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Suldaer W Zeitung

Mchenbeiiare: „illustrierte Sonntagrzeitung" Momtrb-Uage: „5uldaer Geschichtrblätter"

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Ratationsdruckund Verlag der Luldarr Ak- tiendrnckerei in Lulda

Zernsprecher Rr. 9.

Fulda, Donnerstag Den 5. Oktober 1911.

38. Jahrgang

Erstes Blatt

»S 218.

hätten, die Provinz bis zum letzten Bluts» tropfen zu verteidigen.

und zwar wegen Nachdrucks eines Artikels aus der ,Augsb. Postztg/. Graf Oppersdorfs hatte zunächst bei dem Ersten Staatsanwalt in Köln Strafantrag gestellt, der aber abgelehnt wurde unter Verweisung auf den Weg der Privatklage.

Die Treibereien auf eine neue Flotten»orlagc sind abgcklitzt; an dm matzgebenden Stellen will man hiervon nichts wissen und hält unsere Serwehr für stark genug, um allen Eventualitäten gewachsen zu fein.

* Nationalliberaler Parteitag. Der geschästsfuh- rende Ausschuß der nationalliberalen Partei will den Vertretertag der Partei auf Sonntag ben 3. Dezember nach Berlin berufen. Der Tagung wird eine Sitzung des Zmtralvorstandes vorausgehen, in welcher der dem Parteitag zu unterbreiteni)e Wahlaufruf festge- ftellt wird.

Deutsches Keich.

: Berlin, 4. Oft. 1911. Am 30. Sept. 1911 waren rm Reichsschuldbuche eingetragen 18447 Konten int Gesamtbeträge von 1099805600 Mk.; im Preußischen Staatsschuldbuche 57 984 Konien im Gesamtbeträge von 2 852 206 000 Mk. — Die Denkschrift über die gesamte Moorkullurfrage, die augenblicklich im Landwirtschastsministerium ausgearbeitet wird, soll Berliner Blättermeldungen zufolge, auch ben Einfluß behandeln, den die Kultivierung der Moore auf die Versorgung unserer Armee im Kriegsfälle haben wird. Im Kriegsfälle ist eine völlige Unabhängigkeit des eigenen Landes von der Einfuhr aus fremden Ländern durchaus notwendig, wenn die Versorgung des gewaltigen Heerkörpers mit Lebens­mitteln und somit die Schlagfertigkeit des Heeres nicht M..ngel leiden soll.

** Zum Stand der Marokko Verhaudlungen. Nach- dem am Dienstag abend ein französischer Kabinetts- Kurier in Berlin eingetroffen ist und dem Botschafter Cambon das Ergebnis der letzten französischen Ministerberatung überbracht hat, hat Herr Cambon, wie das ,B. 3V von unterrichteter Seite hört, noch im Laufe des Mittwocks den Staatssekretär von Kiderlen-Wächter zu e'ner Besprechung aufge­sucht. Es ist Grund zur Annahme, daß man in Paris den letzten von Deutschland ausgesprochenen Wünschen die Zuaeständnisse gemacht hat.

0 Der Ostmarkenverein und bet neue Oberprä­sident von Posen. Die „Ostmark", Zeitschrift des Deutschen Ostmarkenvereins, schreibt tn einem Ar­tikel über den Wechsel im Posener Oberpräsidium:

.Wir Huben allen Anlaß, dem neubestellten Hüter de? Posener Landes mit Vertrauen zu begegnen. Der Deutsche Ostmarkenverein wird ihm ebenso rote seinem Vorgänger gern seine treue und selbstlose Unterstützung leihen. Unsere Zuversicht gründet sich auf die Tat­sache, daß Dr. Schroartzkopff in seinem bisherigen Wirkungskreise die Anliegen des Staates und des Deutschtums nicht nur in der Schulpolitik, sondern auf dem ganzen Gebiete der Ostmarkenpolitik stets mit Nachdruck roahrgenommen hat."

