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38. Jahrgang

Fulda, Samstag den 14. Oktober 1911

Erstes Blatt

J\3 236.

über den

des Gebietes am

und dem Meer mt Besitz der Rebellen find. In Kanton gärt es, ebenso in Nanking. Tie seit Jcch- ren zurückgehaltene Unzuftiedenheit der Bevölke­rung, die Wassersnot, Hunger und Steuerdruck für jeden Streich gegen das Bestehende vorbereitet haben, hrrt nun, nach langen Wehen, ihren gewaltigen Aus­bruch gefunden

Deutsches Reich.

•* Berlin, 13. Okt. 1911. Graf Oskar v. Pla- ten-Hallermund ist zum Hofmarschall des Kaisers ernannt worden. — Der neue amerikanische Botschafter I. G. A. L e i s h m a n ist in Berlin ein- getiDffcn und hat dem Staatssekretär v. Kiderlen- Wächter einen Besuch gemacht- — Der Kronprinz ist bereits am Freitag in Jauemig zu dem angekun- digten Besuch als Jagdgast des Fürstbischofs Dr. Kopp eingetroffen. — Die Wiedereinziehung der neuen Hund er tmarkfch eine und Ausgabe der Noten im alten Format verlangte der Ausschuß der Deutschen HandrlstageS. — Die AnstellungSverhält- niffe der Mikitäranwärter bei der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung find durch einen Er- laß des Handelsministers neu geordnet worden. — Wie einer Nachrichtenstelle mitgeteilt wird, ist ein Gesetzentwurf über die Verleihung von Kohlen- abbauberechtigungen an Private fertig ge­stellt und wird mit größter Wahrscheinlichkeit noch in dieser Tagung des Landtages eingebracht werden.

Ausland.

» Moderne Schulen, lieber die revolutionären Vorgänge in einigen Orten der spanischen Provinz Valenzia veröffentlicht der militärische Redakteur des linksliberalen,Jmparciall einen Artikel, worin er schildert, wie besonders in der Gemünd« Carcagente der Aufruhr entsetzlich tobte. Er er­örtert die Ursache mit den Worten:

„In diesem Orte, der hervorragend sich der Land­wirtschaft widmet, bestand eine sog. modern« l Schul« im Stile der Ferrer und Morral

zurückgerufen werden. ,

** Keine Verminderung der Kontrolwersammlungeu. Der Anregung, die Herbstkontrollversammlungen m Fortfall zu bringen, ist von der Heeresverwaltung nicht stattgegeben worden, obwohl der Reich-tag einen diesbezüglichen Antrag angenommen hatte. Die BezirkSkommandoS haben sich durchweg grgiN

£2 Die Revolution in China.

Nun ist sogar in dem allerkonservativsten Staats- wesen der ganzen Welt eine Empörung im Gange. Auch China, daS alte starre Riesenreich, will der Revolutionsmode huldigen. Es heißt sogar, da« die dortigen Empörer modern genug seien, um stch nicht mit einem Tynastiewcchsel zu begnügen, son­dern gleich die republikanische Staatsform als ihr Ziel hinzustellen.

Es scheint, daß die Chinesen noch radikalere Triebe haben, als die I u n g t ü r k e n. Letztere gin­gen bei der Staatsumwälzung schrittweise und mit vorsichtiger Schonung der bestehenden Formen vor. Erst brach man den A b s o l u t i S m u s des Sultans Abdul Hamid, ohne an seiner Person zu rühren- Als Wdul Hamid eine Gegenrevolution versucht hatte, • wurde er zwar vom Throne vertrieben, aber man hielt an der monarchischen Staaisform und sogar an der­selben Dynastie fest; ein erbberechtigter Prinz aus dem alten Herrscherhaus« wurde zum Sultan gemacht. Die „aufgeklärten" Herren vom jungtürkischen Komitee ha­ben das gewiß nicht aus Pietät getan, aber aus Klugheit, da sie voraussahen, daß die republikanische Verfassung die Einheit des Reiches gefährden würde. Ein persönlicher Herrscher ist am wenigsten dort zu entbehren, wo die Masse des Volkes in dem Mo- parchen zugleich das religiöse Oberhaupt er­blickt.

