Einzelbild herunterladen
 

Srschrlnt tSgNch mH Ausnahme der So.m- u.id Feiertage vieckek- flbrllcherverngrpreks .Ihne vringerlohn und VesteLgeldinFuldaso- ivk auswärts 1.50 Mt

Verarm», vedakteurr

Lar« Schütte;

für die Anzeigen:

Aparzeüer in Fulda.

,—j—

M 226.

ulöaer

Monakbeilager »Luldaer Geschichtrblätter"

Aujrlgen: vir et» spaltige Petitzeile oder deren Saum 15 Pfg. SeNamendrepetitzrile Pfg., bei Wieder- gelungen wird entspr.

Rabatt gewShrt.

Rotationrdruckund Verlag der Fuldaer Ak- tiendruSerei in Fulda Fernsprecher Ur. 9.

Erstes Blatt.

Fulda, Freitag den j. Oktober 1911.

38. Jahrgani.

sie im jedem könne.

W meldet

schweigt der Diplomat Baisecmann.

Schr redselig wird er aber in seinen hochpoli­tischen Erpressen. Man weiß ja von früher her, daß Herr Bafsernmnn im Reichstage die auswärtige Politik als seine Spezialität betrachtete. Da Herr Wasserman,i die gegenwärtige Regierung nicht leiden .kann, macht er die jetzige politische Lage so schlecht 'ol§ möglich. „Das Ende unseres schneidigen Auf­tretens in Agadir erfüllt viele Patrioten mit tiefer Trauer"', — obschon diese Patrioten noch gar nicht wissen, was die beiden Regierungen vereinbart haben! Der Krieg um Tripolis beweist nach Herrn Basser- mann die Wertlosigkeit unseres Bündnisses mit Ita­lien, gefährdet den Dreibund und bedeute», was Ichlüuuier ist, zugleich das Ende unseres Einfluffes in der Türkei. Wenn das wahr wäre, so würde doch erst noch die Vorfrage zu stellen sein, ob drnn Herr v. -Bethmann Hollweg das Vorgehen Italiens überhaupt verhinderir konnte. Welch' eine Wrndung im Urteile!

leistete daS Fort auf der Unten Hafenseite kräfti­gen Widerstand. Die Tücken sollen sich in die Forts zurückgezogen haben, welche die Stadt in der Richtung gegen die Wüste umgeben. Morgen wird der Dampfer Bisagno Berichtttstaüer nach Tripolis bringen. Man hofft, daß die Telegraphenverbindung von Malta nach Tripolis bald wieder hergestellt sein wird, und erwartet ein entscheidendes Vorgehen der italienischen Flotte für heute.

* Rom, 5. Oft. 1911. Gestern wurde die Be­schießung der Außen werke von Tripolis fortgesetzt, während man die in der Mitte gelegenen Forts auS Rücksicht auf die Stadt schonte. Die Batte­rien „Sultania" und ,Hamidie" wurden zer­stört. Das Kriegsschiff .Garibaldi" landete 2 Offiziere und mehrere Matrosen an der geräumten Batterie „Hamidie"; sie fanben dort drei türkische Tote. Die Italiener nahmen die Geschützschlösser mit.

* Rom, 5. Ott. 1911. lieber Malta melden der- schiedene Blätter, daß sich Tripolis ergeben habe und b e s e tz t fei. Amtliche Stellen erklären diese Meldung für unwahr. Nur die Außenforts Sul- tania und Hamidie seien, wie gemeldet, von Offizieren und Mannschaften besucht worden. Die Besetzung von Tripolis erfolge erst nach Eintreffen des Expeditions­korps ; die Besatzung der Kriegsschiffe sei zu schwach dafür.

W Tripolis, 5. Ott. 1911. Um die Mittagsstunde wurde auf dem Fort Sultania die italinenische Flagge gehißt und vom Geschwader mit Kanonen­donner hegrüßt. Das Fort wurde von den Lan­dungskompagnien besetzt, die unter dem Schutz der Schiffe dort bleiben. Die Schiffe liegen zumtetl im Hafen, zumtetl in kurzer Entfernung von den zerstör­ten Festungswerken vor Anker.

sei ein unsicherer Kantonist, so entrüftetin sich gerade die L i b e i al e n, die so sehr für das Land der Gari-

* Mailand, 5. Okt. 1911. Die „Vita" meldet, daß eine Luftflotte von acht Eindeckern und zwei Zweideckern mit ganzer Ausrüstung nach Neapel abgeschickt wird. Die Luftflotte wird birett dem Oberkommando des Expeditionskorps unterstellt.

