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Leitung

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2. Blatt

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Kleines Feuilleton

vom gen.

Av5 -em ksachbaraebrete.

□ Franffurt, 26. Sept. 1911. Die Stadtver- ordneten-Versammlung hatte am Dienstag in stürmisch verlaufener Sitzung über die prinzipielle

vorhanden seien, deren Milch zur Schweinemast ver­wendet werde. Man beschloß, dahin zu wirken, daß alle tuberkuloseverdächtigen Kühe abgeschafft und durch

tags statt, Hauptsächlich handelt es sich um die Wahl eines Kommunallandtags-Mgeordnetelr und die Wahl eines Landrats für den Kreis Marburg. Ebenso soll über die hier zu erbauende Wanderav- beitsstätte Beichluß gefaßt werden. — Zn einer Pri­vatklage der Maschinenfabrik Ostheim hier gegen die Maschinenhandlung Schaumberg hier wegen unlau­teren Wettbewerbs verurteilte das Landgericht den Inhaber der letzteren, den Kaufmann Schaum­berg, zu 300 Mk. Geldstrafe und einer an dm Kläger zu zahlendm Buße von 250 Mk Der Beklagte hatte im Verzeichnis der Gewerbetreibmden des Marburger Adreßbuches für 1911 bewirft, daß sein Geschäft als Fabrik bezeichnet wurde, obgleich er nur mit Maschi- nm hcmdAt.

* Marburg, 27. Sept. 1911. Eine größere An» zahl Reservisten aus Marburg und Umgegend wurde H ute zu einer 14tägigen Hebung beim 2. kur hessischen Feldartillerie-Regiment Nr. 47 in Fulda eingezogen.

* Frankeuberg, 25. Sept. 1911. Der Pflaster­geselle Wilhelm Giebel fiel gestern abend bei der Arbeit derart, daß die Kniescheibe brach. Er mußte in die Klinik nach Marburg transportiert werden.

* Vöhl, 27. Sept. 1911. Die Bewohner unseres Nachbardorfes Asel, die der Edertalsperre weichen müssen, sind nunmehr alle abgefunden. Die Entschädigungen erfolgen nach den Vorschlägen des Regierungsrats Reinhardt-Wildunqen.

*Gudensberg, 26- Sept. 1911. In bet letzten Mitgliederversammlung der Simmmchaler Zuchtge- noffenschast wurde darauf aufmerksam gemacht, daß die Tuberkulose bei Schweinen, besonders aus dem Kreise Fritzlar, derart überhand genommen hat, daß von den zum Schlachthof Kaffel gelieferten Tieren ein unverhältnismäßig hoher Prozentsatz Oer» warfen werdm mußte. Das habe zur Folge, daß die Schlachtvieh-Versicherung dio aus | em Kneifs Fritzlar eingelieferten Schweine gar nicht mehr auf- nehme und dadurch den Produzenten großer Schaden erwachse. Man glaubte die Seuche darauf zurückfüh- rm zu sollen, daß sehr viele tuberkulöse Kühe im Kreis

* Fritzlar, 27. Sept. 191!. Bei der Obst Ver­steigerung an der Kowrnnnastraße Fritzlar-Jes­berg wurden sehr hohe Preise bezahl!. Auf der Strecke Kerfieuhaufen-Zwesten, wo nur bessere Sor­ten vorhanden waren, wurden einzelne Bäume bis m 35 .< bezahlt.

Druck und Vtrlej der dulde er lletiendruäerei in Silbe.

Aus Gberhesi-A u dm l»eH. Aenüern.

△ Marburg, 27. Sept. 1911. Am 14. Oktober ludet im Fürstenhaus eine Sitzung des Kreis-

Amt Geisa Mö Umgebmiz.

