M 223.
j ieiiag 29. September |9H
38. Jahrgang.
fuldaer
Zeitung
2. Blatt
vruck «nd Verlag der üutda« LclltndrnSekei in Fulda.
Mann und war immer vorne dran. Und wenn er auch äußeißich wie alle etwas heruntergekommen aussah — die Beinkleider waren ausgefranst, die Stiefel sperrten wett das Maul, der Rock war durch- löchert und von Dornen zerrissen, das Gesicht zer- fchrarmm und sonnenverbrannt —, innerlich war er doch gehoben, fühlte, daß er emporstieg, daß sein Selbstvertrauen wuchs.
Sett er Leutnant von Reuther aus den Feinden herausgehauen und der Hauptmann ihm die Hand gedrückt hatte, betrachteten ihn die Offiziere als einen Gleichgestellten und verkehrten mtt ihm auf fteund- schaMchem Fuße, wie es unter guten Kameraden Brauch ist. Viktor ward stillschweigend in ihren Kreis ausgenommen und man hörte auf ihn, wenn er seine Meinung vorbrachte; alle kannten seinen Mur und feine Todesverachtung. Er war kein AuS- gestoßener mehr, und wenn er auch nur die Treffen eines Unteroffiziers trug: er war doch ein Führer, auf den die andern schauten, der selbst in den schwierigsten Fällen Rat wußte und dessen Rat die mili- tärische Leitung manchen kleinen Erfolg verdanke.
Eines Tages ereilte aber auch ihn, wie so viele, das Schicksal. Bet einem heftigen Zusammenstoß mit dm Hereros marschierte VBor an der Tete, gerier inS Gedränge und erhieft einen Schuß in den Oberarm, der ihn kampfunfähig machte. Seine Soldaten befanden sich selber in mißlicher Lage, und so blieb er im heißen Sonnenbrand hinter einem Gestrüpp liegen, bis die Kolonne nachrückte und ihn bewußtlos imd blutüberströmt im Sande fand.
In der Nacht packte Viktor das Fieber und am andern Tage befand er sich auf dem Rücktransport nach Windhuk, wo er wochenlang tm Lazarett lag. Der^Arm war zwar vollständig geheilt; aber Viktor v. Sonneck hakte in den langen Kämpfen und dm anstrengenden und aufreibenden Märschen doch seine und sich zu viel zugemutet. Nun kam der Rückschlag: eS trat eine allgemeine Abspannung der Kräfte ein, eine hochgradige Nervosität, die sich in Herzbeklemmung, Sngstgefichl und Zittern der Hände äußerte. Er war nicht irnftonbe. ein Gewebr
e. Homberg a. Ohm, 28. Sept. 1911. In AngerSbach dürfen wegen der Maul- und Klauenseuche keine Spinnstuben abgehalten werden.
* Kassel, 28. Sept. 1911. Auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft ist in dem Nachbarstädtchen Gudensberg ein Hausierer v.erhaftet worden, der dort einen Siegelring verkauft hatte, welcher Eigentum der vor einig-:« Tagen in der Wolfhagerstraße ermordeten Frau Müller sein soll. D. r unter dem Verdachte des Raubmordes stehende Bruder der Getöteten, der Kellner Fritz Cron, befindet sich noch immer in Untersuchungshaft.
* Göttingen, 28. Sept. 1911. Die von Herrn Museumsdirektor Dr. Crome aus Göttingen geleiteten Ausgrabungen auf dem Rittergut des Herrn von Strahlenheim in dem nahegelegenen Imbshausen haben interessante Funde zu Tage gefördert. Unter andern wurde ein sehr wertvolles Bronze- schwer! gefunden.
* Darmstadt, 28. Sept. 1911. Ein Großfeuer hat die Zelluloid- und Kammfabrik von Gebrüder Heim in Oberramstadt zur Hälfte eingeäschert. Der Schaden dürfte nahrzu 100 000 Mk. betragen.
