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j* 2L7. Erstes Blatt.

Fulda, Mittwoch den 4. Oktober 19l1.

38. Jahrgang.

Reichspost' wird

Karte zu» italienisch-türkische» Krieg.

in der Türkei stehe.

* Wien, 3. Ott. 1911. Ter

Deutscher Reich.

** Zur Marokkofrage.

Aus Paris wird berichtet: Im Ministerrat vom Montag erklärte der Minister des Aeußeren de Sel- ves, die frarizösisch-deutschen Verhandlungen machten befriedigende Fortschritte. Im Anschluß daran teilte die „Agence Havas" mit:

Ein endgüliiges Einvernehmen über Marokko steht unmittelbar bevor. Es konnte sestgestellt werden, daß auf beiden Seiten der lebhafte Wunsch nach einer Einigung besteht, da Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter und Botschafter Cambon einzig und allein bestrebt sind, zu einem Text zu gelangen, der vollkommen klar und jeder Zweideutigkeit bar ist und so sür die Zukunft jede Ursache zu Reibungen oder zu Mißverständnissen verhütet.

Soweit wäre ja alles leidlich und ließe die Hoff­nung zu, daß endlich das Handeln um das eigentliche Marokko zu Ende gehen wird. Aber der hinkende

vor ihrem Korrespondenten aus Ragusa milgc- teilt: Täglich treffen italienische Dainpser in Antivari ein, die Kanonen, Gewehre und Lebensmittel ausladen. Ob diese Materialien für Montenegro oder Nord-Albanien bestimmt sind, war nicht in Erfahrung zu bringen.

Bote kommt nach, denn am Schluß der offiziösen Ha- vasdcpesche befindet sich der böse Satz:

Man verhehlt sich iudeffen nicht, daß die K o n g o - frage nicht weniger schwierig und nicht weniger heikel zu regeln ist.

Also mit einem Mal: schrumm! ein ander Bild in dem marokkanischen Guckkasten. Bisher hieß es immer, daß gerade die Kompensationsfrage sich am leichtesten würde regeln lassen. Es fragt sich, wer hinter dem „mar." steckt. Jst's Deutschland oder Frankreich? Fordert Herr v. Kiderlen zu viel und will Cambon zu wenig geben, oder was gibt's sonst Heikles bei der Kongofrage?

Ausland.

: gin politischer Mord iu Finnland. In Abo wurde derPräsidentdesHofgerichts Waldemar von Hellen, als er aus seinem Hause auf die Straße trat, von dem 24jährigen Kommis einer Eifenhandlung, Bruno Forsftroem, getötet. Ter Täter verübte Selbstmord. Das Verbrechen wird auf politische Beweggründe zurückgeführt.

vom Schuß. Das Meer unterhalb südwestlich der türkischen Hauptstadt ist das Marmarameer; die schmale Seestraße, die es mit dem zwischen Griechen­land und Kleinasien gelegenen Ägäischen Meere verbindet, sind die aus der Geschichte bekannten Dardanellen, die auch m diesen Tagen als Schauplatz der angeblichen Vernichtung der türki­schen Flotte genannt worden sind.

Die neben stehende Karle gibt unseren LeferneinBild des Schau­platzes, auf dem der tür­kisch- itali. Ni­sche Krieg sich abspielt. Tri­st olis, das umbestrittene Gebiet, ist nur mit seinem Nordrandver- zeichnet, das übrige süd­licher ge legene Gebie: ist Wüste. Der östlicheTeilbei Benghasi ii. dasCyrenaika genannte Ge­biet. Nahe der

Der Kaperkrieg.

♦ Mailand, 3. Okt. 1911. Der türkische Drei­master .Poseidon' in Neapel und zwei Segelschiffe in Brindisi wurden von Italien genommen. Das gleiche Schicksal wiederfuhr einem in Ban begriffenen türkischen Kreuzer auf der Werft Ansaldo zu Sestri Ponente. Anderseits sollen in den Dardanellen drei italienische Handelsdampfer von den Türken gekapert worden fein.

