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M 228.

»omerstog 5. ©ftober I4U

58. Jahrgang.

* Tuldaer M Zeitung *

2. Blatt.

vrack und Verlag der Fuldaer Rcllrndruckerel in ZAlda.

x Krieg MW Wim unö Der Mel.

Die Blockade. So ziemlich die einzige militänsche Ätrion der Italiener vor Tripolis war bis vorgestem die Verhängung der Blockade über die tripoütan. Küste. Unter Blockade versteht man die Absperrung von Säfen oder Küstengebieten durch Kriegsschiffe, um die in- und Ausfuhr von Sch.fsen zu hindern und den Berkehr zu unterbinden. Nach dem jetzigen Völker- rechr, das zuletzt in der Londoner Konferenz über See­kriegsrecht im Winter 1908-09 bestätigt ist, muß die Blockade eine wirkliche (effektive) sein, das heißt der blockierende Staat muß vor dem Hafen usw. so viel Kriegsschiffe haben, daß er wirklich den Schiffsverkehr vollkommen hindern kann. Früher wurde vielfach die Vlorkade nur erklärt, die sogenannte fiktive Blockade. Man konnte auf diese Weffe große Küstenstrecken in Llockadezuftand versetzen, um bei günstiger Gelegenheit Handelsschiffe wegzunehmcn. Diese Art der Blockade ist jetzt nicht mehr zulässig. Eine Blockade muß ferner vom kriegführenden Staat unter genauer Angabe der Blockierungszone gehörig bekannt gemacht werden und muß ununterbrochen sein. Eine solche Blockade muß auch von den neutralen Sraaten und ihren Angehöri­gen geachtet werden. Wie mm die Italiener die etwa 2000 Kilometer lange tripolitanische Küste effektiv blockieren wollen, das wird abzuwarten sein. Die mili­tärische Blockade richtet sich nur gegen Kriegsschiffe, die Handelsblockade gegen Handelsschiffe. Bei ersterer will man den Gegner vernichten, wenn er ausläuft. Ter Hafen, in dem sich die feindliche Flotte befindet, Wird bewacht und beobachtet, die eigene Flotte befin­de: sich in entsprechender Entfernung auf hoher See. Sowie die feindliche Flotte ausläuft, wird sie ange­griffen. Bei der Handelsflotte will man dem Gegner die Scezufuhr von Kriegsmaterial und Lebensmitteln, die chm die materielle Möglichkeit zur Weiterfiihrung des Krieges gibr, und die Ausfuhr von Landespro- duktm, die ihm die finanziellen Mittel dazu sichert, gänzlich unterbinden. Die Häfen müssen deshalb so bewacht wecden, daß kein Schiff, sei es neutral oder feindlich, ein- oder auslaufen kann, ohne bemerkt und verfolgt zu werden. Die Türken haben ihr Küstenver­teidigungs-System arg vernachlässigt, sodaß sie die Blochide dec Italiener nicht bekämpfen können. Es sst aber zu bedenken, daß der türkische Handel nicht sehr entwickelt ist unb sich zumeist in fremden Händen be- bcfindet. Am meisten würden also die neutralen Staa­ten geschädigt, und es ist fraglich, ob diefe sich das auf die Dauer gefallen lassen werden.

Die Deutsche« m Tripolis. In der Stadt Tri­polis arbeiten zwei deutsche Handelshäuser, die Fir­men Kaufmann und Schweickhardt. Die erstere besonders die auch Agentur für die mit recht gutem Erfolge dort tätige Deutsche Levante-Linie ist, hat einen beträchtlichen Umsatz. Ein Deutscher, der bis vor kurzem ebenfalls als Kaufmann dort tätig war, hat sich jetzt eine Sttmde westlich der Stadr ein 200 Hektar großes Gut gekauft, es sst der frühere Zietenhusar Baron v. L o ch o w. Der deutsche Kon- stll, Dr. Tilger, wurde von zwei Jahren, als das Konsulat vom Reiche errichtet wurde, ernannt; er war früher Arzt der deutschen Kolonie in Mailand und hat sich schnell großes Ansehen i.i Tripolis er­rungen. Das Konsulat liegt südöstlich vor der Stadt­mauer in der neueren Vorstadt. Die deutsche Kolonie betrug im Juli insgesamt 7 Köpfe, darunter 2 Frauen. In Ben Ghazi hat das Leipziger Exporthaus Weicker! und Encke den größten Teil des Handels; die italienischen, vielfach subventionierten Unteriieh- muilgen konnten hier gegen den deutschen Handel nicht mehr ankommen. Aus zwei Herren und zwei Damen besteht hier die Kolonie. An anderen Plätzen befinden sich Deutsche nicht.

