M 226.
Oknstog 3. ©höher 19U
58. Zahrgairg.
* Tuldaer
Zeitung
2. Blatt.
vrttck und Verlag 6er Sulbaer Äctienbrudetei in Fulda.
Je* Tüneivorscr Slehrenlese.
Die Offiziösen hab-.n ihre Sprache wiedergefunden, — jetzt, nachdem in Düsseldorf nichts mehr zu retten und auch nichts mehr zu verderben ift! Während der ganzen langen Zeit der Vorbereitung für die Hauptwaht und dann für dir Stichwahl suchte man vergebens in der „Nordd. Allg. Ztg." ein Wörtchen der Mahnung an die Nationalliberalen, in der Abwehr der Umsturzpariei die bürgerliche und nationale Pflicht zu erfüllen. Herr t>. Bethmann Hollwcg und seine Leute schwiegen, als ob es ihnen ganz gleichgil- tig wäre, ob Düsseldorf durch einen Sozialdemokraten oder einen Zentmmsmann vertreten würde! Nun ist das Unglück geschehen, und in demselben Augenblick gestatt ei sich das offiziöse Blatt eine zarte Kritik der uationalliberalen Wahltaktik, die an der vollendeten Tatsache nichts mehr zu ändern vermag. Eine zarte Kritik! Sie lauiet nämlich folgendermaßen:
„Nachdem die Düffelsorter Liberalen EummenlHaltung bei derSlichwahl empfohlen hallen, war dasErgebnis nichl schwer vorauszuseheu gewesen. Die »Wormser Zeitung" detonle sogleich, daß nur eine Freigabe der Abstimmung der Sachlage enl'prochen hättet
Wenn das die ganze Tapferkeit der Offiziösen in der Bekämpfung von sozialdemokratischen Wahlen sein und bleiben soll, so w.rden die Roten es im nächsten Januar leicht haben. Also „Freigabe der A b- stimmung" — das ist das Höch st e, wozu eine liberale Partei sich aufschwingen soll angesichts einer Stichwahl zwischen Sozialdemokratie und Zentrum! Eine Aufforderung, für den bürgerlichen Kandidaten gegen den Umsturz einzutreten, wagt man weder in Worms noch in Berlin ihr zuzumuten! Natürlich hätte in Düsseldorf eine bloße „Freigabe der Abstimmung" nicht ausgereicht, um die schöne Stadt vor dem roten Banner zu verwahren. Es würde bei dieser Halb- heitsstarole ungefähr dasselbe Stimmergebnis heraus- gelMninen sein, da die linksliberalen Wähler die „Freiheit" benutzt hätten, einen roten Stimmzettel abzu- gcben, und die bedächtigen Elemente darin keinen wirksamen Anstoß zur Stimmabgabe gefunden hätten. Wem: etwas helfen sollte, so konnte es nur der kräftige Appell an das staatsbürgerliche und monarchische Gewissen sein. Es ist aber sehr bezeichnend, daß nicht einmal das offiziöse Blatt einen solchen Aufruf zur Abwehr der Umsturzpartei für „der Sachlage entsprechend" erachtet!
Was soll man da mehr bewundern, die zarte Rücksichtnahme des Herrn von Bethmann Hollweg auf die Nationalliberalen oder die Geringschätzung des Zentrum skandidaten? Jedenfalls müssen wir Zentrumsleute uns das Vertrauen auf die Unterstützung der R e g i e r u n g bei den nächsten Wahlen abgewöhnen. Wir werden keine andere Hilfe finden, als in der eigenen Kraft. Damm muß überall die Parole fein: Ausbau der Zentrumsorganisation unter schleuniger Beseitigung aller Mängel, die sich oben oder unten eingeschlichen haben sollten! Verbreitung der Zentrumspresse bis in die letzte erreichbare Hütte! —
Aber ist nicht gerade in Düsseldorf verkündet worden, daß die diesmalige Stimmenthaltung der Ratio- aallibcralen keinen anderen Zweck habe, als für ein Stichwahlabkommen für eine Reihe von rheinisch-westfälischen Wahlkreisen zwischen der Zentrum s- und der nationalliberalen Par- tei den Boden zu bereiten? Nun, wir habm schon vor dem Wahlausgänge dargelegt, daß die gegenwärtige Wahltaktik das schlechteste Mittel zur Vorbereitung und solchen Zweckes sein würde. Heute möchten wir ein Zeugnis aus dem „Berliner Tageblatt" anführen, das folgendermaßen lautet:
„Wenn die Eruhallsamk.itsparole der Natioual- liberalen in Düsseldorf etwas enthüllt hat, so ift es d-och die Tatsache, daß die Rationalliberalen dem Zeunum auch nicht entfernt so viel zu bieten haben, wie fie sich eingebildet hatten. Wieviel von den 15000 Wählern, die 1907 noch für den Rattonal- liberalen gestimmt hatten, sind der Parole der lokalen Parteileitung denn gefolgt? Doch bestenfalls 2— 3000t Damit „sichert" man noch nicht die Berschacherung von Wahlkreisen mit 100000 und mehr Wahlberechtigten.