Ob der Ostmarkenvernt mit dieser Ausführung dem neuen Oberpräsidenten einen Dienst erweist, möchten wir bezweifeln. Jedenfalls beweisen die Ausführungen aber, tote töricht die Auffassung jener war, die in dem Wechsel im Posener Oberpräsidium ein Anzeichen für einen beginnenden Umschwung in der preußischen Polenpolitik erblicken wollten. In der Person des neuen Oberpräsidenten ist keine Handhabe für eine derartige Annahme zu finden. Was man hoffen darf, ist, wie wir schon ftüher sagten, daß Dr. Schwartzkopff dem Drängen des Ost- markenvereins nach einer schärferen Tonart nicht nachgeben wird.

* Der Zeutrums-Abg. Graf v. OpperSborff klagt. Er hatte seinerzeit erklärt, daß er auf die Anzapfun­gen der Blältir der „Kölner Richtung" nicht mehr antworten werde. Nachdem er kürzlich gegen die ,Augsb. Postztg/, die ,Sch'.es. Volksztg. und dut tn dem gleichen Verlage erscheinenden,Schles. Nachr Klage wegen Beleidigung angestrengt, hat er auch die Köln. Volksztg/ wegen Beleidigung verklagt.

** Tie monarchistische Erhebung in Portugal.

Wie zu erwarten war, bestreitet die portugiesische Regierung auch diesmal die Richtigkeit der Nachricht, daß es an der spanischen Grenze zu Zusammenstößen mit bett monarchistischen Parteigängern gekommen sei, unb läßt erklären, baß im ganzen Lanbe Ruhe herrsche. Was es mit biesen Behauptungen auf sich hat, zeigen nachstehmbe Meldungen: ,

♦ Paris, 3. Okt. 1911. Ein gegenwärtig in Paris weilenber portnziesischer Staatsmann erUarre in einem Privatgespröche: .Die SBerroegenbettb8 Monarchistenführers Couceiro setzt mich nicht tn Erstaunen. Die Lissaboner Regierung war keines­wegs in Unkenntnis besten, was sich an ber Norb- arenze vorbereitete, boch gewinnt man den Eindruck, baß die eben ans Ruber gelangten neuen Herren sich noch nicht bie erforberliche Autorität zutrauen, den portugiesischen Militärbehörden unzweideutige enefr gische Weisungen zu erteilen. Es ist vielmehr anzu­nehmen, daß die militärischen Chefs in Lissabon unb anbeten republikanischen Stabten ernste Vorstellungen gegen bie Entsendung bebeutenberer Truppenteile nach bem Norde« erheben, sei es nun, daß sie eine Ven

Ausland.

*♦ Eine Rede Mac KemtaS. Heber die 93 er« Minderung der Seerüftungen hat hat sich der Erste Lord der englischen Admiralität Mr. Mac Kenna in bemerkenswerter Wei e geäußert. Er wurde Dienstag in einer poliliscken Versamm­lung in Griffithslown gefragt, ob er für eine freund- liche Verständigung mit Deutschland ,ei und die gegenseitige Herabminderung der See« rüstungen befürworte. Er antwortete:

„Nichts würde der Regierung größere Genugtuung bereiten, als Vereinbarungen treffen zu können, welche die Rüstungen zu Lande und zur See begrenzen würden."

Na, dann nur zu! Wir fürchten abcr, bei ernstlichen Versuchen, solche Vereinbarungen zu treffen, würde die englische Regierung sich schnell wieder zurückziehen.

* Rettgiöser Friedensschlutz in Liverpool. Bekannt­lich spielen sich in der englischen Stadt Liverpool schon seit Jahren blutige Kämpfe zwischen Protestanten unb Katholiken ab. Das Feuer der Zwietracht ist besonders genährt durch den Fanatismus der Orangisten, was die englische Preffe zugib^. Um diesen betrüblichen Zuständen ein Ende zu machen, halft st ein Komitee aus katholischen, angltkanischen Bischöfen, Vertreter der Dissidenten und der beiden großen politischen Parteien gebildet, das sofort die Beratungen ausnahm.