7/ Vacha, 27. Sept. 1911. Musikliebende Berg­leute der Gewerkschaft Heimboldshaufen haben hier unter Leitung eines tüchtigen Dirigenten eine B e rg- fabelte gegründet nach dem Muster, wie sie bereits cm manchen Orten des rheinisch-westfälischen Koh­lenreviers bestehen. Die Mitglieder der Kapelle wer­den in der schmucken Bergmannsicacht spielen.

□ Vacha, 27. Sept. 1911. Ein Schwindler, der sich Maschinmschloffer Johann Augustin nennt, sucht gegenwärtig ole katholischen Geistlichen auf. Er aibt an, in gemischter Ehe zu leben und zuletzt in

M 222.

»onnetslag 28. Segkmt« (9U

58. Jahrgang.

bei der Ausschachtung auf der Burg zutage gefördert.

* Bad Wildlinge«, 27. Sept. 1911. Beim Holz­fuhren stürzte Maurermeister Seibel so unglücklich Wagen ,daß ihm die Räder über die Brust gin- Seine Verletzungen sind bedenfticher Art.

Vermischtes.

* Das Luftkriegsschiff. Von einem solchen kann < man jetzt sprechen, nachdem das neue Militärlustschiff > nach Zcppelinschem Typ ausgerüstet worden ist. Das | neue Luftschiff ist 138 Meter lang. Es besitzt statt j der Paflagierkabinen zwischen den Motorgondeln eine Anlage, in der sich ein Mäschinengeweh r unterbringen läßt, außerdem sind Behälter fiir eine ganze Anzahl von Bomben vorgesehen. Auch ist auf dem Rücken des Luftschiffes eine Plattform ein­gerichtet worden, auf der ebenfalls ein Maschinenge­wehr Aufstellung findet, sodaß also auch eine Ver­teidigung nach oben stattfinden kann. Außerdem ist noch die Besatzung mit Gewehren ausgerüstet.

** Vom deutschen Naturforschertag. Am zweiten Tag des Raturforscherkongreffes nahmen die Sck- tionsfitzungen mit einer Reihe interessanter Vorträge ihren Fortgang. In einer Gesamtsitzung der medi­zinischen Hauptgruppe wurde ausschließlich über die Basedowsche Krankheit (Glotzaugenkrank, heil) verhandelt. Zunächst sprach Prof. Dr. Si­mons-Hamburg, der die Basedowsche Krankheit als

werden Angestellte der Zem hier häuslich nied.n'.affrn.

= Weilar, 27. Sept. 1911. Vor einigen Tagen wurden dem hiesigen Gemeindediener drei Gänse gestohlen.

* Neidhardtshause«, 27- Sept. 1911. Der der Brandstiftung verdächtige, frühere Gastwirt August Endter, der, wie bereits berichtet, in das Amtsge- richtsgefänguis Kaltennordheim eingeliefert worden war, ist nach kurzer Dauer wieder aus der Haft entlassen wordm, weil er in der Lage war, sein Alibi nachzuweisen.

jetzt ohne Wohnung und Arbeit. Seine Frau habe bereits Konvertitenunterricht erhalten. Ihre Auf­nahme in die kaholische Kirche habe beim Verlassen von Duderstadt bevorgestanden. Auf eine Anfrage beim Pfarramt in Duderstadt hat sich herausgestellt, daß alle Angaben des Mannes auf Unwahrheit beruhen. Mau hat es in ihm mit einem dreisten Schwindler und Betrüger zu tun.

* Stadtlengsfeld, 27. Sept. 1911. Am kommen­den Sonntag findet hier unter Leitung des Vezirks- brandmeisters Kirchner aus Dermbach eine B e- zirksübung der Feuerwehren von hier, Weilar, Oechsen und Gehaus statt. Der Hebung wer­den auch Landesbranddirektor Probst-Weimar und Bezirksdirettor Baron v. Groß-Dermbach beiwohnen.

