Der Mensch soll allroeg d as tun, was seinem Stand und Wesen gebührt und was gut und recht ist. So er das tut, betet er alleweg. Daraus folgt, daß manchen armen Bauer, Ackersmann oder Handwerksmann, auch andere, die ihren Handel oder dasjenige, so fic beginnen, gar dabinsteÜen, bnß ev Gott endlich zu Lobe kommen soll, findet, der mit feiner Arbeit, die er täglich tut, Gott im Himmel angenehmer ist und mehr mit seiner Arbeit verdient bei Gott, denn irgend ein Karthauser, oder andere schwarze, graue und weiße Mönche, die täglich zu Chor stehen, singen und beten" (bei Maus­bach S. 268, vergl. auch Grisar, Luther II, 477 fi.

Nahrung zu setzen und den Verlegern mit ihren Tin- tenergüffen das Leben schwer zu machen!"

„Hälfft du mich denn für dumm?"

„Absolut nicht! Für eine leichtsinnige Fliege, für einen Himmelsstürmer aber ganz gewiß nicht!

„Trotzdem, — den Gefallen wirst du mir tun und den „Tintenerguß" durchackem!"

„Selbswerständlichl Aber mein Junge, mach dir keine Hoffnungen, und außer mir lieft das Kind dei­ner Feder, vorausgesetzt, es ist etwas daran, denn blamieren möchte ich mich nicht, noch mein Sozius und unser literarischer Beirat!"

„Hakburg, tu mir den einzigen Gefallen und durchblättere gleich mal das Geschreibsel!"

„Aber das hat doch bis morgen Zeit!"

„Natürlich muß ich mich deinem Willen fügen!"

„Aber Trütow, was soll denn das heißen?"

„Daß ich gespannt darauf bin, was du von der Arbeit hälfft, und nimm mir's nicht übel, seit langem habe ich keinen so guten Tag erlebt, das Essen, der Grog, das Rumlaufen tagelang haben mich todmüde gemacht!" ,

So schlafe nur, Trütow, morgen ist auch noch em Tag! Aber ich will gern mir deine Arbeit mal gleich flüchtig ansehen."

Er öffnete das Paket. Ein solch „wildes Ma- nuflript hatte er noch nie gesehen. Große und kleine Bogen aus gelbem und weißem Papier, mit zehnerlei Tinte geschrieben, kamen zum Vorschein.

„Schön sieht's ja nicht gerade aus, Hakburg, aber oft fehlten mir die paar Dreier um nur Papier zu kaufen und dann hab ich's auch an allen möglichen Orten zusammengeschrieben, in ben öffentlichen Lese­hallen meistens und ein paar Bogen hab ich ans nem Papierkorb herausgeholt, andere meinem Rechtsan­walt geflaut. Hoffentlich vergibt mir der Herrgott diese Sünde, aber mir hat's in den Fingern gejuckt, ich mußte schreiben!"

Um Hans Heinrichs Mundwinkel zuckte ein Lächeln.

Da lachte der kleine Dragoner spöttisch auf.

„Hab' sie gestern gesehen, — am Arme eines andern! Eines großen, biederen Kerls, taxiere mehr­facher Hausbesitzer!"

„Und sie sah dich auch?"

„Allerdings! Das heißt, sie wendete den Kopf weg und wurde rot, ich sah ja auch toll aus!"

Hakburg fragte nicht weiter, so etwas tat weh, und dem kleinen Kerl, der fein Leben mit einem spöttischen Unterton erzählte, mußte erst wieder Ver­trauen zu seiner eigenen Kraft beigebracht werden. Er wunderte sich über sich selbst. Was hatte ihn das Leben in diesem halben Jahre, seit er den Koller ausgewogen, nicht alles gelehrt? Ihm war's, als fei er vorher mit einer Binde vor ben Augen burch die Welt gegangen.

Nach einiger Zeit fing Trütow wieder an zu reden.

„Ja, weißt du denn, warum ich zu dir gekom­men bin?" —

„Als mein guter Kriegsschulkamerad natürlich!"

Da schüttelte Trütow den Kopf. „Ach du, 'nen verlumpten Kerl hat man nicht zum Freunde, red' gefälligst dir und mir keinen Unsinn ein! Ich hab' dir nämlich was mitgebracht!"

Wider Willen muß Hakburg lachen.

„Du? — Mir,"

„Na ja, das Paket dort!"

„Was ist denn drin?"

„Ein Roman."

„Von dir?"

„Ja!"

Da kann der lange Haktiurg sich beim besten Wil­len nicht mehr halten, er springt auf und lacht und lacht.

„Du, lies mal erst, ich denke, das Lachen wird dir vergehen."

Junge, du bist noch immer der Phantast, wenn du ahntest, wieviele glauben, sie leisten ^erarischet- waS! Was uns an Jrrwitz angeboten imib, über­steigt alle Grenzen. Geradezu krankhaft ist heutzu­tage jeder Unberufene bemüht.,die Papierhandler in

Wochen-Rundschau.

[:] Fulda, 13. Oktober 1911.

Also endlich'

ffMWl U M e "nunmehr beendet sei und die Berattmgen über die Kompensationen ,m Kongo be- könnten Das hat wahrhaftig lange gedauert!

Hoffentlich dauert die Beratung über die Abtretung der Fiebersümpfe im Kongo nicht eben so lange.