Die „Frankfiwter Zeitung" und bet italienisch- türkische Krieg. Die „Franks. Ztg." findet, wie wir schon hervorhoben, das Vorgehen Italiens in der Tripolisaffäre ungeheuerlich. Sie spricht von „offe­nem Raubzug", „Gewalttat mitten im Frieden", „nackter Machtpolitik", gegen die das ganze zivilisierte Europa „unabhängig von polittschen Ansichten und Interessen einmütig protestieren müßte." Wörtlich sagt sic: „Es gibt nicht die leiseste moralische Recht­fertigung dafiir, eine Provinz ihrer Verwaltung zu entziehen, und noch weniger eine Rechtfertigung für die brutale Methode, mit der Italien vorgeht . . ." Der „Franks. Ztg." und vielen anderen Blättern ihres Schlages ist das Vorgehen Reu-Italiens neu. Uns nicht. Es ist eben der Gang „seiner" Entwickelung,

dm da? „geeinte" Jtalim nimmt. Was anders als „nackte Machtpolitik" war es, als die Piemontesen dem Papstkönig eine Provinz nach der anderen und 1870 dm Rest deS KirchmstaateS entrissen?! Auch das war ein „offener Raubzug", gegen dm alle Kul- turstaatm hätten „einmütig protestieren" müssen. Die „Franks. Ztg." hat wohl gegen ihrm Willen hier das richtige getroffen.

Kommandeur Caneva. Der oberste Befehlshaber des Erpedittonskorps, Gmerafleutnant Caneva, ist 66 Jahre alt und in Friaul zur Zeit der österreichischen Herrschaft gebsrm. Er erhielt in der Militärakademie von Wiener-Neustadt seine militärische Erziehung. 1910 wurde er für Fühmng eines Armeekorps im Krigge ausersehm. Das Militärfachblatt „Esereiiio Jtaliano" fugt, daß er im Heere den allerbesten Ruf gmießt und wiederholt Beweise großer Tüchttgkeit und Entschlossenheit gegeben hat.

Ausland.

5 Mit der Bildung eines neuen Kabinetts in Schweden ist der Führer der liberalen Partei, Staaf, beauftragt worden.

Tie Sache des Exichahs von Persien ist ver­loren. Salar ed Dauleh, der auf feinem Rückzüge noch fünf Geschütze verloren Hal, verschanzt sich in Hamadan. Die Regierung hat ihren Truppen Be- fehl gegeben, Hamadan zu belagern und zu stürmen.

Aus dem Nachbarqebiete.

* Wiesbaden, 3. Oft. 1911 Durch eine Unvor­sichtigkeit, auf die im Interesse der Allgemeinheit aufmerksam gemacht werden muß, ist im Laufe dieser Sommers eine hannoversche Familie in die bitterste Trauer versetzt worden. Em Ehepaar mit einer schönen jungen Tochter machte in Wies­baden die Bekanntschaft einer französischen Familie, ebenfalls aus Mann, Fran und Tochter bestebend, und verkehrte vier Wochen lang täglich mit diesen liebenswürdigen und vornehmen Parisern; die Mädchen schlossen innige Freundschaft, und am Ende re» Badecmfenthaltes laben b e Pariser die junge Hannoveranerin ans das gastfrenndlichste in ihr Haus ein. Als Ort der Zusammenkunft wurde Hamburg bestimmt, wo die Hannoveraner ihr Töchterchen der französischen Familie übergaben. Fröhlich und erwartungsvoll reifte das junge Mädchen mit seinen liebenswürdigen Wirten ab und sandte bei ihrer Ankunft in Paris eine muntere Karte an die Eltern — unb dies war das letzte Lebenszeichen, das die Unglücklichen von ihrer Tochter erhielten. Seither ift die Spur der jungen Dame völlig erlöscht. Die Nach­forschungen der verzweifelten Eltern ergaben nichts weiter, als daß eine Familie des Namens, unter dem die Franzosen auftraten, in Paris überhaupt nicht existiert ... Es ist wohl kaum zu bezweifeln, daß das junge jMädchen einer Bande raffinierter Mädchenhändler in die Hände gefallen ist. Offenbar diente die „Tochter" des französischen „Ehepaares" als Lockvogel. Durch zeitige Er­kundigung bei zuverlässigen Bureaus ober Privat­personen hätte das Unglück leicht »enni.vn werden können. Auch auf dem Dresdener Carit.Vtage ist vor dem geradezi, raffinierten Treiben der Mädchen- händlec dringend gewarnt worden. Wie man sieht, fallen nicht nur Landmädchen sondern auch Siadt- damcn den abgefeimden Schlichen der Verbrecher zum Opfer.