Die Verschwörer am Jangtsekiang sind nach allem, was man sonst von ihnen fleht und hört, keine bo- fchränkten Stockchinefen nach Art der Boxerhäupt- finge, sondern weltkundige Leute, was stch namentlich darin bekundet, daß sie alle Ausschrettimgen gegen die Fremden sorgfältig zu verhindern suchen, um jede Einmischung des Auslandes in ihre häuslichen Strei­tigkeiten vorzubeugen. Daher sollte man annehmen, daß sie auch wohl wissen, wie wenig reif China für die republikanische Staatsform ist. Wenn sie trotzdem von einer künftigen Republik reden, so erklärt sich ba3 Vielleicht dadurch, daß ihr Hauptziel zunächst die B e* feitigung der gegenwärtigen Mand schu-Dy- vastie ist und daß vorläufig eine andere Dy­nastie, die auf allgemeinen Beifall in dem ganzen Rie­senreiche rechnen könnte, noch nicht auf der Bildfläche erschienen ist. Sollte die Revolution Erfolg haben, so wird wahrscheinlich aus den inneren Kämpfen ein Diktator hervorgehen, der eine neue Dynastie be­gründet.

Im übrigen bietet die aufständische Bewegung im Grunde keine Ueberraschung. Die M a n d s ch u-D y- n a sti e, gegen die sich die Empörung richtet, war im Grunde die Herrschaft eines abgelegenen Minderheits­stammes über ein Reich, dessen Provinzen dem be­vorzugten Mandschustamme fremdartig gegenüber- stehen. Der Respekt vor den gekrönten und den be­amteten Mandschus mußte natürlich darunter leiden, daß die Mandschurei selbst ihre Unabhängigkeit ein- büßte und erst unter die russische, bann nach der Heim­suchung durch den schweren Krieg unter die japanische Oberhoheit fiel. Die persönlichen Verhältnisse der Dynastte beförderten den Rückgang der Autorität. Die Kaiserin-Witwe war eine schr energische und verhält-

Hig finge Frau; mit ihrem Tode erschien die der Dynastie versiegt. Es wirken zwei unselige Sitten verhängnisvoll zusammen: einerseits der Brauch, die Thronfolge einem noch im Kindesalter stehenden Prinzen zu übertragen, sodaß die Regent­schaft, die doch nur eine Ausnahme für den Notfall bilden soll, dort fast zur Regel wird; andererseits die Abgeschlossenheit des sog. Herrschers von der Welt, welche zur körperlichen, griffigen und seelischen Ver­kümmerung des angeblichen „Herrn des Himmels" führt Unter diesen Umständen ist eS eigentlich selbst­verständlich, daß die chinesische Dynastie keine Fühlung mit den militärischen Kräften des Staates hat. Daher ist die Nachricht, daß verschiedene Truppenteile zu den Empörern übergegangen seien, durchaus nicht un­

glaubwürdig.

Auf der anberen Seite ist aber zu beachten, daß in dem alten Riesenreiche keine andere Natm- und See- lenkrast so stark ausgebildet ist, als das Beharrungs­vermögen, das sog. Trägheitsmoment. Die Gegend um Wutschang, wo der chinesische Handel und die ganze Erwerbstätigkeit in besonderer Blüte steht, tft keineswegs typisch für ganz China- Anderswo wird die Anhänglichkeit am Althergebrachten, wozu auch die alte Mandschudvnastie gehört, eine viel größere Wir­kung ausüben. Es ist also wohl möglich, daß auch die Revolution trotz des gefährlich erscheinenden Ansatzes im Sande verläuft. Wir können ja glücklicher Weise die Entwickelung in Ruhe abwarten, solange die Be­wegung sich von fremdenfeindlichen Ausschreitungen fernhält. , „ _

„Das Me stürzt, es ändert sich die Zeit". Das wird auch für China gelten; doch gehen dort die Kul­turuhren viel, viel langsamer, als in Europa.

