M 231.
Montag 9. Stto-er 19 tt
38. Jahrgang.
fuldaer U Zeitung
2. Blatt.
vruck und Verleg bet Jaltaer KdltHtanrferei In Julbo.
Reklamen» und Anzeigenteil.
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XT”- , , , r . .. _ auf!' Hakbura schoß vorläufig dreißigtausend Mark
Em Buchverlag war nach feinem Geschmack Er. fa '&Q§ n^Xnen ein, aus dem eine Gesellschaft mit
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ttr, ja als „Lese-Ratte" im Kadettenkorps und im egiment verschrien gewesen. Ja, das war ein präch- iger Gedanke! Und als er beim Mittagessen mit Mein Rollen zusammentraf, teilte er ihr sofort die mliche Botschaft mit.
Amt Selsa und Umgebung.
* Geisa, 9. Oll. 1911. Am ersten Oktobersonniag fand hier im Saale des Gasthauses „Zur Linde" das Sommerschlußturnen des hiesigen Turnvereins statt. Um 3 Uh: begannen die Wcttübungen und es wurde hier mit regem Eifer und großer Anstrengung um den Lorbeerkranz gekämpft. Als erste Sieger gingen die aktiven Turner Bader und Büchel und die Zöglinge Müller und Wetzel aus dem Kampfe hervor. Die Preisverteftung erfolgte abends unter lebhafter Begeisterung aller Anwefenden. Der schöne Tag wurde noch verherrlicht durch Stabübungen unö Stellung zweier Pyramiden; besonders die von einer Musterriege ausgeführten „Reck- und Turnübungen' erweckten unter den Zuschauern großes Interesse und wurden die Leistungen unseres noch so jungen Vereins allgemein bewundert.
* Bach-, 8. Oft. 1911 Der hiesige I. Vorfchuß- verein hat aus Anlaß seiner 30jährigen Jubelfeier 200 Mk. gestiftet. Der Jahresumsatz des Vereins betrug bis 30. September lausenden Jahres über 8
Da schwieg Heckburg. Hoffentlich begannen nun bald für ihn die Tage der Arbeit, er halte die Faulenzerei gründlich satt, endlich wollte er sich mit dem Leben messen.
Man kam schnell zum Abschluß Die Bücher waren ordnungsmäßiz geführt, der Reingewinn gestiegen von Jahr zu Jahr, wenn auch nicht überwältigend und der Prokurist, Herr Rost, mit dem Hakburg das Geschäft übernehmen sollte, ein ruhiger Mann, Mitte der Dreißiger, mit langem, braunem Vollbart und klugem Gesicht.
„Also Übernahme sofort. Verkmifsbedingungen: Preis fünfzigtausend Mark, zwanzigtausend auf der Sülle zahlbar durch Herrn Rost. Rest bleibt stehen und wird mit 414 Prozent verzinst, alle 5 Jahre sind mindestens sechstausend Mack zu tilgen."
„Einverstanden, Herr v. Hakburg", erwiderte der Besitzer. „Ich komme in die Jahre und will meinen ruhigen Lebensabend haben, imd so lange Herr Rost im Geschäft bleibt, habe ich keine Angst, daß das Geld verloren sein könnte. Scheidet mein Prokurist jedoch aus, so mußte ick auf sofortiger Restzahlung bv-
beschränkter Haftung gemacht wurde. — Aus dem lustigen Kürassierleutnant war ein Verlagsbu chhund- ler geworden, der den Kontorschimmel ritt.
Handel Mitt» Industrie.
* Berlin, 7. Oll. 1911. Bei der heutigen Börse kam cs zu einer unerwartet günstigen Kursentwicklung. Der Montanmarll zeigte eine kräftige Tendenz; die Kurse waren meist um 1 Proz. höher. Bankaktien ruhig und etwas höher. Schiffahcksattien wenig verändert und ruhig. Elellrizitätswecke gesicheck.