* Dorndorf (RHSn), 27. Iept. 191 L D-rS ,ur Flur Dorndorf gehörige Wirtschaslsgut f?--; itiiigS« Hof ist, der ,@ifen. Ztg/ zufolge, durch Erbschafi <u zwei Güter geteilt worden. Ter eine Besitzer. tz>:cr Adam Kümmel, läßt gegenwärtig der cheuascheu Fabrikanlage gegenüber an der Straße Kie'clvach- Zella einige Wohnhäuser erbauen, woselbst der Vc- 'itzer selbst Wohnung nehmen wird. Drsg'äche--

versöhnende Bemerkungen daran. So wurde man auf sie aufmerksam; ihr anziehendes Wesen und ihre nur durch Selbsterziehung gewonnene GÄvandtheit im Umgang fand überall Verttauen, und so wurde sie schließlich ins Parlament gewählt. -mo

— Die »rrgessene« Beine. In einem Dorfe bei Schweidnitz ging kürzlich der Pfarrer, der versetzt werden sollte, zu seinen Gemeindegliedern, um Ab­schied zu nehmen. Er kam dabei zu einer Bauers­frau, die auf sein Erscheinen nicht vorbereitet war und ihn infolgedessen nicht empfangen konnte. Schnell entschlossen kroch sie unter ein in der Stube stehender Bett, das leider nur f r ihre Länge zu kurz war, so daß ihre Füße hervoriugten. Ehe sie verschwand, befahl sie ihren Kindern, dem Pfarrer zn sagen: „Mutter ist in die Stadt gegangen." Die Kinder gaben denn auch dem eintrelenben Pfarrer diese Auskunft. Nachdem sich letzterer in der Stube umgesehrn hatte, empfahl er sich mit den Worten: „Grüßt Eure Mutter schön, und wenn sie wieder in die Stadt geht, soll sie nicht vergessen, auch ihre Beine mitzunehmen!"

— Wei» zu» Fenerlöfche«. Mit vielen Fäffern neuen Weines haben die Feuerwehr-Mannschaften von Samona nicht etwa ihren Durst, sondern ein das ganze Städtchen bedrohendes Feuer gelöscht. Samona, besten Häuser meistens aus Holz gebaut find, ist mitten in den Weinbergen von Kalifornien gelegen. Das Städtchen gilt als eine der ältesten fpanischen Niederlassungen und ist fiir den faltforni« scheu Wein etwa das, was Trier für ben ijofe»- wein ist. Am Donnerstag brach Feuer rm Geschäfts- viertel der Stadt aus, das rasend schnell uni sich griff, da der recht gelinge Wasservorrat bald au'- gebraucht war. Um die Lladr vor der völligen Z r- stSrung zu bewahren, wurden deshalb Fässer voll Wein 'm die Lpritzm gefüllt, und mit diesem edlen Naß gelang cs tu der Tat, die Flamme>i zu be­ruhigen. Der Schaden war sehr groß; die halbe Weinernte soll iweun's wahr ist) draufgegangen sein.

— Kritik. Schusterjunge (eine geschenkte Zigarre rauchend): ,Kohlen tut sie wie unser Meister, und beißen tut sie tote feine Alte."

gefangen wurde Diefer seltene Fisch, der „der alte Mann vom Meer" getauft wurde, bietet eine auf­fallende Ähnlichkeit mit einem menschlichen Gesicht. Im Fifchemetz war diese Aehnlichkeit schon bemerkbar, sie wurde aber noch größer, als man den ab geschnittenen Kopf mtt einem Zylinderhui be­deckte und auf eine Strohpuppe setzte. Der Kops des „alten Mann vorn Meere" ist jetzt in einem naturwis­senschaftlichen Museum ausgestellt und fetzt alle Be- fucher in Staunen. Seine Größe ist ungefähr die eines menschlichen SchädAs. Der arme Fischer, der das Ungeheuer gefangen hatte, wurde von einem mäch- ttgen Schrecken ergriffen, als er dessen „Physiogno­mie" entdeckt. Er hat nie ein solches Wejen gesehen und auch die Wissenschaftliche Akademie in Paris ist der Meinung, daß noch kein Fisch dieser Art gefangen wurde. In den südlichen Meeren leben freilich einige Fische von groteskem Aussehen, aber keiner ist dem Menschen ähnlich. Die Eingeborenen dieser Gegenden haben eine heilige Furcht vor diesen Fischen, in wel­chen böse Geister wohnen sollen. Sio halten die Fische für unbeerdigte Tote, welche im Meeresgründe wohnen solle« »&.