* Ans dem Grotzherzogtum Hessen. Das Justiz­ministerium hak eine Verfügung erlassen, in der es u. a. heißt: „Um den auf kriminellem Gebiete sich in hohem Maße bemerkbar machenden Alkohol­mißbrauch wirksam bekämpfen zu können, ist es notwendig, auch bei der Handhabung des be­dingten Strafaufschubes diesem Punkte eine erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Denn man darf hoffen, daß mancher, den seine Neigung zum Alkoholgennsse mit dem Strafgesetz in Berührung gebracht hat, auf den Weg wirklicher Besserung ge­bracht werden kann, wenn ihm, sofern et im übrigen die Voraussetzungen einer beengten Begnadigung erfüllt, Strafaufschub unter der Bedingung erteilt wird, daß er seine Hange zum Trünke widersteht."

Amt Geisa und Umgebung.

♦ Dermbach, 4, Ott. 1911. Der Dielsche Neubau auf dem ehemals Güntherschen Grundstück ist durch Verkauf in den Besitz des Herrn Buchbindermeisters Wilhelm für den Preis von 18000 Mark überge­gangen.

♦ Ostheim, 4. Ott. 1911. Der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche ist in der Gemeinde Ostheim amtlich festgestellt worden. Vom Großh. Be- zirksdirettor in Dermbach werden die üblichen Vor­sichtsmaßregeln bekannt gemacht.

* Tiefenort, 4. Oft. 1911. Der Gemeinderat be­schloß, für den Wasserleitungsbau ein vorüber­gehendes Darlehen von 50,000 X zu 6° o Zinsen unb !/«°/o Provision bei der Bank von Thüringen aufzunehmen. — Der Bergmann Hoßfeid aus Lange­feld geriet im Schacht Kaiseroda zwischen zwei Wagen und erlitt erhebliche Quetschungen.

* Völkershausen, 4. Ott. 1911. Ein beim Wafser- leitungsbau der Gruppenwasierversorgrmg der Otte Tiefenott-Kiesilbach-Merkers beschäftigter Arbeiter har sich hier sehr statt mit heißem Asphalt verbrannt

* Aus Thüringen, 5. Ott. 1911. Bisher waren es in den weimarischen Orten, die die Besitz Ver­änderungsabgabe bereits eingeführt haben, den Zwischenhändlern, die größere Länderkomplcxe ankausten und sie dann in mehreren Keinen Teilen wieder veräußerten, also den Güterschlächtern, leicht möglich, sich von der Entrichtung der Besitzver- ändeningsabgäbe befreien zu können, da sie die Län­der und Grundstücke gleich auf den dritten Käufer übereignen ließen. Um aber auch diesen Zwischen­händler treffen zu können, hat jetzt das weimarische Staatsministerium den Gemeinden empfohlen, durch einen Nachtrag zum Ottsstatut über dir Besitzver- änderungsabgabe zu bestimmen, daß nach voraus­gegangenem ZL-ifchMSerkiWse stets der letzte Käufer mit für die beim Zwischenverkäufe fällig gewesene Abgabe aufzukommen hat. Damit nun ein solcher Käufer die Besitzveränderungsabgabe nicht doppelt zu zahlen braucht, muß er sich vor Abschluß des Kaufes mit dem Verkäufer dahin einigen, daß der Betrag der Abgabe von der Kaufsumme in Abzug gebracht wird. Bei der künftigen Ausstellung von Ortsstatuten über die Erhebung einer Vefltzveränderungsabgabe soll stttS die Bestimmung mir ausgenommen werden. — In M e u s e l b a ch ereignete sich eine Gasexplosion, durch die ein Glasbläser und dessen Frau schwer ver­letzt wurden.