Aus «bnhesien u. den heff. Ämtern
* Treysa, 8. Ott. 1911. Die Einwohnerzahl un- ’erer Stadt betrug nach der Volkszählung am 1. Dezember vorigen Jahres 3555. Was die Religions- Verhältnisse betrifft, so sind hier vorhanden 3305 Evangelische, 70 Katholiken, 11 andere Christen, 167 Juden und 2 anderer Religion. Seit der Volkszählung in 1905 hat eine Bevölkerungszuuahme von 400 Personen stattgefunden.
* Kirchhain, 8. Ott. 1911. Der frühere Landrat des Kreises Kirchhain, Kammerherr Freiherr Schenck zu Schweinsberg ist zu Pützchen bei Bonn nach langem Leiden gestorben. Der Verstorbene stand fast 25 Jahre dem hiesigen Kreise als Landrat vor, und war feit Einführung der Kreisordnung der erste hier amtierende Landrat. Während seiner langen Amtszeit hat es der Verblichene verstanden, sich die Verehrung aller Kreis eingesessenen zu erwerben. — Im Interesse der Hebung der Ziegenzucht im hiesigen Kreise besuchte Landrat v. Gilsa, Veterinärrat Stamm und Fleischbeschauer Ortwein einige umliegende Dörfer, um sich von dem Stande der Ziegenzucht im Kreise zu überzeugen. — Der Regierungsbaumeister des Eisenbahnbaufaches Finkel de, bisher in Jesberg, wurde nach Kirchhain als Vorstand der daselbst neu errichteten Bauabteilung versetzt.
* Frielendorf, 8. Ott. 1911. Maurermeister Rappold hier errichtete ein Mietsposthaus auf dem Grundstück des alten Friedhofes. Der Dienstbetrieb wurde am 1. Ott. daselbst aufgenommen. Angemietet ist dasselbe vorläufig auf 15 Jahre. — Im benachbarten Verna machte ein in sehr guten Verhältnissen lebender Landwirt durch Erhängen seinem Leben ein Ende. Was den Mann in den Tod getrieben, ist noch unaufgeklärt.
* Fritzlar, 8. Oll. 1911 Die nächste Kreis- tagssitzung ist zum Dienstag, den 24. d. Mts., vormittags 10 Uhr im Kreisständehaus anberaumt. Die Tagesordnung ist reichhaltig.
Millionen Mack, gegen 7,9 Millionen im vorigen ganzen Jahr, sodaß mit einem Mehrumsatz von ca. 2y2 bis 3 Millionen Mack gerechnet werden kann. — Hier wird eine K ä s e f a b r i k eröffnet. Zum Betrieb der Fabrik dient ein Elektromotor.
♦ Kalimnordheim, 8. Oll. 1911. Die Land- lucht der Mädchen. Am 1. Oktober verließen etwa 20 junge Mädchen unfern Ort, um den großen Städten zuzueilen, wo sie sich als Dienstmädchen, Wirtschafterinnen nsw. vermietet haben. Die Hauptziele sind Wiesbaden, Frankfuck, Offenbach, Kassel und Eisenach.
* Ans Thüringen, 9. Ott. 1911. Die Glockengießerei von Ulrich in 8 a u cf) a a. 11. ist, da der bisherige Aihaber starb, an die Klockengießermeister Gebrüder Schilling in Apolda Lbergegangen. — Beim leidigen Spiel am Treppengeländer hat in Erfurt ein 2y2 Jahre alles Mädchen den Tod gefunden. — Der Gemeinderat in Apolda hat beschlossen, der Gründung qines Thüringen Gl ueindevervretzerverbandes näher zu treten, und zwar gegenüber dem Städtttage, wo die Oberbürgermeister den größten Einftuß haben. — Vor dem Schwurgericht in Weimar wurde der Dicnst- knecht Repold, der seine Geliebte, die Dienstmagd De- zenkolb in der Erregung erwürgte und in einen Was- eckümpel warf, zu 7 Jahren 9 Monaten Gefängnis verurteilt, wovon 3 Monate angerechnet werden. Die Geschworenen votierten auf Körperverletzung mit tödlichem Ansgmige. Der Staatsanwalt hatte 5 Jahre beantragt.