— Zoll- und Stenerfragen. Wie ost selbst ge­bildete Menschen nur zu gern geneigt sind, dem Staate ein Schnippchen zu schlagen, zeigt die Sta- tfftik der Zoll- und Steuerhinterziehungen, also jener Vergehen, die beim Ueberschreiten der Grenze bezw. in den Zollämtern der Eisenbahn-Grenzstationen vom reisenden Publikum begangen werden. Was für Ungelegenheiten schafft man sich da manchmal, um einige Pfennige oder Mark zu ersparen. All­jährlich müssen viele Tausende ihre vermeintliche Schlauheit bttter büßen und sie verscherzen sich da­durch ein gut Teil Reiseglück. Im vorigen Jahre wurden auf deutscher Seite nicht weniger als 27 848 Personen von den Beamten erwischt! In allen Zöllen gabs mehr oder weniger empfindliche Geld- strafen, in 164 Fällen außerdem noch Freiheitsent­ziehung! Mein die Geldstrafen brachten dem Reiche 395 000 Mark ein, außerdem wurden noch 65 000 Mark Geldstrafen wegen „Ordnunaswidrigkeilen" beton not!

Frage der Errichtung von Dienstwohnungen für Schulleiter zu entscheiden. Mit 38 gegen 22 Stimmen wurde nach etwa dreistündiger Verhandlung beschlos­sen, daß in Zukunft derartige Dienstwohnun­gen nicht mehr gebaut werden sollen. Als Kuriosum sei jedoch die Taffache hier verzeichnet, daß sogleich nach dieser Beschlußfassung ein Antrag auf Bewilligung von 50 000 Mk. für die Dienstwohnung des Direktors der Liebig-Realschule die Zustinnnung des Hauses fand, was den lauten Bestall der Freunde des bisher geübten Systems herausfordette.

* Hann. Münden, 27. Sept. 1911. Die M aul- und Klauenseuche, von der unser Kreis bisher verschont geblieben war, ist nun auch in unserem Kreise ausgebrochen. In Bührm ist sie gleich in 4 Gehöften festgestellt worden.

* Betzdorf, 26- Sept. 1911. Interessante Funde aus der Ritterzeii wurden beim Bau der neuen städ­tischen Wasserleitung gemacht. Man fand u. a. eine Anzahl Lcmzeuspitzen und Hufeisen, die von starkem Edelrost überzogen sind; weiter wurden auch viele Silbersporen, Broschen und Perlen gefunden. Va­sen, Töpfe und sonstige Haushalttmgs gegenstände, die ebenfalls gefunden wurden, traten leider zerbrochen. Viele Knochenreste von Menschen und Tieren wurden