* Mailand, 3. Okt. 1911. Einer Meldung des ,Sccolo' zufolge soll das italienische Segelschiff „Meiloria', das 3000 Tonnen Lchensmittel an Bord hatte, von den Türken in den Dardanellen gekapert worden sein. Die aus 28 Mann be­stehende Besatzung wurde zu Kriegsgefangenen gemacht. — Aus Konstantinopel wird weiter ge­meldet, daß der italienische Dampfer „Ernest Jlardi" gekapert und seine Besatzung nach Kavan gebracht wurde.

Die Stimmung in der Türkei.

= Solonik, 3. Okt. 1911. Das Komitee für Einheit und Fortschritt, das anfangs die

** Unruhen in Portugal.

Die nach der Weinernte ertoaoteten Monar­chistenvorstöße sind nun eingetreten; wie wir I bereits berichteten, find in Oporto Unruhen ausgebro­chen. Die wegen der Ereigniffe Verhasteien sind nach Lissabon geschickt worden. Am Abend griffen darauf Gegner der Monarchisten eine katholische Buch- Handlung und zwei Gebäude an, die katho­lische Vereine beherbergen, zer st orten die Möbel und steckten fie zum Teil in Brand. Also be­ginnt der Vandalismus wieder. In Santo Thyrso und in Felgueiras erfolgten ebenfalls monarchi­stische Kundgebungen, die beweisen, daß der ganze Norden unterminiert ist. Nach beiden vorhin ge­nannten Plätzen find Truppen gesandt. Auch in Pa- redes, in Guimaraes und in Fase fanden Revolten statt. In Santo Thyrso wurde die blauweiße ^ahne gehißt. Ein aus Porto abgesandtes Telegramm sagt, daß sensationelle E r e i g n i s s e z u e r w a v- t e n feien. Die Regierung gibt bckcmnr, daß sie ent? schloffen fei, mit größter Energie vorzugchen; es wurde der Befehl gegeben, nötigenfalls Porto zu bombardieren. Diesmal scheint es Ernst zu werden.

Aus Santiago in der spanischen Provinz Co- runa kommt die Aufsehen erregende Meldung, daß der Kapitän Paiva Couceiro, das Haupt der porrugiesischen monarchistischen Verschwörung, am 1. Oktober, 2 Uhr morgens, mit 4000 Bewaff­neten, mehreren Geschützen und 120

Grenze von Aegypten liegt der Hasen Bomba; auf ihn haben es jetzt angeblich die Engländer abgesehen, die ihren Stützpunkt auf der Insel Malta haben. Italien gegenüber, etwas nördlich von der griechischen Grenze findet sich die in diesen Tagen vielgenannte Hafenstadt Prevesa. Die Karte veranschaulicht auch die geringe Entfernung Italiens von Tripolis. Konstantinopel liegt weit

Tausend Pferde wurden auf dem Dampfer H annio eingeladen, der nach Augusta absahren wird zu­sammen mit dem Dampfer Lazio, der gleichfalls Pferde unb Maultiere transportiert. Der Kohlen­dampfer Emanuele Accame wurde von der Regierung beauftragt, seine Ladung nach Augusta zu dringen, wo eine Kohlenrinn ahmestation sür die Flotte eingerichtet wird. Auch in N e a p e l herrscht lebhafte Truppenbewegung, die Bevölkerung begrüßt die Soldaten mit lebhafter Sympathie.

* Mailand, 3. Oft 1911. Der.Avanti' meldet aus Spezia, daß die Truppentransporte und die Transportflotte zur Abfahrt bereit seien. Das Hilfs- geschwa.er, befehligt vom Kontreadmiral Bora Ricci, werde die Transportflotte begleiten, während der Sicherungsdienst außerdem noch durch kleinere Schiffe besorgt wird.

An der albanische» Küste.