* Aus Frauken, 28. Sept. 1911. Der Magistrat in Schwabach hat auch für den kommenden Winter die Abhaltung von Seefisch Märkten beschlossen. x
♦ Gieboldehausen (Eichsfeld), 28. Sept. 1911. Hier wurden zwei Arbeiter wegen Einbruchsdiebstahles festgenommen. Ein Sparkassenbuch über 1320 Mk. war ihnen in die Hände gefallen.
Hichzuhalten, und von einem sichern Schuß war gar iline Rede.
Der Arzt verordnete längeren Aufenthaft in einem mllden Klima und völlige Ruhe. Viktor wollte fort aus diesem Lande, zurück in die deutsche Heimat, zu den Seinm.
Er, machte sich reifefertig, um in Swakopmund den nächsten Dampfer abzuwarten, der nach Deutschland abging.
Ehe er abreifte, erwartete ihn noch eine fteudige Ueberraschung. Hauptmann von Zehren hatte eine leichte Verwundung erhaüen und war nach Windhuk gekommen, um sich auSzuheilen und rann wieder zu den Truppen zu stoßen. Am Tage vor Viktors Abreife nun versammelte er eine Anzahl Offiziere, die in Windhuk anwesend waren, barunter auch Leutnant Reuther, ber zum Oberleutnant av anziert war, um sich.
Leutnant Reucher zwinkerte mit den Augen und sagte zu Viktor: .Ich wette, der Alte hat eine Ueber- raschung in petto. Er zieht den Schnurrbart durch die Zähnch als ob er seinen Segen schleifen müßte. DaS bedeutet etwas.'
„Natürlich bedeutet eS etwas,' sagte Viktor. „Daß der Schnurrbart in Aftika zu lang geworden ist.'
„Na, Sie «erben ja sehen —'
Gleich darauf zog Hauptmann v. Zehren aus seinem Mantelausschlag ein großes Kuvert mit Dienstsiegel und sagte mit seiner schnarrenden Stimme: „Meine Herren, ich habe Ihnen eine Mitteilung zu machen, die Sie sicher erfreuen wird. Es sind jetzt acht Monate her, daß sich Herr von Sonneck als Freiwilliger in der deutschen Schutztruppe meldete. Er kämpfte als schlichter Soldat, obwohl er drüben den Degen getragen hat tote wir alle. Ein Mißgeschick wand ihn ihm aus der Hand und trieb ihn aus ber Heimat hierher. Wir haben mit eigenen Augen gs- sehen, mtt welcher Tapferkeit und Unerschrockenhett er kämpfte und wie er mehr als einem Soldaten das Leben rettete. Herr Oberleutnant von Reuther kann davon erzählen —'
Amt Geisa und Umgebung.
* Vacha, 28. Scpt. 1911. Die letzthin niedergegangenen Regen haben in Feld und Wald eine solch reiche Championernte hervorgezaubert, daß jeder Pilzfreund, welcher ins Freie wandert, um diesen Edelpili zu suchen, schwer beladen nach Hause kommt. Besonders ergiebig scheinen die Wiesen zwischen Vacha und Dorndorf zu sein. — Beim Einlaufen eines Zuges scheuten die Pferde des Herrn Mangold, der den am Thieler- rasen in der Werra gebaggerten Kies durch Kippwagen nach dem Bahnhof bringen läßt. Eines der Tiere brach ein Bein und mußte getötet werden.
* Dermbach, 27. Sept. 1911. Die Schmiede-Berufsgenossenschaft beabsichtigt, laut der „Eisenacher Zig-",, gegen diejenigen Inhaber von Schmiebebe t r i e b e n, die ihrer Pflicht zur Anmeldung ihres Betriebes bei ber Berufsgenossenschaft nicht nachgekommen sind, auf Grund von § 147 des Gewerbe- Unfallversicherungsgesetzes Strafen festzusetzen. Sie hat zu diesem Zwecke sämtliche Schmiedebetriebe ermittelt. Wir raten deshalb den Betriebsinhabern, die ihrer Anmeldepflicht noch nicht genügt haben, dies sofort nachzuholen.