— Der Baumstamm als Pfropfenzieher. (Ein physikalisches Experiment.) Mau kommt oft in die Lage, eine Weinflasche oder sonstige fest verkorfte Flüssigkeiten offnen zu müssen, ohne einen Pfropfen- zieher bei der Hand zu haben. Der Physiker weiß sich schnll zu helfen und belchrt uns, daß jeder Baumstamm, jedes Türgewände, jedes Gebälke ein Psropfzieher ist, was uns natürlich zunächst uner­klärlich erscheint. Aber wir machens dem Physiker nach und wirklich, dieser Tausendkünstler hat wieder einmal recht mit seinen Wunderrezepten! Wir machen von dem Korke den Siegellack ober etwaige Trahtverfchnürungen ab, fassen die Flasche mit der rechten Hand wagrecht so, daß der Hals nach vorn zu, nach uns zu, steht, halten mit der linken Hand ein zusammengelegtes Taschentuch an den Baum- stamni oder dergl.,. um eine weiche Unterlage zu haben und stoßen die Flasche nun kräftig mit dem Boden gegen das Tuch, sofort danach den Flaschen­hals nach oben kehrend, damit von der Flüssigkeit nichts ausläuft, denn durch den Stoß bezw. die Er­schütterung der Flüssigkeit im Verein mit der ge­preßten Luft wird der Kork, selbst wenn er ganz fest gesessen, gleich nach dem Stoß herausgeflogen sein. Wie bei allen derartigen Experimenten muß bei Stoß kräftig geführt werden, nur dann hat man Erfolg und auch die Garantie, daß die Flasche nicht zerbricht, so merkwürdig die Sache auch klingen mag.

— Was aus einest Dienstmädchen werden kau«, das lehrt die Lebensgeschichte des Fräulein Mnna Silanpaa, die schon feit einer Reihe von Jahren Mttglied des finnischen Parlaments ist. Das jetzt hochangesehene Fräulein war einst ein armes Dienst­mädchen. Aber sie besaß hohe Intelligenz und großen Scharfsinn, und so beschloß sie, höher zu steigen. Sie gründete zunächst, es war 1898, einen Dienstmäd­chenverein, trat nun aus ihrer bisherigen Stellung aus und gab eine Dienstbotenzeitung heraus. In dieser wirkte sie erzieherisch auf die Mädchen, aber auch — auf die Herrschaften. Häufig hatte sie aber Fälle schlechter Behandlung der Mädchen zu berich­ten, auch brachte sie Streitigkeiten zwischen Herrschaft und Dienstboten nur Sdracke. stets aber knüpfte sie

* Aus dem Kreise Fritzlar, 27. Sept. 1911. Die 14 Darlehnskassen-Vereine des Kreises Fritz­lar m t chren 1653 Mitgliedern haben im Geschcifis- jahre 1910 einen Umsatz von 6,1 Millionen Mark erzielt. Tie Iparkassen-Einlagen betrugen 2,6 Mill. Mark, gegen 1909 mehr 115,000. Die ausgeliehenen Gelder betrüge« Endr 1910 2,2 Mill. Mark (mehr 203,000 Mark gegen 1009). Der in 1910 erzielte Reingewinn belief sich auf 10 000 Mark, das ange- "ammette Verein wennöwn einschließlich Znfihielbnna 1910: '07.320 Mark.

— Wenn die Tage kürzer werden. Zn keiner Zeit im Jahre wird uns das Abnehmen des Tages­lichtes so fühlbar, als am Ende des September. Immer schneller scheint es mit dem Jahre zu Ende ju gehen, immer früher muffen wir das trauliche „Lämpchen" anzünden, die Dämmerstündchen kom­men wieder in ihr Recht, die Familie setzt sich enger im Kreis, die Kindlein gehen zeitiger schlafen, und man gewinnt wieder mehr Zett für sich selbst. Be­achtet man alles einzeln und alles zusammen — ists nicht eine kleine Revolution, die sich bemerkbar macht? Die Hausfrau hält flugs nochmal Groß­reinemachen, steckt neue, freundliche Gardinen auf, kramt die warme Hausschuhe, die molligen Herbst- ünb Winterkleider hervor, interessiert sich für das, was die Mode bringt, ja sogar ihren Speisezettel muß sie revidieren, denn man ißt jetzt gern etwas Warmes und zicht an der Abendtafel ein Täßchen Tee dem Glase Bier vor. Ein Rat ist bei alledem nicht zu verachten: Man sei nicht zu hurtig mit der verän­deren Lebensweise! Es muß alles einen Uebergang haben. Kleide man sich und die Kinder nicht gleich $H ü>arm, schließe man bei Tag und Nacht die Fen- ster nicht gleich ganz und gar, und stelle man auch lerne ^Spaziergänge nicht gänzlich ein! Gewöhne jnmt sich I a n g s a m an das Nene, und genieße man jo lange als möglich all das Gute und Schöne, was der Sommer hinterließ.