* Rom, 5. Okt. 1911. Die Verzögerung im Abgam- des x p e d i t i o n s k or p s ist darauf zurück­zuführen, daß Italien zunächst die türkische Flotte entweder durch Blockave oder durch Vernichtung unschädlich machen will, um den Truppentransport zu sichern.

* Syrakus, 5. Okt. 1911. Hier trafen bisher etwa 1000 italienische Flüchtlinge aus Tripolis ein, wovon die Hälfte in ihre Heimat­gemeinden befördert wird. Alle befürchten die Plünderung ihrer Wohnungen durch den Pöbel. Sie beschuldigen die italienische Preffe, vorzeitig die Türken unterrichtet zu haben, die daher die Ver­teidigung vorbereiten konnten. Die meisten sehen langwierige Kämpfe im Binnenlande voraus, weil die Haltung der Araberscheiks schwankend sei.

* Rom, 5. Okt. 1911. Der /Sortiere d'Jtalia' meldet aus Giulia Nova, in den adriatischen Ge­wässern sei gestern ein türkisches Torpedo­boot mit ausgelöschten Lichtern gesehen worden. Es b-be sich einige Stunden vor der Mündung des Tordinostusses aufgehalten.

* Mailand, 5. Ott. 1911. Rach Nachrichten aus Malta herrscht unter ben Tücken in Tripolis große Verwirrung. Ein Teil von ihnen ist geflo­hen, bec größere Teil aber zurückgeblieben. Die in den Moscheen vereinigten Araber beschlossen, jeden Wi- terftanb aufzugeben. Während des Bombardements wurden zwei tückische Torpedoboote, die mit der Kü­stenwache betraut waren, in den Grund gebohrt. Eines der türkischen Torpedoboote, die an bet Sübküste Si­ziliens gesichtet worben waren, ist von einem italieni­schen Torpebojäget nach fanget Verfolgung ver­nichtet worden. — Eine Meldung des „Gior- nale d'Jtalia" aus Malta besagt, daß die britte Flott tendivision sich der Küste von Benghasi und Terna genäheck hat. Der größere Teil der Flot- tendivision" wird vor die Einfahck zu den Häfen der beiden Städte gelegt werden. Der „Sortiere della Sera" schreibt über die kriegerischen Operationen an den Küsten von Epirus und Albanien, daß Italien dock nicht vordringe, da die italienische Regierung den Kriegsschauplatz nicht noch größer machen wolle. In­dessen dürfe die Türkei nicht einen Vorteil ziehen, zum Beispiel aus den Befestigungen von Prevesa, indem bockigen Hafen durch eine Torpedoflottille in Augenblick einen Handstreich unternehmen

Rom, 5. Oft. 1911. Die „Agenzia Stesani" aus Tripolis: Ein Kapitulations- Anerb i e t e n ist no ch n i ch t erfolgt.

Deutsches Keich,

4 Berlin, 5. Okt. 1911. Der Kaiser wird nach bet Enthüllung des Reiterstandbildes in Aachen am 18. Oktober zu mehrtägigem Besuch seiner Schwester Viktoria nach Bonn kommen.

)( Ter neue Uuterstaatssekretär im Reichs-Kolonial Amte. Zum Unterftaatsfetretär im Reichs-Kolonial« Amte ist Ministerial-Direktot Dr. Conze ernannt worden. Dr. Conze ist 1860 in Langenberg (Rhein­land) geboten als Sohn des Kommerzienrates D. Conze. Er wurde 1888 Regierungs-Asteffor; 1906 trat er zur Kolonial-Verwaltung über und wurde 1907 zum Direktor im Reichs - Kolonial - Amte ernannt. Im Jahre 1909 bereifte Dr. Conze mehrere Monate lang Deutsch- und Britisch-Südafrika.