Oesterreich-Ungarn hat die tatendurstigen Jtalia- nissiwi, die am liebsten Albanien erobern und dann den Oesterreichern das adriatische Meer sperren möchten, sofort energisch zur Ruhe verwiesen. Den bisherigen Nachrichten darüber reihen wir folgende energische österreichisch-offiziöse Preßstimme an:

Der „Pester Lloyd" meldet aus Wien: Man hat hier mit Genugtuung das Dementi von der Landung italienischer Truppen an der Küste der europäischen Türkei zur Kenntnis genommen. Indessen herrscht der Eindruck, daß die Einschränkung des Krieges auf seinen Herd, welche die italienische Zirkularnote betont hatte, von den italienischen MMSrkreisen eineweitgehende Auslegung erfährt. Dieser Eindruck wird durch die Versicherung nicht abgeschwächt, daß die ttalienischen Kriegsschiffe, sobald der Zweck des Krieges erreicht sei, die albanischen Gewäffer wieder verlassen sollen. Man kann wohl verlangen, daß eine Politik, welche die Ver­pflichtung zur Erhaltung des Status quo im Orient wiederholt anerkannte, auch in der Wahl der Mittel für ihre kriegerische Aktion ä u ß e r st e B e h u t s a m k e i t onwende.

Der Korrespondent des Mailänder „Secolo" meldet aus Wien: Wie man mir aus gutinformierten Kreisen mitteitt, hat Graf Aehrenthal in der Unterredung mit dem ttalienischen Botschafter bei Entgegennahme von deffen Ertlärungen über die italienischen Aktionen in der Adria und im Ionischen Meer erklärt, er sei davon völlig befriedigt, müsse jedoch hinzufügen, daß kein neuer italienischer Angriff auf die alba» Nischen Küsten stattfinden dürfe; sonst müßte Oeflerreich- Ungnrn Gegenmaßregeln treffen.

* Saloniki, 3. Okt. 1911. Amtliche Depeschen bestätigen, daß die italienische Flotte nur 10 S ch ü s s e auf Prevesa abgegeben hat und sich bann wieder zurückzog. Die Küste von Vaioua bis Prevesa wird nunmehr durch 6 Reserve-Redisbrigaden bewacht. Nach dem „Tanin" sind vier Bataillone unb vier Batterien beordert worden.

Die türkische Kabinettskrise.

* Konstantinopel, 3. Okt. 1911. Die Bildung des Kabinetts Said stößt auschetnend auf unüberwindliche Schmierigkeiten. Als Nachfolger des Kriegsministers ist General Nasim Pascha in Aussicht genommen. Nasim Pascha war früher dem General von der Goltz zugeteilt. Da er sich dem jungtürkischen Komitee nicht fügen wollte, wurde er spater falt gestellt. Seine Er­nennung würde daher auch von politischer Bedeutung sein.

; Berlin, 3. Oktober 1911. Das Hoflager des Kronprinzen siedelt Mittwoch nach Danzig- Langfuhr über. — Die Frage, ob Rektoren ohne Examen Anspruch auf Amtszulagen haben, welche bas Oberverwaltungsgericht verneint hatte, hat jetzt bet preußische Kultusminister bejaht.

)( Und Kiderlen-Wächter sprach .... Der Staatssekretär des Auswärtigen hat eine Rede ge­halten. Aber er hat uns nicht etwa kund getan, wie die Verhandlungen über Marokko, die er nun schon seit Monaten führt, stehen, sondern er plauderte bei Eröffnung des neuen Unterrichtskursus für die Kon­sularanwärter über die Vorbildung unserer Berusskonsuln. Dabei gab er zu, daß die wirtschaftliche Vorbildung der Leute, die Deutschlands Ansehen und Macht in der großen Welt vertreten sollen, nicht immer einwandfrei ist. Er versprach eine bessere wirtschaftliche Vorbil­dung. — Die ist allerdings notwendig, denn es soll deutsche Konsuln im Auslande geben, die Schafwolle nicht von Baumwolle unterscheiden können und die allen Ernstes sich nach einem Bergwerk erkundigen, in dem Koks gesördert wird. So wurde wenigstens von einem Auslandreisenden, der diese Fälle selbst erlebt hat, vor einiget Zett berichtet.