In der Tat wird das Zentrum vor allen Stichwahlabkommen mit anderen Parteien die Leistungsfähigkeit des Kontrahenten genau zu prüfen haben. Es genügt nicht, daß der Gegenpart sagt, er habe bei der Hauptwahl oder in einem früheren Wahlgange so und so viele Stimmen gemustert; vielmehr muß auch klar gestellt werden, ob und in
welchem Umfange diese Stimmen einer Parole zu Gunsten des Zentrumskandidaten Folge geben würden. Nachdem in Düsseldorf die Parole „Lieber rot als schwarz", so weithin ihre Zugkraft erwiesen hat, müssen wir mit noch mehr Vorsicht, als bisher, vor Wahlabmachungen mit den Liberalen herantreten. Lieber noch besiegt, als geprellt!
Wenn man genau zuficht, so haben Bei der Düsseldorfer Affäre die Nationalliberalen noch mehr verloren, als das Zentrum.
Amt Geisa und Umgebung.
* Vacha, 2. Okt. 1911. Infolge des zwischen Italien und der Türkei ausgedrochenen Krieges sind alle im hiesigen Industriegebiet beschäftigten kriegsfähigen Italiener aus schnellstem Wege in ihre Heimat beordert worden. Bereits am Freitag reiste ein Teil dieser Leute ab. Auch am Samstag und Sonntag wurde die hiesige Station von zahlreichen Italienern berührt, welche über die Linie Vacha- Hünfeld der Heimat zueilten.
* Dermbach, 3. Okt. 1911. Dem von hier scheidenden Pfarrer Wiegand widmet der katholische Kirchenvorstand namens der katholischen Pfarrgemeinde Dermbach einen warmen Nachruf. Unter den Verdiensten, die sich Pfarrer Wiegand während seiner 19jährigen Tätigkeit in Dermbach erworben hat, wird besonders seine Sorge für die herrliche Ausschmückung der Pfarrkirche und sein rastloser Eifer für die Erweiterung und für die innere Ausgestaltung des Krankenhauses „Josephium" hervorgehoben. Besonders verdient gemacht hat sich der Scheidende auch um die Hebung der Bienenzucht in hiesiger Gegend.
.* Stadtlengsfeld, 2. Okt. 1911. Am Sonntag wurden die Feuerwehren von hier, Weilar, Oechsen und Gehaus durch den Laudesbranddirektor Probst aus Weimar besichtigt. Bezirksdirektor Baron von Groß wohnte der Besichtigung bei.
* Unterweid in der Rhön, 3. Okt. 1911. Bei den Bohrungen nach Kali, die seit geraumer Zeit in unserer Flur vorgenommen werden, hatte man in letzter Zeit recht mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Trotzdem werden die Bohrungen fortgesetzt und führen hoffentlich zu dem Resultat, daß hier Kalt gefunden wird und wir in unsere industriearme Gegend ein Kaliwerk bekommen.
* Aus Thüringen, 2. Ott. 1911. Der Eisen- bahnverwaltung in Eisenach stellte sich freiwillig der Eisenbahnassistent Kurt Becker au8 Friedrichs- roda, der von dort nach Unterschlagung amtlicher Gelder flüchtig geworden war. Aus Veranlassung der Bahnverwaltung nahm die Polizei den Defrau- bauten in Gewahrsam. — Die katholische Kirche breitet sich erfreulicherweise immer mehr in Thüringen aus; jetzt soll auch in Schmölln ein ka- tholisches Gotteshaus errichtet werden. — In Il» men au dürfe« Leute aus verseuchten Gehöften an Tanzluftbar keilen nicht teilnehmen; am Eingang zum Tanzsaal muß ein mit Lysol getränkter Sack zum Reinigen der Schuhe liegen. Trotzdem greift die Maul- und Klauenseuche weiter um sich.