* Reue Verhandlungen über die Einbringung eines preußischen Wohnungsgesetzes. Zwischen d n zustän­digen preußischen Ministerien schweben zurzeit Ver­handlungen über die Aufstellung eines Entwurfs für ein Wohnungsgesetz. An den maßgebenden Stellen dürfte man der,Postt zufolge zu der lieber» zeugung gelangt fein, daß eine scharfe Gesetzgebung keineswegs geeignet ist. eine Regelung der Woh­nungsfrage zu erreichen. Ten Gemeinden dürfe keine zu große Belastung auferlegt werden. Aus diesem Gedanken heraus sei auch die Erwägung entstanden, ob es nicht angemessen ist, den Ge­meinden für einen Teil ihrer Aufwendungen aus den Kreisen Ersatz zu bieten, in deren Interesse besonders, wirtschaftlich-ungünstig wickende Maß­nahmen etlaffen werden. In Frage könnten in dieser Beziehung beispielsweise Gemeinden kommen, bei denen durch starke industrielle Entwicklung die Arbetterwohnungsftage von besonderer Bedeutung ist. Dem Wunsch auf Erlaß eines Reichsgesetzes stehen die Regierungen ablehnend gegenüber. Daß die gegenwärtigen Beratungen zur Vorlegung eines Gesetzentwurfs schon in der nächsten Parlaments- tagung führen werden, ist kaum anzunehmen.

* Keine Reichsgebnhrenordnung für Aerzte. Eine einheitliche Festsetzung der ärztlichen Gebühren für das ganze Reich in Angriff zu nehmen, sollte Blättermeldunge» zufolge die Regierung beabsich­tigen. Wie jedoch die .Deutsche Tagesztg. erfahrt, trifft diese Meldung nicht zu. ~ ,

)( tzansabund und Mittelstand. Der vom Hansa» bunt) veranstaltete M.ttelstandskongreß wtrd am 5. und 6. November im Berliner Lehrer-Verems-

bald! und der Nathan schwärmten. Und jetzt macht der liberale Wortführer bet ^blcmschwarzen" Regie­rung zum Vorwurf, was die italienischen Schoßkln- der des LiberalkLmnZ getan haben!

i Tendenziöses Gerede ohne Gründlichkeit und Ehrlichkckt. Von dem Manne, den die Mehrzahl der nattonalliberalen Packet als Führer anerfennt, soll man etwas beflercs erwarten.

Eine hohle Phrase ist auch der Schlußsatz: „Wenn der Liberalismus gestäckt mis der Urne hervor- gcht, werden beffere Zetten anbrechen." Nach allen Anzeichen wird die Sozialdemokratie gestärkt aus der Urne hervorgehen, und was bann anbricht, dürste ben Herrschaften um Baffermann nicht cmge- nehm sein.

'x Stieg siBiffltn Mim M öet Allei.

Der Krieg schleppt sich in bet bisherigen Art .weiter fort, d. h. zu Aktwneu großen Sttts kommt -jes nirgends und kann es auch nicht kommen bei ;ber Ohnmacht der Türkei zur See und der Un­möglichkeit, daß die Gegner zu Lande aneinander- .geralen. Der ganze Krieg beichrs-ckt sich auf Tri- pv'.is, nachdem der österceichische Einspruch weitere italienische Heldentaten an der albancstschen Küste derhiudert hat. Erobert ist übrigens Tripolis »och "nicht wie verfrühte italienische. Nachrichten gestern <zu melden wußten; cs sind nur einige Forts von .ben Türken geräumt werben.

Tie Beschieß« ; > von Tripolis.

< Mailand, 5. Okt. 1911. Aus Malta langen über die Beschießung von Tripolis folgende Einzelheiten .an. Die Forts beim Lazarett und oberhalb des christ- Jtcbcn Friedhofs wurden vollkommen zerstört, dagegen