** lieber die spanischen Ansprüche in Marokko er­fährt die „Inta" von besonderer Seite, daß Spanien Alkazarquivir und Larrasch, die Einflußzone in Nord­marokko, wie sie in dem Geheimverttag von 1904 fest­gesetzt ist, und das Gebiet von Santa Cruz unb'Jfni beansprucht.

** Die unklare spanische Kirchenpolitik. Der „Ofservatore Romano" hatte lebhaft dagegen prote- fiert, daß durch ein Dekret des UnterrichtsministerS Cimeno der Religionsunterricht in den Normalschulen Spaniens fakultativ gestaltet werde. Die „Epoca" stellt fest, daß es sich nur um die Lehrerseminare han­delt, was aber der Gehässigkeit des Dekretes keinen Eintrag tut. Denn wenn bie Lehrer ohne Religions­unterricht herangebilbet werben, entstehen bie Lehr­kräfte für bie religionslosen Schulen von selber. ES ist auffällig, baß auch gegen bie religionsfeinbliche Maßnahme, bie bem Konkordat ins Gesicht schlägt, die konservativen Blätter keinen Protest erhoben, sie gewähren dem Ministerium Canulejas eine Toleranz, die weiten katholischen Kreisen Spaniens unerträglich wird. Einzig die „Debat" führt den Kampf gegen die unfiare spanische Kirchenpolitik weiter, die dem Volke nicht mit der Abschaffung der Konkordate ge­genüber steten will, dabei aber alle Bestimmungen desselben in den Wind schlägt. Ohnehin mutet ber Kulturkampf auf bem Wege von Dekreten, die keiner parlamentarischen Bestätigung bedürfen, recht sonder­bar an. Sie erscheinen merkwürdiger Weise auch im­mer zu einer Zeit, wenn das Parlament vertagt ist und keine Jntcrpellatton erfolgen kann. Bis der Wie- derzusammentritt erfolgt, ist der erste peinliche Ein­druck (nach südländischer Art) verflogen und man b®= gnügt sich mit einem platonischen Proteste, der durch die Abmachungen der Schaukelpolittk gewöhnlich noch sehr schwach ausfällt. Diese unfiare Situation fann natürlich nicht in alle Ewigkeit fortdauern, Spanien wird zwischen dem Religionshaß mit der Anarchie und der Religionsftetmdschast mit der Ordnung und der Stütze der Monarchie zu wählen haben.

* China. Die Unruhen in den östlichen Teilen der Provinz Szechnan wachsen und bedrohen die Stabt Tschungking. Truppen ans Unnait unb Hupe sind unterwegs. Die Regierung beabsichtigte Truppenteile aus der Provinz Kwangtung zn ent­senden, doch erklärte der Vizekönig, dies sei ange­sichts der geringen Truppenzahl dieser Provinz unmöglich.

Jacht, während am Ufer die aufgeregte Menge zusah. Die Jacht war von den Mannschaften verlaffen. Die Türken rafften fich schließlich noch zu einem Angriff auf; während nämlich der „Lorazziere" mit seiner Beute sich entfernte, begannen st» vom Ufer aus Gerothr- salven adzugebrn. Daraus wurden vom „Lorazziere" die Häuser bombabtett und aI8 das feindliche Gewehrfeuer nicht aushörte, auch btt Mengt bt- schosfen, wodurch große Lücken in diese ge- rissen wurden, was eine allgemeine Flucht veran­laßte. Langsam drehte sich der „Lorazziere", immer noch unter bem Feuer, baS aber leinen Schaden an­richtete. Zwischen Ein- und Ausfahrt waren noch mcht vierzig Mmuten vergangen, dabei aber 76 Schüsse ab­gegeben worden.