21ms »betMen «• den tzeff. Aemkni.
* Staufenberg, 3. Oft 1911. Die ledige Minna R. stürzte hier beim Strohholen vom Boden in die Scheunentenne, woselbst sie von ihren Angehörigen in bewußtlosem Zustande ausgefnriden wurde. Die erlittenen Verletzungen sind glücklicherweise nicht lebensgefährlich. — Em bei dem Klempnermeister Schell berg in Arbeit stehender Geselle stürzte nachts anS dem Fenster fernes im 3. Stockwerk gelegenen Schlafzimmers und erlitt schwere Verletzungen, welche seine Ueberführung in die Klinik nach Marburg notwendig machten.
[:] Renßabt, 2. Ott. 1911. Zum Stadtförster hrerselbst wurde Herr Sembtsch, bisher Vizefeldwedel beim J^et Bataillon zu Marburg, ernannt.
(::) Amöneburg, 2. Oft 1911. Zum 1. Oktober ds. IS. »st bekanntlich Herr Lehrer Rausch als 1. Lehrer nach Petersberg b. Fulda berufen worden. Zu Ehren des Scheidenden veranstaltete der hiesige kath. Geselleuverein einen Fackelzug. Das Mit- glied A. Klien» dankte im Namen des Vereins dem Scheidenden besonders dafür, daß er dem Verein und der ganzen Stadt als unvergeßliches Andenken
die von ihm ins Leben gerufen« und gut ausgebildete Musikkapelle hinterlasse. Herr Hauptlehrer Rausch dankte in herzlichen Worten dem Vereine für die Beweise der Liebe und Dankbarkeit Sein letzter Gruß war: „Gott segne daS ehrbare Handwerk!" An den Fackelzug und das Ständchen schloß sich eine Abschiedsfeier im Dereinslokale. — Arn Sonntag mittag zog der hiesige Kriegerverein mit Musik in den Finkhautschen Saal, wo dem Verein aus Anlaß des 25 jährigen Bestehens durch den Vorsitzenden des Kreis-Kriegerverbandes eine Fahnenschleife übereicht wurde. Die Hauptstiftungsfeier soll im Lause des nächsten Jahres stattfinden.
* Fritzlar, 2 Ott. 1911. Bereits feit einigen Jahren, so lesen wir im Raffelet Tagebl/, ist hier die Errichtung eines Kriegerdenkmals geplant und die Platzfrage besprochen worden. Dabei ist anscheinend noch nicht erörtert worden, daß von feiten des Hessischen Geschichtsvereins die Errichtung eines Denkmals für Heinrich den Finkler, welcher im Jahre 919 in unsere» Mauern zum König gewählt wurde, zum tausendjährigen Gedächtnis angestrebt werden soll. Zwar hat bereits Herr Fabrikant Edmund Dietrich zur Erinnerung hieran in seinem am Domplatz, vielleicht sogar genau an der Stelle der alten Königspfalz, vor einigen Jahren errichteten, dem Stadtbild« an gepaßten Neubau, durch die Anbringung eines in einer Kunstanstalt hergestellten großen Dielensensters dieser Begebenheit gedacht. Das Bild zeigt Herzog Heinrich am Vogelherd, wie ihm die Rerchs- inftgnten überreicht werden. Aber auch ein öffentliches Denkmal muß an die glorreiche Vergangenheit unserer altertümlichen Stadt erinnern und zugleich eine weitere Sehenswürdigkeit für jedermann bilden. Mögen darum die hiesigen Mitglieder des Hessischen Geschichtsvereins sich gemeinsam mit der Stadtverwaltung noch rechtzeitig betreffs glücklicher Lösung der Platzfrage für beide Denkmäler mit dem hiesigen Kriegerverein verständigen.
vermischter.