— Ein Fisch mit ein,m Menichenkopf. Wer das Märchen „Tausend und eine 3tad>t" gelesen hat, erin­nert sich der drarnattschen Begegnung Smdbads mit tinem Seeungeheuer, dem „alten Mann vom Mer r". Ob dieses sonderbare Wese« nur der Sage Argehört, oder ob es tatsächlich ein Bewohner des Meeresgrundes ist, den die Phantasie des arabischen Erzählers nur entstellt hat, steht nicht fest. Ma« muß kher die zweite Hypothese annehmen, wenn man den sonderbaren Kopf eines sehr seltenen Fisches be­trachtet, der kürzlich am Strande des Stillen OreanS

[] Auslärrvische Arbeiter.

Die Frage der ausländischen Arbeiter m den ver­schiedenen Teilen des deutschen Reiches gewinnt von Tag zu Tag eine größere Bedeuwng. Graf Posa- dow«ky ehemals des Reiches sozialpolitischer Loko­motivführer und somit sicher guter Kenner unser« Volkswirtschaft, hat einmal ein gutes Zeichen darin sehen wollen, daß man im deutschen Reiche mehr und Mehr dahinkomme, die unangenehmeren Arbeiten durch Ausländer verrichten zu lassen. Diese Auffassung hat viel Widerspruch erfahren, besonders weil dabei dir ethischen Momente gänzlich außer Acht gelassen wor­den waren. Tatsächlich lassen die zahllosen Aus­schreitungen dieser landfremden Elemente ja doch er­nennen, daß der Gestchtspunft der Arbeit allein nicht den Ausschlag geben kann.

Auf dem gegenwärtig in Dresden stattfindenden 16. C h a r i t a § t a g e hat die Frage der ausländi­schen Arbeiter eine sehr vielseitige Behandlung er­fahren. Dabei kam ein sehr umfassendes und inter­essantes statistisches Material zutage, das im Gegen­satz zu sonstigen Zahlen auch weitere Kreise inter­essiert. Danach flieg die Zahl der in Preußen be­schäftigten ausländischen Arbeiter von 454 000 im Jahre 1905 auf 780 000 im Jahre 1908, und sie wird von da ab immer weitergestiegen sein. 309 000 waren fn der Landwirtschaft tätig, die übrigen in den ver­schiedensten Berufen. Fast dir Hälfte davon, nämlich ß42 000, stammten aus Oesterreich-Ungarn, 184 000 gus Rußland, 106 000 aus Italien. Auffällig groß ist auch die Zahl der in Preußen tätigen. Holländer; ihrer sind es 104 000, die überwiegend in der Textil- indi strie des Westens arbeiten werden- Bei der Ver- teilimg der Ausländer auf die einzelnen industriellen Berufe steht das Baugewerbe an erster Stelle, nämlich MN 125 000, bann folgt der Bergbau mit 77 000, bann bl« Industrie der Steine und Erden mit 9000, dann ;in weiterem Abstande die Textilindustrie mit 46 000 Ausländem.