+ Sicherung der Stellung der Eifenbshnarbeiter. Jtt der preußischen Staatsbahnverwaltung ist die Bestimmung getroffen worden, daß, Eisenbahn­arbeiter, die 10 Jahre lang beschäftigt worben sinb und sich immer gut geführt haben, nur dann entlassen weiden sollen, wenn die zuständige Eisen­bahnbirektion bte Entlassung verfügt. Von Bahn« me.ftereien und Inspektionen dürfen diese Arbeiter nicht ohne weiteres entlaffen werben, sondern, es muß ein entsprechender Antrag bei der Direktion gest llt werben. Diesem Anträge wirb nut bann stattgegeben, wenn der Arbeiter seine Pflichten gröb­lich vernachläsfigt hat oder wenn er arbeitsunfähig ist. In diesem letzteren Falle wirb eine befonbere Unterstützung gewährt, falls bie gesetzlichen Wohl« fakutseinrichtungen nicht ausreichen.

O Die elsaß-lothringischen Bundesratsbevollmäch- tigtcn. Die neue elsaß-lothringische Verfassung hat bekanntlich dem Reichslande drei Bundes ratsstimmen gewährt. Wie das B. T. erfährt, sind jetzt der Staatssekretär v. Bulach, der Unterstaatssekretär Köhler und wahrscheinlich auch dessen Kollege Mandel zu elfaß-loihringischen Bundesbevollmäch­tigten auserfehm. Stellvertreter soll der bisherige reichsländische Vertreter beim Bundesrat Dr. Sieve- king werden. Dagegen bleibt die Ernennung des Ministerialdirektors Nobis abzuwarten, da Elsaß- Lothringen, dem Beispiele Hessens folgend, sich even­tuell mit einem ständigen Stellvertreter begnügt. Mandel ist in den letzten Jahren immer mehr als der eigentliche Macher der elsaß-lothringischen Rs> gierungspolitik hervorgetreten. Von ihm stammte die famose Wahlkreiseinteilung, die von der Bevölkerung des Landes als Fastnachtsscherz ausgenommen wurde, sowie alle übrigen Maßnahmen, die darauf abzielten, den „Klerikalismus' (lies Katholizismus) in Elsaß- Lothringen an die Wand zu drücken. Herr v. Bulach ist zwar Katholik und ein geborener Elsaß-Lothringer, aber der eigentliche Staatssekretär in Straßburg, der die Poliiik des Landes macht, ist Herr Mandel.

schärfsten Repressalien gegen die ttalienischen Staats­angehörigen gepredigt hatte, wird mm von ben, Mo­hammedanern gedrängt, den Boykott zu verhängen und die A u s w e i s u n g vorzunehmen. Indessen hat das Komitee beschlossen, keine Repressalien zu gestat- ten, wodurch große Unzufriedenheit bei den Moham­medanern entftanben ist. Das Komiiee richtete einen A p p e l l an die öffentliche Meinung, in dem e8 gegen die Beraubung durch Italien, von der die Türkei be­droht werde, Verwahrung einlegt. Nicht die Türkei, sondern Italien verletze Menschenrechte und Gesittung. Die Geschichte ternie kein ähnliches Beispiel. Die Türkei werde die Waffen nicht niederlegen, bevor nicht der alte Stand der Dinge wieder hergestellt sei. Die türkische Nation fordere die öffentliche Meinung Euro­pas auf, sie moralisch zu unterstützen.

W Salon», 3. Okt. 1911. Obgleich die Regierung noch keinen Ausweisungsbefehl gegen die Italie­ner erlassen hat, reifen doch sehr viele von ihnen ins Ausland, da Gerüchte über bevorstehende Ge­walttaten im Umlaufe sind und auch öffentliche Drohungen des erregten Volkes laut werben. Viele im Dienste ber Orientalischen Eisenbahnen stehenbe Italiener mufften auf Befehl bet Regierung entlassen werden.

Der Ballan wird unruhig.