* Ein abfälliges Urteil Edisons über Deutschland. Der große Erfinder hat sich einem Landsmann, dem Korrespondenten der „Newyork World" gegenüber, der ihn auf der Reise begleitete, vor feiner Abfahrt von Hamburg keineswegs so sehr günstig über Deutschland ausgesprochen, wie er es den Berichterstattern Berliner Blättern gegenüber beliebte. (Vgft Nr. 224). Vor allem findet Edison die allgemein verbreitete Annahme, daß Deutschland auf der Höhe der Zeit sei, durch seine Beobachtungen keineswegs gerechtfertigt. Er hat sii deutschen Fabriken nichts Neues gesehen. Ueberall fand er amerikanische Werkzeuge, amerikanische Erfindungen in Gebrauch. Amerikaner könnten von der deutschen Industrie nichts lernen, wohl aber die Deutschen von der amerikanischen. „D i e deutsche Pfennig fuchserei" sei ihm selbst in großen Betrieben ausgefallen. „Ueberall kleinliche Sparsamkeit. Kommt eine neue Maschine auf, so wird bet deutsche Fabrikant sie erst dann aufkaufen, wenn 'eine veraltete Maschine ausgenutzt ist. Der intelli- gjmte Amerikaner ist nicht so ku^sichtig und gibt sein Geld freigebig aus, wo es was einzubringen verspricht. Auf die deutsche Geschäftsmoral ist Th. Edisons auch nicht gut zu sprechen. Der berühmte Amerikaner scheint nicht zu wissen, daß wir über die englische Geschäfis- moral genau so abfällig urteilen wie er über die deutsche. Mit der „Pfennigfuchserei", die ihm nicht gefallen hat, wird er wohl den Mangel an amerikanischer Geldprotzerei gemein haben.
* Die alten märkischen Edelsitze gehen immer mehr in den Besitz der Berliner Finanzaristokratie über. So hat der bekannte Direktor der Deutschen Bank und Mitglied des preußischen Herrenhauses, von Gwinner, das prächtige Schloß und Rittergut Krunke in bet Altmark, bisher der Familie von Kahlden gehörig, für 1010000 Mack gekauft. Namentlich der Pack des Schlosses, das unweit der Kreisstadt Osterburg liegt, »st herrlich. Dem bisherigen Besitzer Herrn von Kahlden gehörte früher mich das Ostseebad Heiligendamm.
* Martyrium einer Forschungsexpedittor». An Bord eines Fischdampfers, der von Spitzbergen nach Tromsö zurückgekehrt ist, befinden sich zwei Ueberleben de einer norwegischen Expedition, die sich im vorigen Jahre zur Jagd nach Spitzbergen begeben hatte, aber im Herbst infolge bet ungünstigen Eisver
hältnisse von bet Rückkehr abgeschnitten und gezwun- gen worden war, auf Spitzbergen zu überwintern. Die mtS fünf Mitgliedern bestehende Expedition hatte wäh- ren!> des Winters die furchtbarsten Qualen und Entbehrungen zu erleiden gehabt. Drei Mitglieder sind int, Februar Hungers gestorben. Die beiden jetzt Geretteten hatten sich seit Monaten ohne Lebensrnittel befunden und ihr Leben zuletzt nur noch dadurch auf- rechtechalten, daß sie das Leder ihrer Stiefel und ihre Pelzweckbckleidung kochten und verzehrten. Sie hatten' längst alle Hoffnung auf Rettung aufgegeben und be»- fanden sich, als sie von der Besatzung des Fischdampfers aufgesunden wurden, in äußerster Not und halbtot' vor Kalle und Hunger.
# Eine Kesselexplosion, durch die große Vorräte an Kohlen vernichtet wurden und ein Gebäude von 15; Meter Länge und 6 Meter Breite in Trümmer gelegt- wurde, entstand gestern in den Tegeler Gaswerken. Drei Arbeiter, die dabei verschüttet wurden, konnten gerettet werden.
• Unter dem dringende« Verdachte, im Oktobers 1907 die Gärtnersfrau Milde in Bertholdsdorf bet! Reichenbach ermordet und beraubt zu haben, wurde der Kutscher Mann in Reichenbach verhaftet.' Mann wurde vor einigen Tagen vom 46. Infanterieregiment in Posen entlassen. Er brachte Sonntag die der Ermordeten geraubte Uhr zum Verkauf zu einem Uhrmacher, der sofort der Polizei Mitteilung machte.