* Buttlar bei Geisa, 28. Sept. 1911. Die Ar- betten am Kaliwerk „Gewerkschaft Buttlar" machen sehr gute Fortschritte. Der Schacht ist bis zu 106 Meter abgeteuft und mit Tübbings ausgekleidet. Es ist gelungen, die Wasser, welche vorübergehend dreieinhalb Kubikmeter in ber Minute betrugen, ziemlich vollständig abzusperren, so daß nur noch ca. 100 Liter je Minute zusitzen, welche beim Abteufen mittelst Kübel gehoben werden und in keiner Weise mehr lästig sind. Die Abteufpum- xn konnten infolgedessen außer Betrieb gesetzt wer- )en. Das Gebirge besteht aus lettigem, flachgelagertem Buntsandstein, und es ist Aussicht vorhanden, daß man, so lange man im Buntsandstein teuft, von weiteren Wasserzuflüssen verschont bleibt. Falls keine weiteren Schwierigkeiten auftreten, erwartet man demnächst eine Tagesleistung von eineinhalb Meter. Die Arbeiten über Tage gehen bei allen Anlagen flott voran.
* Stadtlengsfeld, 28. Sept. 1911. In der Nacht zum Montag wurde vermutlich durch Klotzbach den Hillerschen Eheleuten am Steinwjeg wieder mal ein Besuch abgestattet. Er entwendete einige alte Speisenvorräte. Bereits das dritte Mal schon ind die Eheleute nachts bestohlen worden.
* Weimar, 28. Sept. 1911. Infolge der Neuorganisation der oberen Forstbehorden werden vom 1. Oktober d. I. ab die Forstinspektwnen bei dem Großh. Staatsministerium, Departement der Finanzen, vereinigt. Alle Anträge und Eingaben,
* Schlüchtern, 28. Sept. 1911. Endlich wird auch die im hiesigen Kreise der Station Elm auf der Höhe gelegenen Gemeinde H u 11 e n ein W a s s e r- wer k erhalten. Der Hochbehälter, der in Stampfbeton ausgeführt wird, soll einen Fassungsraum von 150 Kubikmeter, die Rohrleitung nahezu eine Länge von sechs Sitoircter erhalten. An Hausan- schiüssen fbr, zurzeit 95 vor.,eschen.
* Mittelsinn, 28. Sept. 1911. Im Gegensatz zu manchen anderen Orten des Sinngrundes kann man hier über eine Kartoffelnot nicht klagen. Die Aecker, welche auf der sogenannten Winterseite liegen, haben reichliche Kartoffeln getragen, die Aecker auf der Sommerfelle sind gegen die sonstigen Jahre um ein Stück zurückgeblieben, aber von einem wirklichen Notstand ist auch hier nicht die Rede.
* Großalmerode, 28. Sept. 1911. An einem Kartoffelfeuer auf dem Felde ergriffen die Flammen die Kleider des 10jährigen Töchterchens des Tiegeldrehers Caffelmann und setzten das Kind in Brand. Da in nächster Nähe des Kindes niemand weilte, lief es in schnellstem Laufe davon und bekam erst Hülse, als es zu spät war. Noch auf dem Transport zum Krankenhause wurde das arme Kind durch den Tod erlöst.
* Helsa, 28. Sept. 1911. In große Verlegenheit brachte ein junger Mann aus einem der Vororte Kassels seine hiesige Braut dadurch, daß er zu der für gestern angesetzten Hochzeit nicht erschien. Alles war zu der Feier her- gerichtet und nur der leichffertige junge Mann fehlte. Er hatte bereits etliche seiner Braut gehörige Erntevorräte verkauft und auch bares Geld erhalten, um eine gute Ziege für den jungen -Haus, halt zu kaufen.
* Warburg, 28. Sept. 1911. Einbrecher drangen vor einigen Tagen nachts bei dem Dechanten der Neustädter katholischen Gemeinde ein und erbeuteten 800 Jt, die in einem Sekretär aufbewahrt wurden. Die Diebe müssen ortskundig gewesen sein, denn außer den 800 M wird nichts vermißt. Ein aus Lippstadt beorderter Polizeihund konnte die Spur ber Diebe nur bis zum Bahnhof verfolgen.
Reücher schlug die Hacken zusammen und stand ftramrn Seine Augen glänzten vor Freude. „Jawohl, Herr Hmiptmannl' rief er laut.