♦ Koustautinopel, 3. Oft. 1911. Man befürchtet eine Landung italienischer Truppen inSüb«Alda- nien unter Hülfe griechischer Truppen; die Mobilisierung der griechischen Armee soll bereits angeorbnet sein. Zum Schutz ber Linie Vallona-Pre- vesa hat bie Türkei in ben Wilajets Janina unb Berat vier Divisionen mobilisiert. Gleichzeitig sinb an alle Korpsbezirke Befehle abgegangen, sich für eine umfassenbe Mobilisation bereit zn machen.

* Athen, 3. Oftober 1911. Nach bem gestrigen Ministerrat gilt es hier als sicher, baß eine erheb­liche Verstärfung der griechischen Truppen­macht an ber Grenze von Epirus bevorsteht. Die Regierung glaubt biete Vorsichtsmaßregel ber butch bie türkischen Mob listerungen beunruhigten hiesigen Volksstimmung schulbig zu sein unb betont, baß dadurch ber Türkei kein Anlaß zu einem Miß- verständnis gegeben werbe. Die oppositionelle Presse mahnt bie Regierung zur Entschlossenheit unb Kühn­heit unb führt aus, baß Epirus burch ben Berliner Kongreß Griechenland zngesprochen worben sei.

Mailand, 3. Oft. 1911. Aus Athen fommenbe Melbungen besagen, baß bie Kretasrage in ein afutes Stadium getreten sei. Man bereitet ben Aft vollkommener Loslösung Kretas von ber Türfei im Einvernehmen mit ber Regierung vor.

* Belgrad, 3. Oft. 1911. Ter serbische Kriegs­minister ordnete bie Einberufung sämtlicher Reserve­offiziere aller Waffengattungen zu einer „einmona­tigen Waffenübung" an. An maßgebenber Stelle wirb allerbings erklärt, baß diese Maßnahme in keinem Zusammenhänge mit ben Kriegsereiguiffeu

x firito MM Stallen und her Mei.

Die Haltung der Großmächte.

* Rom, 3. Okt. 1911. Als Antwort auf die Ge­rüchte von einet Intervention Deutsch­lands veröffentlicht die „Tribuna' eine sehr bezeich­nende Note. Das Blatt schreibt: „Es ist möglich, daß an den Gerüchten von einer Intervention etwas Wahres ist, aber die Mächte wissen seht gut, daß ein Vertrag zwischen Italien und der Türkei nur dann zustande kommen würde, wenn die Türkei Tripo­lis a u f g i b t. Italien wird sich auf nichts ein­lassen, bevor die Türkei der italienischen Regierung nicht ausreichende Garantien geboten hat, die die Er­füllung ihrer Wünsche gewährleisten.

** Konstantinopel, 2. Okt. 1911. Die Pforte hat heute an die Mächte eine d r i r t e Aufforderung zur Intervention abgesandt. Das Parlament wird bestimmt am 14. Oktober zusammentreten.

\ * Konstantinopel, 2. Okt. 1911. Der hiesige eng­lische Botschafter hat dem Grohwesir die Ant­wort des Königs von England auf dm Appell des Sultans mitgetrilt. In der Antwort wird die Un- Möglichkeit hervorgehoben, eine Vermittlung zu über­nehmen und der Pforte ungeraten, mit allen Mitteln eine Verständigung mit Italien zu suchen. Der fran- z ö s i s ch e Geschäftsträger hat dem Großwesir eine ähnliche Mitteilung gemacht.

Bombardement

von Tripolis?

* Mailand, 3. Ott. 1911. Ein Dampfer, der Malta passierte, brachte die Meldung, daß die „Der- na" im Hafen von Tripolis beschossen und in den Grund gebohrt worden sei und das Bom- bardement auf die Stadt solle heute be­ginnen. Es soll den Fremden wie den Eingeborenen Zeit gelassen werden, sich in Sicherheit zu bringen. Die Nachricht wird vom Ministerium des Innern b e st ä t i g t.