* Konstantinopel, 4. Okt. 1911. Die Lage der italienischen Kolonien m den aldanesischen Hafenstädten unb im Innern Albaniens ist äußerst bedenklich. Einer Anzahl von Italienern gelang eS, auf Segelbooten nach Korfu zu entfliehen. Die Mehrheit muß sich in ihr Loos finden, da Ver­bindungen fast gänzlich fehlen. Von albanefischer Seite scheint ben Italienern keine Gefahr zu brohen, dagegen nehmen bie einberufenen Truppen eine int höchsten Maße bedenkliche Haltung ein, welche leicht zu traurigen Folgen führen kann.

Die Kabinettsbildung in der Türkei.

Sest dem Tage der italienischen Kriegserklärung entbehrt die Türkei eines Minisleriums. Die letzte Amtshandlung des Kabinetts Hakki Pascha war die Beantwortung des ttalienischen Ultimatums. Als wenige Stunden darauf die Kriegserklärung eintraf, überreichte Hakki Pascha dem Sultan das Gesuch um seine Enthebung vom Amte. Bei den Versuchen, zu einem neuen Kabinett zu gelangen, fällt am meisten auf, daß man trotz des dreijährigen jung- türkischen Regiments immer noch genötigt ist, auf die paar bewährten alten Staatsmänner zu greifen, die sich noch aus der Zeit des früheren Sultans her als tüchtige Persönlichkeiten in die neue Aera hin­übergerettet haben. Wo bleiben die eigentlichen, die echten, die wirklichen Jungtürken? Jetzt, wo das Vaterland in schwerer Gefahr ist, wäre Gelegenheit, patriotischen Opfermut und persönliche sowie beruf­liche Fähigkeit zu entfalten. Ein ftifches Zugreifen mit fester Hand an das Ruder des Staates — daran scheinen die türkischen Reformer nicht zu denken. Entweder fühlen sie selbst, daß ihnen die Eignung dazu mangelt, weshalb ihnen vor der Verantwor­tung bange wird, oder sie wisien, daß sie keinen Rückhalt mehr im Lande haben und niemand ihnen mehr Gefolgschaft lefftet.

Die Meldungen über bie Kabinettsbildung buten:

W. Konstantmovel, 4. Okt. 1911, 11 U6r 15 Mm. vormittags. Wie »erlaufet, ist eS Said-Pascha endlich gelungen, das Kabinett zu bilden.

W. Konstantinopel, 4. Okt. 1911. Nach bei Liste bes neuen Kabinetts» welche dem Sultan zur ®e« nehmigung unterbreitet wurde, wird der frühere Kadi Jahia Scheck ul Islam, der Botschafter in Wien Mustapba Reschid Pascha erhält das Portefeuille des Aeußern, der Mali von Adrianopel Dschelal das des Innern, der Rechtsbeirat des Ackerbaummisferiums Sinapian übernimmt das Portefeuille des Ackerbaus und der erste Adjutant des Sultans, General ber Artillerie, Horschw bas Portefeuille der Marine. Die Minister des Kriegs, der Finanzen, des Unterrichts, ber Bauten unb der lost behalten ihre Portesemllks.

AuS ber Türkei.

W Konstantinopel, 4. Okt. 1911. Der Minister­rat beriet über bte Stellungnahme ber Regierung ge­genüber ben in ber Türkei befindlichen Italienern. Es verlautet, baß baS fungtürstsche Komitee auf ber Ausweisung ber Italiener aus ber Türkei bestehe, worüber bie Pforte bk Entscheidung jedoch ausfttze.

„„Tanin" meldet: Der Ministerrat traf eine Ent­scheidung, die die Wahrung der nationalen Ehre sicherstellt.

♦ Konstantinopel, 4. Okt. 1911. In Aegypten wird heute der Generalbohkott gegen die italie­nischen Waren vsckündet. Die hier zum Som­meraufenthalt befindlichen zahlreichen ägyptischm Prinzen, die in ber Heimat ein großes italieni­sches Personal unterhallen, verfügten bte sofor­tige Entlassung desselben. Besonbers int Han­bei mit Baumwollwaren nimmt ber italienische Export nach Aegypten einen hervorragenden Platz ein

♦ Salomk, 4. Okt. 1911. Hier ist das mohammo- damsche Element mit dem Zögern der Regierung in der Anwendung der schärfften Vergeltungsmaßnah­men gegen italienische Staatsangehörige sehr unzu- ftieden. Falls fich die Stimmung weiter verschärft, find Ausschreitungen unvermeidlich. Die Italiener reisen deshalb bereit» zu Hunderten ab.