-3ch habe,' fuhr bet Hauptmann fort, „Herrn von Sonneck nach jener Attacke, durch die ec einem unserer Offiziere das Leben rettete, zur Dekorierung vorgeschlagen —' |
„Bravo!' rief Reucher, der nicht mehr an sich halten konnte.
Der Hauptmann nahm es nicht übel. Er nickte Reucher zu und sagte: „Heute kann ich Ihnen, meine Herren, die Mitteilung machen, daß Herr v. Sonneck hiermit seinen Degen zurückerhM und baß ihm zugleich das Patent als Oberleutnant in der Armee S. M. verliehen ist Wir beglückwünschen Herrn Oberleutnant von Sonneck herzlich und heißen ihn als treuen Kameraden aufrichtig willkommen In unseren Reihen. Wer so tapfer wie er seinem Volke und seinem Kciegsherm gedient hat, der ist wahrlich solcher Auszeichnung wert. Wir Preisen aber auch die Gerechtigkeit unseres obersten Kciegsherm, und aus diesem Grunde bitte ich Sie, meine Herren, mtt mir zu rufen: „Seine Majestät dec Deutsche Kaiser:: Hurra! Hurra! Hurm!'
Sie stimmten begtiftert ein, und nachdem nun dec offizielle Teil bontbet war, drängten sich alle um Viktor von Sonneck und drückten ihm die Hände. Sie mochtm ihn wohl leiden, er war ein guter, aufrichtiger Kamerad, stets gefällig und zuvorkommend gegen jeden, und die mristm hatten ihn ihm Felde schätzen gelernt.
Viktor v. Sonneck erwiderte ihre Händedrücke und dabei standen ihm die Träum in ben Augen. Sie sahen es alle und verstanden ba8 mächtige Gefühl der Freude, das ihn durchströmte.
Er war nun wieder Offizier, einer der Ihren, hatte das Recht, des Königs Rock zu tragen, den Degen zu führen! Das alles war freilich mehr etwas Aeußerliches. Im Jnnem hatte er ungleich mehr empfangen; er fühlte sich reich und frei: er hatte feine verlorene Ehre wieder getoonnen!
Fortsetzung folgt)
HHandwerkimdReichsverficherungs- ordnrrng.
ii.
richttn waren, sind alsdann an das Großherzogliche toelaje bisher _ an die vier Forstinspektionen zu ^aatsmmisterium, Departement der Finanzen, in Weimar zu richten.
ar * Bu8 Thüringen, 28. Sept. 1911. Von dem AuMwung der Industrie in Salzungen legt die Tatsache Zeugms ad, daß außer dem Jung n. Dtt Marschen Etablissement nunmehr auch die Metallwarenfaimk Friedrich Erbe durch einen großen anbau ihren Betrieb vergrößert hat. — Bel dem Landwirt und Ortsvorstand Jacobus Tenner in Holeborn wurde nachts ein gebrochen und ein Kaninchen, vier Schwarzbrote und verschiedenes andere gestohlen. Bei dem Schuhmachermeister Georg Wenzel erbeuteten dieselben Diebe 5 Hühner.
t e n erwächst eine neue Aufgabe. Die Berufsgenossen, schäften können bi« zum vierten Teil ihres Vermögens, mit Genehmigung des Bundesrats bezw. der Landesregierung sogar noch mehr, für den Personalkredit der Mitglieder verwenden. Die Handwerkergenossenschaften müssen es zu erreichen suchen, daß den großen gewerblichen Zentralkaffen, z. B. der Preußenkasse, welche genügende Garantie bietet, von den Bo- rufsgenossenschasten ein entsprechender Kredit eingeräumt wird. Die einzelnen Genossenschaften, könnten dann von den Zentralkassen sich diesen Kredit nutzbar machen-
Jm übrigen wird es die Aufgabe der Handwer- kervrganisation<en fein, Aufklärung über die Reichsverficherungsordnung zu verbreiten. Vor allen Dingen gilt ei, die Handwerker auf die Ausnutzung der barigebotenen Möglichkeiten, sich freiwillig zu ver- sichern ober die Versicherung fortzusetzen, aufmerksam zu machen. Eine Darstellung über bie neue Reichsversicherungsordnung ist auch in dem soeben im Volksvereins-Verlag erschienenen „Handwerkeckompaß' enthalten.
vermischter.