Besonders interessant ist auch das Kapitel: P o- I e n im Westen. Dabei kommen natürlich auch die inländischen Polen in Betracht. Ihre Zahl fit daher sehr schwer zu berechnen. Die Polen selber aber ha­ben das besorgt, und ihrer westdeutschen Presse ist zu entnehmen, daß im Rheinland und in Westfalen allein Über 200 000 Polen leben, im Brandenburgischen mit Berlin über 72 000, in der Provinz Sachsen über 39 000, in Hannover über 15 000. Das Bochumer Polenblatt hat sogar noch weit größere Zahlen. Da ist die Rede von 85 000 im Regierungsbezirk Dü el- dorf, 226 000 in Westfalen. Allein im Kreise Essen sollen 30000 Polen leben, im Kreise Bochum 33 000, im Kreise Dortmund 40 000, im Kreise Gelsenkirchen gar 72 000, im Kreise Recklinghausen 64 000. In einzelnen größeren Gemeinden erreichen die Polen zwei Drittel der Bevölkemng.

Die Verhältnisse, unter denen diese Fremdlinge arbeiten, find natürlich nicht die besten, da im allge­meinen anzunehmen ist, daß die deutschen Unternehmer für gute Arbeit noch deutsche Arbeiter finden wer­den, vielfach wohl gar im Ueberangebot. Besonders die weiblichen Ausländer arbetten stellewveise unter traurigen Verhältnissen. In dieser Hinsicht wurde in Dresden besonders auf die russisch-polnischen Arbei­terinnen hingewiesen, bei denen geradezu empörende Zustände herrschen. Vielfach werden Minderjährige beschäftigt, unter denen sehr viele bleich- und schwind­süchtig find. Infolge mangelnder Reinlichkeit in den Betrieben haben Augenkrankheiten einen epidemischen Eharafter angenommen. Ganz besonders traurig sind die Unterkunftsverhältnisse der Mädchen. Die für sie bereitgestellten Mädchmkasernen wimmeln geradezu von Ungeziefer, sodaß die Insassen des Nachts nicht schlafen können- Die diesen Mädchen von polnischen Agenten verschafften Heimatpapiere find ein sehr gro­ber Unfug. Man hat den Mädchen ost gegen schweres GAd tierärztliche Bescheinigungen über Krankheiten von Kühen als Heimatpapiere verkauft, und an der Grenze sind die Mädchen damit bei den der fremden Sprach« nicht genügend kundigen Beamten durchge­kommen.

: feine einheitliche Krankheit bezeichnete, sondern nur 1 eine Menge von Erscheinungen, hervorgerufen »urch Störungen der Schilddrüse. — Prof. Hugo -LtacwHcidelberg wies darauf hin, daß Baden ein