□ London, 4 Oft. 1911. Dem italienischen Handel in der Türkei werden schon jetzt schwere Wunden geschlagen. Biele italienische Fischerboote find in türkischen Händen. Die türkische Regierung schloß gestern nachmittag alle italienischen Geschäfte und Etabliffmmts und ergriff vom italienischen Ho­spital Besitz.

* Konstantinopel, 4. Okt. 1911. Der General­inspektor der Kavallerie Izzet Fuad Pascha veröf­fentlicht einen offenenBriefan Italien, in dem er erklärt, nichts sei für eine rnhmlose, nirgends sieg­reich gewesene, Armee leichter, als einem Gegner den Krieg zu erklären, welchem sie nirgends begegnen fann. Der General schlägt ben Italienern vor, zwei aus ben besten Truppen zusammengestellte italienische Armee- forps zwei türfischen entgegenzustellen. Die frembeu Militärattaches sollen Richter bieses Duells sein.

* London, 4. Oft 1911. Durch eine tückische Einbeziehung beS GetreibeS in ben Begriff ber Kon­terbande würde bte russische Gtireideaus- fuhr nach Englanb, Frankreich unb Italien hart betroffen werden. Gerade jetzt beginnt die Aus­fuhr der diesjährigen Gimte. Rußland würde schwere Verluste haben, und deshalb ist von Petersburg halb­amtlich in Rom unb Konstantinopel hierüber angefragt worben.

W. Salomk, 4. Okt. 1911. Dem hiesigen jung- türkischen Komitee telegraphiert das Komitee in Ben-Ghasi, baß bie Mohammedaner beschlossen

* Rom, 4. Oft. 1911. Der Marineminister hat die Kommandanten der Hafenplätze angewiesen, den im Augenblick der Kriegserklärung im Hafen befind­lichen oder in Unkenntnis der Kriegser­klärung einlaufenden türkischen Schiffen bk sichere Rückkehr in die Heimat zu ermöglichen, bk übrigen Schiffe aber zu kapern.

* Konstantinopel, 4. Oft. 1911. Die Blätter melden, ein italienisches Schift habe bei H o d e i d a ein türkisches Motorboot zerstört. Der türkische Torpedobootszerstörer Peik Schetoket ist nach Hodeida ^flüchtet, von wo aus er und ein anderes Kanonenboot ein italienisches Schiff beschossen und angeblich beschädigt hätten.

W Konstantinopel, 4. Ott. 1911. Ente türkische Note widerspricht der von italknischer Sette ausgestellten Behauptung, die Türkei beabsichtige, Vorstöße gegen die italienische Küste zu unternehmen.

* London, 4. Okt. 1911. Die „Times" meldet au« Malta, daß es für die K r i e g 8 k o r r e s p o n- betitelt nicht möglich sei, weiterzukommen. Die maltesischen Sanitäts-Behörden halten alle wegen bes Cholera-Verdachts in ttalienischen Häfen zurück.

** Rom, 4. Ott. 1911. Die Abfahrt des Ex- pebitionskorps hat sich wiber allgemeines Erwarten verzögert unb dürfte erft Ende der Woche erfolgen. Eine offiziöse Notiz im „Corriere della sera" versichert, daß die Truppen vollkommen bereit, aber Transportschiffe noch nicht vollzählig feien, das Gros der Expedition könnte binnen 48 Stunden abreifen, da sich alle Regimenter auf Kriegsfuß befänden und in der Ausrüstung auch nicht das geringste fehle, man muffe aber bedenken, daß es sich um Seetransport von Truppen handle in einer Ausdehnnng, wie es schon länger nicht mehr geschehen sei.