* Mailand, 3. Okt. 1911. Die „Tribuna" dringt die Meldung aus Malta, daß die i t a l i e n i« schen Kreuzer im Hafen von Tripolis eingefahre» sind und die Forts, das Kastell, sowie alle höher gelegenen Punkte bombardiert haben. Dann wurden Soldaten ausge­schifft. Am Ufer weht die italienische Flagge. Diese Nachricht wurde allerdings vom Marinemi­nisterium noch nicht bestätigt, aber man nimmt be- stinlmi an, daß das Bombardement stattgesunden hat. — ' '

* Paris, 3. Oft. 1911. Nach den letzten aus Rom eingetroffenen Nachrichten haben die Italiener das Bombardement begonnen. Man nimmt aber an, daß es sich zunächst nur darum han­delt, festzustellen, ob die türkische Besatzung über­haupt dieses Bombardement beantwortet und Wider­stand leistet. Dies dürste aber kaum der Fall sein und die Landung der Italiener wird deshalb wohl nicht lange auf sich warten lassen. In der diplo­matischen Welt hofft man, daß damit der Krieg b e- endet fein wird und daß die Diplomaten allein das Wort behalten.

* Mailand, 3. Oft. 1911. Der „Secolo" mel­det aus Malta, fünf englische Kriegsschiffe seien dort angelangt, um Munition und Kohlenvorräte aufzunehmen und am Mittwoch mit versiegelten Befehlen weiterzufahren. Die Besatzung erzähle, daß sie am Montag abend der italienischen Flotte begegnet sei, die an ber Küste von Tripolitanien unb der Khrenaika kreuze, und daß in Tripolis die Landung der Marinetruppen be­reits erfolgt sei, welche die italienische Flagge gehißt hätten.

1 W London, 3. Oft. 1911. Nach Meldungen aus Malta haben sich die Türken und die Araber h i n- t e r Tripolis verschanzt. Die türkischen Truppen sind wohldiszipliniert und sämtlich mit Mausergewehren bewaffnet. Ihre Stärke wird wohl mit 60 000 Mann etwas übertrieben angegeben, doch sind sie gemeinsam mit den Arabern ein nicht zu unterschätzender Gegner. — Verschiedene Privat­jachten mit Journalisten haben bisher vergebliche Versuche gemacht, nach Tripolis zu gelangen. Alle Schiffe werden, sobald sie sich Tripolis nähern, durch einen Kanonenschuß gewarnt. Durch diese Kanonen­schüsse ist das Gerücht ausgetaucht, daß Tripolis bombardiert würde.

। * Konstantinopel, 30, Sept. 1911. Die Kabe l-

verbindung nach Tripolis ist gänzlich unter­brochen. Das tripolitanische Kabel wurde durch- f geschnitten und mit seinem Ende auf einem ita­lienischen Kriegsschiff installiert.

W Rom, 3. Okt. 1911. Die „Tribuna" meldet aus Malta: Die in Tripolis ansässigen Ara­ber, die von einem Italien feindlich gesinnten Jour­nalisten aufgereizt wurden, gegen die dortigen Ita­liener die Waffen zu ergreifen, bemächtigten sich der von den Europäern zurückgelassenen Vorräte. ,Bon ttalienischen Panzerschiffen aus sah man .Scharen von Tnpolitanern von einer Stadtseite »ach der anderen laufen, wo sie sich an die Getreide-, Mehl- und Zuckerspeicher, vor allem aber an die Brotverkaufsstätten der italienischen Untertanen in verschiedenen Stadtvierteln heranmachten. Es kam auch zu Angriffen auf Magazine, aber Soldaten verhinderten die Plünderung, da sich in den Spei­chern außer ttalienischen Waren auch französische, deutsche und englische befanden.

Trnpp-ntranßporte.

* Mailand, 3. Okt. 1911. Gestern verließ der Dampfer Bologna, ber bie Kriegsflagge gehißt hatte, mit 1000 Soldaten Infanterie unb Artillerie unb Munition beladen, Genua. Morgen wird ihm der Dampfer America mit 500 Mann folgen.

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