Aus Gberhssien.u den hesi. Aenttern.

A Marburg, 3. Oft. 1911. Das W i n t e r s e- m e ft e r an der hiesigen Universität nimmt am 15. Oktober seinen Anfang. Die Meldungen zur Jmma- ttikulation müssen bis zum 5. November erfolgt sein. — Dem Ämcsgcrrchts;etretär Schmelz bei oem Kgl. Amtsgericht in Marburg wurde bet Titel Rechnungs­rat verliehen. — Der Gerichtsvollzieher Niemeyer bei dem Kgl. Amtsgericht in Marburg wurde in den Ruhestand versetzt.

* Kirchhain, 4. Oft. 19)1. Mit Rücksicht auf die Gefahr der Wettervcrbreitung b:r Maul- und Klaucn)euche sind die im Kreise Kirchhain für die MonateOklcber und November anstehe den Bieh- markte, mit Ansnahme der Schwememärlte, unter­sagt morden.

* Ans dem Ohmtal, 5. Oft. 1911. Nachdem die Kartoffelernte in der Hauptsache beendet ist, kann das Ergebnis durchaus als befriedigend angesehen werden. In den Gemarkungen, die ganz oder zum größten Teit schweren Lehmboden Haven, wie Mardon, Raßdorf, Erjurtshaufen, Harrdaufen u. a. ist die Kartoffelernte ganz vorzüglich an Menge wie an Güte. Es ist gewiß sehr erfreulich, daß dieze wichtige Knollenfrucht tu manchen Gegenden auch recht gut ausgefallen ist.

vermischtes

* Der Typhus in Duisburg. Bis zum 30. Sep­tember befanden sich laut „Rheinisch-Westf. Ztg." in den Krankenanstalten von Groß-Duisburg einschließ­lich von zwei typhnsverdächrigm Personen 60 T y - phuskranke. Bisher sind 4 Todesfälle vorge­

kommen; in D.-Meidettch 3 Fälle und in Alt-Duis­burg 1 Fall. Auch aus Hamborn werden sehr viele Ettrankungen an Typhus gemeldet.

* Als Leiche aufgesundeu wurde in der Nähe von Tigel an der Mosel der Unternehmer Dahlem ans Trier. D. hatte eine Anzahl Pferde nach Luxem­burg zu bringen. In seiner Begleitung befand sich ein unbekannter Mann. Dieser unbekannte Mann hatte offenbar den Unternehmer erschossen, uni die Pferde an sich zu bringen Er ivurde beim Ueberschreiten der Grenze mit vier Pfcrve-i geieben.

♦ Wohlsahrtsstiftung. Die Firma van der Zypen u. Charlier in Köln hat aus Anlaß der Fertigstel­lung des 109000. Wagens für Beamten- und Arbei- terwohlfahrtszwecke im ganzen eine halbe Mil­lion Mark gestifttt. Herr Max Charlier ftiftete ferner 150 000 Matt für eine Volksbibliothek. Eine Anzahl Arbeiter mit längerer Dienstzeit erhielt außer­dem Zuwendungen. •

* Gefährliche Mädchenhändler treiben augenblick­lich in Deutschland ihr Wesen. In Danzig wurde ein junges Mädchen entführt, die Spuren weisen auf Berlin, wo dieser Tage ebenfalls ein junges Mädchen aus anständiger Familie verschwand, das sich von einem Fremden, der sehr gewandt auftrat, hatte um- garnen lassen. Der Fremde prahlte mit seiner Ab­stammung aus hohen Kreisen und gab sich für einen Schriftsteller aus, nannte aber nie seinen Namen. Wie aus einem zurückgelassenen Bttef hervorgeht, spiegelte er dem Mädchen vor, daß er den Namen nicht Preisgeben dürfe, weil er zu anarchistischen Krei­sen Beziehungen unterhalte. Im Laufe der Zeit ge­wann er großen Einfluß auf das Mädchen und ver­lobte sich schließlich mit ihm.