*

Aus dem vorliegenden Depeschemnaterial ergibt sich über den Stand der Revolution in Mittel- und Südchina das Folgende: Die Provinz Hupe ist im wesentlichen in den Händen der Revolutionäre. Die Hauptstadt Wutschang ist von ihnen er­obert, die Provinzialregierung hat sich für sie er­klärt. Die Arsenale und Munftionsvorröte stehen zu ihrer Verfügung. Die Millionenstadt Hankau, Der Sitz einer großen europäischen Handelskolonie, soll entgegen anderen Meldungen noch von den Re­gierungstruppen gehalten sein, ob aber die Stadt nicht schon morgen gefallen sein wird, ist heute nicht abzissehen. Es erscheint nicht unwahrschein­lich, daß die Unruhen von Setfchuan, die noch vor

△ Zum Prozeß Metternich

Wie kommt es, daß der Prozeß Metternich, 6ct dem es sich im Grunde um ganz banale Betrugs- fälle handelte, die nicht einmal das für sich haben, daß sie originell ausgeführt waren, wochenlang die Oeffentlichkeit aufregen konnte? Es war nicht nur der Skandalfall, daß hier der Träger eines Namens, dessen Stammbaum bis zu den Kreuzrittern zu- rückgeführt werden kann, auf der Anklagebank saß, es war nicht nur, daß ein Neffe deS deutschen Bot­schafters in London deS Betruges beschuldigt war, es war nicht nur, daß wir hier einen Blick in die Kreise eines Telles der „vornehmsten" Berliner Gesellschaft tun konnten, der geradezu erfchreckend war. Nein! DaS Interesse der Oeffentlichkeit be­ruhte darauf, daß mit dem Angeklagten eine Ge­sellschaftsschicht auf der Anklagebank saß, die chre Lebensauffassung auf einer ganz falschen Grund­lage aufbaut.

♦♦ Der Kaiser und der Metternichprozeß. Der Kaiser hat stch über den Metternich-Prozeß sehr ausführlich berichten lassen. Auch die Kaiserin ist Fortgang des Prozesses gründlich unter- orden. Beide haben Anlaß genommen.

diesen Antrag ausgesprochen. ES sind aber andere Erleichterungen für die kontrollpflichligen Mann­schaften verfügt worden. So wird die Versäumnis einer Kontrollversammlung nicht mehr bestraft, der Kontrollpflichtige wird aufgefcrdert, die Kontroll­versammlung eines späteren Jahrganges zu besuchen. Aus häuslichen, beruflichen und gewerblichen Gründen können auch Befreiungen von dem Besuche statt- finden, wenn der bezügliche Antrag genügend begründet wird. Hat kurz vor einer Kontrollvcr- sammlung der Kontrollpflichtige eine Hebung abge­leitet, so bleibt er von dem Besuche der Kontroll­versammlung befreit, wenn ihm hierüber am Schlüsse der Hebung eine Mitteilung gemacht wird. Eine Vermehrung der Kontrollbezirke und der Orte, an denen Kontrollversammlungen stattfinden, ist ebenfalls beabsichtigt.

)( Wird die Prtvatbeamtevvorlage noch von diesem Reichstage erledigt werden 1 Unterrichtete Kreise wollen wissen, daß das Privatbeamtenverstcherungs- gesetz noch in dieser letzten Reichstagstagung zur Verabschiedung gebracht werden soll. Wenigstens sind in allerneuester Zeit aus allen bürgerlichen Parteien Verlautbarungen bekannt geworden, die über die Absicht, die Vorlage zu verabschieden, keinen Zweifel lassen.