• In der Kirche Samt Severin in Paris brach am Sonntag während des Gottesdienstes ein Brand aus, der vermutlich durch brennende Kerzen ent» ftanben ist. Durch die eingetretene Panik wurden einige Personen leicht verwundet. Zahlreiche kostbare Reliquien sind verbrannt. Der Schaden ist sehr beträchtlich.
* Während er die Totenmesse für Swlypin in der überfüllten Kirche abhielt, ist am Sonntag der griechisch-katholische Bischof von Kiew Paul Tschigioniski am Altäre niedergestürzt und infolge eines Herz, schlages nach wenigen Minuten gestorben. DaS traurige Ereignis machte auf die Gemeinde einen erschütternden Eindruck.
• Attentat auf einen Lehrer. In Kronstadt (Rußland) schoß der Gymnasiast Gawrilow während der Unterrichtsstunde zweimal auf den Lehrer Biela- Win, ohne ihn zu treffen, worauf et sich durch einen Schuß in den Mund selbst tötete.
* Bei einer Ueberfchwemmung im Gögtzu-Tale inj Anoldolhissar, einem Vorort Konstantinopels, wurden etwa 2 0 Häuser und Villen, darunter eine Mühle, und Gärten zerstört. Der Schaden wird auf etwa eine Million Frank geschätzt.
Reklamen- und Anzeigenteil
Zur Kräftigung
der Knochen.
Mein 8i jährige» Töchterchen Anna, das im erste« Lebensjahr sehr unter einem zarten Knochenbau zu leiden gehabt hatte, besten Folgen sich immer wieder zeigten, hat mir zu Anfang des Jahres große Sorge gemacht. Das Kind War so schwach, daß es tatsächlich kaum laufen tarnte. Ich ließ es deshalb eine Zeitlang regelmäßig
Scotts Emulsion nehmen und kam heute feststellen, daß mein Töchterchen nach vier Wochen um 3j Pfund zugerwmmen hat. Die gewünschte Kräftigung ließ nicht lange auf sich Warten, und heute springt die Kleine über Stock und Stein, ist viel heiterer als früher und entwickelt auch einen ganz gehörigen Appetit.
^ya^au^ola Luder, Nürnberg, Unterer Judachos» m,
Daß Scotti Lebertran-Emulsion, Wie kaum ein anderes Mittel, dazu beiträgt, die Knochen der Kinder zu kräftigen, daß Kinder, die nicht stehen und laufen lernen wollen, schon nach kurzem Gebrauche der echten Scotti Emulsion cmfangen, sich auszurichten, allein auf den Füßchen zu stehen und zur Freude ihrer Eltern bald iu laufen beginnen, iftttne jetzt unzählige Male festgeftellte Tatsache, über die sich nichts Neue! mehr sagen läßt. Diese allgemein anerkannter» Erfolge sprechen für sich selbst. ,,
Scotti $matflon wird don tmi auischliitzliH tm großem verkauft, und zwar nie lote nach Gewicht oder Maß, sondern nur in versiegelt« Originalslaschen bi Äation mu «uferet Schutzmarke iFischer mit dem Lorsch). Scott » Bowne, G. m. t. H., Frankfurt a. M.
Bestandteile: Feinster Medizinal-Lebertran 160,0, prima Glyzerin 50,0, unterphosphorigsaurer Kall M. unierphoSpcho- rigfaurei Natron 1,0, duld. Tragant 6,0, seinster arab. Summt tzulv. 2,0, Master 121,0, Alkohol 11,0. Hierzu aromatische Emulsto, mit Zimt-, Mandel- und Ganltheriaol je 1 Tropfen.
Lebenswende.
1] Roman von Horft Bödem er.
I.
Man umerhielt sich sehr ungeniert über Hans Heinrich v. HaLburg bei v. Lobetdous.
„Denken Sie nur, Hals über Kopf hat er sein Gut verkauft! Vor acht Tagen saß er noch hier bei mir am Tische und hat ftin Wort von seiner Absicht gesagt," meinte die Hausfrau entrüstet, während zwei Diener die Fsrellen herum»eichten.
„Na ja," brummte der alte Rodenbeck, „die Jugend von heute hat eben keine Traditionen mehr!"
„Sein Onkel, Arwed Hakburg, hat nun seine Schwester Ada, das arme Ding, für immer zu sich genommen! Die beiden find mit dem leichtsinnigen Keck ganz auseinander," rief v. Wusttrmack lSut über den Tisch.