* Das Ausrufen von Bier und anderen alkoholischen Getränken auf den Bahnsteigen wird durch eine Verfügung des Eisenbahnministers für die Zeit bor 10 Uhr morgens verboten. Kognak und ähnliche alkoholische Stärkungsmittel dürfen an den Eisenbahnzügen zwischen 12 Uhr nachts und 10 Uhr morgens nur bei Unwohlsein ober Unfällen eines Reisenden auf dessen ausdrückliches Verlangen oder ferner Begleitung vom Kellner gebracht werden. Dagegen sollen alle Bahnhofswirte in den Stativ» neu, die einen Knotenpunft darstellen, in den Mor» genstunden warmen K a f f e e und warme M i l ch in genügenden Mengen vorrätig halten.
* Hundertjahrfeier der Firma Krupp. Am 20. Nowember dieses Jahres werden es hundert Jahre, daß die Gußstahlfabrik Friedrich Krupp in Essen begründet wurde. Die ersten Bauten und selbständigen Versuche der Firma wurden allerdings erst tut Jahre 1812 begonnen. Am 26. April 1812 wurde Alfred Krupp, der einzige Sohn des Gründers der Firma, geboren, der'dann in der Folge die bescheidene Fabrik seines Vaters zu einem weitbekannten Unternehmen ausbaute. Die Firma will laher die von ihr geplante Feier des 100jährigen Bestehen des Werkes mit der 100jährigen Wieder- kehr des Geburtstages Alfteds Krupps vereinigen und die Feierlichketten in den Mai nächsten Jahres verlegen.
* Von der eigenen Frau bestohlen. Einem Großkaufmann in Straßburg wurden auf rät» elhafte Weise aus einem verschlossenen Zimmer 24 0Ö0 M in barem Gelbe gestohlen. Die Ermittelungen der Kriminalpolizei ergaben, daß als Diebin nur die Frau des Bestohlenen in Betracht kam. Diese gab nach längerem Leugnen auch den Diebstahl zu.
* Ein neues Unglück in der französischen Marine. Während der Marineminister Deleassö am Mittwoch das Wrack des Panzers „Sibert6* um» uhr, traf eine neue Unglücksbotschaft ein. Bet Hebungen in der Nähe der Hhersschen Inseln stieß
Aus Gberheffen u. den Hess. Aemtern.
* Marburg, 28. Sept. 1911. Die Reifeprüfung an bet hiesigen Oberrealschule haben die Oberprimaner Schellenberg, Steinmetz und Wilhelm bestanden. Ersterer will bei ber Marine, bie beiben andern wollen bei der indirekten Steuer eintreten. — Das Preisgericht ber Weltausstellung zu Brüssel hat ber höheren Mädchenschule zu Marburg für Handarbeiten ber Schülerinnen, bie Urkunbe ber golbenen Preismünze verliehen.
* Kirchhain, 28. Sept. 1911. In dem Konkurse Uber das Vermögen des Hoteliers M a u s zu Kirchhain soll die Schlußverteilunq erfolgen. Die verfügbare Masse beträgt 2047,75 Mk. Zu berück- sichtigen sind 304,31 Mk. bevorrechtigte und 11 930,82 Mk. einfache Konkursforderungen.
△ Frankenberg, 28. Sept. 1911. Im hiesigen Kreise, wenigstens in den Tälern, fällt die Kar- toffelernte reichlich aus. Bei Wiesenfeld, Ernst- hausen und anderen Orten an den Hängen des Burgwaldes hat es auch tüchtig Grummel gegeben.
* Fritzlar, 28. Sept. 1911. Bei dem diesjährigen Kaiserpreisschießen errang die 2. Batterie das Kaiserpreisabzeichen. Aus diesem Anlaß veranstaltete vorgestern abend die Batterie im „Stadtpark" eine kleine Feier.