empor, das zugleich den ersten Schuß auf die trotzigen türkischen Mauern abgibt, und das Bombardement hat begonnen. Nach anderen Berichten haben an der Be­schießung nur 4 Kriegsschiffe teilgenommen, während die übrige Flotte sich auf das Zusehen beschränkte. Anfangs wurde nur in langen Zwischenräumen gefeuert, später aber, als die weiße Flagge sich noch immer nicht zeigen wollte, wurde das Feuer beschleunigt. Während der Beschießung traf eine Granate den L e u ch t i u r m, der sofort zusammenstürzte. Die Ita­liener entschuldigen die Zerstörung des Leuchttnrms damit, daß sich dicht daneben eine türkische Batterie befand, die sonst nicht hätte zum Schweigen gebracht werden können. Dabei wird aber ganz vergeflen, daß die Geschoße der Türken nach offiziellen Berichten ja viel zu kurz fielen, um Schaden zu tun. Nach wer- stündiger Dauer gegen Anbruch der Dunkelheit wurde die Beschießung von den Italienern eingestellt. Einige Forts lagen bald in Ruinen, und die Tücken brachten die Geschütze auf eine Anhöhe, wo sie die Verteidi­gung aufs neue begannen. Schrapnellfeuer vertrieb sie jedoch hier. Bon den Türmen der Moscheen sahen einige unerschrockene Araber dem kriegerischen Schau­spiel zu. Die Stadt selbst scheint wenig oder gar nicht beschädigt zu sein. Es heißt, der Wall sei schwer ver­wundet.

• Berlin, 4. Okt. 1911. Auf der türkischen Bot- schasl wird über die Befestigung von Tripolis mitge- teilt: „Die Forts von Tripolis und die sogenannte Citadelle sind Befestigungen, die aus dem vergange­nen Jahrhundert stammen und heute höchstens nur einen Weck vom landschaftlich-touristischen Stand­punkt au5 haben. Da man keinen Angriff auf Tripolis seit Jahrzebnten mehr zu fürchten Halle, ist nichts für die Anstandsetzung der Festuna cefcbeben und es ist

v Also sprach Herr Baffermann.

Der Führer bet Nationalliberalen, Herr Basser- tnann gibt in einem, in mehreren Blattern erschiene­nen Artikel seine Ansichten über bie politische Sage jum Besten.

;i Er scheint das Bestreben zu haben, in erster Linie jnteressant zu sein, und zu bem Zweck tischt er reizende tzjeschichrchen auf, wenn sie auch längst als unwahr Erwiesen ftnb. Ein Mann wie Baffermann, bet sich als politischer Schulmeister Deutschlanbs in die Plätt- örust zu werfen liebt, wiederholt im Tone sittlicher Entrüstung unb Behauptung des alten Bebel, „baß iw ben Kaisergräberu im Dom zu Speyer — eine un­geheuerliche Blasphemie — sein Bischof ein Wahl­bündnis mit der Sozialdemokratie abschloß". Daß Yon dieser Geschichte kein Wock wahr ist, wurde in­zwischen bekanntlich einwanbftei festgestellt. Aber Herr Bassermann braucht sich ja nicht merken zu lassen, daß jtt die Widerlegung gekannt habe. Ihm paßt bas Märchen von bem Kaiftrgrab-Bünbnis in seinen $ram. Er benutzt nämlich bie angeblichen schwarz- toten Wahlbündnisse als Hintergrund für seine Er­klärung, daß die nationalliberale Packet "weder Bündnisse mit dec Sozialdemokratie abschließen stoch Großblockpolitik treiben werde. Du lieber Himmel, da wird die jüngste Weltgeschichte gründlich durchkorrigieck werden müssen. Wer hat in Baden mit der Sozialdemokratie ein Wahl- und Arbsits- bündnis abgeschlossen? Das Zentrum vielleicht?

Unb in Suffeiborf? Wer hat beim ba dem roten Kandidaten zum Siege verhalfen? Der Hansa- bund ist natürlich unschuldig, ebenso die Düsseldorfer Liberalen mit ihrer Parole der Eitthaltsamkett und ihrer Praxis her toten Stimmzettel. Herr Basset­mann weiß sich zu Helsen: „Das sind die Mitläu­fer," sagt er, „welche die kluge Politik des Fürsten Bülow den sozialdemokratischen Fahnen untreu machte, und die heute zu ihnen zurückkehten und der Sozial­demokratie den Sieg bringen." Weich' eine großartige Erweiterung des Begriffs „Mitläufer"! Anerkannte Führer und eingeschriebene Wähler der liberalen Par­teien werden, wenn sie auf Unterstützung bet Sozial­demokraten betroffen werden, mit der Etikette Mit­läufer versehen und zu den unsoliden Elementen an der Grenze der Partei abgeschobcn. So kommen auch nationalliberale Geheimräte in den Mitläuferstand. Ist doch unwidersprochen behauptet worden, daß bei der Düsseldorfer Wahl hohe Regie­rungsbeamte für bie Sozi aide mokra- ii c agitiert hatten. Wenn wir es überlegen, so kann man am Ende kurzerhand sagen: der ganze Liberalismus von Bassermann vis Payer sei Mit­läufer der Sozialdemokratie geworden.