* Ein erfundener Raubanfall. Der Postagent Jo­hann Müller in B r e i n i n g bei Aachen hatte seiner Vorgesetzten Behörde gemeldet, er sei in der Nacht in seinem Arbeitszimmer von drei vermummten Räubern überfallen und durch Bedrohung mit dem Tode ge­zwungen worden, die Schlüssel zu dem die Postgelder enthaltenden Schranke auszuliefern. Letztere in Höhe von 5312 Matt seien von den Räubern mitgenommen worden. Nach wiederholten Vernehmungen gestand Müller, er habe den Raubanfall erfunden. Den Geldbetrag hatte er in die Wand eines Schweme- stalles eingemauert, wo er vorgefunden und der Post zurückgestellt wurde. Das Schwurgericht verurteilte den Postagenten zu einem Jahre Gefängnis.

• Im brennenden Aeroplan. Aus Wien wird gemeldet: Dcr Aviatiker Sablatntg, der ntf, dem Passagier Seidel von Wiener Neustadt nach Wien hin- und zurückflog, hatte eine Höhe von 400 Metern erreicht, als der Apparat in Brand geriet. Die Maschine stürzte mit großer Schnelligkeit zur Erbe, 'Der Flieger wurde unversehrt unter den Trümmern hervorgezogen. Sein Passagier hatte schwere Ver­letzungen erlitten und mußte nach dem Krankenhaus« gebracht werdm.

* In der Werkstatt einer Sprengstofffabrik in Bercloux in Frankreich explodierte ein soge­nanntes Schwarzpulver. Die fünf im Raum« beschäftigten Arbeiter wurden schwer verbrannt, darunter drei lebensgefährlich. Das ganze Gebäude ist zerstört worden. Man führt dir Explosion auf eine Selbstentzündung der Masse zurück.

* Tie Cholera beginnt in Saloniki (Türkei) wieder weiter um sich zu greifen. Die italienischen Aerzle sind ausgewiesen worden.

* Er kann nicht genug kriegen. Der oberste Gerichtshof dcr Vereinigten Staaten verurteilte gestern den Millionär und Sekretär verschiedener großer Aklienges llschastcn Abraham Lichtenstein wegen Schmuggelei und Zollhinterziehung zu zwei Monaten Geiängnis.

gehen ist oft gleichbedeutenl. mit sich erlätten. Darum pflegen vorforgliche Frauen besonders bei rarhem Wetter in der Hand­tasche neben Portemonnaie und Schlüssel eine § chachtel Wybert-Tadlrtten mitzunehmen, die jede Heiser­keit im Entstehen bannen. Die Schachtet kostet in allen Apotheken nur 1 Mk. und die Wirkung ist un­übertroffen. Nieder'agen in Fulda: Lngek-Apotheke, tzof-Spothcke n. Löwen-Apotheke.

zurückgehalten. Er dachte bei sich: „Viellttcht ein gu­ter Diplomat, aber als „Prinzenbändiger" meinem Gefühl nach rein unmöglich."

Bei Tisch saß er Ada gegenüber, an deren Seite Löberdau und der junge Hakburg Platz genommen hatten Der Dienerschaft wegen hiell sich das Ge­spräch in harmlosen Grenzen, aber der Gastgeber war nervös; das Servieren ging ihm nicht schnell genug. Sosquen war sich Hat, nach dem Essen, wenn man ungestört beisammensaß, würde ein ernstes Wort über Hans Heinrich fallen, sonst hätte man ihn sichettich nicht eingeladen. Natürlich war man neugierig, und wenn einer Auskunft geben konnte, so war er es. Und er hatte sich nicht geirrt. Manfred schnitt das Ge­spräch wie zufällig an, als er sich eine Zigarre an- zündete.