□ Der Antimodernisteneid aus dem Hochschul­lehrertag. Ans dem 4. Deutschen Hochschullehrer­tag, der gegenwärtig in Dresden abgehalten wird, sst es zu einer schr überflüssigen Kundgebung gegen den Antimodernisteneid gekommen. Schon im Januar hatte der Ausschuß dieser Vereinigung seine Ansicht dahin ausgesprochen, daß diejenigen Mtt- glieber akademischer Lehrkörper, die den Anttmo- dernisteneid geleistet haben, nicht Mitglieder dieser Vereinigung sein können. Noch verbohrter als diese Erklärung war ein Antrag der Universität Tübingen, wonach der Hochfchullchrertag er- klären sollte, daß mit dem Eid belastete kacholische Gelehrte von den Lehrstühlen deutscher Hochschulen auszuschließen sind. Dieser herausfordernde Antrag wurde in Dresden zwar nicht angenommen, dagegen die Erklärung deS Ausschusses zum Beschluß erhoben. Die Avangs^ Nichtmitglieder der Vereinigung werden sich über diesen Streich ihrer „vorausschatzungslosen' Kolle­gen zu trösten wissen.

0 Kusch dich! Die sozialdemokratisch« Knechtschaft der Linksliberalen erfährt wieder einmal eine grelle Beleuchtung. Bor kurzem hatte der württembergische Reichstagsabg. Hauß­mann einmal eine selbstherrliche Anwandlung und kühn erklärt, die Volkspartei werde bei den nächsten Wahlen ihr« ganze Stoßkraft des Prinzips wegen gegen die Sozialdemokratie richten. Da nahm ich aber die sozialdemokratische Presse Herrn Hauß­mann gehörig vor, und der Erfolg blieb nicht aus. Herr Payer beeilte sich, schleunigst den „Genossen" die Unterwürfigkeit der Freisinnsleute zu versichern. Er erklärte in zwei Versammlungen, Herr Hauß- man« habe das gar nicht so böse gemeint. Aber der .Vorwärts" ist doch sehr verschnupft und rüffelt die Freisinnigen ganz gehörig herunter. So schreibt der.Vorwärts' (Nr. 238),

der naive Beschwichtigungsversuch Payers werde verständlich angesichts der polittschen Lage der Bolls- Partei in Württemberg. In allen von den Bolkspar- teilern gegenwärtig besetzten dortigen Wahlkreisen, so namentlich in dem des »großen Soziallstentöters (Haußmann), habe es die .Sozialdemokratie in der Hand, die Fortschrittskandidäten ,u werfen. Und bet den bevorstehenden Landtagswahlen werde es für die Bolksparteiler noch ungünstiger stehen. In übler Laune schließt der .Vorwärts' seinen Artikel mit fol­genden Worten: „Der Hottentottentummel wurde von der BolkSpartei weidlich gegen uns ausgenutzt. Di« Folge war, daß die Sozialdemokratie von ihren vier Reichstagssitzen drei einbüßte und nur einen — Stutt­gart — behauptete. Diesmal ist die parteipolittsche Lage wesentlich anders. Die Zeiten find vorbei, da die Volkspartei für sozialdemokrattsche Wahlhilfe mit Fußtritten danken konnte. Herr v. Payer scheint daS begriffen zu haben, Herr Konrad Haußmann noch nicht."

Der,Vorwärts' hält es, wir man sieht, mit dem Prinzip: „Kusch dich, ober ich hau dich!" Deut­licher, wie es hier geschieht, kann dem LinkSlibera- USmuS feine Knechtschaft nicht vor Augen geführt werden. Aber der .Vorwärts' kennt seine Lent« genau und weiß, waS er ihnen bieten darf. Der Linksliberalismus hat eben alle Selbstachtung ver- loten, und er wird sich demütig vor der Herren- saufi deS Umsturzes beugen.