Da ging Hans Heinrich sofort auf das nächste Telegraphenamt und bat Herrn Rollen, umgehend zu kommen.
grauen in seinen Garten gehen wollte, stürzten sich die Tiere auf ihn und richteten ihn übel zu. Dem chnellen Eingreifen des Bärenführers ist es zu verdanken, daß Schröder mit dem Leien davongekommen ist.
* Z« Ehrenbürgern der Stadt Kiel beabsichtigen die dortigen städtischen Kollegien den Prinzen Heinrich von Preußen sowie den Gehnmen Justizrat Haeuel gelegentlich der Einweihung te» neuen Kieler Rathauses, an der auch der Kaiser teilnimmt, zu ernennen.
* Hundertmarkscheine im Schwe nesntier. Vor einigen Wochen brachte die Ehefrau eines Ansiedlers zur Posener Reichsbankhauptstelle die völlig zerkauten Reste von sechs Hundertmarknoten, die in das Futter der Schweine geraten waren. Das Reichsbank-Direktorium hat feststellen lassen, daß die Reste tatsächlich von sechs Banknoten herrüyrten, worauf der Frau jetzt der volle Betrag von 600 Mark ansgezahit wurde.
* Tas Ende eines DiebeS. Vor einigen Tagen wurde auf dem Hauptbahnhof in Altona in dem Nebenraum eines' Abteils erster Klasse eine^ Zuges ein Unbekannter erschossen aufgefundcn. Jetzt ist festgestellt worden, daß es sich um die Leiche des Postbeamten Paul Kaiser aus Brig handelt, der die Schweizer Postverwaltimg um 20000 Fes. bestohlen halte und dann geflüchtet war.
* Fliegeruufälle. Im Aerodrom von Reims stürzte der Flieger Beaumont ab und erlitt schwere Verletzungen. — Der Ballonfahrer Bradie stürzte in Tis ton (Georgia) aus einer Höhe von 259 Meter ab und war sofort tot.
* Der Terrorismus englischer Giwerkfchaften. Da zwei nicht zur Union gehörende Arbeiter in Burnley es ablehnten, sich der Union anzuschließen, weigerten sich alle Arbeiter der Spinnerei, mit ihnen weiter zu arbeiten und kündigten an, daß sie am Mittwoch in den Ausstand treten werden. Die Vereinigung der Spinnereibesitzer von Nord- und Nordost-Lancafhire erwiderte mit der Drohung einer allgemeinen Aussperrung. Diese wurde etwa 150000 Mann betreffen.
* Ein fürstlicher Spitzbube. Am Freitag wurde in Petersburg Fürst Wadholsky verhaftet, der bei einem Hausdiebstahl abgefaßt wurde.» Bei seiner Vernehmung erklärte der Fürst, der höchst sonderbare Rechtsbegriffe zu haben scheint, daß er eine Millionenerbschaft zu erwarten habe und bis dahin sein Leden durch T iebstähle fristen müsse.
* Fnnkenfpruch von Amerika »ach Japan. Von San Francisco aus wurde eine erfolgreiche funken- telegraphische Verbindung mit Holushu (Japan) hergestellt. Die Entfernung betragt etwa 10000 Kilometer.
— Der Kunst verloren. „Du kommst ja gar nicht mehr in den Gesangverein, Meyer?" — „Ja — was soll ich da? Der Doktor hat mir's Bier- trinken verboten l"
stehen."
„Gut! Setzm wir bei einem Notar den Vertrag
vermischtes.
* Ein Denkmal für verunglückte Bergleute. Am 12. November, dem dritten Jahrestage der Grubenkatastrophe von Radbod, bei der 348 Bergreute ihren Tod sanden, wird auf dem Zechenfriedhofe der Bcrgwerksgesellschaft Trier bei Ha mm (Weits.) ein Denkmal enthüllt, dessen Kosten die Gefellschaf! trägt. Auf dem Kirchhofe sind etwa 300 Opfer beiaefitjl.
