M 256.
Seestag H. Ml
38. Jahrgang.
" fuldaer» Zeitung
5. Blatt.
vrock nnb Verlag der Fuldaer Actiendrnckerel in Sulla.
x Krieg MAN Men M der Mel. Tie Franziskaner in Tripolis.
Mit Besorgnis schaut in diesen Tagen der kriegerischen Wirren die katholische Kirche auf chre Missionen im Orient. Gar manche junge Saat des christlichen Glaubens wird wohl dem aufs neue entfachten Fanatismus der Jslamiten zum Opfer fallen. In T r i p o l i s haben die Franziskaner schon seit beit Anfängen ihres Ordens eine reiche und opfervolle Missionstätigkeit ausgeübt. Im Jahre 1643 wurde ihnen von der Propaganda die Mission von Tripolis und Kyräne offiziell übertragen. Mit unsäglicher Mühe und unter nicht beschreib- lichen Opfern arbeiteten sie daselbst im steinigen Weinberge des Herrn. Sie errichteten Krankenhäuser, Schulen und Waisenanstalten. Der Fana- tisinus der Mosleminen nötigte sie, mehr im stillen für die christliche Religion zu werben. Meist schickten sie die, die willens waren Christ zu werden, nach Europa. Seit 1908 sind die Franziskaner von Mailand mit der Mission in Tripolis bedacht. Die öffentliche Verkündigung des christlichen Glaubens ist ihnen indes daselbst von der Regierung verboten; sie müffen sich auf Private Propaganda und auf die Tätigkeit in den Schulen beschränken. Der derzeitige Apostolische Präfekt Dr. p. Bonaventura Rosetti hat daher auch fein Augenmerk auf die Schulen gelenkt und auf diesem Gebiete auch durch die * Berufung der Maristenbrüder, der Franziskanerinnen und Josephsschwestern manchen schönen Erfolg erzielt. Wenngleich in den Schulen kein Religions- unterricht gegeben werden darf, so gewinnt doch das ganze Auftreten der Ordensleute die jugendlichen Gemüter, macht sie dem Christentum geneigt und zerstreut viele Vorurteile der Eltern. Oftmals gelingt es ihnen, Kindern von Ilngläuigen in der Todesstunde noch die hl. Taufe zu spenden. Dieser Gnade wurden im Jahre 1908 nicht weniger als 274 Kinder teilhaftig, während die Zahl der bekehrten Mosleminen nur 8 betrug. In Tripolis dem Sitz des Apostolischen Präfekten, versehen die Maristenbrüder eine Knabenschule, die Josephsschwestern eine Mädchenschule. In D e r n a wirken die Franziskanerinnen in der Mädchenschule. Während des Jahres 1908 wurden die vier Schulen von 280 Kindern besucht; von diesen waren 157 katholisch, 50 Dissidenten, 66 mohammedanisch und 13 jüdisch. 13 Franziskaner und Schulbrüder unterrichteten an denselben. Die 5 Mädchenschulen, an denen 25 Schwestern Unterricht erteilen, wurden von 358 katholischen, 238 jüdischen, 21 mohammedanischen und 60 Dissidentenkindern besucht.
Nicht geringen Einfluß auf die mohammedanische Bevölkerung erhält die Mission auch durch das charitatwe Wirken. Ihre 6 Apotheken wurden allein im Jahre 1908 von 53 151 Kranken, zum größten Teile Mohammedanern, in Anspruch genommen. Um die Herzen der Ungläubigen der christlichen Religion zugänglich zu machen, haben die Patres auch ein Krankenhaus gebaut, worin Kranke jeglicher Religion Aufnahme finden. Das gesamte Missionspersonal besteht aus 15 Priestern, 23 Laienbrüdern, und 36 Schwestern. Stationen be- sinden sich zu Tripolis, Mescia, Koms, Benghasi, Bercas und Derna. Auf der letztgenannten Station wurde im Jahre 1908 in der Nacht vom 22. auf den 23. März der junge, tapfere P. JustinPacini durch einen Moslemin in seinem eigenen Zimmer meuchlings ermordet. Unter den größten Opfern hatte der junge mutige Missionar den Grundstein zu einer katholischen »Kirche gelegt und diefelbe so ziemlich sertiggestellt, pa fiel er als Opfer fernes apostolischen Eifers unter dem Mordstahl.