„Neulich bin ich im Tiergarten an meinem Vetter vorbeigefahren, aber ich habe getan, als hätte ich ihn nicht gesehen!"

„Ich kann Sie veffichem, Herr v. Hakburg, Han) Heinrich ist nicht daran gestorben!"

„Run, man weiß ja. Herr v. Sosqnen, welchen An­teil Sie an ihm nehmen!"

„Mich fteut's, daß man das weiß!"

Da mischte sich der alte Hakbnrg ins Gespräch „Dental Sie, daß er ein einziges Mal an sein« Schwester geschrieben hat?"

„Nimmt mich aber gar nicht wunder!"

„Wir wissen nicht einmal, wo mein Bruder in Ber­lin wohnt!"

„Ihr Herr Vetter hätte ihn ja fragen können! Mit dec allergrößten Seelenruhe sagte cs Sosquen zu Ada.

„Rach dem. was vorgefallen, war cs wohl seine Pflicht sich zuerst an uns zu wenden!"

„Gerade wegen der letzten Vorgänge t.ile ich Ihre Ansicht nicht, gnädiges Fräulein!"

Sie hatte sich mit beidcn Händen auf den Tisch gestützt und den Oberkörper vorgeneigt. Sosquen stand am anderen Ende.

„Warum nicht?"

iFortfttzunz folgt.)

Zwangsversteigerung gekommen. Suchen Sie die Schuld gefälligst bei Hans Heinrich!"

Man konnte dem Vormund nicht unrecht geben.

Noch immer war Sosquen unschlüssig. Nach eini­gem Nachdenken aber warf er den Bries auf den Tisch; ja, er wollte doch hinsahren; nicht wegen des langwei­ligen, alten Mannes mit dem langen, weißen Barte und dm grauen, nichtssagenden Augen. Gott bewahre, aber — Manfted Hakburg wollte er feinen kampflosen Sieg über Ada überlassen!

Der alte Löberdau rempelte Sosqum gleich an, als er den Salon betrat. „Manfted, jetzt kommt einer, der Hans Heinrich die ©lange hält!"

Lächelnd ging er dem Gaste entgegen und schüt­telte ihm die Hand.

Rachdmi Jochem Sosquen die Herrschaften be­grüßt, nahm er neben Ada Platz. Sie war etwas größer als er, eine blonde Schönheit auf ihre Art, rassige Züge, eine schmale Nase, schön geschwungene Lippen und fluge, blaue Augm; Hände und Füße waren reichlich groß.

Man sprach "vorläufig nicht von Hans Heinrich. Die Emre war herein, man nörgelte an dm Ergeb­nissen, an dm Sentöl, an der Politik. Und bann mußte Manfred auf Bitten Frau v. Löberdaus vom Hofe erzählen.

Der junge Hakburg legte jede? Wort auf die Gold- wage, die Augm des Vaters hingen an dem jungen Offizier, seine Lippen verzogen sich zu einem zuftie- benen Schmunzeln.

Jede Handbewegung, jedes Wort Manfreds wa­rm elegant, etwas nonchalant und doch nicht derb warf er dir Sähe hin, die schmale, lange Gestalt, der vorzüglich gearbeitete Gehrock, die moderne Weste, der breite, dunkle Schlips, der durch eine Nadel zusammen­gehalten wurde, die in Brillanten den Namenszug „seines" Prinzm trug, das schon spärlich werdende Haar, die scharfm Züge, die verbindlich lächelndm Augm, dazu die leise, und doch eindringliche Sprache, zeigten „den Weltmann in der Vollendung".

Sosquen war diese ganze Att, zu sprechen, fürch­terlich. Keine Uebergeugung klang durch, feine ernste Anteilnahme, sorglich wurde jede wärmere Regung

in.