* Zm Kamps mit Bären In Niedersachswerfen bei Halle durchbrachen während der Nacht mehrere Bären, die dort Vorstellungen geben, das Gitter ihrer Stallung und gerieten auf den Hof des Zimmerme sters Schröder. Als dieser im Morgen-
6Intritt eines Wassermangels in den Ortschaften nie befürchten lassen.
♦ Hanau, 8. Oft. 1911. Ein in dem „Hotel Adler' beschäftigt»» Dienstmädchen brach beim Fensterreinigen durch ein Glasdach durch und zog sich schwere Ver- letzungen zu.
* Frankfurt a. M. 8. Ott. 191L Die Fahrt bc8 Luftschiffes Schwaben von Baden-Baden nach Düsseldorf mit Zwischenlandung in Frankfurt ist nunmehr für ben 11. oder 12. Oktober geplant. — Die Kriminalpottzei verhaftete eine 24 Jahre alte Hoch- t ab I er in, die tn Frankfuck, (Samberg und Cron- >erg, wo sie während der letzten Monate wohnte, unter Äschern Namen Mickschwiedeleien verübt und Ge- chäftsleute betrogen hat. Sie wird von mehreren Ge- ckchten steckbckestich gesucht.
*Guntershausen, 8. Sept. 1911. In der Rühe von Guntershausen wurde in der Fulda ein Riesen- l a ch s gefangen, welcher das seltene Gewicht von 22 Pfund hatte.
* Corbach, 8. Ott. 1911. In dem benachbarten Medebach spielte das etwa 5 Jahre alte Töchterchen eines Zimmermeisters in der Nähe der Kreissäge, als plötzlich von dieser ein scharfkantiges Stück Holz ab- sprcmg und das arme Kind mit solcher Wucht traf, daß eine tödliche Verletzung eintrat und das Kind trotz aller ärztlichen Hilfe alsbald starb.
* Göttingen, 7. Sept. 1911. Infolge der durch den Zusammenbruch der Göttinger Bank hervorgerufenen Beunruhigung hat auch das Bankhaus Seckel und Hirsch seine Zahlungen eingestellt. Es tritt in Liquidation und gibt die Erklärung ab, daß bei ruhiger Abwicklung der Geschäfte kein Gläubiger geschädigt wird.
* Mainz, 8. Ott. 1911. Die Köpenickiade in Monsheim vor Gericht. Der 21jährige Schreibgehilfe Julius Dahmen aus Aachen war zuletzt am Kreisamt Bingen tätig. Sein Gehalt von monatlich 70 Mark reichte ihm nicht aus, er machte Schulden und sollte jetzt am 1. Oktober 200 Mack, die er vom Gemeindeeinnehmer in Mommenheim als Darlehen erhallen, zurückzahlen. Da er hierzu nicht in der Lage war, geriet er auf den Ein fall, einen ähnlichen Streich wie den in Köpenick, in der Provinz Rheinhessen auszuführen. Mit der Schreibmaschine stellte er zwei Aufträge her, wonach er vom Kreisamt in Worms beauftragt sei, tn Monsheim und Gundersheim die Gemeindckassen zu revidieren. Die Aufträge fälschte er mir dem Namen des Kreisamtmannes; die Unter- schristen machte er täuschend nach. Am 25. August erschien er bei dem Gemeindeeinnehmer in Monsheim und dort gelang ihm die Revision unter Mitnahme von 2080 Mark Dahmen hatte sich jetzt vor der zweiten Siraflammer in Mainz zu verantworten. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einem Jahr Gefängnis. Der „Herr Revisor" nahm die Strafe an.
* Duderstadt, 7. Ott. 1911. Die eingeleitete Untersuchung in der B r an d st i f t.u n g s a n gelegen h eit hat noch zu keinem Ergebnis geführt. Der Handschuhmacher Reumann ist mangels Beweisen aus der Untersuchungshaft entlassen toorben. Auch das Verfahren gegen die Kinder des Arbeiters Stollberg wurde eingestellt, da sich keine ausreichende Verdachtsgründe ergaben.