Leider herrscht auch in Tripolis noch der Sklavenhandel. Der belgische Franziskaner p. Paulus Lieckens berichtet als Augenzeuge am 5. März 1908: Der Sklavenhandel wird in diesem armen Lande wie ehedem betrieben. Der Markt unserer kleinen Stadt wimmelt von Sklavenhändlern, während lange Karawanen von den Grenzen des französischen und englischen Sudan hierher kommen, um dieselbe mit „Ware" zu versehen. Mit seltenen Ausnahmen hält jede Familie Banghazizi's einen oder zwei Sklaven zu chrer Bedienung. Die Beduinen machen die Sklaven zu ihren Schaf- und Rinderhirten. Mit der größten und unerhörtesten
Grausamkeit werden diese arme Geschöpse von ihrem Herrn behandelt. Sie gelten üben als Sache, über die der Herr nach Beliäien verfügen kann. Leider besteht für diese Aermsten kein schützendes Gesetz. Trotz mannigfacher internationaler Maßnahmen fährt man fort, die wehrlosen Reger zu verschachern. Die Statfftik der letzten Jahre hat gezeigt, daß die Mission in Tripolis lebensfähig ist. (Bgl. p. A. Groetken ö. F. M-, Die Missionsarbeit der Franziskaner in der Gegenwart. Trier 1911.) Möge ihr der Krieg nicht ein jähes Ende bereiten!
In einem Schreiben an den p. General der Franziskaner erbat sich der italienische Kriegsmini- ster eine Anzahl Patres als Feldgeistliche für den Kriegszug. Es wurden ihm 45 Patres zu diesem Ende zur Verfügung gestellt. Am 7. Oktober reisten 6 derselben nach Tripolis ab. Andere werden folgen.
Amt Geisa und Umgebung.
* Vacha, 14. Okt. 1911. Am Sonntag, den 22. Okt., nachm. 4 Uhr, hält der Katholische Männerverein Vacha seine Generalversammlung im Hotel „Weimarischer Hof" ab. — Der Gewerbe-Verein Vacha beabsichtigt auch in diesem Herbst bei genügender Beteiligung unter Leitung des Herrn Lehrer Eckardt eine» Meisterkursus zu veranstalten. Es werde» auch Nichtmitglieder zugelassen.
* Dermbach, 13. Okt. 1911. Dienstag, 24. Oktober, findet die Herbsthauptkonferenz für die Lehrer des 4. Verwaltungsbezirkes statt. Um 10’/< Uhr wird die Konferenz im Saale des „Sächsischen Hofes* durch Schulrat Heiland eröffnet werden. Lehrer Perseke in Otzbach referiert sodann über daS Thema: „Gesundheitspflege in der Schule.'
* Kaltennordheim, 13. Okt. 1911. Der hiesigen freiwilligen Sanitätskolonne ist durch Verfügung des preuß. Kriegsministeriums die Zulaffung zur Unterstützung deS Kriegssanitätsdienstes erteilt worden.
* Salzungen, 13. Okt. 1911. Dem Kaufmann Oskar Ritz auS Dorndorf, welcher sich geschäftlich hier aufhielt, wurde sein Fahrrad int Restaurant „Zum Hirsch' gestohlen. Obwohl sofort polizeiliche Hilke in Anspruch genommen wurde, konnte man des Täter» bisher nicht habhaft werden.