: «ropfumd ist. Kropf imb Herzklopfen sind für diese ‘ Krankheit bekanntlich charakteristisch. Jede zweite : °is dritte Frau und jeder fünfte Mann habe dort : einen Kropf. Im Zusammenhang damit steht es oag in Baden auch die Basedowsche Krankbeit unge­wöhnlich häufig ist- In der Mehrzahl find' es aller­dings unvollkommene Basedowsche Fälle, denen die Glotzaugen und das Herzklopfen fehlen. Die häufig­sten Befunde zeigten lebigHd) große glänzende Augen mit weiter Liedspalte. Ecu geringgradiges Hervor- treten der Augen ifi nur zuweilen zu beobachten. Daneben zeigen sich Zittern, Emährungsstörlmgen, Haarausfälle usw. Eine wichtige Rolle spielen di- seelischen Symptome, schwere Verstimmung, Melan­cholie und Lebensüberdruß. Das Gedächtnis nimmt ab. Auch das Denkvermögen läßt nach und das geistige Interesse schwindet. Die Schlaflosigkeit, eben­so die Appetitlosigkeit und Diarrhöe vervollkommnen das Krankheitsbild. Nicht feiten wird das ganze Krankheilsblld auch noch durch eine ungeheure Er­müdbarkeit ergänzt, die den Kranken zu vollkommener Untätigkeit verurteilt. Die Symptome gruppieren sich in höchster Mannigfaligkeit. Dr. R. Hennig, Berlin-Friedenau sprach dann über T e l e g r a - phensystem der Naturvölker. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, wenn man glaubt, daß die Kunst der Telegraphie erst eine Erfindung der neue­ren Zeit fei. Vielmehr sind sichtbare und hörbare Telegraphie in systematischer Anwendung seit den ältesten Zeiten und bei zahlreichen Völkerstämmen, zum Teil sogar bei ganz wilden V 'em nachzuwei­sen. Die Feuerkelegraphie, durch welche, der Sage nach, Trojas Fall über das Argäische Meer hinweg nach Mykene- gemeldet wurdet war keine poetische Erfindung, sondern ein zu ziemlich hoher Vollkom­menheit durchgebildete, echtes Telegraphensystem, dessen sich die Hellenen der klassischen Zeit, Karthager, Römer, die alten Gallier, Araber und Chinosen, so­wie zahlreiche Völker des Mittelalters mit bestem Erfolg bedienten- Ebenso finden toix die Feuar- tclegraphie in ost erstaunlicher Genauigkeit bei zahl­reichen mehr oder weniger wilden Vöckerschaften der verschiedensten Erdteile und in höchst entwickelter Weise gerade bei den auf verhältnismäßig sehr nied­riger Stufe stehenden Eingeborenen Australiens, die mit Hilfe von besonders geformten oder gefärbten Feuersignalen nahezu jede beliebige Meldung auf sehr große Entfernungen zu senden vermögen. Neben dieser sichtbaren Telegraphie, die nur dort anwendbar ist, wo große Ebenen weite Ausblicke gestatten, kom­men noch Hörsignale in Vettacht, die sogen. Trom­meltelegraphie, die man erst in dm allerletztm Jahr­zehnten fennen gelernt hat. Auch diese Telegraphie gestattet, jede beliebige Meldung zu übermitteln. Die Trommeltelggraphie scheint bemerkenswertorweise weder den Europäern, noch ben Asiaten, noch den Nordamerikanern bekannt gewesen zu sein, sondern vor allem ben Völkern in Südamerika, insbesondere im Amazonmgebiet, ferner in dem westlichen und rnittlerm tropischen Afrika, wo besonders die Dualla die Trommeltelegraphie zu einer merkwürdig hohen Entwicklung vollendet haben, und schließlich auch auf der australischen Inselwelt, wo sich selbst deutsche Regierungsbeamte der Trommeltelegraphie zu Ver­handlungen mit feindlich«!! Eingeborenen mit Er­folg Schient haben.

* Böse Erfahrungen mit Zigeunern hat im Dori- luden in Weftpreichen der Besitzer Klann gemacht. Diesei- vermietete vor, Jahresfrist sein abseits von einem Grundstück gelegenes W hnhaus mit etwas Land an einen Zigeuner unter de. Bedingung, daß er ein Jahr später das Grundstück kaufen müsse. Zur Sicherheit Wurde ein schriftlicher Vertrag abgeschlos» en. Am 1. Oktober sollte die Uebergabe erfolgen und das vereinbarte Kausgeld gezahlt werden. Der Zigmner zog es iudessm vor, unter Mitnahme seiner wenigen Habseligkeiten zu oerschwiudett. Als bet Besitzer kürzlich fein Haus betrat, prallte er entsetzt zurück. Die Zigmner hatim derart gehaust, daß die Wohnräume unbewohnbar geworden warm. U. a. warm die Holzteile der Stuben abgebrochen und ver­brannt; dasselbe war mit den außenstehenden Zäu­nen bet Fall. Auf die Bewirtschichtung des Landes hatte btt Zigennervater wegen Mangel an Zeit ver­zichtet- Der hiermit sehr zufriedene Besitzer bch

Duderstadt gewohnt zu haben, wo er bei dem großen

Brande mit abgebrannt sei, desgleichen die Fabrik 1 gesund^ Nere^eh? werden' von Nolte, bei der er beschäftigt gewesen- Er sei * --------- -~- -