Sosqum hielt einen Brief in der Hand; Arwed Hafburg hatte ihn zum Mittagessm eingeladen: „Sie findm nur noch Löberdaus und meinen Prachtjungen bei uns vor." Er war im Zweifel, ob er nach Möh- ringm fahren sollte. Diese Hakburgs waren ihm un- symp-tthisch. Aber Ada hatte dock ein Unterkommen gefunden — und ihr Vetter schnitt ihr auf Tod und Leben die Cour! — Manfred Hakburg galt im ganzen Kreise als ein Mann der Zukunft. Mflitärischer Be­gleiter eines jungen Prinzen, zukünftiger diensttuen­der Kamn«rherr, wmn sich der junge Herr einen Hausstand gründete, oder Springer in der Armee, — persönlicher Adjutant. Glatt wie ein Aal, nicht auf dm Kopf gefallen, durch und durch Parkettmensch. Und weil sich die Mütter, die heiratsfähige Töchter hatten, die Hälse nach ihm ansreckcm, empfand die ein­undzwanzigjährige Ada natürlich die Schwermöterei ihres Vetters als eine besondere Auszeichnung; sie kannte ja die Welt gar nicht.

Vor zehn Jahrm war ihre Mutter, vier Jahre später ihr Vater gejtorben; ihr Onkel, dessen Frau bei Manfreds Geburt ihr junges Lcbm hatte lassen müs­sen; nahm sie zu sich, wurde ihr Vormund, auch der Hans HeMrichS, unb weil der feine Ahnung vom Wett des Geldes gehabt hatte, höcke das junge Mädchen oft harte Worte über ihren Bruder; auf die Dauer blieb da- nicht ohne Eindruck.

„Er wird noch Schande über uns bringen," lautete immer wieder Arwed Hofburgs Nachsatz.

Und als Hans Heinrich Hals über Kopf Natter­heide an einen Bürgerlichen, einen Magdeburger Bierbrauer, verlauste, war auch bei ihr das Maß ge­rüttelt voll gewordm

Aber auch dem alten Hakburg machte man Vor­würfe. „Sie hätten Natterheide unter allen Umstän­den halten sollen!"

„War nicht möglich, der Junge ist zu toll mit sei- nm paar Kröten umgespmngen! Hätt' ich ihm nicht als Vormund Adas die Pistole auf die Brust gesetzt, würde sie ihrm Anteil nicht herausbefommm haben, und lebließlich wär's nach ein vaar Jahrm doch zur

£eben$wenöe.

3] Roman von Horst Bödem er.

„Alles erdenftiche Glück wünsche ich Ihnen, gnä­diges Fräulein!" Sehr herzlich schüttelte er Fräulein Rollen die Hand, sic standen vor der Schufteschen Aus­stellung.

„Und noch eine Bitte habe ich, Herr v. Hakburg: Sagen Sie nichts in der Pension davon; ich möchte auch nicht für eine einzige Stunde der Miüelpunft d-r Unterhaltung sein?"

„Ganz wie Sie wünschen!"

Freundlich nickte sie ihm zu und ging zur Tür hinein.

Unwillkürlich war er stehen geblieben und hatte ihr nachgefehen. Welche biegsame, schöne Figur in dem Einfachen Kleide! Und ihre Sprache hatte etwas Eigenartiges, Beruhigendes. Wmn st« mit chm redete, hätte er immer am liebsten die Augm geschloffen.

Alle Lust hatte er verloren, mitten in dm Men- schenmassen fernen Kaffee zu trinken, er machte Kehrt unb ging bi Gedanken versunken durch dm herbstlichen Tiergarten. Und ehe er sich's versah, stand er vor feiner Pension.

Den ganzen Nachmittag ging er ruhelos in seinem Z>Er auf und ab. War'8 Neid, daß das junge, unter Rot und Entbehrungm auf gren ersten größeren Erfolg pochen konnte? Nein, — tm Gegenteil, sagte er sich, wenn ich in leidlicher Ver- Mögmslage wäre, würde ich ihr von einem Drittm in Meinem Auftrage das Blld abkaufen laffm um ihre Freude voll zu machm.

Da zuckte ihm der Gedanke durch dm Kopf: Sosqum werde ich im nächsten Monat bitten, zu kom- tten, er ist reich und versteht etwas von Bildem!

Er wurde ruhiger und fing an, an sich selbst zu henken — und schämte sich! Noch immer schlug er die Lage tot Ja. was sollte er denn anfangen, Kam Kosqum, mußte er ihm auch sagen können: „Du, Jo­chem. das will ich iefet tun!"