Unter die Invalidenversicherung fallen alle im Handwerk gegen Lohn ober Gehäst be> lchftigten Personen vom 16. Lebensjahr an. Lehrlinge sind von der Versicherungspflicht befreit, wenn fte beim Meister nur Kost und Logis, aber keinerlei Vergütung in bar erhalten. Die Meisterföhne sind verpcherungspflichttg, wenn sie ihren Verhältnissen llssch ssw Lohnarbeit angewiesen sind, im elterlichen Geschäfte fremde Hllse ersetzen und ein nicht mehr ai§ .geringfügig anzusehendes Taschengeld erhalten. Freiwillig versichern können sich selbständige Gewerbetreibende, soweit sie regelmäßig keine ober höchstens 2 Lohnarbeiter beschäftigen. Auch die Frauen der Gewerbetreibenden können sich versichern, wenn sie regelmäßig im Betriebe für den Unterhalt ber Familie mitarbeiten. Voraussetzung für bie Selbstversicherung ist aber, daß das 40. Lebensjahr ttvch nicht vollendet ist. Wer aus dem Versicherungs- Pflichtigen Verhältnis ausscheidet, z. B. der Geselle, der selbständig wird, hat bas Recht, durch fteiwillige Fo rtsetzung ber Beitragsleistungen — es genügen in zwei Jahren 20 Beitragswochen —, alle seine Ansprüche an die Invalidenversicherung aufrecht zu erhalten. Das gleich gilt von Selbstversicherern, deren Verhältnisse sich ändern, z. B. wenn ein Handwerker mehr als zwei Gesellen regelmäßig beschäftigt. Der Selbstversicherer muß jedoch zur Aufrvht- serhaltung seiner Anwartschaft während zwei Jahre .mindestens 40 Wochenbeitrage entrichten- Es ist dringend anzuraten, von dieser freiwilligen Weiter- Versicherung sowie von der Selbstversicherung Gebrauch zu machen.
Für den Handwerker speziell wichtig ist die neu- -vffchaffene Zusatzversicherung. Sie hat den -Zweck, für den Fall der Erwerbsunfähigkeit eine höhere Invalidenrente zu verschaffen. Alle Personen, , hie eine Quittungskarte besitzen oder zur Selbstver- sicherung berechtigt sind, können zu jeder Zeit in beliebiger Anzahl Zusatzmarken in diese Quittungs- rarten einkleben. Sie erwerben dadurch bas Recht ^ner Zusatzrerste. Eine Zusatzmarke kostet I M. .Rehmen wir an: ein Handwerksmeister hat seins Invalidenversicherung aufrecht erhalten. Vom 1. Januar 1912 ab klebt er alle 14 Tage eine Zusatz- Marke, im Jahr also 26, daneben klebt er jährlich 10 Beitragsmarken zur Aufrechterhaltung des An- Muchs ans die reichsgesetzliche Invalidenrente. Nach 2o Jahren erhält der Meister, wenn er Invalide wird, zunächst eiste reichsgesetzliche Invalidenrente. Dazu tritt noch die Zusatzrente, die in unserm Falle 169 Mark betragen würde. Die reichsgesetzliche Invalidenrente bürste auch ungefähr 220 Mark betragen, so daß der Meister immerhin über eine Rente >on 390 Mark verfügt.
Die Satzungen der Jnnungskrankenkassen, die die Leistungen, Höhe ber Beiträge usw. regeln, werden Von der Jnnungsversammlung unter Beteiligung des Wesellenausschusses errichtet. Dagegen togrben die .Satzungen für die Ortskrankenkassen und für die Land- krankenkassen vom Gemeindeverband, also vom Magistrat, vom Disttiktsrat und vom Kreistag aufgestellt. Deshalb dürfte es wünschenswert fein, daß das Handwerk in diesen Körperschaften eine Vertretung" hat, hie die Wünsche der Handwerker zum Ausdrucke bringt. Außerdem haben die Korporationen des Handwerks dafür zu sorgen, daß in dem Ausschuß und in dem Vorstände der Ortskrankenkassen solche Handwerker sitzen, die imstande sind, die Interessen des Handwerks zu vertreten. Vor allem sollen die Handwecker für eine unparteiische Verwaltung der Kassen sorgen und es verhindern, daß politische SWtatoren in denselben Unterschlupf finden.