* Occhsen, 13. Okt. 1911. In der Kantine der Gewerkschaft „Heiligenmühle" kam es zwischen zwei Arbeitern zu einem Streit, der in Tätlichkeiten ausartete und in deflen Verlauf der Arbeiter K. seinen Kollegen mit einem Stock ein Auge ausschlug. — Als der Landwirt Nikol. Schrot von hier mit seinem Geschirr von Wölferbütt kam, wurde der Wagen des Sch. durch Arbeiter aus Gehaus angehalten. Letztere tiff en ihm die Zügel und die Peitsche aus der Hand und fuhren nach Gehaus. Dort ließen sie daß Geschirr vor einer Wirtschaft stehen und veranstalteten dort ein Zechgelage. Unterwegs hatten sie dermaßen mit dem Geschirr gejagt, daß das Handpferd nicht unerhebliche Beinwunden davontrug. Gegen die rüden Burschen ist Strafantrag gestellt worden.
* Aus Thüringen, 14. Okt. 1911. Im Heimschen Anwesen in Blumenrad bei Koburg brach Feuer aus, wodurch Wohnhaus, Scheuer und Stallung ein- geäschert wurden. — Die alte Gasanstalt in Weimar wurde für 138 000 Mack an die preußische Staatsbahnoerwaltung veckauft. — Binnen wenigen Tagen wurden in Jena zwei Roßschlächtereien er- Achtet. — Das Schwurgericht in Erfurt verurteilte den Geschirrführer Jakob Sailer von dort wegen Totschlags zu fünf Jahren Gefängnis. Er hatte zu Pfingsten seine Frau getötet.
A«5 Gberheffen u. -en heff. Aemtern.
♦ Marburg, 14. Oktober 1911. Das Luftschiff „Schwaben' kommt leider nicht nach Marburg, weil sich die nötige Anzahl Fahrgäste nicht gefunden hat. — Mit dem Bau der hiesigen Wanderer- arbeitsstätte wurde bereits begonnen. — Im nahen Wetter wird ein Berschönerungsver- ein ins Leben treten.
* Ziegenhain, 14. Ott. 1911. In der Nähe des Nordbahnhofs geriet daS Auto eines hiefigeu Einwohners in Brand. Zum Glück brannte das Benzin in dem Behälter aus, sodaß kein weiterer Schaden entstanden ist. Ein gerade deS Weges kommender Wagen nahm daS Auto dann tnS Schlepptau.
* Wabern, 14. Ott. 1911. Um da» Bahn- Projekt Hersfeld —Homberg —Wabern mehr zu fördern, soll eine Bittschrift an den Herrn Eisenbahnminister abgesandt werden und eine gewählte Deputation die Wünsche der Jntereffenten an hoher Stelle persönlich zum Vortrage bringen. Die Bittschrift ist nunmehr fertig gestellt worden und wird den Gemeinden zur Sammlung der Unterschriften zugehen.
* Homberg, 14. Okt. 1911. Drei Zöglinge der Zwangs-ErziehungSanstalt Rengshausen, welche dort durchgebrannt waren, wurden hier eingefangen. Die hiesige Polizei war telephonisch von der Flucht in Kenntnis gesetzt worden. Zwei anderen ebenfalls mitentsprungenen Zwangszöglingen gelang eS, in der Richtung nach Mühlhausen zu entkommen.
* Fritzlar, 13. Okt. 1911. Bei der 200 Kilometer Radsahr-Wsttfahrt am Sonntag, den 22. ds. MtS., die von der Allgemeinen Radfahrer- Union, Konsulat Kassel, veranstaltet wird, wird auch unsere Stadt berührt roetben. Da sich schon 60 fremde Radfahrer zur Teilnahme an der Fahri gemeldet haben, verspricht die Veranstaltung sehr intereffant zu werden. Start und Ziel ist Rothenditmold.
vermischter.
** Der Ausstand der Kölner Elektromonteure, der seit zehn Wochen die Bautätigkeit lahmgelegt hat, tft betgelegt worden. Die Ausständigen haben die Arbeit wieder ausgenommen.