Auf dem Lehrter Bahnhof schüttelten sich Sosquen und Hakbnrg die Hände. „Tein Versprechen hast du nicht gehalten, Hans Heinckch! Im übrigen bin ich aber ganz froh, daß du mich nicht um Rat gefragt hast, wenn die Sache nicht gelingt, hätte ich einen Teil ter Verantwortung mit zu tragen gehabt!"
Hakburg schob seinen Arm unter den des Freundes. „Jochem, ein leibhaftiger Kaufmann, der keinerlei Vorteil davon gehabt, hat das Geschäft geprüft und mir geraten, jujtt greifen."
,91a, na!"
Aus -em Nachbargebiele.
3 Adolfseck, 8. Oktober 1911. Gestern fand hier im tandgräfllchen Jagdrevier die erste Treibjagd statt, bei welcher von 15 Gewehren 31 Hasen zur Strecke gebracht wurden.
* Lauterbach, 8. Ott. 1911. In letzter Zeit wurde pon dem Zugpersonal der Nebenbahn Lauterbach- Swckheim wiederholl bemerkt, daß Steine anfdie Schienen gelegt waren. Trotz eifriger Nachfor- sthungen konnten aber die Täter nicht ermittelt werden. Bor einigen Tagen glückte es endlich einem Streckenwärter, zwei der Täter auf frischer Tat zu erwischen. Es waren schulpflichtige Jungen, die in der Rahe des Bahohofs Laudrbach-Süd Steine von etwa 10 Zentimeter Stärke auf die Schienen legten.
* Gelnhausen, 8. Ott. 1911. Nach dem „Gelnh. Kreisbl." gewinnt das Projekt einer Gruppen- wasserleitung für eine größere Anzahl von Oc- jen im westlichen und südwestlichen Teil des Kreises Gelnhausen greifbare Gestalt. Hierdurch sollen etwa 12—15 Ortschaften mit WasserleitmMN versehen werden. Die Quellen, die hierfür in Aussicht gv- yommen sind, liefern nach dem Gutachten des Nah- rungsmittelunterfuchungsamtes ein ganz vorzügliches Wasser. Auch sind sie sehr reichhaltig und werden den
„Glaub'S mir nur, das hat nämlich seine Griinde!"
„Und die kann man nicht erfahren?"
„O doch, aber heute noch nicht!"
Die Antwock verstimmte Sosquen, er legte die Stirn in Falten. Hakburg lachte.
„älter Junge. Jetzt gehen wir erft mal zu Schulte, dann ins Geschäft, und zu Mittag ißt du mit mir in meiner bescheidenen Pension! — Den Gefallen mußt du mit schon tun!"
Sosquen kannte Hans Heinrich zur Genüge. Der verzettelte einmal sein bißchen Energie mit allen möglichen nebensächlichen Dingen.
Am Reichstagsgebände vorbei bummelten sie dem Brandmburger Tor zu. Um Hakbutgs Mund lag ein zufriedenes Lächeln. Sosquen dachte bei sich: „Was hat er nur?"
Sofort führte Hakburg den Freund vor „Lebenswende".
„Wie gefällt dir das Bild?"
„Nicht übel!"
„Na, höre mal, ich finde es einfach großartig!"
„Du liebst die Uebertreibungen, Hans Heinrich!"
Der gute Jochem war schlau, er wollte Hakburg schon rum Reden bringen.
„Meiner Ansicht nach ist das Gemälde eine Glanzleistung!'
Sosquen sah es eine ganze Zell lang an und entzifferte den Namen in der rechten Ecke; Erika Rollen. Nun machte er seinen Reim.
Sosquen wies auf den Namen und lachte. „Jungchen, bleib' doch bei der Stange, diese Erika Rollen hat dir's angetan!"