♦ Arbeitsnachweisstellen für inländische landwirt­schaftlich« Arbeiter. Eine Konferenz von Ver- tretern der Landwirtschastskammern wird am 24. b. Mts. m Berlin stattfinden, die sich mit allen Be- fttebungen zur Lösung der Landarbeiterfrage beschäf­tigen wird. In erster Linie wird die Frage bet Vermittelung einheimischer Arbeiter verhanbelt werden. Die Landwirtschaftskammern haben stch grundsätzlich zur Aufwendung eigener Mittel für die Errichtung von Arbeitsnachweisen bereit erklärt. Man hofft jedoch, daß auch die Regierung dies« , Bestrebungen in weitgehender Wesse unterstützen wird.

** Für die Wafferesschließung in Südwestaftikü wird der Etat für 1912 erhöhte Mittel anforbern. Das Gouvernement von Deutsch - Südwestasrika ist . in Bittschriften ersucht, Mittel zur Wassererschließung ; in ben neuen Kolonialhaushalt einzustellen. Die ' Kolonialverwaltung will biefen Wünschen Rechnung , tragen.

einem Monat rät so bedrohliches Gesicht gezeigt haben, Zusammenhänge mtt den neuesten Steig» nsssen zeigen und wieder aufflammen werden. DaS Gerücht geht, daß mehrere der großen Flußstädte --- Jangtsekiang zwischen Hankan Besitz der Rebellen find. In

Der in den chinesischen Meldungen öfter genannte Jangtsekiang oder Jangsse ist der größte Fluß Chinas, er gehört mtt zu den größten Sttömen der Wett. Stellenweise ist er mehrere Kilometer breit, und in den Hochwasserzeiten können große Seedam- pfer der Hamburg-Amerika-Linie vom 600 englische Meilen entfernten Ozean ihn befahren. Hankan zählt etwa 800 000 Einwohner und zerfallt in eine Chinesenstadt und eine sich am Strom weit hmziehende Europäerstadt, die vorwiegend von Engländern Rus­sen und Deutschen bewohnt wird. Die Stadt gilt schon jetzt als die Haupthandelszenttale Chinas^DaS benachbarte Hanjang ist eine ausgesprochene Jnbu- striestadt, deren Werke etwa fünftausend Arbeiter be­schäftigen. Hier find große Hütten, in denen daS unterhalb der Stadt in den staatlichen Gruben ge- 'wonnene Erz verhüttet wird- Wutseang ist R^ sidenz- und Garnisonstadt. Hier befindet stch mich die kaiserliche Münze. Die deutschen Einwohner sind hier nicht so zahlreich wie in Hankan, wo viele deut­sche Kaufmannsfamilien wohnen. Alles in allem schätzen rob- im Aufstandsgebiet die Zahl der Deutschen auf 2—300, die Zahl der Europäer überhaupt auf tausend bis zwölfhundert.

* London, 13. Okt. 1911. Bon allen Setten wird eine reißend schnelle Ausdehnung des Aufstands gemeldet. Dr. Sunsatsen, der als Präsident der geplanten neuen chinesischen Re­publik genannt wird, ist eine hier seit vielen Jahren bekannte Persönlichkett. Er sst derselbe chinesische Reformer, den die chinesische Regierung von genau 15 Jahren hier aufheben und in der chinesischen Gesandtschaft einsperren ließ, um ihn in aller Stille nach China zurückzuführen. ES gelang dem Ge» fanqenen damals, einen englischen Freund zu be­nachrichtigen, und Lord Salisbury erwrrtte feine sofortige Freilassung. — Nach dem Pekinger Be- richterftatter der „Times" kann der Krieg stur» nister, der mtt zwei nordischen Divssionen die Er­hebung unterärucken soll, in 14 Tagen Hankan erreichen, wenn die Bahnverbindung nicht unter- brachen wird. Es sollen indes bereits auf einer Strecke von 30 Kilometer die Schienen auf ge» rissen und auch Anstalten getroffen worden sein, um die große Brücke über den Gelben Fluß, den Jangtsekiang, zu sprengen. Die Regierungsbank (Tetsching) meldet, daß rat Arsenal fjanjang zwei Millionen Silber-Taels den Anfftändsschen ht die