* Das Berliner Metropoltheater, die Stätte der von Paris übernommenen Jcchresrebuen, kann in diesem Jahre 20 Prozent Dividende verteilen! Ein Beweis, daß es den Berlinern nicht an Geld fehlt, und daß die leichtgeschürzte Varitee- und Operettenkunst in der Reichshauptstadt die die meisten Verchrer findet, denn ein der ernsten Kunst dienendes Theater, das in der Lage Ware, seine Aktionäre mit 20 Prozent Dividende zu erfreuen, dürfte in das Reich der Fabel zu verweisen sein.
* Ein eigentümliches Versehen ist dem Reichsanzeiger passiert. Am 11. September hatte er in seinem amtlichen Teil die Notiz gebracht: Schaumburg-Lippe. Seine hochfürstliche Durchlaucht der Fürst Georg hat gestern sein 67. Lebensjahr vollendet. Der Geburtstag des Landesherrn wurde in der Stadt und Land festlich begangen. Fürst Georg ist aber beretts am 29. April 1911 gestorben. Die in dem Fürstentum veranstaltete Feier war eine Gedenffeier an seinen Tod.
* Eine vielsagende Anzeige steht in dem in Horb in Württemberg erscheinenden Amtsblatt. Sie lautet: „Meiner werten Kundschaft aus Stadt und Land teile ich mit, daß ich von heute an nicht mehr Gerichtsvollzieher bin, u. verbinde damit das Ersuchen, mich in Zukunft nicht mehr scheel anschauen zu wollen. Hausmeister Kleindienst, Gerichtsvollzieher außer Dienst."
* I« den Dolomite« stürzte der deutsche Lehrer Fritz und der Bergführer Fave von der Siwwand des Rodella im Fassatal a b. Beide wurden in einer Schlucht mit zerschmetterten Gliedern tot aufgefunden.
* Ermordung eines Ovambohäuptlings in Süd- westafrika. Der Häuptling Mandume des größten Ovambostainmes der Kuajamas fft von seinen eigenen Stammesgenoffen getötet worden. Dieser Stamm gehört teils zu Deutsch-Südwestafrika, teils zu Portugiesisch-Angola, stellt unter den Ovarn- stämmen die meisten Arbeiter für die Otaviminen, Lüderitzbuchter Diamantenfelder und Bahnbauten, fft aber von jeher als der unruhigste und räuberischste Ovambostamm bekannt. In seinem Gebiet befinden sich vier deutsche evangelische Missionsanstalten (Barmen) und eine portugiesisch-französische katholische Missionsanstalt.
— Kathederblüte. „Napoleon stand schon mit einem Fuße in Deutschland, während er mit dem anderen in Frankreich Armeen aus dem Boden stampfte.'
Literarisches.
Berleserlifte« für Schriftsteller. Herausgegeben von der Redaktion der Feder, Berlin W., Goltzstr. 23. Preis 1,60 dH, geb. 2,00 dH.
Das Buch enthält das gesamte Material, das Schriftstellern aller Fächer dazu dienen soll, geeignete Verleger für Bücher aller Art zu finden. Den Ber- legerlisten (nebst Verlagsbedingungen eines großen Teiles der Verleger) sind auch Berlagsverttäge, eine Kritikerliste und eine Anleitung zum Selbstverlag bei- gefügt. Der Hauptzweck des Buches soll der sein, den Schriftstellern honorierende Verleger nachzuweisen und ihnen die Herstellungskosten zu ersparen, zu deren Tragen sie von spekulativen BureauS veranlaßt werden.
Albert ber Selige von Oberaltaich O. S. B. Graf von
Zollern-Hachenberg, Haigerloch. Von Tugen Mack. Rottenburg a. N. (Württ.), Wilhelm Bader, 1911. 70 Seiten (mit einem Vollbild), 1 Mark.
Eine auf dem heimallichen Boden und von den Geschichtsschreibern seines Hauses zu Unrecht vergessene, aber in und um Oberaltaich seit Jahrhunderten hochverehrte Zierde des edlen Zollernstammes, ein Mann der Innerlichkeit, eine Himmelsblume im Garten christlicher Mystik, ein Helfer der Aussätzigen, eine Adelsseele, ein Cdelmensch durch und durch wird uns in diesem geschichtlich treuen Lebensbild vor Augen geführt.