Inzwischen bemüht man sich in der französischen Presse durch ein geradezu klägliches Gejammer, es so darzustellen, als ob es sich beim Kongo um ein ge- radezu köstliches Stückchen französischen Vaterlandes handele, das wir den Franzosen abpressen wollten. Ein belannter französischer Schriftsteller hat sogar die Schamlosigkeit besessen, seinen Kongoleitartikel nut ber Ueberfchrist: „Die deutsche Erpressung" zu versehen. Diese Versuche, die Fiebersümpfe Kongos als wert- tzollen französischen Besitz binzustellen, sind einfach lä­cherlich. Es handelt sich dabei eben um nichts arckeres gls um schlaue kaufmännische Tricks, die den Zweck haben, die deutschen Forderungen nach Möglichkeit hinabzuschrauben. Hoffentlich wird sich die deutsche Regierung nicht irre machen lassen

Der türkisch-italienische K r l eg ift in gas zweite Stadium, der Eroberung der Provinz Tri­polis, eingetreten. Zweifellos wird es, wie schon die ersten kleineren Scharmützel gezeigt haben den Italienern schwerer fallen, dieses weite Stück Wüste Militärisch zu durchdringen, als ihnen die Einnahme der Küstenstäbte fiel. In Italien ist bas Volk in eine gerabezu wahnsinnige Kriegsbegeisterung hinemgera- ten und selbst bie Sozialisten und bte Friedensfreunde sind dort zu begeisterten Anhänaern der Raubpolitik Italiens geworden. Giolitti ist der Held des Tages. Die Tückei hat ihre kriegerische Betätigung bisher möglichst eingeschränkt, alle diplomatischen Kunststücke versucht, um möglichst schnell einen für sie ehrenvollen und annehmbaren Frieden zu erreichen. Diese Hal­tung mag den Außenstehenden schwächlich erscheinen, läßt sich aber aus ben äußeren unb inneren Schwie­rigkeiten, unter denen die Türkei gegenwärtig leidet, leicht erklären. Das letzte Mittel der Türkei würde fein, wie kürzlich ein bekannter tückischer Großkauf­mann in einer englischen Zeitung erklärte, daß _ber Sultan zum heiligen Krieg aufforberte. Er würde bann bie Unterstützung eines mächtigen Mannes, Sibi el Senussi, der in geraber Linie von Mohammed- Lieblingsweib abstammen soll, rechnen können- Au hen Wink dieses mohammedanischen Propheten, ber in einer Wüste in Kufra, 500 Meilen vom Nil und noch weiter vom Mittelmeer entfernt, lebt, würben sich 50 Millionen mohammedanischer Fanatiker auf bie Chri­sten stürzen. El Senussi warte nur auf den Rus, um die ganze christliche Welt im Blute eines heiligen Krieges, des f »genannt en „Jehad", zu ertränken. Ita­liens Gier unb die Gleichgültigkeit Europas könnte so zu dem schrecklichsten Völkermorden führen, das die Welt je gesehen habe. Vielleicht spielt bei den Mit­teilungen, die dieser tückische Kaufmann über den geheimnisvollen mohammedanischen Propheten macht, hie orientalische Phantasie eine große Rolle. Aber ein bloßes Gespenst ist dieser El Senussi zweifellos nicht, dafür werden zu genaue Angaben über seine militä­rischen Organisationen, die er in der gesamten islaml- ischen Welt vorgenommen hat, gemacht, soviel ist icher, würde der Sultan zum heiligen Krieg aufru- en, es würde ein großes Morden geben. Hoffentlich ieljt auch die italienische Regierung das rechtzeitig !tn und stellt sich den türkischen Friedensversuchen nicht weiter mit solcher strikten Ablehnung gegenüber.

Der Evangelische Bund hat seine jähr- iche Generalversammlung abgehalten und der Ge- amteindnick der Verhandlungen ist der, daß der Bund >er Alte geblieben ist: ein Verein zur Bekämpfung )er katholischen Kirche. Zwar feierten ihn seine Wort- uhrer als Hort des konfessionellen Friedens und ver- ichexten, daß sie mit ihren „lieben katholischen Mit­bürgern in Frieden leben wollen" aber bie Herren haben von ber Art, wie man ben konfessionellen Frie­den „stiftet und wahrt", immer noch eine ganz eigen­artige Auffassung Die Herren scheinen zu glauben, daß ihre katholischen Mitbürger nur dazu da sind, sich in der schmählichsten Weise in ihren Anschauungen unb Empfindungen beschimpfen zu lassen. Fürwahr eine ganz merkwürdige Weise, den konfessionellen Frie­den zu wahren unb zu stiften, was »ach der Behaup-

„Nun leg dich aus die Chaiselongue, hier die Decke, dort dampft dein Grog!"

„Na, bann Prost! Du anständige Seele!"

„Prost! — Unb nun schieß los, bann wollen wir sehen, ob wir nicht für dich ’nen Ausweg aus diesem Hundeleben finden!"

„Da ist nicht viel zu erzählen! Ein paarmal Schulden gemacht, brummend wurden sie von meinem Vater beglichen, — bis ich eines Tages von ihn trat und sagte: Ich liebe ein armes Mädel, willst jbu für mich bie Kaution stellen? Er zeigte nach mei­ner Stirn und hielt mir eine wohlverdiente Vor­

Auf dem Tische lag das schmutzige Paket, was er wohl da drin hatte? Vorsichttg drückte et mit dem Daumen darauf. Der Inhalt fühlte sich hart an, nomenales erfinden, denn schnell mußte ich doch pielleicht lag fein ganzer Reichtum in dieser sorgsam । haben. Gott, meine Projekte, ein paar Dutzend, .verpackten Pappschachtel. Er hob die ganze Besche- - - - ---- -------- . <. , . »-----

bring hoch, ziemlich schwer war sie. Und bann ging 8 wieder im Zimmer auf unb ab, wohl eine halbe tunbe lang.

Trütow kam hereingestürmt.

»Du, das hat mir aber gut getan! Seit einem halben Jahre habe ich keine Badewanne mehr ge= Jeggn. Und bie frische Wäsche! Richtig neuen Lebensmut bekommt man wieder!"