* Wien, 4. Ott. 1911. Wie der Berliner Korre­spondent der „Zeit" zuverlässig erfährt, hat die eng­lische Regierung den Durchzug der türki­schen Truppen durch Aegypten gestattet. Die Hauptkarawanenstraße führt an der Küste ent­lang, ist aber der Beschießung vom Meere her aus­gesetzt. Eine zweite Straße führt durch die Libysche Wüste nach dem Innern von Tripolis, die den Tür­ken sehr zu statten kommt. (Der Form nach steht Aegypten unter türkischer Hoheit und nach der Ber- faffung ist England, das nur die milttärische Be­setzung und die Aufsicht der Finanzverwaltung durchgeführt hat, sogar verpflichtet, vorher ange­zeigte Durchmärsche türkischer Truppen zu erlauben. Bisher verlautete indes, England habe in Konstan­tinopel wissen kaffen, daß ein solcher Antrag keine Aussicht habe.)

A«s Albanien.

W. Berlin, 4. Oktober 1911. Nachrichten von einer erneuten Beschießung des Hafens von Prevesa sind, wie von zuständiger italienischer Stelle mitgeteilt wird, unzutreffend. Der Herzog der Abruzzen erhielt gestern von zwei verschrobenen radiotelegraphischen S'aiiorron aus unb überdies durch ein eigens cnljandtes italienisches Torpedo­boot die bestimmte Weisung, jede Beschießung zn unterlassen. Es steht fest, daß diefe Weisung den Herzog rechtzeitig erreichte.

* Mailand, 4. Oktober 1911. Derr „Sortiere della Sctr" erhält von Tarent ans eine ausführliche Dar­stellung der Kämpfe bei Prevesa am 28. unb 29. September. Dieser Bericht rührt von einem höheren Marineoffizier her, dem der Hergang von dem Kom­mandanten des beteiligten Torpedojägers.Lorazziere", Brscaretti, selbst erzählt wurde: Am Abend des 28. erhielt B'.scartllr den Befehl, sich zu vergewissern, ob im Hafen von Prevesa noch feindliche Schiffe feien, und brefe eventuell zu kapern. Biscaretti wandte sich daraufhin mit dem .Lorazziere" und dem „Artigliere" gegen Prevesa. Er entschloß fich in der Nähe zu einer Rekognoszierung an Land, womit der Leutnant Pannnti» der landeskundig ist, betraut wurde. Dieser tonbeft rmd gelingt» mit Hilfe eines albanesifchen in die Nähe von Prevesa wo er von einer Anhöhe aus die Avwtsenheu eines Torpedojägers und «Üa»22»petoboote§ feftfleDte; zwischen ihnen tag eine »aa)t. Auf dem Rückwege wollten die Albanesen den eräf™™»?6 n ’totten, gefangen nehmen; mit

Hufroaub aller Kühnheit und Kräfte tonnte er wieder mt -8orb gelangen B.scareni dampfte nun mit seinen Schiffen vor Prevesa und eröffnete in sechs Kilometer Entfernung das Feuer. Die türkischen Schiffe rour- ben schnell so schwer beschädigt, daß sie das Feuer nicht erwidern tonnten. Der Femd war völlig Überrascht; auch die Forts von Prevesa feuerten nicht, weil sie wahrscheinltch nicht auf einen An­griff vorbereitet waren Der „Artigliere" blieb zur Rückendeckung drei Kilometer vom Hafen weg, während der „Lorazziere' allein einfuhr, um die große Jacht zu tapern, Die beiden feindlichen Torpedos waten schon gänzlich zerstört, eines tvar bereits unter­gegangen, das andere stand in Brand, um dann auch iu"ver|mfen. Rasch näherte sich der „Corrazziere" der

x Krieg WWli Stiilien lind 6er Alles.

Dar Bombardement von Lrijwlir.