Gold, Edelsteine und Perlen oder die Zeremonien und Gebete bei der heil. Messe. Von P. Plazi- dus Banz, O. S. B. In zweifarbigem Druck, 240 Seiten. In Leinwand mit Goldtitel, Rundecken, Roischnitt <M, 8.—; Einsiedln, Waldshut, Köln a. Rh., Verlagsanstalt Benziger u. Co. A.-G.
Verständnis der beim heiligen Meßopfer vorkommenden Zeremonien und Gebete will das schmuck, mit Zweifarbendruck auSgeftatteie Büchlein dem Leser der- Mitteln. Auch die zur Feier der hl. Messe notwendigen Gegenstände: Altar, Kruzifix, Lichter, Kelch, heilige Gewänder usw. finden gebührende Würdigung. Nicht in monotoner Schulsprache behandelt der Autor die für jeden Katholken so wichtigen Themen, sondern sein SBort ist lebendig, frisch, packend, ja es lockt die gehaltvolle, bilderreiche Darstellung den Leser förmlich zur Fortsetzung der Lektüre. Mitunter eingestreute anziehende Erzählungen und treffende Beiftüele auS der Geschichte und dem praktischen Alltagsleben wirken wie schön ausgesührte sinnreiche Illustrationen.
Haudel n«d Industrie.
* Berlin, 13. Okt. 1911. An der heutigen Börse setzte sich die Aufwärtsbewegung ber Kurse fort Am lebhaftesten gestalteten sich die Umsätze auf dem Montanmartte, wo eS zu Preisver« defferungen bis zu 2 Prozent kam. Auf dem Boden« martte herrschte Festigkeit. EchiffahckSattien ruhig bei behaupteten Kursen; Elektrizitätswerte ea. 1 Prozent höher.
Reklamen- und Anzeigenteil.
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Kleines Fenilleton
— D«r Ursprung des Namens unserer Münzen. Obwohl erst nach dem Krieg 1870/71 in Deutschland die Markwährung eingeführt wurde, ist der Name der Grundmünze, der „Mark", doch eine der ältesten Münzbezeichnungen. Das Wort bedeutet Nichts anderes als „Marke". In Köln befindet sich noch jetzt em Musterexemplar aus dem Jahre 1705 im Silbergewicht von fast 234 Gramm. Die Mark war aber eigentlich nur die Hälfte des in 32 Lot geteilten Kölnischen Pfundes. Nach dieser Kölnischen Mark richteten sich alle anderen Münzprägungen, z. B. gab es auch eine Wiener Mark, eine alte Pariser „marc", eine holländische Troymark, in Italien, Spanien und Portugal ein „marco" usw. Auf den alten Talern konnte man Noch lesen „16 ein Pfund fein", obwohl der «Silber« inert immer mehr herabging. Auch unser neuer T a l er, das Dreimarkstück, ist, bei Licht besehen, keine drei Mack wert, sondern nur etwa 1,10 M\ Auch die Talerbezeichnung ist schon sehr alt; 1518, bot fast 400 Jahren erblickte die so benannte Münze das Licht der Welt, und zwar in der böhmischen Bergwerkstatt Joachimsthal, die damals dem Grafen Schlick untertänig war und deshabl auch auf der einen Seite dessen Wappentier, einen Löwen, zeigte, auf, der andern aber den heiligen Joachim. Graf Schlick prägte diese Münze, um den Geldver- kchr zu erleichtern. Rechnete man doch vorher nach „Schockgroschen" und „Pfennigpfunden". Der Taler hieß ursprünglich „Joachimstaler Dickgroschen". Das war natürlich ein Recht länglicher Name, weshalb man bald kurzweg „Joachimstaler" und später Br nur „Taler" sagte. Der Ursprung unseres fennigs fft zweffelhaft. Die einen sagen, das ort hänge mit Pfand, pfänden zusammen, die anderen meinen, die Bezeichnung beziehe sich auf die fchlüffelförmige älteste Form der Kleinmünzen, die einer „Pfanne" ähnlich war, und wieder andere testen sie vom keltischen Wocke „den" ab. das Kopf