Ein jüngerer Herr von dreißig Jahren wies den Redner scharf zurecht. „Es ist leicht, den Stab über jemenb zu brechen, der sich nicht verteidigen kann!"
^Wallen Sie den jungen Hakburg vielleicht verteidigen, Herr v. Sosquen?" fragte der Gastgeber erstaunt.
„Richt unbedingt! — Aber man soll nicht vergessen, daß^die Menschen verschieden veranlagt find!"
. «ra“ ü- Rodenbeck wollte von Entschuldigungen «1(^16 mtffen. „Wenn ich an die Zeilen denke, in denen td, noch umg war, — bor dreißig Jahren! Da dachte keiner an solche Zettenfrminge! Der ganze Kreis n>ar untnreinanber verwandt und verschwägert! Aber wer sitzt denn jetzt in Lobeutal, in Ochsenfurt, in Dreiensen auf den Gütern? Reichgewordene Leute aus Magdeburg! _ Daß der junge Hakburg sein schönes Gut ausgerechnet an einen Bierbrauer verkauft hat, das nehme ich ihm besonders übel!"
Ein Lächeln um die Lippen sah Sosquen die alte Dame im weißen Haar mit den strengen, blauen Augen an. „GnKhige Frau, es ändern sich eben die Zeiten!"
Löberdau^zog die Augenbrauen hoch. „Allerdings, aber besser werden sie wahrhaftig nicht!"
Vielleicht tragen wir selbst einen Teil der Schuld!"
^Da legte der größte Teil der Tafelrunde die Fischbestecke weg und sah den dreisten Sosquen erstaunt an. Er galt als ein Mann von sehr modernen Ansichten.
Die Hausfrau rief erreAv „Bitte, mein Verehrtester, etwas deutlicher!"
„Gnädige Frau — ich werde anstoßen. Ich habe wich ja erst vor zwei Jahren im Kreise angekauft und waße mir über die Herrschaften kein Urteil an; überhaupt rede ich nur hi» großen und ganzen, — sie machen zu wenig Konzessionen!"
»Da hört der Gurkenhandek auf," tief Herr v. 25= berdau ganz entrüstet.
»Bitte, ich habe mehre Ansichten zu begründen! Der Adel, gerade h» der hiesigen Gegend, klebt zu seht an der Scholle, auch die fortwährende Herraterei untereinander tut auf die Dauer nicht gctl Und ein Produkt, das in dieser Atmosphäre hetwiwächst, wird entweder alles zu schwer — oder zu leicht nehmen, daher das Unglück."
Man lachte und spottete.
Sehr energisch wandte sich der elegante Sosquen gegen diesen Ton. Er ließ seine dunkle, Augen über die Tafel schweifen und sprach ernst, fast zurechtweisend:
„Wenn dann so eh» Unglückswurm aus dem Ge- leife kommt, dann wirst man ihm Steine nach. Ich bin der allerletzte, der wünscht, die Güter gingen von Hand zu Hand. Aber man soll nicht an bet Verwandtschaft kleben, nicht den Söhnen vorschreiben, was fie werden sollen, — mehr freie Hand, meine Herrschaften! Aus Bequemlichkeit steckt man die Jungens m8 Kadettenkorps, oder auch aus pckuniären Rück- sichtm. Die Ausbildung aber genügt heutzutage nicht, um ba» Kampf ums Dasein aufzunehmen!"
„Herr v. Sosquen, bas ist ja Rckellionl" tief einer der Herren. '
nuc cine Lwize für Hakburg," spottete Frau v. Löbetdau.
,'Der Keck ist in meinen Augen eh» Lump!" rief Wustermark empört. „Schulden macht jeder mal; aber Zur rechten ZÄ saldiert man sich!"
„Durch eine reiche Heirat!"
„Saut, scharf warf Sosquen die vier Worte in die Unterhaltung. Man sah sich verlogen an und senkte den Blick. Der Hieb saß. Wustetmack hatte sich durch seine Frau seine Schulden vom Halse geschafft. Das wußte btt ganze Kreis.
Mereuch nahm nach Tisch Sosquen unter dm Ar«. Kommen Sie ein wenig mit mir in den Pack, ich möchte mit Ihnen über Hans Heinrich Hakburg sprechen!"