Nunmehr liegen auch verbürgte Nachrichten vor, haß dk Beschießung von Tripolis Dienstag Begonnen hat. Sie dauerte bis Sonnenuntergang und wurde gestern fortgesetzt. Im Südosten wird die Stadt von einem türkischen Befestigungsweck flanfiert. Die Beschießung soll dieses Fort in Schutt Und Asche legen, auf daß demnächst die Truvven- kand na ungefährdet vor sich gehen kann. Dieser Zweck ist mit den weittragenden italienischen Schiffs- Seschützen unschwer zu erreichen. Die Meldung über as Bombardement lautet:

W. Rom, 4. Oki. 1911. Vizeadmiral Faravrllt hat von Bord des Panzerschiffes „Benedetto Brin" gestern abend 7 Uhr 45 Min. telegraphiert, er habe um 31/» Uhr nachmittags die Beschießung der Hauptbatterien von Tripolis begonnen und bis Sonnenuntergang fortgesetzt. Die türkischen Batterien hätten das Feuer erwidert, ohne jedoch eint Wirkung zu erzielen. Die Beschießung werde heute wieder ausgenommen werden, um die Bat­terien vollständig zu zerstören. Man habt roährtnd btr Beschießung die größte Sorgfalt angewandt, um Beschädigungen der Stadt zu vermeiden, und nur ein Leuchtturm in ber Nahe ber einen Batterie sei zerstört worben.

* Rom, 4. Oft. 1911. lieber die Beschießung von Tripolis werden von Malta folgende Einzel­heiten gemeldet: Die Beschießung erfolgte mit gro­ßen Pausen, da die Forts nur schwach und ganz er­folglos erwiderten. Die Schiffe „Ferrnccio ", „Va­rese" und „Garibaldi" wandten nur mittlere Ge­schütze an, da das Oberkommando stets das Auf­ziehen der Weiße Fahne erwartete. Die Häuser und Moscheen der Stadt Tripolis wurden geschont. Tor- dedojäger deckten die beschießenden Schiffe.

* Mailand, 4. Okt. 1911. Aus Malta wird ge­meldet: Der italienische Flottenkommandant ordnete die Abrüstung des türkischen Stationsschiffes von Tripolis an. Die türkischen Offiziere und Matrosen verließen das Schiff sofort ohne Widerstand zu lei­sten. Die Italiener gingen dann an Bord, um sich von der Desarmierung zu überzeugen. Der flucht- ähnliche Weggang der türkischen Mannschaften hat aus die Araber einen niederschlagenden Eindruck ge­macht. Sie beschuldigen die türkischen Behörden, an Jtalkn das Land verkauft zu haben.

* Mailand, 4. Okt. 1911. Der italienische Ge­neralkonsul m Tripolis, Pestalozza, sagte einem Interviewer, der Erfolg der Expedition werde sicher sein. Die Garnison könne keinen ernstlichen Wider- stand leisten. Sie betrage etwas mehr als 3000 Mann und sei über verschiedene Häfen zerstreut. Eine offene Feldschlacht gegen 30 000 Italiener wäre Selbstmord. Ihr Rückzug ins Innere hieße ent­weder, den Italienern die Lebensrnittel lassen und verhungern, oder sie nehmen und getötet werden. Der Rückzug könnte nur ein augenblickliches Mittel sein, aber keine schaffe Waffe. Das Terrain fei einem Guerillakrieg ungünstig.

Tripolis erobert.

* Paris, 4. Ott. 1911. Wie die Abendblätter in letzter Stunde versichern, fei beule nach einem bei einer hiesigen Agentur ciiigetroffer.en chiffrierten Telegramm auf den Befestigungen von Tripolis eine weiße Fahne aufgezogen worden.

* Mailand, 4. Ott. 1911. Eine in später Abendstunde veröffentlichte Extra-Ausgabe des „2t- colo" erklärt, ans offiziöser Quelle die Nachricht er­halten zu haben, daß die Stadt Tripolis um llNhrvormittagssichdeuJtalieuern er g e b e n h a b«. In Mailand herrscht ungeheurer Jubel.