bedeutet. Zweifellos hat England feinen Penny viel eher gehabt, als wir unseren Pfennig. Bezeichnend fft aber, wie sehr man ehedem den Pfennig tn Ehren hielt, denn man spricht noch heute von seinem Notpfennig, Zehrpfennig, Sparpfennig usw. Später sagte man auch Notgroschen, Spargroschen usw., well man wohl einsah, daß man mst einem Pfennig nicht gar zu west kommt. Der Name Groschen entspricht dem lateinischen „grossus", d. h. dick, als Gegensatz zu den uralten dünnen, fchüssel- artigen, einseitig geprägten „Brakteaten", d. h. Blechmünzen. Solche „dicke" Münzen, also Groschen, gibt es erst seit dem 13. Jahrhundert; die ersten in Böhmen und m den Niederlanden. =vs
— Experimente mit lateinischer und deutscher^ Schrift. Zu dem lebhaften Meinungsaustausch über die Vorzüge der lateinischen und deutschen Schrift, der in jüngster Zeit stattsand, steuert Prof. Dr. Groe- nouw in der „Umschau" einen interessanten Beittag bei. Er hat Versuche augestellt, durch die er die Frage beantworten wollte, welche der beiden Schriftarten leichter zu lesen ober zu schreiben ist, um so eine gesichertere Unterlage zu erhalten als die bisherigen subjcktiven Beobachtungen und Eindrücke fle geben konnten. Es wurden möglichst verschieden gestaltete Versuchsreihen anggordnet, bei denen zwei verschiedene Romantefte, der eine in Antiqua (lateinisch), der andere in Frakttir (deutsch) gedmckt, vorgelegt wurden. Dabei ergab sich, daß bei einem 3 bis 5 Minuten lang dauernden Diktat durchschnittlich in einer Minute 34 deutsche und 39 lateinische Silben geschrieben wurden, mit lateinischer Schrift also 15 Proz. mehr; man kann so mit lateinischer Schrift in 7 Stunden so viel schreiben wie mit deutscher in 8. Die Versuchspersonen beherrschten natürlich beide Schriftart« mst gleicher Gewandtheit; mit einer Ausnahme bedienten sie sich in ber Regel der deutschen Schrift. Von den deutsch geschriebenen Distalen konnte Professor Groenouw ht der Minute 341 Silben, von den lateinischen aber 358 Silben, also 5 Proz. mehr lesen. Ganz so deutlich waren die Unterschiede beim Lesen von Druckschrift nicht. Beim me- ch-mischen Herunterlesen eines Testes wurde unter
9 Doppelveffuchen 7mal Antiqua schneller gelesen, und 9 bis 50 Silben in ber Minute mehr, während aber auch bei zwei Versuchen der deuffche Druck rascher gelesen wurde, und zwar 17 bis 39 Silben in ber Minute mehr. Beim lauten Vorlesen ergaben sich durchschnittlich 344 Silben von der deutschen Druckschrift gegenüber 365 von der lateinischen in einer Minute. Im allgemeinen ist die lateinische Schrift also auch hinsichtlich ihrer LeSbackeit der deutschen etwas, wenn auch nur wenig, überlegen. Daß sie schneller zu schreiben ist, beruht darauf, daß sie weniger Feberzüge erfordert als die andere, das kleine deutsche a z. B. 6 gegenüber nur 2 beim lateinischen. Groenouw konnte 82 deutsche e und 120 lateinische in einer Minute schreiben. Daß die lateinische Druckschrift von den meisten Personen etwas schneller gelesen wird als die deutsche, wird auf eine Reihe von Gründen zurückgeführt, vor allem darauf, baß einzelne deutsche Buchstaben, namentlich große, ttotz ihrer Kompliziestheit sich nur wenig von einander unterscheiden und zum Erkennen daher etwas längere Zeit beanspruchen.