Mit welcher Eleganz tut Herr Bassermann bie Frage ab, ob denn die nationalliberale Par­tei eini g sei. Rach ihm gibt es in dieser arg zer- iftüfttten Packei nur eine Meinungsverschiedenheit, ! nämlich über bie Frage, ob bas Wahlbündnis mit bet Fortschrittspartei eine Rotwenbigkett sei ober nicht. Das sei aber eine taktische Angelegenheit, berenttoegen man bem Gegner ben Gefallen einer Spaltung nicht tun werbe. Was neben unb hin­ter bietet Frage des Wahlbündnisses mit der Fort­schrittspartti steckt und über die ganze Front­stellung im politischen Kampf entscheidet, ver-

elgentlich unverständlich, worauf die Italie­ner geschossen haben. DaS Bombardement d« alten Befestigungswerke erklärt stch wohl nur auS bem Bedürfnis der Italiener, einen großen Sieg mit viel Pulverrauch und Bombengrtöse feiern zu können. Tripolis ist tatsächlich eine offene Stadt, deren Bombardement ebenso zwecklos war, wie die andere italienische Heldentat, bie Beschießung von Prevesa.

Die tückische Kriegsflotte

soll einer Konstantinopeler Meldung zufolge mit unbekanntem Ziel von den Dardanellen ausgelaufen sein. Kurz vorher war die Flotte, 4 Panzer und 7 Torpedoboote, vor Haidar Pascha eingetroffett, wo sie Kohlen nahm. Die Torpedoboote liefen nach einigen Stunden wieder ins Marmarameer ein. Eine andere Meldung besagt:

• Konstantinopel, 5. Okt. 1911. Die türkische Flotte ist heute vor Konstantinopel vor Anker gegangen. Der Generalissimus untersagte ben Zeitungen aufs strengste Veröffentlichungen über die Bewegungen der Flotte.

Das nnte tückische Kabinett.

W. Konstantinopel, 5. Ott. 1911. Das neue Kabinett ist vom Sultan nochnicht bestätigt worden. Das Ausscheiden des fast dem linken Flügel des Komitees angehörenden Scheich ul Islam kann als wichttges Zugeständnis an das konser­vative Element bezeichnet werden.

Ausweisung der Italiener aus der Türkei.

Konstantinopel, 4. Oktober 1911. Die Türkei richtete eine Zirkularmitteilung an alle diplomatischen Vertretungen, daß Waren italienischer Her­kunft konfisziert werden. Die Beschlagnahme begann bereits auf dem hiesigen Zollamt. Ein Dekret über die Ausweis ungallerJtalrener soll unmittelbar bevorftehen.

Das englische Mittelmeergeschwader.

* Rom, 5. Ott. 1911. Nach einer Meldung aus Matta Haldas englische Mittelmeer-Geschwader auf ©egenotbre die Fahrt nach Smyrna vor­läufig aufgegeben.

* London, 5. Okt. 1911. Nach den hier vorliegen­den Berichten von der Beschießung Tripolis war diese eine sehr einseitige Sache; denn alle Schilderungen stimmen darin überein, daß die italienische Flotte ihre Operationen aus so weiter Entfernung begann, daß die veralteten Geschütze der Forts sie überhaupt nicht erreichen konnten. Das Bombardement glich mehr einer Schießübung und hatte für die Italiener nicht die geringsten Gefahren. Reuters Sonderkorre­spondent telegraphiert, daß, während die Beschießung im Gange war, die Offiziere und Leute an den Ge­schützen Wetten miteinander machten, ob sie dies oder jenes Ziel treffen würden. Ein Geschützführer erhielt z. B. den Auftrag, eine bestimmte Stelle aufs Korn zu nehmen, wo man türkische Kanonen vermu­tete. „Ich wette, mit dem ersten Schuß bringe ich das Türmchen zu Fall," sagte er, gab Feuer, und als sich der Staub verzogen hatte, stand das Türmchen nicht mehr. Auf ein vom Admiralschiff gegebenes Zeichen hißten plötzlich sämtliche der vor Tripolis kie- .-—7--------------- ■ , , , - , „ genden italienischen Schiffe die Flaggen. Man hatte