Man muß gewiß sehr vorsichtig sein bei der Verallgemeinerung der Erscheinungen, bte ht diesem Sensationsprozeß hervorgetreten 'sind. ES gibt in allen Klassen und Ständen einzelne Entartete, ohne daß man deren Leben und Treiben ohne weiteres als typisch für den Stand oder die Klasse bezeichnen darf. Das Wort: so sind sie alle, hat keine Berechtigung, aber es gibt doch eine „vornehme Jugend" in den Großstädten, dte diesem Grafen, der setzt hinter schwedischen Gar­dinen sitzen muß, gletchwertig sst und sie ist großer als man gemeinigttch annimmt.

Bezeichnend fiir die Lebensauffassung dieser Kreise ist die Frage einer der Verteidiger des Ange­klagten: „Was sollte der junge Gras Metternich tn Berlin anders tun, als er von seinem Vater mtt nur monatlich 80 Mark Zuschuß allein gelassen wurde, als seinen Kredit tn Anspruch nehmen? Wirklich, gab es keine andere Lösung? Wintt nicht gerade in der Millionenstadt für einen Mann mtt tragendem Namen die Arbeit in gar toielertet Gestatt? Konnte dieser junge Gras, anstatt zu be­trügen, anstatt seinen „Kredit" in Anspruch zu nehmen, nicht die Arbeit ht Anspruch nehmen und auf die Arbeit seine neue Existenz aufbauen? Daß diese Möglichkeit hier ganz einfach ntcht in betracht gezogen wttd, wirst ein grelles Schlag- licht auf die Auffassung dieser Kresse. Dte Ar­beit ist entwertet und dafür das Leden tn Genußsucht in maßloser Weise überschätzt. Dte übertriebene Genußsucht dieser Kresse Haiden rangen Habenichts ins Verderben getrieben, tote sie schon so manchen jungen Offizier, so manchen jungen „Lebemann" den Revolver in die Hand gedruckt hat. In diesen Kreisen kann man sich kein Leben ohne Auto und perlenden Champagnertoem denken; die Möglichkett, sich in einer fatalen Situation, tn die man in jugendlichem Leichtsinn hineingeraten ist, durch den Erwerb ehrlicher Arbeit zu rangteten, kommt nicht in Frage. Kredit und »trat Schluß reiche Heirat, das ist nach der Moral dieser Schicht dte einzige Möglichkeit.

Früher wurden Leichtfüße, die ht der Heimat „Dummheiten" gemacht hatten, über den Ozean abgefchoben, wo sie sich dann wieder empor ar- betten konnten. Heute kommen dte „Abgeschobe- neu" schnell wieder zurück. Sie fühlen infolge der ihnen in der Heimat anerzoaenen Lebensauffassung nicht mehr die Kraft in sich, zu sühnen und em ehrlicher Kerl auf eigene Faust zu werden. Nur zwei Möglichketten gibt es: entweder bte Kugel ober weiter ein Leben in Genußsucht.

Die heutige Gesellschaft muß sich bte ernste Frage vorlegen, ob sie nicht mitschuldig ist an dieser verkehrten Lebensauffassung in der modernen „vornehmen" Jugend. Und da muß sie mtt Scham bekennen, daß auch sie in diesen Tagen tn Moabtt auf der Anklagebank saß. Heute wird systematisch die Auffassung großgezogen, als ob nur ein Leben lebenswert sei, das sich alle Genusse ge- ftatten kann. Die Auffassung, daß mir der Verdtmst ans eigener Arbeit die Berechtigung zum Ge- nießen des Lebens gibt, ist längst dahin, unduber daS Wort, daß Arbeit adelt, lächelt man verächtlich. Heute gilt nur der etwas, der Geld auszugeben hat, utto dieses Geld auch mtt Eleganz auszugeben weiß. An der ungeheuren Steigerung der gesell­schaftlichen Ansprüche tragen nicht zuletzt bte Schuld hie Kreise des Großhandels und der Industrie bte mühelos Riesengehälter verdienen und diese dann in einen unerhörten Luxus umsetzen. Auch aus diesen Kressen hat uns der Prozeß ben einen ober den anderen Typ vorgeführt. Die Verdienste, die diese Kresse einheimsen, stehen in keinem Verhältnis zu den wirtschaftlichen Werten, bte sie schaffen, und trotzdem steigen diese Verdienste noch dauernd. Mtt der Steigerug dieser mühelosen Gewtnnste aber wird der Luxus Weitessteigen, und bte gesunde Le­bensauffassung, daß der Mensch nur das wert sst, was er leistet, wird immer mehr schwinden.