Hakburg zog die Unterlippe zwischen die Zähne. „Hm, — du schlauer Kerl, heute mittag sollst du sie kennen lernen." ,
„Schönchen! Aber warum spülst du mir mir Verstecken?" . _ . ,
„Du weißt doch, die guten Leutchen in der Hennat werden mich nicht verstehen, und einen Anwalt moch ich doch haben, nicht wegen Wustermarck und Konsorten,.—Adas wegen!"
„Sie schreibt dir doch?
Lebenswende.
Roman von Horst B ödem er VI.
„Haben Sie nur Vertrauen zu meinem Vater." „Das habe ich, wahrhaftig, gnädiges Fräulein!" Bei Tische kam die telegraphische Antwock.
„Bin morgen früh 8.20 Berlin."
Fräulein Rollen hatte Haklmtg gegenüber ihre Schüchternheit veckoren. Als er ihr das Telegramm flber den Tisch reichte, nickte sie ihm fteundtich zu.
„Seiber muß ich morgen schon um 8 llhr im Atelier fein." ,
„Könnten Sie sich nicht fr.i machen"
„Ja? — Aber die Herren werden Arbeit vorfm- hpv und ich möchte die Zell ausnützen!"
Vickmvmk braucht nicht auszusallen, meine Herren, wenn Sie sich angewoh- nen, Wqbert«Tabletten bei sich zu führen und bei belegter.. Stimme ober rauhem Hals davon zu nehmen. „ES gibt kein besseres Mittel, um die Stimme sofort klar und frisch ,u machen. Dres ist der Inhalt zahlloser Zeugnisse über bte m ihrer Wirkung unerreichten Wybert-Tabletten, die m allen Apotheken 1 Mark pro Schachtel kosten.
Niederlagen in Fulda: Engel- Apotheke, Hof- Apotheke und Löwen-Apotheke.
Deutsches Reich.
)( Die preußische Steuerreform. Gegenüber den in der Presse geäußerten Zweifeln betonen die „B. P. 9t.", daß die Regierung auf jeden Fall ihrer Perpflichtung bezüglich der rechtzeitigen Einbringung einer preußischen Steuerreform nachkommen werde; wahrscheinlich werde die Reform bereits bei der Einbringung des Staatshaushalts vorgelegt werden können.
„Lieber rot als schwarz" Unter dieser Hebet» ,'chrift gibt die ,Kreuzzlgck em „Stimmungsbild aus Bayern", das mit folgenden allgemeinen Bemerkmigen beginnt:
„Lieber rot als schwarz — dieses politische Losungswort kann man nicht etwa da und dort, sondern hundertfach vernehmen. So groß ist die Verirrung, hie Verwirrung und Verblendung unseres Voltes. In den höchsteir Tönen p reift man Bebels letzte Reden auf dem Sozialistentag. Man fragt nicht muh den Motiven, sondern nimmt für bare Münze, ipa’ dort gesprochen wurde; und es find nicht etwa nur die Schwärmer für den Hansabund, welche zumal ht unseren Städten einen nicht zu unterschätzenden Em- lu§ haben. Rein, auch Handwerker, Bürger, Aerzte, selbst vereinzelte Beamte, denen man ein besseres Verständnis zutrauen sollte, sie alle vereinigen sich in den Rus: Lieber rot als schwarz! Sie alle bekunden damit, daß sie weder von der Slaatsgesährlichkeit noch von der kirchenfeindlichen Gesinnung eine blaffe Ahnung haben."