Wenn die ZcntrunEPreffe früher einmal,sagie, Italien > ben Eindruck, als ging es zu einem Fest. Auf cjn weiteres Zeichen paradierte die ganze erste Linie der Schiffe noch einmal angesichts der feindlichen Forts vorüber. Der italienische Admiral wollte den Türken eine letzte Gelegenheit geben, sich der Ueber- macht zu ergeben. Gespannt richteten die Offiziere ihre Ferngläser auf bie altersgrauen Mauern von Tripolis, aber nirgends eine weiße Flagge! Ein schwarzer Ball steigt den Mast des Flaggschiffes

Haus stattfinden — Allmählich hat alle Welt ein» gesehen, daß der Hansadund, nicht die geringste Legitimation dafür hat, sich als Vertreter der Mittel- standsintercsscn aufzuspielen. Die Interessen d.s Handwerks und des kleinen Kaufmannes laufen mit denen der großen Bankiers und Warenhausbesitzer, die die erste Flöte im Hanfabund spielen, nicht in derselben Richtung.

(*) Die Kosten der sozialen Fürsorge. Die ,Deutsche Volkswirtschaftliche Korrespondenz' rechnet aus, daß nach dem Inkrafttreten der Reichsoersicherungsord­nung die deutsche Volkswirtschaft jährlich nicht weniger als eine Milliarde für die Arbeit er- verficherung aufzubringen hat.

** Tie Folgen der Düffeldorskr Nachwahl. Bei der Reichstagsersatzwahl m Düffeldorj ist mit direkter und indirrtter Hilfe der Nationaü'.veralen der Sozialdemokrat Haberland gegenüber dem Zentrumskandidaten Dr. Friedrich gewählt worden. Ueber die mutmaßlichen Folgen, die diefe Wahl für die Nationalliberalen haben wird, schreibt Dr. Julius Bachem im ,Tag':

„Die in Betracht kommenden Tatsachen liegen ganz einfach: Düsseldorf ist durch die liberale „Wahl­enthaltung" der Sozialdemokratie zugefallen. Die Nationalliberalen sind bei den nächsten allgemeinen Wahlen vielleicht in der Lage, noch einige wenige Wahlkreise — sie lassen sich an den Fingern einer Hand abzählen —. der Sozialdemokratie zu überant­worten, wenn sie offen oder unter bet Hand für die Sozialdemokratie eintreten. Dagegen gibt es eine mindestens dreimal so große Anzahl von Wahlkreisen, in welchen die Zentrums- Partei sicher über das Schicksal der natio­nalliberalen Kandidaturen entschei« den kann; bei mehr als einer braucht sie nur bei­seite zu stehen, um die Niederlage der nationalliberalen Kandidaten herbeizufithreii. Niemand kann ja heute mit Sicherheit voraussche. wie sich das Verhältnis zwischen Zentrum unb Rechtsri ationalliberalen gestal­ten wird, denn da sprechen noch andere Faktoren mit als die gegenwärtige nationalliberale Parteileitung in der Rheinprovinz. Soviel ist aber einleuchtend, daß durch die Haltung der Nationalliberalen in Düssel­dorf jegliche wahlpolitische Verständigung auch zwischen Nechtsnationalliberalen und Zentrums- Partei aufs äußerste erschwert worden ist. Man braucht nur ein wenig bie Psychologie der Wählermassen zu kennen, um das zu verstehen. Unb so könnte cs leicht geschehen, daß die Düsseldorfer nationalliberale Wahlparole einen für die National- liberalen des ganzen Deutschen Reiches sehr emp­find! ichen Nachhall fände. Wenn man ba8 ausspricht, so „droht" man damit nicht."