DaS Leben muß wieder umgetoertet werden, die Arbeit muß wieder zu Ehren kom­men.

Hände gefallen sind.

Peking, 13. Oft. 1911. Die Rebellen haben den ganzen Süden Chinas mtt Manifesten überschwemmt, die eine freiheitliche Gestaltung beS Landes ankündigen. Zugleich bedroht das Manifest alle diejenigen mtt Todesstrafe, die der Regierung helfen oder die Revolution verraten, die die Frem­den angreifen oder die den Handel fchädigen. Die Agenten der Rebellen eilen von Dorf zu Dorf und rufen die Bevölkerung zu den Waffen.

Peking, 13. Ott. 1911. Die Regierung hat ein neuer Schlag getroffen, die von Hankan nach Szetschwan entfanbten Truppen sind znrückge- kehrt und haben sich bet Revolution ange­schlossen. In Usschang sst eine halbe Division also mehr als 7000 Mann, ins Rebellenlager über­getreten. Den Revolutionären ist es gelungen, auf der Strecke Hankau-Peking heute 13 Eisenbahn­brücken in die Luft zu sprengen, um bte Truppen aus Peking am Vordringen zu hindern. Die Einnahme von Hanjang hat ben Revolutio­nären bas große Arsen al.in bte Hände gespielt, in dem große Quantitäten Munition für Infan­terie und Artillerie lagern. Das Arsenal ist nach deutschem Muster mtt Kruppschen Maschinen aus­gerüstet. Dadurch sind die Rebellentruppen in der Lage, sich jebergett mit Munitionsvorräten und mo­dernen Waffen zu vessehen, während die aus Pe­king ausrückenden Truppen alle Kriegsvorräte in einem ungeheuren Troß mit sich führen müssen.

Hankan, 13. Okt. 1911. Die treu gebliebe­nen Schiffer fangen an, zu den Revolutionären, die in Wutschang und Hankan strenge Ordnung hal­ten, überzugehen. Marodeure und Brand­stifter werden streng bestraft. Allein m der letzten Nacht wurden fünf hingerichtet. Die Re­volutionäre selbst haben nur bte Verwaltungsge­bäude und die Häuser der Mandarinen in Brand gesteckt.

London, 13. Ott. 1911. Wie das Reutessche Bureau aus Hankau meldet, kam es heute nacht zu einem Massaker unter den Mandschu- f a m i I i e n. Die Gefängnisse wurden geöffnet und die Strästinge entstohen. Die Revolutionäre sind der Ansicht, daß sie imstande sein werden, den Geg­ner niederzuzwingen.

London, 13. Ott. 1911. In Peking werden außerordentliche Vorsichtsmaßregeln ge­troffen. Die Stadt selbst wird in Verteidigungs­zustand gesetzt. Schwer bewaffnete Soldaten und Polizei bewachen die Häufer der Prinzen und hohen Beamten. Alle Stadttore werden ebenfalls bewacht.

richtet worden. Beide haben Anlaß genommen, wiederholentlich ihr tiefstes Bedauern über die un­angenehmen Erscheinungen auszusprechen, welche der Prozeß aufgebeett hat. Den Offizieren werden die Erlasse, in welchen größte Sparsamkett und Einfachheit empfohlen wird, in das Gedächtnis