cf München, 7. Ott. 1911. Anstelle des verstorbenen Zentrumsführers Dr. v. Daller wurde der Slbg. Kcnatspräsideiit Lerno zum Vorsitzenden der Zen- fxumsfrattion des Bayerischen Landtages gewählt. — In der Abgeordnetenkammer kam gestem die Interpellation über Futtermittelnot und 8 e b e n 8 m i t te 11 e u e r u n g zur Verhandlung. In mehr als einftiinbiger Rede gab Abg. Dr. Pichler (Ztr.), auf ein großes Zahlen- und Tatsachenmaterial gestützt, ein Bild unserer jetzigen wirtschaftlichen Lage. Gr stellte die Tatsache voraus, daß eine all g e- m eine Futtermittelnot in Bayern nicht existieck, ^aß aber immerhin mir einer Viehknappheit und Teuerung umsomehr gerechnet werden müsse. Redner verwies dann auf die große Spannung zwischen den Vieh- ilnb Fleischpreisen, die in vielen Städten besteht. Die Öesfimng der Grenzen und Aushebung der Zölle lehnte Redner glatt ab, indem er die Seuchengefahr in den Vordergrund rüdfe und auf die Viehknappheit in den anderen Staaten hinwies. Die Futtermittel sind fast alle zollfrei. Ganz energisch trat Redner für die Bei- hchciltung der Schutzzollpolitik ein und forderte die Na- ismalilberalen auf, sich von der Linken nicht umgarnen zu lassen. In der Streuabgabe sollte man der Landwirtschaft kräftigst entgegenkommen. Produzenten und Konchmenten sollen fest susammenhalten, um einer spekulativen Preistreiberei in der Lebensmittelbranche .entgegenzuarbeiten. Die Regierung möge alles tun, w iS in ihren Kräften steht, um über die Kalamität hi.iwegzukommen. Die Rede fand im Zentrum großen Beifall. Heute kommen die anderen.Parteien zum Wort, außerdem der Minister.
sttttch acht Tagen erhielt Hakburg einen Brief von Herrn Rollen.
Der Zufall habe es gefügt, der überhaupt im Leben zuweilen von ausschlaggebender Bedeutung sei, haß sich für ihn eine gute Gelegenheit böte, in ein Verlagsgeschäft in Berlin einzutreten. Der Betrieb fei zwar nicht groß, aber ausdehnungsfähig. Der jetzige Besitzer habe genug verdient und wolle sich zur Ruhe setzen, sein Prokurist das Geschäft übernehmen sind audbauen, wenn er einen Kapitalisten fände. Er habe freilich nur zwanzigtausend Mark zur Verfügung, di« wolle er aber gern vis auf den letzten Pfennig in den Verlag stecken, falls sich em Teilhaber mit vier- zigtüusend Mark fände, der gewillt wäre, mit ihm nach und nach den betrieb zu erweitern.
„Na, ja, aber was in ihren Briefen steht. Hingt nicht gerade erfreulich!"
„So bring' ihr schnell eine bessere Meinung von dir bei."
„Ich fürchte, da wird sich Ada eine Zeit lang gedulden müssen!"
„Hübsch eins nach dem anbem, Jungchen! Also,' das Bild gefällt mir!"
„Wahrhaftig,"
„Sehr gut sogar!"
„Meinst du, die junge Dame hat eine Zukunft als Malerin?"
„Wer vermag das zu sagen? Jedenfalls ist valent und Phantasie vorhanden."
„Du, frag’ doch mal, was das Bild kostet."
„Hans Heinrich, stürz' dich nicht in Unkostenk Wenn ich auch nur für einen Pfennig Lebenserfahrung besitze, wirst du in Zukunft deine Zimmer mit Gemälden von dieser Hand austapezieren können!"
„Nicht so hitzig, Jochem, so stehen die Dinge doch nicht!"
„So bleib hier, ick will fragen!"
Nach fünf Minuten kam Sosquen zurück.
„Ich habe das Bild getauft, es war spottbillig, — ganze sechshundert Mark!"
Und da kam auch schon der Saaldiener und heftete den Heinen, gedruckten Zettel an: Verkauft!
Da wußte sich Hakburg vor Freude gar nicht zu
Sofqncn lachte ihn aus. „Bedarf eS da noch der Droschke? Nun,, zu deinem Geschäfte
Jochem, da hast du einer ganzen Herde Menschen E'"W°kich!^Dmn taw'Vetter Manfted hat euch n vor dem Bilde erwischt!"
„Und natürlich sofock nach Hause rappockiert!
'Das verstebt sich — und zwar sehr drastisch, wie du dir denken kannst!"
„Da hat der Keck ja aus Versehen mal ne guie Tat getan!"
(Fortsetzung folgt)