„Nachher gern, aber jetzt muß ich bleiben, beim der Leutnant v. Hakbutg ist mein Freund und Regimentskamerad!"
Das imponierte. Man ging zu einem anderen Thema über.
* *
»
Am anderen Tage saß Sosuen in seinem Arbeitszimmer, die Beine übereinander geschlagen. Vor ihm ging Hans Heinrich Hakbutg, die Hände in ben Taschen, nachdenklich auf und ab. Ei» Riese, blond, mit hoher Slim und klugen, Blauen Augen. Die Flügel seiner großen Nase zuckten vor Erregung, die Lippen hielt er krampfhaft geschloffen.
»Nun seh' dich endlich, Jungchen!"
Hakbutg blieb stehen und richtete sich hoch auf. —
„Gott, Jochem, wenn man an der Lebenswende steht, geht einem manches durch den Kopf!"
„lieber das man sich ruhig ausspricht!"
»Ja, ja!" Er fuhr sich mit der großen Hand über die Stirn und ließ sich in einen Ledersessel, Sosquen gegenüber, fallen.
„Ich hab' dich vor diesem Schritte gz warnt, du hast nicht hören wollen. Nun trage die Konsequenzen als Mann!"
»Werd' ich auch! Uebrigens, was blieb mit anders übrig? Ada ist mündig geworden, Onkel Arwed verlangte, daß ihr Erbteil ausgezahlt würde. Da hieß es eben in b:n sauren Apfel beißen, — weil ich leichtsinnig gewesen bin!" m
„Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung!
„Mer du machst mir doch Vorwürfe! >zch konnte mich doch unter solchen Umständen bei bett Branden
burger Kürassieren nicht mehr halten! Wat'» da nichst das Klügste, ich ging beizeiten — freiwillig?"
»Ich mache dir keine Vorwürfe! Kein Mensck kann aus seiner Haut heraus; nur wissen will ich, was du nun beginnen wirst!"
„Staber Jochem, da» ist eben der springende Punkt Ich bin mir noch selbst im Unklaren!"
»Dann hättest du mit dem Abschiednehmen wart« sollen, bis du dir klar geworden bist!"
»Da wäre ich schwerlich au8 dem Grübeln herausgekommen ! Ich brauche die Sporen!"
„Also gib fie dir!"
»Ich habe die nötige Ruhe noch nicht! Aber, meta Herz will ich dir ausschütten, vielleicht führst du mich auf den rechten Weg, denn du bist klug! — ES ist mir wahrhaftig schwer gefallen, Natterheide zu verkaufen; aber du hast ja selbst den Status festgestellt. Es war nicht zu halten, wenn Ada die vierzigtausend Mack, bk sie noch zu fordern hatte, ausbezahlt werden sollten. Gewiß, ein Ausweg hätte sich finden lassen, du hättest Arwed Hakbutg beruhigt! — na ja! Aber was dann? Mich als notleidender Agrarier herumzuplagen, dazu eigne ick mich nicht! — Rümpf nicht die Nase, Jochem! Und reich heiraten, — ohne Liebe — pfui! Heutzutage ist mau ja anderer Ansicht! Aber, mein Gott, zum Betrügen eigne ich mich nicht! Und mich einschränken und weiter Rckruten drillen, kann ich nicht! Du sagst wahrscheinlich: „Schlapp — Charakterschwäche!" Ich wundere mich ja selbst über mich! Ein Ahn gefallen als Kommandeur der Leibgarde zu Pferde bei Malplaquet, einer blieb bei Jena, meir Großvater bei Gitschin, und trotzdem, mir ist dkseS Leben zu eng, dies« immerwährende Frieden taugt nicht für mein Blut, das rebelliert! Nach Südwest- asrika hatte ich mich gemeldet, ich wurde nicht einberufen! , Jedes Iaht denselben Trödel, Rekruten- Regiments-, Brigade-Exerzieren und nachher Manöver, das halte ich nicht aus! Und Weils in mir tobte und wettecke, hing ich den Pallasch an den Nagel, um mich nun mit der ganzen Welt rumzu schlagen! Und ich sichie," er schlug mit der Faust auf seine breite Brust, „ich werde fettig werden mit meinem Geschick!'
(Fortsetzung folgt.) >