Eine häufige Erfahrung ist, daß die Handwecker sich um ihre Vertretung in der Berufsge- Nossenschaft so wenig kümmern. Genoffenschaftsversammlungen werden fast gar nicht besucht, da Mistens große Reisen und Auslagen ersorderltch sind. Hier müssen die Organisationen des Handwerks, bie Innungen, eingreifen und befähigte Handwecker, die die Statuten kennen und genügend informiert sind, die das Vertrauen der Majorität genießen, in diese Genoffenfchaftsverfammlungen schicken. Spezielles Augenmerk sollen die Handwerker den Verwaltungs- Unkosten der Berufsgenoffenschaften widmen. Auch den Handwerkerberufsgenossenschaf-
Schloß Sonneck.
64' Roman von Fei ix Nador.
! Er kannte Viktors Vergangenheit und hatte während des Feldzugs seinen Mut, seine Umsicht und Tapferkeit schon oft im Stillen bewundert. Das war rin Held. So kämpfie nur einet, ber ein treue«, deutsches Herz hat, ein echter Edelmann. Der Schritt vom Wege, den er im Jugendleichtsinn getan, wat längst gut gemacht.
Als Viktor am Abend, in feine Wolldecke gewickelt, unter freiem Himmel lag, fühlte er sich groß und frei tote nie. Sollte das Blut, das er für beut= sche Ehre vergossen hatte, nicht imstande fein, den Flecken, ber auf feiner Ehre haftete, abzuwaschen? — Der Hauptmann hatte ihm die Hand gedrückt, das wac ein gutes Zeichen.
Unb trotz der Schmerzen, die er in seinen Armen und Gliedern fühlte, schlief er in dieser Nacht so fest wie einer, bet ein reines Gewisim hat.
Leutnant Rmther lag im Lazarett, um seine «Bunben auszuheilen. Viktor v. Sonneck kämpfte
V*- ll"b ob er manchmal auch beinahe zusarn- Mnvrach m der Sonnenglui — nie verließen ihn S b ^berfid^ Es war eine feste Hoffnung inrM in "Ä «*en<^?er lem. Dann kehre ich zurück in die deussche Heimat.'
Dieser Gedanke erfüllte ihn mit jubelnder Freude unb ließ fein Herz hoher schlagen. Die Heimat! Das schöne, deutsche Land mtt seinen rauschenden Wäldern, seinen blitzenden Flüssen unb grünen Tälern unb ben lieben, lieben Menschen! Da wat fein «ater, der ihm nun wohl nicht mehr zümen würbe! Seine schöne, herrliche Schwester — unb da wat ein ckchlankes, schönes Mädchen mtt lieben Augen unb finem sehnsuchtsvollen Mund.
Der Krieg schien kein Ende zu nehmen; immer teue Truppen mußte die Heimat nachsenden. Es oß so viel treues, deutsches Blut.
Viktor v. Sonneck stellte im Kampfe stets feinen
Am dem Nachbargebiete.
.':! Elters, 28. Sept. 1911. Auch in der Rhön macht die Natur infolge der abnormen Witterung dieses Sommers die merkwürdigsten Seiten- sprünge. Im hiesigen Schulgarten steht ein Baum, der neben reifen Aepfeln frische Blüten und kleine Aepsel zeigt. Weitere blühende Bäume findet man im Dors; ein Baum hat eine Blütenpracht entfaltet, wie man es im Frühling selten findet. Ein wilder Äaftanienbaum, welcher bereits entblättert dastand, trägt junges Grün und zeigt Blütenkuospen. Was den „Rhönern' seither von den tropischen Gegenden nur aus Büchern bekannt war, das können sie in diesem Jahre hier mit eigenen Augen sehen.
* Bebra, 28. Sept. 1911. Auf Anordnung des Regierungspräsidenten wird vom 1. Oktober ab für die hiesigen Geschäfte der Achtuhr-Laden- s ch l u ß eingeführt.