— Die Jagd nach Ackererde hat bekanntlich Spaniens wirtschaftlicher und damft politischer Niedergang verschuldet. Man hat den Wald fast im ganzen Lande ausgerottet und damit wider Willen erreicht, daß das Klima trockener, für ersprießlichen Ackerbau zu trocken, wurde. In Deutschland wandelt man hier und da denselben Weg, und nur engbe- grenzte Kreise sind schon heute von der Einsicht überzeugt, daß das Wohl der Allgemeinheit über dem Interesse des Einzelnen steht. In der Richtung dieser Reformgedanken liegt die belehrende Anregung der Tierschutzvereine, Vogelhecken wieder an» zulegen: „Nachdem ber Boden rigolt und von Wurzeln, Steinen und dergleichen gereinigt ist, werden Setzlinge von Weiß- imb Schwarzdorn, Weißbuche und Brombeere reihenweise in Abständen von durchschnittlich 70 Zentimeter eingebracht und dazwischen einige Nadelholzpflänzchen gesetzt. Nach zwei Jahren werden die Pflanzen fast glatt am Boden ab- aeschnitten, worauf auS den tm Erdreich verbliebenen Stümpfen und Wurzeln neue Triebe ent
stehen, wodurch nun erst die erforderliche Dichte der Pflanzung erreicht wird. Wildernde Katzen tote anderes Raubzeug können infolge der dornigen und stacheligen Bewehrung der Pflänzlinge nicht mehr eindringen. Schafft man durch Hundsrosen rings um die Hecke noch eine Schutzwehr, so wird selbst nesterplündernden Menschen das schändliche Handwerk gelegt." Diese Hecken find besonders als natürliche und feste Grenze zu schätzen und gewähren auch dem Auge einen -erfreulicheren Anblick als die heute überall üblichen so kalt-nüchternen Draht- zäune. a
— Die größten Gehälter. Bis jetzt waren die höchsten Gehäster in Amerika, dem Lande der unbegrenzten Möglichkellen, zu suchen. An erster Stelle stand Herr Charles Schwab, der Direktor des Stahl- ttustes, welcher jährlich ein Gehalt von 100 000 Dollars empfing, also ungefähr 400000 Mark. Die Aktionäre fanden aber, daß ein solches Gehalt übertrieben war, und der arme Teufel bekommt jetzt nur 200 000 Mark. Auf diese Weise verliert Amerika den Weltrekord des größten Gehaltes, denn Sir Trevar, ber Direktor der Schiffsbaugesellschaft Sons and Maxims m London, erhält das hübsche Gehalt von 220 000 Mark. Aus bet Einkommensteuerliste erfahren wir, daß 202 Angestellte in England 160 000 Mark verdienen. In Deutschland empfängt der Diocktor der Kruppschen Fabrik 200 000 Mark Gehalt. Em SchiffS- bauingmieur und der Direkwr einer westfälischen Berg- werksaktiengesellschast erhalten ebenfalls 160000 Mk. jährlich. In Frankreich find dagegen solche Gehätter eine Sellenhell. '»•
— „Unser Oberbürgermeister taucht nicht". Vor einem Kölner Gericht wickelte sich ein Prozeß ab, in dem einige Hafenarbeiter und ein Taucher als Zeugen vernommen wurden und dann je zwei Mark Zeugengebühr erhielten. Der Taucher war damll nicht zufrieden und verlangte 20 Mark mit ber Begründung, er verdiene manchmal in bet gleichen Zett noch mehr. Der Gerichtsbeamte weigerte sich, den Betrag auszu- zahlen und meinte: „Soviel verdient ja unser Oberbürgermeister nicht." Der Zeuge antwortete prompt; .Unfer jDbcrbüraermäfter taucht auch nicht!"