* Geheimrat Schwabach in feinem Wahlkreise. Wie die litauischen Kleinbauern zur Liebe und An« hä> glichkeit an den nationalliberalen Abg. Geh. Kommerzienrat Schwabach aus Berlin erzogen werden, darüber bei Hit eine Zuschrift aus dem Wahlkreise Memel-Heydekrug an die,Ostpreußische Zeitung':

Der Verlauf der vier von Herrn Schwabach in Begleitung seiner litauischen Getreuen Kaitinnis und Schuschal vergangene Woche abgehaltenen Versamm­lungen war kurz folgender: 1. Plicken, 60 Per­sonen; Spende: drei Achtel Bier, zwei Liter Schnaps. Lebhafter Widerspruch gegen Schwabachs Ausführun­gen; einer dieser Gegenredner wird mit Hinauswer­fen bedroht. 2. Paupeln-Peier, 27 Personen; zwei Achtel Bier. 3. Deutsch-Crottingen, 60 bis 60 Personen; zwei Achtel Bier. Starker und derb gearteter Widerspruch gegen Schwabachs Rede; kaum ein Hauch der früheren Begeisterung für ihn. 4. Din- weihen, etwa 40 Personen; zwei Achtel Bier. Ener­gischer Widerspruch gegen die Ausführungen des Herrn Schwabach, dessen Gefolge durch Korrektor Lappins auS Tilsit verstärkt ist.

Die Spenden waren offenbar zu dürftig, um Begeisterung zu erwecken. Das Schwabach-begeisterte Memeler Dampfboot' aber berichtete über dieselben

Versammlungen:

„Alles in allem: Die Stimmung in ben Versamm­lungen war ausgezeichnet, und es kann schon jetzt, wie wir gar nicht anders erwartet haben, als feststehend angenommen werden, daß die Strekhssche Sonderkan- didatur lediglich ein welkes Pflänzchen ist, dem auch die beste konservative Pflege nicht mehr zum Leben verhelfen kann." — „Liebe, Verehrung und Anhäng­lichkeit, der sich unser Abgeordneter in allen Kreisen unserer Bevölkerung erfreut." — „Heller Jubel" usw. usw.

So werben in Litauen die Wahlen gemacht!

* Offenbach, 5. Oft. 1911. Da Zentrumswahl- verein stellte den Arbettersettetär Frede als hessi­schen Sandtagskandidaten auf.

* * Dortmund, 5. Okt. 1911. Die 24. Hauptver­sammlung des Evangelischen Bundes begann heute abend mit einem Kirchen-Konzert in der Rei« noldi-Ktrche. Von Freitag bis Piontag find.n Ver­handlungen, Festversammlungen und Ausflüge statt.

c? München, 5. Okt. 1911. In einer vom Kartell katholisch.bürger' cher Vereine in Mün­chen einberufenen Versammlung hat der Sammet» Präsident v. Ort er er über die kommenden Wahlen gesprochen und ausgesührt, daß daS Zentrum allein auf sich angewiesen jein werde. Wörtlich fuhr er dann {ort:

„Es gibt sehr maßgebende Kreise nicht bloß in Baden, bei denen die Parole zu gelten scheint: Lieber rot als schwarz. Rach diesem Wahlspruch wird vielfach gehandelt werden, und wir werden nur auf unS angewiesen sein. Wir werden angewiesen sein auf unfere Einigkeit, was ich nicht genug betonen kann gegenüber den Nörgeleien und Uneinigkeiten, denen auch der „Zentrumsturm" in unserer Zeit aus­gesetzt ist. Es macht mir den Eindruck, als ob die Taktik, die einst von der Deutschen Vereinigung be­gonnen wurde, fortgesetzt würde von einer Serie, Der wir zu wenig katholisch find. Das ist geradezu glaublich . . . Wir haben uns zu hüten nicht bloß vor offenen Feinden, sondern auch vor schlechten ^reiinben die manche Verwirrung anrichten unb ?nter manchem Vorwand unsere gefährlichsten Gegner find Wir werden in diesem schwersten Kainpfe alle miteinander unsere Pflicht erfüllen, und ich meine selbst auf die Gefahr hin, den Vorwurf zu erhalten, Religion und Politik zu vermischen: Es ist in dem großen Kampf der Geister für und gegen Christus jetzt eine wahre religiöse Pflicht, wenn wir unseren Mann stellen bis auf den letzten.

Abg. Speck verbreitete sich über die Aufgaben und Riete des Verbandes bei den bevorstehenden